Kinderlose deutsche Frauen, feministische Unterstützung & Bechdeltest in schwedischen Kinos

NSU & Verfassungsschutz, drittes Geschlecht in Bangladesch anerkannt, Brüste & Femininität, Bechdeltest in schwedischen Kinos, Demographie & Homophobie, immer mehr deutsche Frauen bleiben kinderlos, feministischer Support, Nina Hagen, taz und queer.de von Rechtspopulistenkongress ausgeschlossen, Qualitätsserien und Selbstfürsorge.

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Deutsche Frauen ziehen es immer mehr vor, kinderlos zu bleiben:

Der Trend zur späteren Familiengründung setzt sich fort. Im bundesdeutschen Durchschnitt waren 2012 die Mütter beim ersten Kind 29 Jahre alt. Der Anteil der Frauen, die noch vor ihrem 30. Geburtstag das erste Kind bekommen, wird immer kleiner. Dadurch verringert sich auch die Anzahl der potentiellen Mütter mit drei oder mehr Kindern. Zum Vergleich: Anfang der siebziger Jahre waren Frauen im früheren Bundesgebiet bei der ersten Geburt durchschnittlich gut 24 Jahre alt. Im Jahr 2012 waren sie mit 29 fünf Jahre älter. Ostdeutsche Frauen bekamen ihr erstes Kind durchschnittlich im Alter von 28 Jahren – also fünf Jahre später als noch im Jahr 1989.

Dazu Nina Hagen:


Warum soll ich meine Pflicht als Frau erfüllen?
Für wen? Für die? Für dich? Für mich?
Ich hab‘ keine Lust meine Pflicht zu erfüllen!
Für dich nicht, für mich nicht,
Ich hab‘ keine Pflicht! „

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Über „Qualitätsserien“ und ein in Lob auf Buffy!

Dass Whedon es wie kein Zweiter versteht, sein Publikum in 45 Minuten mit Erzählungen über unsere innere und äußere Welt zu fesseln, hat er mittlerweile gleich mehrfach bewiesen: Mit dem „Buffy“-Ableger „Angel“ und schließlich mit der viel zu früh abgesetzten Space-Western-Serie „Firefly“ und dem Zukunftsthriller „Dollhouse“. Einem breiten Kinopublikum wurde er im vergangenen Jahr mit der Verfilmung der Comic-Serie „The Avengers“ bekannt. Der Sog, den seine Debütserie „Buffy“ entfaltet, ist gar so groß, dass die impulsive und selbstgerechte Studienabbrecherin auch nach ihrem TV-Ende noch weiterlebt, in von Whedon und „Buffy“-Autoren geschriebenen Comics.

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Antje Schrupp analysiert das Scheitern von Frauen an der Parteipolitik:

Wie sehr es tabuisiert ist, auszusprechen, dass die Krise der Parteipolitik auch Ausdruck eines Konfliktes zwischen Frauen und Männern über die Frage ist, wie Politik sein sollte, wurde an den geradezu panischen Reaktionen auf Gaschkes Rücktrittsbegründung deutlich. Die Tagesthemen nannten sie eine aggressive Abrechnung, der Focus schrieb von einer Krawallrede, landauf landab war man sich einig, dass das unmöglich war. Ich fand es eigentlich eine ganz normale Rede, wie gesagt, ähnliche Erfahrungen und Bewertungen habe ich schon von zig parteipolitisch aktiven Frauen gehört. Das Neue daran war nur, dass es diesmal eine Oberbürgermeisterin war, die es in einer öffentlichen Rede so deutlich formuliert hat.

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Auf Zehenspitzen fragt sich, wie echte feministische Unterstützung aussehen könnte:

Ich kann die Anrufungen nicht mehr hören: Lean in! Mädchen in die Technik! Girl Power! Verteidige dich! Immer und immer wieder. Nicht, dass ich nicht für Ermutigung wäre. Im Gegenteil! Aber Ermutigungen, die sich nicht an eine einzelne Person, sondern an eine Personengruppe richten, erlauben den Rückschluss, dass die der Gruppe gemeinsame Markierung in Zusammenhang mit den Ursachen für die Ermutigungsnotwendigkeit steht – also, etwas weniger kompliziert ausgedrückt: Mädchen ist ihr Mädchen-Sein in ihrer Entwicklung hinderlich, Frauen ihr Frau-Sein.

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In Bangladesch gibt es nun offiziell ein „drittes Geschlecht“:

Bangladesch erkennt ein drittes Geschlecht neben männlich und weiblich an. Die Regierung verabschiedete am Montag ein entsprechendes Gesetz, das die Kategorie „Hijra“ im Pass und anderen Ausweisen einführt.

Als Hijra werden in Südasien Menschen bezeichnet, die sich entweder einer Kastration unterziehen, beide Geschlechtsmerkmale aufweisen oder sich als Intersexuelle dieser Gemeinschaft anschließen.

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Anne beschäftigt sich auf Kleinerdrei mit Selbstfürsorge:

Sich kümmern oder nicht kümmern, ist hier also gar nicht die Frage. Diese lautet eher, wie sehr es schon drängt, dass du in dich reinhorchst und notwendige Konsequenzen ziehst. Im besten Fall werden eh Taktiken entwickelt, um ein Ausbrennen schon vorher zu vermeiden und sich stattdessen kontinuierlich engagieren zu können.

Nicht, dass ich diesen Traumzustand schon erreicht hätte, aber ich befinde mich mit meinen Bemühungen zumindest auf einem ganz guten Weg (#famouslastwords). Nun ist das, was für mich funktioniert natürlich nicht allgemeingültig und in vielen Fällen sicher auch nicht neu, aber vielleicht ja ein Anstoß für euch, um überhaupt mal über das Thema nachzudenken oder auch Ergänzungen zu euren eigenen Methoden zu finden. Ansonsten freue ich mich selbstverständlich genauso über eure Vorschläge und Ideen, was Self care angeht.

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Vier schwedische Kinos wenden den Bechdeltest bei ihren Filmen an, um auf Sexismus aufmerksam zu machen:

The movie theaters started using the test last month to highlight the sexism of movies (largely from Hollywood) that foreground men’s stories. Ellen Tejle, the director of an art-house movie theater in Stockholm called Bio Rio, told the AP that most of the audiences have reacted positively and added that „for some people it has been an eye-opener.“

The state-run Swedish Film Institute supports the initiative and it’s starting to catch on. The Scandinavian cable TV channel Viasat Film is going to start using ratings in its film reviews and on November 17, it plans a marathon of films that earn an „A“: „The Hunger Games,“ ‚‘The Iron Lady“ and „Savages.“

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Bei Rumbaumeln gibt’s Gedanken zu Brüsten und Femininität:

Die Dysphoria die ich hatte, also das Gefühl im falschen Körper zu sein, war für mich schon immer sehr eng verbunden mit der Abwertung die weiblich zugewiesene Körperteile erfahren. Brüste waren nicht mehr wert als das, was ihnen von Typen zugesprochen wurde. Was heißt: Brüste brachten mir Sexualisierung und ansonsten waren sie mit Fett gefüllte Hautfalten, die störten. Sie hatten keinen _Sinn_. Das dabei nicht die Brüste dran schuld waren, sondern eben die Sexualisierung, änderte meine Lage ja nicht. Aber es hätte mir geholfen, mich mit meinem Körper zu versöhnen, wenn ich gewusst hätte, dass das alles System hat.

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taz und queer.de kriegen keine Akkreditierung für den Kongress „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit. Geburtenabsturz. Sexuelle Umerziehung.“ mit Sarrazin, Eva Herman und Scholl-Latour – und wie nett, auch die AfD mischt hier mit :

Ein Schwerpunkt des Kongresses ist die Ablehnung von Homo-Ehe und Gender-Mainstreaming. Im Aufruf heißt es: „Nur aus der Verbindung von Mann und Frau kann neues Leben hervorgehen, nur diese Verbindung gewährleistet die biologische Fortexistenz der europäischen Völker.“

Und weiter: „Nur wenn die ’sexuelle Umerziehung‘ gestoppt wird, werden Jungen und Mädchen stabile Charaktere und stabile Liebesbeziehungen bilden können.“ Dauere der „Geburtenabsturz“ an, könnte „die demographische Lücke nur noch durch Menschenzucht im Labor oder forcierte Einwanderung geschlossen“ werden.

Auch Béatrice Bourges, einer der führenden Köpfe des französischen Widerstands gegen die Homo-Ehe, soll in Leipzig auftreten. Frauke Petry, Sprecherin der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland, wird über Familienpolitik reden.

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Der Vater von Uwe Mundlos macht den Verfassungsschutz für die gute Vernetzung der Naziszene in Thüringen verantwortlich:

Der 66-Jährige geht auch auf eine Kontaktliste seines Sohnes ein, die Ermittler bei einer Razzia 1998 gefunden hatten. Auf der Liste hatte Uwe Mundlos die Namen und Telefonnummern etlicher brauner Kameraden notiert. Der Vater verwies darauf, dass auf dieser Liste auch mehrere Neonazis standen, die als Spitzel für die Behörden tätig waren, wie man mittlerweile wisse: „Das ist kein NSU-Netz, das ist ein Verfassungsschutz-Netz“, sagt Siegfried Mundlos.

Die Untersuchungsausschüsse des Bundestags und der Landtage haben bisher keinen Beleg dafür gefunden, dass jemand aus dem Trio Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt eine V-Person gewesen ist. Auch von den Behörden wird dies vehement dementiert. Dennoch ist diese These weiter im Umlauf, und sie tauchte auch schon kurz nach dem Untertauchen des Trios auf.

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Lang, aber absolut lesenswert – über das „Demographieproblem“ und Homophobie:

The population panic and the argument that demography-is-destiny aren’t new. We’ve seen them before — not least as a large component of Fascist ideologies in the ’20s and ’30s. Again these anxieties are stirring in a time of economic misery, social unrest, and fear. Again they have a Great Power propagandizing for them. And again they’ve collected a motley crew of fellow travellers, not in brown shirts but in black cassocks or suits and ties. It’s a dangerous time: not because humanity is dying out, as the woman-hating doomsayers claim, but because human values of diversity, cooperation, and understanding are yet again under threat.

Time to fight back.


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