Archiv der Kategorie 'Weiterführendes'

-prostitution- Maria spricht

Das Warten hat ein Ende: jetzt der dritte Teil über Prostitution; nach Anjas Protokoll kommt hier nun Maria1 zu Wort.
Sie erzählt von wesentlich weniger privilegierten Umständen – und möchte hauptsächlich, daß ihr keine Steine in den Weg gelegt werden.

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Im von Lady Frieda Harris gemalten Crowley-Tarot prangt auf der Karte „Lust“ die „Hure Babylon“.

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Protokoll Maria, Feb./März 2014

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Seit fast 20 Jahren arbeite ich nun immer wieder auf dem Strich. Aber nicht immer, nicht die ganze Zeit. Aber es ist mein Beruf. Was ich am meisten tue, wo mein Geld eigentlich herkommt.
Ich hatte nicht so viel Glück wie Anja, so eigenständig zu arbeiten, nicht von Anfang an. Ganz typisch ist, daß ich aus Polen stamme und wegen der Prostitution nach Deutschland gekommen bin.

Ich wußte schon in Polen, um was es ging. So dumm bin ich nicht! Das wissen die meisten Frauen, die sind auch nicht blöd. Manche sind naiv, das gibt es, aber wer als Haushaltshilfe oder so nach Deutschland will, hat da andere Netzwerke und Bekannte. Diese sind bekannt und besser organisiert, das ist ja üblich, daß polnische Frauen in Deutschland alles mögliche arbeiten.

So war das bei mir zumindest, ich weiß nicht, ob das überall so ist. Und bestimmt gibt es darunter auch Betrüger!! Laut sagen tut man es nicht, keine der Frauen redet über Sex!
Meinen Eltern erzählte ich auch, ich sei Kindermädchen. Sie hätten mich sonst wohl gesteinigt, auch wenn meine Mutter selbst nur mit meinem Vater schlief, weil er für ein Dach über dem Kopf sorgte. Ganz zu schweigen von anderen Problemen: wenn es rauskommt, beschimpft man die Eltern und hilft ihnen nicht mehr. Als Kind hatten wir Nachbarn, die lieber bitterarm lebten als das Geld ihrer Tochter anzunehmen, die nach Russland ging. Weil es hieß, sie sei Hure. Ob es so war, weiß ich nicht, aber die Frauen schweigen deshalb, auch voreinander. Das ist im Blut irgendwann.2

Auch bei der Polizei, dort sowieso. Wird man doch mal erwischt, dann ist man immer offiziell unter Zwang, sonst behandeln die einen umso schlimmer und es hilft einem dann auch keiner.
Und ist es nicht egal? So oft, wie wir übers Ohr gehauen werden, von Anfang an (versucht wird es ja immer), und da sind immer Zwänge, die man nicht mag und die wirklich schlimmer sind, aber nichts mit Sex zu tun haben und für die die Polizei kein Verständnis hat.
Aber die wissen doch auch, daß die Frauen den Mund halten, sie brauchen ihre Sexkunden, die müssen wiederkommen und das tun sie nicht, wenn man was verrät. Den Mund halten, das können die Frauen und müssen sie, sonst geht das alles nicht. Die Kunden können sehr nett sein, aber die Polizei hilft einem eigentich nie weiter. Da ist doch klar, daß man mit denen nicht zusammenarbeitet, wenn das nur Nachteile hat!

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Opferabonnenten, Rachepornos & Neneh Cherry

Hausarbeit immer noch „Frauensache“, männliche Opferabonnenten, Deos mit Aluminium vermeiden, Missy interviewt Neneh Cherry, Broken Age, verzögerte Inklusion in NRW, Reporter ohne Grenzen kritsieren zunehmende Netzüberwachung, Feldzug gegen Rachepornos, freiwillige Prostitution und Watschn von der Kaltmamsell.

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Beim Deokauf in Zukunft besser auf Begriffe wie „Ammonium Alum“ und „Potassium Alum“ achten – aluminiumhaltige Deos sind eher kritisch zu betrachten:

In vielen handelsüblichen Deos wie Nivea, Dove oder Rexona steckt Aluminium. Genau genommen handelt es sich dann nicht um ein geruchsminderndes Deodorant, sondern um ein Antitranspirant. Aluminium verhindert Schwitzen auf zwei Wegen: Es zieht die Hautporen zusammen. Außerdem bildet es zusammen mit Proteinen einen gelartigen Komplex, der temporär „wie ein Propfen“ (BfR) die Schweißkanäle verschließt. Das ist der gewünschte Effekt. Unerwünscht ist dagegen die Aufnahme in den Körper. Laut BfR dringt der Stoff über frisch rasierte oder verletzte Haut besonders gut ein.

Studien bringen Aluminium immer wieder mit Brustkrebs und Alzheimer in Verbindung. Das BfR hält die wissenschaftlichen Belege dafür derzeit für nicht ausreichend, allerdings sei die Datenlage widersprüchlich, mehr Forschung nötig.

Für Nervensystem, Knochenentwicklung, Fruchtbarkeit und für Embryos seien große Mengen Aluminium jedoch nachweislich gefährlich. Zwar werde der Stoff bei gesunden Menschen über die Nieren ausgeschieden. Langfristig reichere er sich jedoch in Lunge und Skelett an. Eine „abschließende Risikobewertung“ wagt das BfR nicht. Dennoch solle eine regelmäßige Zufuhr über einem bestimmten Schwellenwert vermieden werden.

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Das Missy Magazine interviewt die wunderbare Neneh Cherry:

Dieser Herzschlag von Womanhood, Feminismus und Stolz darüber, wer wir sind in einer Art Sisterhood, ist essentiell. Wenn ich zurück blicke und daran denke, was ich gelernt habe aus meiner Beziehung und meiner Freundschaft mit Ariane oder Tessa Pollitt, Viv Albertine und anderen Frauen aus dieser Runde – für mich waren diese Frauen sehr inspirierend. Sie haben mir gezeigt, dass alles möglich ist. Ari ist ja vor zweieinhalb Jahren gestorben und ich glaube, bis heute ist ihre Relevanz für Frauen in der Musik vollkommen unterschätzt worden. Als ich das erste Mal Björk gehört habe, hat es mich sofort an Ari erinnert! Ich glaube, dass sie sicher eine große Inspiration für sie war. Es ist wichtig, dass wir Frauen uns daran erinnern, dass wir auf einer Reise sind und dass wir nicht aufhören dürfen, zu kämpfen. Es ist einfach, rumzusitzen und zu sagen, dass wir es doch schon so weit gebracht hätten und so vieles besser sei. Faktisch sind viele Sachen das noch nicht.

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Hausarbeit dürfen hauptsächlich immer noch Frauen erledigen – immer noch kein Auslaufmodell:

Die Ungleichgewichte haben aber nicht immer damit zu tun, dass die Frau zu Hause bleibt, um auf die Kinder aufzupassen, während der Mann im Büro das Geld verdient. Auch in Partnerschaften, so zeigen Studien, in denen beide Partner Vollzeit arbeiten, bleibt das Gros der Haushaltsarbeit an der Frau hängen. Im Durchschnitt müssen Männer, die mit einer Partnerin zusammenleben, weniger im Haushalt arbeiten, als wenn sie alleine leben. Leben Frauen hingegen mit einem Partner zusammen, bringen sie mehr Zeit für den Haushalt auf, als wenn sie alleine wohnen.

Studien zeigen allerdings auch, dass sich eine faire Aufteilung der Hausarbeit für Paare lohnen kann: Je gleicher die Aufgaben im Haushalt verteilt sind, desto zufriedener sind die Partner mit der Beziehung – und desto weniger Ärger gibt es.

In den Kommentaren (von Männern zumindest) ganz lustig, daß viele z. B. Handwerkliches („Männersache“ also) von Frauen nicht zu Hausarbeit zählen.
Klar, weil natürlich jede (Haus-)Frau erstmal wartet, bis der Erretter abends nach Hause kommt, um einen Nagel in die Wand zu hauen oder schwere Möbel zu verrücken, damit sie staubsaugen kann! ;)
Einfach mal durchlesen; doch wirklich, diesmal sind die Trolle wirklich putzig – wie sie sich gegenseitig versichern, wie „echt männlich“ („ich brauch nur 5 Minuten zum Putzen höhöhö), überlegen sie (selbst) bei der Hausarbeit sind. =)
„…und wenn sie nicht gestorben sind, so tummeln die Trolle sich noch heute fröhlich auf Z.O. …“, hach man merkt, es wird Frühjahr!
Nein, ganz ernsthaft – lest hier mal die Kommentare und ihr habt Einblick, wie es in so manchem deutschen Haushalt zugeht.
Beispielsweise Kommentar #28 ist sehr lustig (Hervorhebungen von mir):

ich, der Mann im Hause, kümmere mich um die körperlich anstrenden Sachen wie z.B. zweimal im Jahr bei je zwei Autos den Reifenwechsel, der Haussinstandhaltung und um die geistig anspruchsvolleren Angelegenheiten z.B. Immobilienfinanzierung, Versicherungswesen und um Software- und Hardwarepflege der IT-Systeme des PC, Laptop, Android-Smartphone und Tablett inkl. W-LAN, Accounts und Security.
Zudem repariere ich die Fahrräder und tune das technisch ansruchsvolle RC-Car (verbastle LiPo Akku mit angemessenen Servo) und sorge für entsrechenden Ladestrom der dem Akkutyp angebracht ist.

Meine Frau macht halt die Hausarbeit und Hausaufgabenbetreuung des Kindes.
Für uns beide vollkommenn normal.

Tcha. Finde den Fehler in diesem Bild.

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Die Kaltmamsell teilt aus, zum Beispiel gegen Homophobe:

Ich muss mich immer wieder dazu disziplinieren, besonders bescheuerte homophobe Argumente nicht einfach dezent zu ignorieren (es fühlt sich für mich immer ein bisschen unhöflich an, Menschen durch Gegenargumente zu unterstellen, dass sie diesen Blödsinn jetzt wirklich ernst gemeint haben – völlig fehlgeleitetes Fremdschämen). Sondern mit Argumenten und Fakten gegenzuhalten.

Als da wäre der Vorwurf, Homosexualität sei unnatürlich. Wie bei allen Argumenten mit Natur würde ich am liebsten einen Schritt zurück gehen und fragen, was eigentlich “Natur” ist und “natürlich”, denn das ist ein hochinteressantes und schrecklich unordentliches Gebiet, aber die Frage wäre – so sozial kompetent bin ich dann doch – in diesen Situationen unangebracht. Also verweise ich darauf, dass es zahllose Arten gibt, die gleichgeschlechtliche Paarungen kennen.

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Aram Lintzlel über männliche Opferabonnenten:

Matussek ist nicht allein, es sind zwei, drei viele Matusseks! Fans und Freunde huldigen ihm wie einem Messias.

Was seinen Facebook-Clan zusammenhält, ist das erhabene Gefühl, Opfer zu sein: Opfer eines maßlosen Terrors der Minderheiten. Das können die nervigen Homos sein, die nicht erkennen wollen, dass es jetzt mal genug ist mit ihrer „schrillen“ Überpräsenz. Das können auch Frauen sein, die zu weit gehen mit ihrem Gleichstellungskrieg. Provo-Meister Harald Martenstein, Matusseks Bruder im Geiste, schrieb neulich in seiner Schenkelklopf-Kolumne im Zeit-Magazin über den Feminismus: „Ab einem gewissen Maß an Übertreibung wird das zu einer für die Umwelt nicht ungefährlichen Geisteskrankheit.“

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Die Mutter eines Opfers geht gegen einen sog. „Rachepornoseiten-Betreiber“ vor – bewundernswert beharrlich und vor allem erfolgreich:

Das FBI verspricht Ermittlungen, erste Zeitungen berichten über den Kampf der Mutter gegen das Ekel aus dem Internet. Sie schickt Briefe an mehr als 50 Politiker und freundet sich mit einem Facebook-Manager an – »so konnte ich mit nur einem Anruf dafür sorgen, dass Hunter Moores Profil dort immer wieder gesperrt wird«. Über einen Kontakt zum Internet-Bezahlsystem PayPal kann sie verhindern, dass Racheporno-Fans Geld an Hunter Moore spenden können. Der Druck nimmt zu.

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Reporter ohne Grenzen kritisiert scharf die zunehmende Netzüberwachung:

Die zentrale Rolle von Behörden wie der NSA und dem GCHQ bei der flächendeckenden Überwachung von Millionen Menschen wiege umso schwerer, als sie jeder westlichen Kritik an autoritären Staaten wie China, Saudi-Arabien oder Turkmenistan den Wind aus den Segeln nehme, sagte ROG-Vorstandsmitglied Matthias Spielkamp. „Wer selbst massenhaft Bürger ausspäht, kann andere Regierungen kaum glaubwürdig zu mehr Achtung der Informationsfreiheit im Internet drängen.“

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Etwas älterer Beitrag über Prostitution in Deutschland, aber kann nicht oft genug drüber debattiert werden:

Alles hänge von der Freiwilligkeit ab. Und wer definiert was freiwillig ist? „Wenn man sich bewusst für die Prostitution entschieden hat, dann ist sie freiwillig, egal, ob man dies aus Spaß macht oder aus ökonomischen Gründen. Das ist wie bei jedem anderen Beruf auch“, so die Hamburger Prostituierte Johanna Weber. Das, was jetzt geschehe, die Forderung, Prostitution abzuschaffen, so wie es Schwarzer und mit ihr Politiker und Prominente fordern, habe nichts mit der Bekämpfung der Zwangsprostitution zu tun, sondern diene nur der Durchsetzung anderer Moralvorstellungen.

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Für Gamer: Charlott empfiehlt „Broken Age“.

Broken Age erzählt parallel zwei Geschichten, welche entweder nacheinander oder im Wechsel gespielt werden können, und welche sich natürlich als verknüpft herausstellen, auch wenn dies zu Beginn sehr abwegig erscheint, so unterschiedlich sind die Welten der Protragonist_innen Shay und Vella. Shay lebt (mehr oder weniger) allein auf einem Raumschiff, wo sein Alltag aus dem Spielen fiktiver Missionen besteht. Vella hingegen wohnt in einem kleinen Dorf, welches sich auf ein Opferfest vorbereitet, in welchem auch Vella dem Monster Mog Chothra dargeboten werden soll. Beiden Figuren gleich ist der Wunsch sich nicht ihrem so klar vorgezeichnetem Schicksal ergeben zu wollen, sondern gegen dieses anzukämpfen.

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Was in diesem Land wohl alles erreicht werden könnte, wenn die zuständigen Einrichtungen sich produktiven Dingen zuwenden würden statt rumzuzicken?? In NRW zum Beispiel hätte man sich schon vor ner Weile auf Inklusion von behinderten Schülern vorbereiten können:

Der Streit über die Finanzierung hat für Städte und Gemeinden den Vorteil, dass er von eigenen Versäumnissen ablenkt. In Ratingen bei Düsseldorf sei keine einzige Schule auf die Inklusion vorbereitet, sagt Karin Keune, die einen Platz an einer allgemeinen Schule für ihren geistig behinderten Sohn sucht. „Die Stadt hat bis zum Schluss gepokert, dass die Inklusion doch nicht kommt.“ Auch ihr Sohn besucht derzeit die vierte Klasse der Grundschule.

Das Schulamt hat ihr eine Liste mit weiterführenden Schulen gegeben, doch hätten diese kein Konzept für den gemeinsamen Unterricht. Stattdessen heißt es: „Wenn im Sommer die Sonderpädagogin kommt, schauen wir mal, wie das läuft.“ Keune befürchtet, dass ihr Sohn letztlich auf einer Förderschule landet, weil sich keine allgemeine Schule vorbereitet.

Special Service Saturday: Maskulisten, Feminist_innen & Networking

Weil man (v. a. auch frau) manchmal keine Lust hat, schon wieder den Kopf auf die Tischplatte schlagen zu müssen, ist das Lesen der Kommentarforen oft mit einigen Risiken verbunden, da hier Trollhorden ganz klar ihr Revier haben. Besonders schön zu beobachten auch bei Scientology oder AfD. Die sind auch und gerade deswegen so berichtenswert, weil man als Onlinemedium gern und gezielt Trolle anlocken kann und die Klickzahlen in die Höhe schießen. Wer Ghostery installiert hat, kann sehen, wie viele und welche Dienste gerade auf der Süddeutschen das Leser_innenverhalten analysieren (Screenshot):
Ghostery Purple Box Süddutsche

Ich versteh das ja auch irgendwo. Klickzahlen sind hier bare Münze.
Wenn ich meine Referer manchmal so anschaue, kann ich auch hier auf meinem Popelblöglein sehen, wer mir zu wie viel Klickzahlen verhilft. Ein Tip: Reizworte im Titel machen sich bei manchen Themen bezahlt. In gewisser Weise kann man das ausnutzen, ja.

Andererseits – das nutzen wiederum die Trolle sowie Trolle in spe genauso aus. Niemand kann leugnen, daß gerade die AfD sich mit Netz-PR 1a auskennt. Warum nutzen WIR das jetzt nicht?
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Muttiblogging, Wahl und Paypal-Sicherheitslücke

Bedingungsloses Grundeinkommen, Fat Shaming/Mobbing, Assads Chemie stammt auch aus Deutschland, Phänomen „Mamablogs“, Paypal jucken Sicherheitslücken nicht so wirklich, „Ummah – Neue Freunde“, Google+ ist die Matrix, Bundestagswahl, Allensbachzahlen, Nachruf auf den Kritikerpapst, Rassismusdoku „Blue Eyed“ und Star Trek Bridge Battle.

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Die Süddeutsche reviewt wohlwollend den Film „Ummah – unter Freunden“:

Frederick Lau spielt diesen Daniel als schweigsamen, verstörten jungen Mann, in dessen Zügen sich auch die Zweifel an den Institutionen von Überwachung und Verbrechensbekämpfung spiegeln, die auch schon vor der NSA-Affäre schwelten. Die ersten Begegnungen in der neuen Umgebung sind noch von berufsmäßigem Misstrauen vergiftet, gegenüber der hübschen Nachbarin, die ihn freundlich willkommen heißt oder dem Besitzer des Gebrauchtelektronikladens (Kida Khodr Ramadan), der ihm ein altes Fernsehermonstrum aufschwatzt. Doch dann dauert es nicht mehr lange, bis Vorurteile und Berührungsängste aufgeweicht werden, durch die unkomplizierte Freundlichkeit, mit der ihm hier in einem Akt umgekehrter Integration die Türen zur fremden Kultur geöffnet werden.

Dabei ist es auch nett, in Foren von Onlinezeitungen auch mal einen schönen Kommentar zu lesen, wie den hier:

mattijoon vor 5 Stunden

Ich als Wahlberliner habe das Integrationsproblem ehrlich gesagt noch nicht gesehen.

Die Segregation in türkische und deutsche Viertel wurde von der deutschen Regierung vor Jahrzehnten so veranlasst, das kann man den Türken nicht ankreiden. Die haben ihre eigenen Geschäfte und Essbuden, ich geh da manchmal einkaufen, die sprechen alle Deutsch und ich wurde immer freundlich behandelt.

Dass die ein wenig ihre eigene Kultur erhalten wollen, finde ich natürlich. Wenn ich selbst im Ausland bin, umgebe ich mich gerne mit Deutschen und freue mich, wenn ich irgendwo eine deutsche Bäckerei finde.

Das Kriminalitätsproblem schließlich ist ein Problem der sozialen Klasse – die meisten Türken in Deutschland sind nunmal keine Akademiker sondern einfache Arbeiter, die vom Dorf in der Türkei stammen. Ich erwarte nicht, dass die Goethe rezititieren können. Ich wette, Deutsche aus ähnlichen sozialen Verhältnissen weisen eine ähnliche Kriminalitätsstatistik auf.

Also was genau ist das Problem nun eigentlich?

=)

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Herrliche Gifparade bei Trekkie Feminist – starring a battle scene on the bridge:

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Weil seine Zwillingsschwester wegen ihres Gewichts in der Schule gemobbt wird, schreibt ein amerikanisches Kind eine Bitte an den Weihnachtsmann (dafür übles Fatshaming und Victim Blaming in den Kommentaren…):

„Amber wird in der Schule wegen ihres Gewichts gehänselt. Sie tut nichts, um dagegen anzukämpfen. Wie die meisten Kinder, die gemobbt werden, schluckt sie es hinunter“, berichtet Posnanski in dem Leserportal. „Als ich acht Jahre alt war, wog ich selbst 100 Kilo. Ich weiß, wie es ist, in die Schule zu gehen und auf die verletzenden Kommentare der anderen zu warten. Aber mit Menschen wie Ryan, die wahre Schönheit sehen und das Beste für andere Menschen wollen, können die Tyrannen bekämpft werden.“

CNN griff die Geschichte auf und kontaktierte die Mutter. „Ich versuche, das Selbstbewusstsein meiner Tochter zu stärken und sage ihr, dass sie schön ist. Die Leute sagen auch zu mir verletzende Dinge, weil auch ich ein Gewichtsproblem habe“, sagte Karen S. CNN. „Trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, was sie durchmacht.“ Ihre Tochter habe nie direkt gesagt, dass sie gemobbt werde.

Es gibt darunter allerdings auch gute Kommentare, wie den hier:

48. Gefährlicher Unfug
feuercaro1 heute, 19:23 Uhr
Über einige Kommentare und ihre komplett ahnungslosen Verfasser hier bin ich wirklich entsetzt. Die MUTTER ist SCHULD? Dicke mobben ist okay, denn die können ja abnehmen? Na bravo! Das Mädel ist 8 Jahre alt und dick. Was es bedeutet, wenn man ein Kind, welches möglicherweise aus psychischen oder endokrinologischen Gründen (schon einmal etwas von „Hashimoto“ gehört? Nicht? Googeln Sie!) auf eine Diät setzt, kann ich mir jeden Tag im Spiegel betrachten. Ich war in ungefähr dem gleichen Alter, als meine Eltern mich -wohlmeinend- und auch noch auf Rat meines Klassenlehrers auf Diät setzten und im Turnverein anmeldeten. Die Diät führte zur Senkung meines Stoffwechsel-Grundumsatzes. Das bedeutet, dass mein Körper gelernt hat, mit sehr wenigen Kalorien zu funktionieren – auf deutsch: alles über 1.200 cal am Tag lässt mich zunehmen. Im Turnverein bin ich noch schlimmer gemobbt worden, als in der Klasse. Mir hätte es viel besser getan, wenn sich mein Lehrer und meine Eltern auf meine Seite gestellt und meine Körperlichkeit als mein unveräußerliches Recht verteidigt hätten. Stattdessen wurde ich als mangelhaft und „reparaturbedürftig“ hingestellt. Meine Eltern gestatteten sogar meinem Bruder, sich hämisch nund abfällig mir gegenüber zu verhalten. Später darauf angesprochen verteidigten sie sich mit „Wie dachten eben, du könntest alle Motivation gebrauchen!“. Meine Kindheit war jedenfalls versaut. Und wenn ich hier lese, wie anmaßend und selbstgerecht Erwachsene meinen, das kleine Mädchen hätte abzunehmen, dann würde sich das mit dem Mobbing schon geben, bekomme ich Gewaltphantasien.

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„Captain! Der Worpreaktor explodiert!“ – „Ach was… na, vielleicht kommwer nächste Woche mal dazu, das Ding zu reparieren…“

Millionen Menschen vertrauen dem Bezahldienst PayPal ihr Geld an und verschicken darüber mehr als 40 Milliarden Dollar im Quartal. PayPals Website ist der Zugang zu ihren Konten. Die Sicherheit dieser Website sollte für das Unternehmen daher an erster Stelle stehen. Dass selbst so große und so verletzliche Netzdienste bei der Technik Fehler machen, haben dem Unternehmen gerade zwei junge Männer gezeigt.
(…)
In dem Ordner standen keine Passwörter, aber an dieser Stelle hörten sie auf und informierten PayPal. „Wir hätten mehr herunterladen können“, sagt Schäfers. „Das waren die Root-Server, da läuft alles drüber. Wir hätten den gesamten Quellcode von PayPal auslesen können.“ Doch sie sind white hats – gute Hacker. Sie wollen nichts kaputt machen, sondern nur zeigen, dass es theoretisch möglich ist. Was es nicht leichter macht, die Betroffenen zu überzeugen, dass sie ein Problem haben.
(…)
Nach einigem Hin und Her änderte das Unternehmen doch etwas an seiner Website; genau genommen nach drei Monaten. Mit dem Ergebnis, dass Neef und Schäfers ihren Augen wieder nicht trauten. Sie konnten die neuen Einstellungen umgehen, alles war wie zuvor. Wieder meldeten sie sich bei den Technikern der Firma. Erst dann wurde die Lücke geschlossen. Da waren erneut ein paar Wochen vergangen.

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Man wünscht der Regierung in Deutschland die Einsicht eines Iron Man – Syrien hat für seinen Chemiebaukasten in Deutschland eingekauft:

Der Rüstungsexperte der Linkspartei, Jan van Aken, erhob schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der rot-grünen sowie der schwarz-roten Regierung zwischen 2002 und 2006. „Es kann und darf nicht sein, dass diese Chemikalien ausgerechnet nach Syrien geliefert wurden, von dem man damals schon wusste, dass es ein riesiges Chemiewaffenprogramm unterhält“, sagte van Aken. Allen Beteiligten müsse klar gewesen sein, dass sie für die Produktion von Sarin eingesetzt werden könnten.

Gregor Gysi, Bundestagsspitzenkandidat der Linken, nahm auf seinem facebook-Profil ebenfalls Stellung: „Deutschland ist offenkundig mitschuldig an dem Tod von über 1.400 Kindern, Frauen und Männern durch den nun festgestellten Chemiewaffenanschlag vom 21. August bei Damaskus.“

Bei einem Angriff mit Sarin waren am 21. August im Raum Damaskus 1.400 Menschen getötet worden. Westliche Regierungen machen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad dafür verantwortlich.

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auf Zehenspitzen macht sich Gedanken übers „Muttibloggen“:

Mütter im Internet geben viel Diskussionsstoff – meistens, weil abfällig oder negativ über ihr Tun kommentiert wird. Zusammenfassend lauten Feuilleton-und Mainstream-Tenor und Alphablogger_innen-Sicht: Muttiblogs sind der Wäh-Pfui-Pink-Bereich im Netz. Triviale Problemchen werden dort zerredet und das eintönige Heimchen-am-Herd-Privatleben instagram-isiert. Außerdem: Mommy Wars hoch drei. Manche schaffen den Sprung zur mehr oder weniger anerkannten Fashion-Lifestyle-Bloggerin. Und alle so: Yeah! Immerhin.

Ich selber spähe mit gemischten Gefühlen aus der feministischen (Mütter)-Bloggerinnen-Ecke auf Mamabloggerinnen. Ich rate jeder ab, Rat auf Elternfragen in einem parents.at-Forum zu suchen und bin in meiner Spätschwangerschaft an den Blogs verzweifelt, in denen Mütter ihre Mühen und Nöte humorvoll verpackt – immer einen nachsichtigen Seitenhieb auf den in Babysachen überforderten und in Haushaltsangelegenheiten zaudernden Kindsvater parat – als Anekdoten preisgeben. Diese “Humor ist, wenn man trotzdem lacht”-Mentalität machte mir Gänsehaut. Das tut sie nach wie vor. Denn sie sagt auch, “So ist das Leben” und “Finde dich damit ab”.

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„Emanzipiert sind wir selber“? Frauenpolitik brauchen wir nicht mehr? Die neuen Allensbachzahlen:

Die Gretchenfrage lautet: für wen spricht die Ministerin? Für eine schweigende Mehrheit der Frauen in diesem Land, die Feministinnen schon immer unsympathisch fanden und Quoten geradezu kontraproduktiv? Oder doch eher für eine bestimmte Gruppe konservativer Frauen, die dem medial verkündeten Zeitgeist folgen. Denn das darf man nicht vergessen, die Mehrheit der Medien findet Geschlechterpolitik bestenfalls lächerlich, schlechteren falls erklären sie sie für gefährlich – weil sie angeblich „den neuen Menschen“ heranzüchten soll und die „Identität von Jungen und Männern zerstören“ wolle. Ja, das sind Originalzitate aus Spiegel und Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung.
(…)
Über die Hälfte der befragten Frauen sehen einen zunehmenden Mangel an Gleichberechtigung, mehr als in den Jahren zuvor. Zwei Drittel aller repräsentativ befragten Frauen finden, dass in der Gleichstellungspolitik noch viel zu tun ist. Nur ein Viertel der Befragten meinte, dass sie die gleichen Karrierechancen haben wie Männer. Und sogar die Männer, die dazu neigen, die Geschlechterverhältnisse als prima anzusehen, waren zu 41 Prozent der Ansicht, dass für die Gleichberechtigung noch viel getan werden muss. Ja man könnte sagen, dass Männer mehr Gleichstellungspolitik wollen als unsere Frauenministerin.

Mit anderen Worten: ja, wir sind ein geschlechterpolitisch konservatives Land, aber im Gegensatz zu Kristina Schröder und einigen Herren in der Qualitätspresse hat doch eine Mehrheit der repräsentativ befragten Menschen den Eindruck, dass wir daran etwas ändern sollten.

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Zita Bereuters Nachruf auf Marcel Reich-Ranicki:

Der Kritikerpapst ist tot. Lange lebe der Kritikerpapst!

„Man soll die Kritiker nicht für Mörder halten. Sie stellen nur den Totenschein aus“, erklärte Marcel Reich-Ranicki 1996 im Rahmen des Cicero-Preises.

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Ninia LaGrande, fünf Tage vor der Wahl:

Am Vorabend sitzt ein Kanzlerkandidat bei zwei sich selbst sehr liebenden Fernsehfuzzis. Er verrät, dass er mit einem der Moderatoren ein Bier trank (das soll ihn cool wirken lassen, weil Angie nur Kirschschnaps trinkt) und stellt klar, dass einer mit Sicherheit nicht schuld sei, sollte er nicht gewinnen: Er selbst.
In einem anderen Studio sitzen fünf alte, weiße Männer mit einem alten, weißen Moderator und diskutieren über die Zukunft. Es sind die gleichen Menschen, die auch schon vor zwanzig Jahren über Zukünfte diskutiert haben und es hat sich kaum etwas geändert. Ein bisschen runzliger sind sie geworden, aber das sind Äußerlichkeiten. In der Politik beschäftigen wir uns doch mit Inhalten. Oder?

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Auch Nele Tabler ist gedanklich bei der Bundestagswahl:

Sehen, hören und beißen zu können, gehört für mich zu den Menschenrechten. Ich halte es für einen Skandal sondergleichen, dass in einem reichen Land wie unserem Brillen, Hörgeräte und Gebisse zum reinen Privatvergnügen geworden sind. Unvergessen die arrogante Empfehlung der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Wenn Sie kein Geld für eine Brille haben, nehmen Sie einen Kredit auf!“

Werde ich mir Zukunft eine Brille leisten können oder nicht, beantwortet mir aber kein Wahlprogramm der Parteien und ist somit als Wahlkriterium ungeeignet. Ähnliches gilt für Rente oder Pflege.

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Kübra empfiehlt die Dokumentation „Blue Eyed“:

An diesem Tag behandelte sie alle ihre blau-äugigen Schüler wie Weiße, privilegiert und überlegen gegenüber den nicht-blau-äugigen Schülern, die sie so behandelte wie schwarze Kinder in den USA behandelt wurden, so als seien sie weniger intelligent, weniger fleißig und fähig. Schon bald übernahmen die Kinder diesen Umgang, die “Überlegeneren” verhielten sich arrogant und überheblich gegenüber ihren Klassenkameraden. Ihre Leistungen verbesserten sich, sie wurden selbstbewusster. Auch die “Unterlegeneren” veränderten sich; selbst jene, die vorher dominant und durch ihre guten Leistungen hervorstachen, nahmen sich zurück, ihre Leistungen wurden schlechter.

Seit jeher setzt Elliott diese Experimente fort. In der Dokumentation “Blue Eyed” wird man Zeuge dieses Experiments bei Erwachsenen. Erwachsene, die in Tränen ausbrechen, weil sie für wenige Stunden lediglich im Rahmen eines Experiments wie Schwarze behandelt werden.

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Google +
– willkommen in der Matrix:

if you create a Gmail account, you‘ll automatically get a Google+ account. Even if you don‘t ever do anything with it, the Google+ account will track you wherever you‘re signed in to your Google account.

If you‘re not signed in when you visit it, Google’s front page has a „SIGN IN“ button in red and white in the top right: prime colouring and location to grab your attention.

Maps? If you want to save locations, Google+ is pushed at you (for sharing too, though you can avoid it). You have to sign into your Google+ account to edit anything with its Mapmaker facility. (You have to have an account to edit OpenStreetMap too, though there are lots of accounts you can use – an OSM one, or Google, Yahoo, Wordpress, AOL.)

YouTube? You can use it without signing in (you‘ll get a „Sign in“ label in the top) but of course you can‘t participate by, say, commenting. Drive? Shopping? Wallet? The soon-to-come paid music service? Google+ demands that you log in, so it can sees it all, and log it.

The reason why it doesn‘t seem like much of a social network is that the „friending“ and „following“ are just an accidental outgrowth of what it really does – being an invisible overlay between you and the web, which watches what you‘re doing and logs it and stores that away for future reference.

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Antje Schrupp hat über das bedingungslose Grundeinkommen geschrieben; das Kapitel nennt dabei einen zentralen Punkt, „Erkennen, was notwendig ist“; dazu gibt’s Links zu den ersten Feedbacks:

Ina Praetorius hat das Buch schon gelesen und hier ein bisschen was darüber geschrieben. Lustig fand ich auch diesen Verriss in der NZZ, in dem ich mit der Aussage zitiert werde, zur Ökonomie gehöre nicht nur das Tauschen, sondern auch, Dinge ohne Gegenleistung zu bekommen. Was man dort offenbar völlig absurd findet. Wahrscheinlich sind die Redakteure der NZZ niemals Kinder gewesen, sondern von irgendwoher voll funktionstüchtig auf die Erde geplumpst, sodass sie jederzeit für sich selber sorgen konnten.

Cultural Appropriation & Cultural Paternalism

Hallo!
Erstmal Danke an Reality Rags, dass ich als erste Gastautorin hier schreiben darf – zugleich ist das auch mein erster Blogeintrag überhaupt! Ansonsten kommentiere ich gelegentlich auf (feministischen) Blogs unter dem Namen Lady Lukara.
Das habe ich letztens auch bei der Mädchenmannschaft versucht , eine Diskussion anzuregen (zugegebenermaßen etwas aggro), leider erfolglos, es wurde nicht darauf eingegangen, was ich schade finde. Aber vielleicht hier?
Ich bin selbst person of colour und hätte zu dem Thema „Cultural Appropriation“ (also wenn gerade „westliche“ Menschen sich gedankenlos Dinge aus anderen Kulturen aneignen) vieles zu sagen, gerade weil ich auch betroffen bin. Und deswegen halte ich einen offenen, respektvollen Dialog für wichtig, der auf der Mädchenmannschaft leider nicht entstehen konnte.


(ein weiterer differenzierter Ansatz von „freshfeminism“)

Eins vorweg: Klar ist Cultural Appropriation scheisse. Gerade die besprochenen Kosmetiklinien, die „afrikanisch“ wirken sollen, sind eklig – immer wieder wird so getan, als sei Afrika ein einheitliches Land. Dabei ist es ein Kontinent mit vielen verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen, Ansichten. Es käme ja auch niemand auf die Idee, IsländerInnen und SpanierInnen in einen Topf zu werfen, nur, weil’s beides europäische Völker/Länder sind!
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