Archiv der Kategorie 'Sweethearts intern'

-prostitution- Maria spricht

Das Warten hat ein Ende: jetzt der dritte Teil über Prostitution; nach Anjas Protokoll kommt hier nun Maria1 zu Wort.
Sie erzählt von wesentlich weniger privilegierten Umständen – und möchte hauptsächlich, daß ihr keine Steine in den Weg gelegt werden.

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Im von Lady Frieda Harris gemalten Crowley-Tarot prangt auf der Karte „Lust“ die „Hure Babylon“.

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Protokoll Maria, Feb./März 2014

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Seit fast 20 Jahren arbeite ich nun immer wieder auf dem Strich. Aber nicht immer, nicht die ganze Zeit. Aber es ist mein Beruf. Was ich am meisten tue, wo mein Geld eigentlich herkommt.
Ich hatte nicht so viel Glück wie Anja, so eigenständig zu arbeiten, nicht von Anfang an. Ganz typisch ist, daß ich aus Polen stamme und wegen der Prostitution nach Deutschland gekommen bin.

Ich wußte schon in Polen, um was es ging. So dumm bin ich nicht! Das wissen die meisten Frauen, die sind auch nicht blöd. Manche sind naiv, das gibt es, aber wer als Haushaltshilfe oder so nach Deutschland will, hat da andere Netzwerke und Bekannte. Diese sind bekannt und besser organisiert, das ist ja üblich, daß polnische Frauen in Deutschland alles mögliche arbeiten.

So war das bei mir zumindest, ich weiß nicht, ob das überall so ist. Und bestimmt gibt es darunter auch Betrüger!! Laut sagen tut man es nicht, keine der Frauen redet über Sex!
Meinen Eltern erzählte ich auch, ich sei Kindermädchen. Sie hätten mich sonst wohl gesteinigt, auch wenn meine Mutter selbst nur mit meinem Vater schlief, weil er für ein Dach über dem Kopf sorgte. Ganz zu schweigen von anderen Problemen: wenn es rauskommt, beschimpft man die Eltern und hilft ihnen nicht mehr. Als Kind hatten wir Nachbarn, die lieber bitterarm lebten als das Geld ihrer Tochter anzunehmen, die nach Russland ging. Weil es hieß, sie sei Hure. Ob es so war, weiß ich nicht, aber die Frauen schweigen deshalb, auch voreinander. Das ist im Blut irgendwann.2

Auch bei der Polizei, dort sowieso. Wird man doch mal erwischt, dann ist man immer offiziell unter Zwang, sonst behandeln die einen umso schlimmer und es hilft einem dann auch keiner.
Und ist es nicht egal? So oft, wie wir übers Ohr gehauen werden, von Anfang an (versucht wird es ja immer), und da sind immer Zwänge, die man nicht mag und die wirklich schlimmer sind, aber nichts mit Sex zu tun haben und für die die Polizei kein Verständnis hat.
Aber die wissen doch auch, daß die Frauen den Mund halten, sie brauchen ihre Sexkunden, die müssen wiederkommen und das tun sie nicht, wenn man was verrät. Den Mund halten, das können die Frauen und müssen sie, sonst geht das alles nicht. Die Kunden können sehr nett sein, aber die Polizei hilft einem eigentich nie weiter. Da ist doch klar, daß man mit denen nicht zusammenarbeitet, wenn das nur Nachteile hat!

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AfD, AKWs & 10.000 Abschiebungen

Greenpeace besetzen AKW – und Japan will das gefährlichste wieder hochfahren, Goa Gil!, McConnelling, AfD-Jugend gegen Feminismus, Kampf gegen die eigene Pädophilie, Gedanken- und Seifenblasen, 2013 10.000+ Abschiebungen aus D, Women painting Women und Gender Pay Gap.

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Von der Fukushima-Katastrophe gänzlich unbeeindruckt, plant Tokio, das als gefährlichstes der Welt geltende AKW wieder ans Netz gehen zu lassen:

Die Mehrheit der Japaner ist gegen Kernenergie. Nachdem am vergangenen Wochenende mehrere Anti-AKW-Demos stattfanden, bestätigte Abe – ausgerechnet am Vorabend des Jahrestages der Tsunami- und Nuklearkatastrophe – im Parlament, er werde „sichere Meiler“ möglichst bald wieder ans Netz lassen. Zuvor werde man Anwohnern deren Sicherheit und Notwendigkeit erklären. Unterdessen wehren sich die Betreiberfirmen derzeit noch vehement gegen neue Sicherheitsauflagen: In einigen Fällen bestreiten sie sogar die Existenz von nachgewiesenen Erdbebenbruchlinien. Andere schummeln einfach. „Strenge Regeln alleine nützen nichts“, sagt der Chef der neuen Atomaufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka. „Die Betreiberfirmen brauchen eine fundamental andere Sicherheitskultur.“
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Der Besucherpavillon von Hamaoka ist einem Reaktor nachempfunden, hier wirbt der Betreiber um Vertrauen in seine Technik. Gerade hat man mit dem Bau eines gigantischen Tsunami-Schutzwalls begonnen, 1,6 Kilometer lang, 22 Meter hoch. 40 000 Tonnen Stahl werden verbaut. Sollten die Fluten den Wall überwinden, schalten sich energieautonome Pumpsysteme ein. Bis vor drei Jahren war es tabu, von Notfallmaßnahmen in Atomkraftwerken überhaupt zu reden – meist gab es gar keine –, jetzt macht der Besucherpavillon Schüler-, Rentner- und Beamtengruppen mit jedem ihrer Details vertraut. Im Pavillon funktionieren sie reibungslos.

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Auf Zehenspitzen macht Seifenblasen-Beobachtungen:

Frauentag war auch. Ich habe Stadträtinnen und Gemeinderätinnen und Ehrenbürgerinnen gezählt, obwohl ich ihre Abwesenheit auch so schon wusste. Ich muss mir erklären lassen, dass das Thema Kaiserschnitt die Leser (sic!) nicht interessiert und das Binnen-I den Blick auf wichtigere Themen der Gleichberechtigung verstellt.

Ich suche ein Bild für diesen Beitrag und scheitere beinahe daran, auf den Kunstblogs, die ich immer wieder durchstöbere, Werke von Frauen zu finden.

Und dann sitzt mir die alte Dame beim Interview gegenüber und erzählt von ihren beiden Hüftoperationen, die sie ihren fünf Kindern zu verdanken hat – jahrelange Hausarbeit mit einem Baby auf der Hüfte haben ihr Tribut gefordert. Sie erzählt mir von auslaugenden Stilljahren und davon, dass sie sich die Haare färbt, weil ihr Mann das so will.

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Trauriger Anstieg bei Abschiebungen aus Deutschland:

Damit mussten 2013 so viele Menschen zwangsweise das Land verlassen wie seit 2006 nicht mehr. Damals wurden fast 14 000 Migranten abgeschoben. Laut Innenministerium mussten vor allem Serben und Mazedonier in ihr Heimatland zurück, gefolgt von Kosovaren, Türken und Russen. Eine Abschiebung wird vor allem gegen abgelehnte Asylbewerber angeordnet, die nicht freiwillig ausreisen, sie kann aber auch andere Personengruppen treffen: Migranten mit abgelaufenem Visum oder abgelaufener Aufenthaltserlaubnis etwa oder auch Ausgewiesene.

Die Zahlen lassen einen Zusammenhang mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern vermuten. Serben und Mazedonier zählen zu den Hauptherkunftsländern von Asylbewerbern, häufig handelt es sich um verarmte Roma, die jedoch in der Regel nicht als politisch verfolgt anerkannt werden. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden zudem viele Russen aus Tschetschenien registriert, die in Deutschland Asyl beantragt haben – ebenfalls mit einer geringen Erfolgsquote.

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Schönes Blog: Women painting women.

The website arose out of online discussions about how contemporary women artists are handling women as subjects.

Inspired by these discussions but failing to find any single, comprehensive online resource cataloguing contemporary women artists painting the female figure, artists Alia El-Bermani, Diane Feissel and Sadie Valeri established the site in March of 2009; since then the site has featured the work of hundreds of women painters from around the globe. Out of the overwhelming positive response to the website grew a desire to create opportunities for women artists from diverse locations to gather and share inspiration and technique, and to promote and exhibit their work

Eins meiner absoluten Favoriten:

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Nachfolgeartikel über den Pädophilen, dessen Kampf gegen seine Neigung in der ZEIT vor einem Jahr schon erzählt wurde:

Salvacyl entzieht den Knochen Kalzium und erhöht so womöglich das Osteoporoserisiko. Alle paar Wochen fuhr Jonas deshalb weiterhin zur Kontrolle in die Charité. Manchmal trafen wir uns danach, sprachen über Berufliches, über die neue Nähe zu seiner Schwester und seinen Eltern. Die Missbrauchsbilder waren kein Thema mehr.

Im Mai 2013, fast ein Jahr nach Abschluss der Therapie, erzählte Jonas mir, dass er das Medikament aus gesundheitlichen Gründen wohl würde absetzen müssen.

Was soll man darauf sagen?

Es gibt keine bessere Therapie, es gibt kein stärkeres Medikament, die einzige Alternative, Androcur, hatte bei Jonas kaum gewirkt.

Gut finde ich auch den Kommentar #25:

Ich begrüße so sachliche Artikel über ein so aufgeladenes Thema wie sexuelle Gewalt gegen Babies, Kinder und Jugendliche.

Aber ich würde mir als Stiefmutter eines inzwischen volljährigen jungen Mannes und Mutter eines 8 Monate alten Jungen wünschen, dass mein Nachbar offen zu mir kommt und z.B. sagt: „Könnten Sie Ihrem Sohn im Planschbecken bitte eine Badehose anziehen, ich habe pädophile Neigungen.“

Besser, als wenn ich den Mann unnötig in sexuelle Erregung versetze und mein Kind (oder andere) gefährde. Dann schicke ich den Kleinen auch nicht rüber, mal ein Paket abholen, oder was man unter Nachbarn so macht. Trotzdem, oder grade für die Offenheit, respektiere ich den Mann, der sich das trauen würde.

Leider ist aber der Fackeln tragenden Mob die Regel und genau der verhindert dann das, was er zu tun vorgibt: den Schutz unserer Kinder. Im Gegenteil, er verhindert den Schutz, denn pädophile Männer outen sich nicht, der soziale Rückhalt fehlt, der psychische Stress steigt und damit die Gefahr, Gewalt gegen Kinder auszuüben oder anzusehen/unterstützen.

Word.

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Eigentlich war’s ja Zeit und paßt gut in die Igittbäh-Politik der AfD:

*würg*

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Greenpeace besetzt AKW Fessenheim:

Vor acht Uhr waren nach Angaben des Innenministeriums zwanzig Demonstranten von der Polizei festgenommen worden. 15 weitere befanden sich dagegen noch auf dem Reaktordach. Mit ihrer spektakulären Aktion wollten die Greenpeace-Aktivisten, die 14 verschiedenen Nationalitäten angehören, im Vorfeld eines EU-Energiegipfels gegen die Atomkraft demonstrieren.

In einem Communiqué fordert Greenpeace den französischen Staatspräsidenten François Hollande und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel auf, in ihren Staaten und der übrigen EU, „gestützt auf die erneuerbaren Energien, (eine) wahre Wende ohne atomare Risiken“ einzuleiten.

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Immer noch: Gender Pay Gap.

Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind auch im Jahr 2013 nicht kleiner geworden. Frauen verdienen insgesamt 22 Prozent weniger als Männer, das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Die Differenz bleibt damit das vierte Jahr in Folge unverändert.

Frauen verdienen den Angaben zufolge im Schnitt 15,56 Euro brutto pro Stunde, Männer kommen auf 19,84 Euro. Vor allem im Westen verdienen Frauen weniger als Männer. Dort ist die Lücke mit 24 Prozent dreimal so hoch wie im Osten. In den neuen Bundesländern verdienen Frauen rund acht Prozent weniger.

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Endlich mal ein Netztrend, den ich lustig finde – McConnelling:

Nun ist es zwar nicht so, dass sich McConnell und das Internet diametral entgehenstehen. Mitch McConnell hat 134.000 Anhänger bei Facebook und einen durchaus gut gepflegten Youtube-Auftritt. Aber das alleine macht aus einem ergrauten US-Republikaner noch kein Netzphänomen. Dafür reichte ein Youtube-Clip aus, in dem McConnells Wahlkampfteam einige Video-Fetzen ihres Chefs zusammenmontierte. Das Filmchen sollte in der parteiinternen Vorwahl zeigen, wie hart der Senator für seine Bürger arbeitet. „McConnell Working for Kentuckians“ heißt das Video, in dem der Politiker knapp zweieinhalb Minuten lang nichts sagt – und dafür viel lächelt.
Der Clip war nicht lange online, da geschah etwas Überraschendes: Das Netz war verzaubert von einem Mann und seinem Lächeln und die Kreativen im Internet bemerkten: Mitch McConnell wäre der perfekte Protagonist für so ziemlich jedes Intro einer TV-Serie.

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Regina Frey fragt sich: Was will die ZEIT?

Diese Zeitung beteiligt sich inzwischen ohne jegliche Recherche und Information über den aktuellen Stand geschlechterpolitischer Debatten am allgemeinen „Feminismus-Bashing“. Undifferenziert verbreitet die Autorin Mariam Lau Un- und Halbwahrheiten über „den Feminismus“ und seine vermeintliche Schuld an den derzeitigen Geschlechterbeziehungen. So seien an der Kriminalisierung von Prostitution „die“ Feministinnen schuld, es gebe in Europa inzwischen einen Staatsfeminismus und das Schlimme am Feminismus sei, dass er Misstrauen zwischen den Geschlechtern schaffe. Er verhindere die Suche nach Glück, trage dazu bei, dass Akademikerinnen keine Männer und Kinder mehr bekämen, die Ehen nicht hielten und die Zahl Alleinerziehender hoch sei. Auch die Aufdeckung von Kindesmissbrauch durch Väter und Bademeister in Krimiserien wie dem Tatort schüre das Misstrauen. „Wer sich in Beziehung begibt, kommt darin um“, so ein Fazit der Autorin. Klar, in anderen Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien oder dem Iran, so Lau weiter, sei das Thema wichtig, da dort ja ein blutiger Kampf um die „Verfügung über den weiblichen Körper“ geführt werde. Aber bei uns in Westeuropa stünden „Feministinnen längst auf der historischen Bühne“, wüssten nicht mehr, was zu tun sei und außerdem zeige „sich immer wieder – viele Feministinnen kennen die Frauen eigentlich nicht besonders gut“.
Diese Aussagen werden weder belegt, noch wird ihnen eine andere Meinung gegenübergestellt.

-prostitution- Anja spricht

Wie vor kurzem angekündigt, hier das Protokoll von Anja1, die eine Zeit lang ihr Geld als Escort und anderer Sexarbeit verdient hat. Hier äußert sie sich zur Prostitutionsdebatte und benennt Respekt und Transparenz als die wichtigsten Ziele.

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Prostitution in Pompeji, Wandgemälde

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(Protokoll Anja, Feb. 2014)

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Hallo, ich bin die „Anja“2, 33 Jahre alt, nichttraumatisiert, meine Kindheit war glücklich, entjungfert wurde ich erst anfang 20, Mißbrauch kenne ich nicht und meine Eltern sind auch keine Hippies oder so. Damit sind die gängigsten Vorurteile hoffentlich ausgeräumt.

Ich würde mich als bisexuell bezeichnen, obwohl diese Schubladen ja immer so ne Sache sind… denn im romantischen Sinne fühle ich mich nur zu Frauen hingezogen.
Ich verliebe mich aber sehr selten – bisher erst vier Mal (also ich finde, das ist wenig).
Sex habe ich ja aber trotzdem gern! Und wenn ich mich nur alle paar Jahre mal verliebe, ja dann werd ich bestimmt nicht abstinent und frustriert bleiben, bis die Traumprinzessin mal ums Eck kommt!

Unter anderem deswegen hatte ich mich mal auf einer recht expliziten „Dating-Seite“, sag ich jetzt mal, angemeldet. Abgesehen von dem „Ey Babe willste ficken?“-Spam fand ich es ganz nett dort: man weiß von vorneherein, welche Interessen bestehen oder bestünden, ob wer Single ist oder nicht, auf was wer steht (es hat Vorteile, das alles im Voraus zu wissen!), ich kann unbefangener agieren als in einem Gespräch in einer Bar,… und die 3-4 Treffen, die ich anfangs hatte (manche tauchten auch einfach nicht auf, vielleicht Fakes? Oder sie trauten sich letztendlich nicht? Dabei sind die Schüchternen gerade die Angenehmsten), waren alle sehr nett! Die größten Idioten entpuppten sich schon lange vorher im Internet. Die Erfahrungen waren im Schnitt also eigentlich recht positiv.

So, aber irgendwie muß man im Studium ja auch Geld verdienen für Essen, Miete, Bücher, Strom. Ich habe noch 2 Geschwister, die beide studieren bzw. in der Ausbildung sind. Auf meine Eltern konnte ich mich da leider nicht ganz verlassen, die mußten auch noch ihr Haus abbezahlen damals.
Und nachdem ich bei einer wirklich demütigenden Arbeit an der Kasse/Beratung in einem Bekleidungsgeschäft, für knapp 7 Euro die Stunde mit gehetzten, unfreundlichen Kunden und einem sexistsch-süffisanten Chef gekündigt hatte, aber dennoch dringend Geld brauchte, weil justament die Waschmaschine versagte, beschloß ich kurzerhand, das (bisher stets) Angenehme mit dem Nützlichen (eher: Dringenden) zu verbinden. Und eben bei den Internetflirts finanzielles Interesse anzumelden.

Alles in allem kann ich sagen: eine sehr praktische Sache. Momentan bin ich anderweitig finanziell abgesichert und in einer monogamen Beziehung, also liegt mein Internetprofil natürlich auf Eis. Ich würde diesen Weg aber im Zweifelsfall wieder nutzen. Gelöscht ist es nicht, nur „im Koma“, so daß ich keine Gebühren mehr zahen muß.

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-prostitution- wats dat

Eigentlich müßte man Alice Schwarzer danken.
Nein, nicht die Steuersache und die Spende… ich meine die Prostitutionsdebatte.
Indem sie kampflustig ihre, sagen wir mal, „kreativen“ Thesen verbreitete und ein paar Promis für die Anti-Huren-Aktion gewonnen hat, brachte sie fast ganz Deutschland dazu, überhaupt mal ernsthaft über Prostitution zu diskutieren.
Man hört (Vor-)Urteile und Positionen, die längst ausgestorben schienen. Ganz viele Klischees, krude Geschlechtervorstellungen und Naivität – auf allen Seiten.

Das öffentliche Auge richtet sich jetzt auf eine Welt, die ansonsten absichtlich ignoriert wird. Von der man weiß, die man aber so weit wie möglich wegdrängt. Der Straßenstrich, die Bordelle und die neumodischen „Verrichtungsboxen“ (echt mal, kann da nicht mal wer irgendeinen weniger verklemmten Begriff für finden?) haben alle irgendwo am Rand oder vom „normalen Leben“ streng begrenzten Gebieten.
Jetzt wird das immerhin mal thematisiert abseits von Einzelfällen und Skandalen (zumindest wird das teilweise versucht) – das birgt auch die Chance, viele falsche Vorstellungen wieder geradezurücken: Daß die bisherige Liberalisierung der Prostitution nicht automatisch alles prima für Sexarbeiter_innen gemacht hat war der „Was denn, das war doch erledigt“-Fraktion wohl noch nicht klar, andere waren von zufriedenen Huren mit akademischem Hintergrund überrascht und manch Supermacho durfte lernen, daß man – Geld hin oder her – dafür nicht alles mit der Frau tun darf und sie hinhalten muß, daß man sich keine „Frau kaufen“ kann, sondern nur eine Dienstleistung. Daß sexuelle Handlungen GEGEN den Willen des Gegenübers (auch, wenn es sich dabei um eine Hure handelt) Mißbrauch/Vergewaltigung sind. Daß ein Nein auch in dieser Situation ein Nein bleibt. Das ist bei Prostituierten keinen Deut weniger so als bei jedem anderen Menschen.
Und es ist gut, daß solche Dinge wieder mal erwähnt werden und so vielleicht doch in den ein oder anderen Köpfen ankommen.
Die Gesellschaft will ansonsten aber, daß Prostitution so eine Halbschattenwelt bleibt, getrennt von der „Alltagswelt“.
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Energiearmut, Evolution & Bücher

Kontraproduktive Jobcenter, weibliche Lust, Nicht-Heterosexualität und Evolution, Sarrazin, Frauen und Älterwerden, Stromarmut, Flüchtlingsbewegungen und neue Pille danach evtl. rezeptfrei auch in Deutschland.

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Hach, der Thilo. Deutschlands Lieblings-Offline-Troll.
Man kommt ja eh nicht um ihn rum. Und da ich einfach mal davon ausgehe, daß Leser_innen dieses Blogs das Buch eh nicht kaufen, muß ich mir auch keine Sorgen machen, ob ich hier unfreiwillig Werbung für seine neuesten Ergüsse mache.
Kommentieren? Nä. Überflüssig.
Aber immerhin ein bißchen informiert sein ist auch nicht schlecht – sonst wird einem ja noch vorgeworfen, man beurteilt ein Buch, ohne es gelesen zu haben – nur wer mag sich das schon antun, ohne dafür bezahlt zu werden? Eben.
Deshalb Danke an all diese tapferen Redakteur_innen und auch an Spiegel Online für diese Fotostrecke mit einem Best of Sarrazin. Dann muß man sich die Bücher/Interviews nicht antun.
Stattdessen zurücklehnen, entspannt durchklicken und wahlweise Kopfschütteln oder Totlachen („Schlampfaktor“ wird mein neues Lieblingswort <3). Nicht, daß ich zu Drogen raten würde, aber evtl. hilft doch ein Gläschen Wein zum humoristischen Verdauen, ist doch manchmal recht schwere Kost für einen, der Sarrazins Texte sonst, naja, eher nicht liest, sag ich jetzt mal…
Mein persönlicher Liebling hier als Screenshot:
Zitat Sarrazin 1
Das hier erklärt auch so manches:
Zitat Sarrazin 2

Das ist auch das Schöne an der Meinungsfreiheit. Daß Herr Sarrazin in einem Land lebt, wo er diesen Kram veröffentlichen darf. Damit jeder ihn sich ansehen und erkennen kann: aha, sone Type also. Da weiß man doch gleich, woran man ist! Nicht rechts zu sein kann jeder behaupten – aber wenn ich’s schriftlich (heh) habe, wie er von „deutschem Volkscharakter“ usw. redet (ich will gar nicht wissen, was bei einer Googlesuche nach dem Begriff so alles erscheint… echt nicht), dann gilt im Zweifelsfall halt auch: Papier ist geduldig. Sagen kann man viel (nicht daß das NICHT registriert würde… siehe Horst Mahler lol).
Allerdings: noch so ein Buch und es ist eigentlich nicht mal mehr angebracht, sich über den armen Mann lustig zu machen.

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Immer wieder seltsam: Beziehungsratgeber. Bei Kleinerdrei wird das Buch „Die versteckte Lust der Frauen“ (natürlich von einem Mann erklärt) besprochen:

Was Bergner auf 256 Seiten ausführt, lässt sich recht knapp zusammenfassen: Frauen* seien über Jahrhunderte in die nun omnipräsente, ach so passive Haltung gedrängt und mit allen möglichen Mitteln (darunter krude Forschungsergebnisse) darin gehalten worden. Schon bei Versuchen mit Affen sei systematisch jahrelang die weibliche Sexualität einfach nicht über das “Männchen dringt in Weibchen ein”-Prinzip hinaus betrachtet worden. Grundsätzlich gehe es immer noch darum, wer die Kontrolle über deren Sexualität, aber damit die Frauen* insgesamt habe.

Frauen* seien in ihrer Natur genausowenig auf Monogamie ausgelegt wie Männer*. Frauen hätten manchmal nicht, aber manchmal doch Spaß am Sex.

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Immer mehr Menschen können ihren Strom nicht bezahlen:

Ein Ärgernis sind sie für jeden Kunden, für sozial Schwache können sich die ständig steigenden Strompreise jedoch zu einer Katastrophe auswachsen. „Wenn die Preise weiter steigen, wird es noch mehr Stromsperren geben“, befürchtet Christian Woltering vom Paritätischen Gesamtverband. Das heißt: Noch mehr Menschen als bisher könnte dann der Strom abgestellt werden.

Gut 312 000 Haushalten ist das im Jahr 2011 widerfahren, weiß die Bundesnetzagentur, neuere Zahlen hat die Behörde nicht. Damit rücken auch die Versorger und Netzbetreiber nicht heraus. Die Frage, wie oft sie Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen, blaue Briefe und letztlich die Kündigung schicken, ist den Stromlieferanten sichtlich unangenehm.

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Die Homophoben wollen über Evolution argumentieren? Nun gut, voilà:

Das Ergebnis ist notwendigerweise breit gestreut, damit die Art auf veränderte Bedingungen flexibel reagieren kann. Abweichungen von der Norm sind also kein Fehler der Evolution, sondern ihre Triebfeder.

Dabei führt natürlich vieles ins Nichts. Dass Homosexualität eine solche Sackgasse darstellt, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn wir kennen sie nicht nur von „irgendwelchen Pantoffeltierchen“, wie Matussek schreibt, sondern quer durch alle Klassen und Gattungen. Angesichts dieser Omnipräsenz kann man als sicher annehmen, dass homosexuelles Verhalten förderlich ist für die Gesundheit der Population, für das Überleben einer Art.

Warum das im Einzelfall so ist, dafür gibt es unterschiedlichste Erklärungsansätze, die von Art zu Art differieren: Stabilisierung der Sozialstrukturen, besserer Aufzuchterfolg homosexueller Paare (ja, Matussek, genau so!), Unterstützung der Nachwuchs aufziehenden Eltern – und oft wissen wir es einfach nicht.

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Info über Flüchtlingsbewegungen:

Anhand der drei Länder Mali, Sierra Leone und der Westsahara möchten wir zeigen, dass es paradoxerweise gerade der Reichtum an Rohstoffen ist, der Migrationsbewegungen innerhalb Afrikas und nach Europa hervorruft. Die drei Länder sind reich an Gold, Baumwolle, Diamanten und fruchtbaren Böden oder Fischbeständen. Die politische Verfasstheit dieser Länder, die Handelsinteressen der Industrienationen und der Konzerne führt jedoch dazu, dass die Bevölkerung kaum von dem Reichtum profitiert. Verschärfend wirken die Wirtschaftsabkommen, mit denen die Europäische Union (EU) die rohstoffreichen Länder zwingt, ihre Handelsbedingungen zu liberalisieren und Exportsteuern abzuschaffen.

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Noch ein Weg zur rezeptfreien Pille danach (ohne Zustimmung der Bundesregierung) könnte ein neues Präparat sein (natürlich noch nicht langzeitgetestet etc. … macht aber immerhin Druck!):

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erwägt die EU-weite Freigabe einer derzeit in Deutschland noch rezeptpflichtigen „Pille danach“ für den Apothekenverkauf, das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Bei „Ella-One“ handelt es sich um ein Folgepräparat des Notfallkontrazeptivums „Pidana“, für dessen Apothekenfreigabe sich die SPD seit Jahren ausspricht. Die CDU beharrt jedoch auf eine Verschreibungspflicht. Laut FAZ könnte diese Entscheidung den Streit zwischen CDU und SPD hinfällig werden lassen. „Wir können bestätigen, dass ein Antrag für die Entlassung von „Ella-One“ aus der Verschreibungspflicht vorliegt“, wird eine Sprecherin der EMA in dem Bericht zitiert.

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Antje Schrupp hat Bascha Mikas neues Buch über Frauen und Älterwerden gelesen. Es scheint, Mika ist da u.a. in die klassische weiße Mittelstandsfrauen – Falle gelaufen:

Aber dieses Buch ist, ich kann es nicht freundlicher ausdrücken, einfach unerträglich. Bis ungefähr zur Seite 100 (wo ich jetzt bin) geht es NUR um weiße, bürgerliche Frauen und NUR darum, dass sie sexuell keine Aufmerksamkeit mehr erregen, und zwar NUR darum, dass sie bei Männern keine sexuelle Aufmerksamkeit mehr erregen.

Ich habe ehrlich keine Ahnung, ob mir früher Bauarbeiter je hinterhergepfiffen haben (gibt es eigentlich ein abgegriffeneres Klischee?), aber wenn es jemals so gewesen sein sollte und jetzt nicht mehr so sein sollte, dann ist es mir total egal. Nein, ich habe auch keine Angst davor, dass mich mein Mann wegen einer zwanzig Jahre Jüngeren verlässt, und wenn es trotzdem so kommen sollte, müsste ich mir höchstens Gedanken über die Parameter meiner Partnerwahl machen. Denn offenbar war sie dann ein Griff ins Klo. Für einen Mann, der mit mir nichts mehr anfangen kann, weil eine Jüngere einen strafferen Busen hat, hätte ich nichts als Verachtung übrig. Tränen hinterherweinen oder von Selbstzweifeln überfallen werden würde ich jedenfalls nicht.

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Keine Überraschung, kann aber scheints nicht of genug wiederholt werden: die Jobcenter arbeiten schlichtweg kontraproduktiv. Interview mit Sozialpädagoge Dirk Kratz:

Ich habe keine fertige Lösung. Man könnte neue Modelle der öffentlichen Beschäftigung entwickeln – zum Beispiel in Kommunen, in denen dann Lokalpolitiker, Unternehmer und Vertreter der Arbeitslosen selbst mitentscheiden, wo es Bedarf für zusätzliche Arbeitskräfte gibt und wie man sie einsetzen könnte. Das ist nicht ganz einfach. Solche Jobs dürfen ja keine anderen Arbeitsplätze verdrängen, trotzdem sollen sie so nah am Markt wie möglich sein. Aber man könnte es versuchen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Betroffenen mit am Tisch sitzen und mitreden können – statt dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird, was mit ihnen geschieht, so wie bisher. Darüber hinaus bräuchten sie auch Mitbestimmungsmöglichkeiten auf der politischen Ebene. Das ist ein weiteres zentrales Ergebnis meiner Arbeit.