Archiv der Kategorie 'Sound'

Oury Jalloh, Constanze Kurz & Mean Mary

Kindergarten-Nazis, Klassenvielfalt im Klassenzimmer, Aufklärung im Fall Oury Jalloh, Menschenhandel, Spielzeugpräferenz nicht biologisch, Gewalt gegen Bahnsexurity, Constanze Kurz zu Überwachung, Transphobie, Mean Mary & her Banjo, Sexualisierte Gewalt bei der Ivy League, Cyberübergriffe und neue Frisurenordnung bei der US Army.

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Cyberstalking und zu sorgloser Internetumgang bei Portalen werden auch für Frauenhäuser immer mehr zum Problem:

Schleswig-Holsteins Chefdatenschützer Thilo Weichert betonte, dass Aufklärung und Medienkompetenz wichtig seien. Hier seien öffentliche Stellen wie Polizei, Datenschutzbeauftragte, Beratungsstellen gefragt. Er kritisierte Facebook, das gezielt um Kinder und Jugendliche werbe.

Opfer des Internets können auch die Frauenhäuser selbst werden: Internetdienste oder regionale Portale listen die Gebäude – die eigentlich streng darauf achten, ihre Anonymität zu wahren – mit voller Adresse auf oder zeigen den Standort in einer Karte an. „Es ist hochgradig schwierig, das löschen zu lassen“, so Anita Brüning vom Frauenhaus Norderstedt. Gerade die großen Anbieter wie Facebook oder Google reagierten selten auf diese Bitten. „Denen ist der Schutz völlig egal“, sagte Astrid Ackermann.

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Candytechno über Transphobie auf Sexparties:

Unfassbar dass direkt darunter steht dass mensch die sexpraktiken anderer nicht verurteilen sollte und bei missfallen wegsehen kann. (AUSSER BEI EINEM “PENIS”!!!!!!!! DA KANN ICH UNMÖGLICH WEGSEHEN!!!! AU!!!! EIN “PENIS”! AHHH!) Hier wird sicherlich (auch) auf BDSM angespielt. In dem fall ist es erst recht absurd: Eine BDSM szene kann triggern weil es sich um eine konsensuale handlung handeln kann die andere möglicherweise genauso selbst erlebt haben jedoch nicht-konsensual. Eine solche szene zu sehen kann die erinnerung an selbst erlebte situationen wecken und daher triggern. Die verantwortung dafür sich nicht triggern zu lassen wird hierbei den zuschauenden überlassen.

Beim thema genitalien wird übergriffig und transphob definiert wer “als männlich gelesene” genitalien besitze (und wer nicht) gleichzeitig wird die definition niemals deutlich ausgesprochen oder per bild oder gif dargestellt. Es wird davon ausgegangen dass alle wissen welche genitalien “als männlich gelesen” werden. Diese personen sollen sich und ihre genitalien verstecken. Ihnen wird die verantwortung für den cis sexismus den die anderen teilnehmenden evtl internalisiert haben in die schuhe geschoben. Der gedanke dass die genitalien der leute die sich verstecken sollen von anderen als erotisch und begehrenswert empfunden werden findet hier keinen platz. Gleichzeitig werden “alle körperlichkeiten” mit “respekt” überschüttet sodass wut oder empörung über diese formulierung verunmöglicht wird.

Vag*

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Mißbrauchsopfer in amerikanischen Eliteuniversitäten wehren sich gegen sexualisierte Gewalt – während die Unis das lieber unter den Tisch kehren würden:

Der jungen Studentin wurde gesagt, sie könne den Fall an der Uni zwar eröffnen, aber vermutlich würde er fallengelassen. Dieses Risiko war ihr zu groß, wie sie schreibt. Sie habe Angst gehabt, dass dem Täter offiziell Recht gegeben würde. Zuletzt hatte sie zumindest erreichen wollen, dass der junge Mann das Haus wechselt. Doch auch diesem Wunsch sei die Uni nicht nachgekommen.

Scott Berkowitz, Gründer der Organisation RAINN (Rape, Abuse and Incest National Network), sagte dem Fernsehsender ABCNews, dass derlei Vorgehen der Hochschulen typisch sei. Er könne nicht beurteilen, ob sich die Uni in diesem speziellen Fall falsch verhalten habe, aber die Vorwürfe der Harvard-Studentin würden vielen anderen gleichen.

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Mean Mary playin‘ Cripple Creek!

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Schöner Artikel im New Scientist, in dem ein für allemal klargestellt wird, warum Spielzeugpräferenzen von Kindern eben NICHT biologisch bedingt sind:

Newborn boys and girls, untouched by the forces of gender socialisation, supposedly show stereotypical preferences for looking at hanging mobiles versus faces, respectively. And, we are told, girls with congenital adrenal hyperplasia (CAH), who are exposed to unusually high levels of testosterone in the womb, prefer „boy toys“.

But these findings are far less compelling than they appear. For instance, if the preference of female rhesus monkeys for stuffed animals shows that love of dolls is „innate“ in girls, what do we make of the fact that the favourite toy of male vervet monkeys was a stuffed dog, which they played with more than a third longer than a toy car?

Recent experiments, more methodologically rigorous than the much-cited mobiles versus faces newborn study, found no sex differences in the preferences of babies for looking at objects versus faces. Both preferred the latter to an equal extent. And girls with CAH – born with atypical or masculinised genitalia, who undergo intensive medical and psychiatric intervention and have physical characteristics inconsistent with cultural ideals of feminine attractiveness – may be more willing to play with „boy toys“ because of unconsidered effects of the condition on their psychosexual development, rather than because their brains have been „wired for wheels“.

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Die neue Frisurenordnung der US-Armee stellt besoders für Afroamerikaner_innen ein Problem dar:

Feldwebel Jasmine Jacobs hat nun eine Petition an das Weiße Haus gestartet, um die strengen neuen Regeln zu kippen. Mehr als 10.000 Unterstützer hat sie schon. Jacobs trägt zwei am Kopf entlang geflochtene Zöpfe und erklärte der Zeitung „USA Today“, sie sei nun ratlos, was sie künftig mit ihrem Haar anfangen solle. „Meine Frisur entsprach den bisherigen Regeln. Sie hat mich beim Tragen eines Helms nie behindert.“

Laut „Washington Post“ kommt die neue Dienstvorschrift genau zu einer Zeit, in der immer mehr afroamerikanische Frauen zum natürlich krausen Look zurückkehren. Die Zahl derer, die ihre Haare künstlich glätten, sei auf 30 Prozent gesunken. Der Absatz von chemischen Glättungsmitteln habe in den vergangenen fünf Jahren um 26 Prozent nachgelassen.

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Menschenhandel – Interview mit Jes Richardson, direkt davon betroffen:

Der erste Schritt ist, eine Brücke der Verständigung, des Mitgefühls, der Liebe und Demut zu bauen. Wie können wir zwei Gruppen vereinen, ohne ein tiefes Verständnis der Erfahrungen und Meinungen der jeweils anderen zu haben? Anti-Menschenhandels-Organisationen und Einzelpersonen sind mit der Behauptung, dass die GESAMTE Prostitution Menschenhandel oder Sklaverei ist unglaublich verletzend gewesen und Sexarbeiter*innen entgegnen mit einer entsprechend starken Meinung. Wir alle müssen die Erlaubnis haben, zu wachsen und unsere Ansichten zu ändern, niemand von uns ist perfekt und es gibt keine Erfahrungen, die identisch sind; wir müssen voneinander lernen. Selbst meine eigene Sprache hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, weil ich immer mehr verstanden habe. Ich bin eine Expertin in meinen eigenen Erfahrungen und ich verstehe, dass andere Menschen zwar das gleiche Label haben, dass aber ihre Erfahrungen ganz anders sein könnten als meine eigenen. Beide Seiten müssen unvoreingenommen an einen hypothetischen Tisch kommen, aufrichtige Entschuldigungen müssen gegeben und angenommen werden und dann können wir uns als ein kollektives Ganzes voranbewegen.

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Wie umgehen mit Nazinachwuchs im Kindergarten?

Im Rahmen des Projektes „Eltern stärken“ bietet [Eva Prausner] seit vergangenem Jahr Seminare für Erzieher aus Berlin und Brandenburg an, weil es zunehmend Nachfragen aus Kindertagesstätten gibt. Den Erziehern waren bei Eltern umstrittene Symbole wie Runen-Tattoos oder Zahlencodes auf T-Shirts aufgefallen. Ein Kursteilnehmer erzählte ihr, dass ein rechtsextremes Elternpaar forderte, keine Fotos zu machen, auf denen das eigene Kind mit einem Kind anderer Herkunft zu sehen sei. „Es ist besonders wichtig, dass sich der Kindergarten ein Leitbild gibt. Also sich darauf festlegt, dass rechtsextreme Ideologie nichts in der Einrichtung zu suchen hat. Dies muss auch den Eltern kommuniziert werden“, sagt Prausner. Manche Kitas hätten sich sogar mittlerweile entsprechende Hausordnungen gegeben.

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Warum der Fall Oury Jalloh endlich gründlich und ohne Tabus untersucht werden muß:

Im Fall Oury Jalloh gehen dessen Freunde schon lange davon aus, dass er sich nicht selbst angezündet hat, sondern ermordet wurde. Für die Ermittler war dies bisher undenkbar, nun scheint sich das Tabu etwas zu lockern.

Doch auch wenn nun hoffentlich alle naheliegenden Fragen gestellt werden, dann gelten am Ende doch rechtsstaatliche Grundsätze. Nur weil die Selbsttötung Jallohs unwahrscheinlich war, ist ein Mord von Polizisten oder Dritten noch nicht bewiesen.

So könnte es zwar sein, dass Polizisten Jalloh misshandelt haben und dann durch einen Brand in der Arrestzelle die Spuren verwischen wollten. Naheliegend ist das aber keineswegs. Polizisten haben genug Erfahrung, Verletzungen auf der Polizeiwache zu erklären, gerade bei einem betrunkenen und aggressiven Mann. Es ist abwegig, dass sie deshalb einen Mord begehen, der soviele Fragen aufweist und sie erst recht verdächtig macht.

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Gewalt bei der Bahn – trifft auch die Bahn Security immer mehr:

Es ist einer der schwersten Vorfälle der vergangenen Monate, doch die Zahl der Übergriffe gegen Mitarbeiter der Bahn steigt seit Jahren stetig an. 2013 erreichte sie einen neuen Rekord: Ganze 1199-mal wurden Sicherheitsleute und Zugbegleiter Opfer von Körperverletzungen. Das geht aus dem Sicherheitsbericht hervor, den die Bahn an diesem Mittwoch vorstellen wird. Im Jahr zuvor waren es noch etwa 200 Vorfälle weniger gewesen. Es scheint ein gesamtgesellschaftliches Phänomen zu sein, auch Übergriffe gegen Polizisten nehmen zu. Bei der Bahn ist man dennoch alarmiert über den 20-prozentigen Anstieg. „Unsere Kollegen sind kein Freiwild“, sagt Gerd Becht, der im Konzernvorstand für das Thema Sicherheit zuständig ist. „Wir dulden keine Gewalt.“

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Über G8/9, Stadtteilschulen und Vielfalt im Klassenzimmer:

Für meine Kritik liefere ich jetzt noch ein paar Zahlen nach: Dem aktuellen Run auf die Gymnasien schadet es nämlich ganz offensichtlich nicht, dass das Abitur in acht Jahren den Kindern (zumindest nach Ansicht von uns Eltern) extremen Stress aufbürdet: Obwohl sich eine deutliche Mehrheit in einer Umfrage des Hamburger Abendblatt gegen G8 ausgesprochen hat, steigen die Zahlen der Anmeldungen, anstatt zu sinken. Die Angst vor dem Stress für die Kinder scheint immer noch kleiner zu sein als die Angst davor, dass das eigene Kind auf eine Schule geht, auf die jeder gehen kann.

Das wirklich Unangenehme an dieser Situation ist, dass sie für jeden Einzelnen unlösbar ist, während wir aber alle einzeln und allein sind. Denn als Eltern haben wir letztlich immer nur unsere eigenen Kinder im Blick, und so gehört sich das meiner Meinung nach auch. Ich bin sehr für die Lösung gesellschaftlicher Probleme, für Integration und Toleranz und alles mögliche andere, aber da, wo ich wohne, ist das ein Bekenntnis, das tatsächlich Folgen hat.

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Jakob Augstein interviewt Constanze Kurz
vom CCC:

Wieso sähen Politiker aus dem Osten, z.B. Merkel und Gauck, die die Einschränkungen der Freiheit erlebt hätten wie Constanze Kurz, die Bedrohungen nicht, die sich durch diese Entwicklungen für die Freiheit und die Menschenrechte auftun, sorgte sich Jakob Augstein. Constanze Kurz meinte dazu, die sähen das durchaus, aber die hätten eigentlich keine Wahl, denn sie hätten weniger Furcht vor dem „Abschnorcheln“ ihrer Daten als davor von wichtigen Daten abgeschnitten zu werden. Eine interessante Perspektive.

Allerdings sei es doch ziemlich „schräg“, wenn die deutsche Wirtschaft beginne, ihre „Überwachungssorgen“ .zu artikulieren, meinte Augstein, aber Constanze Kurz schränkte ein, dass die großen Wirtschaftsverbände eher USA-dominiert seien. Kontinentale Netze seien keine Lösung meinte Constanze Kurz. Wir alle nutzten die USA-Anbieter.

Porn Studies, Vorratsdatenspeicherung & LSD-Therapie

Impostorsyndrom, Europarat will schwedisches Prostitutionsmodell, therapeutischer Nutzen von LSD, Porn Studies, gestrichene Deutschkurse für Migranten, Alltagsrassismus, Veränderung und Wandel, Bye-Bye Vorratsdatenspeicherung, Flüchtlingsdatenprojekt und Freedom’s just another word for nothing left to lose.

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Passiert nicht oft, aber den Spiegel kann man diese Woche wegen der Titelgeschichte ziemlich empfehlen.
Perfekt ist der Artikel nicht, aber er trägt zur Entspannung bei, besonders nach PorNo und vor allem der Edathy-Affäre. Schließlich ist es wünschenswert, daß ein Prüderiebacklash verhindert wird, bevor er zu große Ausmaße annimmt.
Lesenswert, diskutierenswert!


Screenshot aus d. aktuellen Onlineausgabe

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Antje Schrupp über cambiamento e trasformazione, „Veränderung“ und „Wandel“ :

Mir wurde bei dieser Unterscheidung klar, warum ich so vieles von dem, was medial gesendet wird, so unglaublich langweilig finde: Es wird so oft in höchster Aufgeregtheit über cambiamentos geplappert, während kaum jemand die Perspektive einnimmt, gegenwärtige trasformaziones informativ zu begleiten.

Auch was “revolutionäre” Politik betrifft, so ist diese Unterscheidung interessant. “Revolution machen” wurde bisher meist als strategische Herbeiführung von Veränderungen verstanden (Regierung absetzen, neue Regierung inthronieren) während meiner Ansicht nach zu wenig Aufmerksamkeit auf den Prozess der Transformation gelegt wurde (ich glaube, das war es auch, was hinter meiner Kritik an Žižek steht).

“Transformative” Politik, meint Annarosa, bedeutet nicht in erster Linie das Herbeiführen von Veränderungen (à la Frauenquote, Regierungswechsel, neues Gesetz für dieses und jenes), sondern die praktische_denkerische Begleitung eines Transformationsprozesses, den man weniger aktiv “herbeiführt” als vielmehr passiv “erleidet”, doch genau durch dieses sich Einlassen ergeben sich Handlungsoptionen, die dann dafür bedeutsam sind, in welche Richtung dieser Prozess geht, zum Besseren oder zum Schlechteren.

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Wichtig! Datenprojekt zu Flüchtlingsschicksalen:

Das Projekt „The Migrants‘ Files“, das eine Arbeitsgruppe europäischer Journalisten unter anderem von der Neuen Züricher Zeitung, El Confidencial und Le Monde diplomatique erarbeitet hat, ist genau deshalb so wichtig. Die Journalisten haben einen detaillierten Datensatz zu Todesfällen und Vermisstenmeldungen zusammengestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, inklusive Graphiken, Texten und vielen Hinweisen auf die Primärquellen. Auch hier geht es um Zahlen, doch sie erzählen die ganze grausame Geschichte.

Im Mittelpunkt steht die Zahl 23 000. So viele Menschen sind den „The Migrants‘ Files“ zufolge seit dem Jahr 2000 auf dem Weg nach Europa ums Leben gekommen oder als vermisst gemeldet worden, viel mehr als bisher angenommen. Es ist diese Zahl, die das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt und nicht nur ein Detail. Darüber hinaus widmeten sich die Journalisten aber auch den veränderten Migrationswegen, geben Einblick in die „Dynamik der Migration“.

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Neverending Alltagsrassismus
, weltweit:

“ I am willing to show #Asian community I care by introducing the Ching-Chong Ding-Dong Foundation for Sensitivity to Orientals or Whatever – „

Suey Park, eine Asian-American Twitter-Aktivistin und Autorin, nahm diesen Witz zum Anlass, das Hashtag #cancelColbert zu starten, um sich gegen Alltagsrassismus zu wehren. Schon in der Vergangenheit hatte sie mit #notyourasiansidekick zu einer Diskussion über Rassismus gegen AsiatInnen beigetragen. Grund genug für die Huffington Post mit ihr per Google Hangout über den Vorfall zu sprechen. Der Interviewer jedoch war wenig respektvoll – er nannte Parks Meinung „dumm“, was entscheidend zur Eskalation beitrug.

Sie brach das Interview ab und machte ihrem Ärger auf Twitter Luft. #CancelColbert gab das noch mehr Auftrieb. Was folgte, waren Androhungen von Mord und Vergewaltigung gegen Park, noch mehr Rassismus und ein veritabler Shitstorm. Ein lesenswerter Artikel zeigt einen möglichen Grund, warum die Reaktionen gegen Park so heftig waren: Die Medien seien laut werdende, mächtige Asiatinnen nicht gewohnt.

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An ein derart deutliches Zeichen hatte ich ja eigentlich schon nicht mehr geglaubt, aber ich irre mich hier gern: die EU kippt doch tatsächlich die Vorratsdatenspeicherung!

Wer nun weitermacht und immer noch die Vorratsdatenspeicherung fordert, so wie Innenminister Thomas de Maizière, hat die Richter missverstanden. Denn die haben Datensammlung zwar nicht vollständig verboten, aber nur als letzten Ausweg erlaubt, unter strengsten Vorgaben, wenn sie unbedingt notwendig ist.

Ist es wirklich notwendig, für alle Bürger detaillierte Profile anzulegen? Davon kann keine Rede sein. Beweise für die Notwendigkeit sind die Scharfmacher bisher schuldig geblieben. Studien legen sogar das Gegenteil nahe. Weil aber vernünftige Polizeiarbeit besser geeignet ist, Straftaten aufzuklären und öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, gilt: Die massenhafte Überwachung Unschuldiger ist unverhältnismäßig, der Generalverdacht eine Beleidigung für jeden Bürger.

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Natürlich könnte man die Kohle für aufwendige Überwachungsmaßnahmen auch anderweitig verwenden, zum Beispiel in Deutschkurse. So von wegen direkte Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, Integration, innenpolitisch friedliche Zustände, weniger Sozialleistung vonnöten… solch Zeugs eben… ahem.

Die TeilnehmerInnen lernen auch, Bewerbungen zu schreiben und können ein Praktikum machen, mit dem Ziel, die Chancen auf eine Ausbildung und Integration in den Arbeitsmarkt zu erhöhen. „Ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist ein Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt sehr schwierig“, sagt Anja Göldenitz vom Schweriner Netzwerk Arbeit für Flüchtlinge. „Das Streichen der Kurse bedeutet einen Rückschritt in der Migrationsförderung in Deutschland.“

Hintergrund für den Antrags-Stopp ist das Auslaufen der Förderperiode des Europäischen Sozialfonds Ende 2013. Für das Sprachkurs-Programm standen laut Bundesarbeitsministerium 230 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Nachfolgeprogramm startet erst 2015. Eigentlich sollte bis dahin noch Geld da sein: Noch im Januar wurden die Träger vom BAMF informiert, dass Kurse bis Ende September beginnen könnten. „Damit soll ein möglichst lückenloser Übergang zwischen den beiden Förderperioden sichergestellt werden“, hieß es in dem Schreiben.

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That’s the spirit!

Rock on

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In Solothurn wird an einer der wenigen Orte überhaupt am therapeutischen Nutzen von LSD geforscht:

Die Substanz selbst ist beim Therapieprozess nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. „LSD ist kein Angstlöser, es wirkt auf den ganzen Menschen. Es führt zu einer existenziellen Begegnung des Menschen mit sich selbst“, sagt Gasser. Die Therapie zielt deshalb auch darauf ab, den Patienten tiefe Einblicke in sich selbst zu geben. „Mit LSD gelangt man schnell an die entscheidenden Punkte“, sagt Gasser. Als Therapeut gibt er seinen Patienten nichts vor, weder eine Richtung noch ein Ziel. „Ich bin nur das Kabinenpersonal“, sagt Gasser, „Piloten sind die Substanz und der Patient.“

Wohin die Reise in den Rausch führt, weiß vorher niemand. Genauso wenig, ob die intensiven Erfahrungen der Patienten angenehm sind oder Schlechtes an die Oberfläche bringen. Beides sei Bestandteil des LSD-Trips, sagt Gasser, und lasse sich in der Nachbereitung auffangen.

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Der Europarat will einen gesetzlichen Umgang mit Prostitution nach schwedischem Modell. Nicht gut.

Der Europarat ermahnt die Regierungen in Europa zu mehr Engagement gegen Menschenhandel und Prostitution. Als Vorbild nannten die Abgeordneten Schweden, wo der Kauf von Sexleistungen verboten ist. Der Kunde wird bestraft, die Prostituierte aber bleibt straffrei. Der Menschenhandel mit Frauen sei in Schweden seither stark zurückgegangen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Ein generelles Verbot der Prostitution lehnte die Versammlung indes ab. Dies verschlimmere häufig die Situation der Opfer von Menschenhandel, hieß es in der Debatte.

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Die Femgeeks sprechen über das Impostor Syndom

Impostor Syndrome bezeichnet eine Situation in der sich eine Person wie ein_e Betrüger_in fühlt, da sie denkt, dass ihre Leistungen und Fähigkeiten bei weitem nicht so gut sind, wie die der Personen um sie herum. Für gewöhnlich sind ihre Leistungen aber (mindestens) genau so gut und die Person hat unrealistisch hohe Anforderungen an sich selbst, nicht aber an andere. Dies tritt besonders dann in Erscheinung, wenn die eigene Arbeit konstant von anderen begutachtet wird, zum Beispiel in der Open Source Entwicklung oder im akademischen Bereich.

Oftmals kommt diese Einschätzung der eigenen Fähigkeiten mit dem Gefühl, dass irgendwann alle herausfinden werden, wie unfähig man wirklich ist. Obwohl die damit verbundenen Gedanken und Gefühle prinzipiell jede_n das ein oder andere Mal überkommen können, kommt das Impostor Syndrome häufig bei Frauen vor. Es spielt vor allem in Bereichen wo Frauen eine Minderheit darstellen eine Rolle und ist daran beteiligt, dass sie sich weniger oft einbringen. Ich nehme an, dass dies auch für andere Minderheiten zutrifft. Wenn sich betroffene Personen einbringen, ist dies oft mit höherem Stress verbunden und im schlimmsten Fall können die Selbstzweifel in Kombination mit anderen Faktoren (z.B. Belästigung, Diskriminierung) Anlass dazu geben die Umgebung zu verlassen.

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Werbungsfallen, Musikmythen & Ruby Cups für Kenia

Praktikum im Tantrastudio, Google Naps, Frauenhaß weltweit, keine_r kennt Naturwissenschaftlerinnen, mobile Werbungsfallen, Teenager werden sexuell toleranter, Ruby Cups und Schulbildung, Shocking Music Myths, fehlende Vulven in Nymphomaniac und Bechdeltest gut für Filmerfolge.

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Menstruation als Grund, nicht in die Schule zu können? Es gibt Gegenden, wo das durchaus der Fall ist. Das Missy Mag berichtet, wie Ruby Cups helfen – und wie Ihr bei dem Projekt helfen könnt:

Da vielen Mädchen in dritte Welt Ländern keine Pads, Tampons oder Binden zur Verfügung stehen und die Angst besteht, öffentlich Flecken auf der Kleidung zu tragen, bleiben viele von ihnen zuhause. Jeden Monat eine Woche zu fehlen, macht insgesamt ungefähr 20% der gesamten Schulzeit in einem Jahr aus. Ein großer Teil der Bildung wird von vielen Mädchen deswegen nie erlangt und hat oft als Konsequenz, dass Mädchen die Schule letztendlich abbrechen.

Hier kommen die Ruby Cups ins Spiel. Aufgrund dieser Erkenntnis, das die Periode manche Mädchen von der schulischen Bildung fernhält, wurde die Organisation mit demselben Namen („Ruby Cup“) von Veronica D’Souza, Julie Weigaard Kjær and Maxie Matthiessen in 2011 gegründet. Ihre Erfindung, der Ruby Cup, ist eine hygienische, gesunde und zugleich umweltfreundliche Alternative zu Binden und Tampons, die aus Silikon der medizinischen Güteklasse besteht und von Mädchen auf der ganzen Welt bis zu 10 Jahre wiederverwendet werden kann.

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Über Frauensexualität ohne Vulva im Film kann man in der neuen Ausgabe der an.schläge lesen:

Die Vulva, Vagina, Muschi, Möse oder wie wir sie auch nennen wollen ist das primäre weibliche Geschlechtsorgan. Hier befindet sich die Klitoris, die auch hinsichtlich ihrer Größe einen mit dem Penis vergleichbaren Schwellkörper darstellt. Die Vorzeigemuschi jedoch, wie sie in Mainstream-Pornos zu sehen ist und wie Schönheitschirurgen sie aktuell auf der ganzen Welt als Idealbild etablieren wollen, versteckt dieses Potenzial: Schamlippen sind pfui, der sensible Kitzler idealer Weise ebenfalls unsichtbar. Am besten Mann sieht nichts außer eine Brötchen-ähnlichen Schlitz – ein Bild, das zugleich kindlich wie auch auf paradoxe Weise asexuell wirkt. Die Vagina wird also selbst dann versteckt, wenn sie gezeigt wird, bzw. ihre Darstellung dient der ästhetischen Befriedigung des männlichen Auges, nicht aber der Sichtbarmachung der weiblichen Sexualität. Claudia Richarz und Ulrike Zimmermann gehen in ihrem Dokumentarfilm „Vulva 3.0“ gar so weit anzudeuten, der Unterschied zwischen einer Labioplastik und der auch als Genitalverstümmelung bekannten genitalen Beschneidung der Frau sei nur ein definitorischer. Diese Dokumentation ist wie die US-amerikanische Satire „Teeth“ hilfreich bei der Analyse der vaginalen Lücke, die in von Triers Film klafft. Bissige Muschi. In „Teeth“ steht die konservativ erzogene Protagonistin ihrer sexuellen Entwicklung weitgehend ratlos gegenüber, zumal sich ihre Muschi als äußerst bissig erweist. Die Vagina Dentata ist hier eine Metapher für die als Bedrohung empfundene Sexualität der Frau.

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Frauenhaß weltweit – gute Analyse bei Zeit online:

In Russland sterben Schätzungen zufolge jährlich mehr als 14.000 Frauen, weil ihre Männer sie prügeln. Im Iran wurden in diesem Jahr an zahlreichen Universitäten Studentinnen von mehr als 70 Studiengängen ausgeschlossen, weil diese sich angeblich nicht für die weibliche Natur eignen. In Asien werden Millionen weibliche Föten abgetrieben, denn die Nachricht, ein Mädchen zu bekommen, bedeutet für die Eltern meist kein Glück, sondern eine Tragödie wegen der späteren Mitgift, die die Familie womöglich ruinieren wird. In Ägypten wiederum hat sich seit dem Sturz Mubaraks die Situation der Frauen verschlechtert. Die junge Bloggerin Aliaa Elmahdy musste ins Ausland fliehen, nachdem sie aus Protest Nacktfotos von sich veröffentlicht hatte; zudem berichten Aktivistinnen davon, dass die Misshandlungen von Frauen massiv zugenommen haben – und die Polizei nichts dagegen unternimmt. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen, und sie würde auch Europa nicht auslassen. All diese Taten haben einen gemeinsamen Nenner: den Hass auf Frauen und die Dämonisierung ihrer Weiblichkeit.

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Gegen die Langeweile: Top 10 most shocking Music Myths!

Und hier Teil 2:

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Es geht in die richtige Richtung; Jugendliche werden in sexuellen Dingen toleranter:

Toleranz und Reflektiertheit sind enorm gestiegen. So können sich 62 Prozent der Jungen vorstellen, mit einem Homosexuellen befreundet zu sein. 1990 waren das noch 27 Prozent. Bei den Mädchen stieg der Anteil von 62 auf 91 Prozent. Wobei die Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt bildungsabhängig ist.
(..)
Weniger gebildete männliche Jugendliche erleben eine brüchigere Männlichkeit. Aufgrund ihrer vielfach schwierigen Lebenslage und der sozialen Benachteiligung haben sie Männlichkeitsdefizite, die sie unter anderem über Schwulenfeindlichkeit kompensieren und abwehren.

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Praktikum im Tantrastudio
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Außerdem musste ich irgendwie meiner Uni vermitteln, was ich mir als Praktikumsstätte ausgesucht hatte. Das ging leichter als erwartet: Ein Anruf, ein offensichtlich schwer verwirrter Praktikumsbeauftragter, ein bisschen gutes Zureden – und schon hatte ich die Erlaubnis. Nur beim Praktikumsbericht stieß ich an meine Grenzen. Gelten erotische Massagen als soziologische Kernkompetenz? Anscheinend schon.

Ich meine, ich habe ja nicht nur fremde Penisse bewundert. Meistens jedenfalls. So konnte ich unter „berufsbezogenen Fähigkeiten“ auch voller Stolz Flyergestaltung, Online-Werbung und überragende Kaffeekochkünste vermerken. Bei einem normalen Nebenjob als Studentin wäre das ja auch nicht so schlimm gewesen, aber für das Praktikum musste ich nachweisen, etwas zu können. Was ja sowie nicht gerade meine größte Stärke ist. Aber letztendlich wurde mein Praktikum im Tantrastudio von der Uni anerkannt und alle waren glücklich. Besonders ich.

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Weibliche Naturwissenschaftler
haben sich immer noch nicht etablieren können, zumindest nicht in den Köpfen:

Isambard Kingdon Brunel. 19th century mechanical and civil engineer. Pioneer of public transportation. British. And the name that 12% of people gave when asked to name a famous female scientist, despite the fact that he’s a dude.

The poll of close to 3,000 everyday Joes and Janes in the UK was conducted by market research firm YouGov and advocacy organization ScienceGrrl and coincides with the latter’s Through Both Eyes report, which focuses on the hurdles women face when it comes to entering STEM (science, technology, engineering, math) fields. One of those hurdles: A lack of female role models.

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Immer beliebteres „Geschäftsmodell“ scheint es zu sein, Kinder mit mobiler Werbung in Zahlfallen zu locken:

Dort unten links in der Ecke – genau dort also, wo man sich hinter dem i-Button nähere Informationen erhofft, findet man einen kaum lesbaren Hinweis darauf, was tatsächlich passiert, wenn man auf das Banner klickt bzw. tappt: Der Betrag von € 6,99 wird abgebucht. Und zwar nicht nur einmal, sondern in jeder der folgenden Wochen neu.

Eine Art, wie das technisch funktioniert, hatte ich in diesem Artikel vor zwei Jahren beschrieben, geändert hat sich ganz offenbar seitdem nichts. Wenn der betroffene Mobilfunkvertrag nicht durch die explizite Sperrung des “Inkassos für Drittanbieter” abgesichert wurde oder der jeweilige Provider diese Abbuchung durch Dritte gar nicht erst zulässt, wird die Summe regelmäßig abgebucht. Und zwar so lange, bis der Betroffene die Abbuchungen bemerkt hat und dann auch noch herausgefunden hat, wie er das Abo stoppen und kündigen kann. Denn selbst, wenn der Mobilfunkbetreiber seinem Kunden mitteilt, wer von dessen Konto abbucht, ist das sicher nicht die Firma “Arschlochwerbung AG” mit Telefon und Sitz in Mannheim, sondern wohl eher nur der Startpunkt eines Unternehmensgeflechts, dass sich ganz dem Bereich der mobilen Abzocke verschrieben hat.

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Offensichtlich sind Filme, die den Bechdeltest bestehen, alles andere als finanziell riskant:

Im US-amerikanischen Online-Medium „Five Thirty Eight“ hat Walt Hickey nun eine Studie zum Bechdel Test durchgeführt und Bestehen oder Nicht-Bestehen dem wirtschaftlichen Erfolg gegenüber gestellt. Analysiert wurden 1615 Filme, die zwischen 1990 und 2013 veröffentlicht wurden. Filme, die den Bechdel-Test bestanden, hatten im Mittel ein niedrigeres Budget.

Jedoch widersprach der Test einem in Hollywood vebreiteten Mythos: Dem nämlich, dass Frauen in der Hauptrolle „Kassengift“ seien. Tatsächlich ergab die Studie sogar das Gegenteil: Filme, in denen echte Interaktion zwischen Frauen stattfindet, erwiesen sich als finanziell erfolgreicher.

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Die Idee find ich klasse: eine Weltkarte für Nickerchen!

Wo lässt sich in fremden Städten am besten ein Nickerchen machen? Die klar zweckorientierte Weltkarte Google Naps sammelt Ausflugstipps für die Mittagspause, von der Wiese bis zur Parkbank. Wer will, kann auch selbst Empfehlungen beisteuern.

Vor einigen Tagen gestartet, bietet Naps mittlerweile eine beachtliche Zahl Empfehlungen. In Deutschland allerdings ist das Angebot noch überschaubar. Empfohlen werden zum Beispiel eine Bank im Hamburger Park Planten un Blomen und die Wiese vor der Alten Pinakothek in München – beides keine Geheimtipps, aber zumindest Plätze, die den Anforderungen für einen Mittagschlaf gerecht werden.

Simphiwe Dana, Margaret Atwood & „Frauen wie andere auch“

Genies mit Misogyniebonus, Street Harassment, Mindestlohn, Simphiwe Dana, Umgang mit Rechtspopulismus, Sexismus in Videospielen, „Frauen wie andere auch“, Homophobie abbauen, „nichtdeutsche“ Vornamen nachteilig bei Jobsuche und Interview mit Maragret Atwood.

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Gesetzesentwurf zum Mindestlohn – hier isser nun, der Schweizer Käse:

Wer geht leer aus? Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten, in denen sie auf einer neuen Stelle arbeiten. Als langzeitarbeitslos gilt, wer offiziell ein Jahr lang arbeitslos war. Zuletzt waren das rund eine Million Personen.

Und wer muss noch verzichten? Zum einen Lehrlinge und ehrenamtlich Tätige. Sie sind keine Arbeitnehmer. Außerdem profitieren Jugendliche unter 18 Jahren nicht von den 8,50 Euro. Damit will die Bundesregierung verhindern, dass junge Erwachsene eine Ausbildung verschmähen, weil ihnen ein okay entlohnter Schülerjob wichtiger ist.

Etwas knifflig wird es bei den Praktikanten: Jugendliche, die ein Pflichtpraktikum für die Schule, im Rahmen der Ausbildung oder für das Studium absolvieren, haben keinen Anspruch auf 8,50 Euro. Wer freiwillig zur Orientierung für eine Lehre oder ein Studium oder ausbildungs- oder studienbegleitend ein Praktikum absolviert, hat zumindest in den ersten sechs Wochen keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Danach schon.

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Wie sich Homophobie abbauen läßt (Stichwort: mühsam nährt sich das Eichhörnchen…), mit guten Quellenangaben/Links!

Warum die Vorbehalte gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Trans*-Personen noch immer hoch sind, hat auch viel mit Unkenntnis zu tun. Unbekanntes erzeugt Unbehagen, Vertrautes erzeugt Sympathie. Dieser „Mere-Exposure-Effekt“ ist eine fundamentale psychologische Gesetzmäßigkeit, die auf Musik, Werbebotschaften, Personen und vieles andere gleichermaßen zutrifft (Bornstein, 1989).

Viele Menschen kennen Lesben und Schwule nicht persönlich, sondern nur vom Hörensagen oder aus den Medien, wo sie nicht selten als Exoten, Witzfiguren oder sexbesessene Partymenschen dargestellt werden. Wer jedoch feststellt, dass eine Freundin lesbisch oder ein Kollege schwul ist, dessen Einstellung zu Homosexuellen verbessert sich meist (Smith, Axelton & Saucier, 2009). Dies gilt besonders für Menschen, die Homosexualität aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen ablehnen (Cunningham & Melton, 2013).

Wer hingegen nie auf offene Lesben oder Schwule trifft, hält auch stärker an Fehlannahmen fest, etwa darüber, wie sexuelle Orientierungen entstehen. Einige Menschen glauben, dass Lesben und Schwule sich ihre sexuelle Orientierung selbst ausgesucht haben oder dass sie zur Homosexualität verführt wurden. Dies zeigt sich implizit auch in der Baden-Württemberger Petition gegen die Thematisierung sexueller Vielfalt in der Schule. Darin wird bemängelt, dass die „negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils“ nicht genügend reflektiert werden würden. Der Autor der Petition meint offenbar, sexuelle Orientierung sei vergleichbar mit einer Lifestyle-Entscheidung. So wie man zwischen Bio-Produkten und konventionellen Lebensmitteln wählen kann, könne man sich auch für oder gegen Homosexualität entscheiden.

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Superschönes Lied, wunderbare Stimme, absolut cooles Video:

Perfekt zum InderSonneliegen&Musikhören!

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Noch präsenter als im Mittelalter ist die Jungfrau in Nöten und anderer Sexismus in Videospielen und Gamercommunitys:

„Bitte krieg‘ Krebs und stirb!“ Wenn Grace solche Nachrichten in ihrem Postfach findet, freut sie sich. Anders als Sarkeesian widmet sie sich nicht dem Umgang mit den Frauen auf dem Bildschirm, sondern mit denen, die die Spiele spielen. Denn Spielerinnen bekommen von männlichen Spielern regelmäßig Beleidigungen und Drohungen geschickt. Grace und drei weitere Frauen machten das öffentlich: Knapp zwei Jahre lang sammelten sie die Aussagen auf ihrer Seite Fat, ugly or slutty. Der Name bezieht sich auf die Eigenschaften, die die Absender Spielerinnen am häufigsten zuschreiben: fett, hässlich oder nuttig.

Grace ärgert sich nicht über die Nachrichten, sie findet sie lustig: „Das ist so absurd: Da spielt jemand ein Spiel, checkt die anderen Gamer aus, tippt mühsam einen Text zusammen und schickt ihn in den Äther. Ein riesiger Aufwand, ohne dass er weiß, was damit passiert.“ Manche Beleidigungen sind durchaus kreativ: In Graces Favorit droht der Absender, eine Zeitmaschine zu bauen, um ein Dinosaurierei zu holen, das Tier großzuziehen und es auf die Spielerin loszulassen.

(Hervorhebung von mir, weil das einfach zu gut ist!)

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Keine große Überraschung: „nichtdeutsch“ klingende Vornamen sind bei der Jobsuche alles andere als hilfreich:

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

Nur nicht aufgeben: Um eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu erhalten, muss ein Kandidat mit typisch deutschem Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit türkischem Namen sieben. Wobei die Kfz-Mechatronik-Bewerber stärker diskriminiert werden. Bei den angehenden Bürokaufmännern deutet sich eine Diskriminierung an, statistisch ist sie nicht signifikant.
Je kleiner das Unternehmen, desto stärker die Diskriminierung: Das könnte daran liegen, vermuten die Forscher, dass größere Unternehmen ihre Bewerber nach einem stark formalisierten Verfahren auswählen, in das mehrere Mitarbeiter eingebunden sind. Dadurch ließe sich auch der Unterschied zwischen Kfz-Mechatronikern und Bürokaufmännern erklären: Die Kfz-Betriebe hatten im Durchschnitt weniger Mitarbeiter.
Ein Anruf für Tim, eine E-Mail für Hakan: Bewerber mit deutschem Vornamen riefen die Unternehmen häufiger an, Hakan und Ahmet bekamen häufiger Post. Darin werden sie häufiger mit Vornamen angesprochen und geduzt.

Und da frag ich doch glatt, was passiert wäre, hätten früher gewisse Leute gesagt, sie wollten keinen Mehmet in Team haben…

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Rasantes taz-Interview mit Margaret Atwood:

Wie fanden Sie Volker Schlöndorffs Verfilmung Ihres „Reports der Magd“?

Ich glaube, Schlöndorff hat die Situation in Amerika nicht so ernst genommen. Er dachte wohl nicht, dass der Roman der Realität so nahe kam. Und es gab noch eine andere Sache: Das Drehbuch war von Harold Pinter, er hatte einen umfangreichen Off-Kommentar für die Hauptfigur vorgesehen, die von Natasha Richardson gespielt wurde. Natasha hat das Voice-Over aufgenommen und ihr Spiel vor der Kamera entsprechend angepasst. Aber dann nahm Volker es wieder heraus! Deshalb wirkt sie im Film wie betäubt, als würde sie weder denken noch reagieren. Natasha hat sich sehr geärgert. Ich finde ja, irgend jemand sollte das Voice-Over wieder einfügen, schließlich war das Original so.

Haben Sie mit Schlöndorff darüber gesprochen, nachdem Sie den Film gesehen hatten?

Nachdem? Wozu?

Hat er Sie gefragt?

Nein. Aber es war interessant, den Film in Berlin aufzuführen, weil gerade die Mauer gefallen war. Wir waren erst in West-, dann in Ostberlin. Im Westen drehte sich die Diskussion um künstlerische Aspekte des Films, nicht das totalitäre Regime, das er zeigt. Im Osten sagten die Leute: „Das war unser Leben.“

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Kampf gegen Rechtsruck – knifflig wird’s immer bei den Feinheiten:

Etwa die Hälfte der befragten Kommunalpolitiker sagte in Interviews, der derzeit praktizierte „ignorierende Umgang“ sei nicht ausreichend – falsche Aussagen blieben ohne Widerspruch und würden dann von den rechtsextremen Mandatsträgern als Tatsachenbehauptung hingestellt. Immer wieder Ablehnung zu zeigen sei wichtig – doch nicht kommentarlos, lautet deswegen eine Empfehlung der Autoren der Studie.

Noch wichtiger sei es, eine gemeinsame Position bei Themen zu finden, die Rechtsextreme außerhalb der Gremien benutzen könnten, um potenziell rechte Wähler zu gewinnen. Beispielsweise bei der Unterbringung von Asylbewerbern. In der Vergangenheit leisteten nicht nur rechtsextreme Gruppen, sondern auch Anwohner häufig Widerstand, sobald bekannt wurde, dass in der Nähe ein Asylbewerberheim eröffnet werden soll. Unter ihnen, so der Bericht, befinde sich ein hoher Prozentsatz an Personen, die rassistischen Aussagen zustimmten. Diese Menschen ebenfalls als Rechtsextreme abzutun, sei gefährlich: Sie würden dadurch ausgegrenzt, eine Auseinandersetzung mit ihrer rassistischen Einstellung finde nicht statt. Dabei sei es besonders wichtig herauszustellen, dass das Recht aus Asyl nicht verhandelbar ist.

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Das Buch „Wir sind Frauen wie andere auch! Prostituierte und ihre Kämpfe“ wird neu aufgelegt und bei dieStandard rezensiert und empfohlen:

Im Kern des Buches selbst sind es Frauen, die sich in Gesprächsprotokollen zu ihrer Arbeit äußern, daneben enthält das Buch umfangreiches Material zur Rechtslage in (damals noch West-)Deutschland oder eine Chronologie der Ereignisse rund um den Generalstreik der Prostituierten in Frankreich 1975. So wichtig, wissens- und lesenswert das ist, die eigentliche Notwendigkeit an diesem Buch sind die Frauen, die hier nicht nur für sich selber sprechen wollen, sondern es mit Witz und Ironie, Klarsichtigkeit, Ehrlichkeit und Würde ganz offensichtlich auch können. Es sind fünf Frauen, die sich in der Gesprächsrunde austauschen, dazwischen stehen immer wieder Zitate von Frauen aus dem Buch „Frauenhäuser. Gewalt in der Ehe und was Frauen dagegen tun“ oder Aussagen anderer Sexarbeiterinnen. Der Ton in der Runde ist rotzig, eine Sprache der Straße, wie man immer gerne sagt. Manche der Frauen sind verheiratet und haben Kinder, andere leben alleine. Manche arbeiten auf der Straße, andere sind Tänzerinnen, wieder andere verdienen ihr Geld in Bars oder Peepshows.

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Charlott legt dar, wie Frauenhass bei Künstlern immer noch gern geflissentlich ignoriert oder verharmlost wird:

Das schreibende Genie, das unberechenbare, wo eben auch mal Gewaltausbrüche “passieren”. Norman Mailer gewann zwei Mal den Pulitzer Preis. Den ersten gerade einmal neun Jahre, nachdem er fast seine damalige Frau getötet hatte. Auf einer Party hatte Mailer Adele Morales, über die es im englischsprachigen Wikipedia heißt, sie sei am besten dafür bekannt, dass sie die zweite Frau Mailers gewesen sei, mit einem Messer erst in die Brust, knapp am Herzen vorbei, und dann in den Rücken gestochen. Eine Person, die der blutenden Morales zur Hilfe eilte, fuhr er an, dass er sie sterben lassen soll. Mailer kam ums Gefängnis drum herum, Morales zeigte ihn nicht an und er bekannte sich der Körperverletzung für schuldig. Die Kulturgeschichte ™ kann darüber hinweggehen. Norman Mailer kann viele Jahre später popkulturell als wichtige Figur inszeniert werden. So sitzt er bei den Gilmore Girls als exzentrischer älterer Herr rum, der ausschließlich Eistee bestellt.

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Schwaben, Gwar & Namensrecht

Schizophrenie, Bodylove, Bodyshaming, Norrie darf „Neutrum“ sein, Gwar-Sänger tot, 20 Jahre neues Namensrecht, Schwaben in Berlin, Sexismus in Belgien vllt. bald strafbar, verschiedene Sexismusformen, brasilianische Männer geben Kleidung schuld an sexuellen Übergriffen.

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Nach 43 Milliarden Jahren ist nun Oderus Urungus tot, möge er in Frieden ruhen.
Unvergessen der Gwar-Auftritt bei Jerry Springer (für Euch „vorgespult“, um Euch den bescheuerten „Rape-Rocker“ der Mentors zu ersparen, der am Anfang auftritt… im Übrigen derselbe Kerl, der später behauptet hat, Courtney Love habe in anheuern wollen, um Kurt Cobain zu töten… ahem).

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Beängstigende Zahlen aus Brasilien – während die Toleranz gegenüber (nicht sexualisierter) physischer Gewalt sinkt, halten immer noch über 60% der Männer „falsche Kleidung“ für die Ursache von sexuellen Übergriffen:

„Frauen mit körperbetonter Kleidung sind selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt werden“ – 65,1 Prozent der BrasilianerInnen stimmen dieser Aussage teilweise oder gänzlich zu. Das zeigt eine umfangreiche Studie, für die 3.810 Frauen und Männer befragt wurden und die gestern vom Institute of Applied Economic Research (IPEA) präsentiert wurde.
(..)
58,5 Prozent der zwischen Mai und Juni letzten Jahres Befragten machen auch das Verhalten von Frauen verantwortlich: Mit „angemessenem Benehmen“ könnten Frauen Vergewaltigung verhindern. Auf der anderen Seite wird physische Gewalt von den Interviewten wenig toleriert: 91,4 Prozent wollen einen Mann, der seine Frau schlägt, im Gefängnis sehen.

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Via.

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Oft betreibt man Bodyshaming, ohne es zu merken; iVillage nennt zehn typische Beispiele:

While it’s fine for you to choose clothes any way you want, nobody else is required to adhere to your style.The person wearing that outfit is, in fact, pulling it off, even if you think she’s too flat chested, big chested, short, tall, fat or thin. And fat people don‘t have to confine themselves to dark colors and vertical stripes, no matter who prefers it. And spandex? It’s a right, not a privilege.

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Sozusagen als Gegenprogramm:


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Belgien plant, sexistische Äußerungen rechtlich zu bestrafen:

Kann man Sexismus verbieten? Ja, findet der Rechtsausschuss des belgischen Parlaments. Er hat vor zwei Wochen einen Gesetzentwurf der Innenministerin Joëlle Milquet abgesegnet, mit dem Äußerungen und Handlungen bestraft werden können, „welche Menschen gezielt auf Grund ihres Geschlechts als minderwertig diskriminieren, oder sie auf ihre Sexualität reduzieren und damit ihre Würde verletzen“. Durch bis zu 13 Monate Haft sowie Geldbußen für Übeltäter sollen vor allem Frauen stärker geschützt werden. Das ist absurd – und doch notwendig.

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Dazu paßt ein Interview über Sexismus mit der Sozialpsychologin Julia Becker:

Becker: Feindlicher Sexismus ist klarer zu erkennen, er taucht aber in unserer modernen Gesellschaft weniger auf. Der wohlwollende Sexismus hingegen kommt häufig vor, auch bei jungen Männern und er ist schwer zu fassen, weil er ja freundlich verpackt ist.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel, wenn eine Frau im Meeting mit gleichgestellten männlichen Kollegen protokollieren soll, weil sie angeblich eine schönere Schrift hat?

Becker: Genau. Oft sind es Verhaltensweisen in mehrdeutigen Situationen, die zuerst schwer zuzuordnen sind. Wohlwollender Sexismus führt dazu, dass Frauen sich weniger kompetent verhalten: Die Forschung hat gezeigt, dass Frauen Matheaufgaben schlechter lösen, wenn sie vorher auf Geschlechter-Klischees angesprochen wurden, als wenn sie die Rechenaufgabe unbedarft angehen.

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Norrie hat vor Gericht gewonnen, nun ist es amtlich: In Australien muß man sich nicht mehr ausschließlich entweder als „Mann“ oder „Frau“ registrieren lassen.

Das Gericht wies jedoch die Forderung von Norrie zurück, man müsse für eine neue juristische Form schaffen, etwa „Intersex“. Das Amt in Sydney wird nun den Antrag von Norrie neu prüfen müssen. Beobachtern zufolge wird der Richterspruch weitreichende Folgen in Bundesstaaten haben, in denen ähnliche Gesetze gelten. „Der Entscheid wird auch für sie bindend sein“, sagte Norrie’s Anwalt Scott McDonald nach dem Urteil.

Es ist durchaus möglich, dass das Urteil auch über die Landesgrenzen hinaus Konsequenzen haben wird. Sein/e Mandant/in sei von „unzähligen Menschen aus Australien und dem Rest der Welt kontaktiert worden, die sich ebenfalls nicht spezifisch identifizieren möchten“.

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Beeindruckender Einblick in das Leben einer an Schizophrenie Erkrankten und ihrer Mutter:

Und Lea, die gern schwieg, hörte nicht zu reden auf, ich wollte Ali besuchen, aber der machte nicht auf, heute sei nicht der Moment, sagte Ali, die Tür zu öffnen, seine Freundin sei bei ihm, ich war dann unterwegs und zog durch die Beizen und heilte viele Leute, legte ihnen meine Hände auf oder lächelte sie nur an. Und irgendwann kam mir jemand entgegen, der schlechte Strahlen hatte, ich rannte los, warf die Jacke weg, ich zog alle Ringe aus den Ohren, schmiss sie ins Gebüsch, auch die Uhr, die du mir geliehen hast, Mama, auch die Schuhe zog ich aus, weil die Metallkappen haben. Weil Metall die Energie fehlleitet.

Jeden Morgen briet sie Tofu, drei Schnitzel, aß sie heiß, dann fuhr Lea nach Luzern, kam abends wieder, reiste am Freitag nach Yverdon, war am Samstag um zehn, weil Ali nicht öffnete, wieder im Dorf, Lea trank Aceto Balsamico aus der Flasche, saugte Senf aus der Tube.

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Das deutsche Namensrecht wird 20, die Veränderungen gehen langsam vonstatten:

Im März 1991 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Regelung von 1958, nach der automatisch der Geburtsname des Mannes gemeinsamer Familienname wurde, falls sich die Ehepartner nicht einigen konnten, für verfassungswidrig. Seit dem 1. April 1994 können Verlobte frei entscheiden, ob sie nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen führen möchten. Andernfalls behält jeder seinen ursprünglichen Nachnamen. Allerdings räumt das deutsche Namensrecht die Möglichkeit ein, auch noch nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen zu bestimmen. Spätestens einen Monat nach der Geburt des ersten Kindes müssen die verheirateten Eltern zumindest festlegen, ob das Kind den Nachnamen des Vaters oder den der Mutter tragen soll. Diese Entscheidung ist dann auch für alle weiteren Kinder bindend.

Ehepaare, die auf einen gemeinsamen Familiennamen verzichten, sind längst keine Ausnahme mehr. In München haben sich beispielsweise im vergangenen Jahr etwa 23 Prozent der Paare für eine getrennte Namensführung entschieden, in Köln waren es 19 Prozent, in Nürnberg 18 Prozent.