Archiv der Kategorie 'Specials'

Nicht die Menschen scheitern. Die Gesellschaft scheitert.

Schon wieder hat eine Stadt, ein Viertel, ein „Drogenproblem“. Heißt es so schön. Oder eben ein Problem mit den Drogenkonsumenten, zumindest den sogenannten Schwerstabhängigen. Oder den Dealern, die zu offensichtlich dealen, oder zu „offensiv“, wie’s im Beamtendeutsch heißt.

Aber sind die wirklich das Problem? Es gibt sie in jeder Stadt, jedem Viertel, jedem Kuhkaff.
Zum „Problem“ werden sie erst, wenn sie sichtbar werden in der Öffentlichkeit.
Genau wie bei Prostitution, über die man wie eine gesonderte Parallelwelt spricht, obwohl sie sich quer durch alle Wohnviertel und Gegenden zieht, in der die Huren und Freier wohnen und präsent sind (aber bitte nicht zu öffentlich!) ist es auch bekloppt, von der Drogenszene zu sprechen, als wären manche drin und manche draußen.
Es ist aber vielmehr so, daß die Junkies (genau wie Huren und Freier) nicht außerhalb der Gesellschaft leben, sobndern Teil von ihr sind, von ihr produziert. Teil von uns.
Und wenn nun auf einmal viele Menschen mit Suchtproblem umziehen und fremde Dachböden belagern und man in jedem 2. Hauseingang morgens über jemanden drübersteigen muß, von dem man nicht sicher ist, ob er noch lebt, dann ist das mehr wie unschön, sondern eine Situation, über die man sich zurecht beschweren kann!
Nur: man beschwert sich über die Junkies, die sie für ihre eigene mißliche Lage verantwortlich machen. Für diese Situation können die Junkies aber keine Verantwortung übernehmen, denn sie haben sie nicht kreiert.
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Betitteter Mistkäfer

Vor zwei Wochen erklärte Redaktionsleiterin Christiane Florin im Editorial, warum sie eine Anzeige des katholischen Hilfswerks Kirche in Not abgelehnt hat. Hauptargument: In der Anzeige lautete ein Punkt „Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“. „Meinungsdiktatur“ sei keine Kritik an der Demokratie, sondern Diffamierung. Auch in der Kirche gehe offenbar Pegida-Vokabular um, hieß es im Editorial. Danach erreichten die Redaktion so viele Zuschriften wie noch nie in den vier Jahren von Christ&Welt in der ZEIT. Uns hat überrascht, mit welchen Worten Christentum und Abendland verteidigt werden.

Pfui (Triggerwarnung).

Kostprobe:

Schmeißen Sie diesen betitteten Mistkäfer raus, die soll zu den Grünen gehen, als Putze.

Ernsthaft. Das steht da. Mit vollem Namen unterschrieben.
Gerade eben war ich noch angekotzt wie Sau. Aber jetzt habe ich Bilder im Kopf, aus denen Berufenere ein Comic machen sollten.

Ich übergebe das Wort an Herrn Widmann:

(Via.)

HAPPY EDITION: Spiderman, muslimischer Humor & Frauen in Comics

Adoptionsrecht, Salafismus, Mosambique lockert Abtreibungsgesetz, Vive la liberté!, Frauen in Comics, Erika Mustermann, muslimischer Humor, the real Spiderman und rassistische Vermieter.

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Nachdem in einem Mietshaus nur arabisch- und türkischstämmigen Bewohnern die Miete erhöht wurde, spricht das Gericht den Klägern nun 30.000 € zu:

Die Kernsätze des Urteils: Die Vermieterin habe „den Klägern durch ihr Verhalten zu verstehen gegeben, dass diese aufgrund ihrer Herkunft und dem hiermit im Zusammenhang stehenden kulturellen Hintergrund nicht in das Miet- und Wohnkonzept passen. Es entsteht der Eindruck, die Beklagte [Vermieterin] fürchte durch Mieter türkisch-orientalischer Herkunft beziehungsweise arabischer Herkunft eine Abwertung der Wohnanlage, die durch Mieter europäischer Herkunft nicht zu befürchten sei. Die damit vermittelte krasse Abwertung, Ausgrenzung und massive Ungerechtigkeit greift als erheblich verletzend in den Kernbereich des Persönlichkeitsrechts ein. Es wird so nicht nur deutsches Verfassungsrecht verletzt, sondern auch tragende europäische Rechtsgrundsätze.“

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Der Salafismus verursacht wohl doch nicht den Untergang des „Abendlandes“. Wie schön. ;-)

Die 7000 Salafisten sind aber bei weitem nicht alle gefährlich. Experten unterscheiden drei Strömungen, von denen lediglich Anhänger der sogenannten dschihadistischen Strömung Gewalt im Namen des Glaubens ausüben wollen. Als gefährlich gelten etwa jene 180 Personen, die aus Syrien zurückgekehrt sind, weitere 230 Islamisten in Deutschland gelten den Behörden als „Gefährder“ – die Behörden trauen ihnen also schwere, religiös motivierte Straftaten zu – die meisten davon dürften Salafisten sein.
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In einer anderen Zählung rechnet das Bundeskriminalamt insgesamt 1000 Menschen zum „islamistisch-terroristischen Personenpotential“.

Salafisten und andere Islamisten begingen zwischen 2010 und 2013 deutlich weniger Verbrechen als Rechts- und Linksextremisten. Allerdings fürchten die Behörden, dass es bei einem salafistischen Anschlag deutlich mehr Tote und Verletzte geben könnte als durch Aktionen anderer politisch motivierter Gewalttäter.

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Mosambique lockert seine Abtreibungsgesetze:

Als eines von wenigen Entwicklungsländern ermöglicht Mosambik jetzt legale Abtreibungen. Die Regierung will damit die hohe Sterblichkeit von Frauen während der Schwangerschaft und Geburt senken.

Die wichtige Änderung des Strafgesetzbuchs hat Präsident Armando Guebuza noch kurz vor Weihnachten und vor seinem Rücktritt im Februar unterzeichnet: Abtreibung ist in Mosambik nun bis zur zwölften Schwangerschaftswoche nicht mehr strafbar. In besonderen Fällen – beispielsweise nach einer Vergewaltigung – ist eine Abtreibung bis zur 16. Woche möglich. Bisher haben in Afrika nur die Kapverdischen Inseln, Tunesien und Südafrika ähnliche Gesetze.

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„Wir sind das Volk“? Na, Gott sei Dank eben doch nicht:

In der Umfrage, die einen Tag nach dem Anschlag auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo“ durchgeführt wurde, wurde gefragt, ob man Verständnis für die „Pegida“-Bewegung aufbringe. Das Ergebnis: 72 Prozent der Befragten sagten Nein, 22 Prozent sagten Ja. Am Montag und Dienstag vor der Bluttat zeigten 21 Prozent Verständnis für „Pegida“, 76 Prozent lehnten es ab.

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Wissenschaftlich korrekter Spiderman (ich will davon bitte einen Kinofilm!!)

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Trotz Diskriminierung fühlen sich Einwanderer in Deutschland im Durchschnitt ganz wohl:

Weder die Sprache noch das Alter beim Zuzug spielen eine Rolle. Aber je länger jemand in Deutschland wohnt, desto wohler fühlt er sich. Soziale Kontakte und Freundschaften machen zufrieden, Diskriminierung sorgt für Frust. Wichtig sind auch wirtschaftliche Faktoren: Wer einen Job hat, ist zufriedener. Wer einen gut bezahlten Job hat, ist noch zufriedener.

Dass Menschen mit Migrationshintergrund häufig schlechter bezahlte Jobs haben und sich trotzdem wohl fühlen, begründen die Autoren der Studie mit dem Vergleich zum Herkunftsland. Im Schnitt verdienen Migranten in Deutschland doppelt so viel wie in ihrem Herkunftsland.

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Das bewegte Leben der Erika Mustermann:

Zehn Jahre lang war Erika Mustermann die deutsche Ausweis-Ikone, dann wechselte die Bundesdruckerei sie 1997 gegen eine jüngere Kollegin aus: Erika II, Ausweis Nummer 1220000016, war auf der neusten Version des Passes zu sehen, erstmals in Farbe. Und schon 2001 war erneut ein neues Mustermann-Bild fällig, weil die Ausweise nun mit Hologrammen gesichert wurden. Seit im November 2005 der Perso im Scheckkartenformat eingeführt wurde, ist nun die vierte Erika im Amt. Doch keine der Nachfolgerinnen kam an den Mythos des Originals von 1982 heran.

Denn als die Bundesregierung 1982 in Anzeigen und auf Werbeplakaten mit dem Konterfei der Unbekannten für den neuen Ausweis warb, war die Neugier groß: Die Boulevardpresse ging der Frage nach, wer die unbekannte Schönheit ist. Mit Erfolg. Die „Bunte“ behauptete, hinter Erika Mustermann verberge sich Renate P., eine Mitarbeiterin in der Produktion der Bundesdruckerei. Es folgte ein skurriler Hype: Massenweise erhielt die Enttarnte Briefe, Männer baten um ein Treffen und schickten Heiratsanträge. Die unbekannte Frau aus der Produktionsabteilung der Bundesdruckerei wurde über Nacht zum Star.

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Betül Ulusoy über muslimischen Humor:

Nasreddin Hoca, einer Art türkisch-islamischer Eulenspiegel, den jedes Kind vom Balkan bis Zentralasien kennt. Seine Witze sind nie heroische Darstellungen muslimischer Gesellschaften, sondern bilden die breite Palette menschlicher Eigenschaften ab. Der Hoca trug übrigens das Pendant zum Kopftuch von Frauen: einen Turban. Dass diese Kopfbedeckungen als rein äußerliche Merkmale herzlich wenig über Charakter oder Eigenschaften einer Person aussagen, erzählt folgende Geschichte: Einst kam ein Mann mit einem Brief zu Nasreddin Hoca. Er konnte nicht lesen und bat deshalb den Hoca, ihm den Brief vorzulesen. So sehr sich dieser aber bemühte, er konnte das in einer fremdartigen Sprache Geschriebene nicht entziffern. Schließlich gab der Hoca den Brief zurück und empfahl, ihn von einer kundigeren Person vorlesen zu lassen. Der Mann reagierte entrüstet. “Und du willst ein Gelehrter sein? Schäm dich deines Turbans!”, rief er Nasreddin zu. Dieser nahm daraufhin seinen Turban ab und setzte ihn dem Mann auf: “Wenn du meinst, das Wissen hinge am Turban, dann lies nun du den Brief!”, sagte er.

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Dokumentation über Frauen in Comics:

Und Bitch Magazine interviewt die Filmemacherin Samantha Maldonado:

When I was first drawing up the pitch for this film, I was thinking of doing something that was more focused on the issues of harassment and discrimination that women have faced in comics, but I decided after thinking about it a lot that I wanted to contribute something that was uplifting and had a more inspiring message. I didn’t want people to come away thinking, “It sucks to be a woman in comics, I shouldn’t even try, I have an interest in reading comics but now I’m not going to try at all.” I wanted it to be inspiring. To me the biggest compliment is hearing from viewers that immediately after the film was over, they went to their desk and starting drawing.

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Ab nächstem Jahr haben österreichische Nicht-Heteros das volle Adoptionsrecht:

Momentan ist es homosexuellen Paaren zwar erlaubt, den Nachwuchs der_des jeweiligen Partner_ins als Stiefkind zu adoptieren, doch bleibt die Fremdadoption ein Privileg heterosexueller Eheleute.

Dieses Gesetz verstößt nicht nur gegen das Diskriminierungsverbot der Europäischen Menschenrechtskonvention (Artikel 14), sondern liegt für diese Ungleichbehandlung auch “keine sachliche Rechtfertigung” vor. Grundsätzlich ist es durch die Stiefkindadoption möglich, als nicht-heterosexuelles Paar in eingetragenen Lebenspartner_innenschaften Kinder zu haben. Das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Lebenspartner_innenschaften ist demnach die logische Konsequenz. Bis zum 31. Dezember muss der österreichische Nationalrat das Gesetz dementsprechend umformulieren.

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Die Schlampe, unfaßbar!


Slutwalk-Teilnehmerin

„Schlampe“.
Eine da?
Was zum Geier ist das eigentlich? Kennt hier wer eine? Ist hier eine da und kann mich aufklären?

Laut offizieller Definition spielt es entweder auf „Unordentlichkeit“ oder „Promiskuität“ an.

Aber generell scheint der Durchschnittsmensch darunter eine Frau zu verstehen, die – platt gesagt – „mit jedem fickt“1. Wobei „jeder“ in der Regel weit übertrieben ist.
Zudem ist der Ausdruck eigentlich stets negativ gemeint – und als Schimpfwort ungemein populär! Populär genug, um die Beleidigung auch ohne jeglichen Bezug zur Bedeutung zu benutzen und einfach alle Frauen, die einem nicht passen, dann „Schlampen“ sind. (Alle. Natürlich außer Mutti…)

Wann immer ich selbst so genannt wurde, war der Grund dafür allerdings, daß ich nicht mit jemandem anbandeln wollte.
Zum Beispiel: man wird auf der Straße angelabert à la „Hey heiße Schnecke, wie wär’s blahblubb?“ – „Vergiß es, hau ab!“ – „Schlampe!“

Das ist zwar ziemlich sinnentleert, entspricht aber in etwa über 90% der Fälle, in denen ich „Schlampe“ genannt wurde2.

Interessanterweise wurde ich nie, kein einziges Mal, so genannt, wenn ich wirklich promiskuitiv unterwegs war. Hinter meinem Rücken vielleicht, aber ins Gesicht gesagt kriegt man die „Schlampe!“ dann nicht.

Und was hat das jetzt bitte zu bedeuten?
Einerseits: es ist schlimm, als Frau sexuell freizügig zu sein. Sonst wäre es ja kein Schimpfwort.
Andererseits: zumindest die (hetero-) Männlichkeit will aber, daß Frauen promiskuitiv sind und sich von ihnen ohne allzu großen Aufwand abschleppen lassen. Denn wenn nicht, sind sie frustriert und beschimpfen einen als, ja eben: „Schlampe!“

Aber wenn man das jetzt weiter analysieren will, wird man ballaballa und letztendlich sind wir ja alle Schlampen. Welcher Art auch immer.

Der Duden hilft da auch nicht weiter. Sinngemäß steht da das gleiche. Unter anderem

Frau, deren Lebensführung als unmoralisch angesehen wird

Wollen die uns verarschen oder sind die so verklemmt?
Da steht kein Wort von Sex. Darum geht’s aber doch bei der Definition von „Schlampe“. Um „unmoralische Lebensführung im sexuellen Bereich“, nicht in anderen!
Wenn ich regelmäßg dem blinden Bettler das Kleingeld aus dem Hut klaue, hab ich auch einen unmoralischen Lebenswandel, könnte also laut Dudendefinition als „Schlampe“ durchgehen. Was natürlich irgendwie Blödsinn ist. Aber frau hat ja längst festgestellt, daß die Beschimpfung mit „Schlampe“ in den meisten Fällen Blödsinn ist. Man wird so genannt, scheißegal, was man tut. Sobald es wem nicht paßt, ist man eine „Schlampe“. Also willkommen im Klub.

Pierers Universal-Lexikon bietet ein bißchen mehr als der Duden:

[214] Schlampe, 1) (Jagdw.), so v.w. Geschlampe; 2) unreinlich zubereitete kraftlose Speise; 3) eine in Kleidung u. Betragen liederliche Weibsperson.

„Liederliche Weibsperson“. Sozusagen ein Vorgängerbegriff von „Schlampe“.
Wenn man jetzt noch das Wort „liederlich“ mit seinen Synonymen genauer betrachtet, klingt das alles schon etwas positiver. Nun ja, meiner persönlichen Meinung nach.

Läßt man die Bedeutung bezüglich Unordnung weg (und ich glaube, bis auf ein paar versprengte Stepfordfrauen können heutzutage die meisten die Bezeichnung „unordentlich“ etc. ohne größere Egoprobleme wegstecken) und die Sache über Moral beiseite (denn diese ändert sich schneller, als man denkt – Vergewaltigung in der Ehe war immerhin bis Ende 90er lega!l), dann bleiben wir bei „ausschweifend“.
Also das „Schweifen“ außerhalb dessen, was als Durchschnitt gilt.
Und das trifft wahrscheinlich den Kern der Sache.
Wer (als Frau) sexuell und anderweitig aus der Reihe tanzt, fällt auf und wird sanktioniert.

Das ist jetzt nun nichts Neues und bringt unter anderem eine sehr typische Form der Sanktionierung, nämlich Machtausübung durch sexuelle Belästigung bis hin zu Vergewaltigung mit sich. Weil das Opfer ja „selbst schuld“ ist, wenn es sich sexuell (oder sonstwie) nicht konform verhält.

Der Klassiker hier ist natürlich, daß die Frau sich nicht züchtig genug angezogen hat. Oder was getrunken hat. Das ist schon so dermaßen Klischee und bescheuert, daß es eigentlich unfaßbar ist, heutzutage noch über so einen Blödsinn debattieren zu müssen, aber diese Denkart ist scheinbar nur sehr schwer totzukriegen. Aber immerhin wird dies auch mit Nachdruck versucht und immer wieder in den öffentlichen Diskurs gebracht.

Noch demonstrativer gehen die Betroffenen bei den Slutwalks zu Werke. Die Entsehungsgeschichte der Slutwalks paßt so dermaßen wie die Faust aufs Auge, daß es eigentlich nun jeder kapiert haben sollte.

Aber auch hier bleibt der Begriff „Schlampe“ nebulös. Er scheint einer dieser Universalbeleidigungen zu sein, bei denen man sich geeinigt hat, daß er halt irgendwie auf alle Frauen paßt – sollen „normale“ Frauen doch romantisch-prüde sein und doch stellt ma(n) fest, die wollen auch Sex. Nur halt nicht mit jedem.
Man könnte also sagen: Schlampen sind eigentlich die Frauen, die (promiskuitiv) Sex haben, aber eben NICHT mit jedem.
Das wiederum taugt als Definition nun mal so gar nicht. Ich gebe auf.

Das ist aber okay. Vorläufig werde ich mich mit meiner Lieblingsdefinition von Urban Dictionary begnügen:

slut
a woman with the morals of a man

Wer noch bessere Vorschläge hat – immer her damit!

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  1. ich möchte anmerken, daß ich diesen Ausdruck „die fickt jeden“ ziemlich scheiße finde. Ich bezweifle, daß es irgendwen gibt, der/die wirklich JEDE_N ranläßt.
    Dieser Spruch nährt nur die bescheuerte Vorstellung, promiskuitive Frauen seien automatisch absolut anspruchslos bei der Wahl ihrer Partner_innen… [zurück]
  2. die restlichen Prozent fallen an meine Mutter, die mich als Kind/Teenager immer so genannt hat, wenn mein Zimmer mal wieder im Chaos versank. Ich bin mir sicher, sie hat damit nicht auf mein Liebesleben angespielt. [zurück]

Racial Profiling, Feminist Bore-Out & „Bettlerbanden“

Diskriminierung von Frauen im Jurastudium, Sookee-Interview, UNO gegen Kriminalisierung von Drogenkonsumenten, Feminist Bore-Out, Prozeß um unterlassene Hilfeleistung bei einem schwerkranken Flüchtlingskind, München will härter gegen „Bettelbanden“ vorgehen, Künstler_innenkollektiv „COVEN“, soziale Putzfirma in St. Georg, Racial Profiling, heutzutage Musiker_in sein, Lebenspartnerschaften und gute Chancen für Frauen in „männlichen“ Ausbildungsberufen.

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Weibliche Lehrlinge in „Männerberufen“ werden anscheinend immer mehr geschätzt:

„Längst hat auf Arbeitgeberseite ein Umdenken eingesetzt. Frauen haben bei Bewerbungen gute Karten“, sagt Hans Voss. Er leitet bei der Maler- und Lackiererinnung Düsseldorf das Berufsbildungs- und Technologiezentrum. Ein Grund sind die guten Erfahrungen, die Handwerksmeister mit Frauen als Azubis und Gesellinnen machen. „Sie überzeugen oft durch herausragende Leistungen“, erklärt Voss. Er kennt inzwischen Fachbetriebe, die auf einen ausgeglichenen Mitarbeitermix achten. Bei praktischen Arbeiten fallen Mitarbeiterinnen vor allem bei filigraneren Tätigkeiten häufig positiv auf.

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Antje Schrupp über Lebenspartnerschaften:

Der Wunsch nach rechtlicher Anerkennung geht häufig mit einer besonders großen “Normalitätsbekundung” einher: Menschen, die homosexuell monogam leben, sind nicht unbedingt die enthusiastischsten Unterstützerinnen von Polyamorie, denn sie sind bemüht, zu beweisen, dass sie abgesehen vom Schwul- oder Lesbischsein ganz “normal” sind.

Das ist keine Anschuldigung, es liegt vielmehr in der Natur der Sache, dass der Wunsch nach Anerkennung die Tendenz zum Konformismus nach sich zieht. Und das muss auch so sein, denn ohne Zustimmung einer Mehrheit in der Bevölkerung bekommt man keine staatliche Anerkennung.

Deshalb wollte ich an dieser Stelle einfach mal wieder in Erinnerung rufen (denn neu ist der Gedanke ja nicht), dass es im Verhältnis von Lebens- und Liebesformen im Kern gerade nicht um den Wunsch nach Anerkennung seitens des Staates geht, sondern im Gegenteil: um die Freiheit von staatlicher Bevormundung.

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Mehmet Simsit, Wirt des Hansa-Treff, hatte die gute Idee, eine Putzfirma zu gründen, die sich eben auch um die „schmutzigen Ecken“ von St. Georg kümmert und so manchem eine neue Perspektive bietet – denn bei dem Projekt geht es nicht nur ums Putzen:

Er tut, was er kann: Übersetzungen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, dolmetschen. „Für mich sind das vielleicht Kleinigkeiten, aber für die Menschen, die das brauchen, ist es etwas Großes.“ Auch Zwangsprostituierten, die ihren Zuhältern entkommen wollen, unterstützt er: „Wer aussteigen möchte und um Hilfe bittet, bekommt von mir Hilfe.“ Schon mehrfach seien Frauen mit blauen Flecken im Gesicht in den Hansatreff gekommen. Wenn das passiert, wird der Kneipier zornig: „Da habe ich keine Gnade. Zum Glück haben wir auch einen guten Kontakt zur Polizei.“

Im letzten Jahr hat Simsit sogar einen Deutschkurs für Prostituierte aus Osteuropa auf die Beine gestellt, die hier ankommen. Die Hamburger Universität schickte für ein Vierteljahr auf eigene Kosten einen Dozenten, das Stadtteilbüro stellte kostenlos einen Raum zur Verfügung. „Das Wichtigste ist, dass die Leute sich verständigen können“, sagt er. Inzwischen musste er den Kurs aber wieder einstellen, denn die bewilligten Fördergelder darf er nur für Lehrmaterialien ausgeben, nicht aber für Personal.

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In München nimmt die Zahl der Bettler_innen gerade enorm zu. Die Stadt und die Polizei stecken jetzt praktischerweise alle Bettler_innen in die „böse Bettlerbande“-Schublade, gegen die man natürlich jetzt drastisch vorgehen will:

Damit liegt der Polizeibeamte auf der Linie des noch amtierenden Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), der einmal auf seiner Homepage über Bettler in München schrieb: „Bitte seien Sie kaltherzig.“ So weit will KVR-Chef Blume-Beyerle nicht gehen. Doch die steigende Zahl der Bettler in München bereitet ihm Sorgen. „Sehenden Auges“ diese Entwicklung hinzunehmen, hält er für „keine gute Alternative“. Er will nun die Zusammenarbeit mit der Polizei weiter intensivieren, um die organisierten Bettler aufzuspüren. Wilde Camps am Stadtrand oder Autowracks, die im Sommer als Schlafplätze benutzt werden, sollen jetzt sofort beseitigt werden. „Natürlich tun mir die Menschen alle leid“, sagt Blume-Beyerle. Aber als KVR-Chef muss er andere Prioritäten setzen.
Odyseen durch viele Länder

Das hilft den Menschen nicht, die am Ende, ganz unten sind. Selbst in Rumänien können sie nicht von 60 Euro Sozialhilfe pro Monat leben. Also schließen sich viele zu lockeren Verbünden zusammen und reisen nach Norden. Dort, wo es noch Geld gibt. „Die meisten bleiben drei bis vier Wochen, dann ziehen sie weiter“, sagt der Bettler-Polizist Röske. Wenn es dunkel wird, ziehen sie sich von den Straßen zurück. Die Fußgängerzone und der Viktualienmarkt sind als Schlafplatz tabu. Die einen gehen zur Isar, die anderen in die nahe der Altstadt gelegenen Parks.

Aus meinem persönlichen „Nähkästchen“ geplaudert:
Meinereiner strandete einst nach einem Italienurlaub auf dem Münchner Hauptbahnhof. Im Zug hatte man uns den Inhalt unserer Handtaschen ausgeräumt , während wir schliefen… also: keine Kohle, nüscht. Da blieb halt nix anderes, als Geld für ein Bayernticket zu schnorren.
Und die Münchner waren da sehr nett (am süßesten war eine Frau, die gerne was geben wollte, aber kein Kleingeld hatte, uns aber irgendwie helfen wollte – und hat uns dann eine Packung O.B.s geschenkt. :) ) – die Polizei weniger. Mords Aufstand mit Personenüberprüfung, das volle Programm. Außerdem so hilfreiche Fragen wie “ Sie sehen so fertig aus und haben gerötete Augen – sie sind doch auf Drogen!“, woraufhin ich dem Freund und Helfer erklären durfte, daß man eben auch fertig aussieht, wenn man die Nacht über ausgeraubt wurde, kaum geschlafen hat, entsprechend müde/genervt ist, man auch noch Geld zusammenschnorren muß und man eigentlich nur heim will.
Nachdem wir eine halbe Stunde überprüft wurden, ließ man uns wieder gehen, aber wir sollten keine Leute mehr ansprechen etc.
Der ganze Aufstand, der bei der Kontrolle betrieben wurde, bot auch den Umstehenden eine gute Show. Woraufhin uns eine ältere Dame, die das Ganze mitgekriegt hatte, dann den fehlenden Betrag fürs Bayernticket spendierte.
Gut, das ist jetzt ca. 8 Jahre her, ich weiß nicht ob die Vorgehensweise der bayrischen Polzei sich geändert hat oder nicht…
Aber wenn ich an die Situation in München denke, und dann diesen Artikel lese, habe ich das leise Gefühl, daß die Stadt München es sich mit diesen Plänen zu einfach macht. Verwaltungstechnisch ist das ja auch praktisch! Eine Sündenbockstrategie funktioniert immer irgendwie. Oberflächlich gesehn zumindest. Man muß sich nicht mehr um die individuelle Situation kümmern, man kann die einfach eine Schublade stecken.
Effektiv ist das aber nicht.
Sicher, man überlegt schon, ob es jetzt eine gute Idee ist, einem Bettler Geld zu geben, wenn es offensichtlich ist, daß er einer von denen ist, die ihr Geld dann abends dem Chef abliefern müssen… mein momentaner Kompromiß (normalerweise geb ich eingentlich allen was) ist, stattdessen eine Zigarette zu spendieren. Kommt irgendwie auch gut an bisher.

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Feminist Bore-Out
; genialer Begriff – trifft er doch genau das Gefühl, das einen immer wieder überfällt:

Mit halbem Auge verfolgte ich dabei das Treiben in den diversen sozialen Netzwerken, und so stach mir irgendwann ein Hinweis auf ein neues Opus Magnus des Laber-Rhabarbers ins Auge: Ein Buch namens “Tussikratie” sei nun erschienen, geschrieben von den zwei Journalismus-Tussneldas Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, und das Brigitte-Magazin fragte dazu ganz aufgekratzt: “Übertreiben wir es mit dem Feminismus?” Hui, wie aufregend! Nicht.

Ich konnte besagten Artikel nur 20 Sekunden lang überfliegen, und dann entschied ich mich, dass ich mich anstatt auf den ewiggestrigen Null-Acht-Fuffzehn-Content zu “Tussikratie” (O-Ton: Gelaber über Geschlecht-Gedöns verursacht noch mehr Probleme. Männer sind auch arm dran. Frauen haben mehr Möglichkeiten (zum Beispiel in der Mode, bunte Kleider und so). Männer sind auch arm dran, weil sie keine Männerbewegung haben. Und überhaupt, es gibt ja auch noch den armen Hausmann. Über den lachen ja auch alle, wenn er mal Kuchen in den Kindergarten trägt. Schnarchschnarchschnarch.) doch eher lieber wieder auf die mittlerweile Tauben fütternde Polly Flint konzentrieren wollte. Klick und weg. Ich schaffte es, noch bevor mir mein Arm eingeschlafen war. Juchheissassa!

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Keine große Überraschung, aber dennoch zum Kotzen – der Altherrenclub in juristischen Fakultäten benotet scheinbar gern nach Geschlecht und Herkunft:

Gemeinsam mit zwei Kollegen vom Max-Planck-Institut und der Uni Göttingen hat er Tausende Datensätze von Jura-Studenten aus Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Erschienen ist ihre Analyse „Zur Benotung in der Examensvorbereitung und im ersten Examen“ in der „Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft“ (Studie als PDF). Sie fragten sich unter anderem: Was beeinflusst die Examensnote? Unterscheiden sich die Ergebnisse von Männern und Frauen? Von Studenten mit deutschem und nicht-deutschem Namen?

Das Resultat erschreckt: Frauen schneiden im Examen knapp zehn Prozent schlechter ab – bei gleichen Leistungen und Voraussetzungen. Ähnliches gilt für Studenten mit ausländischem Namen. Traxler sagt: „Wer sich ein Bildungssystem wünscht, das hinsichtlich Geschlecht und Herkunft neutral wirkt, dem sollte dieses Ergebnis Bauchschmerzen bereiten.“

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Die Mädchenmannschaft interviewt das Berliner Künstler_innenkollektiv „COVEN“:

COVEN Berlin wurde in der Küche der Gründerinnen Lo Pecado und Judy Mièl ins Leben gerufen. Nach monatelangem Reden, Lästern, Lachen und Philosophieren über das Erwachsenwerden als queere Frauen in einer patriarchalen, hetero-normativen Gesellschaft wollten wir unsere Erfahrungen teilen, den Küchentisch verlassen und uns in die öffentliche Sphäre wagen. Was zunächst als Blog begann, entwickelte sich zu einem Online-Magazin, einem Kollektiv aus Menschen mit verschiedenen Herkünften, Hintergründen und Fachkenntnissen. Zum einen kamen diese aus unseren Freund_innenkreisen, zum anderen hatten wir online zur Kooperation mit COVEN Berlin aufgerufen. Wir wurden überrascht wie viele interessante und motivierte Leute sich tatsächlich gemeldet hatten. Als wir am Anfang noch zu zweit waren, hatten wir mit Lo den theoretischen, journalistischen und inhaltlichen Teil und mit Judy den kreativen, visuellen Teil kombiniert, jedoch aufgrund des zeitlichen Aufwands eines Online-Magazins lange nicht abgedeckt. Jetzt sind wir ein multi-mediales Kollektiv, eine Gruppe von ‘Feminist Conqueerors’.


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(Lamgsames) Umdenken bei der UNO in Sachen Drogen:

„Heute hat eine Arbeitsgruppe des UNO-Büros zur Drogen und Verbrechensbekämpfung angekündigt, grundlegend neue Empfehlungen auszusprechen, welche die Strafverfolgung für Drogengebrauch in Frage stellt. Die wissenschaftliche Beratergruppe zu Drogenpolitik, Gesundheit und Menschenrechte der UNODC – unter anderem Nora Volkow, Vorsitzende des Nationalen Instituts gegen Drogenmissbrauch (NIDA) der USA – werden ihre Empfehlungen auf dem High Level Meeting der 57. Internationalen Suchtstoffkonferenz vorstellen. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sagen “strafrechtliche Verfolgung ist nicht hilfreich” und sprechen damit den Drogengebrauch und -missbrauch an.“

Die DPA war sehr Glücklich dies zu Hören: „Es gibt einfach keine wissenschaftliche Basis in der Wissenschaft, Gesundheit oder Ethik um jemanden bloß wegen Drogenbesitzes in das Justizsystem zu verfrachten.“ so DPA Sprecher Ethan Nadelmann. „Hoffentlich helfen die Empfehlungen der UNO, den globalen Trend hin zu einem Ende der Kriminalisierung des Drogenkonsums und -besitzes. Dies würde in den Vereinigten Staaten einen enormen Unterschied ausmachen.“

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Bei Kleinerdrei wird die wunderbare Sookee zu ihrem neuen Album interviewt:

kleinerdrei: Ich könnte mir vorstellen, dass es innerhalb der linken Szene krasser ist mit der Kritik. Stimmt das?

Sookee: Ja, klar. Aber um das zu sagen: Ich halte mich immer auf dem Laufenden, lese viele, viele Blogs, schaue, was gerade thematisiert und diskutiert wird, um nicht hinter der Zeit zu sein. Ich schaue, was es für sprachpolitische Erkenntnisse gibt. Aber trotzdem habe ich auch hier keine Lust, die Maßstäbe von anderen zu erfüllen. Es müssen einfach mehr politisch motivierte Rapper*innen her und gut ist.

kleinerdrei: Das ist die Lösung?

Sookee: Ja (lacht), ganz einfach. Ich mache Workshops für Frauen/Lesben/Trans*, ich versuche, mein Wissen zu teilen und da zu unterstützen, dass Leute nachwachsen und Bock haben, sich auf die Bühne zu stellen. Ich fand’ es ja schon in der Rapszene unangenehm, eine von wenigen Frauen zu sein. Das hier ist ja die gleiche Situation und auch hier finde ich es unangenehm. Ich fände es cool, wenn es hier so wäre wie in Großbritannien.

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Mohamed Amjahid berichteg von seinen Erfahrungen mit „Racial Profiling“ und fordert: entweder wir jede_r kontrolliert oder keine_r.

Das Bundesinnenministerium möchte trotz massiver Kritik von Migrantenverbänden und Parteien an dieser Praxis festhalten. Sie erhöhe „das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden spürbar“, heißt es in einem internen Bericht des Ministeriums. Andere EU-Staaten gehen mit ihrer Gesetzgebung und Kontrollpraxis noch weiter. Als ich bei einer anlasslosen Kontrolle am Nordbahnhof von Brüssel meinen Reisepass nicht vorzeigen konnte – weil ich meinen Reisepass selbstverständlich nicht immer dabeihabe –, drohten die Polizeibeamten, wenn ich mich nicht an Ort und Stelle ausweisen könne, müsse ich 500 Euro Strafe zahlen. Nur eine lange Diskussion und mein Presseausweis brachten mich aus dieser misslichen Lage.

In bayerischen Zügen liegt meine persönliche Kontrolliert-werden-Quote bei 100 Prozent. In einem Regionalzug nach Kempten im Allgäu saßen neulich zwei weiße Amerikaner mit überdimensionierten Reiserucksäcken und deutsche Kurgäste, die sich auf ihren Aufenthalt auf der Alm freuten. Von der Bundespolizei kontrolliert wurden nur drei Passagiere: ein junger Schwarzer, ein Mädchen mit Kopftuch und ich. Bekannte erzählen mir immer wieder von Situationen, in denen sie gewaltsam festgehalten und abgeführt wurden. Viele von ihnen meiden unnötige Aufenthalte auf Bahnhöfen.

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Dem Flüchtlingskind Leonardo wurde medizinische Hilfe unterlassen, als er in einer Notlage war – und nur knpp überebte, mit einem Zehen und einem Finger weniger. Jetzt beginnt die Verhandlung:

Auch als der Junge große schwarze Flecken im Gesicht, an Armen und Beinen hatte, wollte man an der Pforte des Aufnahmelagers keinen Krankenwagen rufen. Schließlich schickte man die Familie bei winterlichen Temperaturen zu Fuß ins zwei Kilometer entfernte Dorf. Dort erbarmte sich ein Autofahrer, die Flüchtlingsfamilie zu einer Kinderärztin zu fahren, die ebenfalls in Fürth vor Gericht aussagte.

Die Kinderärztin ließ das Kind sofort in die Klinik bringen, wo das Leben des kleinen Leonardo nur knapp gerettet werden konnte. Er war an einer Meningokokkeninfektion erkrankt und blieb zwei Wochen im künstlichen Koma. Außerdem musste sich das Kind umfangreichen Hauttransplantationen unterziehen und verlor einen Zeh und einen Finger.

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Johnny Haeusler stellt fest: es ist großartig, heutzutage Musiker zu sein.

Das Netz hat mit Download- und Streaming-Plattformen nicht dafür gesorgt, dass Menschen plötzlich mehr Zeit zum Musikhören haben. Es hat aber Musik präsenter denn je gemacht und den Zugang zu ihr sehr stark vereinfacht. Und es bietet jungen Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb und beim Marketing, von denen man noch vor zehn Jahren nur träumen konnte.

Verdienstmöglichkeiten bleiben zwar eine Herausforderung, Dienstleister teuer und die Chancen auf spürbare Gewinne klein. Doch mit bewusst agierenden Unterstützern und Konsumenten, die das Shirt oder die CD direkt bei der Band kaufen und auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Vereine wie die GEMA zwar stark reformbedürftig sind, aber immer noch mehr im Sinne der Urheber agieren als Google und daher im Moment noch für Komponisten und Texter wichtig sein können, überwiegen die Vorteile beim Musikerdasein im digitalen Zeitalter.