Archiv der Kategorie 'Trolliges'

Mengele-Überlebende, Role Model Update & T.a.t.u. in Sotchi

Matussek: homophob und stolz drauf, Mengele-Überlebende auf Reddit, warum man den Sexworkern zuhören sollte, Aus für freiberufliche Hebammen, Spiegel Online und Wagenknecht, Frau Dingens über #wiesmarties, ChefINNEN werden eher entlassen, T.a.t.u. in Sotchi, Role Model Update, soziale Elternschaft und Mädchenmannschaft Troll/Gif-parade.

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In der „Welt“ hat sich der unsägliche Matthias Matussek praktisch als homophob geoutet (nein, DARAUF verlinke ich jetzt nicht! Sogar Aristoteles hat er in dem Text mißbraucht). Hier eine Gegenrede, in der aufgezeigt wird, daß Mattussek „katholischer als der Papst sein“ will:

Denn seine Ablehnung homosexueller Lebensweisen beschränkt sich nicht auf homosexuelle Handlungen, sondern allgemein auf „schwule Liebe“, womit das gesamte Spektrum emotionaler Verbundenheit angesprochen ist. Dieses Ressentiment zielt nicht mehr nur auf ein Verhalten, was man tun oder lassen kann, sondern postuliert die Unmöglichkeit homosexueller Liebe insgesamt; eine Vorstellung, die dem katholischen Katechismus fremd ist.

Nicht einmal Papst Benedikt XVI. vertritt in seiner Enzyklika „Deus Caritas est“ diesen Standpunkt, wiewohl auch dort die Verbindung von Mann und Frau als Ideal der Schöpfung beschrieben wird. Im Gegenteil, Benedikt warnt ausdrücklich davor, den Begriff der „Liebe“ auf Sex zu reduzieren, und propagiert stattdessen einen Begriff von der Liebe als tätiger Nächstenliebe, an der man alle Christen erkennen müsse.

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Bald wird Hebammen die Möglichkeit genommen, Geburten weiterhin auch freiberuflich zu begleiten – während die Pille danach immer noch nicht rezeptfrei ist:

Während die Politik in den letzten Jahren in der Wirtschaft viel dereguliert hat, staatliche Konzerne privatisierte und Märkte öffnete, um Wahlfreiheit zu schaffen, bleibt die Reproduktionspolitik rigide oder verschärft aufgrund ihrer Untätigkeit die Situation. Dass dies Menschen in Deutschland betrifft – Männer, Frauen und Intersexuelle, Erwachsene und Neugeborene – und ihnen das Leben schwer macht, ist wohl scheißegal.

Mehr dazu auch bei Fuckermothers.

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Bei Massenentlassungen werden eher Chefinnen als Chefs entlassen – der Fehler liegt im System:

Auch Rechtswissenschaftler sehen die Situation hierzulande aus ähnlichen Gründen kritisch: Vor allem die Sozialauswahl halten sie für ein Einfallstor für die Diskriminierung von Frauen. Dabei muss der Arbeitgeber vier Kriterien berücksichtigen: Lebensalter des Mitarbeiters, Unterhaltspflichten, Schwerbehinderung und Dauer der Betriebszugehörigkeit, also auch jenen Faktor, den Kalev als Hauptübel identifiziert hatte.

Bettina Graue, eine Rechtswissenschaftlerin der Universität Oldenburg, hat sich in einem Buchbeitrag mit der Frage beschäftigt, inwieweit betriebsbedingte Kündigungen anfällig sind für Diskriminierung. Die Expertin hält neben der Dauer der Betriebszugehörigkeit den Faktor „Unterhaltspflicht“ bei der Sozialauswahl für problematisch. Denn die können sich viel häufiger die Männer auf die Fahnen schreiben. „Üblicherweise wird Personalabbau nach dem Motto ‚hinter jedem Familienvater steht auch eine Familie‘ betrachtet und betrieben,“ fasst Graue zusammen.

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Frau Dingens vs. Rezeptpflicht, auf Youtube:

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Eine Überlebende von Mengeles Naziexperimenten auf Reddit:

Kors Botschaft ist: Vergebung. Im Januar 1995, 50 Jahre nach der Befreiung, ging Kor nach Auschwitz. Mit sich brachte sie Dr. Hans Münch, einen ehemaligen SS-Arzt aus Auschwitz, den sie zwei Jahre zuvor getroffen hatte und der vor Ort eine eidesstattliche Erklärung unterzeichnete, in der er bekundete, was er gesehen und getan hat. An diesem Tag vergab Eva Kor öffentlich allen Nazis. Für diesen Schritt kritisierten sie Überlebende des Holocaust. Ein anderes Zwillingskind, das unter den Experimenten gelitten hatte, nannte ihre Geste „unanständig“.

Frage: Was bedeutet das Konzept der „Vergebung“ für Sie? Ich frage, weil viele hier so tun, als ob Vergebung diese eine einfache Sache wäre und jeder sofort verstehe, was gemeint ist.

Kor: Vergebung heißt nicht Vergessen. Vergebung ist ein Weg, sich selbst von Schmerz, Trauma und Tragödie zu heilen. Es ist ein Weg, sich selbst zu befreien. Das Konzept der Vergebung hat nichts mit den Tätern zu tun. Es dreht sich ausschließlich um das Bedürfnis der Opfer, frei zu sein von dem Schmerz, der über sie gebracht wurde.

(Hervorhebungen von mir, weil ich das für enorm starke Worte halte).

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Die Mädchenmannschaft läßt zu unserem Amüsement mal wieder die Trolle zu gifs tanzen

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Jens Berger kritisiert den journalistischen Umgang von Spiegel Online mit Sahra Wagenknecht:

Gedankenspiele über ein mögliches Währungssystem nach dem Euro sind jedoch keine Forderung nach einer Abschaffung des Euro. Eine derartige Forderung stellt Sahra Wagenknecht im ZEIT-Interview an keiner Stelle auf. Das interessiert SPIEGEL Online jedoch nicht. Offenbar ist dem SPIEGEL eine knackige Überschrift wichtiger als deren Wahrheitsgehalt … vor allem dann, wenn man damit gegen die Linke mobilisieren kann. Ein klarer Fall für die Rubrik „Manipulation des Monats“.

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Seltsam, wie die Dinge sich ändern – ich erinnere mich daran, wie damals meine Freundin sich beschwerte, wie supergenervt sie davon wäre, daß ihre kleine Schwester so einen schlechten (und vor allem: lauten!) Musikgeschmack hätte und sie in den Genuß von einer Endlosschleife „All the things she said“ von T.a.t.u. käme, die täglich durchs Haus schallte.
Und jetzt, über 10 Jahre später? Hat das Fake-Lesben-Duo aus Russland eine Performance in Sotchi. Und wirft damit Fragen auf, die man sich damals nicht oder in ganz anderem Kontext stellte:

Perhaps as a nod to their famous school uniformed past, Lena Kativa and Yulia Volkova can be seen in shirts, ties and long tartan skirts. One of them is even wearing a trilby to compliment her tie, a classic and timeless lesbian combination which normally I‘d be happy to see getting some airtime but in this case I am affronted by because these are not real lesbians wearing their outfit with pride, love or even a hint of irony. Real lesbians are busy being persecuted, beaten, tortured and chased out of their own homes by vigilante groups with the full support of the police and Putin’s cronies i.e. the Russian government. The spotlight on the games this year by the media has been frequently focused on Russia’s human rights atrocities towards LGBT persons and has highlighted the extent to which gay people are forced to live in fear for their lives because of who they love; this is sadly not hyperbole or exaggeration as many people who were ‚out‘ are going back ‚in‘ as a matter of urgency.

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Das Väterblog weist auf die interessante Handhabung sozialer Elternschaft bei den Baatombu hin:

Wenn bei den Baatombu ein Kind von dessen leiblichen Eltern in Pflege gegeben wird, wechselt in der Vorstellung aller Beteiligten die soziale Zugehörigkeit des Kindes. Es gehört nun zu einer erwachsenen Person, die in der Regel drei Kriterien erfüllt: Sie hat das gleiche Geschlecht wie das Kind; sie ist mit dem Kind und seinen Eltern verwandt; dabei ist sie in der verwandtschaftlichen Hierarchie den Eltern des Kindes übergeordnet.

Vor allem drei Gründe veranlassen die leiblichen Eltern zur räumlichen Trennung von ihren Kindern: Zunächst soll der generationenübergreifende Zusammenhalt innerhalb eines Familienverbandes gestärkt werden. Darüber hinaus ist bei den Baatombu die Vorstellung verbreitet, dass die soziale Elternschaft und die damit verbundene Distanz von der leiblichen Mutter den Reifungsprozess der Kinder fördern. Hinzu kommt die Auffassung, dass Kinder keinen angemessenen Respekt gegenüber den Hierarchien innerhalb des Familienverbandes entwickeln, wenn sie in einer zu engen Beziehung zu ihren leiblichen Eltern leben.

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Warum die Frauenbewegung den Prostituierten zuhören sollte (via):

The characterization of sex workers fighting for their human rights as “prostituted women” engaged in futile attempts to “organize the enslaved” is perplexing. For five years my students and I have worked with and been inspired by sex workers successfully organizing from the margins of society. Sex workers in India who fight against police abuse, work as safe sex peer educators, and run afterschool programs for their children. Sex workers in South Africa who are leading a national campaign to decriminalize sex work. Sex workers in Malawi who had the courage to sue the government and challenge the constitutionality of forced HIV testing of sex workers without informed consent. And there are countless more examples of sex workers organizing in Africa, Asia, Europe, Latin America and the Caribbean, and North America. To label and disregard these advocates as “victims” who cannot comprehend their true “enslavement” is condescending, disempowering, and untrue.

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Bei kleinerdrei wird für ein Role Model Update plädiert; Susanne stellt dazu ein prima Projekt vor:

Wenn die anderen (Medien) nicht dafür sorgen, dass mehr und vor allem auch verschiedene Frauen* in der Öffentlichkeit auftauchen, dann mach ich das eben selbst. Ich mache nicht nur ein Porträt über eine Sportlerin, sondern viele, über ganz verschiedenen Frauen*. Und ich schaffe damit Zweierlei. Ich verschaffe Frauen*, die spannend und interessant sind mehr Öffentlichkeit und ich biete allen anderen, aber vor allem jungen Frauen* und Mädchen*, mehr potentielle Vorbilder, aus denen sie sich welche aussuchen können. Das Ganze packe ich in das Format einer Webserie bei Youtube, denn dort sind heute eh alle jungen Menschen, die was mit Video konsumieren wollen und die Zugangsbarrieren zu den Vorbildern sind gleichzeitig minimiert.

Und das ist sie, die fertige Idee: Eine Webserie über weibliche Vorbilder aus IT, Technik, Sport, Kunst und Unternehmerinnentum mit dem Namen roleUP! – lvl up your role models.

Freier, Mörderinnen & Merkelmythen

Lampedusa, Marsfotos, Pogues-Gitarrist tot, Mörderinnen, Spottseiten, Lanz, Femgeek-Chillout, Freier, Tirol wird weiblicher, dt. Tischtennis-Frauenmannschaft, E*Vibes-Vortrag & patriarchale Merkelmythen.

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Klischeehaft anmutendes Buch, aber interessantes Interview mit Sigrun Roßmarith über Mörderinnen:

SPIEGEL ONLINE: Sie schreiben in Ihrem Vorwort: „Niemand ist vor Wahnsinnstaten gefeit, auch ich nicht.“ Warum glauben Sie das?

Roßmanith: Ich glaube, dass es in jedem Menschen eine gewisse Schwelle gibt. Wenn die überschritten wird, passieren Dinge, die man sich nie vorgestellt hätte.

…was generell keine falsche Einstellung ist. Forum sollte man nur mit starken Nerven aufsuchen, erwartungsgemäß.

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Der Bruder eines Lampedusa-Opfers im Interview mit der taz (auch hier Forenbeiträge meiden, wenn man nicht gerade kontern will):

Wussten Sie, dass Ihr Bruder auf dem verunglückten Boot war?

Nein. Ich wusste, dass mein Bruder in Libyen ist. Er hat dort anderthalb Jahre als Bauarbeiter gearbeitet, um seine Frau und die zwei Kinder in Ghana zu ernähren. Wir hatten noch vor zwei Wochen telefoniert. Schon zuvor hatte er mir gesagt, dass er nach Europa will. Ich habe ihm immer wieder geantwortet: Nein, geh nicht! Europa ist nicht das Paradies, wie alle denken. Menschen wie wir bekommen keine Jobs, müssen auf der Straße schlafen. Das ist kein Leben, wir leiden. In Libyen gibt es wenigstens Arbeit, der Dinar ist gut. Es ist besser als in Europa.

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Pogues-Gitarrist Philip Chevron ist gestorben:

Der Gitarrist der irischen Folk- und Punkband The Pogues, Philip Chevron, ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Wie die Gruppe auf ihrer Internetseite mitteilte, starb der Musiker am Dienstag nach langem Krebsleiden. Nach einer ersten Krebserkrankung 2007 war im August vorigen Jahres erneut ein Tumor bei Chevron entdeckt worden, der unheilbar war.

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Patriarchale Merkel-Mythen:

„Was will das Weib?“, soll Freud einst gefragt haben, wohl ehrlich ratlos. Eine Frage allerdings, die nur im Patriarchat gestellt – und nur nach dessen Ende beantwortet werden kann. Aber so weit sind wir auch ein Dreivierteljahrhundert nach dem Tod des Meisters nicht. Und so kommt es, dass im neunten Amtsjahr der ersten deutschen Kanzlerin noch Varianten der großen Frage durch die Öffentlichkeit geistern: Was will Merkel? Wofür steht sie? Steht sie überhaupt für etwas, hat sie eine Vision, ein Programm?

Und seit dieser Bundestagswahl: Wen bringt sie als Nächstes um? Wen wird die Königsboa in ihrer Umarmung ersticken – wieder die SPD oder diesmal die Grünen? Wen frisst die Schwarze Witwe jetzt, die Gottesanbeterin – das Bild fand ein ungarisches Wirtschaftsmagazin –, nachdem sie sämtliche innerparteiliche Konkurrenz verputzt und gar eine ganze Partei geschluckt hat, die FDP?

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Auf die Kritik daran, daß das erfolgreiche deutsche Frauenteam chinesischstämmige Mitspielerinnen enthält, erwidert die DTTB-Spitze:

DTTB-Präsident Thomas Weikert stellte gegenüber dem Sport-Informationsdienst klar: „Unter den besten fünf Athletinnen sind in Deutschland nun mal drei, die in China geboren wurden. Wenn wir ihnen wegen ihrer Herkunft eine EM-Teilnahme verbieten würden, obwohl sie alles dafür getan haben, für uns zu spielen, dann stecken wir ganz schnell in einer Ecke, in der wir gar nicht sein wollen.“

Der Vizepräsident des Weltverbands ITTF fügte hinzu: „Im Präsidium gibt es einen Beschluss, dass wir für niemanden einen vorzeitigen Antrag auf Einbürgerung stellen.“ Wer jedoch nach acht Jahren eingebürgert werde, habe auch das Recht, in der Nationalmannschaft zu spielen. „Über die Nominierung entscheidet letztlich nicht das Aussehen des Gesichts, sondern die sportliche Leistung.“

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Nerdy Awesomeness: die Zeit präsentiert eine Fotostrecke mit Schwarzweißaufnahmen vom Mars!

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Aber holla! Das neue Tiroler Kinder- und Jugendhilfegesetz künftig fast ausschließlich in weiblicher Form verfasst sein:

Statt von Rechtsanwälten und Ärzten wird also forthin von Rechtsanwältinnen und Ärztinnen die Rede sein. Ohne Binnen-I, denn das sei eigentlich eine inoffizielle und nicht gesetzeskonforme Lösung, heißt es aus dem Büro der Landesrätin auf Anfrage von dieStandard.at. Auch eine geschlechtsneutrale Formulierung, die man zuerst angestrebt hatte, hatte die Rechtsabteilung mangels Lesbarkeit nicht für gut befunden. Ganz im Gensatz zu Formulierungen wie dieser: „Pflegepersonen und Personen, die Minderjährige im Rahmen einer sozialpädagogischen Pflegestelle oder als Bereitschaftspflegerinnen betreuen, …“ Die explizit männliche Form kann von Rechts wegen getrost weggelassen werden und so soll es in Hinkunft auch sein.

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Die Femgeeks wollen wissen: Wie entspannt Ihr?

Was ich versuche: Emails nur ein- bis zweimal am Tag checken und dann abarbeiten, die restliche Zeit habe ich mittlerweile auch Thunderbird ganz geschlossen. Heute habe ich vor allem getestet, ob es mir etwas bringt, wenn ich mich aus all den sozialen Netzwerken auslogge, wenn ich eigentlich gerade etwas anderes machen möchte. Und oh wunder: Es ist tatsächlich super, selbst wenn ich aus Reflex zum zehnten Mal in sechzig Minuten den Facebook-Button drücke, denke ich noch einmal nach, ob ich wirklich gerade zu FB wollte (und meistens ist die Antwort eindeutig: Nein.).

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E*Vibes-Veranstaltung
: haben Femen den Feminismus übernommen?

In diesem Vortrag wollen wir uns u.a. damit auseinandersetzen, wie Femen historisch-gesellschaftlich verortet sind, sich organisieren und welche Auswirkungen ihr Aktivismus für andere feministische Gruppen hat. Außerdem beschäftigen wir uns mit den von ihnen erzeugten Bildern und welche der vielfach geäußerten Kritik (nicht) gerechtfertig ist.

Wann: 21.10.
Ort: K9; Berlin

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Das Mädchenblog präsentiert einen Text von Caitlin Seida, deren Foto im Lara Croft-Outfit Opfer von Internetspottseiten wurde (Triggerwarnung wg. Fatshaming):

Eines Tages loggte ich mich auf mein Facebookkonto ein und fand eine Nachricht einer Freundin vor. „Du bist eine Internetberühmtheit!“, hieß es darin. Dazu ein Link zu einer sehr öffentlichen Seite, deren einziger Zweck es ist, Bilder von Leuten zu veröffentlichen, über deren Aussehen man sich lustig machen kann. Und da war ich, in voller Pracht – ein Bild von mir, als meine Heldin Lara Croft verkleidet: Tomb Raider, für Halloween – aber über dem Bild ein Schriftzug mit den Worten „Fridge Raider“ (dt. „Gefrierschrank-Plünderer“).

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Überraschend guter Artikel von Nils Pickert über Freier, überraschend konstruktiv-zahmes Form (trotzdem Triggerwarnung):

So schwer es mir fällt, innerhalb des Spannungsfeldes der Prostitution zwischen Freiwilligkeit und Zwang zu belastbaren Aussagen zu kommen, so leicht erscheint es mir, über Freiertum zu sprechen und es infrage zu stellen: Darf Mann Freier sein? Und wenn ja, sollten Männer Freier sein dürfen? Existiert etwa ein Menschenrecht darauf, seine eigene Sexualität gegen Geld am anderen auszuleben? Wie kann Mann überhaupt auf die Idee kommen, Sex ohne Kondom zu verlangen? Und können Freier eigentlich mehrheitlich unterscheiden, ob sie sich eine Dienstleistung oder einen Menschen kaufen?

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Markus Lanz vom 08. 10.
mit Bascha Mika, Karl Lauterbach, Halala und Kaya Yanar:

Special Service Saturday: Maskulisten, Feminist_innen & Networking

Weil man (v. a. auch frau) manchmal keine Lust hat, schon wieder den Kopf auf die Tischplatte schlagen zu müssen, ist das Lesen der Kommentarforen oft mit einigen Risiken verbunden, da hier Trollhorden ganz klar ihr Revier haben. Besonders schön zu beobachten auch bei Scientology oder AfD. Die sind auch und gerade deswegen so berichtenswert, weil man als Onlinemedium gern und gezielt Trolle anlocken kann und die Klickzahlen in die Höhe schießen. Wer Ghostery installiert hat, kann sehen, wie viele und welche Dienste gerade auf der Süddeutschen das Leser_innenverhalten analysieren (Screenshot):
Ghostery Purple Box Süddutsche

Ich versteh das ja auch irgendwo. Klickzahlen sind hier bare Münze.
Wenn ich meine Referer manchmal so anschaue, kann ich auch hier auf meinem Popelblöglein sehen, wer mir zu wie viel Klickzahlen verhilft. Ein Tip: Reizworte im Titel machen sich bei manchen Themen bezahlt. In gewisser Weise kann man das ausnutzen, ja.

Andererseits – das nutzen wiederum die Trolle sowie Trolle in spe genauso aus. Niemand kann leugnen, daß gerade die AfD sich mit Netz-PR 1a auskennt. Warum nutzen WIR das jetzt nicht?
(mehr…)

Mansplaining, Polizeigewalt & Kopftuch

Edward Snowdens Konzernschelte, Rassistaz, schönes Mansplaining-Beispiel, schwäbische (Vorstands-) Wahl, „auch schön“ sein dürfen, Feine Sahne Fischfilet-Oben-Ohne-Skandälchen, Polizeigewalt & Kopftuch.

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Roomservice at Tearriffic’s! Und zwar das Luxusmenu, so ausgiebig und 101, wie Heng dort schreibt:

Weiterhin wirkt sich dieses, nicht gerade vorbildliche Verhalten vieler Frauen, indirekt auch auf andere Frauen aus. Leider. Oft trifft es dann die Falschen. Oft sind es dann die Frauen, die super nett, freundlich, witzig, offen, ehrlich, sympathisch, sehr hübsch … sind.

- Ein Typ, der sich das Recht nimmt, das Verhalten von Frauen* in “vorbildlich” und “unvorbildlich” einzustufen, geht noch weiter und ordnet die “Falschen” Betroffenen ein. All diese Adjektive, dann auch noch “sehr hübsch”. Wer also nicht “sehr hübsch” ist, darf ruhig garstig sein, denn die möchte eh niemand ansprechen, oder was?

Es täte so manchem gut, diesen Text+Kommentare zu lesen. Maln bißchen Frauenperspektive schnuppern und so.

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Schönes Beisiel für das, womit sich gerade Locations mit explizit nicht-sexistischem Regelwerk rumschlagen müssen:

Nun denn, den AJZ-Hatern, die sich da gerade im Internet aufblasen, und so tun, als sei das AJZ eine “Feminazi”-regierte “No-Go-Area”, sind solche Details egal. Es geht gegen das AJZ, gegen Linke, gegen Anti-Sexist_innen – klar, da muss man dabei sein und mitpöbeln, was das Zeug hält. Vom “Terror der Traumatisierten” ist die Rede, von “total albernen” Hausverboten, die irgendwer mal im AJZ bekommen hat, wegen “angeblich” sexistischen Verhaltens. Klar, “angeblich” und “sexistisch”, das ist ein Wortpaar, gehört zusammen wie Jacke und Hose. Dass da eventuell auch des Öfteren mal etwas dran sein könnte, wenn jemandem Sexismus vorgeworfen wird, ist ja undenkbar. Jede_r kennt irgendwen, der/die schon mal was Doofes im AJZ erlebt hat, deshalb muss der Laden ja doof sein, die Leute, die ihn aufrecht erhalten und betreiben, sowieso. Wer so drauf ist, in seiner/ihrer Freizeit nicht-kommerzielle Veranstaltungen und Konzerte zu organisieren, von herrschaftsfreien Räumen wenigstens zu träumen, muss einfach einen gehörigen Knall haben. Außerdem haben die dreckige Klos, manchmal ist das Bier warm, und rauchen darf man da ja auch nicht mehr…

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Das Mädchenblog nimmt sich der Kopftuchdebatte an:

Moslemische Mädchen leben nicht nur „im Islam“. Sie leben auch im Patriarchat. Wurden vom Leben also möglicherweise doppelt beschissen.

Soweit ich weiß, geht die Kopftuch-These ja so: die Frauen sollen das Haar (bzw. bei manchen auch mehr) verstecken, damit es die Männer nicht reizt, sie in irgendeiner Form abschleppen zu wollen.

Und da liegt halt der Hund begraben – anscheinend funktioniert das Ding hier in Deutschland.
Wer gegen das Kopftuchdiktat mit Ablegen protestiert, kriegt die ganzen Baggerheinis inklusive. Evtl. halt auch noch andere Unannehmlichkeiten, und ich mein hier nicht elterliche Kontrolle und moslemische Community…

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Kritik an einem weiteren taz Rassismus-Fail und eine Erinnerung an alle, wie nichtweiße Menschen in Deutschland die Welt beispielsweise sehen, daß für sie Rassismus und Diskriminierung sehr penetrante Alltagserfahrungen sind:

Vorweg: Ich habe eine Sehnenscheidenentzündung im Arm (das ist das Tolle am chronischen: Es kommt immer wieder), zwei Deadlines im Nacken und vielmehr Lust über das Whitewashing der Hip Hop (Platten-)Industrie in Deutschland zu schreiben, aber…mich hat da was gestört. Konkret: die Taz, der folgende Brief bezieht sich auf diesen Artikel.

Liebe Taz-Redaktion im Allgemeinen, liebe Astrid Kaminski im Besonderen,

An dem Artikel von Astrid Kaminski gibt es allerlei zu beanstanden, aber der rassistische Vogel wird mit diesem Absatz abgeschossen:

”Vier Wochen, in denen Rassismus groß geschrieben und so oft thematisiert wurde, dass es durchaus penetrant wirkt, und in denen das politische Anliegen sich teils deutlich vor das künstlerische stellte.”

Wissen Sie, was so richtig penetrant ist?

Jeden Tag Rassismus zu erleben. Jeden Tag aufs Neue daran erinnert zu werden, ”anders” zu sein, weil die Haare zu schwarz und zu lockig sind, keine Wohnung zu bekommen, weil der Name nicht arisch genug klingt, zu sehen, das zehn Jahre lang weiße Menschen, meine Geschwister töten können (NSU-Mordserie) und danach nichts folgt außer fünf Seiten “Empfehlungen”.

Wissen Sie, was so richtig penetrant ist?

Die Zeitung aufzuschlagen und nicht irgendwo die eigene Realität, die eigene Perspektive zu lesen. Das Radio einzuschalten und nicht eine Stimme zu hören, die eine Geschichte erzählt, in der Menschen wie ich wie Menschen beschrieben werden und nicht in der fünften Generation immer noch ihre Migrationshaft absitzen.

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Riotmango legt den Deppensatz „übergewichtige Frauen sind auch schön“ auseinander und erklärt idiotensicher, weshalb das kein Kompliment ist:

“übergewichtig” (genau wie der klinische begriff “adipös”) ist ein begriff, der durch die fat-shamende mainstream-medizin legitimiert wird, ein vermeintliches “zu viel” konstruiert und deshalb in die gesellschaftliche mülltonne gehört. ich wünsche mir, dass widerständige selbstbezeichnungen, die eine empowernde politische dimension haben und nicht absurde bewertungsmaßstäbe reproduzieren, im deutschsprachigen raum stärker diskutiert und mit politischen botschaften gefüllt werden.

unser fett ist und bleibt politisch und wird verdammtnochmal nicht in einen bewertungsmaßstab von “unter” und “über” gequetscht.

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Snowden übt Kritik an Facebook, Apple und Google:

Andere große IT-Unternehmen wie Google, Facebook. Microsoft, Yahoo und Apple müssten sich angesichts der Arbeit von Lavabit fragen lassen, warum sie nicht in ähnlicher Weise für die Interessen der Bürger einträten wie die kleinen Internetfirmen. „Sie entschuldigen sich damit, dass sie Gesetze befolgen müssen, die ihnen nicht gefallen, aber wenn sie ihre Dienste abschalten würden, könnten sie an einem einzigen mehr erreichen als 100 Lavabits“, sagte der Ex-Geheimdienstmitarbeiter.
(…) Lavabit hatte seinen Kunden zugesagt, dass deren E-Mails auf den Servern des Unternehmens verschlüsselt werden und dass ein Zugang zu den Mails nur mit dem Passwort des Nutzers möglich sei. Lavabits Erklärung lässt vermuten, dass die US-Behörden möglicherweise Zugang zur E-Mail-Korrespondenz von Snowden, zu anderen Informationen über ihn oder zum Schlüssel seiner Mails bekommen wollten oder sogar einen Zugang zu den Daten der Hunderttausenden anderen Lavabit-Kunden.

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Deutsche Polizeigewalt
fällt so langsam auf. Wer kann schon Menschen vertrauen, die „immer Recht haben“?:

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beklagt schon länger, dass es Fälle „rechtswidriger Polizeigewalt“ in Deutschland gebe. Tödlich enden Polizeieinsätze jedoch relativ selten. In Berlin wurden seit 2008 sechs Menschen mit Schüssen aus Polizeiwaffen getötet, wie Innensenator Frank Henkel (CDU) nun auf eine Anfrage der Grünen antwortete. Zwölf weitere Menschen erlitten danach Verletzungen.

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Schwäbischer Wahlrückblick:

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Melanie über das Reizwort „Fremdbetreuung“

“ich möchte mein kind nicht so früh fremd betreuen lassen/abgeben…” höre ich oft. wenn ich dann nachbohre, was “fremdbetreuung” heißt, stehen dahinter konkrete formen von betreuung, die nicht erwünscht sind: betreuung, für die bezahlt wird. anders kann ich es mir oft nicht erklären, warum es ok ist, dass oma an vier vormittagen das kind bespaßt, aber die tagespflege oder die kita abgelehnt werden. und zwar auch von menschen, die sich solche betreuung grundsätzlich finanziell leisten können.

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Filmmonster, bedingungsloses Grundeinkommen und Philipp „Breaveheart“ Rösler

Trollparade/Gifparade, Breaveheart Rösler & die Zweitstimme, Frauen im Maschinenbau, bekloppte Filmmonster, warum die Medien kaputt sind (nicht wegen der Filmmonster), Feminismus & Überwachung, Schutzräume und bedingungsloses Grundeinkommen.

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Der Spiegel interviewt zwei Frauen, die jetzt in der Ausbildung sind bzw. es in den 50ern waren; unter einerseits komplett verschiedenen Umständen, aber eben auch mit vielen Ähnlichkeiten:

Heinzerling: Bei der Frage, warum ich eigentlich Maschinenbau studiert habe, da habe ich mir nach einiger Zeit angewöhnt zurückzufragen: Und warum haben Sie es gemacht? Plötzlich ist den Herren klargeworden, was das für eine Unverschämtheit war. In der Regel haben sie sich dann entschuldigt. Schon die Tatsache, dass Frauen die Studienwahl in einem technischen Fach immer wieder begründen müssen, ist beleidigend!

Dos Santos: Die Frage habe ich auch schon bekommen: Warum Frauenstudiengang? Und zurückgefragt: Warum nicht?

Heinzerling: Das ist gut! Immer zurückfragen!

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Sehr, sehr schöne Fotostrecke mit den bescheuertsten Horrorfilmmonstern:

Na schön, dann so: Ein kleiner, weißer, adrett frisierter Pudel frisst aus Versehen Körperteile eines zerstückelten Zombies und verwandelt sich daraufhin in einen gigantischen Zombie-Pudel mit rasiermesserscharfen Zähnen, Klauen – und rosa Schleifchen im Haar. Und der Clou: Fifi kann nur ins Jenseits befördert werden, indem man ihn eine Stange Dynamit apportieren lässt? Nein, stopp. Das ist auch schon dagewesen: In dem Film “ Boneyard“ von 1991.

Mein Liebling ist ja das Nuklearmutanten-Eichhörnchen.

Nur rage ich mich, wie Jack Frost es nicht auf die Liste schaffen konnte!

Das muß man aber eigentlich nicht auf dieses eine Genre beschränken:

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Zweitstimme & Happy FDP-Bashing mit 1a Braveheart-Finale!

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Yay, trollbashin‘ Gif Parade auf der Mädchenmannschaft!

Da die Mädchenmannschaft (MM) – alias Die Taliban Des Netzfeminismus’ (MM) – ja bekannt­lich nord­korea­nische Zu­stän­de™* pflegt in der Mo­dera­tions­poli­tik, was lei­der da­zu führ­te, dass be­stimmte Anti­feminist_innen trau­rig darüber sind nicht mehr mitdiskutieren [sic] zu können, dürfen wir uns nun an einer neuen Stalking-Strategie erfreuen: dem stali­nisti­schen Ju­bel­kommen­tar, schein­bar in­spi­riert durch in­ten­si­ves “Ko­mmu­nika­tions­guerilla”-Wiki­pedia­ein­trags-Stu­dium.

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Mein Raum, nicht Deiner:

Nen Typ und nen Mädel (sic!) kommen rein. Smalltalk. Sobald es zu einem technischen Thema kommt, reden plötzlich alle nur noch mit dem Typen. Das Mädel steht ignoriert daneben. Später sitzt der Typ mit seinem Tablet da und schaut Youtube Videos, während das Mädel (sic!) mit dem Laptop da sitz und programmiert.

Quasi ein Klassiker. Wer wird wie ernst genommen? Wem wird welche Kompetenz zugeschrieben? Vorfälle, die nicht ohne die Grenzziehung am binären Geschlechtssystem – basierend auf vom Äußeren abgeleiteten Geschlechtszuschreibungen – auskommen.

Wenn _ich_ solche Geschichten erzähle, bekomme ich meist zu hören, ich würde das überinterpretieren, oder noch besser: Irgendwer hat es nicht so gemeint, “vielleicht kannten sie die Frau* nicht”, oder oder, bla bla, sinnlose Ausrede xy. Insofern freue ich mich, wenn diese Beobachtung tatsächlich mal von einem Cis-Typen selbst kommt (ja, ich finde es auch traurig, dass das schon reicht, um mich zu erfreuen). Nur die Schlussfolgerung irritiert mich. Anstatt, dass sich Cis-Männer dafür einzusetzen, dass kommende „gemischte“ (hahaha, still funny. not) Veranstaltungen irgendwie inkludierend werden und nicht etwa das Gegenteil 2, möchten diese selbst auf die „Gegenveranstaltung“ gehen, verstehen dabei aber nicht, dass dies keine Lösung ist.

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Die Einsamen Schützen des bedingungslosen Grundeinkommens sozusagen:

Am Abend des Wahlsonntags werden sich die Anhänger der Parteien wieder in Parteizentralen und Wirtshäusern versammeln. Stefan Füsers, Joachim Fiedler und Wolfgang Heimann werden dann ihre eigene Wahlparty feiern: Die drei Hamburger treten bei der Bundestagswahl als Direktkandidaten an – ohne Partei im Rücken. Sie kämpfen nicht für schwarz, rot, grün oder gelb, sondern für ein Thema: Das bedingungslose Grundeinkommen.

Wieder ein schöner Kommenatr herausgepickt, für alle, die sich nicht ins triggerverseuchte SpOn-Forum wagen will:

45. Weiterdenken
spotmakesmyday gestern, 23:36 Uhr
[Zitat von 9813205uxbxdjrgfjanzeigen…]
Ich wäre eine großartige Altenpflegerin. Ich kann sehr gut mit alten Leuten. Es wäre auch eine wesentlich erfüllendere Arbeit als der jetzige Schreibtischjob, würde meinem Leben mehr Sinn geben und ich könnte damit mehr „in der Welt bewegen“, wie man so schön sagt, wie das jetzt der Fall ist. ABER WARUM SOLLTE ICH SO BLÖD SEIN – wenn ich da unter miesen Bedingungen kaum den Lebensunterhalt zusammenkratzen kann? HÄTTE ich meinen Lebensunterhalt schon (mit bedl. Grundeinkommen) sicher, wäre ich wesentlich eher bereit, auch Nachts für ein kleines (jetzt ja nun „zusätzliches“) Entgeld alte Menschen zu versorgen. Wie hat Sie Ihr Vater zum Rasenmähen gelockt, so daß unbequeme Arbeiten erledigt wurden? Er übernahm Ihre Grundicherung, gab Ihnen aber noch ein Taschengeld, das für Sie ausreichend genug Motivation war, den Rasen auch ordentlich zu mähen. Der Mensch arbeitet Notwendiges gern auch für wenig, wenn die Rahmenbestimmungen stimmen. Bei vielen notwendigen Jobs wie Altenpflege ist es moemntan in Gegensatz aber so, daß diese Arbeit stets unter miesen Bedingungen gemacht wird und dann entweder für mieses Geld oder gar kein Geld (die meisten Altenpfleger, die in dieser Republik Arbeit leisten, werden nicht bezahlt, nämlich die, die die Altenpflege an ihren Angehörigen oder sich selbst selber leisten müssen). Ihre Mutter ist auch nicht bezahlt worden, um Sie auszutragen, zu säugen, zu erziehen,… trotzdem hat sie es aus Notwendigkeit gemacht, wegen Motivation einer (ich hoffe doch) erfüllenden und mit Liebe getanen Arbeit und Unterstützung gab’s durch „Taschengeld“ wie Kindergeld, Ehegattensplitting und süße Bilder von Ihnen am Kühlschrank oder so. Wir machen den Fehler, „Arbeit (die getan werden muß)“ stets mit „Lohnarbeit“ gleichzusetzen, weil uns suggeriert wird, je mehr Geld man dafür kriegt, desto wichtiger ist die Arbeit. Das ist aber eine Illusion. Mit bedingungslosem Grundeinkommen würde auf Dauer wohl die Altenpflege mehr motivierten Zulauf bekommen (Prinzip: ich muß ja nun nicht mehr zwingend arbeiten, um Geld zu verdienen, also – was muß getan werden? Was davon kann ich gut und macht mir Spaß?) als die Zunft der Börsenmakler. Seh ich als gute Entwicklung.

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Antje Schrupp erläutert, was an den Medien so unrettbar kaputt ist:

Die Medien sind so männerdominiert wie kaum noch eine andere gesellschaftliche Organisation. 98 Prozent Männeranteil in den Chefredaktionen von Tages- und Wochenzeitungen, das ist eine Dominanz wie im 19. Jahrhundert, vor der Frauenemanzipation. Beim Fernsehen, Online-Medien und Radio ist es nicht ganz so krass, aber auch da sind mehr als 80 Prozent der Redaktionen von Männern geleitet.
(…)
Diese Medien, so sehe ich es, sind kaputt, und zwar unrettbar. Sie gehen mich, da ich eine Frau bin, nur bedingt etwas an. Sie haben keine Autorität, mir die Welt zu erklären, weil sie die Welt, die mich interessiert, überhaupt nicht kennen. Es gibt ganz hin und wieder auch mal was anderes, aber das muss man suchen wie die Nadel im Heuhaufen.

Es hat aus meiner Sicht keinen Zweck, da noch Energie reinzustecken.

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Warum Überwachung sogar Reproduktionsrechten schadet:

Beispielsweise hab ich eine gute Freundin, die nach Österreich ausgewandert ist (nein, nicht deswegen). Die Feministin denkt: die könnt ich doch eigentlich mal fragen. Wäre ja optimal im Notfall, also wenn man die Dinger wirklich mal braucht, eventuell nur eine Tür weiter ins Badezimmer zu müssen und diese Pille so schnell wie möglich in sich hineinzubefördern.
Als konservative Netzfeministin würd ich normalerweise Kontakt über E-Mail aufnehmen. Evtl. tät’s auch ne SMS. Oder ich könnt sie auch eh mal wieder anrufen.

Dann liest man irgendwo (tazblog? Find’s wohl eh nicht mehr. Selber groß, selber suchen), was für ein Bullshit dieses „Wir brauchen Überwachung wegen den Terroristen“ ist. Daß die Terroristensuche/-überwachung minimalen Anteil an der Sache hat. Und daß sich der aller-, allergrößte Teil der Überwachung von Internet, Handy, Telefon und sämtlichen Mischformen um Drogenkonsum und -handel dreht.