Überwachungserfahrungen, Frauen bei Apple & 20 Jahre In Utero

Bundestagswahl in Gifs, Gewalt in Teenagerbeziehungen, 20jähriges Jubiläum von Nirvanas „In Utero“, deutsch-moslemische Blogsphäre, Sexismus bei „Grand Theft Auto“, gewalttätige Frauen, homophober „Barilla“-Chef, Zeugen im NSU-Prozeß, Frauen bei „Apple“, Kommentieren auf Blogs, Überwachungserfahrungen, Einkommen, Tolokonnikova in Hungerstreik, Frauen & Merkel und Buchrezension „Verschieden Sein“.

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Die taz interviewt eine Kriminologin über gewalttätige Frauen:

taz: Frau Steffes-enn, gerade findet in Berlin ein Kongress des Vereins Wildwasser statt, der sich mit sexualisierter Gewalt an Mädchen und Frauen beschäftigt. Sie werden dort über gewalttätige Mädchen und Frauen reden. Frauen und Gewalt, das scheint sich zu widersprechen.

Rita Steffes-enn: Gewalt ist kein ausschließlich männliches Phänomen. Beide Geschlechter tragen zu gleichen Teilen Aggressionen in sich. Das ist auch gut so, sonst hätten Frauen nämlich keine Energiequelle.

Frauen üben Gewalt als Gegenwehr aus?

Es gibt Frauen, die sich durch Schlagen und Prügeln verteidigen, wenn sie beispielsweise von ihrem Partner angegriffen werden. Aber es gibt auch welche, die brauchen keinen Anlass, die versuchen, einen Konflikt gewaltsam zu lösen, weil sie andere Lösungen für nicht geeignet halten. Andere Frauen schlagen ihre Kinder. Manche Mütter machen ihre Kinder dafür verantwortlich, dass ihr Leben nicht so ist, wie sie es gerne hätten. Und es gibt Mädchen, die üben als Clique Gewalt aus. Das heißt, sie ziehen durch die Straßen und schlagen andere, um zu zeigen, dass sie der Boss sind.

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Zeuge bei NSU-Untersuchung
; es ist erschreckend, wie sehr und viele Menschen unter dem Scheiß leiden mußten und müssen. In diesem Zeiten zurück nach Griechenland zu gehen, lieber als in Deutschland bleiben, sagt schon was aus.

Auch F.s Leben hat die Tat grundlegend verändert. Monatelang sei er nach dem Mord vorgeladen worden, habe auf der Polizeiwache immer wieder die gleichen Fragen beantworten müssen, auch seine Mitarbeiter seien befragt worden. „Die Polizei hat mich schikaniert, sie wollte uns in den Dreck ziehen“, sagt der 46-Jährige. So hätten ihn Beamte gefragt, ob Theodoros Boulgarides sex- oder spielsüchtig gewesen sei. Die Vernehmungen hätten sich im Kreis gedreht. Erst habe er Kunden verloren, dann Geld und sein Geschäft, schließlich seine langjährige Lebensgefährtin.

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Noch eine Wahlanalyse:

Eine mir nahestehende Person weiblichen Geschlechts (outen kann man sowas ja nicht!) hat ein Kreuzchen für Angie gemacht. Warum, weiß eigentlich keiner. Ihre politischen Ansichten haben mit denen Merkels eigentlich nichts zu tun.
Aber irgendwie identifiziert sie sich mit ihr. Nicht wegen gleicher Geschlechtsteile. Obwohl…. Merkel erscheint ihr als Mensch. Mit Menschen hat man mehr Nachsehen als mit Politiker_innen.

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Einen Aspekt, der sonst oft vergessen wird, wird in der Süddeutschen behalndelt: Gewalt in Beziehungen entsteht als Muster schon in der Jugend. Klar, kommt jetzt ne Triggerwarnung hier:

Jenny heißt eigentlich anders. Ihren richtigen Namen möchte das Mädchen nicht veröffentlicht sehen. Dabei hat sie nichts getan, wofür sie sich schämen müsste – sie hat sich nur verliebt. Bedingungslos und Hals über Kopf, wie man das nur mit 15 kann. In einen Jungen, von dem sie bis heute behauptet, dass es nicht der falsche war. Er hat Blumen mitgebracht zum ersten Date, hat ihr in einer Nacht 24 SMS geschrieben und zum ersten Jahrestag einen Kuchen in Herzform gebacken. Dieser Junge war Jennys erste große Liebe. Und er hat sie geschlagen. Immer wieder.

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Tschüs Barilla-Produkte:

Guido Barilla mag nicht so gerne homosexuelle Kundschaft. In einem Interview mit dem italienischen Sender „Radio 24“ sagte der Vorstandsvorsitzende des italienischen Unternehmens Barilla: „Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familien unterstützen.“

Barilla selbst ging in dem Radiointerview so weit, dass er sagte: „Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Nudeln eines anderen Herstellers essen.“ Und in der Tat forderten auch schon die ersten Menschen auf Twitter den Boykott von Barilla-Produkten – mit dem Hashtag #boicottobarilla.

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Die Fuckermothers beschäftigen sich mit dem sensiblen Thema (Haupt-) Einkommen:

Nach wie vor wird bei 53 % der unverheirateten Paare klassische Rollenverteilung ausgeübt: der Mann ist also meist Vollzeit und die Frau Teilzeit berufstätig. Im Fall einer Trennung erhöht das das Armutsrisiko für viele Frauen massiv. Zugleich stellt sich aber auch die Frage, wie das Geld verteilt wird, während das Paar (noch?) zusammen lebt.

Wie macht das der statistische Hauptverdiener und die Neben- oder Nicht-Verdienerin? Und wie macht man es selber? Gibt es ein gemeinsames Konto? Und ist das nur dazu da, Lebensmittel und Miete zu bezahlen? Oder wird damit alles bezahlt, also auch Eiskaffes, Bahnfahrten, Rotwein und Sommerschuhe? Ist es das gemeinsame Konto das einzige, oder gibt es noch zusätzlich zwei getrennte? Und wird auf denen abhängig vom Einkommen gespart? Bedeutet das, dass sich der Hauptverdiener z.B. den teuren Wintermantel kaufen kann und dass die Nebenverdienerin lieber die Jacke von vor drei Jahren weiter aufträgt? Oder kauft ihr der Hauptverdiener von ‘seinem’ Ersparten eine neue Jacke? Und, wenn ja, wie geht sie damit um? Fühlt sie sich abhängig und schuldig oder kann sie das nüchtern als ‘ihr’ Geld betrachten, weil sie ja mehr Arbeit in die Kinder steckt?

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Helen Lewis schreibt im Freitag über den Sexismus bei Grand Theft Auto:

Die Videospielserie Grand Theft Auto, deren jüngste Folge GTA 5 vergangene Woche erschien, ist bestimmt nicht frauenfreundlich. Weibliche Charaktere, mit denen man mitfiebern oder von denen man sich beeindrucken lassen könnte, gibt es nicht. Frauen sind bei GTA dazu da, einem auf die Nerven zu gehen oder damit man sie – gegen ein Abendessen oder Geld – ins Bett kriegt. Wenn man dann bedenkt, dass man einmal eine Prostituierte aufsuchen und sie dann umbringen konnte, um sein Geld zurückzukriegen, nehmen die entsetzen Reaktionen sich nicht verwunderlich aus.

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Pussy Riot Mitglied Tolokonnikova ist sein Montag im Hungerstreik:

I turned to the administration with a proposal for dealing with the conflict. I asked that they release me from the pressure manufactured by them and enacted by the prisoners they control; that they abolish slave labour at the colony by cutting the length of the workday and decreasing the quotas so that they correspond with the law. The pressure has only increased. Therefore, beginning 23 September, I am going on hunger strike and refusing to participate in colony slave labor. I will do this until the administration starts obeying the law and stops treating incarcerated women like cattle ejected from the realm of justice for the purpose of stoking the production of the sewing industry; until they start treating us like humans.

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Auf Phenomenelle wird das Buch „Verschieden Sein – Nachdenken über Geschlecht und Differenz“ rezensiert:

Der herrschende universelle Bezug auf Gleichheit entzieht die Idee der Gleichheit geradezu einer Kritik. Dem stellt Maihofer die Idee einer positiven, nicht hierarchisierenden Anerkennung der Geschlechterdifferenz gegenüber, die zu einer Erweiterung und Reformierung des bestehenden Gleichheitsverständnisses beitragen könnte. „Wie kann es gelingen, in der Verschiedenheit als gleichberechtigt anerkannt zu werden“ – so lautet wohl eine der wichtigsten Leitfragen ihres wissenschaftlichen Lebens. Die Formel „Differenz in Gleichheit … und Gleichheit in Differenz“ bringt es für sie auf den Punkt.

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DieStandard nimmt sich den Frauen beim Apple-Konzern an:

Erkundigt man sich über das Management von Apple, wird man auf der Webseite des Unternehmens schnell feststellen, dass die Führungspositionen des Unternehmens allesamt von Männern besetzt sind. Wer beim iPhone-Hersteller Frauen in Führungspositionen finden will, muss sich schon über inoffizielle Kanäle informieren.

Eine, die noch vergleichsweise einfach und schnell zu finden ist, ist Andrea Jung. Sie sitzt im Vorstand des Unternehmens und ist als Beraterin tätig. Bis 2012 war sie CEO des Kosmetikunternehmens Avon, wo sie bis heute im Vorstand sitzt. Zusätzlich zu Apple und Avon hat Jung denselben Posten auch noch bei General Electric und Daimler inne.

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Natalie Brunner über den 20. Geburtstag von Nirvanas „In Utero“:

Es ist das dritte und letzte Album von Nirvana. Bei seinem Erscheinen wurde es „ein von Grund auf verwirrtes Album“ genannt. Es ist nicht „Nevermind zwei“ und es ist auch nicht ein Ausbruch an destruktivem Selbsthass. „In Utero“ ist zu einer Zeit entstanden, als Kurt Cobain gezeichnet war von Überdosen, Krankenhausaufenthalten, dem Wunder der Reproduktion und seiner Ehe mit Courtney Love. Eine Platte zwischen Geburt und Tod, Hochzeit und Koma.

Das von Cobain gestaltete Backcover des Albums ist voll von Referenzen an Tod, Geburt, Entäußerung, Drogen, herausfallenden Eingeweiden. Sieht man sich allerdings alte Interviews mit Nirvana an, stellt man fest, dass Cobain immer wieder darauf hinweist, dass dieses Album kein Tagebuch ist, nicht so persönlich wie die Welt es gerne hätte. „In Utero“ ist streckenweise ein „ medizinisches“ Album, meint er.

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Kübra schreibt über die deutsch-moslemische Blogsphäre:

Seitdem (2011/2012) hat sich die muslimische Blogsphäre gewandelt, sie ist gewachsen. Es sind neue Themen hinzugekommen, unter anderem muslimische Modeblogs. Die Gut-Betucht-Autorin hat bereits eine kleine Liste mit deutsch-muslimsichen Mode-Bloggern erstellt (siehe unten). Allerdings drängt sich hier die Frage der Kanäle auf: Eine der aufgelisteten Modebloggerinnen betreibt statt eines Blogs ein Facebook-Account. Würde man nun Facebook in die Suche einbeziehen, würde man auf sehr viel muslimische Seiten stoßen. Beispielsweise erfreuten sich muslimische Fb-Seiten in der Kategorie Fotografie & Lifestyle in den vergangenen 2 Jahren besonders großer Beliebtheit in Deutschland. Prominentestes Beispiel hierfür ist vermutlich Emine von Butterfly Photography. Als weiterer Kanal kommt Instagram hinzu, auch dort sind spannende muslimische Mode-, Fotografie-, Einrichtungs-, Design- und Lifestyle-Szenen entstanden.

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Auch auf kleinerdrei wird die Bundestagswahl kommentiert – mit Gifs!

Angesichts des Wahlergebnisses von vor wenigen Tagen, fehlen vielen von uns oft noch die Worte. Aber wir wären ja nicht kleinerdrei, wenn wir stattdessen keine GIFs bemühen würden, um diese Wortlücke zu füllen. Hier kommt die Zusammenfassung unserer Gemütszustände, nachdem das Wahlergebnis am vergangenen Sonntag feststand, die Spekulationen über mögliche Koalitionen begannen und mittlerweile schon ein paar Personalentscheidungen fielen…

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Manche Kommentator_innen sollte definitiv bei der Opalkatze nochmal nachlesen, wie das so mit dem Kommentieren gedacht ist:

-Kurz nachdenken: Worum geht es hier?
-Bei Verdacht, der Beitrag passe womöglich nicht ins eigene Weltbild: Blog durch Klicken verlassen.
-Tipp: Dazu am besten eigene, bewährte Bookmarks verwenden (Kopp-Verlag, etc.)
-Bei genügender seelischer Festigkeit und Interesse weiterlesen
-Text aufmerksam durchlesen, dabei nicht innehalten, wenn ein Reizwort vorkommt (“Feminismus”, “Beschneidung”, “Demokratie”, “Netzgemeinde”, etc.)
-Jemand hat sich die Mühe gemacht, ganze Sätze zu formulieren? Tapfer sein: einfach weiterlesen.
-Bei Sichtung eines unbekannten Arguments rasch und beherzt handeln: Finger schnell von der Tastatur nehmen, einen Kaffee trinken oder draußen eine rauchen gehen

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Annalist zeigt Innenansichten von Überwachungserfahrungen:

Seit den Leaks von Edward Snowden ist das Thema Überwachung wieder sehr präsent. Weil es nicht viele Menschen gibt, die darüber reden, dass sie überwacht wurden und was das für sie bedeutet, werde ich viel danach gefragt. Ich habe dieses Blog vor sechs Jahren begonnen, um unseren Alltag mit Überwachung aufzuschreiben und werde immer mal wieder danach gefragt, wo diese Geschichte eigentlich zu finden ist, die viele gar nicht und manche nur ungefähr kennen. Ich habe deswegen hier die wichtigsten Blogposts nochmal zusammengestellt.


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