Archiv der Kategorie 'Sweethearts intern'

Häschenmaschine, Hurenrechte & Rio Reiser vs. Störkraft

Nein heißt Nein, Babypinguinroboter, Körperwahrnehmung statt Diätfraß, Rio Reiser vs. Störkraft ’92, GDL-Streik, queerfeministischer Kalender, Hurenrechte (und -pflichten) in Österreich, #EMMAistfürmich, Häschenmaschine, islamophobe „Focus“-Ausgabe und aus der Waldwohnung geworfen.

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Körperwahrnehmung schulen statt Diätfraß mümmeln, yesyesyes:

SPIEGEL ONLINE: Was genau verstehen Sie unter somatischer Intelligenz?

Frankenbach: Somatische Intelligenz ist die Fähigkeit unseres Körpers, durch Lust, Abneigung und Bekömmlichkeit zu zeigen, was er braucht und was nicht. Jeder Mensch braucht zum Beispiel Zucker, um das Gehirn laufen zu lassen und Organe und Muskeln zu versorgen. Wenn ein Mensch unterzuckert ist, bekommt er Lust auf Süßigkeiten. Da muss er keinen Ernährungsberater anrufen oder im Lexikon nachschauen, sondern sein Körper sendet ein eindeutiges Signal, nämlich Heißhunger auf Süßes.

SPIEGEL ONLINE: Viele Menschen haben aber ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihrem Heißhunger auf Süßigkeiten nachgeben.

Frankenbach: Das sollte man deshalb nicht haben. Besser wäre es, sich zu fragen: Warum will ich das jetzt essen? Brauche ich das wirklich? Wenn Ihnen etwas nicht bekommt, wird Ihr Körper Ihnen das mitteilen, in Form von Blähungen, Sodbrennen, Bauchkrämpfen, unruhigem Magen oder verschlechterter Stimmung. Langfristig oft auch mit Problemen bei Haut und Haaren.

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„Aussteiger“
find ich jetzt zu hoch gegriffen, trotzdem schade:

Es ist nicht das erste Mal, dass Baumeister im Wald schläft. Nach einem Auslandsaufenthalt in Ghana hatte er 2012 in Bingen am Rhein schon einmal einige Monate abwechselnd bei Freunden und im Wald übernachtet. Seinen Tagesablauf betreffend, ist er trotzdem kein klassischer Aussteiger. Tagsüber geht er in die Uni. Ein- bis zweimal die Woche jobbt er, trifft Freunde. Tagsüber Stadtleben, nachts die Stille des Waldes.

„Für mich ist das kein Rückzug aus der Gesellschaft, sondern eine Variante von befreitem Leben ohne Mietlast und zu viel materiellen Besitz“, erklärt er seine Entscheidung. Was ihn antreibt, ist auch die Sehnsucht nach der Natur.

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Roboter-Pinguin-Atrappe
– also ich muß zugeben, daß ich allein das Bild schon übelst niedlich finde! Was aber auch hauptsächlich an dem Blick der echten Pinguine liegt:

Nähert sich ein Mensch, um die Werte abzulesen, sind die Pinguine sofort gestresst – und damit die Werte verfälscht. Im schlimmsten Fall werden sie sogar von ihrer Brut abgelenkt.

So kamen die Wissenschaftler auf die Idee, Roboter einzusetzen. Doch auf die ersten Versionen ohne Kostüm reagierten die Pinguine ähnlich wie auf Menschen. Erst die sechste Variante des Rovers, mit Babypinguin-Outfit, konnte sie überzeugen. Statt zu flüchten, nahmen die Pinguine den kleinen Roboter freundlich in ihre Reihen auf.

Einige Pinguine hätten in dem Rover wohl einen potenziellen Spielgefährten für ihren Nachwuchs gesehen, sagt Le Mahon: „Sie waren sehr enttäuscht, dass er nicht geantwortet hat. Das nächste Mal werden wir einen Rover haben, der Lieder abspielen kann.“

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„Wie islamophob ist der ‚Focus‘?“

“Ein Glaube zum Fürchten”, so lautet die Überschrift des aktuellen Focus-Titels. Es geht, Überraschung, um den Islam. In dem Text, der eigentlich ein Pamphlet ist, werden “acht unbequeme Wahrheiten” über diese Religion versprochen. Leider offenbart die Lektüre auch eine Reihe unbequeme Wahrheiten über den Focus.

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Interview mit Kunsttheoretiker Jonathan Crary:

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Schlaf denken?

Unser Schlaf ist Überbleibsel einer vormodernen Ordnung, wie sie über Tausende von Jahren existierte. Erst seit Kurzem kommt es zu Störungen dieser Zeitlichkeit. Unser Leben ist in Zyklen von Aufwachen, Arbeiten und Pausieren strukturiert. Und der Prozess der Regeneration ist untrennbar verbunden mit dem agrarischen Universum, welches auch das soziale und ökonomische Leben in saisonale Zyklen unterteilt. Nicht nur in den Rhythmus von Tag und Nacht, sondern auch in den der vier Jahreszeiten. Damit einhergehend haben wir ein nachhaltiges Verhältnis zur Landwirtschaft und zu den symbolischen Ordnungen des Lebens entwickelt. Die industriell geprägte Zivilisation hat bereits viele dieser Muster zerstört. Aber der menschliche Schlaf ist nicht so einfach modifizierbar, wie es uns die Wirtschaftswissenschaften suggerieren. Ich sehe den ungestörten Schlaf durchaus auf sicherem Grund: Er gehört in ein Zeitintervall, das nicht einfach eliminiert und auch nicht ohne Weiteres kapitalisiert werden kann.

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Anschauen!

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Häschenmaschine

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Klarer, guter Kommentar zu Justizminister Maas‘ Vorstoß zur Reform des Strafrechts in punkto Vergerwaltigung(Triggerwarnung):

Nun ja, die Initiative hat sicher einen Symbolcharakter. Vielleicht hat sie auch Auswirkungen auf die Zahl der zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen. Aber solange eine vergewaltigte Person ihr nein nicht auf Band aufnimmt, wird es wohl vor Gericht keine Beweislast haben. Schließlich sind Täter und Opfer in der Regel zu zweit.

Aussage gegen Aussage. Und die Tatsache, dass über ein einfaches Nein beraten wird steht ja vielleicht auch für einen Wechsel in der Wahrnehmung. Bisher schwingt in den Vergewaltigungsprozessen noch immer die Frage mit, ob sich das Opfer auch angemessen zur Wehr gesetzt hat. Was es an hatte, wie es sich sonst verhalten hat.

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Zum GDL-Streik:

Eingeschränkte Mobilität, das ist das alltägliche Versagen der Deutschen Bahn. Das sind unendlich steigende Ticketpreise im Nah- und Fernverkehr (bei 19,20 Euro ALG II für den ÖPNV pro Monat), Ausfälle und Verspätungen wegen beschädigter Bahnen und Strecken, ein lückenhaftes Streckennetz, immer mehr geschlossene Bahnhöfe, kaum funktionierender Ersatzverkehr bei Störungen, und das Winterprinzip (Pro Schneeflocke eine gecancelte Fahrt). Das ist die Konsequenz von Privatisierung öffentlicher Güter.

Eingeschränkte Mobilität, das sind die Barrieren, die Leute mit Rollstuhl, Rollator, Krücken vom Reisen abhalten, das sind Zugfahrer_innen, die keine Zeit haben, die Rampe auszufahren, das sind fehlerhafte oder undeutliche Durchsagen, das sind überfüllte, stickige, zu heiße oder zu kalte Wagen. Das ist Ableismus.

Eingeschränkte Mobilität, das sind die inneren EU-Grenzen, die nur für weiße Menschen easy zu überqueren sind, das ist Racial Profiling bei Ticket- und Ausweiskontrollen, das ist Polizeigewalt und rassistische Schikane durch Behörden und Beamte, das sind die äußeren EU-Grenzen, an denen Leute ertrinken, verhungern, verdursten und ermordet werden. Das ist Rassismus.

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Die kostenpflichtige wöchentliche Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten, die für österreichische Prostituierte vorgeschrieben ist, könnte in Zukunft umsonst, anonym und freiwillig geschehen:

Bereits 2010 klagte das Sexworker-Forum Wien in einem Schattenbericht an die Uno über Verletzung der Menschenwürde durch die Pflichtuntersuchung. Auch die Weltgesundheitsbehörde äußerte ihre Bedenken.

In manchen Bundesländern sollen Frauen laut Augenzeugen aufgereiht und am Unterleib entblößt auf ihre Untersuchung warten müssen, ohne einen Sichtschutz dazwischen. Auch, dass in einigen Ländern Gebühren verlangt werden und in Wien etwa nicht, steht rechtlich auf wackligen Beinen.

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Antje Schrupp kommentiert die #EMMAistfürmich-Twitterlawine:

Es stimmt: An EMMA war schon immer problematisch, dass Alice Schwarzer sehr klar definiert, was ihrer Ansicht nach feministisch ist und was nicht, und dass sie Frauen mit anderen Ansichten als quasi vom Patriarchat gekauft diffamiert anstatt sie einer ernsthaften Auseinandersetzung würdig zu erweisen.

Aber die Haltung „Soll halt jede machen und meinen was sie will“ ist nicht das Ziel feministischer Politik, sondern lediglich ihr Anfang.

Ihr Anfang deshalb, weil die Vorstellung, dass Frauen machen, was sie wollen – und nicht, was sie nach Ansicht von Männern oder aufgrund der Natur oder laut dem Willen Gottes tun sollen – tatsächlich die symbolische Revolution ist, die der Feminismus gebracht hat. Weibliche Souveränität und weibliche Subjektivität war in Zeiten vor der Frauenbewegung nicht vorgesehen, nicht einmal denkbar. Frauen, die damals (was natürlich vorkam) souverän waren und ihren Subjektstatus behaupteten, taten das der herrschenden symbolischen Ordnung zufolge obwohl sie Frauen waren, markierten also sozusagen die Ausnahme, die die Regel bestätigte.

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Mädchenblog-Terminkalender für gelangweilte Feminist*innen:

Auch haben Menschen unterschiedliche Planungsbedürfnisse. Manche sind eher spontan, was mache ich heute? Andere (so wie ich zum Beispiel), wollen alles bereits wochenlang im voraus minutiös durchorganisieren. Langer Rede, kurzer Sinn:
Es gibt einen Kalender.

Aktuell mit langwieriger URL, das Design lässt zu wünschen übrig und ins Mädchenblog selbst ist er noch (!) nicht eingebunden. Aber: ihr könnt ihn euch anschauen und nutzen. Terminvorschläge sind via Twitter, aber auch dem Kontakt-Formular gerne gesehen.

Hundeflüsterin, Pro-Life & Pro-NRW

NS-Pädagogik, Leben mit einem Arm, deutscher Umgang mit Zuwanderung, Abtreibungsgegner_innen, von Hunden lernen, Rita Moreno bei den Muppets, Pro NRW vs. Blogsport, DNA-Überraschung und Game-Designing.

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Interessantes Interview mit der „Hundeflüsterin“ Maike Maja Nowak:

Was können wir von Hunden lernen?

Ihr soziales Wesen. Hunde bewerten niemanden. Denen ist egal, ob jemand dick oder dünn ist. Wir können Geduld lernen. Wenn wir eine Entscheidung durchsetzen wollen, versuchen wir es mit Druck. Leithunde beharren mit Präsenz, bis die Entscheidung umgesetzt wird. Hunde sind außerdem nicht nachtragend. Sie handeln sofort. Wir stauen oft Wut auf, weil wir Angst haben, nicht gemocht zu werden, wenn wir sie äußern.

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Bester Auftritt in der Muppet Show EVER: Rita Moreno (feat. Animal)!

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Schnittiger Leserartikel von Maria Schulz über ihr Leben mit nur einem Arm:

Bekanntlich wird das Leben in der Pubertät nicht einfacher, und mit 14, wenn so ziemlich jedes Mädchen seinen Körper verabscheut, fand ich allein den Gedanken, ohne meine Armprothese aus dem Haus zu gehen, so absurd, dass ich sie zeitweise sogar nachts im Bett trug. Welcher Junge würde mich je ansehen wollen?

Ich war kein trauriger Teenager, ich saß auch nie einsam in meinem Zimmer und habe mich deprimiert im Spiegel betrachtet. Aber die Tatsache, dass ich anders aussah als die anderen, war fest in meinem Bewusstsein verankert. Ich nahm meinen Körper nicht an. Ich tolerierte seine Anwesenheit, aber ich hieß ihn nicht gut. Die Frage, was Schönheit ist, kreiste in meinem Kopf herum. In einer Sache war ich mir sicher: Mein Körper war nicht schön.

Mit der Zeit wurde ich allerdings entspannter.

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Immer wieder schön, wie die Natur uns regelmäßig daran erinnert, daß unsere Wissenschaft beim Verstehen des Körpers eben doch erst am Anfang steht – und die bisherigen Ergebnisse nicht das Ende vom Lied sind:

8,2 Prozent des menschlichen Erbguts erfüllen eine wichtige Funktion, sagen Genetiker der Universität Oxford. „Funktional“ nennen die Biochemiker Abschnitte des Genoms, welche direkt für die Bildung von Proteinen zuständig sind, die letztlich Form und Funktion eines lebenden Organismus bestimmen.

Diese Zahl scheint im krassen Widerspruch zu stehen zu Aussagen, die einige Forscher vor zwei Jahren veröffentlichten. Damals wurde 80 Prozent aller DNA-Abschnitte eine biochemische Funktion zugeschrieben.

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Woher kommt die Angst der Deutschen ™ vor „Ausländern“? Über den Umgang mit Zuwanderung:

Dass Deutschland seine heutige Stärke und Entwicklungsfähigkeit gerade auch den Einwanderern verdankt, hat jüngst die Fußball-WM gezeigt. Klose, Özil, Khedira, Boateng und Podolski haben in den letzten Jahren einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung einer neuen Spielkultur geleistet, die Athletik mit Ästhetik verbindet, die effizient und berauschend ist. Die Nationalmannschaft ist ein Paradigma dafür, dass eine gesellschaftliche Einigkeit nicht in einer gemeinsamen Herkunft begründet sein muss.

Viel stärker verbinden gemeinsame Ziele und Werte. Unterschiede, das Fremde und Andere sind geradezu förderlich. Sie bringen eine produktive Ergänzung und Spannung ist das Leben und verhindern Starre und Selbstgenügsamkeit. Geistiger Austausch und die Reibung mit anderen Kulturen sind Kräfte, die dafür sorgen, dass eine Nation lebendig und schöpferisch bleibt.

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Wie die NS-Erziehung Kinder traumatisierte (Triggerwarnung):

Die überzeugte Nationalsozialistin Haarer betrachtete das Kind als Feind und warnte zum Beispiel davor, es zu trösten oder zu streicheln. Jede Gefühlsbekundung, ja selbst bloßen Blickkontakt, lehnte Haarer kategorisch ab. Dafür wurden der „deutschen Mutter“ allerlei Züchtigungsmittel anempfohlen, wie Kinder ohne Essen ins Bett zu schicken, sie in den Keller zu sperren oder stundenlang auf ungekochten Erbsen knien zu lassen.

Als Katrin Einert diese Ratgeber zum ersten Mal las, war sie erschüttert. Im Rahmen des Frankfurter Fachhochschulforschungsprojekts „Trauma im Alter“ unter der Leitung von Professorin Ilka Quindeau interessierten sie und ihre Kolleginnen sich für die Bedingungen, unter denen Menschen, die heute alt sind, als Kinder aufgewachsen sind. Und nun hielt sie Anleitungen in der Hand, die die Herausbildung einer Mutter-Kind-Bindung regelrecht verhindern sollten.

(via)

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Kleinerdrei interviewt die Game-Designerin Henrike Lode:

In einer Schulklasse in England wurde ich von einer Lehrerin bedrängt, als ein Schüler vorschlug, beide Geschlechter zur Auswahl zu geben. Sie forderte, dem Vorschlag nachzugeben, da es nur fair sei und meine Vorauswahl ungerecht gegenüber den Jungen. Ein anderes Mal hat mich ein PR-Spezialist darauf hingewiesen, dass ich wahrscheinlich weniger Kopien verkaufen werde, weil sie viele auf Grund des weiblichen Charakters das Spiel nicht kaufen würden. Mittlerweile bin ich nicht einmal mehr so sicher, ob etwas dran ist an diesen Annahmen, aber ich bin bereit, es darauf ankommen zu lassen. Viele weibliche Spieler bestätigen, dass es ihnen leichter fällt, sich mit der Figur zu identifizieren, und dass es eine positive Überraschung für sie ist.

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„Pro-NRW“ vs. Blogsport in der nächsten Runde? Darum geht’s:

Im Frühjahr zerrte der stellvertretende Vorsitzende der rechtsextremen Partei „Pro NRW“, Kevin Gareth Hauer, den linken Provider Blogsport vor Gericht. Dieser habe sich geweigert, Fotos entfernen zu lassen, die Hauer mit erhobenem rechten Arm bzw. posierend mit einem großformatigen Hitlerbild zeigen.

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Die Soziologin Gisela Notz über die organisierten Abtreibungsgegner_innen:

Vielleicht ist das Bedürfnis nach einer heilen Welt, wie die Kirchen sie malen, gewachsen. Die familienpolitische Debatte ist jedenfalls nach rechts gerückt. Deshalb ist auch die AfD erstarkt, in der die sogenannten „Lebensschützer“ eine große Rolle spielen. Beatrix von Storch, die nun im Europaparlament sitzt, war bei diesen Märschen ganz vorn dabei. Sie ist für ein Totalverbot der Abtreibung und setzt sich für ein traditionelles Familienbild ein.

Rinderzucht, Grundgesetz und Sextips

Generation Babyboom und Politik, Pam Anderson über Mißbrauch, alternative Rinderzucht ohne Qual, Oranienplatz-Flüchtlinge suchen Kirchenasyl, Film „Fattitude“, Photoshop bei Gemäldeschönheiten, Kermanis Rede zum Jubiläum des Grundgesetzes, Sextip von Les Petits Plaisirs, MONAliesA braucht Support, Paulchen Panther-Melodie auf Nazidemos erlaubt, Saudis sanktionieren Holländer und Kleinerdrei für Grimme Online Award nominiert.

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Ein Balinger Rinderzüchter hat sich das Recht erstritten, seine Tiere auf schonende Weise auf der Weide selbst zu schlachten – Probleme bekommt er nun, weil er sich immer noch weigert, den Kälbern Marken ins Ohr zu stanzen:

Im Ohrmarkenstreit ist Maier auch deshalb so stur, weil sein ganzes Konzept gefährdet ist. „Wenn man verlorene Ohrmarken bei erwachsenen Tieren neu einstanzen muss, ist das ein Affentheater“, sagt er. Der Landrat, der ihm die Ausnahmegenehmigung erteilt hat, sieht sogar Lebensgefahr für Maier, wenn der seinen „verwilderten Tieren“ Ohrenmarken einziehen müsste. Maier sagt: „Durch das Einstanzen der Ohrmarken wird das Vertrauen zwischen Mensch und Tier schon in den ersten Lebenstagen nachhaltig gestört.“ Wenn sie ihm nicht mehr vertrauen würden, käme er nicht mehr so nah an die Tiere heran, wie es zum Schießen notwendig ist. Und anders will er seine Tiere nicht schlachten.

Europa schreibt die Ohrmarken bei Schlachttieren vor, weil Tiere auch nach dem Verkauf zweifelsfrei erkannt werden müssen. Doch Maiers kaufen und verkaufen keine lebenden Tiere.

Maiers Rinder haben Namen. Amber zum Beispiel. Oder Schneeflocke. Er sagt, er erkenne sie zweifelsfrei. Jeder andere kann sie mit einem Lesegerät, das aussieht wie eine große Lupe, identifizieren. Maier setzt den Tieren einen reiskorngroßen Transponder an der Schwanzwurzel ein. Pferde werden so markiert. Und Kampfstiere. Das ist für Maier der Gipfel: „Stierkämpfe sind die größte Sauerei, die auf unserem Kontinent passieren. Und dort darf man die Marken weglassen?“

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Pamela Anderson spricht über ihren in der Vergangenheit erlebten sexuellen Mißbrauch:

„Ich habe Menschen sehr lange nicht getraut“, sagte Anderson am Wochenende in einer Rede in Cannes, aus der unter anderem der „Guardian“ zitiert. „Meine Eltern haben zwar versucht, mich zu beschützen. Aber die Welt war für mich kein sicherer Ort.“ Schon als Kind sei sie von einer Bekannten der Familie sexuell belästigt worden, sagte Anderson.

Später, als Zwölfjährige, sei sie dann von einem 25-Jährigen vergewaltigt worden – „mein erstes sexuelles Erlebnis“, sagte Anderson laut „Daily Mail“ vor 200 Gästen. In der Schule habe ihr Freund dann beschlossen „dass es lustig wäre, mich mit sechs seiner Freunde zu vergewaltigen. Ich wollte nicht mehr auf dieser Erde sein.“

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Was, wenn die Schönheiten auf berühmten Gemälden durch Photoshop heutigen Schönheitsstandards angepaßt würden? Kann man auf takepart sehen:
Goyaphotoshop

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Bei einer Nazidemo das Paulchen Panther-Lied spielen? Die Staatsanwaltschaft München hat kein Problem damit:

Mit der Erkennungsmelodie der Zeichentrickserie Der rosarote Panther war ein Video unterlegt, in dem der NSU seine Opfer verhöhnte. Die Staatsanwaltschaft sah in dem Abspielen des Liedes bei einer Demonstration am 21. Januar 2012 wegen der zeitlichen Nähe zur Festnahme Zschäpes eine Billigung der NSU-Mordtaten.

Der OLG-Senat folgte aber der Vorinstanz und befand, die Melodie dürfe nicht isoliert betrachtet werden. In der Gesamtschau mit der Rede Bordins stelle das Abspielen „aus unserer Sicht eine Billigung von Straftaten nicht dar“ sagte der Vorsitzende Richter. Bordin hatte sich in seiner Rede von den zehn Morden des NSU distanziert.

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Die Unionspolitiker_innen stören sich an Kermanis kritischer Rede zum Grundgesetz-Jubiläum:

„Wir können das Grundgesetz nicht feiern, ohne an die Verstümmelungen zu erinnern, die ihm hier und dort zugefügt worden sind“, sagte der Schriftsteller mit iranischen Wurzeln. Nur wenige Eingriffe hätten dem Text gutgetan. Besonders scharf kritisiert er die „Entstellung des Artikels 16a“, in dem es in Absatz 1 heißt: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“. Ausgerechnet das Grundgesetz, „in dem Deutschland seine Offenheit auf ewig festgeschrieben zu haben schien“, sperre inzwischen diejenigen aus, die auf diese Offenheit am dringlichsten angewiesen seien. Der „wundervoll bündige Satz“ des ersten Absatzes sei 1993 zu einer monströsen Verordnung aus 275 Wörtern geworden, um eines zu verbergen: „Dass Deutschland das Asyl als ein Grundrecht praktisch abgeschafft hat.“ Dem Recht auf Asyl sei der Inhalt, dem Artikel 16a seine Würde genommen worden. „Möge das Grundgesetz spätestens bis zum 70. Jahrestag seiner Verkündung von diesem hässlichen, herzlosen Fleck gereinigt sein“, sagte er.

Der komplette Wortlaut hier. Lohnt sich.

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Realsatire
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Der niederländische Abgeordnete [Geert Wilders] hatte bereits vor etwa fünf Monaten grüne Aufkleber drucken lassen, die der saudischen Flagge ähneln. Anstelle des Satzes „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet“, der auf der saudischen Flagge steht, ließ Wilders auf seine Aufkleber in arabischer Sprache drucken: „Der Islam ist eine Lüge, Mohammed ist ein Verbechrer, der Koran ist Gift.“

Obwohl sich die Regierung in Den Haag von der Aktion des Parlamentariers distanziert hatte, sollen niederländische Firmen ab sofort nicht mehr bei Ausschreibungen in Saudi-Arabien berücksichtigt werden.

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Die Flüchtlinge vom Oranienplatz suchen nun Kirchenasyl:

Doch was soll eine Gemeinde tun, wenn Flüchtlinge ihr Nein zum Kirchenasyl nicht akzeptieren? Aus seiner Ratlosigkeit macht Pastor Martin Germer keinen Hehl. Am Wochenende durften die ungebetenen Gäste vorübergehend in die Kapelle ziehen, weil auf dem Breitscheidplatz davor Tausende Fußballfans das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Borussia Dortmund feierten. Dann suchte die Kirche nach Räumen, die besser für eine Unterbringung der Afrikaner geeignet waren als ein Gotteshaus, in dem täglich Hunderte Touristen ein- und ausgehen.

Zunächst schien es, als bliebe ihr gar nichts anderes übrig, denn vertreiben konnte sie die Männer nicht, auch wenn es ihr Bürgersteig ist, auf dem sie kampierten. Die Afrikaner hatten ihre Aktion als Demonstration angemeldet. „Alles ganz legal“, hieß es bei der Polizei.

Am Dienstag aber nahm die Polizei die Männer dann doch fest. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte es so verfügt, im Alleingang, ohne Rücksprache mit dem Senat.

Plötzlich standen 120 Polizisten vor der Kirche. Sie kontrollierten die Papiere der Flüchtlinge, nahmen sie mit zur Wache – und schickten sie dorthin zurück, wo ihr Asylverfahren läuft: nach Sachsen-Anhalt. Ein Akt, der Stärke demonstrieren sollte.

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Mithelfen, damit MONAliesA wieder durchstarten kann:

Die Frauenbibliothek MONAliesA entstand in den Wendejahren in Leipzig. Seit 1990 ist sie Ort der Bildung und des Austauschs von Frauen und Mädchen verschiedener Generationen – als Bibliothek, als Treffpunkt und Veranstaltungsraum. Sie wurde somit zum unverzichtbaren Ort der feministischen Auseinandersetzung in Leipzig.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste die MONAliesA Ende letzten Jahres den Bibliotheksbetrieb einstellen. Damit ist auch ein großer Teil der personellen und finanziellen Infrastruktur weggefallen. Die Schließung der MONAliesA? Das darf kein Dauerzustand sein!

Wir möchten diese einzigartige Sammlung nicht Geschichte werden lassen. Mit einem neuen Trägerverein wollen wir die MONAliesA wiedereröffnen und dabei mit neuen Ideen auf Altem aufbauen. Das geht jedoch nicht ohne Geld. Die MONAliesA braucht dringend Spenden.

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Kleinerdrei ist nominiert für den Grimme-Online-Preis:

Heute Vormittag wurden in Köln aus über 1.300 Vorschlägen die 23 nominierten Online-Angebote bekanntgegeben und vorgestellt. Die Awards werden in den vier Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung und Spezial verliehen. Neben Kleinerdrei sind unter anderem auch nominiert: Demenz für Anfänger, Make Love und die Reportage “Pop aufm Dorf” über das Haldern-Pop-Festival. Nicole und Daniel vom kleinerdrei-Team sind gerade noch vor Ort und beantworten Fragen zu dem, was wir hier so machen.

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Die Babyboomer werden 50; was hat das politisch für Konsequenzen?

Aber was macht das eigentlich mit einem Land, wenn die größte deutsche Alterskohorte 50 wird? Einerseits nichts, andererseits sehr viel. Denn die Spitzenjahrgänge der frühen sechziger Jahre torpedieren jene natürliche Generationenfolge, die mal für Phasen der Konsolidierung, mal für dialektische Erneuerung sorgt. Diese Masse von Menschen wird im nun gerade beginnenden sechsten Lebensjahrzehnt nicht kürzer treten, wie noch deren Eltern und Großeltern es taten, sondern politisch relevant bleiben wollen. Plötzlich stehen nicht mehr die Jungen gegen die Alten, sondern die Alten gegen die Jungen. Das wird eine spannende Auseinandersetzung, denn die Babyboomer sind eine im Kern unpolitische, vor allem auf Sicherheit und Wohlstand bedachte Kohorte, die für die Anspruchsgesellschaft längst vergangener Zeiten steht. Reformen? Nein, danke! Umbau von Sozialsystemen? Bloß nicht! Generationengerechtigkeit für die Jüngeren und ganz Jungen? Mit uns auf keinen Fall!

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Das Missy Mag berichtet über den Film „Fattitude“ und interviewt die Filmemacherin:

Um Gesetze durchzubringen, muss man erst mal der Öffentlichkeit klar machen, warum es überhaupt neue Gesetze braucht. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen ihre Verachtung gegenüber dicken Körpern im Moment berechtigt und legitim finden. Die erkennen das nicht als Vorurteil, sondern sehen es als moralische Überlegenheit. Und sie neigen dazu, ihre Vorurteile mit einer Gesundheitsideologie zu begründen: Dicksein ist ungesund, deswegen ist es okay für mich, dicke Körper zu verachten. Wir müssen das ganze Klima ändern, die Art, wie im Moment über dicke Menschen gesprochen und gedacht wird.

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Und last but not least gibt es auf Les petits plaisirs den ultimativen Sextip:

Präsenz bedeutet für mich sich seiner Selbst (was auch immer das nun heißen mag), bewusst zu sein, in der Situation. Es heißt, bei sich zu sein. Als Mensch in die sexuelle Interaktion einzutreten, als der, der man ist. Ich zumindest ziehe die Freude aus sexueller Interaktion daraus, das Gefühl zu haben, gemeint zu sein. Dass die Person gerade mit mir Sex haben will, weil sie MICH interessant findet. Es ist ein schönes Gefühl, sich gemeint zu fühlen. Ich will nicht einfach nur irgendjemand sein. Und mein sexueller Gegenüber ist auch nie irgendjemand.
Präsenz ist somit eine Einstellung mir selbst gegenüber. Sie kann nicht von außen, vom anderen hervorgelockt werden, sondern ich bringe sie mit ein.
Sie heißt auch zu versuchen, im Jetzt zu sein. In der Situation, bei sich und beim anderen. Also sich nicht in eine Ebene der Sorgen und Gedanken um das was passiert zu begeben. Das ist vielleicht das schwierige. Sich nicht Gedanken zu machen, über die körperliche Verfassung, darüber wie man wohl ankommt, sondern zu relaxen.

Präsenz im Bett heißt nicht, das Geschehen steuern zu müssen oder nicht auch passiv sein zu können. Es heißt viel eher sich mit Haut und Haaren, mit all der Möglichkeiten zur sinnlichen Erfahrbarkeit ins Geschehen einzulassen, hinein zu stürzen in die Empfindsamkeit. Was können wir nicht alles wahrnehmen. Und das heißt erfahren. Wir sind Menschen voller Sinne die nur danach lechzen gereizt zu werden.

Porn Studies, Vorratsdatenspeicherung & LSD-Therapie

Impostorsyndrom, Europarat will schwedisches Prostitutionsmodell, therapeutischer Nutzen von LSD, Porn Studies, gestrichene Deutschkurse für Migranten, Alltagsrassismus, Veränderung und Wandel, Bye-Bye Vorratsdatenspeicherung, Flüchtlingsdatenprojekt und Freedom’s just another word for nothing left to lose.

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Passiert nicht oft, aber den Spiegel kann man diese Woche wegen der Titelgeschichte ziemlich empfehlen.
Perfekt ist der Artikel nicht, aber er trägt zur Entspannung bei, besonders nach PorNo und vor allem der Edathy-Affäre. Schließlich ist es wünschenswert, daß ein Prüderiebacklash verhindert wird, bevor er zu große Ausmaße annimmt.
Lesenswert, diskutierenswert!


Screenshot aus d. aktuellen Onlineausgabe

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Antje Schrupp über cambiamento e trasformazione, „Veränderung“ und „Wandel“ :

Mir wurde bei dieser Unterscheidung klar, warum ich so vieles von dem, was medial gesendet wird, so unglaublich langweilig finde: Es wird so oft in höchster Aufgeregtheit über cambiamentos geplappert, während kaum jemand die Perspektive einnimmt, gegenwärtige trasformaziones informativ zu begleiten.

Auch was “revolutionäre” Politik betrifft, so ist diese Unterscheidung interessant. “Revolution machen” wurde bisher meist als strategische Herbeiführung von Veränderungen verstanden (Regierung absetzen, neue Regierung inthronieren) während meiner Ansicht nach zu wenig Aufmerksamkeit auf den Prozess der Transformation gelegt wurde (ich glaube, das war es auch, was hinter meiner Kritik an Žižek steht).

“Transformative” Politik, meint Annarosa, bedeutet nicht in erster Linie das Herbeiführen von Veränderungen (à la Frauenquote, Regierungswechsel, neues Gesetz für dieses und jenes), sondern die praktische_denkerische Begleitung eines Transformationsprozesses, den man weniger aktiv “herbeiführt” als vielmehr passiv “erleidet”, doch genau durch dieses sich Einlassen ergeben sich Handlungsoptionen, die dann dafür bedeutsam sind, in welche Richtung dieser Prozess geht, zum Besseren oder zum Schlechteren.

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Wichtig! Datenprojekt zu Flüchtlingsschicksalen:

Das Projekt „The Migrants‘ Files“, das eine Arbeitsgruppe europäischer Journalisten unter anderem von der Neuen Züricher Zeitung, El Confidencial und Le Monde diplomatique erarbeitet hat, ist genau deshalb so wichtig. Die Journalisten haben einen detaillierten Datensatz zu Todesfällen und Vermisstenmeldungen zusammengestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, inklusive Graphiken, Texten und vielen Hinweisen auf die Primärquellen. Auch hier geht es um Zahlen, doch sie erzählen die ganze grausame Geschichte.

Im Mittelpunkt steht die Zahl 23 000. So viele Menschen sind den „The Migrants‘ Files“ zufolge seit dem Jahr 2000 auf dem Weg nach Europa ums Leben gekommen oder als vermisst gemeldet worden, viel mehr als bisher angenommen. Es ist diese Zahl, die das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt und nicht nur ein Detail. Darüber hinaus widmeten sich die Journalisten aber auch den veränderten Migrationswegen, geben Einblick in die „Dynamik der Migration“.

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Neverending Alltagsrassismus
, weltweit:

“ I am willing to show #Asian community I care by introducing the Ching-Chong Ding-Dong Foundation for Sensitivity to Orientals or Whatever – „

Suey Park, eine Asian-American Twitter-Aktivistin und Autorin, nahm diesen Witz zum Anlass, das Hashtag #cancelColbert zu starten, um sich gegen Alltagsrassismus zu wehren. Schon in der Vergangenheit hatte sie mit #notyourasiansidekick zu einer Diskussion über Rassismus gegen AsiatInnen beigetragen. Grund genug für die Huffington Post mit ihr per Google Hangout über den Vorfall zu sprechen. Der Interviewer jedoch war wenig respektvoll – er nannte Parks Meinung „dumm“, was entscheidend zur Eskalation beitrug.

Sie brach das Interview ab und machte ihrem Ärger auf Twitter Luft. #CancelColbert gab das noch mehr Auftrieb. Was folgte, waren Androhungen von Mord und Vergewaltigung gegen Park, noch mehr Rassismus und ein veritabler Shitstorm. Ein lesenswerter Artikel zeigt einen möglichen Grund, warum die Reaktionen gegen Park so heftig waren: Die Medien seien laut werdende, mächtige Asiatinnen nicht gewohnt.

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An ein derart deutliches Zeichen hatte ich ja eigentlich schon nicht mehr geglaubt, aber ich irre mich hier gern: die EU kippt doch tatsächlich die Vorratsdatenspeicherung!

Wer nun weitermacht und immer noch die Vorratsdatenspeicherung fordert, so wie Innenminister Thomas de Maizière, hat die Richter missverstanden. Denn die haben Datensammlung zwar nicht vollständig verboten, aber nur als letzten Ausweg erlaubt, unter strengsten Vorgaben, wenn sie unbedingt notwendig ist.

Ist es wirklich notwendig, für alle Bürger detaillierte Profile anzulegen? Davon kann keine Rede sein. Beweise für die Notwendigkeit sind die Scharfmacher bisher schuldig geblieben. Studien legen sogar das Gegenteil nahe. Weil aber vernünftige Polizeiarbeit besser geeignet ist, Straftaten aufzuklären und öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, gilt: Die massenhafte Überwachung Unschuldiger ist unverhältnismäßig, der Generalverdacht eine Beleidigung für jeden Bürger.

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Natürlich könnte man die Kohle für aufwendige Überwachungsmaßnahmen auch anderweitig verwenden, zum Beispiel in Deutschkurse. So von wegen direkte Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, Integration, innenpolitisch friedliche Zustände, weniger Sozialleistung vonnöten… solch Zeugs eben… ahem.

Die TeilnehmerInnen lernen auch, Bewerbungen zu schreiben und können ein Praktikum machen, mit dem Ziel, die Chancen auf eine Ausbildung und Integration in den Arbeitsmarkt zu erhöhen. „Ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist ein Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt sehr schwierig“, sagt Anja Göldenitz vom Schweriner Netzwerk Arbeit für Flüchtlinge. „Das Streichen der Kurse bedeutet einen Rückschritt in der Migrationsförderung in Deutschland.“

Hintergrund für den Antrags-Stopp ist das Auslaufen der Förderperiode des Europäischen Sozialfonds Ende 2013. Für das Sprachkurs-Programm standen laut Bundesarbeitsministerium 230 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Nachfolgeprogramm startet erst 2015. Eigentlich sollte bis dahin noch Geld da sein: Noch im Januar wurden die Träger vom BAMF informiert, dass Kurse bis Ende September beginnen könnten. „Damit soll ein möglichst lückenloser Übergang zwischen den beiden Förderperioden sichergestellt werden“, hieß es in dem Schreiben.

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That’s the spirit!

Rock on

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In Solothurn wird an einer der wenigen Orte überhaupt am therapeutischen Nutzen von LSD geforscht:

Die Substanz selbst ist beim Therapieprozess nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. „LSD ist kein Angstlöser, es wirkt auf den ganzen Menschen. Es führt zu einer existenziellen Begegnung des Menschen mit sich selbst“, sagt Gasser. Die Therapie zielt deshalb auch darauf ab, den Patienten tiefe Einblicke in sich selbst zu geben. „Mit LSD gelangt man schnell an die entscheidenden Punkte“, sagt Gasser. Als Therapeut gibt er seinen Patienten nichts vor, weder eine Richtung noch ein Ziel. „Ich bin nur das Kabinenpersonal“, sagt Gasser, „Piloten sind die Substanz und der Patient.“

Wohin die Reise in den Rausch führt, weiß vorher niemand. Genauso wenig, ob die intensiven Erfahrungen der Patienten angenehm sind oder Schlechtes an die Oberfläche bringen. Beides sei Bestandteil des LSD-Trips, sagt Gasser, und lasse sich in der Nachbereitung auffangen.

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Der Europarat will einen gesetzlichen Umgang mit Prostitution nach schwedischem Modell. Nicht gut.

Der Europarat ermahnt die Regierungen in Europa zu mehr Engagement gegen Menschenhandel und Prostitution. Als Vorbild nannten die Abgeordneten Schweden, wo der Kauf von Sexleistungen verboten ist. Der Kunde wird bestraft, die Prostituierte aber bleibt straffrei. Der Menschenhandel mit Frauen sei in Schweden seither stark zurückgegangen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Ein generelles Verbot der Prostitution lehnte die Versammlung indes ab. Dies verschlimmere häufig die Situation der Opfer von Menschenhandel, hieß es in der Debatte.

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Die Femgeeks sprechen über das Impostor Syndom

Impostor Syndrome bezeichnet eine Situation in der sich eine Person wie ein_e Betrüger_in fühlt, da sie denkt, dass ihre Leistungen und Fähigkeiten bei weitem nicht so gut sind, wie die der Personen um sie herum. Für gewöhnlich sind ihre Leistungen aber (mindestens) genau so gut und die Person hat unrealistisch hohe Anforderungen an sich selbst, nicht aber an andere. Dies tritt besonders dann in Erscheinung, wenn die eigene Arbeit konstant von anderen begutachtet wird, zum Beispiel in der Open Source Entwicklung oder im akademischen Bereich.

Oftmals kommt diese Einschätzung der eigenen Fähigkeiten mit dem Gefühl, dass irgendwann alle herausfinden werden, wie unfähig man wirklich ist. Obwohl die damit verbundenen Gedanken und Gefühle prinzipiell jede_n das ein oder andere Mal überkommen können, kommt das Impostor Syndrome häufig bei Frauen vor. Es spielt vor allem in Bereichen wo Frauen eine Minderheit darstellen eine Rolle und ist daran beteiligt, dass sie sich weniger oft einbringen. Ich nehme an, dass dies auch für andere Minderheiten zutrifft. Wenn sich betroffene Personen einbringen, ist dies oft mit höherem Stress verbunden und im schlimmsten Fall können die Selbstzweifel in Kombination mit anderen Faktoren (z.B. Belästigung, Diskriminierung) Anlass dazu geben die Umgebung zu verlassen.

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Schwaben, Gwar & Namensrecht

Schizophrenie, Bodylove, Bodyshaming, Norrie darf „Neutrum“ sein, Gwar-Sänger tot, 20 Jahre neues Namensrecht, Schwaben in Berlin, Sexismus in Belgien vllt. bald strafbar, verschiedene Sexismusformen, brasilianische Männer geben Kleidung schuld an sexuellen Übergriffen.

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Nach 43 Milliarden Jahren ist nun Oderus Urungus tot, möge er in Frieden ruhen.
Unvergessen der Gwar-Auftritt bei Jerry Springer (für Euch „vorgespult“, um Euch den bescheuerten „Rape-Rocker“ der Mentors zu ersparen, der am Anfang auftritt… im Übrigen derselbe Kerl, der später behauptet hat, Courtney Love habe in anheuern wollen, um Kurt Cobain zu töten… ahem).

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Beängstigende Zahlen aus Brasilien – während die Toleranz gegenüber (nicht sexualisierter) physischer Gewalt sinkt, halten immer noch über 60% der Männer „falsche Kleidung“ für die Ursache von sexuellen Übergriffen:

„Frauen mit körperbetonter Kleidung sind selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt werden“ – 65,1 Prozent der BrasilianerInnen stimmen dieser Aussage teilweise oder gänzlich zu. Das zeigt eine umfangreiche Studie, für die 3.810 Frauen und Männer befragt wurden und die gestern vom Institute of Applied Economic Research (IPEA) präsentiert wurde.
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58,5 Prozent der zwischen Mai und Juni letzten Jahres Befragten machen auch das Verhalten von Frauen verantwortlich: Mit „angemessenem Benehmen“ könnten Frauen Vergewaltigung verhindern. Auf der anderen Seite wird physische Gewalt von den Interviewten wenig toleriert: 91,4 Prozent wollen einen Mann, der seine Frau schlägt, im Gefängnis sehen.

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Via.

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Oft betreibt man Bodyshaming, ohne es zu merken; iVillage nennt zehn typische Beispiele:

While it’s fine for you to choose clothes any way you want, nobody else is required to adhere to your style.The person wearing that outfit is, in fact, pulling it off, even if you think she’s too flat chested, big chested, short, tall, fat or thin. And fat people don‘t have to confine themselves to dark colors and vertical stripes, no matter who prefers it. And spandex? It’s a right, not a privilege.

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Sozusagen als Gegenprogramm:


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Belgien plant, sexistische Äußerungen rechtlich zu bestrafen:

Kann man Sexismus verbieten? Ja, findet der Rechtsausschuss des belgischen Parlaments. Er hat vor zwei Wochen einen Gesetzentwurf der Innenministerin Joëlle Milquet abgesegnet, mit dem Äußerungen und Handlungen bestraft werden können, „welche Menschen gezielt auf Grund ihres Geschlechts als minderwertig diskriminieren, oder sie auf ihre Sexualität reduzieren und damit ihre Würde verletzen“. Durch bis zu 13 Monate Haft sowie Geldbußen für Übeltäter sollen vor allem Frauen stärker geschützt werden. Das ist absurd – und doch notwendig.

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Dazu paßt ein Interview über Sexismus mit der Sozialpsychologin Julia Becker:

Becker: Feindlicher Sexismus ist klarer zu erkennen, er taucht aber in unserer modernen Gesellschaft weniger auf. Der wohlwollende Sexismus hingegen kommt häufig vor, auch bei jungen Männern und er ist schwer zu fassen, weil er ja freundlich verpackt ist.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel, wenn eine Frau im Meeting mit gleichgestellten männlichen Kollegen protokollieren soll, weil sie angeblich eine schönere Schrift hat?

Becker: Genau. Oft sind es Verhaltensweisen in mehrdeutigen Situationen, die zuerst schwer zuzuordnen sind. Wohlwollender Sexismus führt dazu, dass Frauen sich weniger kompetent verhalten: Die Forschung hat gezeigt, dass Frauen Matheaufgaben schlechter lösen, wenn sie vorher auf Geschlechter-Klischees angesprochen wurden, als wenn sie die Rechenaufgabe unbedarft angehen.

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Norrie hat vor Gericht gewonnen, nun ist es amtlich: In Australien muß man sich nicht mehr ausschließlich entweder als „Mann“ oder „Frau“ registrieren lassen.

Das Gericht wies jedoch die Forderung von Norrie zurück, man müsse für eine neue juristische Form schaffen, etwa „Intersex“. Das Amt in Sydney wird nun den Antrag von Norrie neu prüfen müssen. Beobachtern zufolge wird der Richterspruch weitreichende Folgen in Bundesstaaten haben, in denen ähnliche Gesetze gelten. „Der Entscheid wird auch für sie bindend sein“, sagte Norrie’s Anwalt Scott McDonald nach dem Urteil.

Es ist durchaus möglich, dass das Urteil auch über die Landesgrenzen hinaus Konsequenzen haben wird. Sein/e Mandant/in sei von „unzähligen Menschen aus Australien und dem Rest der Welt kontaktiert worden, die sich ebenfalls nicht spezifisch identifizieren möchten“.

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Beeindruckender Einblick in das Leben einer an Schizophrenie Erkrankten und ihrer Mutter:

Und Lea, die gern schwieg, hörte nicht zu reden auf, ich wollte Ali besuchen, aber der machte nicht auf, heute sei nicht der Moment, sagte Ali, die Tür zu öffnen, seine Freundin sei bei ihm, ich war dann unterwegs und zog durch die Beizen und heilte viele Leute, legte ihnen meine Hände auf oder lächelte sie nur an. Und irgendwann kam mir jemand entgegen, der schlechte Strahlen hatte, ich rannte los, warf die Jacke weg, ich zog alle Ringe aus den Ohren, schmiss sie ins Gebüsch, auch die Uhr, die du mir geliehen hast, Mama, auch die Schuhe zog ich aus, weil die Metallkappen haben. Weil Metall die Energie fehlleitet.

Jeden Morgen briet sie Tofu, drei Schnitzel, aß sie heiß, dann fuhr Lea nach Luzern, kam abends wieder, reiste am Freitag nach Yverdon, war am Samstag um zehn, weil Ali nicht öffnete, wieder im Dorf, Lea trank Aceto Balsamico aus der Flasche, saugte Senf aus der Tube.

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Das deutsche Namensrecht wird 20, die Veränderungen gehen langsam vonstatten:

Im März 1991 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Regelung von 1958, nach der automatisch der Geburtsname des Mannes gemeinsamer Familienname wurde, falls sich die Ehepartner nicht einigen konnten, für verfassungswidrig. Seit dem 1. April 1994 können Verlobte frei entscheiden, ob sie nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen führen möchten. Andernfalls behält jeder seinen ursprünglichen Nachnamen. Allerdings räumt das deutsche Namensrecht die Möglichkeit ein, auch noch nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen zu bestimmen. Spätestens einen Monat nach der Geburt des ersten Kindes müssen die verheirateten Eltern zumindest festlegen, ob das Kind den Nachnamen des Vaters oder den der Mutter tragen soll. Diese Entscheidung ist dann auch für alle weiteren Kinder bindend.

Ehepaare, die auf einen gemeinsamen Familiennamen verzichten, sind längst keine Ausnahme mehr. In München haben sich beispielsweise im vergangenen Jahr etwa 23 Prozent der Paare für eine getrennte Namensführung entschieden, in Köln waren es 19 Prozent, in Nürnberg 18 Prozent.