Archiv der Kategorie 'Trolliges'

Betitteter Mistkäfer

Vor zwei Wochen erklärte Redaktionsleiterin Christiane Florin im Editorial, warum sie eine Anzeige des katholischen Hilfswerks Kirche in Not abgelehnt hat. Hauptargument: In der Anzeige lautete ein Punkt „Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“. „Meinungsdiktatur“ sei keine Kritik an der Demokratie, sondern Diffamierung. Auch in der Kirche gehe offenbar Pegida-Vokabular um, hieß es im Editorial. Danach erreichten die Redaktion so viele Zuschriften wie noch nie in den vier Jahren von Christ&Welt in der ZEIT. Uns hat überrascht, mit welchen Worten Christentum und Abendland verteidigt werden.

Pfui (Triggerwarnung).

Kostprobe:

Schmeißen Sie diesen betitteten Mistkäfer raus, die soll zu den Grünen gehen, als Putze.

Ernsthaft. Das steht da. Mit vollem Namen unterschrieben.
Gerade eben war ich noch angekotzt wie Sau. Aber jetzt habe ich Bilder im Kopf, aus denen Berufenere ein Comic machen sollten.

Ich übergebe das Wort an Herrn Widmann:

(Via.)

Simphiwe Dana, Margaret Atwood & „Frauen wie andere auch“

Genies mit Misogyniebonus, Street Harassment, Mindestlohn, Simphiwe Dana, Umgang mit Rechtspopulismus, Sexismus in Videospielen, „Frauen wie andere auch“, Homophobie abbauen, „nichtdeutsche“ Vornamen nachteilig bei Jobsuche und Interview mit Maragret Atwood.

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Gesetzesentwurf zum Mindestlohn – hier isser nun, der Schweizer Käse:

Wer geht leer aus? Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten, in denen sie auf einer neuen Stelle arbeiten. Als langzeitarbeitslos gilt, wer offiziell ein Jahr lang arbeitslos war. Zuletzt waren das rund eine Million Personen.

Und wer muss noch verzichten? Zum einen Lehrlinge und ehrenamtlich Tätige. Sie sind keine Arbeitnehmer. Außerdem profitieren Jugendliche unter 18 Jahren nicht von den 8,50 Euro. Damit will die Bundesregierung verhindern, dass junge Erwachsene eine Ausbildung verschmähen, weil ihnen ein okay entlohnter Schülerjob wichtiger ist.

Etwas knifflig wird es bei den Praktikanten: Jugendliche, die ein Pflichtpraktikum für die Schule, im Rahmen der Ausbildung oder für das Studium absolvieren, haben keinen Anspruch auf 8,50 Euro. Wer freiwillig zur Orientierung für eine Lehre oder ein Studium oder ausbildungs- oder studienbegleitend ein Praktikum absolviert, hat zumindest in den ersten sechs Wochen keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Danach schon.

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Wie sich Homophobie abbauen läßt (Stichwort: mühsam nährt sich das Eichhörnchen…), mit guten Quellenangaben/Links!

Warum die Vorbehalte gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Trans*-Personen noch immer hoch sind, hat auch viel mit Unkenntnis zu tun. Unbekanntes erzeugt Unbehagen, Vertrautes erzeugt Sympathie. Dieser „Mere-Exposure-Effekt“ ist eine fundamentale psychologische Gesetzmäßigkeit, die auf Musik, Werbebotschaften, Personen und vieles andere gleichermaßen zutrifft (Bornstein, 1989).

Viele Menschen kennen Lesben und Schwule nicht persönlich, sondern nur vom Hörensagen oder aus den Medien, wo sie nicht selten als Exoten, Witzfiguren oder sexbesessene Partymenschen dargestellt werden. Wer jedoch feststellt, dass eine Freundin lesbisch oder ein Kollege schwul ist, dessen Einstellung zu Homosexuellen verbessert sich meist (Smith, Axelton & Saucier, 2009). Dies gilt besonders für Menschen, die Homosexualität aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen ablehnen (Cunningham & Melton, 2013).

Wer hingegen nie auf offene Lesben oder Schwule trifft, hält auch stärker an Fehlannahmen fest, etwa darüber, wie sexuelle Orientierungen entstehen. Einige Menschen glauben, dass Lesben und Schwule sich ihre sexuelle Orientierung selbst ausgesucht haben oder dass sie zur Homosexualität verführt wurden. Dies zeigt sich implizit auch in der Baden-Württemberger Petition gegen die Thematisierung sexueller Vielfalt in der Schule. Darin wird bemängelt, dass die „negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils“ nicht genügend reflektiert werden würden. Der Autor der Petition meint offenbar, sexuelle Orientierung sei vergleichbar mit einer Lifestyle-Entscheidung. So wie man zwischen Bio-Produkten und konventionellen Lebensmitteln wählen kann, könne man sich auch für oder gegen Homosexualität entscheiden.

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Superschönes Lied, wunderbare Stimme, absolut cooles Video:

Perfekt zum InderSonneliegen&Musikhören!

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Noch präsenter als im Mittelalter ist die Jungfrau in Nöten und anderer Sexismus in Videospielen und Gamercommunitys:

„Bitte krieg‘ Krebs und stirb!“ Wenn Grace solche Nachrichten in ihrem Postfach findet, freut sie sich. Anders als Sarkeesian widmet sie sich nicht dem Umgang mit den Frauen auf dem Bildschirm, sondern mit denen, die die Spiele spielen. Denn Spielerinnen bekommen von männlichen Spielern regelmäßig Beleidigungen und Drohungen geschickt. Grace und drei weitere Frauen machten das öffentlich: Knapp zwei Jahre lang sammelten sie die Aussagen auf ihrer Seite Fat, ugly or slutty. Der Name bezieht sich auf die Eigenschaften, die die Absender Spielerinnen am häufigsten zuschreiben: fett, hässlich oder nuttig.

Grace ärgert sich nicht über die Nachrichten, sie findet sie lustig: „Das ist so absurd: Da spielt jemand ein Spiel, checkt die anderen Gamer aus, tippt mühsam einen Text zusammen und schickt ihn in den Äther. Ein riesiger Aufwand, ohne dass er weiß, was damit passiert.“ Manche Beleidigungen sind durchaus kreativ: In Graces Favorit droht der Absender, eine Zeitmaschine zu bauen, um ein Dinosaurierei zu holen, das Tier großzuziehen und es auf die Spielerin loszulassen.

(Hervorhebung von mir, weil das einfach zu gut ist!)

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Keine große Überraschung: „nichtdeutsch“ klingende Vornamen sind bei der Jobsuche alles andere als hilfreich:

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

Nur nicht aufgeben: Um eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu erhalten, muss ein Kandidat mit typisch deutschem Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit türkischem Namen sieben. Wobei die Kfz-Mechatronik-Bewerber stärker diskriminiert werden. Bei den angehenden Bürokaufmännern deutet sich eine Diskriminierung an, statistisch ist sie nicht signifikant.
Je kleiner das Unternehmen, desto stärker die Diskriminierung: Das könnte daran liegen, vermuten die Forscher, dass größere Unternehmen ihre Bewerber nach einem stark formalisierten Verfahren auswählen, in das mehrere Mitarbeiter eingebunden sind. Dadurch ließe sich auch der Unterschied zwischen Kfz-Mechatronikern und Bürokaufmännern erklären: Die Kfz-Betriebe hatten im Durchschnitt weniger Mitarbeiter.
Ein Anruf für Tim, eine E-Mail für Hakan: Bewerber mit deutschem Vornamen riefen die Unternehmen häufiger an, Hakan und Ahmet bekamen häufiger Post. Darin werden sie häufiger mit Vornamen angesprochen und geduzt.

Und da frag ich doch glatt, was passiert wäre, hätten früher gewisse Leute gesagt, sie wollten keinen Mehmet in Team haben…

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Rasantes taz-Interview mit Margaret Atwood:

Wie fanden Sie Volker Schlöndorffs Verfilmung Ihres „Reports der Magd“?

Ich glaube, Schlöndorff hat die Situation in Amerika nicht so ernst genommen. Er dachte wohl nicht, dass der Roman der Realität so nahe kam. Und es gab noch eine andere Sache: Das Drehbuch war von Harold Pinter, er hatte einen umfangreichen Off-Kommentar für die Hauptfigur vorgesehen, die von Natasha Richardson gespielt wurde. Natasha hat das Voice-Over aufgenommen und ihr Spiel vor der Kamera entsprechend angepasst. Aber dann nahm Volker es wieder heraus! Deshalb wirkt sie im Film wie betäubt, als würde sie weder denken noch reagieren. Natasha hat sich sehr geärgert. Ich finde ja, irgend jemand sollte das Voice-Over wieder einfügen, schließlich war das Original so.

Haben Sie mit Schlöndorff darüber gesprochen, nachdem Sie den Film gesehen hatten?

Nachdem? Wozu?

Hat er Sie gefragt?

Nein. Aber es war interessant, den Film in Berlin aufzuführen, weil gerade die Mauer gefallen war. Wir waren erst in West-, dann in Ostberlin. Im Westen drehte sich die Diskussion um künstlerische Aspekte des Films, nicht das totalitäre Regime, das er zeigt. Im Osten sagten die Leute: „Das war unser Leben.“

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Kampf gegen Rechtsruck – knifflig wird’s immer bei den Feinheiten:

Etwa die Hälfte der befragten Kommunalpolitiker sagte in Interviews, der derzeit praktizierte „ignorierende Umgang“ sei nicht ausreichend – falsche Aussagen blieben ohne Widerspruch und würden dann von den rechtsextremen Mandatsträgern als Tatsachenbehauptung hingestellt. Immer wieder Ablehnung zu zeigen sei wichtig – doch nicht kommentarlos, lautet deswegen eine Empfehlung der Autoren der Studie.

Noch wichtiger sei es, eine gemeinsame Position bei Themen zu finden, die Rechtsextreme außerhalb der Gremien benutzen könnten, um potenziell rechte Wähler zu gewinnen. Beispielsweise bei der Unterbringung von Asylbewerbern. In der Vergangenheit leisteten nicht nur rechtsextreme Gruppen, sondern auch Anwohner häufig Widerstand, sobald bekannt wurde, dass in der Nähe ein Asylbewerberheim eröffnet werden soll. Unter ihnen, so der Bericht, befinde sich ein hoher Prozentsatz an Personen, die rassistischen Aussagen zustimmten. Diese Menschen ebenfalls als Rechtsextreme abzutun, sei gefährlich: Sie würden dadurch ausgegrenzt, eine Auseinandersetzung mit ihrer rassistischen Einstellung finde nicht statt. Dabei sei es besonders wichtig herauszustellen, dass das Recht aus Asyl nicht verhandelbar ist.

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Das Buch „Wir sind Frauen wie andere auch! Prostituierte und ihre Kämpfe“ wird neu aufgelegt und bei dieStandard rezensiert und empfohlen:

Im Kern des Buches selbst sind es Frauen, die sich in Gesprächsprotokollen zu ihrer Arbeit äußern, daneben enthält das Buch umfangreiches Material zur Rechtslage in (damals noch West-)Deutschland oder eine Chronologie der Ereignisse rund um den Generalstreik der Prostituierten in Frankreich 1975. So wichtig, wissens- und lesenswert das ist, die eigentliche Notwendigkeit an diesem Buch sind die Frauen, die hier nicht nur für sich selber sprechen wollen, sondern es mit Witz und Ironie, Klarsichtigkeit, Ehrlichkeit und Würde ganz offensichtlich auch können. Es sind fünf Frauen, die sich in der Gesprächsrunde austauschen, dazwischen stehen immer wieder Zitate von Frauen aus dem Buch „Frauenhäuser. Gewalt in der Ehe und was Frauen dagegen tun“ oder Aussagen anderer Sexarbeiterinnen. Der Ton in der Runde ist rotzig, eine Sprache der Straße, wie man immer gerne sagt. Manche der Frauen sind verheiratet und haben Kinder, andere leben alleine. Manche arbeiten auf der Straße, andere sind Tänzerinnen, wieder andere verdienen ihr Geld in Bars oder Peepshows.

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Charlott legt dar, wie Frauenhass bei Künstlern immer noch gern geflissentlich ignoriert oder verharmlost wird:

Das schreibende Genie, das unberechenbare, wo eben auch mal Gewaltausbrüche “passieren”. Norman Mailer gewann zwei Mal den Pulitzer Preis. Den ersten gerade einmal neun Jahre, nachdem er fast seine damalige Frau getötet hatte. Auf einer Party hatte Mailer Adele Morales, über die es im englischsprachigen Wikipedia heißt, sie sei am besten dafür bekannt, dass sie die zweite Frau Mailers gewesen sei, mit einem Messer erst in die Brust, knapp am Herzen vorbei, und dann in den Rücken gestochen. Eine Person, die der blutenden Morales zur Hilfe eilte, fuhr er an, dass er sie sterben lassen soll. Mailer kam ums Gefängnis drum herum, Morales zeigte ihn nicht an und er bekannte sich der Körperverletzung für schuldig. Die Kulturgeschichte ™ kann darüber hinweggehen. Norman Mailer kann viele Jahre später popkulturell als wichtige Figur inszeniert werden. So sitzt er bei den Gilmore Girls als exzentrischer älterer Herr rum, der ausschließlich Eistee bestellt.

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Polygamie, AfD & Neuroparasiten

Energiewende, Pille danach, Urheberrecht, AfD-Bashing, Friseurbesuch, Neuroparasiten, „bekehrte“ Homosexuelle, Geschlechterdifferenz und Polygynie in Kenia.

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Wie Neuroparasiten Tiere sozusagen zu ferngesteuerten Zombies machen und welche Horrorstories die Natur so auf Lager hat:

So wird die Amerikanische Großschabe von der Juwelwespe heimgesucht: Wenn die Wespe zum Angriff auf die gut dreimal so große Kakerlake übergeht, muss sie schnell sein. Sie injiziert ein Gift in einen Nervenknoten in der Brust, sodass die Schabe ihre Beine nicht mehr bewegen kann. Die Lähmung dauert wenige Minuten – genug Zeit für den zweiten Stich. Die Wespe führt ihren Stachel wie ein Endoskop in das Gehirn ihres Opfers ein. Mit chirurgischer Präzision spritzt sie ihr Gift ins Protocerebrum, eine Gehirnregion, die auch für die Fluchtreaktion zuständig ist. Die Kakerlake ist willenlos. Die Juwelwespe greift eine Antenne der Schabe und führt das Insekt zu ihrer Nisthöhle, als wäre sie ein Hund an der Leine. Dort klebt die Wespe ihre Eier an die Bauchunterseite ihres Opfers. Die Höhle verschließt sie mit Kieselsteinen. Die Schabe verharrt regungslos im Inneren. Nach drei Tagen schlüpfen die Wespenlarven und ernähren sich von den Körperflüssigkeiten ihres wehrlosen Wirts. Nach ein paar Tagen bohren sie sich in den Körper der Schabe und beginnen, sie von innen aufzufressen, bis sie genug haben und sich im Inneren ihres Wirtes verpuppen.

Das ist eigentlich schon ziemlich krasse Scheiße!

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Die Pille danach – doch kein Katastrophenbringer, ach Überraschung auch:

Im Streit um die „Pille danach“ gerät die Argumentation von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Rezeptpflicht beizubehalten, weil das Risiko der Nebenwirkung zu groß sei, zur Farce: Exakt zwei Fälle schwerwiegender Nebenwirkungen nach Einnahme des Notfall-Verhütungsmittels sind dem zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bekannt – zwei Fälle aus ganz Deutschland, und zwar im Zeitraum von 1998 bis heute. Das räumte die Bundesregierung gegenüber der Linksfraktion im Bundestag ein, die hierzu eine kleine Anfrage gestellt hatte.

Das Risiko, aufgrund der Einnahme der „Pille danach“ eine Thrombose zu entwickeln, liege somit bei 1 zu 5 Millionen, schreibt die Bundesregierung: „Diese Berichtsrate liegt deutlich unterhalb der Inzidenz für entsprechende Fälle in der Normalbevölkerung.“ Dort entwickelten von 100.000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 44 Jahren 5 bis 10 Frauen eine Thrombose – ohne „Pille danach“. Bei den beiden berichteten Fällen kommt hinzu: Ob überhaupt ein kausaler Zusammenhang der Erkrankung mit der Einnahme der Pille bestand, ist unklar; die Bundesregierung schätzt ihn „nicht als wahrscheinlich“ ein.

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Herrliche Polemik gegen die „Ich bin kein Feminist, weil“-Aktion der AfD – in your face und auf den Punkt:

Die Diskussionsrunde auf Facebook zu dem Rinderwahnsinns-Post mit diesen Zettelchen, die man eigentlich nur als Selbstanzeige lesen kann, ist dann auch wirklich voll vom klassischen Potential der getretenen rechten Männer, die ihre letzte Rettung in der AfD suchen.

Die Schablone “Ich bin kein Feminist” lässt aber auch bestenfalls die sozialverachtenden mir-geht’s-gut-die-anderen-sind-nur-zu-doof-für-sich-selbst-zu-sorgen Aussagen zu.

Deutschland! Erschütternd. Wir warnen also vorm reinlesen. Das tut weh.

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Antje erklärt ihre Trennlinie zwischen dem Sprechen über Geschlechterdifferenzen und Sexismus:

Ich wollte gerade eine andere Sicht auf die Macht vorschlagen, und ich wollte sie gerade auch Männern vorschlagen. Jörg Rupp zum Beispiel twitterte den Einwand, was ich beschreibe, sei ein veraltetes Männlichkeitsbild, und auch wenn ich im Gegensatz zu ihm befürchte, dass es derzeit leider noch nicht so veraltet ist, dass es sich bereits erledigt hätte, bin ich doch mit ihm ganz einig darin, dass das toll wäre.

Ich habe also überkommene Geschlechterbilder zur Diskussion gestellt in dem Bemühen, sie zu verändern. Sexistische Zuschreibungen stellen aber im Gegenteil Geschlechterbilder gerade nicht zur Diskussion, sondern versuchen, diese zu zementieren, zum Beispiel indem sie behaupten, der Machthunger läge den Männern in den Genen oder sei von der Evolution eben so hervorgebracht worden oder von Gott so gewollt. Also unveränderlich.

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Le Frisur
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Übers Kameraabkleben und allzu wißbegierige Apps:

Sebastian Barchnicki warnt: „Als Benutzer sollte man sich fragen, ob die Taschenlampen-App wirklich den Zugriff auf die Kontakte braucht, und nur die Apps installieren, denen man wirklich vertraut.“ Und er hat noch weitere Tipps: unbenutzte Apps am besten deinstallieren. Den Computer stets mit den neuesten Updates für Programme und Betriebssystem versorgen. Ein sicherer Browser wie Chrome oder Firefox erhöht das Schutzniveau – vermeiden sollte man das Surfen mit Administratorrechten.

Doch auch der beste Schutz nützt leider nichts, wenn der Nutzer seine Kamera bewusst zum Chat einschaltet und der Geheimdienst sich zuschaltet. Erst Ende Februar wurde das Programm des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) mit dem Code-Namen „Optic Nerve“ öffentlich. Es speicherte laut Guardian von 2008 bis 2010 Standbilder aus Yahoo-Camchats von insgesamt 1,8 Millionen Nutzern.

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Polygamie ist in Kenia weit verbreitet – zumindest die Polygynie – und diese soll nun auch per Gesetz erlaubt sein. Nur für Männer natürlich; Polyandrie bleibt weiterhin Tabu.
Was den kenianischen Frauen aber wirklich stinkt, ist, daß in Zukunft die Männer ohne Absprache mit der Frau weitere Ehen eingehen können sollen:

Die Kritik der Politikerinnen bezieht sich vielmehr auf die Änderungen, die ihre männlichen Kollegen dem Gesetz verpasst haben: Die Abgeordneten strichen nämlich das Vetorecht, das der Entwurf den Ehefrauen ursprünglich einräumte. Männer in Kenia können sich also die nächste Frau nehmen, ohne ihre bisherige Gattin um Zustimmung zu fragen.

Solch eine Entscheidung habe aber Auswirkungen auf die gesamte Familie, argumentieren die Gegnerinnen der Klausel. Eine zusätzliche Ehefrau verändere die finanzielle Situation für vorherige Partnerinnen und ihre Kinder erheblich. Es gehe aber auch um Eigentum und Erbschaft: Viele Frauen erben nach dem Tod eines polygam lebenden Mannes wenig oder nichts.

Dabei sollte das Gesetz dazu beitragen, Frauen und Kinder in Ehen besser zu schützen. Nicht nur mithilfe des Vetorechts: Wie die BBC berichtet, sollten Frauen mit dem Gesetz gleiche Eigentums- und Erbschaftsrechte erhalten wie Männer. Auch diese Klausel verwässerten die Parlamentsmitglieder. Nur 30 Prozent des ehelichen Eigentums steht verwitweten Frauen zu.

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Interview mit Monika Dommann über die Geschichte (und Zukunft) des Urheberrechts:

ZEIT ONLINE: Die Geschichte des Rechts und der Technik erzählen Sie auch an Apparaten entlang. Welche Rolle spielt dabei der Urheber?

Dommann: Die Idee des Urhebers verweist etymologisch auf Gott, den primären Schöpfer, den Erschaffer der Welt. Der Schöpfer wird zu einer Leitfigur der Moderne. Es ist eine Grundannahme der Moderne, dass etwas Neues nicht von Gott oder den Vorfahren übernommen und nicht in Gemeinschaften erzeugt, sondern von einem Individuum geschaffen werde.

ZEIT ONLINE: Und das stimmt nicht?

Dommann: Neue Ideen entstehen durch Austausch, Überlieferung und Imitation, oder in den Worten des Wissenschaftsforschers Ludwik Fleck: durch Denkverkehr. Der einzelne, isolierte schöpferische Autor ist wohl eine Fiktion. Aber verschiedenste Akteure berufen sich immer auf die Figur des schöpferischen Autors: Die Gema, die Lizenzgebühren eintreiben will, selbst die Künstler, die gegen die Rundfunkgebühr argumentieren, betonen, dass sie selbst etwas schaffen. Und gar die Piraten brauchen den Urheber für ihre Argumentation, und zwar als Gegenmodell. Diese Leitfigur Autor, die im 18. Jahrhundert entstand, ist also noch lange nicht tot.

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Endlich kümmert sich wer um die armen Homos und „heilt“ sie lol:

„Ich sag’s mal ganz ehrlich: Für mich war der Punkt, dass ich keine Kinder bekommen konnte“, gibt Katharina W. den Standpunkt viele ehemaliger Schwuler und Lesben wieder. „Meine damalige Freundin und ich hatten so oft Sex, aber es hat nie mit geklappt mit dem Schwanger-Werden. Als ich dann in der Zeitung lesen musste, dass wir Homos gar nicht schwanger werden können, hat es nur noch ein paar Wochen gedauert, bis wir beide eingesehen hatten, dass es so nicht weitergehen kann.“

Die Einsicht, dass homosexueller Sex praktisch niemals zur Zeugung von Kindern führt, war für die meisten ein schwerer Schlag ins Kontor. So des Sinns ihrer sexuellen Handlungen beraubt, stehen sie schnell vor dem Nichts ihres irregeleiteten Lebensweges.

„Wenn man erkennen muss, dass das Ausführen sexueller Handlungen sinnlos ist, hört man natürlich umgehend damit auf“, erklärt Joachim K. das Dilemma vieler der Ehemaligen. „Eine Weile haben mein damaliger Freund und ich es trotzdem noch probiert, aber es fühlte sich plötzlich unnatürlich und sinnlos an. Und dann? Was bleibt einem schon von seiner Homosexualität, wenn man keinen homosexuellen Geschlechtsverkehr mehr durchführt? Von meinem sogenannten Schwulsein war auf einmal weniger als ein Häufchen Asche übrig.“

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Wie die Regierung und die großen Stromkonzerne gerade die Energiewende komplett vermurkst:

Doch diese Erfolgsgeschichte der Öko-Revolution könnte bald ein abruptes Ende finden. Die Bundesregierung hat sich schon auf Eckpunkte zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verständigt. Sie lassen nichts Gutes erahnen. Anfang April will das Kabinett einen Gesetzentwurf beschließen, zum August sollen die Änderungen dann in Kraft treten.

Umweltschützer sind schon alarmiert, am 22. März wollen sie in sechs Landeshauptstädten gegen die Pläne auf die Straße gehen. Ihr Motto: „Energiewende retten!“ Auch die Ökostrom-anbieter EWS, Naturstrom und Greenpeace Energy warnen vor den Reformvorschlägen der Bundesregierung: „Die Bürger-Energiewende wird abgewürgt und der Markt den großen Konzernen überlassen.“

Der deutsche Strommarkt wird dominiert von einem Quasi-Oligopol aus vier Unternehmen: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Mit Kohle- und Atomkraftwerken scheffeln sie Milliardengewinne. Deswegen haben sie auch kein Interesse an einer schnellen Energiewende. Sie wollen an den bisherigen Strukturen festhalten, fürchten neue Konkurrenten. Ökonomisch betrachtet ist es überhaupt kein Wunder, dass die Energiewende zunächst von den Bürgern angeschoben wurde.

Opferabonnenten, Rachepornos & Neneh Cherry

Hausarbeit immer noch „Frauensache“, männliche Opferabonnenten, Deos mit Aluminium vermeiden, Missy interviewt Neneh Cherry, Broken Age, verzögerte Inklusion in NRW, Reporter ohne Grenzen kritsieren zunehmende Netzüberwachung, Feldzug gegen Rachepornos, freiwillige Prostitution und Watschn von der Kaltmamsell.

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Beim Deokauf in Zukunft besser auf Begriffe wie „Ammonium Alum“ und „Potassium Alum“ achten – aluminiumhaltige Deos sind eher kritisch zu betrachten:

In vielen handelsüblichen Deos wie Nivea, Dove oder Rexona steckt Aluminium. Genau genommen handelt es sich dann nicht um ein geruchsminderndes Deodorant, sondern um ein Antitranspirant. Aluminium verhindert Schwitzen auf zwei Wegen: Es zieht die Hautporen zusammen. Außerdem bildet es zusammen mit Proteinen einen gelartigen Komplex, der temporär „wie ein Propfen“ (BfR) die Schweißkanäle verschließt. Das ist der gewünschte Effekt. Unerwünscht ist dagegen die Aufnahme in den Körper. Laut BfR dringt der Stoff über frisch rasierte oder verletzte Haut besonders gut ein.

Studien bringen Aluminium immer wieder mit Brustkrebs und Alzheimer in Verbindung. Das BfR hält die wissenschaftlichen Belege dafür derzeit für nicht ausreichend, allerdings sei die Datenlage widersprüchlich, mehr Forschung nötig.

Für Nervensystem, Knochenentwicklung, Fruchtbarkeit und für Embryos seien große Mengen Aluminium jedoch nachweislich gefährlich. Zwar werde der Stoff bei gesunden Menschen über die Nieren ausgeschieden. Langfristig reichere er sich jedoch in Lunge und Skelett an. Eine „abschließende Risikobewertung“ wagt das BfR nicht. Dennoch solle eine regelmäßige Zufuhr über einem bestimmten Schwellenwert vermieden werden.

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Das Missy Magazine interviewt die wunderbare Neneh Cherry:

Dieser Herzschlag von Womanhood, Feminismus und Stolz darüber, wer wir sind in einer Art Sisterhood, ist essentiell. Wenn ich zurück blicke und daran denke, was ich gelernt habe aus meiner Beziehung und meiner Freundschaft mit Ariane oder Tessa Pollitt, Viv Albertine und anderen Frauen aus dieser Runde – für mich waren diese Frauen sehr inspirierend. Sie haben mir gezeigt, dass alles möglich ist. Ari ist ja vor zweieinhalb Jahren gestorben und ich glaube, bis heute ist ihre Relevanz für Frauen in der Musik vollkommen unterschätzt worden. Als ich das erste Mal Björk gehört habe, hat es mich sofort an Ari erinnert! Ich glaube, dass sie sicher eine große Inspiration für sie war. Es ist wichtig, dass wir Frauen uns daran erinnern, dass wir auf einer Reise sind und dass wir nicht aufhören dürfen, zu kämpfen. Es ist einfach, rumzusitzen und zu sagen, dass wir es doch schon so weit gebracht hätten und so vieles besser sei. Faktisch sind viele Sachen das noch nicht.

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Hausarbeit dürfen hauptsächlich immer noch Frauen erledigen – immer noch kein Auslaufmodell:

Die Ungleichgewichte haben aber nicht immer damit zu tun, dass die Frau zu Hause bleibt, um auf die Kinder aufzupassen, während der Mann im Büro das Geld verdient. Auch in Partnerschaften, so zeigen Studien, in denen beide Partner Vollzeit arbeiten, bleibt das Gros der Haushaltsarbeit an der Frau hängen. Im Durchschnitt müssen Männer, die mit einer Partnerin zusammenleben, weniger im Haushalt arbeiten, als wenn sie alleine leben. Leben Frauen hingegen mit einem Partner zusammen, bringen sie mehr Zeit für den Haushalt auf, als wenn sie alleine wohnen.

Studien zeigen allerdings auch, dass sich eine faire Aufteilung der Hausarbeit für Paare lohnen kann: Je gleicher die Aufgaben im Haushalt verteilt sind, desto zufriedener sind die Partner mit der Beziehung – und desto weniger Ärger gibt es.

In den Kommentaren (von Männern zumindest) ganz lustig, daß viele z. B. Handwerkliches („Männersache“ also) von Frauen nicht zu Hausarbeit zählen.
Klar, weil natürlich jede (Haus-)Frau erstmal wartet, bis der Erretter abends nach Hause kommt, um einen Nagel in die Wand zu hauen oder schwere Möbel zu verrücken, damit sie staubsaugen kann! ;)
Einfach mal durchlesen; doch wirklich, diesmal sind die Trolle wirklich putzig – wie sie sich gegenseitig versichern, wie „echt männlich“ („ich brauch nur 5 Minuten zum Putzen höhöhö), überlegen sie (selbst) bei der Hausarbeit sind. =)
„…und wenn sie nicht gestorben sind, so tummeln die Trolle sich noch heute fröhlich auf Z.O. …“, hach man merkt, es wird Frühjahr!
Nein, ganz ernsthaft – lest hier mal die Kommentare und ihr habt Einblick, wie es in so manchem deutschen Haushalt zugeht.
Beispielsweise Kommentar #28 ist sehr lustig (Hervorhebungen von mir):

ich, der Mann im Hause, kümmere mich um die körperlich anstrenden Sachen wie z.B. zweimal im Jahr bei je zwei Autos den Reifenwechsel, der Haussinstandhaltung und um die geistig anspruchsvolleren Angelegenheiten z.B. Immobilienfinanzierung, Versicherungswesen und um Software- und Hardwarepflege der IT-Systeme des PC, Laptop, Android-Smartphone und Tablett inkl. W-LAN, Accounts und Security.
Zudem repariere ich die Fahrräder und tune das technisch ansruchsvolle RC-Car (verbastle LiPo Akku mit angemessenen Servo) und sorge für entsrechenden Ladestrom der dem Akkutyp angebracht ist.

Meine Frau macht halt die Hausarbeit und Hausaufgabenbetreuung des Kindes.
Für uns beide vollkommenn normal.

Tcha. Finde den Fehler in diesem Bild.

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Die Kaltmamsell teilt aus, zum Beispiel gegen Homophobe:

Ich muss mich immer wieder dazu disziplinieren, besonders bescheuerte homophobe Argumente nicht einfach dezent zu ignorieren (es fühlt sich für mich immer ein bisschen unhöflich an, Menschen durch Gegenargumente zu unterstellen, dass sie diesen Blödsinn jetzt wirklich ernst gemeint haben – völlig fehlgeleitetes Fremdschämen). Sondern mit Argumenten und Fakten gegenzuhalten.

Als da wäre der Vorwurf, Homosexualität sei unnatürlich. Wie bei allen Argumenten mit Natur würde ich am liebsten einen Schritt zurück gehen und fragen, was eigentlich “Natur” ist und “natürlich”, denn das ist ein hochinteressantes und schrecklich unordentliches Gebiet, aber die Frage wäre – so sozial kompetent bin ich dann doch – in diesen Situationen unangebracht. Also verweise ich darauf, dass es zahllose Arten gibt, die gleichgeschlechtliche Paarungen kennen.

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Aram Lintzlel über männliche Opferabonnenten:

Matussek ist nicht allein, es sind zwei, drei viele Matusseks! Fans und Freunde huldigen ihm wie einem Messias.

Was seinen Facebook-Clan zusammenhält, ist das erhabene Gefühl, Opfer zu sein: Opfer eines maßlosen Terrors der Minderheiten. Das können die nervigen Homos sein, die nicht erkennen wollen, dass es jetzt mal genug ist mit ihrer „schrillen“ Überpräsenz. Das können auch Frauen sein, die zu weit gehen mit ihrem Gleichstellungskrieg. Provo-Meister Harald Martenstein, Matusseks Bruder im Geiste, schrieb neulich in seiner Schenkelklopf-Kolumne im Zeit-Magazin über den Feminismus: „Ab einem gewissen Maß an Übertreibung wird das zu einer für die Umwelt nicht ungefährlichen Geisteskrankheit.“

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Die Mutter eines Opfers geht gegen einen sog. „Rachepornoseiten-Betreiber“ vor – bewundernswert beharrlich und vor allem erfolgreich:

Das FBI verspricht Ermittlungen, erste Zeitungen berichten über den Kampf der Mutter gegen das Ekel aus dem Internet. Sie schickt Briefe an mehr als 50 Politiker und freundet sich mit einem Facebook-Manager an – »so konnte ich mit nur einem Anruf dafür sorgen, dass Hunter Moores Profil dort immer wieder gesperrt wird«. Über einen Kontakt zum Internet-Bezahlsystem PayPal kann sie verhindern, dass Racheporno-Fans Geld an Hunter Moore spenden können. Der Druck nimmt zu.

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Reporter ohne Grenzen kritisiert scharf die zunehmende Netzüberwachung:

Die zentrale Rolle von Behörden wie der NSA und dem GCHQ bei der flächendeckenden Überwachung von Millionen Menschen wiege umso schwerer, als sie jeder westlichen Kritik an autoritären Staaten wie China, Saudi-Arabien oder Turkmenistan den Wind aus den Segeln nehme, sagte ROG-Vorstandsmitglied Matthias Spielkamp. „Wer selbst massenhaft Bürger ausspäht, kann andere Regierungen kaum glaubwürdig zu mehr Achtung der Informationsfreiheit im Internet drängen.“

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Etwas älterer Beitrag über Prostitution in Deutschland, aber kann nicht oft genug drüber debattiert werden:

Alles hänge von der Freiwilligkeit ab. Und wer definiert was freiwillig ist? „Wenn man sich bewusst für die Prostitution entschieden hat, dann ist sie freiwillig, egal, ob man dies aus Spaß macht oder aus ökonomischen Gründen. Das ist wie bei jedem anderen Beruf auch“, so die Hamburger Prostituierte Johanna Weber. Das, was jetzt geschehe, die Forderung, Prostitution abzuschaffen, so wie es Schwarzer und mit ihr Politiker und Prominente fordern, habe nichts mit der Bekämpfung der Zwangsprostitution zu tun, sondern diene nur der Durchsetzung anderer Moralvorstellungen.

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Für Gamer: Charlott empfiehlt „Broken Age“.

Broken Age erzählt parallel zwei Geschichten, welche entweder nacheinander oder im Wechsel gespielt werden können, und welche sich natürlich als verknüpft herausstellen, auch wenn dies zu Beginn sehr abwegig erscheint, so unterschiedlich sind die Welten der Protragonist_innen Shay und Vella. Shay lebt (mehr oder weniger) allein auf einem Raumschiff, wo sein Alltag aus dem Spielen fiktiver Missionen besteht. Vella hingegen wohnt in einem kleinen Dorf, welches sich auf ein Opferfest vorbereitet, in welchem auch Vella dem Monster Mog Chothra dargeboten werden soll. Beiden Figuren gleich ist der Wunsch sich nicht ihrem so klar vorgezeichnetem Schicksal ergeben zu wollen, sondern gegen dieses anzukämpfen.

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Was in diesem Land wohl alles erreicht werden könnte, wenn die zuständigen Einrichtungen sich produktiven Dingen zuwenden würden statt rumzuzicken?? In NRW zum Beispiel hätte man sich schon vor ner Weile auf Inklusion von behinderten Schülern vorbereiten können:

Der Streit über die Finanzierung hat für Städte und Gemeinden den Vorteil, dass er von eigenen Versäumnissen ablenkt. In Ratingen bei Düsseldorf sei keine einzige Schule auf die Inklusion vorbereitet, sagt Karin Keune, die einen Platz an einer allgemeinen Schule für ihren geistig behinderten Sohn sucht. „Die Stadt hat bis zum Schluss gepokert, dass die Inklusion doch nicht kommt.“ Auch ihr Sohn besucht derzeit die vierte Klasse der Grundschule.

Das Schulamt hat ihr eine Liste mit weiterführenden Schulen gegeben, doch hätten diese kein Konzept für den gemeinsamen Unterricht. Stattdessen heißt es: „Wenn im Sommer die Sonderpädagogin kommt, schauen wir mal, wie das läuft.“ Keune befürchtet, dass ihr Sohn letztlich auf einer Förderschule landet, weil sich keine allgemeine Schule vorbereitet.

Energiearmut, Evolution & Bücher

Kontraproduktive Jobcenter, weibliche Lust, Nicht-Heterosexualität und Evolution, Sarrazin, Frauen und Älterwerden, Stromarmut, Flüchtlingsbewegungen und neue Pille danach evtl. rezeptfrei auch in Deutschland.

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Hach, der Thilo. Deutschlands Lieblings-Offline-Troll.
Man kommt ja eh nicht um ihn rum. Und da ich einfach mal davon ausgehe, daß Leser_innen dieses Blogs das Buch eh nicht kaufen, muß ich mir auch keine Sorgen machen, ob ich hier unfreiwillig Werbung für seine neuesten Ergüsse mache.
Kommentieren? Nä. Überflüssig.
Aber immerhin ein bißchen informiert sein ist auch nicht schlecht – sonst wird einem ja noch vorgeworfen, man beurteilt ein Buch, ohne es gelesen zu haben – nur wer mag sich das schon antun, ohne dafür bezahlt zu werden? Eben.
Deshalb Danke an all diese tapferen Redakteur_innen und auch an Spiegel Online für diese Fotostrecke mit einem Best of Sarrazin. Dann muß man sich die Bücher/Interviews nicht antun.
Stattdessen zurücklehnen, entspannt durchklicken und wahlweise Kopfschütteln oder Totlachen („Schlampfaktor“ wird mein neues Lieblingswort <3). Nicht, daß ich zu Drogen raten würde, aber evtl. hilft doch ein Gläschen Wein zum humoristischen Verdauen, ist doch manchmal recht schwere Kost für einen, der Sarrazins Texte sonst, naja, eher nicht liest, sag ich jetzt mal…
Mein persönlicher Liebling hier als Screenshot:
Zitat Sarrazin 1
Das hier erklärt auch so manches:
Zitat Sarrazin 2

Das ist auch das Schöne an der Meinungsfreiheit. Daß Herr Sarrazin in einem Land lebt, wo er diesen Kram veröffentlichen darf. Damit jeder ihn sich ansehen und erkennen kann: aha, sone Type also. Da weiß man doch gleich, woran man ist! Nicht rechts zu sein kann jeder behaupten – aber wenn ich’s schriftlich (heh) habe, wie er von „deutschem Volkscharakter“ usw. redet (ich will gar nicht wissen, was bei einer Googlesuche nach dem Begriff so alles erscheint… echt nicht), dann gilt im Zweifelsfall halt auch: Papier ist geduldig. Sagen kann man viel (nicht daß das NICHT registriert würde… siehe Horst Mahler lol).
Allerdings: noch so ein Buch und es ist eigentlich nicht mal mehr angebracht, sich über den armen Mann lustig zu machen.

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Immer wieder seltsam: Beziehungsratgeber. Bei Kleinerdrei wird das Buch „Die versteckte Lust der Frauen“ (natürlich von einem Mann erklärt) besprochen:

Was Bergner auf 256 Seiten ausführt, lässt sich recht knapp zusammenfassen: Frauen* seien über Jahrhunderte in die nun omnipräsente, ach so passive Haltung gedrängt und mit allen möglichen Mitteln (darunter krude Forschungsergebnisse) darin gehalten worden. Schon bei Versuchen mit Affen sei systematisch jahrelang die weibliche Sexualität einfach nicht über das “Männchen dringt in Weibchen ein”-Prinzip hinaus betrachtet worden. Grundsätzlich gehe es immer noch darum, wer die Kontrolle über deren Sexualität, aber damit die Frauen* insgesamt habe.

Frauen* seien in ihrer Natur genausowenig auf Monogamie ausgelegt wie Männer*. Frauen hätten manchmal nicht, aber manchmal doch Spaß am Sex.

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Immer mehr Menschen können ihren Strom nicht bezahlen:

Ein Ärgernis sind sie für jeden Kunden, für sozial Schwache können sich die ständig steigenden Strompreise jedoch zu einer Katastrophe auswachsen. „Wenn die Preise weiter steigen, wird es noch mehr Stromsperren geben“, befürchtet Christian Woltering vom Paritätischen Gesamtverband. Das heißt: Noch mehr Menschen als bisher könnte dann der Strom abgestellt werden.

Gut 312 000 Haushalten ist das im Jahr 2011 widerfahren, weiß die Bundesnetzagentur, neuere Zahlen hat die Behörde nicht. Damit rücken auch die Versorger und Netzbetreiber nicht heraus. Die Frage, wie oft sie Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen, blaue Briefe und letztlich die Kündigung schicken, ist den Stromlieferanten sichtlich unangenehm.

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Die Homophoben wollen über Evolution argumentieren? Nun gut, voilà:

Das Ergebnis ist notwendigerweise breit gestreut, damit die Art auf veränderte Bedingungen flexibel reagieren kann. Abweichungen von der Norm sind also kein Fehler der Evolution, sondern ihre Triebfeder.

Dabei führt natürlich vieles ins Nichts. Dass Homosexualität eine solche Sackgasse darstellt, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn wir kennen sie nicht nur von „irgendwelchen Pantoffeltierchen“, wie Matussek schreibt, sondern quer durch alle Klassen und Gattungen. Angesichts dieser Omnipräsenz kann man als sicher annehmen, dass homosexuelles Verhalten förderlich ist für die Gesundheit der Population, für das Überleben einer Art.

Warum das im Einzelfall so ist, dafür gibt es unterschiedlichste Erklärungsansätze, die von Art zu Art differieren: Stabilisierung der Sozialstrukturen, besserer Aufzuchterfolg homosexueller Paare (ja, Matussek, genau so!), Unterstützung der Nachwuchs aufziehenden Eltern – und oft wissen wir es einfach nicht.

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Info über Flüchtlingsbewegungen:

Anhand der drei Länder Mali, Sierra Leone und der Westsahara möchten wir zeigen, dass es paradoxerweise gerade der Reichtum an Rohstoffen ist, der Migrationsbewegungen innerhalb Afrikas und nach Europa hervorruft. Die drei Länder sind reich an Gold, Baumwolle, Diamanten und fruchtbaren Böden oder Fischbeständen. Die politische Verfasstheit dieser Länder, die Handelsinteressen der Industrienationen und der Konzerne führt jedoch dazu, dass die Bevölkerung kaum von dem Reichtum profitiert. Verschärfend wirken die Wirtschaftsabkommen, mit denen die Europäische Union (EU) die rohstoffreichen Länder zwingt, ihre Handelsbedingungen zu liberalisieren und Exportsteuern abzuschaffen.

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Noch ein Weg zur rezeptfreien Pille danach (ohne Zustimmung der Bundesregierung) könnte ein neues Präparat sein (natürlich noch nicht langzeitgetestet etc. … macht aber immerhin Druck!):

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erwägt die EU-weite Freigabe einer derzeit in Deutschland noch rezeptpflichtigen „Pille danach“ für den Apothekenverkauf, das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Bei „Ella-One“ handelt es sich um ein Folgepräparat des Notfallkontrazeptivums „Pidana“, für dessen Apothekenfreigabe sich die SPD seit Jahren ausspricht. Die CDU beharrt jedoch auf eine Verschreibungspflicht. Laut FAZ könnte diese Entscheidung den Streit zwischen CDU und SPD hinfällig werden lassen. „Wir können bestätigen, dass ein Antrag für die Entlassung von „Ella-One“ aus der Verschreibungspflicht vorliegt“, wird eine Sprecherin der EMA in dem Bericht zitiert.

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Antje Schrupp hat Bascha Mikas neues Buch über Frauen und Älterwerden gelesen. Es scheint, Mika ist da u.a. in die klassische weiße Mittelstandsfrauen – Falle gelaufen:

Aber dieses Buch ist, ich kann es nicht freundlicher ausdrücken, einfach unerträglich. Bis ungefähr zur Seite 100 (wo ich jetzt bin) geht es NUR um weiße, bürgerliche Frauen und NUR darum, dass sie sexuell keine Aufmerksamkeit mehr erregen, und zwar NUR darum, dass sie bei Männern keine sexuelle Aufmerksamkeit mehr erregen.

Ich habe ehrlich keine Ahnung, ob mir früher Bauarbeiter je hinterhergepfiffen haben (gibt es eigentlich ein abgegriffeneres Klischee?), aber wenn es jemals so gewesen sein sollte und jetzt nicht mehr so sein sollte, dann ist es mir total egal. Nein, ich habe auch keine Angst davor, dass mich mein Mann wegen einer zwanzig Jahre Jüngeren verlässt, und wenn es trotzdem so kommen sollte, müsste ich mir höchstens Gedanken über die Parameter meiner Partnerwahl machen. Denn offenbar war sie dann ein Griff ins Klo. Für einen Mann, der mit mir nichts mehr anfangen kann, weil eine Jüngere einen strafferen Busen hat, hätte ich nichts als Verachtung übrig. Tränen hinterherweinen oder von Selbstzweifeln überfallen werden würde ich jedenfalls nicht.

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Keine Überraschung, kann aber scheints nicht of genug wiederholt werden: die Jobcenter arbeiten schlichtweg kontraproduktiv. Interview mit Sozialpädagoge Dirk Kratz:

Ich habe keine fertige Lösung. Man könnte neue Modelle der öffentlichen Beschäftigung entwickeln – zum Beispiel in Kommunen, in denen dann Lokalpolitiker, Unternehmer und Vertreter der Arbeitslosen selbst mitentscheiden, wo es Bedarf für zusätzliche Arbeitskräfte gibt und wie man sie einsetzen könnte. Das ist nicht ganz einfach. Solche Jobs dürfen ja keine anderen Arbeitsplätze verdrängen, trotzdem sollen sie so nah am Markt wie möglich sein. Aber man könnte es versuchen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Betroffenen mit am Tisch sitzen und mitreden können – statt dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird, was mit ihnen geschieht, so wie bisher. Darüber hinaus bräuchten sie auch Mitbestimmungsmöglichkeiten auf der politischen Ebene. Das ist ein weiteres zentrales Ergebnis meiner Arbeit.