Unsicheres AKW Gundremmingen, Rechtsruck in Deutschland & YAY, 8. März!!!

Anwesenheitskultur verursacht Gender Pay Gap, Nazis vs. Legoland, Termine zum Frauenkampftag heute, Kritik an schwedischem Prostitutionsmodell, feministische Kunst verwurstet Trolle, Gundremminger AKW nicht erdbebensicher, Rechtsruck in D, Snowden kritisiert den Umgang der EU mit Datenschutz und Interview mit Bascha Mika.

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Happy Frauenkampftag!!!
Gab ja schon vor Kurzem ne kleine Veranstaltungs-Linkauswahl (ganz runter scrollen).
Das Mädchenblog hat auch Vorschläge der politischeren Sorte, zum Beispiel (willkürliche Auswahl):

Hamburg
13:30 Uhr am Hachmannplatz: 8.März-Demo | 8-Mart Dünya Emekci Kadinlar Günü Yürüyüsü

Linz
11:00–00:00 Uhr, verschiedene Orte: Feminismus & Krawall – Protest · Performances · Interventionen · Konzerte

Nürnberg
13:00 Uhr am Weißen Turm: Infostände und Aktionen
15:30 Uhr am Weißen Turm: Demonstration

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Jakob Augstein interviewt Bascha Mika zu ihrem neuen Buch über Frauen und Älterwerden:

Das ist auch eine alte Geschichte, dass wir Frauen offenbar viel stärker in unserem Körper stecken als ihr Männer. Es heißt, Frauen sind Körper, Männer führen ihren Körper wie ein Hündchen an der Leine. Frauen werden an ihren Körper gekettet. Und weil der Körper derjenige ist, der die sichtbaren Altersspuren zeigt, kann man über diesen Mechanismus auch leichter das Älterwerden von Frauen abwerten. Nach dem Motto: Die Frau ist mehr Körper und der verfällt, also verfällt auch die Frau. Punkt.

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Das Legoland Bristol schließt vorübergehend wegen Nazidrohungen:

Die Muslimische Stiftung für Forschung und Entwicklung hatte den privaten Ausflug in den Legoland-Park in Windsor organisiert. Mehr als 4.000 Angehörige unterschiedlicher Herkunft und Konfession hätten Karten reserviert, teilte die Organisation mit. Der westlich von London gelegene Park wird für die Sommersaison am 14. März eröffnet.

Die Muslimische Stiftung für Forschung und Entwicklung zeigte sich bestürzt über Drohungen mehrerer rechtsextremer Gruppen, darunter die English Defence League und Casuals United. Die Drohungen seien seit zwei Wochen telefonisch, per E-Mail und in Sozialen Netzwerken eingegangen, teilte Legoland mit.

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Noch ein Text über den Rechtsruck:

Gerade weil die Gruppe der konservativen Revolutionäre so heterogen ist und noch nicht fest in angreifbaren Formen wie etwa Parteien geordnet ist, fällt es schwer, sie und ihre Argumente zu bekämpfen. Die Linke tappt derweil in die uralte Falle des Populismus: Sie lässt sich von den polemischen Thesen ihrer Gegner zum Kampf hinreißen, erwidert ebenfalls mit Polemik und bläst zum Lagerkampf. Nur, dass die alten Lager längst aufgelöst sind.

Die moderne „konservative Revolution“ funktioniert nach den historischen Mustern der Weimarer Republik: Sie inszeniert sich als verfolgter Outlaw, will ihre Gegner als Starrköpfe entlarven und den Diskurs aus der demokratischen Mitte in die Extreme ziehen. Aber anstatt zu wüten oder insgeheim mit den Thesen der Neuen Rechten zu flirten (EU-Bashing), sollte die Linke aus der aufgeklärten gesellschaftlichen Mitte heraus argumentieren.

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Cooles Kunstprojekt: Lindsay Bottos verwandelt Hate-Messages kreativ in eine subtile, aber deutliche feministische Aktion:

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Experten zweifeln daran, ob das AKW in Gundremmingen (übrigens baugleich mit dem von Fukushima) erdbebensicher ist:

In dem bisher unveröffentlichten Papier vom 14. November 2013, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, gibt es klar formulierte Kritik an der Auslegung von Gundremmingen bei der Erdbebensicherheit. Die „Überprüfung der Systemauslegung nach Stand von Wissenschaft und Technik“ habe ergeben, dass die Anlage die aktuellen Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke im Erdbebenfall „nicht erfüllt“. Diese Aussage gelte auch, wenn man die Kriterien älterer Regelwerke anlege.

„Jetzt ist das Märchen vom sicheren AKW Gundremmingen zu Ende und die Absage der Leistungsausweitung steht in ganz neuem Licht“, wettert Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. RWE betont dagegen weiterhin: Sicherheitsaspekte hätten beim Rückzug des Antrags „keine Rolle“ gespielt – und verweist auf ein Gutachten des TÜV Süd von Ende Februar 2014, das als Reaktion auf das GRS-Gutachten entstanden ist. Demnach wird das Kraftwerk den „sicherheitstechnischen Anforderungen voll gerecht“. Die Atomaufsicht im Münchner Umweltministerium sekundiert: Gundremmingen erfülle „alle Sicherheitsvorhaben“ und werde „sicher betrieben“.

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Das Missy Magazin hat die in Schweden lebende Pädagogin Dr. Susanne Dodillet interviewt, die den dortigen Umgang mit Prostitution kritisiert:

(…)So ist zum Beispiel der Paragraph zu Zuhälterei sehr weit gefasst: Zuhälterei ist schon das Profitieren von Sexarbeit, nicht das kriminelle Ausnutzen der Prostituierten wie in Deutschland. Zwei Sexarbeiterinnen, die sich die Kosten für einen Raum teilen, können beide als Zuhälterinnen bestraft werden. Im Wohnungsrecht gibt es einen Paragraphen, der festlegt, dass Vermieterinnen, die in ihrer Wohnung Prostitution bemerken, kündigen müssen. Die Frauen riskieren also Obdachlosigkeit. Im Einwanderungsrecht ist festgelegt, dass ausländische Frauen, die sich prostituieren, ausgewiesen werden können. Es gibt noch einige weitere solche Paragraphen.

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Eine Harvardstudie führt den Gender Pay Gap auf die Anwesehnheitskultur in Firmen zurück:

Zeitweises Nicht-Arbeiten – egal, ob jemand einige Jahre oder Monate komplett aussetzt oder seine Arbeitszeit vorübergehend reduziert – wird finanziell unverhältnismäßig abgestraft. Für ihre Studie verglich Goldin Harvard-Absolventinnen aus den 1990er Jahren miteinander. Frauen mit einem Master in Business Administration, die in ihren ersten 15 Berufsjahren eine 18-monatige Auszeit nahmen, bezahlten das mit 41 Prozent ihres Gehaltes, Rechtsanwältinnen mussten auf 29 Prozent verzichten. Ärztinnen büßten vergleichsweise wenig ein, nämlich nur 15 Prozent. Fast keine „Teilzeit-Strafe“ stellte die Autorin bei Apothekerinnen fest.

Sie führt das auf die unterschiedliche Anwesenheits- und Informationskulturen in den verschiedenen Branchen zurück. Im Gesundheitswesen wird vielfach in Schichten gearbeitet, die Beschäftigten sind es gewohnt, sich mittels Übergaben und Datenbanken gegenseitig auf dem aktuellen Stand zu halten. Jemand, der weniger Stunden arbeitet, hat also kaum Informationsnachteile gegenüber einem Vollzeitmitarbeiter.

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In Punkto Datenschutz hatte sich Snowden mehr von der EU erhofft (wer kann’s ihm verdenken). Absolut informativ und lesenswert!!!

Zuerst dränge der US-Geheimdienst die EU-Mitgliedsstaaten dazu, ihre Gesetze zu ändern oder neu zu interpretieren, schreibt Snowden. Die Kooperation zwischen der NSA und dem britischen Geheimdienst GCHQ reiche dabei so weit, dass NSA-Anwälte direkt mit Regierungen zusammenarbeiteten, etwa in Schweden oder den Niederlanden.

Auch auf Deutschland sei Druck ausgeübt worden. Als Folge sei das Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses im Sinne der NSA geändert worden, das die Befugnisse der deutschen Nachrichtendienste regelt. Die verfassungsmäßigen Rechte der Bundesbürger seien dadurch „erodiert“. Im besten Falle sollten selbst die Parlamente der Mitgliedsländer nicht mitbekommen, was genau sie absegnen – vage formulierte Gesetze gäben der NSA mehr Eingriffsmöglichkeiten und sollten zugleich öffentliche Diskussionen verhindern.

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