Freier, Mörderinnen & Merkelmythen

Lampedusa, Marsfotos, Pogues-Gitarrist tot, Mörderinnen, Spottseiten, Lanz, Femgeek-Chillout, Freier, Tirol wird weiblicher, dt. Tischtennis-Frauenmannschaft, E*Vibes-Vortrag & patriarchale Merkelmythen.

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Klischeehaft anmutendes Buch, aber interessantes Interview mit Sigrun Roßmarith über Mörderinnen:

SPIEGEL ONLINE: Sie schreiben in Ihrem Vorwort: „Niemand ist vor Wahnsinnstaten gefeit, auch ich nicht.“ Warum glauben Sie das?

Roßmanith: Ich glaube, dass es in jedem Menschen eine gewisse Schwelle gibt. Wenn die überschritten wird, passieren Dinge, die man sich nie vorgestellt hätte.

…was generell keine falsche Einstellung ist. Forum sollte man nur mit starken Nerven aufsuchen, erwartungsgemäß.

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Der Bruder eines Lampedusa-Opfers im Interview mit der taz (auch hier Forenbeiträge meiden, wenn man nicht gerade kontern will):

Wussten Sie, dass Ihr Bruder auf dem verunglückten Boot war?

Nein. Ich wusste, dass mein Bruder in Libyen ist. Er hat dort anderthalb Jahre als Bauarbeiter gearbeitet, um seine Frau und die zwei Kinder in Ghana zu ernähren. Wir hatten noch vor zwei Wochen telefoniert. Schon zuvor hatte er mir gesagt, dass er nach Europa will. Ich habe ihm immer wieder geantwortet: Nein, geh nicht! Europa ist nicht das Paradies, wie alle denken. Menschen wie wir bekommen keine Jobs, müssen auf der Straße schlafen. Das ist kein Leben, wir leiden. In Libyen gibt es wenigstens Arbeit, der Dinar ist gut. Es ist besser als in Europa.

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Pogues-Gitarrist Philip Chevron ist gestorben:

Der Gitarrist der irischen Folk- und Punkband The Pogues, Philip Chevron, ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Wie die Gruppe auf ihrer Internetseite mitteilte, starb der Musiker am Dienstag nach langem Krebsleiden. Nach einer ersten Krebserkrankung 2007 war im August vorigen Jahres erneut ein Tumor bei Chevron entdeckt worden, der unheilbar war.

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Patriarchale Merkel-Mythen:

„Was will das Weib?“, soll Freud einst gefragt haben, wohl ehrlich ratlos. Eine Frage allerdings, die nur im Patriarchat gestellt – und nur nach dessen Ende beantwortet werden kann. Aber so weit sind wir auch ein Dreivierteljahrhundert nach dem Tod des Meisters nicht. Und so kommt es, dass im neunten Amtsjahr der ersten deutschen Kanzlerin noch Varianten der großen Frage durch die Öffentlichkeit geistern: Was will Merkel? Wofür steht sie? Steht sie überhaupt für etwas, hat sie eine Vision, ein Programm?

Und seit dieser Bundestagswahl: Wen bringt sie als Nächstes um? Wen wird die Königsboa in ihrer Umarmung ersticken – wieder die SPD oder diesmal die Grünen? Wen frisst die Schwarze Witwe jetzt, die Gottesanbeterin – das Bild fand ein ungarisches Wirtschaftsmagazin –, nachdem sie sämtliche innerparteiliche Konkurrenz verputzt und gar eine ganze Partei geschluckt hat, die FDP?

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Auf die Kritik daran, daß das erfolgreiche deutsche Frauenteam chinesischstämmige Mitspielerinnen enthält, erwidert die DTTB-Spitze:

DTTB-Präsident Thomas Weikert stellte gegenüber dem Sport-Informationsdienst klar: „Unter den besten fünf Athletinnen sind in Deutschland nun mal drei, die in China geboren wurden. Wenn wir ihnen wegen ihrer Herkunft eine EM-Teilnahme verbieten würden, obwohl sie alles dafür getan haben, für uns zu spielen, dann stecken wir ganz schnell in einer Ecke, in der wir gar nicht sein wollen.“

Der Vizepräsident des Weltverbands ITTF fügte hinzu: „Im Präsidium gibt es einen Beschluss, dass wir für niemanden einen vorzeitigen Antrag auf Einbürgerung stellen.“ Wer jedoch nach acht Jahren eingebürgert werde, habe auch das Recht, in der Nationalmannschaft zu spielen. „Über die Nominierung entscheidet letztlich nicht das Aussehen des Gesichts, sondern die sportliche Leistung.“

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Nerdy Awesomeness: die Zeit präsentiert eine Fotostrecke mit Schwarzweißaufnahmen vom Mars!

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Aber holla! Das neue Tiroler Kinder- und Jugendhilfegesetz künftig fast ausschließlich in weiblicher Form verfasst sein:

Statt von Rechtsanwälten und Ärzten wird also forthin von Rechtsanwältinnen und Ärztinnen die Rede sein. Ohne Binnen-I, denn das sei eigentlich eine inoffizielle und nicht gesetzeskonforme Lösung, heißt es aus dem Büro der Landesrätin auf Anfrage von dieStandard.at. Auch eine geschlechtsneutrale Formulierung, die man zuerst angestrebt hatte, hatte die Rechtsabteilung mangels Lesbarkeit nicht für gut befunden. Ganz im Gensatz zu Formulierungen wie dieser: „Pflegepersonen und Personen, die Minderjährige im Rahmen einer sozialpädagogischen Pflegestelle oder als Bereitschaftspflegerinnen betreuen, …“ Die explizit männliche Form kann von Rechts wegen getrost weggelassen werden und so soll es in Hinkunft auch sein.

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Die Femgeeks wollen wissen: Wie entspannt Ihr?

Was ich versuche: Emails nur ein- bis zweimal am Tag checken und dann abarbeiten, die restliche Zeit habe ich mittlerweile auch Thunderbird ganz geschlossen. Heute habe ich vor allem getestet, ob es mir etwas bringt, wenn ich mich aus all den sozialen Netzwerken auslogge, wenn ich eigentlich gerade etwas anderes machen möchte. Und oh wunder: Es ist tatsächlich super, selbst wenn ich aus Reflex zum zehnten Mal in sechzig Minuten den Facebook-Button drücke, denke ich noch einmal nach, ob ich wirklich gerade zu FB wollte (und meistens ist die Antwort eindeutig: Nein.).

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E*Vibes-Veranstaltung
: haben Femen den Feminismus übernommen?

In diesem Vortrag wollen wir uns u.a. damit auseinandersetzen, wie Femen historisch-gesellschaftlich verortet sind, sich organisieren und welche Auswirkungen ihr Aktivismus für andere feministische Gruppen hat. Außerdem beschäftigen wir uns mit den von ihnen erzeugten Bildern und welche der vielfach geäußerten Kritik (nicht) gerechtfertig ist.

Wann: 21.10.
Ort: K9; Berlin

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Das Mädchenblog präsentiert einen Text von Caitlin Seida, deren Foto im Lara Croft-Outfit Opfer von Internetspottseiten wurde (Triggerwarnung wg. Fatshaming):

Eines Tages loggte ich mich auf mein Facebookkonto ein und fand eine Nachricht einer Freundin vor. „Du bist eine Internetberühmtheit!“, hieß es darin. Dazu ein Link zu einer sehr öffentlichen Seite, deren einziger Zweck es ist, Bilder von Leuten zu veröffentlichen, über deren Aussehen man sich lustig machen kann. Und da war ich, in voller Pracht – ein Bild von mir, als meine Heldin Lara Croft verkleidet: Tomb Raider, für Halloween – aber über dem Bild ein Schriftzug mit den Worten „Fridge Raider“ (dt. „Gefrierschrank-Plünderer“).

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Überraschend guter Artikel von Nils Pickert über Freier, überraschend konstruktiv-zahmes Form (trotzdem Triggerwarnung):

So schwer es mir fällt, innerhalb des Spannungsfeldes der Prostitution zwischen Freiwilligkeit und Zwang zu belastbaren Aussagen zu kommen, so leicht erscheint es mir, über Freiertum zu sprechen und es infrage zu stellen: Darf Mann Freier sein? Und wenn ja, sollten Männer Freier sein dürfen? Existiert etwa ein Menschenrecht darauf, seine eigene Sexualität gegen Geld am anderen auszuleben? Wie kann Mann überhaupt auf die Idee kommen, Sex ohne Kondom zu verlangen? Und können Freier eigentlich mehrheitlich unterscheiden, ob sie sich eine Dienstleistung oder einen Menschen kaufen?

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Markus Lanz vom 08. 10.
mit Bascha Mika, Karl Lauterbach, Halala und Kaya Yanar:


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