Archiv der Kategorie 'Group Hug'

Special Service Saturday: Maskulisten, Feminist_innen & Networking

Weil man (v. a. auch frau) manchmal keine Lust hat, schon wieder den Kopf auf die Tischplatte schlagen zu müssen, ist das Lesen der Kommentarforen oft mit einigen Risiken verbunden, da hier Trollhorden ganz klar ihr Revier haben. Besonders schön zu beobachten auch bei Scientology oder AfD. Die sind auch und gerade deswegen so berichtenswert, weil man als Onlinemedium gern und gezielt Trolle anlocken kann und die Klickzahlen in die Höhe schießen. Wer Ghostery installiert hat, kann sehen, wie viele und welche Dienste gerade auf der Süddeutschen das Leser_innenverhalten analysieren (Screenshot):
Ghostery Purple Box Süddutsche

Ich versteh das ja auch irgendwo. Klickzahlen sind hier bare Münze.
Wenn ich meine Referer manchmal so anschaue, kann ich auch hier auf meinem Popelblöglein sehen, wer mir zu wie viel Klickzahlen verhilft. Ein Tip: Reizworte im Titel machen sich bei manchen Themen bezahlt. In gewisser Weise kann man das ausnutzen, ja.

Andererseits – das nutzen wiederum die Trolle sowie Trolle in spe genauso aus. Niemand kann leugnen, daß gerade die AfD sich mit Netz-PR 1a auskennt. Warum nutzen WIR das jetzt nicht?
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Wahlkommentar 2013. Das Land ist immer noch verrückt.

Also wieder Mutti…
als Schwabe war es immer nett, sich über die Last der Bayern mit Stoiber lustig zu machen. Dann bekamen wir Öttinger.
Das rächt sich jetzt so ähnlich… was haben wir alle fassungslos geguckt und die Amis für bekloppt gehalten, als die nochmal mit Bush jun. daherkamen! Der Ami aus unserem Wohnheim tat mir da echt leid. Der hat den bestimmt nicht gewählt, aber hui, mußte der in der Folgezeit häufig peinliche Fragen über sich ergehen lassen, der Arme!
Jetzt müssen wohl alle Deutschen im Ausland stellvertretend erklären, was wir uns dabei gedacht haben, uns einen zweiten Kohl ranzuzüchten. Und dann will’s wieder keiner gewesen sein. Wie beim Öttinger.
Andererseits war’s schon klar: die Deutschen sehen sich wohl wirklich lieber in der von Angie repräsentierten Gartenzwergidylle. Wer so ist wie Steinbrück… wenn der in den Garten kommt, müßte man womöglich die Dinger zur Sicherheit vorher wegräumen. Sonst macht der noch die Gartenzwerge kaputt.
Chefzwerg
Schon klar, wer gerade mehr gefragt ist: nicht der polternde Papa, der schreit „Scheiß Laden! Machwer jetzt anders!“ ist das, wonach man sich grad sehnt, eher die gurrende Mutti, die suggeriert, „Och guck, ist doch alles wieder gut!“ Grüß Gott, Herr Freud.
War Steinbrück als Papa Schlumpf mit dem Hauch Bart Simpson gegen Ende gar nicht unüberzeugend, aus seinem Schlumpfdorf ist grad die Luft raus.
Wird aber wohl ohne Peer mit Gargamel koalieren…
Kann auch daran liegen, daß die meisten Koalitionsforderungen der Linken (wegen denen die SPD es ablehnt, mit der Linken zu koalieren) einst selbst typische SPD-Forderungen waren.
Die Linke hat sich hingegen so schlecht nicht geschlagen, aber mit Regierung wird’s wohl nichts.
Pädovergangenheit, Steuer und Veggieday hat wohl die Grünen ruiniert. Andere Gründe fallen mir so spontan nicht ein.
Dafür, wie die Welt nach Snowden ihr Augenmerk auf die Spezialthemen der Piraten gelenkt hat, sind die echt abgesoffen. Schade irgendwie. In dem Bereich müßte zumindest etwas aufgemischt werden. Aber da die Welt sich oft langsamer dreht als der durchschnittliche Nerd – die Themen Daten, Macht, Abhörung werden wichtig bleiben und sie haben jetzt ein paar Jahre, um sich zusammenzureißen, aufzuholen und sich dann richtig reinzuhängen. Möglicherweise aber auch utopisch. Oder die Enthüllungen haben sie derart geschockt, daß sie jetzt die Hosen voll haben und sich nicht mehr trauen, „auf Ernst“ Poiltik zu machen? Derart enttäuscht will man ja nun aber auch nicht werden.
Daß die FDP abkackt, war klar. Aber krass – seit 1949 hocken die doch ununterbrochen in der Regierung – und jetzt sind die unter der 5%-Hürde. Das macht noch nicht mal mehr Spaß, die zu bashen. Aber nein, ich weine nicht. Es könnte sie retten, würden sie auf Daniel Bahr setzen. Da wär evetuell ein Rest Kompetenzshow und Charisma im Ärmel. Wenn nicht, isses aber eigentlich auch wurscht. Ich brauch die FDP jetzt nicht unbedingt.
Intuitiv will man das als positives Signal sehen, daß die Leute die wohl unsozialste Partei überhaupt regelrecht massakrieren.
Aber dann wählen die auch noch AfD. Vergessen wir das also mit dem positiven Signal.
Ja, ich war überrascht.
Ich hätte ehrlich nicht gedacht, daß es tatsächlich so viele Menschen gibt, die eine Partei wählen, die für mich unwählbar ist. Reality Check.
Nun gut.

Nach der Wahl bei Jauch: der AfD-Kandidat darf vom Publikum aus etwas mit in die Runde kläffen, auch als Jauch die AfD als rechts der CSU bezeichnete und Schäuble daraufhin zu Republikanern und NPD überleitete.
Lucke hält das für Diffamierungsversuche, um der AfD zu schaden. Sicher auch nicht ganz falsch, aber nochmal langsam…

Es ist schön, daß wir alle auswendig gelernt haben, daß „rechts“ böse ist. Der Meinung bin ich ja auch, aber wenn wir Begriffe wie „links“ oder „rechts“ oder meinetwegen auch „liberal“ rein deskriptiv und objektiv anschauen, könnte man wohl salopp sagen, „rechts“ bezeichnet die Nationalisten.
Nationalismus kann man jetzt finden, wie man will, für mich ist es nichts, aber per se hat das in Deutschland halt auch Gschmäckle, klingt halt fast so wie Nationalsozialismus. Das haben wir ja nun hoffentlich gründlich gelernt, daß das Pfuibäh war.
Nationalsozial ist die AfD sicher nicht. Da findet sich nicht viel mit sozial.
Keine echten Nazis schonmal, ist doch gut.
Aber national? Somit eben „rechts“ laut meiner Definition? Auf jeden Fall. Schließlich geht es ihnen ja ja speziell um Deutschland und Deutschlands Interessen, das sie über die europäischen Interessen stellen, also sich sehr national abzugrenzen, statt Deutschland als lebendes Gewächs innerhalb eines zusammenarbeitenden Europas zu begreifen.
So national ist nicht mal die CSU, brauch die auch nicht sein, hat den Freistaat eh sicher. Fazit: rechts der CSU ist keine Diffamierung. Ey, steht doch wenigstens dazu.
Wie gesagt: es ist echt schön, wie wir alle gelernt haben, daß „rechts“ pfui ist und als Schimpfwort zu verwenden. Wenn man aber nicht mehr weiß, daß man der Logik nach eben in der Richtung steht, in der auch andere schon mal standen, wäre es geraten, sich zumindest mal damit auseinanderzusetzen.

Ganz perfide wäre nun ja so langfristig eine Verbrüderung von AfD und FDP. So wie aus PDS und WASG einst recht erfolgreich die Linke gezeugt haben. Da wär halt nur die Euro-Sache, gell…
CDU & AfD wär natürlich Alptraum, geht so ja nu auch nicht, aber da halt ich den CDUlern auch zu Gute, daß sie die AfD irgendwie eigentlich immer noch nicht ernst nehmen können. Geht mir genauso, höflich schüttle ich einfach nur stetig den Kopf.

Ganz groß auch der Satz vom Schäuble „…heute ist nunmal Tag des Wählers und…“ – okay. Die Formulierung find ich jetzt schon bemerkenswert. Ich weiß noch nicht ganz, was ich damit anfang, aber irgendwie war da ein „Oha“. Klingt verdächtig nach „Tag des Baumes“. Nur… was hat der den Bäumen je groß gebracht?

Da wären ja dann nochmal die Grünen – wenn die mit der CDU? Grünes Pflänzchen in schwarzer Erde?
Schon ein Experiment, das schiefgehn kann. Die Gefahr, daß die Grünen noch mehr verspießern, ist immer gegeben. Aber es könnt auch was dabei rumkommen.

We‘ll see.

Cultural Appropriation & Cultural Paternalism

Hallo!
Erstmal Danke an Reality Rags, dass ich als erste Gastautorin hier schreiben darf – zugleich ist das auch mein erster Blogeintrag überhaupt! Ansonsten kommentiere ich gelegentlich auf (feministischen) Blogs unter dem Namen Lady Lukara.
Das habe ich letztens auch bei der Mädchenmannschaft versucht , eine Diskussion anzuregen (zugegebenermaßen etwas aggro), leider erfolglos, es wurde nicht darauf eingegangen, was ich schade finde. Aber vielleicht hier?
Ich bin selbst person of colour und hätte zu dem Thema „Cultural Appropriation“ (also wenn gerade „westliche“ Menschen sich gedankenlos Dinge aus anderen Kulturen aneignen) vieles zu sagen, gerade weil ich auch betroffen bin. Und deswegen halte ich einen offenen, respektvollen Dialog für wichtig, der auf der Mädchenmannschaft leider nicht entstehen konnte.


(ein weiterer differenzierter Ansatz von „freshfeminism“)

Eins vorweg: Klar ist Cultural Appropriation scheisse. Gerade die besprochenen Kosmetiklinien, die „afrikanisch“ wirken sollen, sind eklig – immer wieder wird so getan, als sei Afrika ein einheitliches Land. Dabei ist es ein Kontinent mit vielen verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen, Ansichten. Es käme ja auch niemand auf die Idee, IsländerInnen und SpanierInnen in einen Topf zu werfen, nur, weil’s beides europäische Völker/Länder sind!
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Fragwürdige Ermittlungen gegen Teresa Z., Geschlechtsselektion & Menstruationstabu

Transfrau darf Freund heiraten, Auskunfts“pflicht“ für Feminist_innen, fragwürdige Ermittlungen im Fall Teresa Z., wie das Menstruationstabu weltweit Frauen schadet, Kunst von Alice Gardner-Bates, pränatale Geschlechtsselektion und die Folgen für Frauen, Protest gegen Barbies Dreamhouse, Rezeption von LGBT-Inhalten in Medien, Anti Gay Violence, Interview mit Jasmin Mittag und warum Germany’s Next Topmodel kein pädagogischer Wert zugesprochen werden kann.

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Im Fall Teresa Z., die vor Monaten von einem Polizisten krankenhausreif geschlagen wurde, scheint nicht Aufklärung der Faustschläge im Mittelpunkt zu stehen, stattdessen wird intensiv gegen die Geschädigte ermittelt:

Dabei interessiert sich die Polizei intensiv für das Leben und die Privatsphäre des Opfers Teresa Z.: Kurz nachdem ihr Handy sichergestellt worden war, wurde ein Bekannter von ihr wegen Drogenbesitzes festgenommen. Er kam in Untersuchungshaft und erhielt nach SZ-Informationen Aussicht auf Freilassung, wenn er Komplizen benenne. Die Fahnder und Staatsanwälte schienen weniger interessiert daran, woher der 30-jährige Münchner die Drogen bezogen hatte, sondern vielmehr daran, an wen er sie verkaufen wollte. Genau genommen schien sich ihr Interesse vor allem auf eine Bekannte zu konzentrieren: Teresa Z.

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Antje Schrupp bloggt über Geschlechtsselektion und weibliche Freiheit:

Es sind vor allem die modernen, an westlichem Lebensstil orientierten Mittel- und Oberschichtsfamilien, die Geschlechtsselektion betreiben, und keineswegs die „einfachen Leute“. Zwar stimmt es, dass viele Kulturen traditionsgemäß dem männlichen „Stammhalter“ einer Familie großen Wert beimessen, aber solange Paare vier, fünf oder sechs Kinder haben, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin mindestens ein Junge dabei. Es gibt keinen Grund für vorgeburtliche Geschlechtselektion. Der Wunsch nach gezielter Abtreibung weiblicher Föten entsteht erst dann, wenn die Zahl der Kinder auf eins oder zwei pro Familie beschränkt werden soll oder muss.

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Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag von der Kampage „Wer braucht Feminismus?“:

Ich bringe den alltäglichen Sexismus, den wir hier alle erleben, stark mit der globalen Benachteiligung und Mißhandlung von verschiedenen Personengruppen und insbesondere von Frauen in Verbindung, sehe Sexismus also vor allem als sogenannte Spitze des Eisbergs.

Gesondert benennen würde ich die allgemeine gesellschaftliche Atmosphäre und die persönlichen Erfahrungen: Also, einmal, die strukturelle Benachteiligung von Frauen, die uns schon als Mädchen spüren lässt, dass wir nur besonders wertvoll sind, solange wir jung und attraktiv und gefällig u.ä. sind und potentiell sexuellen Gefahren ausgesetzt. Und dann konkrete Erlebnisse wie eben persönliche Belästigung, Anmache und Übergriffe.

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Stevie Schmiedel weist darauf hin, wie lächerlich es ist, Germany’s Next Topmodel einen pädagogischen Wert beimessen zu wollen:

Ein paar Tage zuvor lief auf Deutschlandradio die Talkshow-Sendung Lebenszeit, das Thema war Germanys Next Topmodel. Achim Hackenberg unterbricht ähnliche wütende Aussagen von Zuhörern, die bei der Sendung anrufen, wiederholt mit dem Einwand, er müsse doch wirklich bitten, nicht zu übersehen, dass diese Show nur unsere Gesellschaft wiederspiegelt. Es wäre ja furchtbar, wenn wir ihr die Macht zubilligen würden, diese selber zu kreieren. Es sei der Konkurrenzdruck in der Gesellschaft, der hier aufgegriffen und deshalb auch begeistert beobachtet werde. Herr Hackenberg kennt sich aus: Er ist Pädagoge. Und Medienberater, tätig in der FSF, der freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen. Interesse also klar. Kulturwissenschaftlerin Miriam Stehling, die über Topmodel promoviert hat, unterstützt ihn: Es wird bei Topmodel ja auch soziales Verhalten trainiert. Durch die ausgetragenen Zickenkriege lernen Mädchen, wie man sich verhält, und wie nicht. Ah, wie gut, dass es Topmodel gibt!

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Das Mädchenblog stellt noch mal klar, daß der Prostest gegen das Barbie Dreamhouse keineswegs eine theoretische Grundsatzdebatte ist:

Wenn die NPD immer mehr BDM-artige Ferienlager organisiert, wird auch protestiert. Zu Recht. Weil man es nicht gut findet, wenn Kinder mit Werten indoktriniert werden, die man – gelinde gesagt – zutiefst mißbilligt. Weil man keine folgende Generation will, die sich in eine derart verkehrte Richtung entwickelt.
Und da trifft man mit seinem Protest auch auf breites Verständnis.

Aber wenn gegen das „Barbie Dreamhouse“ protestiert wird, gilt das als übertrieben. Die übliche Beschwichtigung „ist doch nur nicht ernstzunehmender Spaß“ taucht unvermeidbar auf. Und der immer noch allerorts tief verankerte Sexismus tut sein übriges (denn „ist doch auch wirklich so, daß alle Frauen/Mädchen von einem begehbaren Kleiderschrank und einer unendlichen Schuhsammlung träumen“ usw.,… Danke Mario Barth…).

Aber trotzdem (oder gerade deswegen!) sollte sich jede_r ehrlich fragen: wollen wir unsere Kinder, unsere zukünftige Generation wirklich so haben?

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Meg Davis teilt ihre Anti Gay Violence-Geschichte
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I was a freshman in high school; I had not been fifteen for more than a couple of weeks. My girlfriend and I had only just emerged from a tumultuous year-and-a-half long period during which we had both come out, found ourselves the targets of vicious anti-gay bullying, and she battled self-harm and suicidal thoughts while I struggled to understand my place in the larger LGBT community. By February 2011, things had started to look up for us. T. was in a much better emotional state, I was in the process of developing what would become the Rainbow Vigil (the precursor to the Week of Action), and the two of us had begun to explore our relationship in new and exciting ways. I had not yet shared with my family that I was in a relationship, so at night, I would sneak out of the house to go and visit with her. Her neighborhood was not too far from mine and I had walked there on my own many times in the past. The night I was attacked, I had no reason to believe I would be the victim of anything.

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Wie die Darstellung von LGBT-Inhalten in Medien helfen können, sich der eigenen sexuellen Identität bewußt zu werden:

Die Rezeption von gay Inhalten in den Medien, Gespräche und Begegnungen mit LGBTQ* Freund_innen und Veranstaltungen waren auch für mich ein Teil von meinem Coming Out-Prozess. Ich hatte quasi schon immer gewusst, dass ich auch auf Frauen* stehe. Aber irgendwann bekamen diese Inhalte eine neue Bedeutung für mich. Ich wusste nicht, ob ich sie anderen zeigen und mit ihnen teilen sollte, da sie sich so verwirrend wichtig und geladen anfühlten. Offensichtlich ist die Sichtbarkeit von LGBTQ*-Themen und Menschen wichtig, damit Leute sich – auch für sich selber – outen können!

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Alice Gardner-Bates
– exploring women, identity, objectification and power:

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Einer Transfrau aus Hongkong ist es nun erlaubt, ihren Freund zu heiraten – jetzt müssen die Gesetze geändert werden:

Es sei falsch, lediglich „bei Geburt festgelegte biologische Merkmale“ zu berücksichtigen, hieß es in dem Urteil. Die derzeit gültigen Ehegesetze in Hongkong beschnitten das Recht der Frau zu heiraten, beklagten die RichterInnen. Die Stadt hat nun zwölf Monate Zeit, die Regelungen zu ändern.

Die transgender Frau, die nur als W. bekannt und etwa dreißig Jahre alt ist, zeigte sich in einer Stellungnahme nach dem Urteil „sehr glücklich“. Die Entscheidung sei „ein Sieg für alle Frauen in Hongkong“, hieß es in der Mitteilung, die von W.s Anwalt verlesen wurde. Der Jurist sprach von einer „historischen Entscheidung“ für die Rechte sexueller Minderheiten.

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Sayantani DasGupta fordert: kein Menstruationstabu mehr, also laßt uns darüber sprechen:

But the availability of sanitary supplies as a women’s human rights issue is not simply confined to the Global South. It is similarly an issue of justice among women who are incarcerated in the U.S. Due to budget cuts in California, for instance, prisons have rationed incarcerated women’s toothpaste and soap as well as sanitary supplies, leading women to engage in prostitution in exchange for basic hygiene goods. In other U.S. prisons, women must buy pads and tampons from the prison commissary. Women without outside friends or family who can send them cash have to do without. In one facility, women who got creative and made tampons with (also rationed) toilet paper had these items taken away. Three pads per month? Doesn’t seem adequate or hygienic to me.

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Frau Dingens verdeutlicht, warum Feminist_innen nicht die Pflicht haben, allen Dahergelaufenen die Welt zu erklären:

Nur weil manche Menschen zufällig in der privilegierten Position sitzen, von feministischen Themen nicht berührt zu werden, gibt es ihnen nicht das Recht an meiner Meinung. Meiner Zeit. Meiner Leidenschaft.

Die Verfügbarmachung von Frauen ist weltweites Muster – körperlich, seelisch, emotional. Immerzu müssen Frauen verfügbar sein. Schön sein. Nett sein. Adrett sein. Intelligent argumentieren. Ihr Meinung begründen. Männer (und Frauen) überzeugen.

Respekt wird an Argumente gebunden: Wenn du mich nicht überzeugen kannst, dann respektiere ich dich auch nicht. Wenn du mir keine Zeit widmest, darf ich dich beschimpfen.

Die „Femen-isierung“ der Nacktproteste, Sexismustalk & Sharon Otoo in der taz

Anne Wizorek & Jakob Augstein im Gespräch, ein Nachruf auf die Femen, Sharon Otoo äußert sich in der taz, das Missy Magazine lädt zum Sexismus-Talk, vermehrte Übergriffe auf britische Prostituierte, Anne Roth im Interview bei Kleinerdrei und Musik von Bif Naked.

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Nun kommt auch Sharon Otoo in der taz zu Wort und teilt ihre Sicht auf die Geschehnisse beim taz.lab mit erstaunlich viel Geduld und Größe (allerdings sollte man davon Abstand nehmen, sich die Kommentare anzutun):

Sprache ist lediglich ein Mittel zum Zweck. Wenn ich für eine gendergerechte und rassismusfreie Sprache plädiere, dann, weil ich andere – und mich selber – für die eigenen Privilegien zu sensibilisieren versuche. Auch mittels Sprache kann ich mich solidarisch zeigen und es kostet mich wenig. Die möglichen ästhetischen Kosten (dieses Binnen-I sieht so hässlich aus!) erscheinen mir als das kleinere Übel gegenüber den Zumutungen, denen marginalisierte Menschen sonst täglich ausgesetzt sind. Sie haben keine Wahl.

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Das Mädchenblog kritisiert Femen und die Femen-isierung des Nacktprotests:

Femen taugt nur noch dazu, Diskussionen über Femen anzustoßen (was früher oder später langweilig werden wird und sie wohl irgendwann in der Bedeutungslosigkeit versinken werden).
Sie taugen aber nicht mehr dazu, Diskussionen darüber anzustoßen, wie man die Unterdrückung von Frauen bekämpfen kann.
Womit Femen sich überflüssig machen.

Trotzdem wird sich wohl noch sehr lange Zeit nichts daran ändern, daß nackte Frauenkörper fast schon ein Garant für Berichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit sind. Dazu muß man noch nicht mal den Femen angehören und ein Blumenkränzchen oder militärischer Femen-Drill zur Vorbereitung sind eigentlich auch nicht nötig, um sich bei einer Aktion nackig zu machen.

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Die Westminster Sex Worker Task Group beklagt, daß der immer größer werdende finanzielle Druck zu mehr Übergriffen auf britischen Prostituierten führt:

Um den finanziellen Verlust auszugleichen, nehmen SexarbeiterInnen mehr Risiken in Kauf – sie akzeptieren häufiger nicht vertrauenswürdig erscheinende Kunden oder bieten zusätzliche sexuelle Dienstleistungen an. Die Schließung von Bordellen begünstige die Straßenprostitution, und um Kunden zu treffen, seien SexarbeiterInnen mobiler geworden, was den kontinuierlichen Kontakt seitens unterstützender lokaler SexarbeiterInnen-Organisationen erschwere. All das erhöhe die Gefahr, Übergriffen ausgesetzt zu werden, so der Report.

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Anne Wizorek im Gespräch mit Jakob Augstein:

Wieso denn die Frauen nicht auf die Straße gingen, wollte nicht nur Augstein von der Feministin wissen, auch einen Gast im Publikum erregte es sehr, dass seine Kolleginnen nicht genügend für ihre Rechte kämpfen würden. Als Mann würde man sich eine solche Behandlung wie geringere Bezahlung, geringere Einstiegsgehälter und geringere Aufstiegschancen allein aufgrund des Geschlechts auf Dauer ganz bestimmt nicht gefallen lassen, womöglich müssten Frauen nur viel bestimmter auftreten und nicht länger alles dulden, so Augsteins Vermutung.

Wizorek antwortete, dass es unfair sei, an dieser Stelle Frauen die alleinige Schuld zuzuschieben. Doch obwohl Augstein selbst schon beobachtet hatte, dass Männer im Arbeitsalltag den Aufstieg von Frauen „einfach nicht wollen“, schien er das Argument nicht ganz zu glauben. Genauso wenig wie den Hinweis, dass es Frauen gebe, die sich für sich selbst schön machten und nicht um einer Männerwelt zur Genüge zu gereichen.

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Anne Roth in Interview bei Kleinerdrei über Geschlechterverhältnisse, Diskussionsformen und ihr Projekt „50 Prozent“:

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das Selbstbewusstsein das Problem ist. Klar klafft offenbar eine Lücke zwischen der Selbstwahrnehmung der eigenen Wichtigkeit von Frauen und Männern. Es spielt aber auch die Frage eine Rolle “Was habe ich davon – muss ich den Stress unbedingt haben?”

Es ist schwer, diese Frage zu beantworten, ohne entweder banal zu werden oder einen Stapel Statistiken unter dem Arm. Aber es scheint doch so zu sein, dass Frauen eher nur dann auf einer Bühne reden wollen, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, also etwas Neues, etwas Interessantes, und das fertig und rund und durchdacht. Männer haben tendenziell weniger Schwierigkeiten damit, ewig das Gleiche zu erzählen oder von den Ideen anderer zu leben. Mir ist dabei die hier Frauen zugeschriebene Verhaltensweise sympathischer und das hat nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun.

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Das Missy Magazine führt ihre Veranstaltungsreihe zur Abokampagne „Miss no Missy“ und lädt am 20. Mai im HAU zum Sexismus-Talk „There is more to sexism than meets the eye“, außerdem gibt’s dabei noch ein Konzert von Zucker:

Wir thematisieren an diesem Abend, was in der #Aufschrei-Debatte bisher zu kurz kam: Aspekte, die über das eingespielte Machtgefälle zwischen Mann und Frau hinausgehen – Sexismus ist mehr als das, was ins Auge springt. In diesem Sinne werden wir an diesem Abend u.a. über feministischen Online-Aktivismus sprechen, queeren Perspektiven Raum geben oder über die Frage diskutieren, wie sich Sexismus gepaart mit Rassismus, Lookism oder Heteronormativität auswirkt.

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