Archiv der Kategorie 'Gute Seelen'

Betitteter Mistkäfer

Vor zwei Wochen erklärte Redaktionsleiterin Christiane Florin im Editorial, warum sie eine Anzeige des katholischen Hilfswerks Kirche in Not abgelehnt hat. Hauptargument: In der Anzeige lautete ein Punkt „Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“. „Meinungsdiktatur“ sei keine Kritik an der Demokratie, sondern Diffamierung. Auch in der Kirche gehe offenbar Pegida-Vokabular um, hieß es im Editorial. Danach erreichten die Redaktion so viele Zuschriften wie noch nie in den vier Jahren von Christ&Welt in der ZEIT. Uns hat überrascht, mit welchen Worten Christentum und Abendland verteidigt werden.

Pfui (Triggerwarnung).

Kostprobe:

Schmeißen Sie diesen betitteten Mistkäfer raus, die soll zu den Grünen gehen, als Putze.

Ernsthaft. Das steht da. Mit vollem Namen unterschrieben.
Gerade eben war ich noch angekotzt wie Sau. Aber jetzt habe ich Bilder im Kopf, aus denen Berufenere ein Comic machen sollten.

Ich übergebe das Wort an Herrn Widmann:

(Via.)

Häschenmaschine, Hurenrechte & Rio Reiser vs. Störkraft

Nein heißt Nein, Babypinguinroboter, Körperwahrnehmung statt Diätfraß, Rio Reiser vs. Störkraft ’92, GDL-Streik, queerfeministischer Kalender, Hurenrechte (und -pflichten) in Österreich, #EMMAistfürmich, Häschenmaschine, islamophobe „Focus“-Ausgabe und aus der Waldwohnung geworfen.

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Körperwahrnehmung schulen statt Diätfraß mümmeln, yesyesyes:

SPIEGEL ONLINE: Was genau verstehen Sie unter somatischer Intelligenz?

Frankenbach: Somatische Intelligenz ist die Fähigkeit unseres Körpers, durch Lust, Abneigung und Bekömmlichkeit zu zeigen, was er braucht und was nicht. Jeder Mensch braucht zum Beispiel Zucker, um das Gehirn laufen zu lassen und Organe und Muskeln zu versorgen. Wenn ein Mensch unterzuckert ist, bekommt er Lust auf Süßigkeiten. Da muss er keinen Ernährungsberater anrufen oder im Lexikon nachschauen, sondern sein Körper sendet ein eindeutiges Signal, nämlich Heißhunger auf Süßes.

SPIEGEL ONLINE: Viele Menschen haben aber ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihrem Heißhunger auf Süßigkeiten nachgeben.

Frankenbach: Das sollte man deshalb nicht haben. Besser wäre es, sich zu fragen: Warum will ich das jetzt essen? Brauche ich das wirklich? Wenn Ihnen etwas nicht bekommt, wird Ihr Körper Ihnen das mitteilen, in Form von Blähungen, Sodbrennen, Bauchkrämpfen, unruhigem Magen oder verschlechterter Stimmung. Langfristig oft auch mit Problemen bei Haut und Haaren.

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„Aussteiger“
find ich jetzt zu hoch gegriffen, trotzdem schade:

Es ist nicht das erste Mal, dass Baumeister im Wald schläft. Nach einem Auslandsaufenthalt in Ghana hatte er 2012 in Bingen am Rhein schon einmal einige Monate abwechselnd bei Freunden und im Wald übernachtet. Seinen Tagesablauf betreffend, ist er trotzdem kein klassischer Aussteiger. Tagsüber geht er in die Uni. Ein- bis zweimal die Woche jobbt er, trifft Freunde. Tagsüber Stadtleben, nachts die Stille des Waldes.

„Für mich ist das kein Rückzug aus der Gesellschaft, sondern eine Variante von befreitem Leben ohne Mietlast und zu viel materiellen Besitz“, erklärt er seine Entscheidung. Was ihn antreibt, ist auch die Sehnsucht nach der Natur.

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Roboter-Pinguin-Atrappe
– also ich muß zugeben, daß ich allein das Bild schon übelst niedlich finde! Was aber auch hauptsächlich an dem Blick der echten Pinguine liegt:

Nähert sich ein Mensch, um die Werte abzulesen, sind die Pinguine sofort gestresst – und damit die Werte verfälscht. Im schlimmsten Fall werden sie sogar von ihrer Brut abgelenkt.

So kamen die Wissenschaftler auf die Idee, Roboter einzusetzen. Doch auf die ersten Versionen ohne Kostüm reagierten die Pinguine ähnlich wie auf Menschen. Erst die sechste Variante des Rovers, mit Babypinguin-Outfit, konnte sie überzeugen. Statt zu flüchten, nahmen die Pinguine den kleinen Roboter freundlich in ihre Reihen auf.

Einige Pinguine hätten in dem Rover wohl einen potenziellen Spielgefährten für ihren Nachwuchs gesehen, sagt Le Mahon: „Sie waren sehr enttäuscht, dass er nicht geantwortet hat. Das nächste Mal werden wir einen Rover haben, der Lieder abspielen kann.“

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„Wie islamophob ist der ‚Focus‘?“

“Ein Glaube zum Fürchten”, so lautet die Überschrift des aktuellen Focus-Titels. Es geht, Überraschung, um den Islam. In dem Text, der eigentlich ein Pamphlet ist, werden “acht unbequeme Wahrheiten” über diese Religion versprochen. Leider offenbart die Lektüre auch eine Reihe unbequeme Wahrheiten über den Focus.

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Interview mit Kunsttheoretiker Jonathan Crary:

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Schlaf denken?

Unser Schlaf ist Überbleibsel einer vormodernen Ordnung, wie sie über Tausende von Jahren existierte. Erst seit Kurzem kommt es zu Störungen dieser Zeitlichkeit. Unser Leben ist in Zyklen von Aufwachen, Arbeiten und Pausieren strukturiert. Und der Prozess der Regeneration ist untrennbar verbunden mit dem agrarischen Universum, welches auch das soziale und ökonomische Leben in saisonale Zyklen unterteilt. Nicht nur in den Rhythmus von Tag und Nacht, sondern auch in den der vier Jahreszeiten. Damit einhergehend haben wir ein nachhaltiges Verhältnis zur Landwirtschaft und zu den symbolischen Ordnungen des Lebens entwickelt. Die industriell geprägte Zivilisation hat bereits viele dieser Muster zerstört. Aber der menschliche Schlaf ist nicht so einfach modifizierbar, wie es uns die Wirtschaftswissenschaften suggerieren. Ich sehe den ungestörten Schlaf durchaus auf sicherem Grund: Er gehört in ein Zeitintervall, das nicht einfach eliminiert und auch nicht ohne Weiteres kapitalisiert werden kann.

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Anschauen!

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Häschenmaschine

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Klarer, guter Kommentar zu Justizminister Maas‘ Vorstoß zur Reform des Strafrechts in punkto Vergerwaltigung(Triggerwarnung):

Nun ja, die Initiative hat sicher einen Symbolcharakter. Vielleicht hat sie auch Auswirkungen auf die Zahl der zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen. Aber solange eine vergewaltigte Person ihr nein nicht auf Band aufnimmt, wird es wohl vor Gericht keine Beweislast haben. Schließlich sind Täter und Opfer in der Regel zu zweit.

Aussage gegen Aussage. Und die Tatsache, dass über ein einfaches Nein beraten wird steht ja vielleicht auch für einen Wechsel in der Wahrnehmung. Bisher schwingt in den Vergewaltigungsprozessen noch immer die Frage mit, ob sich das Opfer auch angemessen zur Wehr gesetzt hat. Was es an hatte, wie es sich sonst verhalten hat.

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Zum GDL-Streik:

Eingeschränkte Mobilität, das ist das alltägliche Versagen der Deutschen Bahn. Das sind unendlich steigende Ticketpreise im Nah- und Fernverkehr (bei 19,20 Euro ALG II für den ÖPNV pro Monat), Ausfälle und Verspätungen wegen beschädigter Bahnen und Strecken, ein lückenhaftes Streckennetz, immer mehr geschlossene Bahnhöfe, kaum funktionierender Ersatzverkehr bei Störungen, und das Winterprinzip (Pro Schneeflocke eine gecancelte Fahrt). Das ist die Konsequenz von Privatisierung öffentlicher Güter.

Eingeschränkte Mobilität, das sind die Barrieren, die Leute mit Rollstuhl, Rollator, Krücken vom Reisen abhalten, das sind Zugfahrer_innen, die keine Zeit haben, die Rampe auszufahren, das sind fehlerhafte oder undeutliche Durchsagen, das sind überfüllte, stickige, zu heiße oder zu kalte Wagen. Das ist Ableismus.

Eingeschränkte Mobilität, das sind die inneren EU-Grenzen, die nur für weiße Menschen easy zu überqueren sind, das ist Racial Profiling bei Ticket- und Ausweiskontrollen, das ist Polizeigewalt und rassistische Schikane durch Behörden und Beamte, das sind die äußeren EU-Grenzen, an denen Leute ertrinken, verhungern, verdursten und ermordet werden. Das ist Rassismus.

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Die kostenpflichtige wöchentliche Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten, die für österreichische Prostituierte vorgeschrieben ist, könnte in Zukunft umsonst, anonym und freiwillig geschehen:

Bereits 2010 klagte das Sexworker-Forum Wien in einem Schattenbericht an die Uno über Verletzung der Menschenwürde durch die Pflichtuntersuchung. Auch die Weltgesundheitsbehörde äußerte ihre Bedenken.

In manchen Bundesländern sollen Frauen laut Augenzeugen aufgereiht und am Unterleib entblößt auf ihre Untersuchung warten müssen, ohne einen Sichtschutz dazwischen. Auch, dass in einigen Ländern Gebühren verlangt werden und in Wien etwa nicht, steht rechtlich auf wackligen Beinen.

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Antje Schrupp kommentiert die #EMMAistfürmich-Twitterlawine:

Es stimmt: An EMMA war schon immer problematisch, dass Alice Schwarzer sehr klar definiert, was ihrer Ansicht nach feministisch ist und was nicht, und dass sie Frauen mit anderen Ansichten als quasi vom Patriarchat gekauft diffamiert anstatt sie einer ernsthaften Auseinandersetzung würdig zu erweisen.

Aber die Haltung „Soll halt jede machen und meinen was sie will“ ist nicht das Ziel feministischer Politik, sondern lediglich ihr Anfang.

Ihr Anfang deshalb, weil die Vorstellung, dass Frauen machen, was sie wollen – und nicht, was sie nach Ansicht von Männern oder aufgrund der Natur oder laut dem Willen Gottes tun sollen – tatsächlich die symbolische Revolution ist, die der Feminismus gebracht hat. Weibliche Souveränität und weibliche Subjektivität war in Zeiten vor der Frauenbewegung nicht vorgesehen, nicht einmal denkbar. Frauen, die damals (was natürlich vorkam) souverän waren und ihren Subjektstatus behaupteten, taten das der herrschenden symbolischen Ordnung zufolge obwohl sie Frauen waren, markierten also sozusagen die Ausnahme, die die Regel bestätigte.

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Mädchenblog-Terminkalender für gelangweilte Feminist*innen:

Auch haben Menschen unterschiedliche Planungsbedürfnisse. Manche sind eher spontan, was mache ich heute? Andere (so wie ich zum Beispiel), wollen alles bereits wochenlang im voraus minutiös durchorganisieren. Langer Rede, kurzer Sinn:
Es gibt einen Kalender.

Aktuell mit langwieriger URL, das Design lässt zu wünschen übrig und ins Mädchenblog selbst ist er noch (!) nicht eingebunden. Aber: ihr könnt ihn euch anschauen und nutzen. Terminvorschläge sind via Twitter, aber auch dem Kontakt-Formular gerne gesehen.

Rinderzucht, Grundgesetz und Sextips

Generation Babyboom und Politik, Pam Anderson über Mißbrauch, alternative Rinderzucht ohne Qual, Oranienplatz-Flüchtlinge suchen Kirchenasyl, Film „Fattitude“, Photoshop bei Gemäldeschönheiten, Kermanis Rede zum Jubiläum des Grundgesetzes, Sextip von Les Petits Plaisirs, MONAliesA braucht Support, Paulchen Panther-Melodie auf Nazidemos erlaubt, Saudis sanktionieren Holländer und Kleinerdrei für Grimme Online Award nominiert.

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Ein Balinger Rinderzüchter hat sich das Recht erstritten, seine Tiere auf schonende Weise auf der Weide selbst zu schlachten – Probleme bekommt er nun, weil er sich immer noch weigert, den Kälbern Marken ins Ohr zu stanzen:

Im Ohrmarkenstreit ist Maier auch deshalb so stur, weil sein ganzes Konzept gefährdet ist. „Wenn man verlorene Ohrmarken bei erwachsenen Tieren neu einstanzen muss, ist das ein Affentheater“, sagt er. Der Landrat, der ihm die Ausnahmegenehmigung erteilt hat, sieht sogar Lebensgefahr für Maier, wenn der seinen „verwilderten Tieren“ Ohrenmarken einziehen müsste. Maier sagt: „Durch das Einstanzen der Ohrmarken wird das Vertrauen zwischen Mensch und Tier schon in den ersten Lebenstagen nachhaltig gestört.“ Wenn sie ihm nicht mehr vertrauen würden, käme er nicht mehr so nah an die Tiere heran, wie es zum Schießen notwendig ist. Und anders will er seine Tiere nicht schlachten.

Europa schreibt die Ohrmarken bei Schlachttieren vor, weil Tiere auch nach dem Verkauf zweifelsfrei erkannt werden müssen. Doch Maiers kaufen und verkaufen keine lebenden Tiere.

Maiers Rinder haben Namen. Amber zum Beispiel. Oder Schneeflocke. Er sagt, er erkenne sie zweifelsfrei. Jeder andere kann sie mit einem Lesegerät, das aussieht wie eine große Lupe, identifizieren. Maier setzt den Tieren einen reiskorngroßen Transponder an der Schwanzwurzel ein. Pferde werden so markiert. Und Kampfstiere. Das ist für Maier der Gipfel: „Stierkämpfe sind die größte Sauerei, die auf unserem Kontinent passieren. Und dort darf man die Marken weglassen?“

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Pamela Anderson spricht über ihren in der Vergangenheit erlebten sexuellen Mißbrauch:

„Ich habe Menschen sehr lange nicht getraut“, sagte Anderson am Wochenende in einer Rede in Cannes, aus der unter anderem der „Guardian“ zitiert. „Meine Eltern haben zwar versucht, mich zu beschützen. Aber die Welt war für mich kein sicherer Ort.“ Schon als Kind sei sie von einer Bekannten der Familie sexuell belästigt worden, sagte Anderson.

Später, als Zwölfjährige, sei sie dann von einem 25-Jährigen vergewaltigt worden – „mein erstes sexuelles Erlebnis“, sagte Anderson laut „Daily Mail“ vor 200 Gästen. In der Schule habe ihr Freund dann beschlossen „dass es lustig wäre, mich mit sechs seiner Freunde zu vergewaltigen. Ich wollte nicht mehr auf dieser Erde sein.“

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Was, wenn die Schönheiten auf berühmten Gemälden durch Photoshop heutigen Schönheitsstandards angepaßt würden? Kann man auf takepart sehen:
Goyaphotoshop

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Bei einer Nazidemo das Paulchen Panther-Lied spielen? Die Staatsanwaltschaft München hat kein Problem damit:

Mit der Erkennungsmelodie der Zeichentrickserie Der rosarote Panther war ein Video unterlegt, in dem der NSU seine Opfer verhöhnte. Die Staatsanwaltschaft sah in dem Abspielen des Liedes bei einer Demonstration am 21. Januar 2012 wegen der zeitlichen Nähe zur Festnahme Zschäpes eine Billigung der NSU-Mordtaten.

Der OLG-Senat folgte aber der Vorinstanz und befand, die Melodie dürfe nicht isoliert betrachtet werden. In der Gesamtschau mit der Rede Bordins stelle das Abspielen „aus unserer Sicht eine Billigung von Straftaten nicht dar“ sagte der Vorsitzende Richter. Bordin hatte sich in seiner Rede von den zehn Morden des NSU distanziert.

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Die Unionspolitiker_innen stören sich an Kermanis kritischer Rede zum Grundgesetz-Jubiläum:

„Wir können das Grundgesetz nicht feiern, ohne an die Verstümmelungen zu erinnern, die ihm hier und dort zugefügt worden sind“, sagte der Schriftsteller mit iranischen Wurzeln. Nur wenige Eingriffe hätten dem Text gutgetan. Besonders scharf kritisiert er die „Entstellung des Artikels 16a“, in dem es in Absatz 1 heißt: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“. Ausgerechnet das Grundgesetz, „in dem Deutschland seine Offenheit auf ewig festgeschrieben zu haben schien“, sperre inzwischen diejenigen aus, die auf diese Offenheit am dringlichsten angewiesen seien. Der „wundervoll bündige Satz“ des ersten Absatzes sei 1993 zu einer monströsen Verordnung aus 275 Wörtern geworden, um eines zu verbergen: „Dass Deutschland das Asyl als ein Grundrecht praktisch abgeschafft hat.“ Dem Recht auf Asyl sei der Inhalt, dem Artikel 16a seine Würde genommen worden. „Möge das Grundgesetz spätestens bis zum 70. Jahrestag seiner Verkündung von diesem hässlichen, herzlosen Fleck gereinigt sein“, sagte er.

Der komplette Wortlaut hier. Lohnt sich.

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Realsatire
:

Der niederländische Abgeordnete [Geert Wilders] hatte bereits vor etwa fünf Monaten grüne Aufkleber drucken lassen, die der saudischen Flagge ähneln. Anstelle des Satzes „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet“, der auf der saudischen Flagge steht, ließ Wilders auf seine Aufkleber in arabischer Sprache drucken: „Der Islam ist eine Lüge, Mohammed ist ein Verbechrer, der Koran ist Gift.“

Obwohl sich die Regierung in Den Haag von der Aktion des Parlamentariers distanziert hatte, sollen niederländische Firmen ab sofort nicht mehr bei Ausschreibungen in Saudi-Arabien berücksichtigt werden.

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Die Flüchtlinge vom Oranienplatz suchen nun Kirchenasyl:

Doch was soll eine Gemeinde tun, wenn Flüchtlinge ihr Nein zum Kirchenasyl nicht akzeptieren? Aus seiner Ratlosigkeit macht Pastor Martin Germer keinen Hehl. Am Wochenende durften die ungebetenen Gäste vorübergehend in die Kapelle ziehen, weil auf dem Breitscheidplatz davor Tausende Fußballfans das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Borussia Dortmund feierten. Dann suchte die Kirche nach Räumen, die besser für eine Unterbringung der Afrikaner geeignet waren als ein Gotteshaus, in dem täglich Hunderte Touristen ein- und ausgehen.

Zunächst schien es, als bliebe ihr gar nichts anderes übrig, denn vertreiben konnte sie die Männer nicht, auch wenn es ihr Bürgersteig ist, auf dem sie kampierten. Die Afrikaner hatten ihre Aktion als Demonstration angemeldet. „Alles ganz legal“, hieß es bei der Polizei.

Am Dienstag aber nahm die Polizei die Männer dann doch fest. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte es so verfügt, im Alleingang, ohne Rücksprache mit dem Senat.

Plötzlich standen 120 Polizisten vor der Kirche. Sie kontrollierten die Papiere der Flüchtlinge, nahmen sie mit zur Wache – und schickten sie dorthin zurück, wo ihr Asylverfahren läuft: nach Sachsen-Anhalt. Ein Akt, der Stärke demonstrieren sollte.

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Mithelfen, damit MONAliesA wieder durchstarten kann:

Die Frauenbibliothek MONAliesA entstand in den Wendejahren in Leipzig. Seit 1990 ist sie Ort der Bildung und des Austauschs von Frauen und Mädchen verschiedener Generationen – als Bibliothek, als Treffpunkt und Veranstaltungsraum. Sie wurde somit zum unverzichtbaren Ort der feministischen Auseinandersetzung in Leipzig.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste die MONAliesA Ende letzten Jahres den Bibliotheksbetrieb einstellen. Damit ist auch ein großer Teil der personellen und finanziellen Infrastruktur weggefallen. Die Schließung der MONAliesA? Das darf kein Dauerzustand sein!

Wir möchten diese einzigartige Sammlung nicht Geschichte werden lassen. Mit einem neuen Trägerverein wollen wir die MONAliesA wiedereröffnen und dabei mit neuen Ideen auf Altem aufbauen. Das geht jedoch nicht ohne Geld. Die MONAliesA braucht dringend Spenden.

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Kleinerdrei ist nominiert für den Grimme-Online-Preis:

Heute Vormittag wurden in Köln aus über 1.300 Vorschlägen die 23 nominierten Online-Angebote bekanntgegeben und vorgestellt. Die Awards werden in den vier Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung und Spezial verliehen. Neben Kleinerdrei sind unter anderem auch nominiert: Demenz für Anfänger, Make Love und die Reportage “Pop aufm Dorf” über das Haldern-Pop-Festival. Nicole und Daniel vom kleinerdrei-Team sind gerade noch vor Ort und beantworten Fragen zu dem, was wir hier so machen.

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Die Babyboomer werden 50; was hat das politisch für Konsequenzen?

Aber was macht das eigentlich mit einem Land, wenn die größte deutsche Alterskohorte 50 wird? Einerseits nichts, andererseits sehr viel. Denn die Spitzenjahrgänge der frühen sechziger Jahre torpedieren jene natürliche Generationenfolge, die mal für Phasen der Konsolidierung, mal für dialektische Erneuerung sorgt. Diese Masse von Menschen wird im nun gerade beginnenden sechsten Lebensjahrzehnt nicht kürzer treten, wie noch deren Eltern und Großeltern es taten, sondern politisch relevant bleiben wollen. Plötzlich stehen nicht mehr die Jungen gegen die Alten, sondern die Alten gegen die Jungen. Das wird eine spannende Auseinandersetzung, denn die Babyboomer sind eine im Kern unpolitische, vor allem auf Sicherheit und Wohlstand bedachte Kohorte, die für die Anspruchsgesellschaft längst vergangener Zeiten steht. Reformen? Nein, danke! Umbau von Sozialsystemen? Bloß nicht! Generationengerechtigkeit für die Jüngeren und ganz Jungen? Mit uns auf keinen Fall!

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Das Missy Mag berichtet über den Film „Fattitude“ und interviewt die Filmemacherin:

Um Gesetze durchzubringen, muss man erst mal der Öffentlichkeit klar machen, warum es überhaupt neue Gesetze braucht. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen ihre Verachtung gegenüber dicken Körpern im Moment berechtigt und legitim finden. Die erkennen das nicht als Vorurteil, sondern sehen es als moralische Überlegenheit. Und sie neigen dazu, ihre Vorurteile mit einer Gesundheitsideologie zu begründen: Dicksein ist ungesund, deswegen ist es okay für mich, dicke Körper zu verachten. Wir müssen das ganze Klima ändern, die Art, wie im Moment über dicke Menschen gesprochen und gedacht wird.

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Und last but not least gibt es auf Les petits plaisirs den ultimativen Sextip:

Präsenz bedeutet für mich sich seiner Selbst (was auch immer das nun heißen mag), bewusst zu sein, in der Situation. Es heißt, bei sich zu sein. Als Mensch in die sexuelle Interaktion einzutreten, als der, der man ist. Ich zumindest ziehe die Freude aus sexueller Interaktion daraus, das Gefühl zu haben, gemeint zu sein. Dass die Person gerade mit mir Sex haben will, weil sie MICH interessant findet. Es ist ein schönes Gefühl, sich gemeint zu fühlen. Ich will nicht einfach nur irgendjemand sein. Und mein sexueller Gegenüber ist auch nie irgendjemand.
Präsenz ist somit eine Einstellung mir selbst gegenüber. Sie kann nicht von außen, vom anderen hervorgelockt werden, sondern ich bringe sie mit ein.
Sie heißt auch zu versuchen, im Jetzt zu sein. In der Situation, bei sich und beim anderen. Also sich nicht in eine Ebene der Sorgen und Gedanken um das was passiert zu begeben. Das ist vielleicht das schwierige. Sich nicht Gedanken zu machen, über die körperliche Verfassung, darüber wie man wohl ankommt, sondern zu relaxen.

Präsenz im Bett heißt nicht, das Geschehen steuern zu müssen oder nicht auch passiv sein zu können. Es heißt viel eher sich mit Haut und Haaren, mit all der Möglichkeiten zur sinnlichen Erfahrbarkeit ins Geschehen einzulassen, hinein zu stürzen in die Empfindsamkeit. Was können wir nicht alles wahrnehmen. Und das heißt erfahren. Wir sind Menschen voller Sinne die nur danach lechzen gereizt zu werden.

Black Fairy, böse Mütter & Riot Grrrl TV

Wiener Tagung von NGOs und Sexarbeiterinnen, Kritik an § 177 StGB, Black Fairy, Skandal wegen Schülern im Rock, Riot Grrrl TV, Adoption und Wurzelsuche, der Film „Timbuktu“, böse Mütter, Heteros auf Queerpartys, Frauenrollen im deutschen Film und Debattenkultur im Netz.

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„Frauen gegen Gewalt“ erklären, warum der §177 StGB nicht unbedingt hilfreich ist, um die Anzeigebereitschaft von Vergewaltigungsopfern zu stärken:

Konkret heißt das, dass es nicht ausreicht, wenn eine Frau ausdrücklich und mehrfach Nein sagt oder vielleicht auch weint. Die Betroffenen müssen sich körperlich wehren bzw. nur dann nicht körperlich wehren, wenn konkrete Gewaltdrohungen ausgesprochen wurden oder sie dem Täter schutzlos ausgeliefert sind.

Durch die enge rechtliche Auslegung der „schutzlosen Lage“ werden zahlreiche sexuelle Übergriffe strafrechtlich nicht verfolgt. Denn es bleibt unberücksichtigt, dass häufig die gesamte Situation einer Vergewaltigung für Betroffene bedrohlich wirkt und sie sich ohnmächtig und hilflos fühlen. Betroffene befürchten lebensbedrohliche Verletzungen und haben Angst, oft ohne dass der Täter konkrete Drohungen aussprechen muss. Viele lassen die Tat ‚wie erstarrt‘ über sich ergehen.

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Schüler aus Nantes protestieren gegen Sexismus, wozu die Jungs sich Röckchen anzogen. Das war für einige Verklemmte aber scheints der Anfang vom Untergang des Abendlandes:

„Die Jungen im Rock – sollen die Mädchen mit Bart erscheinen?“, höhnte Frigide Barjot, Gallionsfigur der Kampagne gegen die Homo-Ehe. „Schüler aufzufordern, einen Rock zu tragen, ist keineswegs harmlos“, wetterte auch Ludovine de La Rochère. Das sei vielmehr „Travestie und eine Negation ihrer sexuellen Identität“. Die Aktion der Schüler, so die Präsidentin des Dachverbands, sei „eine Provokation zu viel“.

Die Aufregung, welche die Moralapostel im Netz schürten, griff sogar kurz auf das Parlament in Paris über. „Das ist eine ideologische Verirrung“, schimpft die Oppositionspolitikerin Véronique Louwagie. „Unsere Jugend braucht Orientierung“, so die Abgeordnete der konservativen UMP. Hier handele es sich um „eine systematische Vernichtung von Vorgaben, die unsere Kinder formen“. Alles falsch, entgegnete der sozialistische Erziehungsminister Benoît Hamon. Die Opposition verbreite Lügen, diese seien vorformuliert von „radikalen Organisationen“.

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Cristina Nord empfiehlt den Film „Timbuktu“, der momentan beim Filmfestival in Cannes im Rennen ist:

„Timbuktu“ legt einen Handlungsstrang um eine Hirtenfamilie etwas akzentuierter an als die übrigen Stränge, doch vor allem entwirft Sissako ein Panorama, und mit wenigen Strichen gelingen ihm einprägsame Miniaturen: Wie der Imam versucht, die Dschihadisten davon abzuhalten, mit Waffen die Moschee zu betreten, und sie in einen Disput über die Auslegung des Korans verwickelt. Wie eine Marktfrau sich zu wehren versucht, als die Männer sie dazu zwingen wollen, Handschuhe zu tragen. „Wie soll ich den Fisch denn dann waschen?“, hält sie den Bewaffneten entgegen.

Wie die Dorfnärrin sich einem der Jeeps in den Weg stellt und später erzählt, dass das Erdbeben, das am 12. Januar 2010 Haiti verwüstete, sie durch die Erdkruste hindurch getrieben habe. Und ausgerechnet an diesem Ort sei sie wieder aufgetaucht. Noch später tanzt einer der Extremisten einen exaltierten Tanz auf der Terrasse der Närrin.

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Neuer Youtube-Channel mit dem simplen, aber vielversprechenden Namen „Riot Grrrl TV“ und einer symapthisch-engagierten, wie sagt man da, „Moderatorin“.

Bemerkenswert auch, welche Videovorschläge Youtube einem dann hinterher präsentiert…

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Auf Zehenspitzen nimmt sich dem elendiglichen Thema der „Rabenmütter“ an:

Da wäre die Helikopter-Mutter, deren Kind in einer Gummizelle an Zuwendung lebt, die Eislauf-Mutter, die ihr Kind generalstabsmäßig mit Freizeitaktivitäten verplant, die depressive Mutter, die das Kind im leeren emotionalen Raum lässt, die späte Mutter, die später als in der Evolutionsbiologie vorgesehen Mutter wird (ähm?), und die Über-Mutter, die den Boden für Größenwahnsinn bereitet.

So weit so schlicht. Es lebe die ignorante Kausallogik!

Am unglaublichsten finde ich allerdings die Erklärung, warum die Mütter und nicht etwa die Väter oder Eltern generell Schuld an allem sind: “Nur vier bis sieben Prozent aller Väter nehmen eine Kurzzeitkarenz überhaupt in Anspruch. Schätzungsweise 150.000 Mütter in Österreich ziehen ihre Kinder im Alleingang auf. Dem gegenüber stehen 19.000 statistisch erfasste Solo-Väter.” Ach so! Da gäbe es möglicherweise noch weitere mit-verantwortliche Personen für Kindererziehung. Die nehmen diese Aufgabe aber nicht wahr. Egal, Schuld an allem sind die, die die Aufgabe wahrnehmen müssen. Außerdem: Rahmenbedingungen? Who cares? Wie einfach Gesellschaftspolitik und Gesellschaftskritik doch sein können!

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Bei einer Tagung in Wien sprachen Sexarbeiterinnen und NGO-Vertreter_innen über die Verdrängungspolitik in der Prostitution:

[Die Sexarbeiterin Frau Schwartz] selbst sieht viele Vorteile in ihrer Arbeit als Escort: „Das Tolle ist, dass ich mir die Zeit einteilen kann. Das lässt sich wunderbar kombinieren, wenn man Alleinerzieherin ist.“ Somit kommt Schwartz auf eine zentrale Herausforderung von Frauenpolitik allgemein zu sprechen, nämlich das mangelnde Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen. Dieses habe es ihr schwer gemacht, in ihrem erlernten Job als Bürokauffrau und den damit verbundenen Arbeitszeiten zu arbeiten. Von daher lautet auch eine wichtige Forderung des Berufsverbands, Sexarbeit mit anderen Berufen gleichzustellen. Ihr sei es völlig unverständlich, warum die Polizei für Kontrollen in den Betrieben zuständig ist, so Schwartz. So könne man keiner Frau helfen, die zur Arbeit gezwungen werde oder gar Opfer von Menschenhandel sei. Außerdem komme in einer Bäckerei auch das Gewerbeamt. Gleiches müsse auch für Betriebe gelten, die sexuelle Dienstleistungen anbieten.
(…)
Einen weiteren Vorteil sieht Schwartz darin, selbstbestimmt arbeiten zu können: „Wenn ich einmal keine Lust habe oder merke, ich brauche eine Pause, kann ich sie nehmen.“ Dass das nicht für alle SexarbeiterInnen gilt, räumt sie allerdings ein: „Ich bin bestimmt kein Betreiber-Freund“, so Schwartz. Auch wolle sie keineswegs negieren, dass in den Betrieben Opfer von Menschenhandel zur Arbeit gezwungen werden. Die hohen Zahlen, die in den Debatten oftmals genannt werden, bezweifelt sie allerdings. Eine weitere Forderung der Sexarbeiterinnen und ihrer VertreterInnen lautet auch, die Themen Sexarbeit und Menschenhandel klar zu trennen.

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In der Zeit beschäftigt sich Firat Kaya, der als Kind adoptiert wurde, mit seinen türkischen Wurzeln:

Im Studium habe ich mich intensiv mit dem Islam beschäftigt. Meine beiden Promotionen in katholischer Theologie und Linguistik beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Islam und Westen, also mit „uns“ und „denen da“.

Ich habe meine wissenschaftliche Arbeit nicht unbedingt als Verarbeitung meiner Herkunftsgeschichte begriffen, trotzdem war es nicht ein Aufenthalt wie jeder andere, als ich in Istanbul und Ankara für meine theologische Doktorarbeit recherchierte. Hier war meine ursprüngliche Heimat, das Land meiner Väter, wie man so sagt. Hat man etwas im Gepäck, das daran erinnert? Sind die Gene so, dass sie bei der Begegnung mit Türken etwas zum Vorschein bringen, was zu Hause, in Deutschland, nicht aufkeimen kann? Nun, während meines Aufenthalts habe ich nichts dergleichen erkennen können.

Ein guter Freund von mir ist Türke. Er lebt in Berlin, wie ich. Wir machen zusammen Sport, sehen uns also regelmäßig. An seiner Biografie sehe ich, wie mein „türkisches“ Leben hätte verlaufen können. Ein Blick in die parallele Welt: Gastarbeiterfamilie, drei Geschwister, großer familiärer Zusammenhalt. Ein gewisser unternehmerischer Geist, der überall in Deutschland sichtbar wird in Tausenden von Kleinbetrieben, bei denen die ganze Familie mitarbeitet.

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Heidi Daleys „Black Fairy“:

In all the stories, art, and myths about Fairies, none have made mention of any Black Fairies… so I made one

\"Black Fairy\" by Heidi Daley

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Katrin Roenicke empfiehlt den Vortrag von Teresa Bücker auf der Re:Publica und macht sich Gedanken über Debattenkultur und hat dazu auch gute Links:

Darf man gar nicht mehr kritisieren? Oder ist es vielleicht okay, die Mittel zu kritisieren, wenngleich man das gleiche Ziel verfolgt? Welche Kritik ist überhaupt legitim, wenn man doch vermeintlich auf der “gleichen Seite” steht? Was für Mechanismen sind am Werk, wenn Freundschaften gekündigt werden, weil man öffentlich das öffentliche Verhalten anderer kritisierte (nicht ad hominem wohlgemerkt – die Reaktionen sind dann aber gerne mal ad hominem)?

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Laufmoos bittet knutschende Hetero-Pärchen um Zurückhaltung auf Queer-Partys:

Wenn ich nach Gründen für heterosexuelle Performances in queeren Räumen suche, dann lande ich sehr schnell bei Aneignung.
Ich gehe davon aus, dass die Tanzfläche blockierende knutschende Heteropärchen dem Drang nachgehen, in diesem (huch!) perversen, anderen, queeren, nicht einschätzbaren und verunsichernden (denn ich habe die Regeln nicht verstanden!) Raum die eigene, gesellschaftlich dominante Normalität wieder herstellen zu müssen. Demonstrativ (in der Mitte des Raumes) zur Schau gestelltes (das kommt euch vielleicht nicht so vor, anderen aber umso mehr) hetero erscheinendes Knutschen ist also im Grunde genommen eine Re-Aneignung des Raumes, ein Besetzen eines temporär nicht-normativen Ortes. Es ist eine stabilisierende Reaktion auf die Verunsicherung der eigenen heterosexuellen Identität. Es ist eine Demonstration, wer sich gesellschaftlich was leisten kann, ohne sanktioniert zu werden.
Im Grunde ist es auch ein sehr verdrehtes Eingeständnis: Diese Umgebung macht Angst, die Queerness, das Unverständliche, das Andere und das Perverse, es ist nicht aushaltbar, wenn es nicht sofort als etwas markiert wird, zu dem ich nicht gehöre.

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Katja Nicodemus kritisiert die Frauendarstellungen in (deutschen) Filmen:

Ach die Brille! Dieses Ungetüm, das immer ein bisschen zu groß und zu hässlich aussieht. Es ist gewissermaßen das Zentralrequisit der deutschen Erfolgskomödie. Schon Katja Riemann setzte die Brille vor zwanzig Jahren in Sönke Wortmanns Der bewegte Mann erschrocken auf und ab, als sie das positive Ergebnis ihres Schwangerschaftstests betrachtete. In Til Schweigers Keinohrhasen wird die Brille im Gesicht der Kindergärtnerin Anna (Nora Tschirner) zur Insignie der Verkniffenheit. Nadja Uhl trägt die Brille wie ein Stigma durch Doris Dörries Alles inklusive, und Karoline Herfurth verrutscht sie schon bei ihrem ersten linkischen Auftritt in Fack ju Göhte auf dem Nasenrücken. In Frauke Finsterwalders Finsterworld wird die Brillen-Streberin von Mitschülern während eines Ausflugs ins Konzentrationslager in den Verbrennungsofen gesperrt. Danach ist sie brillen- und willenlos und trägt, endlich hübsch, die Haare offen – als buchstäblich finale Rache am weiblichen Intellektualismus. In der deutschen Komödie hat die Brille der Heldin nur eine Funktion: vom Helden abgenommen zu werden. So wie in einem Subgenre des Pornofilms, das aber effizienter und ehrlicher funktioniert: Krankenschwestern und Sekretärinnen legen die Brille weg und können richtig rangenommen werden.

Racial Profiling, Feminist Bore-Out & „Bettlerbanden“

Diskriminierung von Frauen im Jurastudium, Sookee-Interview, UNO gegen Kriminalisierung von Drogenkonsumenten, Feminist Bore-Out, Prozeß um unterlassene Hilfeleistung bei einem schwerkranken Flüchtlingskind, München will härter gegen „Bettelbanden“ vorgehen, Künstler_innenkollektiv „COVEN“, soziale Putzfirma in St. Georg, Racial Profiling, heutzutage Musiker_in sein, Lebenspartnerschaften und gute Chancen für Frauen in „männlichen“ Ausbildungsberufen.

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Weibliche Lehrlinge in „Männerberufen“ werden anscheinend immer mehr geschätzt:

„Längst hat auf Arbeitgeberseite ein Umdenken eingesetzt. Frauen haben bei Bewerbungen gute Karten“, sagt Hans Voss. Er leitet bei der Maler- und Lackiererinnung Düsseldorf das Berufsbildungs- und Technologiezentrum. Ein Grund sind die guten Erfahrungen, die Handwerksmeister mit Frauen als Azubis und Gesellinnen machen. „Sie überzeugen oft durch herausragende Leistungen“, erklärt Voss. Er kennt inzwischen Fachbetriebe, die auf einen ausgeglichenen Mitarbeitermix achten. Bei praktischen Arbeiten fallen Mitarbeiterinnen vor allem bei filigraneren Tätigkeiten häufig positiv auf.

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Antje Schrupp über Lebenspartnerschaften:

Der Wunsch nach rechtlicher Anerkennung geht häufig mit einer besonders großen “Normalitätsbekundung” einher: Menschen, die homosexuell monogam leben, sind nicht unbedingt die enthusiastischsten Unterstützerinnen von Polyamorie, denn sie sind bemüht, zu beweisen, dass sie abgesehen vom Schwul- oder Lesbischsein ganz “normal” sind.

Das ist keine Anschuldigung, es liegt vielmehr in der Natur der Sache, dass der Wunsch nach Anerkennung die Tendenz zum Konformismus nach sich zieht. Und das muss auch so sein, denn ohne Zustimmung einer Mehrheit in der Bevölkerung bekommt man keine staatliche Anerkennung.

Deshalb wollte ich an dieser Stelle einfach mal wieder in Erinnerung rufen (denn neu ist der Gedanke ja nicht), dass es im Verhältnis von Lebens- und Liebesformen im Kern gerade nicht um den Wunsch nach Anerkennung seitens des Staates geht, sondern im Gegenteil: um die Freiheit von staatlicher Bevormundung.

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Mehmet Simsit, Wirt des Hansa-Treff, hatte die gute Idee, eine Putzfirma zu gründen, die sich eben auch um die „schmutzigen Ecken“ von St. Georg kümmert und so manchem eine neue Perspektive bietet – denn bei dem Projekt geht es nicht nur ums Putzen:

Er tut, was er kann: Übersetzungen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, dolmetschen. „Für mich sind das vielleicht Kleinigkeiten, aber für die Menschen, die das brauchen, ist es etwas Großes.“ Auch Zwangsprostituierten, die ihren Zuhältern entkommen wollen, unterstützt er: „Wer aussteigen möchte und um Hilfe bittet, bekommt von mir Hilfe.“ Schon mehrfach seien Frauen mit blauen Flecken im Gesicht in den Hansatreff gekommen. Wenn das passiert, wird der Kneipier zornig: „Da habe ich keine Gnade. Zum Glück haben wir auch einen guten Kontakt zur Polizei.“

Im letzten Jahr hat Simsit sogar einen Deutschkurs für Prostituierte aus Osteuropa auf die Beine gestellt, die hier ankommen. Die Hamburger Universität schickte für ein Vierteljahr auf eigene Kosten einen Dozenten, das Stadtteilbüro stellte kostenlos einen Raum zur Verfügung. „Das Wichtigste ist, dass die Leute sich verständigen können“, sagt er. Inzwischen musste er den Kurs aber wieder einstellen, denn die bewilligten Fördergelder darf er nur für Lehrmaterialien ausgeben, nicht aber für Personal.

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In München nimmt die Zahl der Bettler_innen gerade enorm zu. Die Stadt und die Polizei stecken jetzt praktischerweise alle Bettler_innen in die „böse Bettlerbande“-Schublade, gegen die man natürlich jetzt drastisch vorgehen will:

Damit liegt der Polizeibeamte auf der Linie des noch amtierenden Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), der einmal auf seiner Homepage über Bettler in München schrieb: „Bitte seien Sie kaltherzig.“ So weit will KVR-Chef Blume-Beyerle nicht gehen. Doch die steigende Zahl der Bettler in München bereitet ihm Sorgen. „Sehenden Auges“ diese Entwicklung hinzunehmen, hält er für „keine gute Alternative“. Er will nun die Zusammenarbeit mit der Polizei weiter intensivieren, um die organisierten Bettler aufzuspüren. Wilde Camps am Stadtrand oder Autowracks, die im Sommer als Schlafplätze benutzt werden, sollen jetzt sofort beseitigt werden. „Natürlich tun mir die Menschen alle leid“, sagt Blume-Beyerle. Aber als KVR-Chef muss er andere Prioritäten setzen.
Odyseen durch viele Länder

Das hilft den Menschen nicht, die am Ende, ganz unten sind. Selbst in Rumänien können sie nicht von 60 Euro Sozialhilfe pro Monat leben. Also schließen sich viele zu lockeren Verbünden zusammen und reisen nach Norden. Dort, wo es noch Geld gibt. „Die meisten bleiben drei bis vier Wochen, dann ziehen sie weiter“, sagt der Bettler-Polizist Röske. Wenn es dunkel wird, ziehen sie sich von den Straßen zurück. Die Fußgängerzone und der Viktualienmarkt sind als Schlafplatz tabu. Die einen gehen zur Isar, die anderen in die nahe der Altstadt gelegenen Parks.

Aus meinem persönlichen „Nähkästchen“ geplaudert:
Meinereiner strandete einst nach einem Italienurlaub auf dem Münchner Hauptbahnhof. Im Zug hatte man uns den Inhalt unserer Handtaschen ausgeräumt , während wir schliefen… also: keine Kohle, nüscht. Da blieb halt nix anderes, als Geld für ein Bayernticket zu schnorren.
Und die Münchner waren da sehr nett (am süßesten war eine Frau, die gerne was geben wollte, aber kein Kleingeld hatte, uns aber irgendwie helfen wollte – und hat uns dann eine Packung O.B.s geschenkt. :) ) – die Polizei weniger. Mords Aufstand mit Personenüberprüfung, das volle Programm. Außerdem so hilfreiche Fragen wie “ Sie sehen so fertig aus und haben gerötete Augen – sie sind doch auf Drogen!“, woraufhin ich dem Freund und Helfer erklären durfte, daß man eben auch fertig aussieht, wenn man die Nacht über ausgeraubt wurde, kaum geschlafen hat, entsprechend müde/genervt ist, man auch noch Geld zusammenschnorren muß und man eigentlich nur heim will.
Nachdem wir eine halbe Stunde überprüft wurden, ließ man uns wieder gehen, aber wir sollten keine Leute mehr ansprechen etc.
Der ganze Aufstand, der bei der Kontrolle betrieben wurde, bot auch den Umstehenden eine gute Show. Woraufhin uns eine ältere Dame, die das Ganze mitgekriegt hatte, dann den fehlenden Betrag fürs Bayernticket spendierte.
Gut, das ist jetzt ca. 8 Jahre her, ich weiß nicht ob die Vorgehensweise der bayrischen Polzei sich geändert hat oder nicht…
Aber wenn ich an die Situation in München denke, und dann diesen Artikel lese, habe ich das leise Gefühl, daß die Stadt München es sich mit diesen Plänen zu einfach macht. Verwaltungstechnisch ist das ja auch praktisch! Eine Sündenbockstrategie funktioniert immer irgendwie. Oberflächlich gesehn zumindest. Man muß sich nicht mehr um die individuelle Situation kümmern, man kann die einfach eine Schublade stecken.
Effektiv ist das aber nicht.
Sicher, man überlegt schon, ob es jetzt eine gute Idee ist, einem Bettler Geld zu geben, wenn es offensichtlich ist, daß er einer von denen ist, die ihr Geld dann abends dem Chef abliefern müssen… mein momentaner Kompromiß (normalerweise geb ich eingentlich allen was) ist, stattdessen eine Zigarette zu spendieren. Kommt irgendwie auch gut an bisher.

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Feminist Bore-Out
; genialer Begriff – trifft er doch genau das Gefühl, das einen immer wieder überfällt:

Mit halbem Auge verfolgte ich dabei das Treiben in den diversen sozialen Netzwerken, und so stach mir irgendwann ein Hinweis auf ein neues Opus Magnus des Laber-Rhabarbers ins Auge: Ein Buch namens “Tussikratie” sei nun erschienen, geschrieben von den zwei Journalismus-Tussneldas Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, und das Brigitte-Magazin fragte dazu ganz aufgekratzt: “Übertreiben wir es mit dem Feminismus?” Hui, wie aufregend! Nicht.

Ich konnte besagten Artikel nur 20 Sekunden lang überfliegen, und dann entschied ich mich, dass ich mich anstatt auf den ewiggestrigen Null-Acht-Fuffzehn-Content zu “Tussikratie” (O-Ton: Gelaber über Geschlecht-Gedöns verursacht noch mehr Probleme. Männer sind auch arm dran. Frauen haben mehr Möglichkeiten (zum Beispiel in der Mode, bunte Kleider und so). Männer sind auch arm dran, weil sie keine Männerbewegung haben. Und überhaupt, es gibt ja auch noch den armen Hausmann. Über den lachen ja auch alle, wenn er mal Kuchen in den Kindergarten trägt. Schnarchschnarchschnarch.) doch eher lieber wieder auf die mittlerweile Tauben fütternde Polly Flint konzentrieren wollte. Klick und weg. Ich schaffte es, noch bevor mir mein Arm eingeschlafen war. Juchheissassa!

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Keine große Überraschung, aber dennoch zum Kotzen – der Altherrenclub in juristischen Fakultäten benotet scheinbar gern nach Geschlecht und Herkunft:

Gemeinsam mit zwei Kollegen vom Max-Planck-Institut und der Uni Göttingen hat er Tausende Datensätze von Jura-Studenten aus Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Erschienen ist ihre Analyse „Zur Benotung in der Examensvorbereitung und im ersten Examen“ in der „Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft“ (Studie als PDF). Sie fragten sich unter anderem: Was beeinflusst die Examensnote? Unterscheiden sich die Ergebnisse von Männern und Frauen? Von Studenten mit deutschem und nicht-deutschem Namen?

Das Resultat erschreckt: Frauen schneiden im Examen knapp zehn Prozent schlechter ab – bei gleichen Leistungen und Voraussetzungen. Ähnliches gilt für Studenten mit ausländischem Namen. Traxler sagt: „Wer sich ein Bildungssystem wünscht, das hinsichtlich Geschlecht und Herkunft neutral wirkt, dem sollte dieses Ergebnis Bauchschmerzen bereiten.“

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Die Mädchenmannschaft interviewt das Berliner Künstler_innenkollektiv „COVEN“:

COVEN Berlin wurde in der Küche der Gründerinnen Lo Pecado und Judy Mièl ins Leben gerufen. Nach monatelangem Reden, Lästern, Lachen und Philosophieren über das Erwachsenwerden als queere Frauen in einer patriarchalen, hetero-normativen Gesellschaft wollten wir unsere Erfahrungen teilen, den Küchentisch verlassen und uns in die öffentliche Sphäre wagen. Was zunächst als Blog begann, entwickelte sich zu einem Online-Magazin, einem Kollektiv aus Menschen mit verschiedenen Herkünften, Hintergründen und Fachkenntnissen. Zum einen kamen diese aus unseren Freund_innenkreisen, zum anderen hatten wir online zur Kooperation mit COVEN Berlin aufgerufen. Wir wurden überrascht wie viele interessante und motivierte Leute sich tatsächlich gemeldet hatten. Als wir am Anfang noch zu zweit waren, hatten wir mit Lo den theoretischen, journalistischen und inhaltlichen Teil und mit Judy den kreativen, visuellen Teil kombiniert, jedoch aufgrund des zeitlichen Aufwands eines Online-Magazins lange nicht abgedeckt. Jetzt sind wir ein multi-mediales Kollektiv, eine Gruppe von ‘Feminist Conqueerors’.


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(Lamgsames) Umdenken bei der UNO in Sachen Drogen:

„Heute hat eine Arbeitsgruppe des UNO-Büros zur Drogen und Verbrechensbekämpfung angekündigt, grundlegend neue Empfehlungen auszusprechen, welche die Strafverfolgung für Drogengebrauch in Frage stellt. Die wissenschaftliche Beratergruppe zu Drogenpolitik, Gesundheit und Menschenrechte der UNODC – unter anderem Nora Volkow, Vorsitzende des Nationalen Instituts gegen Drogenmissbrauch (NIDA) der USA – werden ihre Empfehlungen auf dem High Level Meeting der 57. Internationalen Suchtstoffkonferenz vorstellen. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sagen “strafrechtliche Verfolgung ist nicht hilfreich” und sprechen damit den Drogengebrauch und -missbrauch an.“

Die DPA war sehr Glücklich dies zu Hören: „Es gibt einfach keine wissenschaftliche Basis in der Wissenschaft, Gesundheit oder Ethik um jemanden bloß wegen Drogenbesitzes in das Justizsystem zu verfrachten.“ so DPA Sprecher Ethan Nadelmann. „Hoffentlich helfen die Empfehlungen der UNO, den globalen Trend hin zu einem Ende der Kriminalisierung des Drogenkonsums und -besitzes. Dies würde in den Vereinigten Staaten einen enormen Unterschied ausmachen.“

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Bei Kleinerdrei wird die wunderbare Sookee zu ihrem neuen Album interviewt:

kleinerdrei: Ich könnte mir vorstellen, dass es innerhalb der linken Szene krasser ist mit der Kritik. Stimmt das?

Sookee: Ja, klar. Aber um das zu sagen: Ich halte mich immer auf dem Laufenden, lese viele, viele Blogs, schaue, was gerade thematisiert und diskutiert wird, um nicht hinter der Zeit zu sein. Ich schaue, was es für sprachpolitische Erkenntnisse gibt. Aber trotzdem habe ich auch hier keine Lust, die Maßstäbe von anderen zu erfüllen. Es müssen einfach mehr politisch motivierte Rapper*innen her und gut ist.

kleinerdrei: Das ist die Lösung?

Sookee: Ja (lacht), ganz einfach. Ich mache Workshops für Frauen/Lesben/Trans*, ich versuche, mein Wissen zu teilen und da zu unterstützen, dass Leute nachwachsen und Bock haben, sich auf die Bühne zu stellen. Ich fand’ es ja schon in der Rapszene unangenehm, eine von wenigen Frauen zu sein. Das hier ist ja die gleiche Situation und auch hier finde ich es unangenehm. Ich fände es cool, wenn es hier so wäre wie in Großbritannien.

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Mohamed Amjahid berichteg von seinen Erfahrungen mit „Racial Profiling“ und fordert: entweder wir jede_r kontrolliert oder keine_r.

Das Bundesinnenministerium möchte trotz massiver Kritik von Migrantenverbänden und Parteien an dieser Praxis festhalten. Sie erhöhe „das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden spürbar“, heißt es in einem internen Bericht des Ministeriums. Andere EU-Staaten gehen mit ihrer Gesetzgebung und Kontrollpraxis noch weiter. Als ich bei einer anlasslosen Kontrolle am Nordbahnhof von Brüssel meinen Reisepass nicht vorzeigen konnte – weil ich meinen Reisepass selbstverständlich nicht immer dabeihabe –, drohten die Polizeibeamten, wenn ich mich nicht an Ort und Stelle ausweisen könne, müsse ich 500 Euro Strafe zahlen. Nur eine lange Diskussion und mein Presseausweis brachten mich aus dieser misslichen Lage.

In bayerischen Zügen liegt meine persönliche Kontrolliert-werden-Quote bei 100 Prozent. In einem Regionalzug nach Kempten im Allgäu saßen neulich zwei weiße Amerikaner mit überdimensionierten Reiserucksäcken und deutsche Kurgäste, die sich auf ihren Aufenthalt auf der Alm freuten. Von der Bundespolizei kontrolliert wurden nur drei Passagiere: ein junger Schwarzer, ein Mädchen mit Kopftuch und ich. Bekannte erzählen mir immer wieder von Situationen, in denen sie gewaltsam festgehalten und abgeführt wurden. Viele von ihnen meiden unnötige Aufenthalte auf Bahnhöfen.

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Dem Flüchtlingskind Leonardo wurde medizinische Hilfe unterlassen, als er in einer Notlage war – und nur knpp überebte, mit einem Zehen und einem Finger weniger. Jetzt beginnt die Verhandlung:

Auch als der Junge große schwarze Flecken im Gesicht, an Armen und Beinen hatte, wollte man an der Pforte des Aufnahmelagers keinen Krankenwagen rufen. Schließlich schickte man die Familie bei winterlichen Temperaturen zu Fuß ins zwei Kilometer entfernte Dorf. Dort erbarmte sich ein Autofahrer, die Flüchtlingsfamilie zu einer Kinderärztin zu fahren, die ebenfalls in Fürth vor Gericht aussagte.

Die Kinderärztin ließ das Kind sofort in die Klinik bringen, wo das Leben des kleinen Leonardo nur knapp gerettet werden konnte. Er war an einer Meningokokkeninfektion erkrankt und blieb zwei Wochen im künstlichen Koma. Außerdem musste sich das Kind umfangreichen Hauttransplantationen unterziehen und verlor einen Zeh und einen Finger.

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Johnny Haeusler stellt fest: es ist großartig, heutzutage Musiker zu sein.

Das Netz hat mit Download- und Streaming-Plattformen nicht dafür gesorgt, dass Menschen plötzlich mehr Zeit zum Musikhören haben. Es hat aber Musik präsenter denn je gemacht und den Zugang zu ihr sehr stark vereinfacht. Und es bietet jungen Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb und beim Marketing, von denen man noch vor zehn Jahren nur träumen konnte.

Verdienstmöglichkeiten bleiben zwar eine Herausforderung, Dienstleister teuer und die Chancen auf spürbare Gewinne klein. Doch mit bewusst agierenden Unterstützern und Konsumenten, die das Shirt oder die CD direkt bei der Band kaufen und auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Vereine wie die GEMA zwar stark reformbedürftig sind, aber immer noch mehr im Sinne der Urheber agieren als Google und daher im Moment noch für Komponisten und Texter wichtig sein können, überwiegen die Vorteile beim Musikerdasein im digitalen Zeitalter.