Archiv der Kategorie 'Vorsicht, enthält Kunst'

Racial Profiling, Feminist Bore-Out & „Bettlerbanden“

Diskriminierung von Frauen im Jurastudium, Sookee-Interview, UNO gegen Kriminalisierung von Drogenkonsumenten, Feminist Bore-Out, Prozeß um unterlassene Hilfeleistung bei einem schwerkranken Flüchtlingskind, München will härter gegen „Bettelbanden“ vorgehen, Künstler_innenkollektiv „COVEN“, soziale Putzfirma in St. Georg, Racial Profiling, heutzutage Musiker_in sein, Lebenspartnerschaften und gute Chancen für Frauen in „männlichen“ Ausbildungsberufen.

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Weibliche Lehrlinge in „Männerberufen“ werden anscheinend immer mehr geschätzt:

„Längst hat auf Arbeitgeberseite ein Umdenken eingesetzt. Frauen haben bei Bewerbungen gute Karten“, sagt Hans Voss. Er leitet bei der Maler- und Lackiererinnung Düsseldorf das Berufsbildungs- und Technologiezentrum. Ein Grund sind die guten Erfahrungen, die Handwerksmeister mit Frauen als Azubis und Gesellinnen machen. „Sie überzeugen oft durch herausragende Leistungen“, erklärt Voss. Er kennt inzwischen Fachbetriebe, die auf einen ausgeglichenen Mitarbeitermix achten. Bei praktischen Arbeiten fallen Mitarbeiterinnen vor allem bei filigraneren Tätigkeiten häufig positiv auf.

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Antje Schrupp über Lebenspartnerschaften:

Der Wunsch nach rechtlicher Anerkennung geht häufig mit einer besonders großen “Normalitätsbekundung” einher: Menschen, die homosexuell monogam leben, sind nicht unbedingt die enthusiastischsten Unterstützerinnen von Polyamorie, denn sie sind bemüht, zu beweisen, dass sie abgesehen vom Schwul- oder Lesbischsein ganz “normal” sind.

Das ist keine Anschuldigung, es liegt vielmehr in der Natur der Sache, dass der Wunsch nach Anerkennung die Tendenz zum Konformismus nach sich zieht. Und das muss auch so sein, denn ohne Zustimmung einer Mehrheit in der Bevölkerung bekommt man keine staatliche Anerkennung.

Deshalb wollte ich an dieser Stelle einfach mal wieder in Erinnerung rufen (denn neu ist der Gedanke ja nicht), dass es im Verhältnis von Lebens- und Liebesformen im Kern gerade nicht um den Wunsch nach Anerkennung seitens des Staates geht, sondern im Gegenteil: um die Freiheit von staatlicher Bevormundung.

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Mehmet Simsit, Wirt des Hansa-Treff, hatte die gute Idee, eine Putzfirma zu gründen, die sich eben auch um die „schmutzigen Ecken“ von St. Georg kümmert und so manchem eine neue Perspektive bietet – denn bei dem Projekt geht es nicht nur ums Putzen:

Er tut, was er kann: Übersetzungen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, dolmetschen. „Für mich sind das vielleicht Kleinigkeiten, aber für die Menschen, die das brauchen, ist es etwas Großes.“ Auch Zwangsprostituierten, die ihren Zuhältern entkommen wollen, unterstützt er: „Wer aussteigen möchte und um Hilfe bittet, bekommt von mir Hilfe.“ Schon mehrfach seien Frauen mit blauen Flecken im Gesicht in den Hansatreff gekommen. Wenn das passiert, wird der Kneipier zornig: „Da habe ich keine Gnade. Zum Glück haben wir auch einen guten Kontakt zur Polizei.“

Im letzten Jahr hat Simsit sogar einen Deutschkurs für Prostituierte aus Osteuropa auf die Beine gestellt, die hier ankommen. Die Hamburger Universität schickte für ein Vierteljahr auf eigene Kosten einen Dozenten, das Stadtteilbüro stellte kostenlos einen Raum zur Verfügung. „Das Wichtigste ist, dass die Leute sich verständigen können“, sagt er. Inzwischen musste er den Kurs aber wieder einstellen, denn die bewilligten Fördergelder darf er nur für Lehrmaterialien ausgeben, nicht aber für Personal.

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In München nimmt die Zahl der Bettler_innen gerade enorm zu. Die Stadt und die Polizei stecken jetzt praktischerweise alle Bettler_innen in die „böse Bettlerbande“-Schublade, gegen die man natürlich jetzt drastisch vorgehen will:

Damit liegt der Polizeibeamte auf der Linie des noch amtierenden Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), der einmal auf seiner Homepage über Bettler in München schrieb: „Bitte seien Sie kaltherzig.“ So weit will KVR-Chef Blume-Beyerle nicht gehen. Doch die steigende Zahl der Bettler in München bereitet ihm Sorgen. „Sehenden Auges“ diese Entwicklung hinzunehmen, hält er für „keine gute Alternative“. Er will nun die Zusammenarbeit mit der Polizei weiter intensivieren, um die organisierten Bettler aufzuspüren. Wilde Camps am Stadtrand oder Autowracks, die im Sommer als Schlafplätze benutzt werden, sollen jetzt sofort beseitigt werden. „Natürlich tun mir die Menschen alle leid“, sagt Blume-Beyerle. Aber als KVR-Chef muss er andere Prioritäten setzen.
Odyseen durch viele Länder

Das hilft den Menschen nicht, die am Ende, ganz unten sind. Selbst in Rumänien können sie nicht von 60 Euro Sozialhilfe pro Monat leben. Also schließen sich viele zu lockeren Verbünden zusammen und reisen nach Norden. Dort, wo es noch Geld gibt. „Die meisten bleiben drei bis vier Wochen, dann ziehen sie weiter“, sagt der Bettler-Polizist Röske. Wenn es dunkel wird, ziehen sie sich von den Straßen zurück. Die Fußgängerzone und der Viktualienmarkt sind als Schlafplatz tabu. Die einen gehen zur Isar, die anderen in die nahe der Altstadt gelegenen Parks.

Aus meinem persönlichen „Nähkästchen“ geplaudert:
Meinereiner strandete einst nach einem Italienurlaub auf dem Münchner Hauptbahnhof. Im Zug hatte man uns den Inhalt unserer Handtaschen ausgeräumt , während wir schliefen… also: keine Kohle, nüscht. Da blieb halt nix anderes, als Geld für ein Bayernticket zu schnorren.
Und die Münchner waren da sehr nett (am süßesten war eine Frau, die gerne was geben wollte, aber kein Kleingeld hatte, uns aber irgendwie helfen wollte – und hat uns dann eine Packung O.B.s geschenkt. :) ) – die Polizei weniger. Mords Aufstand mit Personenüberprüfung, das volle Programm. Außerdem so hilfreiche Fragen wie “ Sie sehen so fertig aus und haben gerötete Augen – sie sind doch auf Drogen!“, woraufhin ich dem Freund und Helfer erklären durfte, daß man eben auch fertig aussieht, wenn man die Nacht über ausgeraubt wurde, kaum geschlafen hat, entsprechend müde/genervt ist, man auch noch Geld zusammenschnorren muß und man eigentlich nur heim will.
Nachdem wir eine halbe Stunde überprüft wurden, ließ man uns wieder gehen, aber wir sollten keine Leute mehr ansprechen etc.
Der ganze Aufstand, der bei der Kontrolle betrieben wurde, bot auch den Umstehenden eine gute Show. Woraufhin uns eine ältere Dame, die das Ganze mitgekriegt hatte, dann den fehlenden Betrag fürs Bayernticket spendierte.
Gut, das ist jetzt ca. 8 Jahre her, ich weiß nicht ob die Vorgehensweise der bayrischen Polzei sich geändert hat oder nicht…
Aber wenn ich an die Situation in München denke, und dann diesen Artikel lese, habe ich das leise Gefühl, daß die Stadt München es sich mit diesen Plänen zu einfach macht. Verwaltungstechnisch ist das ja auch praktisch! Eine Sündenbockstrategie funktioniert immer irgendwie. Oberflächlich gesehn zumindest. Man muß sich nicht mehr um die individuelle Situation kümmern, man kann die einfach eine Schublade stecken.
Effektiv ist das aber nicht.
Sicher, man überlegt schon, ob es jetzt eine gute Idee ist, einem Bettler Geld zu geben, wenn es offensichtlich ist, daß er einer von denen ist, die ihr Geld dann abends dem Chef abliefern müssen… mein momentaner Kompromiß (normalerweise geb ich eingentlich allen was) ist, stattdessen eine Zigarette zu spendieren. Kommt irgendwie auch gut an bisher.

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Feminist Bore-Out
; genialer Begriff – trifft er doch genau das Gefühl, das einen immer wieder überfällt:

Mit halbem Auge verfolgte ich dabei das Treiben in den diversen sozialen Netzwerken, und so stach mir irgendwann ein Hinweis auf ein neues Opus Magnus des Laber-Rhabarbers ins Auge: Ein Buch namens “Tussikratie” sei nun erschienen, geschrieben von den zwei Journalismus-Tussneldas Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, und das Brigitte-Magazin fragte dazu ganz aufgekratzt: “Übertreiben wir es mit dem Feminismus?” Hui, wie aufregend! Nicht.

Ich konnte besagten Artikel nur 20 Sekunden lang überfliegen, und dann entschied ich mich, dass ich mich anstatt auf den ewiggestrigen Null-Acht-Fuffzehn-Content zu “Tussikratie” (O-Ton: Gelaber über Geschlecht-Gedöns verursacht noch mehr Probleme. Männer sind auch arm dran. Frauen haben mehr Möglichkeiten (zum Beispiel in der Mode, bunte Kleider und so). Männer sind auch arm dran, weil sie keine Männerbewegung haben. Und überhaupt, es gibt ja auch noch den armen Hausmann. Über den lachen ja auch alle, wenn er mal Kuchen in den Kindergarten trägt. Schnarchschnarchschnarch.) doch eher lieber wieder auf die mittlerweile Tauben fütternde Polly Flint konzentrieren wollte. Klick und weg. Ich schaffte es, noch bevor mir mein Arm eingeschlafen war. Juchheissassa!

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Keine große Überraschung, aber dennoch zum Kotzen – der Altherrenclub in juristischen Fakultäten benotet scheinbar gern nach Geschlecht und Herkunft:

Gemeinsam mit zwei Kollegen vom Max-Planck-Institut und der Uni Göttingen hat er Tausende Datensätze von Jura-Studenten aus Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Erschienen ist ihre Analyse „Zur Benotung in der Examensvorbereitung und im ersten Examen“ in der „Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft“ (Studie als PDF). Sie fragten sich unter anderem: Was beeinflusst die Examensnote? Unterscheiden sich die Ergebnisse von Männern und Frauen? Von Studenten mit deutschem und nicht-deutschem Namen?

Das Resultat erschreckt: Frauen schneiden im Examen knapp zehn Prozent schlechter ab – bei gleichen Leistungen und Voraussetzungen. Ähnliches gilt für Studenten mit ausländischem Namen. Traxler sagt: „Wer sich ein Bildungssystem wünscht, das hinsichtlich Geschlecht und Herkunft neutral wirkt, dem sollte dieses Ergebnis Bauchschmerzen bereiten.“

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Die Mädchenmannschaft interviewt das Berliner Künstler_innenkollektiv „COVEN“:

COVEN Berlin wurde in der Küche der Gründerinnen Lo Pecado und Judy Mièl ins Leben gerufen. Nach monatelangem Reden, Lästern, Lachen und Philosophieren über das Erwachsenwerden als queere Frauen in einer patriarchalen, hetero-normativen Gesellschaft wollten wir unsere Erfahrungen teilen, den Küchentisch verlassen und uns in die öffentliche Sphäre wagen. Was zunächst als Blog begann, entwickelte sich zu einem Online-Magazin, einem Kollektiv aus Menschen mit verschiedenen Herkünften, Hintergründen und Fachkenntnissen. Zum einen kamen diese aus unseren Freund_innenkreisen, zum anderen hatten wir online zur Kooperation mit COVEN Berlin aufgerufen. Wir wurden überrascht wie viele interessante und motivierte Leute sich tatsächlich gemeldet hatten. Als wir am Anfang noch zu zweit waren, hatten wir mit Lo den theoretischen, journalistischen und inhaltlichen Teil und mit Judy den kreativen, visuellen Teil kombiniert, jedoch aufgrund des zeitlichen Aufwands eines Online-Magazins lange nicht abgedeckt. Jetzt sind wir ein multi-mediales Kollektiv, eine Gruppe von ‘Feminist Conqueerors’.


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(Lamgsames) Umdenken bei der UNO in Sachen Drogen:

„Heute hat eine Arbeitsgruppe des UNO-Büros zur Drogen und Verbrechensbekämpfung angekündigt, grundlegend neue Empfehlungen auszusprechen, welche die Strafverfolgung für Drogengebrauch in Frage stellt. Die wissenschaftliche Beratergruppe zu Drogenpolitik, Gesundheit und Menschenrechte der UNODC – unter anderem Nora Volkow, Vorsitzende des Nationalen Instituts gegen Drogenmissbrauch (NIDA) der USA – werden ihre Empfehlungen auf dem High Level Meeting der 57. Internationalen Suchtstoffkonferenz vorstellen. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sagen “strafrechtliche Verfolgung ist nicht hilfreich” und sprechen damit den Drogengebrauch und -missbrauch an.“

Die DPA war sehr Glücklich dies zu Hören: „Es gibt einfach keine wissenschaftliche Basis in der Wissenschaft, Gesundheit oder Ethik um jemanden bloß wegen Drogenbesitzes in das Justizsystem zu verfrachten.“ so DPA Sprecher Ethan Nadelmann. „Hoffentlich helfen die Empfehlungen der UNO, den globalen Trend hin zu einem Ende der Kriminalisierung des Drogenkonsums und -besitzes. Dies würde in den Vereinigten Staaten einen enormen Unterschied ausmachen.“

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Bei Kleinerdrei wird die wunderbare Sookee zu ihrem neuen Album interviewt:

kleinerdrei: Ich könnte mir vorstellen, dass es innerhalb der linken Szene krasser ist mit der Kritik. Stimmt das?

Sookee: Ja, klar. Aber um das zu sagen: Ich halte mich immer auf dem Laufenden, lese viele, viele Blogs, schaue, was gerade thematisiert und diskutiert wird, um nicht hinter der Zeit zu sein. Ich schaue, was es für sprachpolitische Erkenntnisse gibt. Aber trotzdem habe ich auch hier keine Lust, die Maßstäbe von anderen zu erfüllen. Es müssen einfach mehr politisch motivierte Rapper*innen her und gut ist.

kleinerdrei: Das ist die Lösung?

Sookee: Ja (lacht), ganz einfach. Ich mache Workshops für Frauen/Lesben/Trans*, ich versuche, mein Wissen zu teilen und da zu unterstützen, dass Leute nachwachsen und Bock haben, sich auf die Bühne zu stellen. Ich fand’ es ja schon in der Rapszene unangenehm, eine von wenigen Frauen zu sein. Das hier ist ja die gleiche Situation und auch hier finde ich es unangenehm. Ich fände es cool, wenn es hier so wäre wie in Großbritannien.

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Mohamed Amjahid berichteg von seinen Erfahrungen mit „Racial Profiling“ und fordert: entweder wir jede_r kontrolliert oder keine_r.

Das Bundesinnenministerium möchte trotz massiver Kritik von Migrantenverbänden und Parteien an dieser Praxis festhalten. Sie erhöhe „das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden spürbar“, heißt es in einem internen Bericht des Ministeriums. Andere EU-Staaten gehen mit ihrer Gesetzgebung und Kontrollpraxis noch weiter. Als ich bei einer anlasslosen Kontrolle am Nordbahnhof von Brüssel meinen Reisepass nicht vorzeigen konnte – weil ich meinen Reisepass selbstverständlich nicht immer dabeihabe –, drohten die Polizeibeamten, wenn ich mich nicht an Ort und Stelle ausweisen könne, müsse ich 500 Euro Strafe zahlen. Nur eine lange Diskussion und mein Presseausweis brachten mich aus dieser misslichen Lage.

In bayerischen Zügen liegt meine persönliche Kontrolliert-werden-Quote bei 100 Prozent. In einem Regionalzug nach Kempten im Allgäu saßen neulich zwei weiße Amerikaner mit überdimensionierten Reiserucksäcken und deutsche Kurgäste, die sich auf ihren Aufenthalt auf der Alm freuten. Von der Bundespolizei kontrolliert wurden nur drei Passagiere: ein junger Schwarzer, ein Mädchen mit Kopftuch und ich. Bekannte erzählen mir immer wieder von Situationen, in denen sie gewaltsam festgehalten und abgeführt wurden. Viele von ihnen meiden unnötige Aufenthalte auf Bahnhöfen.

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Dem Flüchtlingskind Leonardo wurde medizinische Hilfe unterlassen, als er in einer Notlage war – und nur knpp überebte, mit einem Zehen und einem Finger weniger. Jetzt beginnt die Verhandlung:

Auch als der Junge große schwarze Flecken im Gesicht, an Armen und Beinen hatte, wollte man an der Pforte des Aufnahmelagers keinen Krankenwagen rufen. Schließlich schickte man die Familie bei winterlichen Temperaturen zu Fuß ins zwei Kilometer entfernte Dorf. Dort erbarmte sich ein Autofahrer, die Flüchtlingsfamilie zu einer Kinderärztin zu fahren, die ebenfalls in Fürth vor Gericht aussagte.

Die Kinderärztin ließ das Kind sofort in die Klinik bringen, wo das Leben des kleinen Leonardo nur knapp gerettet werden konnte. Er war an einer Meningokokkeninfektion erkrankt und blieb zwei Wochen im künstlichen Koma. Außerdem musste sich das Kind umfangreichen Hauttransplantationen unterziehen und verlor einen Zeh und einen Finger.

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Johnny Haeusler stellt fest: es ist großartig, heutzutage Musiker zu sein.

Das Netz hat mit Download- und Streaming-Plattformen nicht dafür gesorgt, dass Menschen plötzlich mehr Zeit zum Musikhören haben. Es hat aber Musik präsenter denn je gemacht und den Zugang zu ihr sehr stark vereinfacht. Und es bietet jungen Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb und beim Marketing, von denen man noch vor zehn Jahren nur träumen konnte.

Verdienstmöglichkeiten bleiben zwar eine Herausforderung, Dienstleister teuer und die Chancen auf spürbare Gewinne klein. Doch mit bewusst agierenden Unterstützern und Konsumenten, die das Shirt oder die CD direkt bei der Band kaufen und auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Vereine wie die GEMA zwar stark reformbedürftig sind, aber immer noch mehr im Sinne der Urheber agieren als Google und daher im Moment noch für Komponisten und Texter wichtig sein können, überwiegen die Vorteile beim Musikerdasein im digitalen Zeitalter.

Simphiwe Dana, Margaret Atwood & „Frauen wie andere auch“

Genies mit Misogyniebonus, Street Harassment, Mindestlohn, Simphiwe Dana, Umgang mit Rechtspopulismus, Sexismus in Videospielen, „Frauen wie andere auch“, Homophobie abbauen, „nichtdeutsche“ Vornamen nachteilig bei Jobsuche und Interview mit Maragret Atwood.

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Gesetzesentwurf zum Mindestlohn – hier isser nun, der Schweizer Käse:

Wer geht leer aus? Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten, in denen sie auf einer neuen Stelle arbeiten. Als langzeitarbeitslos gilt, wer offiziell ein Jahr lang arbeitslos war. Zuletzt waren das rund eine Million Personen.

Und wer muss noch verzichten? Zum einen Lehrlinge und ehrenamtlich Tätige. Sie sind keine Arbeitnehmer. Außerdem profitieren Jugendliche unter 18 Jahren nicht von den 8,50 Euro. Damit will die Bundesregierung verhindern, dass junge Erwachsene eine Ausbildung verschmähen, weil ihnen ein okay entlohnter Schülerjob wichtiger ist.

Etwas knifflig wird es bei den Praktikanten: Jugendliche, die ein Pflichtpraktikum für die Schule, im Rahmen der Ausbildung oder für das Studium absolvieren, haben keinen Anspruch auf 8,50 Euro. Wer freiwillig zur Orientierung für eine Lehre oder ein Studium oder ausbildungs- oder studienbegleitend ein Praktikum absolviert, hat zumindest in den ersten sechs Wochen keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Danach schon.

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Wie sich Homophobie abbauen läßt (Stichwort: mühsam nährt sich das Eichhörnchen…), mit guten Quellenangaben/Links!

Warum die Vorbehalte gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Trans*-Personen noch immer hoch sind, hat auch viel mit Unkenntnis zu tun. Unbekanntes erzeugt Unbehagen, Vertrautes erzeugt Sympathie. Dieser „Mere-Exposure-Effekt“ ist eine fundamentale psychologische Gesetzmäßigkeit, die auf Musik, Werbebotschaften, Personen und vieles andere gleichermaßen zutrifft (Bornstein, 1989).

Viele Menschen kennen Lesben und Schwule nicht persönlich, sondern nur vom Hörensagen oder aus den Medien, wo sie nicht selten als Exoten, Witzfiguren oder sexbesessene Partymenschen dargestellt werden. Wer jedoch feststellt, dass eine Freundin lesbisch oder ein Kollege schwul ist, dessen Einstellung zu Homosexuellen verbessert sich meist (Smith, Axelton & Saucier, 2009). Dies gilt besonders für Menschen, die Homosexualität aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen ablehnen (Cunningham & Melton, 2013).

Wer hingegen nie auf offene Lesben oder Schwule trifft, hält auch stärker an Fehlannahmen fest, etwa darüber, wie sexuelle Orientierungen entstehen. Einige Menschen glauben, dass Lesben und Schwule sich ihre sexuelle Orientierung selbst ausgesucht haben oder dass sie zur Homosexualität verführt wurden. Dies zeigt sich implizit auch in der Baden-Württemberger Petition gegen die Thematisierung sexueller Vielfalt in der Schule. Darin wird bemängelt, dass die „negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils“ nicht genügend reflektiert werden würden. Der Autor der Petition meint offenbar, sexuelle Orientierung sei vergleichbar mit einer Lifestyle-Entscheidung. So wie man zwischen Bio-Produkten und konventionellen Lebensmitteln wählen kann, könne man sich auch für oder gegen Homosexualität entscheiden.

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Superschönes Lied, wunderbare Stimme, absolut cooles Video:

Perfekt zum InderSonneliegen&Musikhören!

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Noch präsenter als im Mittelalter ist die Jungfrau in Nöten und anderer Sexismus in Videospielen und Gamercommunitys:

„Bitte krieg‘ Krebs und stirb!“ Wenn Grace solche Nachrichten in ihrem Postfach findet, freut sie sich. Anders als Sarkeesian widmet sie sich nicht dem Umgang mit den Frauen auf dem Bildschirm, sondern mit denen, die die Spiele spielen. Denn Spielerinnen bekommen von männlichen Spielern regelmäßig Beleidigungen und Drohungen geschickt. Grace und drei weitere Frauen machten das öffentlich: Knapp zwei Jahre lang sammelten sie die Aussagen auf ihrer Seite Fat, ugly or slutty. Der Name bezieht sich auf die Eigenschaften, die die Absender Spielerinnen am häufigsten zuschreiben: fett, hässlich oder nuttig.

Grace ärgert sich nicht über die Nachrichten, sie findet sie lustig: „Das ist so absurd: Da spielt jemand ein Spiel, checkt die anderen Gamer aus, tippt mühsam einen Text zusammen und schickt ihn in den Äther. Ein riesiger Aufwand, ohne dass er weiß, was damit passiert.“ Manche Beleidigungen sind durchaus kreativ: In Graces Favorit droht der Absender, eine Zeitmaschine zu bauen, um ein Dinosaurierei zu holen, das Tier großzuziehen und es auf die Spielerin loszulassen.

(Hervorhebung von mir, weil das einfach zu gut ist!)

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Keine große Überraschung: „nichtdeutsch“ klingende Vornamen sind bei der Jobsuche alles andere als hilfreich:

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

Nur nicht aufgeben: Um eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu erhalten, muss ein Kandidat mit typisch deutschem Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit türkischem Namen sieben. Wobei die Kfz-Mechatronik-Bewerber stärker diskriminiert werden. Bei den angehenden Bürokaufmännern deutet sich eine Diskriminierung an, statistisch ist sie nicht signifikant.
Je kleiner das Unternehmen, desto stärker die Diskriminierung: Das könnte daran liegen, vermuten die Forscher, dass größere Unternehmen ihre Bewerber nach einem stark formalisierten Verfahren auswählen, in das mehrere Mitarbeiter eingebunden sind. Dadurch ließe sich auch der Unterschied zwischen Kfz-Mechatronikern und Bürokaufmännern erklären: Die Kfz-Betriebe hatten im Durchschnitt weniger Mitarbeiter.
Ein Anruf für Tim, eine E-Mail für Hakan: Bewerber mit deutschem Vornamen riefen die Unternehmen häufiger an, Hakan und Ahmet bekamen häufiger Post. Darin werden sie häufiger mit Vornamen angesprochen und geduzt.

Und da frag ich doch glatt, was passiert wäre, hätten früher gewisse Leute gesagt, sie wollten keinen Mehmet in Team haben…

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Rasantes taz-Interview mit Margaret Atwood:

Wie fanden Sie Volker Schlöndorffs Verfilmung Ihres „Reports der Magd“?

Ich glaube, Schlöndorff hat die Situation in Amerika nicht so ernst genommen. Er dachte wohl nicht, dass der Roman der Realität so nahe kam. Und es gab noch eine andere Sache: Das Drehbuch war von Harold Pinter, er hatte einen umfangreichen Off-Kommentar für die Hauptfigur vorgesehen, die von Natasha Richardson gespielt wurde. Natasha hat das Voice-Over aufgenommen und ihr Spiel vor der Kamera entsprechend angepasst. Aber dann nahm Volker es wieder heraus! Deshalb wirkt sie im Film wie betäubt, als würde sie weder denken noch reagieren. Natasha hat sich sehr geärgert. Ich finde ja, irgend jemand sollte das Voice-Over wieder einfügen, schließlich war das Original so.

Haben Sie mit Schlöndorff darüber gesprochen, nachdem Sie den Film gesehen hatten?

Nachdem? Wozu?

Hat er Sie gefragt?

Nein. Aber es war interessant, den Film in Berlin aufzuführen, weil gerade die Mauer gefallen war. Wir waren erst in West-, dann in Ostberlin. Im Westen drehte sich die Diskussion um künstlerische Aspekte des Films, nicht das totalitäre Regime, das er zeigt. Im Osten sagten die Leute: „Das war unser Leben.“

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Kampf gegen Rechtsruck – knifflig wird’s immer bei den Feinheiten:

Etwa die Hälfte der befragten Kommunalpolitiker sagte in Interviews, der derzeit praktizierte „ignorierende Umgang“ sei nicht ausreichend – falsche Aussagen blieben ohne Widerspruch und würden dann von den rechtsextremen Mandatsträgern als Tatsachenbehauptung hingestellt. Immer wieder Ablehnung zu zeigen sei wichtig – doch nicht kommentarlos, lautet deswegen eine Empfehlung der Autoren der Studie.

Noch wichtiger sei es, eine gemeinsame Position bei Themen zu finden, die Rechtsextreme außerhalb der Gremien benutzen könnten, um potenziell rechte Wähler zu gewinnen. Beispielsweise bei der Unterbringung von Asylbewerbern. In der Vergangenheit leisteten nicht nur rechtsextreme Gruppen, sondern auch Anwohner häufig Widerstand, sobald bekannt wurde, dass in der Nähe ein Asylbewerberheim eröffnet werden soll. Unter ihnen, so der Bericht, befinde sich ein hoher Prozentsatz an Personen, die rassistischen Aussagen zustimmten. Diese Menschen ebenfalls als Rechtsextreme abzutun, sei gefährlich: Sie würden dadurch ausgegrenzt, eine Auseinandersetzung mit ihrer rassistischen Einstellung finde nicht statt. Dabei sei es besonders wichtig herauszustellen, dass das Recht aus Asyl nicht verhandelbar ist.

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Das Buch „Wir sind Frauen wie andere auch! Prostituierte und ihre Kämpfe“ wird neu aufgelegt und bei dieStandard rezensiert und empfohlen:

Im Kern des Buches selbst sind es Frauen, die sich in Gesprächsprotokollen zu ihrer Arbeit äußern, daneben enthält das Buch umfangreiches Material zur Rechtslage in (damals noch West-)Deutschland oder eine Chronologie der Ereignisse rund um den Generalstreik der Prostituierten in Frankreich 1975. So wichtig, wissens- und lesenswert das ist, die eigentliche Notwendigkeit an diesem Buch sind die Frauen, die hier nicht nur für sich selber sprechen wollen, sondern es mit Witz und Ironie, Klarsichtigkeit, Ehrlichkeit und Würde ganz offensichtlich auch können. Es sind fünf Frauen, die sich in der Gesprächsrunde austauschen, dazwischen stehen immer wieder Zitate von Frauen aus dem Buch „Frauenhäuser. Gewalt in der Ehe und was Frauen dagegen tun“ oder Aussagen anderer Sexarbeiterinnen. Der Ton in der Runde ist rotzig, eine Sprache der Straße, wie man immer gerne sagt. Manche der Frauen sind verheiratet und haben Kinder, andere leben alleine. Manche arbeiten auf der Straße, andere sind Tänzerinnen, wieder andere verdienen ihr Geld in Bars oder Peepshows.

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Charlott legt dar, wie Frauenhass bei Künstlern immer noch gern geflissentlich ignoriert oder verharmlost wird:

Das schreibende Genie, das unberechenbare, wo eben auch mal Gewaltausbrüche “passieren”. Norman Mailer gewann zwei Mal den Pulitzer Preis. Den ersten gerade einmal neun Jahre, nachdem er fast seine damalige Frau getötet hatte. Auf einer Party hatte Mailer Adele Morales, über die es im englischsprachigen Wikipedia heißt, sie sei am besten dafür bekannt, dass sie die zweite Frau Mailers gewesen sei, mit einem Messer erst in die Brust, knapp am Herzen vorbei, und dann in den Rücken gestochen. Eine Person, die der blutenden Morales zur Hilfe eilte, fuhr er an, dass er sie sterben lassen soll. Mailer kam ums Gefängnis drum herum, Morales zeigte ihn nicht an und er bekannte sich der Körperverletzung für schuldig. Die Kulturgeschichte ™ kann darüber hinweggehen. Norman Mailer kann viele Jahre später popkulturell als wichtige Figur inszeniert werden. So sitzt er bei den Gilmore Girls als exzentrischer älterer Herr rum, der ausschließlich Eistee bestellt.

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Schwaben, Gwar & Namensrecht

Schizophrenie, Bodylove, Bodyshaming, Norrie darf „Neutrum“ sein, Gwar-Sänger tot, 20 Jahre neues Namensrecht, Schwaben in Berlin, Sexismus in Belgien vllt. bald strafbar, verschiedene Sexismusformen, brasilianische Männer geben Kleidung schuld an sexuellen Übergriffen.

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Nach 43 Milliarden Jahren ist nun Oderus Urungus tot, möge er in Frieden ruhen.
Unvergessen der Gwar-Auftritt bei Jerry Springer (für Euch „vorgespult“, um Euch den bescheuerten „Rape-Rocker“ der Mentors zu ersparen, der am Anfang auftritt… im Übrigen derselbe Kerl, der später behauptet hat, Courtney Love habe in anheuern wollen, um Kurt Cobain zu töten… ahem).

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Beängstigende Zahlen aus Brasilien – während die Toleranz gegenüber (nicht sexualisierter) physischer Gewalt sinkt, halten immer noch über 60% der Männer „falsche Kleidung“ für die Ursache von sexuellen Übergriffen:

„Frauen mit körperbetonter Kleidung sind selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt werden“ – 65,1 Prozent der BrasilianerInnen stimmen dieser Aussage teilweise oder gänzlich zu. Das zeigt eine umfangreiche Studie, für die 3.810 Frauen und Männer befragt wurden und die gestern vom Institute of Applied Economic Research (IPEA) präsentiert wurde.
(..)
58,5 Prozent der zwischen Mai und Juni letzten Jahres Befragten machen auch das Verhalten von Frauen verantwortlich: Mit „angemessenem Benehmen“ könnten Frauen Vergewaltigung verhindern. Auf der anderen Seite wird physische Gewalt von den Interviewten wenig toleriert: 91,4 Prozent wollen einen Mann, der seine Frau schlägt, im Gefängnis sehen.

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Via.

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Oft betreibt man Bodyshaming, ohne es zu merken; iVillage nennt zehn typische Beispiele:

While it’s fine for you to choose clothes any way you want, nobody else is required to adhere to your style.The person wearing that outfit is, in fact, pulling it off, even if you think she’s too flat chested, big chested, short, tall, fat or thin. And fat people don‘t have to confine themselves to dark colors and vertical stripes, no matter who prefers it. And spandex? It’s a right, not a privilege.

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Sozusagen als Gegenprogramm:


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Belgien plant, sexistische Äußerungen rechtlich zu bestrafen:

Kann man Sexismus verbieten? Ja, findet der Rechtsausschuss des belgischen Parlaments. Er hat vor zwei Wochen einen Gesetzentwurf der Innenministerin Joëlle Milquet abgesegnet, mit dem Äußerungen und Handlungen bestraft werden können, „welche Menschen gezielt auf Grund ihres Geschlechts als minderwertig diskriminieren, oder sie auf ihre Sexualität reduzieren und damit ihre Würde verletzen“. Durch bis zu 13 Monate Haft sowie Geldbußen für Übeltäter sollen vor allem Frauen stärker geschützt werden. Das ist absurd – und doch notwendig.

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Dazu paßt ein Interview über Sexismus mit der Sozialpsychologin Julia Becker:

Becker: Feindlicher Sexismus ist klarer zu erkennen, er taucht aber in unserer modernen Gesellschaft weniger auf. Der wohlwollende Sexismus hingegen kommt häufig vor, auch bei jungen Männern und er ist schwer zu fassen, weil er ja freundlich verpackt ist.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel, wenn eine Frau im Meeting mit gleichgestellten männlichen Kollegen protokollieren soll, weil sie angeblich eine schönere Schrift hat?

Becker: Genau. Oft sind es Verhaltensweisen in mehrdeutigen Situationen, die zuerst schwer zuzuordnen sind. Wohlwollender Sexismus führt dazu, dass Frauen sich weniger kompetent verhalten: Die Forschung hat gezeigt, dass Frauen Matheaufgaben schlechter lösen, wenn sie vorher auf Geschlechter-Klischees angesprochen wurden, als wenn sie die Rechenaufgabe unbedarft angehen.

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Norrie hat vor Gericht gewonnen, nun ist es amtlich: In Australien muß man sich nicht mehr ausschließlich entweder als „Mann“ oder „Frau“ registrieren lassen.

Das Gericht wies jedoch die Forderung von Norrie zurück, man müsse für eine neue juristische Form schaffen, etwa „Intersex“. Das Amt in Sydney wird nun den Antrag von Norrie neu prüfen müssen. Beobachtern zufolge wird der Richterspruch weitreichende Folgen in Bundesstaaten haben, in denen ähnliche Gesetze gelten. „Der Entscheid wird auch für sie bindend sein“, sagte Norrie’s Anwalt Scott McDonald nach dem Urteil.

Es ist durchaus möglich, dass das Urteil auch über die Landesgrenzen hinaus Konsequenzen haben wird. Sein/e Mandant/in sei von „unzähligen Menschen aus Australien und dem Rest der Welt kontaktiert worden, die sich ebenfalls nicht spezifisch identifizieren möchten“.

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Beeindruckender Einblick in das Leben einer an Schizophrenie Erkrankten und ihrer Mutter:

Und Lea, die gern schwieg, hörte nicht zu reden auf, ich wollte Ali besuchen, aber der machte nicht auf, heute sei nicht der Moment, sagte Ali, die Tür zu öffnen, seine Freundin sei bei ihm, ich war dann unterwegs und zog durch die Beizen und heilte viele Leute, legte ihnen meine Hände auf oder lächelte sie nur an. Und irgendwann kam mir jemand entgegen, der schlechte Strahlen hatte, ich rannte los, warf die Jacke weg, ich zog alle Ringe aus den Ohren, schmiss sie ins Gebüsch, auch die Uhr, die du mir geliehen hast, Mama, auch die Schuhe zog ich aus, weil die Metallkappen haben. Weil Metall die Energie fehlleitet.

Jeden Morgen briet sie Tofu, drei Schnitzel, aß sie heiß, dann fuhr Lea nach Luzern, kam abends wieder, reiste am Freitag nach Yverdon, war am Samstag um zehn, weil Ali nicht öffnete, wieder im Dorf, Lea trank Aceto Balsamico aus der Flasche, saugte Senf aus der Tube.

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Das deutsche Namensrecht wird 20, die Veränderungen gehen langsam vonstatten:

Im März 1991 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Regelung von 1958, nach der automatisch der Geburtsname des Mannes gemeinsamer Familienname wurde, falls sich die Ehepartner nicht einigen konnten, für verfassungswidrig. Seit dem 1. April 1994 können Verlobte frei entscheiden, ob sie nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen führen möchten. Andernfalls behält jeder seinen ursprünglichen Nachnamen. Allerdings räumt das deutsche Namensrecht die Möglichkeit ein, auch noch nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen zu bestimmen. Spätestens einen Monat nach der Geburt des ersten Kindes müssen die verheirateten Eltern zumindest festlegen, ob das Kind den Nachnamen des Vaters oder den der Mutter tragen soll. Diese Entscheidung ist dann auch für alle weiteren Kinder bindend.

Ehepaare, die auf einen gemeinsamen Familiennamen verzichten, sind längst keine Ausnahme mehr. In München haben sich beispielsweise im vergangenen Jahr etwa 23 Prozent der Paare für eine getrennte Namensführung entschieden, in Köln waren es 19 Prozent, in Nürnberg 18 Prozent.

Steinigung, Oranienplatz & #Aufkotz

SPD und (Nicht-)Bezahlung ihrer Praktikant_innen, Underdog Fanzine interviewt E*Vibes, Zwischenstand Oranienplatz, Ladyifest Kiel, Lesbe fordert Steinigung, #aufkotz, Schwarzer vs. Zeit, Mars vs. Venus und „Riot, don‘t diet!“

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Der Zwischenstand bei den Flüchtlingen vom Oranienplatz:

Die vor knapp einer Woche vom Senat präsentierte Einigung mit den Flüchtlingen vom Oranienplatz wird von diesen mehrheitlich abgelehnt. Das Schriftstück sieht vor, dass die 467 Flüchtlinge den Oranienplatz räumen und aus der besetzten Schule ausziehen. Dafür wird ihnen „umfassende Einzelfallprüfung“ zugestanden. Der Sprecher der zuständigen Senatorin Dilek Kolat (SPD) hatte der taz erklärt, dies sei der „rechtliche Rahmen, über den wir nicht hinaus können“. Laut Mauer ist das jedoch nur das, worauf ohnehin jeder Anspruch hat. Nur die Zusage, ein Unterstützungsteam einzurichten, das die Flüchtlinge in ihren Einzelfallverfahren begleitet, sei ein echtes, positives Angebot.

Zudem sieht der Flüchtlingsrat viele nicht genutzte Möglichkeiten. „Ein Bleiberecht wäre möglich über Paragraf 23, Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes. Der besagt, dass die oberste Landesbehörde aus humanitären Gründen einer bestimmten Gruppe von Ausländern Aufenthalt geben kann“, erklärt Mauer. Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hält in einem Gutachten für die Linke-Abgeordnete Halina Wawzyniak fest, dass die Landesbehörden mit diesem Paragrafen eine weiten politischen Spielraum haben, zur „Wahrung der politischen Interessen“ Aufenthalt zu gewähren.

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Das Underdog-Fanzine hat e*vibes interviewt:

Diskriminierung und die Verletzung persönlicher Grenzen sind alltägliche Praxis in unserer Gesellschaft. Was muss sich ändern und mit welchen Methoden soll das erreicht werden?
Malte: Ich würde da vor allem Sensibilisierung und theoretisches Verstehen verknüpft mit dem praktischen Bewusstmachen und Reflektieren von Herrschaftsmechanismen nennen. Das Wahrnehmen, Formulieren und Reagieren auf die Grenzen anderer sowie der eigenen Grenzen. Und dann natürlich Bildung beziehungsweise Weiterbildung und das nicht nur im Sinne von ganz viele Texte gelesen haben und wiedergeben können.
Gloria: Obwohl ich da immer mit anhängen würde, dass es dann trotzdem bei einem Auffangen oder Stillstand bleibt. An sich soll es darum gehen, Machtverhältnisse zu ändern, beziehungsweise Herrschaft zu überwinden und nicht nur dafür zu sensibilisieren, nur: mit welchen Methoden soll das erreicht werden?
Malte: Das geht natürlich auch nur über individuelle Reflexion und Verhaltensänderungen. Es kann nicht alles auf einen imaginären „Tag der großen Revolution, den wir sowieso nicht mehr erleben werden“ verschoben werden. Als ob an diesem „Tag“ dann auch jegliche Diskriminierung wie vom Erdboden verschluckt wäre.
Gloria: Und trotzdem reicht das individuelle Sensibelsein nicht. Das Leid der Betroffenen muss dazu noch kraftvoll öffentlich gemacht werden, damit sich Veränderungen auch in Institutionen und Strukturen niederschlagen!

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Schwarzer vs. ZEIT:

In der Tat schreibt Schwarzer auch über ökonomische Themen. Richtig ist aber auch, dass die größeren Kampagnen Schwarzers oft mit Körperpolitik zu tun haben – Pornografie, Prostitution oder auch die Körperpolitik im Islam. Kampagnen für gleichen Lohn oder gegen Minijobs dagegen fehlen.

Wo Niejahr allerdings falsch liegt: Die Frauenbewegung in Deutschland ist etwas anderes als Alice Schwarzer und Emma. Und diese Bewegung kümmert sich seit Jahren um ökonomische Themen. Hilfe ist also in Sicht: Elisabeth Niejahr könnte sich ihr leichten Herzens anschließen. Doch eines verbindet die Journalistin in dieser Sache mit ihrer Gegnerin: Einfache Attacken sichern einfach mehr Aufmerksamkeit.

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Mars vs. Venus:

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„Riot, don‘t diet!“
Und wie empowernd das sein kann:

Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich die Kraft, die ich ins Dieting investierte, auch einfach für den Ausdruck meiner [politischen] Wut verwenden könnte. Oder für andere Dinge, die mir gut tun. Durch Kleidergröße 36 würde ich dem System alles andere als den Mittelfinger zeigen, dabei war mir doch genau danach. Dieser Moment machte mir Mut, die Norm als schmerzhaft und unterdrückend zu erkennen und ihr nicht mehr entsprechen zu wollen. Mut für Subversion. Mut für: Mein Körper ist fett, ich habe keine Lust mehr, mich klein und unsichtbar zu machen, gewöhnt euch einfach an meine Speckrollen, ich schulde euch keinen flachen Bauch!

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Es gibt ja immer noch Leute, die meinen, Homosexuelle gehörten gesteinigt. Was passiert, wenn man sie mal direkt dazu auffordert:

The church then later replaced the sign with one that read „Jesus would stone homos,“ along with „Stoning is still the law“ and Bible verses Matthew 5:17-19, Deuteronomy 17:5-7, Leviticus 20:13 and John 8:1-11.
In response, Lopez knocked on the church’s front door this week and informed the man who answered that she was there for her stoning. „I saw your sign and I‘m here for my stoning, I‘m a lesbian,“ Lopez informs the man in the video below, which Lopez posted on her Facebook.

The man, who seems a bit unsure as to what he should say, ultimately tells Lopez that he doesn‘t have any stones but she should come back the next day.

Was ein bißchen doof ist: man braucht anscheinend einen FB-Account, um das Video sehen zu können :(

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Die SPD streitet zwar offiziell für gerechte Entlohnung von Praktikant_innen – erteilt selbst aber lieber Absagen, statt anständig zu vergüten:

Politikstudent Tim Schlüter war empört. In einer offiziellen Mail wandte sich der Juso an seinen Vorsitzenden Sigmar Gabriel und an Andrea Nahles, der Ton des Schreibens ist eindeutig: Als „langjähriges Mitglied der SPD“ will sich Schlüter über das „nicht nachvollziehbare Verhalten der parlamentarischen Staatssekretärin Brigitte Zypries“ beschweren. Bei ihr hatte sich der 27-Jährige einige Wochen zuvor für ein Pflichtpraktikum beworben, das er für sein Masterstudium in Marburg brauchte. Einige Tage darauf, am 15. November 2013, erhielt Schlüter die Zusage. Vom 3. Februar bis zum 28. März sollte er im Abgeordnetenbüro der früheren Justizministerin hospitieren.

Ein paar kurze, freundliche Mails gingen hin und her. Dann jedoch hatte Schlüter noch eine Frage, die „eventuelle Vergütung des Praktikums“ betreffend. Von dem Zeitpunkt an werden die E-Mails länger – und weniger freundlich. Denn im Büro von Brigitte Zypries erhalten Praktikanten im Normalfall kein Entgelt. Das teilte ihr Mitarbeiter Schlüter am 21. November mit, schlug ihm aber vor, sein Praktikum auf die Bundestagsfraktion zu verlegen, wo er „pro Woche eine Aufwandsentschädigung von 80 Euro“ bekommen würde.

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Good news für Nordlichter verkündet die Mädchenmannschaft: Kiel bekommt ein Ladyfest!!

Mit dabei sind u.a. Sharon Dodua Otoo, die aus ihrem Buch “die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle” liest; Petra Benz vom Feministischen Frauen­gesundheitszentrum; Julia Lemmle mit einem Workshop zu “Macht und Kommunikation”; Sonja Eismann vom Missy Magazine und ein “Fat Empowerment”-Workshop mit mir.

Hingehen! Mitmachen!

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Die Muschimieze fragt sich, was vom #aufschrei blieb. Ein #aufkotz:

Natürlich wurde postwendend kritisiert und verhöhnt. Eindeutig sexistische und nicht selten traumatisierende Erlebnisse wurden analysiert, entwertet und für ungültig erklärt. Dabei drängt sich mehr und mehr die Frage auf, weshalb man sich eigentlich das Recht herausnimmt, belastende persönliche Erlebnisse (die ganz offensichtlich kein Einzelfall, sondern der Alltag einer bestimmten Bevölkerungsgruppe widerspiegeln – den der Frauen) auf einer Skala einzuordnen und für unangemessen zu deklarieren. Welche Motivation steht dahinter, die Äusserung einer anderen Person von Unrechterleben einfach nicht anzuerkennen? Fühlt „Mann“ sich, möglicherweise rückblickend auf zahlreiche Ereignisse in der eigenen Vergangenheit, angesprochen und diffamiert? Dann ist es natürlich einfacher, die Empörung zu entwerten, als ihr Berechtigung einzuräumen und sein eigenes Verhalten damit als unangemessen anzuerkennen. Oder fühlen sie sich möglicherweise aussen vor gelassen, da nur von Sexismus die Rede ist, die Frauen benachteiligt? Da man wohl kaum von Frauen, die ihre intimen und subjektiven Erfahrungen Preis geben, eine repräsentative Funktion für alle möglichen Opfer-Täter-Modelle in einer Gesellschaft erwarten kann, würde ich in diesem Fall eine ergänzende Tweet-Bewegung vorschlagen, anstatt der Vergegenwärtigung weiblicher Benachteiligung so vehement entgegen zu wirken – aber so viel „Opfer“ will dann natürlich auch wieder keiner sein. Fakt ist, dass sich seit #Aufschrei die Zahl der Frauen, die sich an die Antidiskriminierungsstelle gewendet haben, um ein Drittel gestiegen ist. Fakt ist auch, dass heute kaum noch ein Tweet oder Post der so getaggt wird, noch irgendwas mit der Ursprungsthematik zu tun hat. Und Fakt ist, dass man menschliches Miteinander nicht normieren kann.

Polygamie, AfD & Neuroparasiten

Energiewende, Pille danach, Urheberrecht, AfD-Bashing, Friseurbesuch, Neuroparasiten, „bekehrte“ Homosexuelle, Geschlechterdifferenz und Polygynie in Kenia.

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Wie Neuroparasiten Tiere sozusagen zu ferngesteuerten Zombies machen und welche Horrorstories die Natur so auf Lager hat:

So wird die Amerikanische Großschabe von der Juwelwespe heimgesucht: Wenn die Wespe zum Angriff auf die gut dreimal so große Kakerlake übergeht, muss sie schnell sein. Sie injiziert ein Gift in einen Nervenknoten in der Brust, sodass die Schabe ihre Beine nicht mehr bewegen kann. Die Lähmung dauert wenige Minuten – genug Zeit für den zweiten Stich. Die Wespe führt ihren Stachel wie ein Endoskop in das Gehirn ihres Opfers ein. Mit chirurgischer Präzision spritzt sie ihr Gift ins Protocerebrum, eine Gehirnregion, die auch für die Fluchtreaktion zuständig ist. Die Kakerlake ist willenlos. Die Juwelwespe greift eine Antenne der Schabe und führt das Insekt zu ihrer Nisthöhle, als wäre sie ein Hund an der Leine. Dort klebt die Wespe ihre Eier an die Bauchunterseite ihres Opfers. Die Höhle verschließt sie mit Kieselsteinen. Die Schabe verharrt regungslos im Inneren. Nach drei Tagen schlüpfen die Wespenlarven und ernähren sich von den Körperflüssigkeiten ihres wehrlosen Wirts. Nach ein paar Tagen bohren sie sich in den Körper der Schabe und beginnen, sie von innen aufzufressen, bis sie genug haben und sich im Inneren ihres Wirtes verpuppen.

Das ist eigentlich schon ziemlich krasse Scheiße!

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Die Pille danach – doch kein Katastrophenbringer, ach Überraschung auch:

Im Streit um die „Pille danach“ gerät die Argumentation von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Rezeptpflicht beizubehalten, weil das Risiko der Nebenwirkung zu groß sei, zur Farce: Exakt zwei Fälle schwerwiegender Nebenwirkungen nach Einnahme des Notfall-Verhütungsmittels sind dem zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bekannt – zwei Fälle aus ganz Deutschland, und zwar im Zeitraum von 1998 bis heute. Das räumte die Bundesregierung gegenüber der Linksfraktion im Bundestag ein, die hierzu eine kleine Anfrage gestellt hatte.

Das Risiko, aufgrund der Einnahme der „Pille danach“ eine Thrombose zu entwickeln, liege somit bei 1 zu 5 Millionen, schreibt die Bundesregierung: „Diese Berichtsrate liegt deutlich unterhalb der Inzidenz für entsprechende Fälle in der Normalbevölkerung.“ Dort entwickelten von 100.000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 44 Jahren 5 bis 10 Frauen eine Thrombose – ohne „Pille danach“. Bei den beiden berichteten Fällen kommt hinzu: Ob überhaupt ein kausaler Zusammenhang der Erkrankung mit der Einnahme der Pille bestand, ist unklar; die Bundesregierung schätzt ihn „nicht als wahrscheinlich“ ein.

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Herrliche Polemik gegen die „Ich bin kein Feminist, weil“-Aktion der AfD – in your face und auf den Punkt:

Die Diskussionsrunde auf Facebook zu dem Rinderwahnsinns-Post mit diesen Zettelchen, die man eigentlich nur als Selbstanzeige lesen kann, ist dann auch wirklich voll vom klassischen Potential der getretenen rechten Männer, die ihre letzte Rettung in der AfD suchen.

Die Schablone “Ich bin kein Feminist” lässt aber auch bestenfalls die sozialverachtenden mir-geht’s-gut-die-anderen-sind-nur-zu-doof-für-sich-selbst-zu-sorgen Aussagen zu.

Deutschland! Erschütternd. Wir warnen also vorm reinlesen. Das tut weh.

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Antje erklärt ihre Trennlinie zwischen dem Sprechen über Geschlechterdifferenzen und Sexismus:

Ich wollte gerade eine andere Sicht auf die Macht vorschlagen, und ich wollte sie gerade auch Männern vorschlagen. Jörg Rupp zum Beispiel twitterte den Einwand, was ich beschreibe, sei ein veraltetes Männlichkeitsbild, und auch wenn ich im Gegensatz zu ihm befürchte, dass es derzeit leider noch nicht so veraltet ist, dass es sich bereits erledigt hätte, bin ich doch mit ihm ganz einig darin, dass das toll wäre.

Ich habe also überkommene Geschlechterbilder zur Diskussion gestellt in dem Bemühen, sie zu verändern. Sexistische Zuschreibungen stellen aber im Gegenteil Geschlechterbilder gerade nicht zur Diskussion, sondern versuchen, diese zu zementieren, zum Beispiel indem sie behaupten, der Machthunger läge den Männern in den Genen oder sei von der Evolution eben so hervorgebracht worden oder von Gott so gewollt. Also unveränderlich.

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Le Frisur
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Übers Kameraabkleben und allzu wißbegierige Apps:

Sebastian Barchnicki warnt: „Als Benutzer sollte man sich fragen, ob die Taschenlampen-App wirklich den Zugriff auf die Kontakte braucht, und nur die Apps installieren, denen man wirklich vertraut.“ Und er hat noch weitere Tipps: unbenutzte Apps am besten deinstallieren. Den Computer stets mit den neuesten Updates für Programme und Betriebssystem versorgen. Ein sicherer Browser wie Chrome oder Firefox erhöht das Schutzniveau – vermeiden sollte man das Surfen mit Administratorrechten.

Doch auch der beste Schutz nützt leider nichts, wenn der Nutzer seine Kamera bewusst zum Chat einschaltet und der Geheimdienst sich zuschaltet. Erst Ende Februar wurde das Programm des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) mit dem Code-Namen „Optic Nerve“ öffentlich. Es speicherte laut Guardian von 2008 bis 2010 Standbilder aus Yahoo-Camchats von insgesamt 1,8 Millionen Nutzern.

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Polygamie ist in Kenia weit verbreitet – zumindest die Polygynie – und diese soll nun auch per Gesetz erlaubt sein. Nur für Männer natürlich; Polyandrie bleibt weiterhin Tabu.
Was den kenianischen Frauen aber wirklich stinkt, ist, daß in Zukunft die Männer ohne Absprache mit der Frau weitere Ehen eingehen können sollen:

Die Kritik der Politikerinnen bezieht sich vielmehr auf die Änderungen, die ihre männlichen Kollegen dem Gesetz verpasst haben: Die Abgeordneten strichen nämlich das Vetorecht, das der Entwurf den Ehefrauen ursprünglich einräumte. Männer in Kenia können sich also die nächste Frau nehmen, ohne ihre bisherige Gattin um Zustimmung zu fragen.

Solch eine Entscheidung habe aber Auswirkungen auf die gesamte Familie, argumentieren die Gegnerinnen der Klausel. Eine zusätzliche Ehefrau verändere die finanzielle Situation für vorherige Partnerinnen und ihre Kinder erheblich. Es gehe aber auch um Eigentum und Erbschaft: Viele Frauen erben nach dem Tod eines polygam lebenden Mannes wenig oder nichts.

Dabei sollte das Gesetz dazu beitragen, Frauen und Kinder in Ehen besser zu schützen. Nicht nur mithilfe des Vetorechts: Wie die BBC berichtet, sollten Frauen mit dem Gesetz gleiche Eigentums- und Erbschaftsrechte erhalten wie Männer. Auch diese Klausel verwässerten die Parlamentsmitglieder. Nur 30 Prozent des ehelichen Eigentums steht verwitweten Frauen zu.

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Interview mit Monika Dommann über die Geschichte (und Zukunft) des Urheberrechts:

ZEIT ONLINE: Die Geschichte des Rechts und der Technik erzählen Sie auch an Apparaten entlang. Welche Rolle spielt dabei der Urheber?

Dommann: Die Idee des Urhebers verweist etymologisch auf Gott, den primären Schöpfer, den Erschaffer der Welt. Der Schöpfer wird zu einer Leitfigur der Moderne. Es ist eine Grundannahme der Moderne, dass etwas Neues nicht von Gott oder den Vorfahren übernommen und nicht in Gemeinschaften erzeugt, sondern von einem Individuum geschaffen werde.

ZEIT ONLINE: Und das stimmt nicht?

Dommann: Neue Ideen entstehen durch Austausch, Überlieferung und Imitation, oder in den Worten des Wissenschaftsforschers Ludwik Fleck: durch Denkverkehr. Der einzelne, isolierte schöpferische Autor ist wohl eine Fiktion. Aber verschiedenste Akteure berufen sich immer auf die Figur des schöpferischen Autors: Die Gema, die Lizenzgebühren eintreiben will, selbst die Künstler, die gegen die Rundfunkgebühr argumentieren, betonen, dass sie selbst etwas schaffen. Und gar die Piraten brauchen den Urheber für ihre Argumentation, und zwar als Gegenmodell. Diese Leitfigur Autor, die im 18. Jahrhundert entstand, ist also noch lange nicht tot.

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Endlich kümmert sich wer um die armen Homos und „heilt“ sie lol:

„Ich sag’s mal ganz ehrlich: Für mich war der Punkt, dass ich keine Kinder bekommen konnte“, gibt Katharina W. den Standpunkt viele ehemaliger Schwuler und Lesben wieder. „Meine damalige Freundin und ich hatten so oft Sex, aber es hat nie mit geklappt mit dem Schwanger-Werden. Als ich dann in der Zeitung lesen musste, dass wir Homos gar nicht schwanger werden können, hat es nur noch ein paar Wochen gedauert, bis wir beide eingesehen hatten, dass es so nicht weitergehen kann.“

Die Einsicht, dass homosexueller Sex praktisch niemals zur Zeugung von Kindern führt, war für die meisten ein schwerer Schlag ins Kontor. So des Sinns ihrer sexuellen Handlungen beraubt, stehen sie schnell vor dem Nichts ihres irregeleiteten Lebensweges.

„Wenn man erkennen muss, dass das Ausführen sexueller Handlungen sinnlos ist, hört man natürlich umgehend damit auf“, erklärt Joachim K. das Dilemma vieler der Ehemaligen. „Eine Weile haben mein damaliger Freund und ich es trotzdem noch probiert, aber es fühlte sich plötzlich unnatürlich und sinnlos an. Und dann? Was bleibt einem schon von seiner Homosexualität, wenn man keinen homosexuellen Geschlechtsverkehr mehr durchführt? Von meinem sogenannten Schwulsein war auf einmal weniger als ein Häufchen Asche übrig.“

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Wie die Regierung und die großen Stromkonzerne gerade die Energiewende komplett vermurkst:

Doch diese Erfolgsgeschichte der Öko-Revolution könnte bald ein abruptes Ende finden. Die Bundesregierung hat sich schon auf Eckpunkte zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verständigt. Sie lassen nichts Gutes erahnen. Anfang April will das Kabinett einen Gesetzentwurf beschließen, zum August sollen die Änderungen dann in Kraft treten.

Umweltschützer sind schon alarmiert, am 22. März wollen sie in sechs Landeshauptstädten gegen die Pläne auf die Straße gehen. Ihr Motto: „Energiewende retten!“ Auch die Ökostrom-anbieter EWS, Naturstrom und Greenpeace Energy warnen vor den Reformvorschlägen der Bundesregierung: „Die Bürger-Energiewende wird abgewürgt und der Markt den großen Konzernen überlassen.“

Der deutsche Strommarkt wird dominiert von einem Quasi-Oligopol aus vier Unternehmen: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Mit Kohle- und Atomkraftwerken scheffeln sie Milliardengewinne. Deswegen haben sie auch kein Interesse an einer schnellen Energiewende. Sie wollen an den bisherigen Strukturen festhalten, fürchten neue Konkurrenten. Ökonomisch betrachtet ist es überhaupt kein Wunder, dass die Energiewende zunächst von den Bürgern angeschoben wurde.