HIV-Infektionen, Spiritual Appropriation & Fleischhauer-Bashing

Gelungene Integration ganz einfach, unwissende HIV-Infizierte machen 1/3 aus, Schüler blockieren Abschiebung, S21, Große Koalition, Mae Jemison, „Auf den 2. Blick“, Spiritual Appropriation, Gertrude Sandmann, Fleischhauer-Bashing und „Welcome to Night Vale“.

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Tausende Pariser Schüler blockieren ihre Schulen, um die Abschiebung einer Roma-Mitschülerin zu verhindern:

Aus Mülltonnen bauten sie Blockaden, auf Plakate schrieben sie ihre Forderungen, zum Protest reckten sie die Fäuste in die Luft: Tausende Pariser Gymnasiasten demonstrierten am Donnerstag in Paris gegen die Abschiebung einer 15-jährigen Kosovarin. An rund 20 Gymnasien der französischen Hauptstadt blockierten Schüler die Eingänge, wie die Schulbehörde mitteilte.

Die Jugendlichen zogen zu einer Demonstration an der Place de la Nation und von dort aus weiter zum Innenministerium. Es kam zu vereinzelten Zwischenfällen, die Polizei setzte dabei Tränengas ein. Die Demonstranten riefen unter anderem „Valls raus!“. Auslöser der Proteste war die Abschiebung der 15-jährigen Leonarda Dibrani; Frankreichs Innenminister Manuel Valls werfen die Demonstranten vor, unmenschlich entschieden zu haben.

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Die Phenomenelle schreibt über Gertrude Sandmann:

Lange fast vergessen, erlebt die Künstlerin, die so eindrücklich Frauen porträtierte, seit kurzer Zeit eine Renaissance. Museen in mehreren Städten widmeten ihr Ausstellungen. Am Mittwoch, dem 16. Oktober 2013, weihten Freundinnen einen Gedenkstein für Gertrude Sandmann und ihre langjährige Lebensgefährtin Tamara Streck auf dem Schöneberger Friedhof ein. Im gleichen Jahr gehört sie zu den Berliner_innen, der während des Berliner Themenjahres 2013 Zerstörte Vielfalt gedacht wird.

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Trekkie Feminist gratuliert Dr. Mae Jemison, der ersten schwarzen Frau im All:

„Some professors would just pretend I wasn’t there. I would ask a question and a professor would act as if it was just so dumb, the dumbest question he had ever heard. Then, when a white guy would ask the same question, the professor would say, “That’s a very astute observation.’”

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Amüsantes Fleischhauer-Bashing auf Zeit-Online:

Jan Fleischhauer ist ein Spiegel-Redakteur, der auf den Onlineseiten des Magazins seit Menschengedenken – genauer gesagt, seit dem Erfolg seines Buches Unter Linken – ein Blog unterhält, in dem er sich, nun ja: mit den Linken beschäftigt. Letzte Woche hat er sich überraschend der Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) zugewandt. Bisher hatten wir sie eher am bürgerlichen Rand der Sozialdemokratie verortet; aber das ist nicht der Punkt. Fleischhauers Pointe besteht vielmehr darin, dass er Gaschkes derzeitige politische Schwierigkeiten nicht auf den umstrittenen Steuerdeal zurückführt, den ihr die Opposition zum Vorwurf macht, sondern auf ihre Vergangenheit als Redakteurin der ZEIT.

Buffy

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Magda empfiehlt den Film „Auf den zweiten Blick“:

Ich besuchte die Premiere in Berlin und war sehr beeindruckt, da der Film auf mehreren Ebenen mit Seh- und Hörgewohnheiten im deutschen Film bricht. So besteht die Mehrheit der Besetzung aus Schwarzen Schauspieler_innen, die – welch eine Seltenheit in der weiß-deutschen Filmlandschaft – spannende, komplexe Charaktäre jenseits von stereotypen Rollen spielen. Auch die Tatsache, dass der Film die Geschichten von sehbehinderten bzw. blinden Menschen in den Vordergrund rückt, ist eine Rarität im Kino. Ein weiterer Bruch mit der Norm: Nicht alle Paare begehren hetero. Es gibt also doch noch Filme, die unterschiedliche Lebensrealitäten abbilden! Ich mochte die einzelnen, auf sehr schöne Weise miteinander verwobenen Geschichten, die erzählt werden, die verschiedenen Stimmungen des Films und die Filmmusik.

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1/3 aller europäischen HIV-Infizierten
wissen nichts von ihrer Infektion:

„Die Gleichung ist ganz einfach: Je früher die Diagnose gestellt wird und die Therapie beginnt, desto weniger Menschen müssen früh sterben“, sagt Lundgren. Seine Arbeitsgruppe hat kürzlich im Fachmagazin PLOS Medicine gezeigt, dass 54 Prozent der HIV-positiven Menschen in Europa zu spät behandelt werden. Besonders erschreckend: Die Rate der Neuinfektionen ist derzeit in Regionen Osteuropas wie beispielsweise der Ukraine höher als in den bisherigen Aids-Brennpunkten in Afrika. Dass eine HIV-Infektion erst sehr spät entdeckt wird, kommt besonders oft unter heterosexuellen Männern vor sowie in südeuropäischen Ländern.

Obwohl eine frühe Diagnose wünschenswert wäre, fordern die Aids-Forscher keine flächendeckenden Tests für geschlechtsreife Menschen. Vielmehr sind Hausärzte, Magen-Darm-Experten, Hautärzte und Mediziner in Klinikambulanzen gefragt. Denn etliche HIV-positive Menschen suchen zwar einen Arzt auf, aber ihre Infektion bleibt unentdeckt.

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In einem süditalienischen Dorf dürfen Flüchtlinge ganz normal arbeiten und wohnen – und alle profitieren davon:

Es begann alles 1998, als 200 kurdische Flüchtlinge an einem Strand in der Nähe von Riace landeten. Statt mitanzusehen, wie sie in eines der düsteren Auffanglager verfrachtet wurden, bot Lucano ihnen Häuser in seinem Dorf an, die aufgrund des Bevölkerungsschwunds leer standen. „Meine Eltern haben mich immer gelehrt, Fremde willkommen zu heißen“, sagt er.

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Kleinerdrei rezensiert den Podcast „Welcome to Nightvale“:

“Welcome to Night Vale” ist ein monatlich erscheinender Podcast, der sein Publikum mit Nachrichten aus einer fiktionalen Stadt beglückt, in der alle Verschwörungstheorien wahr sind und jeder Horror vorstellbar. Für mich dabei erstaunlich: Die Sendung findet sich derzeit stetig in den iTunes Charts, ist zeitweise sogar der meistabonnierte Podcast im US iTunes Store. Erstaunlich ist das deshalb, weil es sich weder um eine zweitverwertete Sendung eines (realen) Radiosenders – wie zum Beispiel “This American Life” – noch um einen der unzähligen “Nerds sprechen über Nerdzeug” Podcasts variierender Qualität handelt, die in der Regel die Charts anführen. Nein, “Welcome to Night Vale” ist ein minimalistisches Hörspiel, das innerhalb kurzer Zeit eine große und sehr aktive Fangemeinde um sich scharen konnte.

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Wolfgang Lieb fragt sich, ob die SPD aus den Fehlern der letzten Großen Koalition lernen wird:

Der Parteikonvent am Wochenende und danach die Mitglieder der SPD bei ihrem Votum über den ausgehandelten Koalitionsvertrag müssten eigentlich aus den ausgesprochen negativen Erfahrungen in der letzten Großen Koalition von 2005 bis 2009 gelernt haben. Sie sollten sich deshalb die Fehler, die die Sozialdemokraten damals in der Regierung gemacht und die zum Niedergang der SPD geführt haben, vor ihrer Abstimmung noch einmal in Erinnerung rufen. Der Parteikonvent müsste der SPD-Verhandlungsgruppe für die Koalitionsgespräche einen klaren Auftrag auf den Weg geben, den damaligen sozial- und steuerpolitischen Schaden wieder gut zu machen, der bis zur Bundestagswahl im September nachwirkte und wesentliche Ursache für das abermals schlechte Abschneiden der SPD war.

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Susanna14
analysiert Cultural /Spiritual Appropriation:

Ich sehe die Gefahr, dass eine solche Identität missbraucht werden kann: Dass auch hier jetzt ein Bild der jeweiligen Kultur aufgebaut wird, das statisch ist und keine Fragen erlaubt, sondern eben Identität bilden soll. Dass also auch hier von den historischen, gesellschaftlichen und sonstigen Kontexten dieser Kultur abstrahiert wird. Insbesondere wird dann nicht gefragt, welche Machtverhältnisse es innerhalb der eigenen Kultur gab, und welche Aspekte der eigenen Kultur die Aufgabe haben, diese Machtverhältnisse zu stärken.

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Die Gegner_innen von Stuttgart 21
geben nicht auf!!!

Das Bürgerbegehren „Storno 21“ befasst sich mit der deutlich überschrittenen Kostenobergrenze. Im Dezember 2012 hatte die Bahn eingeräumt, dass die Kosten bis um 2,3 Milliarden Euro steigen können. Die Bahn habe mit fälschlich behaupteten Einsparpotenzialen die Kosten „schön gerechnet“, heißt es in dem Bürgerbegehren. Damit hätte sie die Informations- und Gestaltungsrechte der Stadt als Vertragspartner grob verletzt. Dies sei eine grundlegend neue Sachlage, die der Stadt die Kündigung der Verträge ermögliche.

S21


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