Archiv der Kategorie 'Rezensionen'

Wahlkommentar 2013. Das Land ist immer noch verrückt.

Also wieder Mutti…
als Schwabe war es immer nett, sich über die Last der Bayern mit Stoiber lustig zu machen. Dann bekamen wir Öttinger.
Das rächt sich jetzt so ähnlich… was haben wir alle fassungslos geguckt und die Amis für bekloppt gehalten, als die nochmal mit Bush jun. daherkamen! Der Ami aus unserem Wohnheim tat mir da echt leid. Der hat den bestimmt nicht gewählt, aber hui, mußte der in der Folgezeit häufig peinliche Fragen über sich ergehen lassen, der Arme!
Jetzt müssen wohl alle Deutschen im Ausland stellvertretend erklären, was wir uns dabei gedacht haben, uns einen zweiten Kohl ranzuzüchten. Und dann will’s wieder keiner gewesen sein. Wie beim Öttinger.
Andererseits war’s schon klar: die Deutschen sehen sich wohl wirklich lieber in der von Angie repräsentierten Gartenzwergidylle. Wer so ist wie Steinbrück… wenn der in den Garten kommt, müßte man womöglich die Dinger zur Sicherheit vorher wegräumen. Sonst macht der noch die Gartenzwerge kaputt.
Chefzwerg
Schon klar, wer gerade mehr gefragt ist: nicht der polternde Papa, der schreit „Scheiß Laden! Machwer jetzt anders!“ ist das, wonach man sich grad sehnt, eher die gurrende Mutti, die suggeriert, „Och guck, ist doch alles wieder gut!“ Grüß Gott, Herr Freud.
War Steinbrück als Papa Schlumpf mit dem Hauch Bart Simpson gegen Ende gar nicht unüberzeugend, aus seinem Schlumpfdorf ist grad die Luft raus.
Wird aber wohl ohne Peer mit Gargamel koalieren…
Kann auch daran liegen, daß die meisten Koalitionsforderungen der Linken (wegen denen die SPD es ablehnt, mit der Linken zu koalieren) einst selbst typische SPD-Forderungen waren.
Die Linke hat sich hingegen so schlecht nicht geschlagen, aber mit Regierung wird’s wohl nichts.
Pädovergangenheit, Steuer und Veggieday hat wohl die Grünen ruiniert. Andere Gründe fallen mir so spontan nicht ein.
Dafür, wie die Welt nach Snowden ihr Augenmerk auf die Spezialthemen der Piraten gelenkt hat, sind die echt abgesoffen. Schade irgendwie. In dem Bereich müßte zumindest etwas aufgemischt werden. Aber da die Welt sich oft langsamer dreht als der durchschnittliche Nerd – die Themen Daten, Macht, Abhörung werden wichtig bleiben und sie haben jetzt ein paar Jahre, um sich zusammenzureißen, aufzuholen und sich dann richtig reinzuhängen. Möglicherweise aber auch utopisch. Oder die Enthüllungen haben sie derart geschockt, daß sie jetzt die Hosen voll haben und sich nicht mehr trauen, „auf Ernst“ Poiltik zu machen? Derart enttäuscht will man ja nun aber auch nicht werden.
Daß die FDP abkackt, war klar. Aber krass – seit 1949 hocken die doch ununterbrochen in der Regierung – und jetzt sind die unter der 5%-Hürde. Das macht noch nicht mal mehr Spaß, die zu bashen. Aber nein, ich weine nicht. Es könnte sie retten, würden sie auf Daniel Bahr setzen. Da wär evetuell ein Rest Kompetenzshow und Charisma im Ärmel. Wenn nicht, isses aber eigentlich auch wurscht. Ich brauch die FDP jetzt nicht unbedingt.
Intuitiv will man das als positives Signal sehen, daß die Leute die wohl unsozialste Partei überhaupt regelrecht massakrieren.
Aber dann wählen die auch noch AfD. Vergessen wir das also mit dem positiven Signal.
Ja, ich war überrascht.
Ich hätte ehrlich nicht gedacht, daß es tatsächlich so viele Menschen gibt, die eine Partei wählen, die für mich unwählbar ist. Reality Check.
Nun gut.

Nach der Wahl bei Jauch: der AfD-Kandidat darf vom Publikum aus etwas mit in die Runde kläffen, auch als Jauch die AfD als rechts der CSU bezeichnete und Schäuble daraufhin zu Republikanern und NPD überleitete.
Lucke hält das für Diffamierungsversuche, um der AfD zu schaden. Sicher auch nicht ganz falsch, aber nochmal langsam…

Es ist schön, daß wir alle auswendig gelernt haben, daß „rechts“ böse ist. Der Meinung bin ich ja auch, aber wenn wir Begriffe wie „links“ oder „rechts“ oder meinetwegen auch „liberal“ rein deskriptiv und objektiv anschauen, könnte man wohl salopp sagen, „rechts“ bezeichnet die Nationalisten.
Nationalismus kann man jetzt finden, wie man will, für mich ist es nichts, aber per se hat das in Deutschland halt auch Gschmäckle, klingt halt fast so wie Nationalsozialismus. Das haben wir ja nun hoffentlich gründlich gelernt, daß das Pfuibäh war.
Nationalsozial ist die AfD sicher nicht. Da findet sich nicht viel mit sozial.
Keine echten Nazis schonmal, ist doch gut.
Aber national? Somit eben „rechts“ laut meiner Definition? Auf jeden Fall. Schließlich geht es ihnen ja ja speziell um Deutschland und Deutschlands Interessen, das sie über die europäischen Interessen stellen, also sich sehr national abzugrenzen, statt Deutschland als lebendes Gewächs innerhalb eines zusammenarbeitenden Europas zu begreifen.
So national ist nicht mal die CSU, brauch die auch nicht sein, hat den Freistaat eh sicher. Fazit: rechts der CSU ist keine Diffamierung. Ey, steht doch wenigstens dazu.
Wie gesagt: es ist echt schön, wie wir alle gelernt haben, daß „rechts“ pfui ist und als Schimpfwort zu verwenden. Wenn man aber nicht mehr weiß, daß man der Logik nach eben in der Richtung steht, in der auch andere schon mal standen, wäre es geraten, sich zumindest mal damit auseinanderzusetzen.

Ganz perfide wäre nun ja so langfristig eine Verbrüderung von AfD und FDP. So wie aus PDS und WASG einst recht erfolgreich die Linke gezeugt haben. Da wär halt nur die Euro-Sache, gell…
CDU & AfD wär natürlich Alptraum, geht so ja nu auch nicht, aber da halt ich den CDUlern auch zu Gute, daß sie die AfD irgendwie eigentlich immer noch nicht ernst nehmen können. Geht mir genauso, höflich schüttle ich einfach nur stetig den Kopf.

Ganz groß auch der Satz vom Schäuble „…heute ist nunmal Tag des Wählers und…“ – okay. Die Formulierung find ich jetzt schon bemerkenswert. Ich weiß noch nicht ganz, was ich damit anfang, aber irgendwie war da ein „Oha“. Klingt verdächtig nach „Tag des Baumes“. Nur… was hat der den Bäumen je groß gebracht?

Da wären ja dann nochmal die Grünen – wenn die mit der CDU? Grünes Pflänzchen in schwarzer Erde?
Schon ein Experiment, das schiefgehn kann. Die Gefahr, daß die Grünen noch mehr verspießern, ist immer gegeben. Aber es könnt auch was dabei rumkommen.

We‘ll see.

Intersex, Antiziganismus und Reality Rags Zombie-Special

Als Mädel bei High School Programmierkursen, antiziganistische Realitäten, Dirk von Lowtzow über Sexismus in der Indieszene, neue Intersexuellenregelung und Zombie-Special: Gesellschaftskritik in Lucio Fulici-Filmen und was Nirvana damit zu tun haben.

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Das Migazin schreibt eindringlich über antiziganistische Realitäten:

Eine Untersuchung von Artikeln des Medienportals „derWesten.de“7 über die Zuwanderung aus Südosteuropa von Ende April 2008 bis Dezember 2012 kam zu dem Ergebnis,8 dass der überwiegende Teil der Berichterstattung die Zuwanderer als eine ethnisch homogene Gruppe von kriminellen Armutsflüchtlingen darstellt, deren Bräuche und Verhaltensweisen von denen der Mehrheitsgesellschaft abweichen. Positive und differenzierende Diskursfragmente kommen zwar vor, aber nicht in der Qualität und Quantität wie negative Zuschreibungen. Somit wird Antiziganismus in der Medienberichterstattung – zum großen Teil ohne direkte Absicht, sondern durch feste Verankerung antiziganistischer Ressentiments in der Gesellschaft – reproduziert.

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Differenzierte Auseinandersetzung mit der neuen Regelung für Intersexuelle im Personenstandsregister:

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft mir die Verteidiger der natürlichen Geschlechterordnung in irgendwelchen Foren erklärt haben, es gebe nur zwei Geschlechter, weil ihr Gott ihnen das so gesagt habe oder Wissenschaftler es bewiesen hätten.

Als ehemalige Wissenschaftlerin frage ich mich, wie Außerirdische, die frei von unseren Konventionen und unserer sozialen Konditionierung sind, unsere Gattung betrachten werden?

Würden sie auch auf die Idee kommen, dass Menschen so etwas wie ein „Geschlecht“ haben? Ein Geschlecht, das es nur in zwei Ausführungen gibt, alles andere wäre nur ein „Fehler“ der Natur? Oder würden sie empirisch feststellen, dass diese Regel zwar auf 96 bis 98 Prozent der Bevölkerung zutrifft, während zwei bis vier Prozent sich binären Geschlechterkategorien entziehen?

Würden sie (wie viele heute schon) bemerken, dass es einen nicht weiterbringt, allein die körperlichen Eigenschaften zu betrachten – wie dies im Zuge des neuen Gesetzes gerade in Deutschland diskutiert wird?

Um nämlich das „wirkliche“ Geschlecht zu bestimmen, muss man tief unter der Oberfläche graben und sich Chromosomen, Keimdrüsen und Hormonspiegel ansehen. Bestimmt wären viele, die sich ihrer Männlich- oder Weiblichkeit rühmen, erschüttert, wenn sie wüssten, dass sie gar nicht so eindeutig das eine oder das andere sind.

Aus diesem Grund habe ich mit dem Vorschlag, der in Deutschland diskutiert wird, auch so meine Probleme.

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Tocotronics Dirk von Lowtzow über Sexismus in der Indieszene:

Die Indierock-Szene strotzt vor einem gewissen Sexismus. Erstens durch Ausschluss: Es gibt einfach deutlich weniger Mädchen und Frauen, die Indierock- oder Rockmusik machen. Dazu kommt die Art, wie sie oft dargestellt werden. Aber man muss gar nicht die ganz offensichtlichen Sexismen aufzählen. Es gibt auch unterschwelligen Sexismus: Männer-Kumpelei, Beschwörung von Männerfreundschaften, gerne auch gepaart mit einer gewissen Sentimentalität. Das Mädchen war so süß, als es dastand mit seinem Blumenkleid und so. Das finde ich alles ziemlich abscheulich.

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Die computerbegabte Tochter einer IT-Journalistin macht Erfahrungen mit sexistischen Belästigungen – ausgerechnet im Informatikunterricht:

I consulted with friends — female developers — and talked to my daughter about how to handle the situation in class. I suggested that she talk to you. I offered to talk to you. I offered to come talk to the class. I offered to send one of my male friends, perhaps a well-known local programmer, to go talk to the class. Finally, my daughter decided to plow through, finish the class, and avoid all her classmates. I hate to think what less-confident girls would have done in the same situation.

My daughter has no interest in taking another programming class, and really, who can blame her.

For her entire life, I‘d encouraged my daughter to explore computer programming. I told her about the cool projects, the amazing career potential, the grants and programs to help girls and women get started, the wonderful people she‘d get to work with, and the demand for diversity in IT. I took her with me to tech conferences and introduced her to some of the brightest, most inspiring and encouraging women and men I‘ve ever met.

Sadly, you only get one chance to make a first impression, and you, sir, created a horrible one for girls in computer programming.

Did you not see her enthusiasm turn into a dark cloud during the semester? Did you not notice when she quit laughing with and helping her classmates, and instead quickly finished her assignments and buried her nose in a book? What exactly were you doing when you were supposed to be supervising the class and teaching our future programmers?

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Zombie-Special
zu Lucio Fulcis Filmen:
Nachdem ich mir nach langer Zeit wieder Ein Zombie hing am Glockenseil angesehen habe und – obwohl ich den Film mag – in der bisher nie zu entscheidende Frage „Ist das einfach klompletter Blödsinn oder hat das nun wirklich einen tieferen gesellschaftskritischen Sinn, den ich nicht blick?“ nun doch tatsächlich kapiert habe, weshalb der Film (also jetzt nicht nur die Schlagbohrersezene), wie von Fulci behauptet, eigentlich wirklich ein „Aufschrei gegen den latenten Faschismus in Provinzstädten“ ist!

Lustigerweise hab ich festgestellt, daß die meisten inzwischen viel eher einen Ausschnitt einer „Doku“ von anno dazumal kennen, in welcher Ein Zombie hing am Glockenseil als abschreckendes Beispiel gebracht wurde – so ne Art deutsches Reefer Madness, nur mit Zombies:

Goldig, wie sich einer der Papas während dem Film das Lachen nicht verkneifen kann… (mehr…)

Cultural Appropriation & Cultural Paternalism

Hallo!
Erstmal Danke an Reality Rags, dass ich als erste Gastautorin hier schreiben darf – zugleich ist das auch mein erster Blogeintrag überhaupt! Ansonsten kommentiere ich gelegentlich auf (feministischen) Blogs unter dem Namen Lady Lukara.
Das habe ich letztens auch bei der Mädchenmannschaft versucht , eine Diskussion anzuregen (zugegebenermaßen etwas aggro), leider erfolglos, es wurde nicht darauf eingegangen, was ich schade finde. Aber vielleicht hier?
Ich bin selbst person of colour und hätte zu dem Thema „Cultural Appropriation“ (also wenn gerade „westliche“ Menschen sich gedankenlos Dinge aus anderen Kulturen aneignen) vieles zu sagen, gerade weil ich auch betroffen bin. Und deswegen halte ich einen offenen, respektvollen Dialog für wichtig, der auf der Mädchenmannschaft leider nicht entstehen konnte.


(ein weiterer differenzierter Ansatz von „freshfeminism“)

Eins vorweg: Klar ist Cultural Appropriation scheisse. Gerade die besprochenen Kosmetiklinien, die „afrikanisch“ wirken sollen, sind eklig – immer wieder wird so getan, als sei Afrika ein einheitliches Land. Dabei ist es ein Kontinent mit vielen verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen, Ansichten. Es käme ja auch niemand auf die Idee, IsländerInnen und SpanierInnen in einen Topf zu werfen, nur, weil’s beides europäische Völker/Länder sind!
(mehr…)

„Männerkrise“, kitzliger Pinguin & Kohle fürs Bloggen

Morgen ist Demotag!, kitzliger Pinguin, Kohle fürs Bloggen?, Pille & verminderte Libido, die herbeigeschworene „Männerkrise“, „Nice Guys“, kriegt den Arsch hoch!, Kafka auf „Kurdisch“, Diskriminierungen des ZDF, koloniale Straßennamen, Zwangsprostitution von Jüdinnen in Südamerika, Diversität in feministischen Gruppen, belästigende Profs und eine Antwort auf „Frauen, hört auf zu jammern“.

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Tacheles von Alexandra Weiss – das Beschwören der „Krise der Männlichkeit“ drängt Männer in die Opferrolle:

Zum einen haben Männer als Opfer Neuigkeitswert, zum anderen können Ressentiments gegen emanzipatorische Geschlechterpolitik damit offen artikuliert werden. Problematisch ist dabei nicht, die Opfererfahrungen und Verunsicherungen von Männern zur Sprache zu bringen, sondern wie dies geschieht: in Konfrontation und Abgrenzung zum Feminismus, dem die „Schuld“ für die Misere monokausal zugeschrieben wird.

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Die Opalkatze weist auf Veranstaltungen zum morgigen Demotag hin.

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Antje Schrupp befaßt sich mit der Diversität der Mitinitiator_Innen ihres „Denkumenta“-Kongresses:

Ich schreibe das hier auf, weil es mir schon länger im Kopf herum geht, und weil ich mit der Frage: “Wie erreichen wir die anderen?” sehr oft konfrontiert bin. Meistens fragen Leute: “Wie erreichen wir die Frauen?” – Oft wird auch gefragt: “Wie erreichen wir die Jüngeren?”. Mein Rat ist: Vergesst es, ihr “erreicht” sie nicht. Euer Vorhaben, das eigene Angebot für “andere” attraktiv zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Weil schon die dahinter stehende Denkweise falsch ist.

Die “anderen” – und das gilt, so behaupte ich, generell und ist auf alle möglichen Situationen anwendbar – sind keine “Zielgruppe”, die “erreicht” werden muss, sondern sie sind ein Gegenüber. Wer mit ihnen den Austausch sucht, darf nicht versuchen, sie irgendwie “anzulocken”, sondern muss hingehen. Also nicht fragen: “Wie kann ich es erreichen, dass sie sich für mich interessieren?” sondern fragen: “Interessiere ich mich denn überhaupt für sie? Und wenn ja: Warum gehe ich dann nicht zu ihren Veranstaltungen?”

Feminist Diversity!

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Im Standard wird die Pille auf ihre eventuell libidosenkende Wirkung hin untersucht:

„Der Libidoverlust ist eine individuelle Nebenwirkung, die aber durchaus bei mehreren Frauen auftritt“, bestätigt Bibiana Kalmar. „Man muss sich nicht vorkommen wie ein Alien“, ergänzt die Fachärztin für Gynäkologie und Hormonexpertin. Andererseits würden nicht mehr als maximal zehn Prozent aller Frauen, die die Pille einnehmen, an Lustlosigkeit leiden.

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Spannende Diskussion über sog. „Nice Guys“ im Mädchenblog:

Wenn es Dir stinkt, daß Du wegen beschissenen patriarchalischen Männlichkeitsnormen Ablehnung erfährst, dann kannst Du jammern und erwarten, daß andere (Feminist_innen) die Situation für Dich ändern, klar… aber Du kannst Dich auch wie ein Erwachsener verhalten und stattdessen selbst was tun, daß sich die Situation ändert und Dich eben gegen diese scheiß Männlichkeits- und Weiblichkeitsnormen engagieren!
Abgelehnt werden, weil man nicht muskulös/groß/whatev ist? Klar, ist total scheiße. Also: machen wir uns alle auf, das zu ändern. Engagier Dich!
(…) Es wird aber Zet, daß Du das selbst erledigst, aktiv wirst, einen Protest suchst, der individuell zu Dir paßt (ey, und was Dir Empowerment gibt, mußt Du halt selbst rausfinden, das kann Dir keiner abnehmen, weil eben nur Du weißt, was Dich mitreißt) selbst was änderst, statt (metaphorisch gesprochen) zu erwarten, daß „Mama Deine Dreckwäsche sauber macht“.

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„Gestern, Morgen und Heute“ antwortet auf den unsäglichen Spiegel-Artikel „Frauen, hört auf zu jammern“:

Wie unmündig und dämlich ist eine Frau in den Augen der Autorinnen? Traut sie diesen keine gut durchdachte und mit Leidenschaft getroffene Berufswahl zu? Ist es wirklich so, daß das Gros der Arbeitnehmerinnen ihren Lohnerwerb nur aus pragmatischen und bequemen Gründen gewählt hat? Ist es nicht vorstellbar, daß Frau sich sehr bewußt und überdacht für eine Profession entschieden hat?

Frauen sind, wie die Autorinnen richtig feststellen, heute qualifiziert wie nie, haben Möglichkeiten die vor Jahren noch unvorstellbar waren, und entscheiden sich unter diesen Umständen für einen Beruf weil Papi den gemacht hat?

Diese These ist kaum haltbar, erklärt aber in den Augen der Autorinnen wieso Frauen sich (animiert vom Nestbautrieb?) lieber in die Dekorations und Handarbeitswelt zurück ziehen? Ich glaube es hackt.

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Fürs Bloggen bezahlt werden? Hui, das wär schön!

Aber um hier überhaupt nennenswerte Summen einzuspielen, muss nicht nur die Qualität der Artikel top (und leider auch ausreichend populär) sein. Es ist in der Aufmerksamkeitsökonomie des Internets entscheidend, dass die Blogs bzw. die Artikel überhaupt wahrgenommen werden. Hier kommt der nichtmonetäre Teil ins Spiel, wie ein/e Leser/in die Lieblingsblogs unterstützen kann. Und zwar ganz unkompliziert – man muss sich nur der Mechanismen bewusst sein. Für die Blogbetreiber/innen ist es enorm wichtig, dass ihre Artikel angeklickt, geliked und geshared werden. All das hilft, den Blog bekannter zu machen und das Interesse aufrecht zu erhalten.

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Drop the thought hat mal die diskriminierenden „Ausrutscher“ des ZDF gesammelt. Kleine Auswahl:

März 2013, ZDFinfo
Lesben sind als Thema für die 140 Sekunden „unpassend“.
5. Juli 2013, ZDF
Die Impro-Show Durchgedreht hat zwar keine Untertitel, macht sich aber über Gebärdensprache lustig. Tihi.
Juli 2013, ZDF
Für die Übertragungen der Frauenfußball EM 2013 wirbt das ZDF mit kopflosen Menschen, die Hausarbeit machen. Grundlage sind vermutlich die lustigen, tihi, sexistischen Sprüche von 1970, kurz vor der Aufhebung des Verbots von Frauenfußball.
17. Juli 2013, ZDF
In der Nachrichtensendung heute „sorgt“ sich das ZDF um die Beinkleidung von jungen Mädchen, die heute rumlaufen, wie Männer 1961 Fußball spielten. Damals durften die Frauen das ja zum Glück noch nicht.

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Eine Initiative will Münchner Straßennamen, die an Vergehen aus der Kolonialzeit erinnern, umbenennen. Der Stadtrat hat aber keinen Bock auf die Diskussion. Stadtrat Hans Podiuk zeigt dabei ganz deutlich seinen Rassismus – die dummen, ungebildeten Afrikanischstämmigen blickten das mit den Schildern eh nicht:

CSU-Stadtrat Hans Podiuk ist vehementer Gegner von Umbenennungen und findet, dass man es mit dem „friedenstiftenden Kompromiss“ von 2009, der die Erläuterungen an den Schildern brachte, gut sein lassen solle. Würde man überall die heutigen Maßstäbe anlegen, müsste man jede fünfte Münchner Straße umbenennen. „Das kann schon sein, dass sich die betroffen fühlen“, sagt er zum Argument Dipamas, dass man in der afrikanischen Community die Schilder als verletzend empfinde. Er, Podiuk, sei aber sicher, dass der Ausländerbeirat in seinem Engagement von außen beeinflusst sei. Er glaube nicht, dass Afrikaner so gut Bescheid wüssten über die deutsche Kolonialgeschichte: „Die dürfte da nicht so bekannt sein.“

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Eine neue Studie zeigt, wie sehr es schon Normalität ist, daß Studentinnen von ihren Professoren belästigt werden:

Bei einer europaweiten Online-Befragung von Studentinnen im Rahmen des EU-Projekts gendercrime.eu gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, während ihres Studiums sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Auch der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist das Thema vertraut. Die Fälle reichen von Anzüglichkeiten und unerwünschten Einladungen bis zu Übergriffen und Vergewaltigungsdrohungen von Professoren. Sexuelle Belästigung findet sich an jedem Arbeitsplatz. Vor allem aber dort, wo das Machtgefälle zwischen den Statusebenen besonders groß ist und die Chefs männlich sind. Das ergab eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Und es trifft auch auf die Uni zu: Sie ist ein sehr hierarchisch strukturierter Raum – und ein männlich dominierter.

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Awesome: in Diyarbakir verlegt Lal Laleş als Erster Shakespeare, Kafka und Faulkner auf Kurmanci, also kurdischer Sprache:

Lal Laleş hat eine Vision. Dass kurdisch sprechende Menschen in der Türkei in Buchhandlungen und Bibliotheken gehen können und Literatur aus aller Welt lesen können. Auf Kurmanci.
(…) Laleş Vision war aber nicht nur, dass jeder kurdische Autor neben den traditionellen kurdischen Werken auch die Architektur der Weltliteratur kennen soll, um sein Werk darauf aufzubauen. Vielleicht rührt seine Leidenschaft zum Literaturkanon daher, dass sein Vater ihm alle kurdischen Klassiker aufsagen konnte. Natürlich auswendig, denn das Geschichtenerzählen hat eine orale Tradition.

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Informativer Artikel über Zwangsprostitution jüdischer Frauen in Südamerika:

Es ist ein verdrängtes Kapitel jüdischer Geschichte: Zwischen 1860 und 1930 wurden Tausende junger Jüdinnen, die Armut und Antisemitismus entkommen wollten, mit falschen Versprechungen nach Südamerika gelockt. Dort wurden sie zur Prostitution gezwungen – nicht selten von jüdischen Zuhältern.

Empfehlenswert zu lesen wegen dem Informationsgehalt – allerdings in sehr unsensibler Sprache. Allein schon

Jüdische Prostitution in Südamerika

als Überschrift – was da mt den Frauen gemacht wurde, war KEINE Prostitution, sondern Vergewaltigung. Hätten sie sich freiwillig prostituiert, wär das doch kein Problem, HABEN sie aber nicht. Nicht die Prostitution ist hier der Skandal, sondern der Zwang, die Vergewaltigungen. Das einfach mal als „Prostitution“ zu bezeichnen, finde ich verharmlosend. Auch die andere Überschrift,

Leidensweg der „weißen Sklavinnen“

empfinde ich rassistisch. Es transportiert den Eindruck, Skalven seien immer schwarz und der eigentliche Skandal sei, daß das diesmal weißen Frauen passiert ist.

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Spreeblick präsentiert einen Pinguin, der gekitzelt wird – und mehr!

Los, verlinken!

Hier ist der Deal: Ihr verlinkt diesen Artikel in Mails, Tweets, Facebook-Updates usw. mit den Worten “Guck’ mal, voll süßer Pinguin, der gekitzelt wird!” (oder so ähnlich, ich verlasse mich da auf eure Kreativität). Alle eure Freundinnen und Freunde und Kolleginnen und Kollegen klicken da drauf, freuen sich über den Pinguin und – ZACK! – lesen quasi zufällig:

Samstag, 27.7.2013: Bundesweite Demos gegen den Überwachungsstaat, weitersagen!

Applebaum bei Illner, Wen wählen??! & DIY-Action

Benachteiligte Lesben in Bayern, Applebaum bei Illner, Pussy Riot, DIY-Action, Essen wie Asylbewerber in Bayern, Wen wählen??!, Petition für Teresa Z., e*vibes-Workshop, wenn Feminismus auf Kapitalismus trifft, ZDF-Mann Thomas Grimm erkennt keinen Sexismus und manipulierende Formulierungen bei der FAZ.

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Essen wie Asylbewerber in Bayern: Poety Slammer Christian Ritter kauft einer Asylbewerberin ihre Essenspakete ab. Natürlich kann man so auch nicht nur ansatzweise nachvollziehen, wie es für Flüchtlinge sein muß, die zu kriegen – aber eine schöne Methode, um für das Problem Aufmerksamkeit zu generieren.

Ich habe heute erfahren, dass es eigentlich viel günstiger wäre, die Sachleistungen zu streichen und stattdessen Geld zu verteilen, weil man dann keine Anlieferung und so weiter zahlen muss. Aber es bestehen wohl keine Absichten, das zu ändern. Wenn man böse wäre, könnte man sagen, dass die Asylsuchenden sich vielleicht nicht allzu wohl fühlen und sich nicht einleben sollen.

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Felix Schwenzel stellt sich die Frage, die wohl sehr vielen im Kopf rumschwirrt: Wen zum Geier soll/kann man eigentlich wählen?

neben sabine leutheuser-schnarrenberger gibt es in fast allen parteien einige menschen denen ich vertrauen würde, deren worte ich ihnen als aufrichtig abnehme und bei denen ich das gefühl habe, dass sie nicht zur profilierung oder aus karrieregründen in die politik gegangen sind, sondern um etwas zum positiven zu verändern.

leider müsste ich aber um sabine leutheuser-schnarrenberger zu wählen, auch guido westerwelle, philipp rösler, christian lindner oder sogar rainer brüderle mitwählen. welcher mensch, der noch bei sinnen ist, würde das wollen?

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Wenn sich Feminismus und Kapitalismus vermischen – ein ungutes Gefühl, findet aufZehenspitzen:

Wenn wir schon von so genannten “Karrieren” reden: Sicher, die traditionelle Benachteiligung der Frau am Arbeitsmarkt etwa hängt auch mit der klassischen Rollenverteilung in Ehen zusammen, was wiederum mit der Unterordnung aufgrund der Geld-Macht-Situation in Zusammenhang steht. Solche Schieflagen gehören geebnet – stellt sich die Frage in welche Richtung. Soll eine bestehende Norm aufrechterhalten oder aber strukturell bedingte Einschränkungen radikal aufgebrochen werden?

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Die inhaftierte Pussy Riot-Aktivistin Maria Aljochina wird aus dem Straflager verlegt:

Maria Aljochinas Anwältin Oksana Darowa sagte am Freitag, ihre Mandantin habe aus verlässlicher Quelle erfahren, dass sie aus dem Straflager Beresniki im Ural zur Verbüßung des Rests ihrer Strafe verlegt werden solle – womöglich in die Region von Nischny Nowgorod. Mit dem Schritt wolle die Anstaltsleitung eine unbequeme Gefangene loswerden. „Sie ist nicht still, sie spricht, wenn sie die Rechte der Insassen verletzt sieht, und die Verwaltung ist ihrer überdrüssig“, sagte die Anwältin.

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ZDF-Marketing-Chef Thomas Grimm weigert sich hartnäckig, in dem „Ballsauber“-Spot zur Fußball-EM Sexismus zu erkennen – und manche fänden ja auch, die Frauen müßten das auch einfach mal aushalten:

Von Sexismus und Frauenfeindlichkeit kann überhaupt keine Rede sein.
(…)
Einige sahen den Spot kritisch, andere vertraten die Meinung, dass Frauen diese Art von Humor auch mal aushalten müssen. Am Ende habe ich mich für die mutige Variante entschieden.

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e*vibes bieten in Limbach-Oberfrohna am 16. Juli einen Workshop zu sexistischer Diskriminierung und Reproduktion von Geschlechterrollen:

Das Geschlecht ist immer noch eins der dominanten Strukturmerkmale moderner Gesellschaften und damit in spazifischer Weise Bestandteil relevanter sozialer und gesamtgesellschaftlicher Diskurse. So erzeugen geschlechtsbezogene Denk- und Handlungsmuster z.B. die Marginalisierung bestimmter sozialer Gruppen oder legitime sowie illegitime Formen von Geschlecht. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern sich die in einer Gesellschaft lebenden Individuen solchen dominanten Deutungen entziehen können.

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Wie gerade durch Wortwahl im Kleinen manipuliert wird – Wolfgang Lieb kritisiert die Snowden-Berichterstattung der FAZ:

Und auch das übliche Totschlagargument, dass die Amerikaner den Europäern mit der Überwachung „einen Gefallen tun bei der Verbrechensbekämpfung“, wird hier wieder aufgetischt. Verbrechensbekämpfung durch Bespitzelung von europäischen Botschaften oder chinesischen Eliteunis? Kein Wort vom Spannungsverhältnis von Freiheit und Sicherheit, kein Wort davon, dass Prism und Tempora millionenfache Rechtsbrüche in Form des Eingriffs in Persönlichkeitsrechte begehen und damit Gegenstand von rechtlicher Anklage sein müssten.

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DIY Revolution!! Nicoles Liebeserklärung ans Selbermachen und die DIY-Kultur auf kleinerdrei:

Ich er_finde hier natürlich nichts Neues, so wie es die vielen Leute, die im Moment über DIY-Kultur publizieren nicht tun, aber wie ich mich freu über alle, die drüber schreiben, die zeigen, was sie machen, was schief ging, wie sie sich entwickeln. Und sich vernetzen und helfen. Die vielen Sachen, die ich nur kann, weil Menschen sich Zeit nehmen, eine Anleitung zu schreiben, auf Youtube vorzumachen (Spinnen) wie Handgriffe (Stricken) gehen, die Lust machen, was auszuprobieren, indem sie in einem Podcast davon erzählen oder in Foren Hilfestellung geben, wenn Ratlosigkeit am Start ist. Ich liebs nicht nur, Sachen mit meinen Händen selbst zu machen, ich liebs auch, was für ein Netz das überhaupt ermöglicht.

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Eine neue Petition wurde gestartet,, um die Polizeigewalt im Fall Teresa Z. respektvoll aufzuarbeiten:

Herr Herrmann sollte eine offene und fehlerlose Aufklärung des Vorfalls fordern und fördern, nicht jedoch als Innenminister versuchen die öffentliche Meinung durch Unterstellungen (zugunsten der Polizei) zu lenken.

Unter Anbetracht der schlimmen Gewalt, welche Teresa Z. erleiden musste, ist diese Aussage absolut inakzeptabel.

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Informativ uns sehr interessant war die Maybrit Illner – Sendung „Kalter Krieg um unsere Daten?“; hauptsächlich deswegen, weil Sascha Lobo viele Dinge klar auf den Punkt bringt und richtig schön Tacheles redet – und ein unglaublich guter Auftritt von dem fabelhaften Jake Applebaum, der nicht nur haarscharf analysiert, sondern klipp und klar die Maßnahmen nennt, die die Regierung ergreifen müßte, um zu retten, was noch zu retten ist. Politisches Asyl für Snowden in Deutschland wäre der erste logische Schritt.

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Wie es aussieht, hat man als Lesbe in Bayern schon vorneweg schlechtere Karten als heterosexuelle Frauen:

Während die Chancen von homo- und heterosexuellen Frauen in der Hauptstadt etwa gleich gut sind, bekamen Lesben in München deutlich seltener positive Rückmeldungen zu ihren Bewerbungen.
(…)
Da die Ergebnisse der ökonomischen Logik widersprechen, sieht Weichselbaumer andere Gründe: „Der kulturelle Effekt scheint den ökonomischen Effekt zu überwiegen.“ Deswegen falle die Diskriminierung im konservativ und katholisch geprägten München deutlich höher aus als im liberalen Berlin.