Archiv der Kategorie 'Massive Dynamix'

Hundeflüsterin, Pro-Life & Pro-NRW

NS-Pädagogik, Leben mit einem Arm, deutscher Umgang mit Zuwanderung, Abtreibungsgegner_innen, von Hunden lernen, Rita Moreno bei den Muppets, Pro NRW vs. Blogsport, DNA-Überraschung und Game-Designing.

__________________

Interessantes Interview mit der „Hundeflüsterin“ Maike Maja Nowak:

Was können wir von Hunden lernen?

Ihr soziales Wesen. Hunde bewerten niemanden. Denen ist egal, ob jemand dick oder dünn ist. Wir können Geduld lernen. Wenn wir eine Entscheidung durchsetzen wollen, versuchen wir es mit Druck. Leithunde beharren mit Präsenz, bis die Entscheidung umgesetzt wird. Hunde sind außerdem nicht nachtragend. Sie handeln sofort. Wir stauen oft Wut auf, weil wir Angst haben, nicht gemocht zu werden, wenn wir sie äußern.

**************

Bester Auftritt in der Muppet Show EVER: Rita Moreno (feat. Animal)!

***************

Schnittiger Leserartikel von Maria Schulz über ihr Leben mit nur einem Arm:

Bekanntlich wird das Leben in der Pubertät nicht einfacher, und mit 14, wenn so ziemlich jedes Mädchen seinen Körper verabscheut, fand ich allein den Gedanken, ohne meine Armprothese aus dem Haus zu gehen, so absurd, dass ich sie zeitweise sogar nachts im Bett trug. Welcher Junge würde mich je ansehen wollen?

Ich war kein trauriger Teenager, ich saß auch nie einsam in meinem Zimmer und habe mich deprimiert im Spiegel betrachtet. Aber die Tatsache, dass ich anders aussah als die anderen, war fest in meinem Bewusstsein verankert. Ich nahm meinen Körper nicht an. Ich tolerierte seine Anwesenheit, aber ich hieß ihn nicht gut. Die Frage, was Schönheit ist, kreiste in meinem Kopf herum. In einer Sache war ich mir sicher: Mein Körper war nicht schön.

Mit der Zeit wurde ich allerdings entspannter.

****************

Immer wieder schön, wie die Natur uns regelmäßig daran erinnert, daß unsere Wissenschaft beim Verstehen des Körpers eben doch erst am Anfang steht – und die bisherigen Ergebnisse nicht das Ende vom Lied sind:

8,2 Prozent des menschlichen Erbguts erfüllen eine wichtige Funktion, sagen Genetiker der Universität Oxford. „Funktional“ nennen die Biochemiker Abschnitte des Genoms, welche direkt für die Bildung von Proteinen zuständig sind, die letztlich Form und Funktion eines lebenden Organismus bestimmen.

Diese Zahl scheint im krassen Widerspruch zu stehen zu Aussagen, die einige Forscher vor zwei Jahren veröffentlichten. Damals wurde 80 Prozent aller DNA-Abschnitte eine biochemische Funktion zugeschrieben.

***************

Woher kommt die Angst der Deutschen ™ vor „Ausländern“? Über den Umgang mit Zuwanderung:

Dass Deutschland seine heutige Stärke und Entwicklungsfähigkeit gerade auch den Einwanderern verdankt, hat jüngst die Fußball-WM gezeigt. Klose, Özil, Khedira, Boateng und Podolski haben in den letzten Jahren einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung einer neuen Spielkultur geleistet, die Athletik mit Ästhetik verbindet, die effizient und berauschend ist. Die Nationalmannschaft ist ein Paradigma dafür, dass eine gesellschaftliche Einigkeit nicht in einer gemeinsamen Herkunft begründet sein muss.

Viel stärker verbinden gemeinsame Ziele und Werte. Unterschiede, das Fremde und Andere sind geradezu förderlich. Sie bringen eine produktive Ergänzung und Spannung ist das Leben und verhindern Starre und Selbstgenügsamkeit. Geistiger Austausch und die Reibung mit anderen Kulturen sind Kräfte, die dafür sorgen, dass eine Nation lebendig und schöpferisch bleibt.

***************

Wie die NS-Erziehung Kinder traumatisierte (Triggerwarnung):

Die überzeugte Nationalsozialistin Haarer betrachtete das Kind als Feind und warnte zum Beispiel davor, es zu trösten oder zu streicheln. Jede Gefühlsbekundung, ja selbst bloßen Blickkontakt, lehnte Haarer kategorisch ab. Dafür wurden der „deutschen Mutter“ allerlei Züchtigungsmittel anempfohlen, wie Kinder ohne Essen ins Bett zu schicken, sie in den Keller zu sperren oder stundenlang auf ungekochten Erbsen knien zu lassen.

Als Katrin Einert diese Ratgeber zum ersten Mal las, war sie erschüttert. Im Rahmen des Frankfurter Fachhochschulforschungsprojekts „Trauma im Alter“ unter der Leitung von Professorin Ilka Quindeau interessierten sie und ihre Kolleginnen sich für die Bedingungen, unter denen Menschen, die heute alt sind, als Kinder aufgewachsen sind. Und nun hielt sie Anleitungen in der Hand, die die Herausbildung einer Mutter-Kind-Bindung regelrecht verhindern sollten.

(via)

**************

Kleinerdrei interviewt die Game-Designerin Henrike Lode:

In einer Schulklasse in England wurde ich von einer Lehrerin bedrängt, als ein Schüler vorschlug, beide Geschlechter zur Auswahl zu geben. Sie forderte, dem Vorschlag nachzugeben, da es nur fair sei und meine Vorauswahl ungerecht gegenüber den Jungen. Ein anderes Mal hat mich ein PR-Spezialist darauf hingewiesen, dass ich wahrscheinlich weniger Kopien verkaufen werde, weil sie viele auf Grund des weiblichen Charakters das Spiel nicht kaufen würden. Mittlerweile bin ich nicht einmal mehr so sicher, ob etwas dran ist an diesen Annahmen, aber ich bin bereit, es darauf ankommen zu lassen. Viele weibliche Spieler bestätigen, dass es ihnen leichter fällt, sich mit der Figur zu identifizieren, und dass es eine positive Überraschung für sie ist.

************

„Pro-NRW“ vs. Blogsport in der nächsten Runde? Darum geht’s:

Im Frühjahr zerrte der stellvertretende Vorsitzende der rechtsextremen Partei „Pro NRW“, Kevin Gareth Hauer, den linken Provider Blogsport vor Gericht. Dieser habe sich geweigert, Fotos entfernen zu lassen, die Hauer mit erhobenem rechten Arm bzw. posierend mit einem großformatigen Hitlerbild zeigen.

************

Die Soziologin Gisela Notz über die organisierten Abtreibungsgegner_innen:

Vielleicht ist das Bedürfnis nach einer heilen Welt, wie die Kirchen sie malen, gewachsen. Die familienpolitische Debatte ist jedenfalls nach rechts gerückt. Deshalb ist auch die AfD erstarkt, in der die sogenannten „Lebensschützer“ eine große Rolle spielen. Beatrix von Storch, die nun im Europaparlament sitzt, war bei diesen Märschen ganz vorn dabei. Sie ist für ein Totalverbot der Abtreibung und setzt sich für ein traditionelles Familienbild ein.

Black Fairy, böse Mütter & Riot Grrrl TV

Wiener Tagung von NGOs und Sexarbeiterinnen, Kritik an § 177 StGB, Black Fairy, Skandal wegen Schülern im Rock, Riot Grrrl TV, Adoption und Wurzelsuche, der Film „Timbuktu“, böse Mütter, Heteros auf Queerpartys, Frauenrollen im deutschen Film und Debattenkultur im Netz.

______________

„Frauen gegen Gewalt“ erklären, warum der §177 StGB nicht unbedingt hilfreich ist, um die Anzeigebereitschaft von Vergewaltigungsopfern zu stärken:

Konkret heißt das, dass es nicht ausreicht, wenn eine Frau ausdrücklich und mehrfach Nein sagt oder vielleicht auch weint. Die Betroffenen müssen sich körperlich wehren bzw. nur dann nicht körperlich wehren, wenn konkrete Gewaltdrohungen ausgesprochen wurden oder sie dem Täter schutzlos ausgeliefert sind.

Durch die enge rechtliche Auslegung der „schutzlosen Lage“ werden zahlreiche sexuelle Übergriffe strafrechtlich nicht verfolgt. Denn es bleibt unberücksichtigt, dass häufig die gesamte Situation einer Vergewaltigung für Betroffene bedrohlich wirkt und sie sich ohnmächtig und hilflos fühlen. Betroffene befürchten lebensbedrohliche Verletzungen und haben Angst, oft ohne dass der Täter konkrete Drohungen aussprechen muss. Viele lassen die Tat ‚wie erstarrt‘ über sich ergehen.

************

Schüler aus Nantes protestieren gegen Sexismus, wozu die Jungs sich Röckchen anzogen. Das war für einige Verklemmte aber scheints der Anfang vom Untergang des Abendlandes:

„Die Jungen im Rock – sollen die Mädchen mit Bart erscheinen?“, höhnte Frigide Barjot, Gallionsfigur der Kampagne gegen die Homo-Ehe. „Schüler aufzufordern, einen Rock zu tragen, ist keineswegs harmlos“, wetterte auch Ludovine de La Rochère. Das sei vielmehr „Travestie und eine Negation ihrer sexuellen Identität“. Die Aktion der Schüler, so die Präsidentin des Dachverbands, sei „eine Provokation zu viel“.

Die Aufregung, welche die Moralapostel im Netz schürten, griff sogar kurz auf das Parlament in Paris über. „Das ist eine ideologische Verirrung“, schimpft die Oppositionspolitikerin Véronique Louwagie. „Unsere Jugend braucht Orientierung“, so die Abgeordnete der konservativen UMP. Hier handele es sich um „eine systematische Vernichtung von Vorgaben, die unsere Kinder formen“. Alles falsch, entgegnete der sozialistische Erziehungsminister Benoît Hamon. Die Opposition verbreite Lügen, diese seien vorformuliert von „radikalen Organisationen“.

************

Cristina Nord empfiehlt den Film „Timbuktu“, der momentan beim Filmfestival in Cannes im Rennen ist:

„Timbuktu“ legt einen Handlungsstrang um eine Hirtenfamilie etwas akzentuierter an als die übrigen Stränge, doch vor allem entwirft Sissako ein Panorama, und mit wenigen Strichen gelingen ihm einprägsame Miniaturen: Wie der Imam versucht, die Dschihadisten davon abzuhalten, mit Waffen die Moschee zu betreten, und sie in einen Disput über die Auslegung des Korans verwickelt. Wie eine Marktfrau sich zu wehren versucht, als die Männer sie dazu zwingen wollen, Handschuhe zu tragen. „Wie soll ich den Fisch denn dann waschen?“, hält sie den Bewaffneten entgegen.

Wie die Dorfnärrin sich einem der Jeeps in den Weg stellt und später erzählt, dass das Erdbeben, das am 12. Januar 2010 Haiti verwüstete, sie durch die Erdkruste hindurch getrieben habe. Und ausgerechnet an diesem Ort sei sie wieder aufgetaucht. Noch später tanzt einer der Extremisten einen exaltierten Tanz auf der Terrasse der Närrin.

************

Neuer Youtube-Channel mit dem simplen, aber vielversprechenden Namen „Riot Grrrl TV“ und einer symapthisch-engagierten, wie sagt man da, „Moderatorin“.

Bemerkenswert auch, welche Videovorschläge Youtube einem dann hinterher präsentiert…

************

Auf Zehenspitzen nimmt sich dem elendiglichen Thema der „Rabenmütter“ an:

Da wäre die Helikopter-Mutter, deren Kind in einer Gummizelle an Zuwendung lebt, die Eislauf-Mutter, die ihr Kind generalstabsmäßig mit Freizeitaktivitäten verplant, die depressive Mutter, die das Kind im leeren emotionalen Raum lässt, die späte Mutter, die später als in der Evolutionsbiologie vorgesehen Mutter wird (ähm?), und die Über-Mutter, die den Boden für Größenwahnsinn bereitet.

So weit so schlicht. Es lebe die ignorante Kausallogik!

Am unglaublichsten finde ich allerdings die Erklärung, warum die Mütter und nicht etwa die Väter oder Eltern generell Schuld an allem sind: “Nur vier bis sieben Prozent aller Väter nehmen eine Kurzzeitkarenz überhaupt in Anspruch. Schätzungsweise 150.000 Mütter in Österreich ziehen ihre Kinder im Alleingang auf. Dem gegenüber stehen 19.000 statistisch erfasste Solo-Väter.” Ach so! Da gäbe es möglicherweise noch weitere mit-verantwortliche Personen für Kindererziehung. Die nehmen diese Aufgabe aber nicht wahr. Egal, Schuld an allem sind die, die die Aufgabe wahrnehmen müssen. Außerdem: Rahmenbedingungen? Who cares? Wie einfach Gesellschaftspolitik und Gesellschaftskritik doch sein können!

************

Bei einer Tagung in Wien sprachen Sexarbeiterinnen und NGO-Vertreter_innen über die Verdrängungspolitik in der Prostitution:

[Die Sexarbeiterin Frau Schwartz] selbst sieht viele Vorteile in ihrer Arbeit als Escort: „Das Tolle ist, dass ich mir die Zeit einteilen kann. Das lässt sich wunderbar kombinieren, wenn man Alleinerzieherin ist.“ Somit kommt Schwartz auf eine zentrale Herausforderung von Frauenpolitik allgemein zu sprechen, nämlich das mangelnde Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen. Dieses habe es ihr schwer gemacht, in ihrem erlernten Job als Bürokauffrau und den damit verbundenen Arbeitszeiten zu arbeiten. Von daher lautet auch eine wichtige Forderung des Berufsverbands, Sexarbeit mit anderen Berufen gleichzustellen. Ihr sei es völlig unverständlich, warum die Polizei für Kontrollen in den Betrieben zuständig ist, so Schwartz. So könne man keiner Frau helfen, die zur Arbeit gezwungen werde oder gar Opfer von Menschenhandel sei. Außerdem komme in einer Bäckerei auch das Gewerbeamt. Gleiches müsse auch für Betriebe gelten, die sexuelle Dienstleistungen anbieten.
(…)
Einen weiteren Vorteil sieht Schwartz darin, selbstbestimmt arbeiten zu können: „Wenn ich einmal keine Lust habe oder merke, ich brauche eine Pause, kann ich sie nehmen.“ Dass das nicht für alle SexarbeiterInnen gilt, räumt sie allerdings ein: „Ich bin bestimmt kein Betreiber-Freund“, so Schwartz. Auch wolle sie keineswegs negieren, dass in den Betrieben Opfer von Menschenhandel zur Arbeit gezwungen werden. Die hohen Zahlen, die in den Debatten oftmals genannt werden, bezweifelt sie allerdings. Eine weitere Forderung der Sexarbeiterinnen und ihrer VertreterInnen lautet auch, die Themen Sexarbeit und Menschenhandel klar zu trennen.

************

In der Zeit beschäftigt sich Firat Kaya, der als Kind adoptiert wurde, mit seinen türkischen Wurzeln:

Im Studium habe ich mich intensiv mit dem Islam beschäftigt. Meine beiden Promotionen in katholischer Theologie und Linguistik beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Islam und Westen, also mit „uns“ und „denen da“.

Ich habe meine wissenschaftliche Arbeit nicht unbedingt als Verarbeitung meiner Herkunftsgeschichte begriffen, trotzdem war es nicht ein Aufenthalt wie jeder andere, als ich in Istanbul und Ankara für meine theologische Doktorarbeit recherchierte. Hier war meine ursprüngliche Heimat, das Land meiner Väter, wie man so sagt. Hat man etwas im Gepäck, das daran erinnert? Sind die Gene so, dass sie bei der Begegnung mit Türken etwas zum Vorschein bringen, was zu Hause, in Deutschland, nicht aufkeimen kann? Nun, während meines Aufenthalts habe ich nichts dergleichen erkennen können.

Ein guter Freund von mir ist Türke. Er lebt in Berlin, wie ich. Wir machen zusammen Sport, sehen uns also regelmäßig. An seiner Biografie sehe ich, wie mein „türkisches“ Leben hätte verlaufen können. Ein Blick in die parallele Welt: Gastarbeiterfamilie, drei Geschwister, großer familiärer Zusammenhalt. Ein gewisser unternehmerischer Geist, der überall in Deutschland sichtbar wird in Tausenden von Kleinbetrieben, bei denen die ganze Familie mitarbeitet.

************

Heidi Daleys „Black Fairy“:

In all the stories, art, and myths about Fairies, none have made mention of any Black Fairies… so I made one

\"Black Fairy\" by Heidi Daley

************

Katrin Roenicke empfiehlt den Vortrag von Teresa Bücker auf der Re:Publica und macht sich Gedanken über Debattenkultur und hat dazu auch gute Links:

Darf man gar nicht mehr kritisieren? Oder ist es vielleicht okay, die Mittel zu kritisieren, wenngleich man das gleiche Ziel verfolgt? Welche Kritik ist überhaupt legitim, wenn man doch vermeintlich auf der “gleichen Seite” steht? Was für Mechanismen sind am Werk, wenn Freundschaften gekündigt werden, weil man öffentlich das öffentliche Verhalten anderer kritisierte (nicht ad hominem wohlgemerkt – die Reaktionen sind dann aber gerne mal ad hominem)?

************

Laufmoos bittet knutschende Hetero-Pärchen um Zurückhaltung auf Queer-Partys:

Wenn ich nach Gründen für heterosexuelle Performances in queeren Räumen suche, dann lande ich sehr schnell bei Aneignung.
Ich gehe davon aus, dass die Tanzfläche blockierende knutschende Heteropärchen dem Drang nachgehen, in diesem (huch!) perversen, anderen, queeren, nicht einschätzbaren und verunsichernden (denn ich habe die Regeln nicht verstanden!) Raum die eigene, gesellschaftlich dominante Normalität wieder herstellen zu müssen. Demonstrativ (in der Mitte des Raumes) zur Schau gestelltes (das kommt euch vielleicht nicht so vor, anderen aber umso mehr) hetero erscheinendes Knutschen ist also im Grunde genommen eine Re-Aneignung des Raumes, ein Besetzen eines temporär nicht-normativen Ortes. Es ist eine stabilisierende Reaktion auf die Verunsicherung der eigenen heterosexuellen Identität. Es ist eine Demonstration, wer sich gesellschaftlich was leisten kann, ohne sanktioniert zu werden.
Im Grunde ist es auch ein sehr verdrehtes Eingeständnis: Diese Umgebung macht Angst, die Queerness, das Unverständliche, das Andere und das Perverse, es ist nicht aushaltbar, wenn es nicht sofort als etwas markiert wird, zu dem ich nicht gehöre.

************

Katja Nicodemus kritisiert die Frauendarstellungen in (deutschen) Filmen:

Ach die Brille! Dieses Ungetüm, das immer ein bisschen zu groß und zu hässlich aussieht. Es ist gewissermaßen das Zentralrequisit der deutschen Erfolgskomödie. Schon Katja Riemann setzte die Brille vor zwanzig Jahren in Sönke Wortmanns Der bewegte Mann erschrocken auf und ab, als sie das positive Ergebnis ihres Schwangerschaftstests betrachtete. In Til Schweigers Keinohrhasen wird die Brille im Gesicht der Kindergärtnerin Anna (Nora Tschirner) zur Insignie der Verkniffenheit. Nadja Uhl trägt die Brille wie ein Stigma durch Doris Dörries Alles inklusive, und Karoline Herfurth verrutscht sie schon bei ihrem ersten linkischen Auftritt in Fack ju Göhte auf dem Nasenrücken. In Frauke Finsterwalders Finsterworld wird die Brillen-Streberin von Mitschülern während eines Ausflugs ins Konzentrationslager in den Verbrennungsofen gesperrt. Danach ist sie brillen- und willenlos und trägt, endlich hübsch, die Haare offen – als buchstäblich finale Rache am weiblichen Intellektualismus. In der deutschen Komödie hat die Brille der Heldin nur eine Funktion: vom Helden abgenommen zu werden. So wie in einem Subgenre des Pornofilms, das aber effizienter und ehrlicher funktioniert: Krankenschwestern und Sekretärinnen legen die Brille weg und können richtig rangenommen werden.

Roma in Frankfurt, Männer in Kitas & echte Arier

Hohe Strafe für homophobe Fußballfans, Plus Size Fashion, volles Wahlrecht für Behinderte!, Lady Pen, Roma in Frankfurt, Wählen als wohnungslose_r, Kinder „fett“ nennen erhöht Chancen, daß sie übergewichtig werden, May Ayim, Teeniejungs und Mädchenschuhe, Mo Asumang sucht „Die Arier“ und Sexismus in der Technoszene.

_____________________

Gleich zum Anfang die wunderbare Ellen de Generes, über die „Lady Pens“ von Bic ( ja genau, also Stifte extra für Frauen):

************

Eine amerikanische Langzeitstudie kommt zu dem Schluß, daß genau die Kinder später übergewichtig wurden, denen man sagte, sie seien fett – und zwar unabhängig davon, ob sie als Kind wirklich dick waren:

Mädchen, die in frühen Jahren zu hören bekommen, sie seien übergewichtig, leiden mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als junge Frauen tatsächlich unter Fettleibigkeit. Für sie ist es 1,6 Mal wahrscheinlicher, dick zu werden. Das ist das Ergebnis der Studie, die in der Juniausgabe des Fachjournals Jama Pediatrics vorgestellt werden soll und bereits online einzusehen ist.

Besonders interessant: Der beobachtete Zusammenhang zwischen Hänseleien und dem, was die Waage später anzeigt, gilt unabhängig vom tatsächlichen Gewicht und weiteren Einflussfaktoren – etwa dem sozioökonomischen Status der Eltern oder dem Zeitpunkt der ersten Periode. Das bedeutet, dass sich die Mädchen ein „Du bist fett“ zu Herzen nehmen, ganz egal, ob sie tatsächlich etwas mollig sind oder normalgewichtig. In der Studie gehe es also nicht nur um schwerere Mädchen, die als fett bezeichnet würden und dann Jahre später immer noch dick seien, sagt Psychologin Tomiyama. „Allein die Zuschreibung ‚fett‘ erhöht die Wahrscheinlichkeit, später tatsächlich fett zu werden.“

************

Kate Miller, Berliner Techno DJ, über Sexismus und Belästigung:

Wenn Kate auflegt, wird sie oft angemacht. „Irgendein Spruch kommt immer“, sagt sie. In einer Nacht vor drei Wochen war es anders, da kam mehr. Kate spielt im Chalet in Kreuzberg. Männer machen ihr Komplimente. Einer findet ihre Beine sexy, ein anderer fragt, wie sie als Frau so gut auflegen könne. Kate glaubt, die Männer trauen sich das, weil sie im Rampenlicht steht. Auf der Bühne sind die Regeln anders, die Grenzen verschwimmen. Als ihr Gig vorbei ist, bedrängt ein Mann sie. Er drückt sie gegen eine Wand, versucht immer wieder, sie zu küssen – und haut ab. So erinnert sich Kate an den Abend.

Sie entscheidet sich, die Sache öffentlich zu machen. Auf Facebook schreibt sie: „Ich will nicht mehr nett und höflich sein. Der Nächste, der mir sagt, dass ich schöne Beine habe, kriegt ein blaues Auge.“

Kate will ein Zeichen setzen gegen die Diskriminierung von weiblichen DJs. Sie bittet ihren Freund, ihr die Haare abzuschneiden. So kurz es geht. Mit einem Rasierer trimmt er Kates Haare auf wenige Millimeter. Danach sieht sie so aus wie er, nur kleiner.

************

Wer darf eigentlich wählen, wer nicht und warum? Behinderte, die eine Vollbetreuung brauchen, sind ausgeschlossen:

Bislang sind all jene Menschen mit Behinderung ausgeschlossen, die gerichtlich komplett unter Betreuung gestellt wurden und in keinem einzigen Lebensbereich selbstständig entscheiden dürfen. Das seien rund 10.000 Betroffene, berichtet Zeitung unter Berufung auf den Verein Lebenshilfe.

Bentele sprach im Hinblick auf den Ausschluss Behinderter von der Wahl von Stigmatisierung, die nicht der Realität entspricht und verwies auf die Behindertenrechtskonvention. Diese schließe die politische Teilhabe an allgemeinen Wahlen ein und verlange, Behinderte ins politischen Gemeinwesen einzubeziehen.

********

Hürden bezüglich des Wahlrechts haben auch Obdachlose; wählen gehen können sie prinzipiell dennoch:

Jeder Mensch geht mit dem Umstand, nicht mehr in einer Wohnung zu leben, anders um. Viele Obdachlose richten sich in ihrem Kiez ein. Andere sind mobil, halten sich heute in Kreuzberg auf, morgen in Charlottenburg. Als ich den o. g. Flyer gelesen habe, stieß ich auf den Stichtag. Bei der Wahl am 22. September wurde mir am Telefon von einer Mitarbeiterin des Landeswahlleiters der 18. August als Stichtag genannt. Nachgewiesen werden muss die Identität. Normalerweise wird der Personalausweis gezeigt, oder der Reisepass. Viele Menschen, die auf der Straße leben, haben weder Ausweis noch Pass. Niedrigschwellige Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe können Besuchern, die sie zum Teil seit Jahren kennen, Name und Aufenthalt bescheinigen. Beim Wahlamt ist dann zu erklären, dass sie nicht oder nicht durchgängig im Melderegister registriert sind und sich gewöhnlich in Deutschland aufhalten.

************

Die Mädchenmannschaft stellt Alex vor, Modebloggerin und in der Ausbildung zur Modedesignerin. Ein Gespräch über Plus Size Fashion:

Am Anfang war es mir noch ziemlich unangenehm zu posen und überhaupt Ganz­körper­fotos von mir machen zu lassen. Aber ich wollte mir und der Welt beweisen, dass Dicke modisch sind, dass wir auch das Recht haben, uns selbst gut zu finden und uns nicht verstecken müssen. Ein Aspekt, der meiner Meinung nach häufig unterschätzt wird, ist der Effekt, die Kleidung, in der eins sich gut fühlt und die gefällt, auf eine_n haben kann. Gerade wenn ich etwas trage, dass mir gefällt, fühle ich mich besonders wohl und selbst­bewusst. Ich finde es so schade, wenn sich eine Person etwas nicht anzuziehen traut, weil es zu auffällig/bunt/kurz/eng/ärmellos/ausgefallen ist und ich hoffe, dass ich als Bloggerin da vielleicht meinen Teil dazu beitragen kann, solche von Gesellschaft und Medien ein­zementierten Vorstellungen etwas auf­zubrechen.

************

Tim Rühlig empfiehlt den Dokumentarfilm „Roma in Frankfurt“:

Es sind bewegende Geschichten, beeindruckende Menschen und erschreckende Verhältnisse, die mit der öffentlichen Diskussion um Sozialschmarotzer, Arbeitsverweigerer und Kriminalität nichts zu tun haben. Einmal mehr merkt man: Nicht über Roma müssen wir sprechen, sondern mit ihnen.
Im Film fasst dies Ahmed Bourchada, Schüler einer Schule nahe Frankfurt, so zusammen: „Normalerweise hat jede Kultur ihre Vorurteile und man weiß eigentlich auch, dass diese Vorurteile nicht stimmen. Bei den Sinti und Roma kennt man nur die Vorurteile, wir kennen gar nicht die wahre Seite.“

************

Bollocks & Bitches über verzweifelte Jungs und Mädchenstyling:

Styling ist für Mädchen wichtig. Sehr wichtig, wie wir wissen. Fast so wichtig wie Jungs zu gefallen. Damit wir das auch um Himmels Willen nicht vergessen, hat es sich die BravoGIRL zu Aufgabe gemacht, uns alle zwei Wochen an diese biologische Notwendigkeit des Hübsch-Seins zu erinnern.

Aber trotz der 30-seitigen Beautyspecials, den Fotostrecken, der Modetipps und der Aufklärung über die richtige Blowjob-Technik scheint es noch nicht zu allen Mädchen vorgedrungen zu sein: Es ist UNFASSBAR wichtig, Jungs zu gefallen. Melli hat diese Wichtigkeit nicht erkannt. deswegen hat sich ihr Freund, der Raffa, an die BravoGIRL gewandt. In einem Artikel voller manly tears beklagt er sich herzzerreißend über diesen Missstand. Ich kommentiere ihn hier auf meine gewohnt charmante Weise.

************

Mo Asumang über ihren absolut sehenswerten und gelungenen Dokumentarfilm „Die Arier“, in dem sie unter anderem eine NPD-Demo oder den Ku Klux Klan besucht:

Ich spreche mit jedem Menschen auf dieselbe Art und Weise, auch wenn er Rassist ist. Ich stecke den nicht gleich in eine Schublade, so wie er es mit mir macht, sondern versuche meine Offenheit zu behalten. Das ist der größte Kampf. Den Rechtsextremen wünsche ich echtes Selbstbewusstsein. Dass sie nicht andere für ihre Probleme verantwortlich machen, sondern sie selbst in die Hand nehmen. Das ist purer Eigennutz: Wer selbstbewusst ist, feindet mich nicht an.

************

Das Missy Magazine widmet sich der verstorbenen Dichterin und Aktivistin May Ayim:

Ermutigt von Lorde veröffentlicht May Ayim 1986 ihr erstes Buch „Farbe Bekennen“, damals noch unter dem Namen May Opitz. Der Sammelband wird ein Schlüsselmoment für die afrodeutsche Community. Das Sprungbrett. Oder vielleicht eher ein Stück Treibholz auf offener See, auf das man sich retten kann. „Wir haben zum ersten Mal einen Begriff für uns selbst entwickelt, um nicht den herkömmlichen Bezeichnungen ausgesetzt zu sein.“ Ayim und ihre MitstreiterInnen reißen diese Fremdzuschreibungen ab, errichten sich eine eigene Identität als Schwarze Deutsche und geben sich selbst einen Namen: afrodeutsch. May Ayim hatte diesen Namen ihrer Muttersprache mit Mühen abgerungen, das war ihre Spezialität. Sie kämpfte gerne um Freiräume in der deutschen Sprache „mit ihren rassistischen Elementen, die oft gegen mich selbst gerichtet sind“. Im selben Jahr gründen sie und andere den Verein „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“.

************

Lisa Mayr schreibt im Standard über die Tagung „Männer in Kitas“:

Brandes und sein Team hatten das Verhalten der Männer in Kitas über mehrere Jahre qualitativ erforscht. Mit einem differenzierten Schluss: „Männer in Kinderbetreuungseinrichtungen sind weder Heilsbringer noch Katastrophe“, fasst Brandes zusammen – um den Blick auf die wichtige Frage der Ausbildungsqualität zu lenken. Wichtiger als das Geschlecht der Betreuungspersonen sei deren fachliche Qualifikation. So konnte Brandes feststellen, dass sowohl männliche als auch weibliche Betreuungspersonen mit Mädchen eher beziehungsorientiert-narrativ und mit Burschen eher sachlich-gegenstandsbezogen umgehen.

Das heißt konkret: Betreuungspersonen beiderlei Geschlechts malen mit Mädchen eher Bilder, teilen mit ihnen Geschichten und Emotionen. Mit Burschen wird dagegen eher mit groben Materialien gebastelt und in Wettbewerbssituationen getreten. Offenbar haben also sowohl Männer als auch Frauen sehr starke Annahmen davon, wie Buben und Mädchen „ticken“, und verfestigen bestimmte Verhaltensweisen durch ihren Umgang mit den Kindern. Die Reflexion über die eigene Rolle sei daher sowohl für Frauen als auch für Männer notwendig, so Brandes: „Die meisten agieren emotional engagiert, aber fachlich wenig reflektiert.“

*************

Wegen eines homophoben Plakats müssen vier Bayern-Fans eine hohe Geldstrafe zahlen sowie Sozialstunden leisten:

Die Eltern der vier jungen Südtiroler FC-Bayern-Fans, die am 11. März während des Champions-League-Achtelfinales gegen Arsenal London im Münchner Stadion ein als homophob kritisiertes Banner hochhielten, haben sich jetzt zur Begleichung einer Geldstrafe bereit erklärt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vereinbarten sie bei einem Treffen mit Vertretern des FC Bayern in München die Zahlung von je 2000 Euro.

Die Jugendlichen aus der Nähe von Meran hatten im April ein selbst gemaltes Banner mit einer Kanone, die unter dem Schriftzug „Gay Gunners“ auf das Hinterteil eines entblößten Spielers zielt, in die Kameras gehalten. Deshalb hatte der europäische Fußballverband (Uefa) den FC Bayern zu einer Strafe von 10.000 Euro verdonnert. Zudem musste im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester United von den Münchnern ein kompletter Zuschauerblock geschlossen bleiben – Hunderte Eintrittskarten konnten nicht verkauft werden.

Racial Profiling, Feminist Bore-Out & „Bettlerbanden“

Diskriminierung von Frauen im Jurastudium, Sookee-Interview, UNO gegen Kriminalisierung von Drogenkonsumenten, Feminist Bore-Out, Prozeß um unterlassene Hilfeleistung bei einem schwerkranken Flüchtlingskind, München will härter gegen „Bettelbanden“ vorgehen, Künstler_innenkollektiv „COVEN“, soziale Putzfirma in St. Georg, Racial Profiling, heutzutage Musiker_in sein, Lebenspartnerschaften und gute Chancen für Frauen in „männlichen“ Ausbildungsberufen.

____________

Weibliche Lehrlinge in „Männerberufen“ werden anscheinend immer mehr geschätzt:

„Längst hat auf Arbeitgeberseite ein Umdenken eingesetzt. Frauen haben bei Bewerbungen gute Karten“, sagt Hans Voss. Er leitet bei der Maler- und Lackiererinnung Düsseldorf das Berufsbildungs- und Technologiezentrum. Ein Grund sind die guten Erfahrungen, die Handwerksmeister mit Frauen als Azubis und Gesellinnen machen. „Sie überzeugen oft durch herausragende Leistungen“, erklärt Voss. Er kennt inzwischen Fachbetriebe, die auf einen ausgeglichenen Mitarbeitermix achten. Bei praktischen Arbeiten fallen Mitarbeiterinnen vor allem bei filigraneren Tätigkeiten häufig positiv auf.

************

Antje Schrupp über Lebenspartnerschaften:

Der Wunsch nach rechtlicher Anerkennung geht häufig mit einer besonders großen “Normalitätsbekundung” einher: Menschen, die homosexuell monogam leben, sind nicht unbedingt die enthusiastischsten Unterstützerinnen von Polyamorie, denn sie sind bemüht, zu beweisen, dass sie abgesehen vom Schwul- oder Lesbischsein ganz “normal” sind.

Das ist keine Anschuldigung, es liegt vielmehr in der Natur der Sache, dass der Wunsch nach Anerkennung die Tendenz zum Konformismus nach sich zieht. Und das muss auch so sein, denn ohne Zustimmung einer Mehrheit in der Bevölkerung bekommt man keine staatliche Anerkennung.

Deshalb wollte ich an dieser Stelle einfach mal wieder in Erinnerung rufen (denn neu ist der Gedanke ja nicht), dass es im Verhältnis von Lebens- und Liebesformen im Kern gerade nicht um den Wunsch nach Anerkennung seitens des Staates geht, sondern im Gegenteil: um die Freiheit von staatlicher Bevormundung.

**********

Mehmet Simsit, Wirt des Hansa-Treff, hatte die gute Idee, eine Putzfirma zu gründen, die sich eben auch um die „schmutzigen Ecken“ von St. Georg kümmert und so manchem eine neue Perspektive bietet – denn bei dem Projekt geht es nicht nur ums Putzen:

Er tut, was er kann: Übersetzungen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, dolmetschen. „Für mich sind das vielleicht Kleinigkeiten, aber für die Menschen, die das brauchen, ist es etwas Großes.“ Auch Zwangsprostituierten, die ihren Zuhältern entkommen wollen, unterstützt er: „Wer aussteigen möchte und um Hilfe bittet, bekommt von mir Hilfe.“ Schon mehrfach seien Frauen mit blauen Flecken im Gesicht in den Hansatreff gekommen. Wenn das passiert, wird der Kneipier zornig: „Da habe ich keine Gnade. Zum Glück haben wir auch einen guten Kontakt zur Polizei.“

Im letzten Jahr hat Simsit sogar einen Deutschkurs für Prostituierte aus Osteuropa auf die Beine gestellt, die hier ankommen. Die Hamburger Universität schickte für ein Vierteljahr auf eigene Kosten einen Dozenten, das Stadtteilbüro stellte kostenlos einen Raum zur Verfügung. „Das Wichtigste ist, dass die Leute sich verständigen können“, sagt er. Inzwischen musste er den Kurs aber wieder einstellen, denn die bewilligten Fördergelder darf er nur für Lehrmaterialien ausgeben, nicht aber für Personal.

************

In München nimmt die Zahl der Bettler_innen gerade enorm zu. Die Stadt und die Polizei stecken jetzt praktischerweise alle Bettler_innen in die „böse Bettlerbande“-Schublade, gegen die man natürlich jetzt drastisch vorgehen will:

Damit liegt der Polizeibeamte auf der Linie des noch amtierenden Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), der einmal auf seiner Homepage über Bettler in München schrieb: „Bitte seien Sie kaltherzig.“ So weit will KVR-Chef Blume-Beyerle nicht gehen. Doch die steigende Zahl der Bettler in München bereitet ihm Sorgen. „Sehenden Auges“ diese Entwicklung hinzunehmen, hält er für „keine gute Alternative“. Er will nun die Zusammenarbeit mit der Polizei weiter intensivieren, um die organisierten Bettler aufzuspüren. Wilde Camps am Stadtrand oder Autowracks, die im Sommer als Schlafplätze benutzt werden, sollen jetzt sofort beseitigt werden. „Natürlich tun mir die Menschen alle leid“, sagt Blume-Beyerle. Aber als KVR-Chef muss er andere Prioritäten setzen.
Odyseen durch viele Länder

Das hilft den Menschen nicht, die am Ende, ganz unten sind. Selbst in Rumänien können sie nicht von 60 Euro Sozialhilfe pro Monat leben. Also schließen sich viele zu lockeren Verbünden zusammen und reisen nach Norden. Dort, wo es noch Geld gibt. „Die meisten bleiben drei bis vier Wochen, dann ziehen sie weiter“, sagt der Bettler-Polizist Röske. Wenn es dunkel wird, ziehen sie sich von den Straßen zurück. Die Fußgängerzone und der Viktualienmarkt sind als Schlafplatz tabu. Die einen gehen zur Isar, die anderen in die nahe der Altstadt gelegenen Parks.

Aus meinem persönlichen „Nähkästchen“ geplaudert:
Meinereiner strandete einst nach einem Italienurlaub auf dem Münchner Hauptbahnhof. Im Zug hatte man uns den Inhalt unserer Handtaschen ausgeräumt , während wir schliefen… also: keine Kohle, nüscht. Da blieb halt nix anderes, als Geld für ein Bayernticket zu schnorren.
Und die Münchner waren da sehr nett (am süßesten war eine Frau, die gerne was geben wollte, aber kein Kleingeld hatte, uns aber irgendwie helfen wollte – und hat uns dann eine Packung O.B.s geschenkt. :) ) – die Polizei weniger. Mords Aufstand mit Personenüberprüfung, das volle Programm. Außerdem so hilfreiche Fragen wie “ Sie sehen so fertig aus und haben gerötete Augen – sie sind doch auf Drogen!“, woraufhin ich dem Freund und Helfer erklären durfte, daß man eben auch fertig aussieht, wenn man die Nacht über ausgeraubt wurde, kaum geschlafen hat, entsprechend müde/genervt ist, man auch noch Geld zusammenschnorren muß und man eigentlich nur heim will.
Nachdem wir eine halbe Stunde überprüft wurden, ließ man uns wieder gehen, aber wir sollten keine Leute mehr ansprechen etc.
Der ganze Aufstand, der bei der Kontrolle betrieben wurde, bot auch den Umstehenden eine gute Show. Woraufhin uns eine ältere Dame, die das Ganze mitgekriegt hatte, dann den fehlenden Betrag fürs Bayernticket spendierte.
Gut, das ist jetzt ca. 8 Jahre her, ich weiß nicht ob die Vorgehensweise der bayrischen Polzei sich geändert hat oder nicht…
Aber wenn ich an die Situation in München denke, und dann diesen Artikel lese, habe ich das leise Gefühl, daß die Stadt München es sich mit diesen Plänen zu einfach macht. Verwaltungstechnisch ist das ja auch praktisch! Eine Sündenbockstrategie funktioniert immer irgendwie. Oberflächlich gesehn zumindest. Man muß sich nicht mehr um die individuelle Situation kümmern, man kann die einfach eine Schublade stecken.
Effektiv ist das aber nicht.
Sicher, man überlegt schon, ob es jetzt eine gute Idee ist, einem Bettler Geld zu geben, wenn es offensichtlich ist, daß er einer von denen ist, die ihr Geld dann abends dem Chef abliefern müssen… mein momentaner Kompromiß (normalerweise geb ich eingentlich allen was) ist, stattdessen eine Zigarette zu spendieren. Kommt irgendwie auch gut an bisher.

************

Feminist Bore-Out
; genialer Begriff – trifft er doch genau das Gefühl, das einen immer wieder überfällt:

Mit halbem Auge verfolgte ich dabei das Treiben in den diversen sozialen Netzwerken, und so stach mir irgendwann ein Hinweis auf ein neues Opus Magnus des Laber-Rhabarbers ins Auge: Ein Buch namens “Tussikratie” sei nun erschienen, geschrieben von den zwei Journalismus-Tussneldas Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, und das Brigitte-Magazin fragte dazu ganz aufgekratzt: “Übertreiben wir es mit dem Feminismus?” Hui, wie aufregend! Nicht.

Ich konnte besagten Artikel nur 20 Sekunden lang überfliegen, und dann entschied ich mich, dass ich mich anstatt auf den ewiggestrigen Null-Acht-Fuffzehn-Content zu “Tussikratie” (O-Ton: Gelaber über Geschlecht-Gedöns verursacht noch mehr Probleme. Männer sind auch arm dran. Frauen haben mehr Möglichkeiten (zum Beispiel in der Mode, bunte Kleider und so). Männer sind auch arm dran, weil sie keine Männerbewegung haben. Und überhaupt, es gibt ja auch noch den armen Hausmann. Über den lachen ja auch alle, wenn er mal Kuchen in den Kindergarten trägt. Schnarchschnarchschnarch.) doch eher lieber wieder auf die mittlerweile Tauben fütternde Polly Flint konzentrieren wollte. Klick und weg. Ich schaffte es, noch bevor mir mein Arm eingeschlafen war. Juchheissassa!

************

Keine große Überraschung, aber dennoch zum Kotzen – der Altherrenclub in juristischen Fakultäten benotet scheinbar gern nach Geschlecht und Herkunft:

Gemeinsam mit zwei Kollegen vom Max-Planck-Institut und der Uni Göttingen hat er Tausende Datensätze von Jura-Studenten aus Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Erschienen ist ihre Analyse „Zur Benotung in der Examensvorbereitung und im ersten Examen“ in der „Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft“ (Studie als PDF). Sie fragten sich unter anderem: Was beeinflusst die Examensnote? Unterscheiden sich die Ergebnisse von Männern und Frauen? Von Studenten mit deutschem und nicht-deutschem Namen?

Das Resultat erschreckt: Frauen schneiden im Examen knapp zehn Prozent schlechter ab – bei gleichen Leistungen und Voraussetzungen. Ähnliches gilt für Studenten mit ausländischem Namen. Traxler sagt: „Wer sich ein Bildungssystem wünscht, das hinsichtlich Geschlecht und Herkunft neutral wirkt, dem sollte dieses Ergebnis Bauchschmerzen bereiten.“

************

Die Mädchenmannschaft interviewt das Berliner Künstler_innenkollektiv „COVEN“:

COVEN Berlin wurde in der Küche der Gründerinnen Lo Pecado und Judy Mièl ins Leben gerufen. Nach monatelangem Reden, Lästern, Lachen und Philosophieren über das Erwachsenwerden als queere Frauen in einer patriarchalen, hetero-normativen Gesellschaft wollten wir unsere Erfahrungen teilen, den Küchentisch verlassen und uns in die öffentliche Sphäre wagen. Was zunächst als Blog begann, entwickelte sich zu einem Online-Magazin, einem Kollektiv aus Menschen mit verschiedenen Herkünften, Hintergründen und Fachkenntnissen. Zum einen kamen diese aus unseren Freund_innenkreisen, zum anderen hatten wir online zur Kooperation mit COVEN Berlin aufgerufen. Wir wurden überrascht wie viele interessante und motivierte Leute sich tatsächlich gemeldet hatten. Als wir am Anfang noch zu zweit waren, hatten wir mit Lo den theoretischen, journalistischen und inhaltlichen Teil und mit Judy den kreativen, visuellen Teil kombiniert, jedoch aufgrund des zeitlichen Aufwands eines Online-Magazins lange nicht abgedeckt. Jetzt sind wir ein multi-mediales Kollektiv, eine Gruppe von ‘Feminist Conqueerors’.


***********

(Lamgsames) Umdenken bei der UNO in Sachen Drogen:

„Heute hat eine Arbeitsgruppe des UNO-Büros zur Drogen und Verbrechensbekämpfung angekündigt, grundlegend neue Empfehlungen auszusprechen, welche die Strafverfolgung für Drogengebrauch in Frage stellt. Die wissenschaftliche Beratergruppe zu Drogenpolitik, Gesundheit und Menschenrechte der UNODC – unter anderem Nora Volkow, Vorsitzende des Nationalen Instituts gegen Drogenmissbrauch (NIDA) der USA – werden ihre Empfehlungen auf dem High Level Meeting der 57. Internationalen Suchtstoffkonferenz vorstellen. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sagen “strafrechtliche Verfolgung ist nicht hilfreich” und sprechen damit den Drogengebrauch und -missbrauch an.“

Die DPA war sehr Glücklich dies zu Hören: „Es gibt einfach keine wissenschaftliche Basis in der Wissenschaft, Gesundheit oder Ethik um jemanden bloß wegen Drogenbesitzes in das Justizsystem zu verfrachten.“ so DPA Sprecher Ethan Nadelmann. „Hoffentlich helfen die Empfehlungen der UNO, den globalen Trend hin zu einem Ende der Kriminalisierung des Drogenkonsums und -besitzes. Dies würde in den Vereinigten Staaten einen enormen Unterschied ausmachen.“

***********

Bei Kleinerdrei wird die wunderbare Sookee zu ihrem neuen Album interviewt:

kleinerdrei: Ich könnte mir vorstellen, dass es innerhalb der linken Szene krasser ist mit der Kritik. Stimmt das?

Sookee: Ja, klar. Aber um das zu sagen: Ich halte mich immer auf dem Laufenden, lese viele, viele Blogs, schaue, was gerade thematisiert und diskutiert wird, um nicht hinter der Zeit zu sein. Ich schaue, was es für sprachpolitische Erkenntnisse gibt. Aber trotzdem habe ich auch hier keine Lust, die Maßstäbe von anderen zu erfüllen. Es müssen einfach mehr politisch motivierte Rapper*innen her und gut ist.

kleinerdrei: Das ist die Lösung?

Sookee: Ja (lacht), ganz einfach. Ich mache Workshops für Frauen/Lesben/Trans*, ich versuche, mein Wissen zu teilen und da zu unterstützen, dass Leute nachwachsen und Bock haben, sich auf die Bühne zu stellen. Ich fand’ es ja schon in der Rapszene unangenehm, eine von wenigen Frauen zu sein. Das hier ist ja die gleiche Situation und auch hier finde ich es unangenehm. Ich fände es cool, wenn es hier so wäre wie in Großbritannien.

************

Mohamed Amjahid berichteg von seinen Erfahrungen mit „Racial Profiling“ und fordert: entweder wir jede_r kontrolliert oder keine_r.

Das Bundesinnenministerium möchte trotz massiver Kritik von Migrantenverbänden und Parteien an dieser Praxis festhalten. Sie erhöhe „das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden spürbar“, heißt es in einem internen Bericht des Ministeriums. Andere EU-Staaten gehen mit ihrer Gesetzgebung und Kontrollpraxis noch weiter. Als ich bei einer anlasslosen Kontrolle am Nordbahnhof von Brüssel meinen Reisepass nicht vorzeigen konnte – weil ich meinen Reisepass selbstverständlich nicht immer dabeihabe –, drohten die Polizeibeamten, wenn ich mich nicht an Ort und Stelle ausweisen könne, müsse ich 500 Euro Strafe zahlen. Nur eine lange Diskussion und mein Presseausweis brachten mich aus dieser misslichen Lage.

In bayerischen Zügen liegt meine persönliche Kontrolliert-werden-Quote bei 100 Prozent. In einem Regionalzug nach Kempten im Allgäu saßen neulich zwei weiße Amerikaner mit überdimensionierten Reiserucksäcken und deutsche Kurgäste, die sich auf ihren Aufenthalt auf der Alm freuten. Von der Bundespolizei kontrolliert wurden nur drei Passagiere: ein junger Schwarzer, ein Mädchen mit Kopftuch und ich. Bekannte erzählen mir immer wieder von Situationen, in denen sie gewaltsam festgehalten und abgeführt wurden. Viele von ihnen meiden unnötige Aufenthalte auf Bahnhöfen.

************

Dem Flüchtlingskind Leonardo wurde medizinische Hilfe unterlassen, als er in einer Notlage war – und nur knpp überebte, mit einem Zehen und einem Finger weniger. Jetzt beginnt die Verhandlung:

Auch als der Junge große schwarze Flecken im Gesicht, an Armen und Beinen hatte, wollte man an der Pforte des Aufnahmelagers keinen Krankenwagen rufen. Schließlich schickte man die Familie bei winterlichen Temperaturen zu Fuß ins zwei Kilometer entfernte Dorf. Dort erbarmte sich ein Autofahrer, die Flüchtlingsfamilie zu einer Kinderärztin zu fahren, die ebenfalls in Fürth vor Gericht aussagte.

Die Kinderärztin ließ das Kind sofort in die Klinik bringen, wo das Leben des kleinen Leonardo nur knapp gerettet werden konnte. Er war an einer Meningokokkeninfektion erkrankt und blieb zwei Wochen im künstlichen Koma. Außerdem musste sich das Kind umfangreichen Hauttransplantationen unterziehen und verlor einen Zeh und einen Finger.

************

Johnny Haeusler stellt fest: es ist großartig, heutzutage Musiker zu sein.

Das Netz hat mit Download- und Streaming-Plattformen nicht dafür gesorgt, dass Menschen plötzlich mehr Zeit zum Musikhören haben. Es hat aber Musik präsenter denn je gemacht und den Zugang zu ihr sehr stark vereinfacht. Und es bietet jungen Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb und beim Marketing, von denen man noch vor zehn Jahren nur träumen konnte.

Verdienstmöglichkeiten bleiben zwar eine Herausforderung, Dienstleister teuer und die Chancen auf spürbare Gewinne klein. Doch mit bewusst agierenden Unterstützern und Konsumenten, die das Shirt oder die CD direkt bei der Band kaufen und auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Vereine wie die GEMA zwar stark reformbedürftig sind, aber immer noch mehr im Sinne der Urheber agieren als Google und daher im Moment noch für Komponisten und Texter wichtig sein können, überwiegen die Vorteile beim Musikerdasein im digitalen Zeitalter.

Oury Jalloh, Constanze Kurz & Mean Mary

Kindergarten-Nazis, Klassenvielfalt im Klassenzimmer, Aufklärung im Fall Oury Jalloh, Menschenhandel, Spielzeugpräferenz nicht biologisch, Gewalt gegen Bahnsexurity, Constanze Kurz zu Überwachung, Transphobie, Mean Mary & her Banjo, Sexualisierte Gewalt bei der Ivy League, Cyberübergriffe und neue Frisurenordnung bei der US Army.

________

Cyberstalking und zu sorgloser Internetumgang bei Portalen werden auch für Frauenhäuser immer mehr zum Problem:

Schleswig-Holsteins Chefdatenschützer Thilo Weichert betonte, dass Aufklärung und Medienkompetenz wichtig seien. Hier seien öffentliche Stellen wie Polizei, Datenschutzbeauftragte, Beratungsstellen gefragt. Er kritisierte Facebook, das gezielt um Kinder und Jugendliche werbe.

Opfer des Internets können auch die Frauenhäuser selbst werden: Internetdienste oder regionale Portale listen die Gebäude – die eigentlich streng darauf achten, ihre Anonymität zu wahren – mit voller Adresse auf oder zeigen den Standort in einer Karte an. „Es ist hochgradig schwierig, das löschen zu lassen“, so Anita Brüning vom Frauenhaus Norderstedt. Gerade die großen Anbieter wie Facebook oder Google reagierten selten auf diese Bitten. „Denen ist der Schutz völlig egal“, sagte Astrid Ackermann.

********

Candytechno über Transphobie auf Sexparties:

Unfassbar dass direkt darunter steht dass mensch die sexpraktiken anderer nicht verurteilen sollte und bei missfallen wegsehen kann. (AUSSER BEI EINEM “PENIS”!!!!!!!! DA KANN ICH UNMÖGLICH WEGSEHEN!!!! AU!!!! EIN “PENIS”! AHHH!) Hier wird sicherlich (auch) auf BDSM angespielt. In dem fall ist es erst recht absurd: Eine BDSM szene kann triggern weil es sich um eine konsensuale handlung handeln kann die andere möglicherweise genauso selbst erlebt haben jedoch nicht-konsensual. Eine solche szene zu sehen kann die erinnerung an selbst erlebte situationen wecken und daher triggern. Die verantwortung dafür sich nicht triggern zu lassen wird hierbei den zuschauenden überlassen.

Beim thema genitalien wird übergriffig und transphob definiert wer “als männlich gelesene” genitalien besitze (und wer nicht) gleichzeitig wird die definition niemals deutlich ausgesprochen oder per bild oder gif dargestellt. Es wird davon ausgegangen dass alle wissen welche genitalien “als männlich gelesen” werden. Diese personen sollen sich und ihre genitalien verstecken. Ihnen wird die verantwortung für den cis sexismus den die anderen teilnehmenden evtl internalisiert haben in die schuhe geschoben. Der gedanke dass die genitalien der leute die sich verstecken sollen von anderen als erotisch und begehrenswert empfunden werden findet hier keinen platz. Gleichzeitig werden “alle körperlichkeiten” mit “respekt” überschüttet sodass wut oder empörung über diese formulierung verunmöglicht wird.

Vag*

********

Mißbrauchsopfer in amerikanischen Eliteuniversitäten wehren sich gegen sexualisierte Gewalt – während die Unis das lieber unter den Tisch kehren würden:

Der jungen Studentin wurde gesagt, sie könne den Fall an der Uni zwar eröffnen, aber vermutlich würde er fallengelassen. Dieses Risiko war ihr zu groß, wie sie schreibt. Sie habe Angst gehabt, dass dem Täter offiziell Recht gegeben würde. Zuletzt hatte sie zumindest erreichen wollen, dass der junge Mann das Haus wechselt. Doch auch diesem Wunsch sei die Uni nicht nachgekommen.

Scott Berkowitz, Gründer der Organisation RAINN (Rape, Abuse and Incest National Network), sagte dem Fernsehsender ABCNews, dass derlei Vorgehen der Hochschulen typisch sei. Er könne nicht beurteilen, ob sich die Uni in diesem speziellen Fall falsch verhalten habe, aber die Vorwürfe der Harvard-Studentin würden vielen anderen gleichen.

*********

Mean Mary playin‘ Cripple Creek!

********

Schöner Artikel im New Scientist, in dem ein für allemal klargestellt wird, warum Spielzeugpräferenzen von Kindern eben NICHT biologisch bedingt sind:

Newborn boys and girls, untouched by the forces of gender socialisation, supposedly show stereotypical preferences for looking at hanging mobiles versus faces, respectively. And, we are told, girls with congenital adrenal hyperplasia (CAH), who are exposed to unusually high levels of testosterone in the womb, prefer „boy toys“.

But these findings are far less compelling than they appear. For instance, if the preference of female rhesus monkeys for stuffed animals shows that love of dolls is „innate“ in girls, what do we make of the fact that the favourite toy of male vervet monkeys was a stuffed dog, which they played with more than a third longer than a toy car?

Recent experiments, more methodologically rigorous than the much-cited mobiles versus faces newborn study, found no sex differences in the preferences of babies for looking at objects versus faces. Both preferred the latter to an equal extent. And girls with CAH – born with atypical or masculinised genitalia, who undergo intensive medical and psychiatric intervention and have physical characteristics inconsistent with cultural ideals of feminine attractiveness – may be more willing to play with „boy toys“ because of unconsidered effects of the condition on their psychosexual development, rather than because their brains have been „wired for wheels“.

********

Die neue Frisurenordnung der US-Armee stellt besoders für Afroamerikaner_innen ein Problem dar:

Feldwebel Jasmine Jacobs hat nun eine Petition an das Weiße Haus gestartet, um die strengen neuen Regeln zu kippen. Mehr als 10.000 Unterstützer hat sie schon. Jacobs trägt zwei am Kopf entlang geflochtene Zöpfe und erklärte der Zeitung „USA Today“, sie sei nun ratlos, was sie künftig mit ihrem Haar anfangen solle. „Meine Frisur entsprach den bisherigen Regeln. Sie hat mich beim Tragen eines Helms nie behindert.“

Laut „Washington Post“ kommt die neue Dienstvorschrift genau zu einer Zeit, in der immer mehr afroamerikanische Frauen zum natürlich krausen Look zurückkehren. Die Zahl derer, die ihre Haare künstlich glätten, sei auf 30 Prozent gesunken. Der Absatz von chemischen Glättungsmitteln habe in den vergangenen fünf Jahren um 26 Prozent nachgelassen.

********

Menschenhandel – Interview mit Jes Richardson, direkt davon betroffen:

Der erste Schritt ist, eine Brücke der Verständigung, des Mitgefühls, der Liebe und Demut zu bauen. Wie können wir zwei Gruppen vereinen, ohne ein tiefes Verständnis der Erfahrungen und Meinungen der jeweils anderen zu haben? Anti-Menschenhandels-Organisationen und Einzelpersonen sind mit der Behauptung, dass die GESAMTE Prostitution Menschenhandel oder Sklaverei ist unglaublich verletzend gewesen und Sexarbeiter*innen entgegnen mit einer entsprechend starken Meinung. Wir alle müssen die Erlaubnis haben, zu wachsen und unsere Ansichten zu ändern, niemand von uns ist perfekt und es gibt keine Erfahrungen, die identisch sind; wir müssen voneinander lernen. Selbst meine eigene Sprache hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, weil ich immer mehr verstanden habe. Ich bin eine Expertin in meinen eigenen Erfahrungen und ich verstehe, dass andere Menschen zwar das gleiche Label haben, dass aber ihre Erfahrungen ganz anders sein könnten als meine eigenen. Beide Seiten müssen unvoreingenommen an einen hypothetischen Tisch kommen, aufrichtige Entschuldigungen müssen gegeben und angenommen werden und dann können wir uns als ein kollektives Ganzes voranbewegen.

*********

Wie umgehen mit Nazinachwuchs im Kindergarten?

Im Rahmen des Projektes „Eltern stärken“ bietet [Eva Prausner] seit vergangenem Jahr Seminare für Erzieher aus Berlin und Brandenburg an, weil es zunehmend Nachfragen aus Kindertagesstätten gibt. Den Erziehern waren bei Eltern umstrittene Symbole wie Runen-Tattoos oder Zahlencodes auf T-Shirts aufgefallen. Ein Kursteilnehmer erzählte ihr, dass ein rechtsextremes Elternpaar forderte, keine Fotos zu machen, auf denen das eigene Kind mit einem Kind anderer Herkunft zu sehen sei. „Es ist besonders wichtig, dass sich der Kindergarten ein Leitbild gibt. Also sich darauf festlegt, dass rechtsextreme Ideologie nichts in der Einrichtung zu suchen hat. Dies muss auch den Eltern kommuniziert werden“, sagt Prausner. Manche Kitas hätten sich sogar mittlerweile entsprechende Hausordnungen gegeben.

********

Warum der Fall Oury Jalloh endlich gründlich und ohne Tabus untersucht werden muß:

Im Fall Oury Jalloh gehen dessen Freunde schon lange davon aus, dass er sich nicht selbst angezündet hat, sondern ermordet wurde. Für die Ermittler war dies bisher undenkbar, nun scheint sich das Tabu etwas zu lockern.

Doch auch wenn nun hoffentlich alle naheliegenden Fragen gestellt werden, dann gelten am Ende doch rechtsstaatliche Grundsätze. Nur weil die Selbsttötung Jallohs unwahrscheinlich war, ist ein Mord von Polizisten oder Dritten noch nicht bewiesen.

So könnte es zwar sein, dass Polizisten Jalloh misshandelt haben und dann durch einen Brand in der Arrestzelle die Spuren verwischen wollten. Naheliegend ist das aber keineswegs. Polizisten haben genug Erfahrung, Verletzungen auf der Polizeiwache zu erklären, gerade bei einem betrunkenen und aggressiven Mann. Es ist abwegig, dass sie deshalb einen Mord begehen, der soviele Fragen aufweist und sie erst recht verdächtig macht.

********

Gewalt bei der Bahn – trifft auch die Bahn Security immer mehr:

Es ist einer der schwersten Vorfälle der vergangenen Monate, doch die Zahl der Übergriffe gegen Mitarbeiter der Bahn steigt seit Jahren stetig an. 2013 erreichte sie einen neuen Rekord: Ganze 1199-mal wurden Sicherheitsleute und Zugbegleiter Opfer von Körperverletzungen. Das geht aus dem Sicherheitsbericht hervor, den die Bahn an diesem Mittwoch vorstellen wird. Im Jahr zuvor waren es noch etwa 200 Vorfälle weniger gewesen. Es scheint ein gesamtgesellschaftliches Phänomen zu sein, auch Übergriffe gegen Polizisten nehmen zu. Bei der Bahn ist man dennoch alarmiert über den 20-prozentigen Anstieg. „Unsere Kollegen sind kein Freiwild“, sagt Gerd Becht, der im Konzernvorstand für das Thema Sicherheit zuständig ist. „Wir dulden keine Gewalt.“

*********

Über G8/9, Stadtteilschulen und Vielfalt im Klassenzimmer:

Für meine Kritik liefere ich jetzt noch ein paar Zahlen nach: Dem aktuellen Run auf die Gymnasien schadet es nämlich ganz offensichtlich nicht, dass das Abitur in acht Jahren den Kindern (zumindest nach Ansicht von uns Eltern) extremen Stress aufbürdet: Obwohl sich eine deutliche Mehrheit in einer Umfrage des Hamburger Abendblatt gegen G8 ausgesprochen hat, steigen die Zahlen der Anmeldungen, anstatt zu sinken. Die Angst vor dem Stress für die Kinder scheint immer noch kleiner zu sein als die Angst davor, dass das eigene Kind auf eine Schule geht, auf die jeder gehen kann.

Das wirklich Unangenehme an dieser Situation ist, dass sie für jeden Einzelnen unlösbar ist, während wir aber alle einzeln und allein sind. Denn als Eltern haben wir letztlich immer nur unsere eigenen Kinder im Blick, und so gehört sich das meiner Meinung nach auch. Ich bin sehr für die Lösung gesellschaftlicher Probleme, für Integration und Toleranz und alles mögliche andere, aber da, wo ich wohne, ist das ein Bekenntnis, das tatsächlich Folgen hat.

********

Jakob Augstein interviewt Constanze Kurz
vom CCC:

Wieso sähen Politiker aus dem Osten, z.B. Merkel und Gauck, die die Einschränkungen der Freiheit erlebt hätten wie Constanze Kurz, die Bedrohungen nicht, die sich durch diese Entwicklungen für die Freiheit und die Menschenrechte auftun, sorgte sich Jakob Augstein. Constanze Kurz meinte dazu, die sähen das durchaus, aber die hätten eigentlich keine Wahl, denn sie hätten weniger Furcht vor dem „Abschnorcheln“ ihrer Daten als davor von wichtigen Daten abgeschnitten zu werden. Eine interessante Perspektive.

Allerdings sei es doch ziemlich „schräg“, wenn die deutsche Wirtschaft beginne, ihre „Überwachungssorgen“ .zu artikulieren, meinte Augstein, aber Constanze Kurz schränkte ein, dass die großen Wirtschaftsverbände eher USA-dominiert seien. Kontinentale Netze seien keine Lösung meinte Constanze Kurz. Wir alle nutzten die USA-Anbieter.