Muttiblogging, Wahl und Paypal-Sicherheitslücke

Bedingungsloses Grundeinkommen, Fat Shaming/Mobbing, Assads Chemie stammt auch aus Deutschland, Phänomen „Mamablogs“, Paypal jucken Sicherheitslücken nicht so wirklich, „Ummah – Neue Freunde“, Google+ ist die Matrix, Bundestagswahl, Allensbachzahlen, Nachruf auf den Kritikerpapst, Rassismusdoku „Blue Eyed“ und Star Trek Bridge Battle.

________________

Die Süddeutsche reviewt wohlwollend den Film „Ummah – unter Freunden“:

Frederick Lau spielt diesen Daniel als schweigsamen, verstörten jungen Mann, in dessen Zügen sich auch die Zweifel an den Institutionen von Überwachung und Verbrechensbekämpfung spiegeln, die auch schon vor der NSA-Affäre schwelten. Die ersten Begegnungen in der neuen Umgebung sind noch von berufsmäßigem Misstrauen vergiftet, gegenüber der hübschen Nachbarin, die ihn freundlich willkommen heißt oder dem Besitzer des Gebrauchtelektronikladens (Kida Khodr Ramadan), der ihm ein altes Fernsehermonstrum aufschwatzt. Doch dann dauert es nicht mehr lange, bis Vorurteile und Berührungsängste aufgeweicht werden, durch die unkomplizierte Freundlichkeit, mit der ihm hier in einem Akt umgekehrter Integration die Türen zur fremden Kultur geöffnet werden.

Dabei ist es auch nett, in Foren von Onlinezeitungen auch mal einen schönen Kommentar zu lesen, wie den hier:

mattijoon vor 5 Stunden

Ich als Wahlberliner habe das Integrationsproblem ehrlich gesagt noch nicht gesehen.

Die Segregation in türkische und deutsche Viertel wurde von der deutschen Regierung vor Jahrzehnten so veranlasst, das kann man den Türken nicht ankreiden. Die haben ihre eigenen Geschäfte und Essbuden, ich geh da manchmal einkaufen, die sprechen alle Deutsch und ich wurde immer freundlich behandelt.

Dass die ein wenig ihre eigene Kultur erhalten wollen, finde ich natürlich. Wenn ich selbst im Ausland bin, umgebe ich mich gerne mit Deutschen und freue mich, wenn ich irgendwo eine deutsche Bäckerei finde.

Das Kriminalitätsproblem schließlich ist ein Problem der sozialen Klasse – die meisten Türken in Deutschland sind nunmal keine Akademiker sondern einfache Arbeiter, die vom Dorf in der Türkei stammen. Ich erwarte nicht, dass die Goethe rezititieren können. Ich wette, Deutsche aus ähnlichen sozialen Verhältnissen weisen eine ähnliche Kriminalitätsstatistik auf.

Also was genau ist das Problem nun eigentlich?

=)

*********************

Herrliche Gifparade bei Trekkie Feminist – starring a battle scene on the bridge:

*****************

Weil seine Zwillingsschwester wegen ihres Gewichts in der Schule gemobbt wird, schreibt ein amerikanisches Kind eine Bitte an den Weihnachtsmann (dafür übles Fatshaming und Victim Blaming in den Kommentaren…):

„Amber wird in der Schule wegen ihres Gewichts gehänselt. Sie tut nichts, um dagegen anzukämpfen. Wie die meisten Kinder, die gemobbt werden, schluckt sie es hinunter“, berichtet Posnanski in dem Leserportal. „Als ich acht Jahre alt war, wog ich selbst 100 Kilo. Ich weiß, wie es ist, in die Schule zu gehen und auf die verletzenden Kommentare der anderen zu warten. Aber mit Menschen wie Ryan, die wahre Schönheit sehen und das Beste für andere Menschen wollen, können die Tyrannen bekämpft werden.“

CNN griff die Geschichte auf und kontaktierte die Mutter. „Ich versuche, das Selbstbewusstsein meiner Tochter zu stärken und sage ihr, dass sie schön ist. Die Leute sagen auch zu mir verletzende Dinge, weil auch ich ein Gewichtsproblem habe“, sagte Karen S. CNN. „Trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, was sie durchmacht.“ Ihre Tochter habe nie direkt gesagt, dass sie gemobbt werde.

Es gibt darunter allerdings auch gute Kommentare, wie den hier:

48. Gefährlicher Unfug
feuercaro1 heute, 19:23 Uhr
Über einige Kommentare und ihre komplett ahnungslosen Verfasser hier bin ich wirklich entsetzt. Die MUTTER ist SCHULD? Dicke mobben ist okay, denn die können ja abnehmen? Na bravo! Das Mädel ist 8 Jahre alt und dick. Was es bedeutet, wenn man ein Kind, welches möglicherweise aus psychischen oder endokrinologischen Gründen (schon einmal etwas von „Hashimoto“ gehört? Nicht? Googeln Sie!) auf eine Diät setzt, kann ich mir jeden Tag im Spiegel betrachten. Ich war in ungefähr dem gleichen Alter, als meine Eltern mich -wohlmeinend- und auch noch auf Rat meines Klassenlehrers auf Diät setzten und im Turnverein anmeldeten. Die Diät führte zur Senkung meines Stoffwechsel-Grundumsatzes. Das bedeutet, dass mein Körper gelernt hat, mit sehr wenigen Kalorien zu funktionieren – auf deutsch: alles über 1.200 cal am Tag lässt mich zunehmen. Im Turnverein bin ich noch schlimmer gemobbt worden, als in der Klasse. Mir hätte es viel besser getan, wenn sich mein Lehrer und meine Eltern auf meine Seite gestellt und meine Körperlichkeit als mein unveräußerliches Recht verteidigt hätten. Stattdessen wurde ich als mangelhaft und „reparaturbedürftig“ hingestellt. Meine Eltern gestatteten sogar meinem Bruder, sich hämisch nund abfällig mir gegenüber zu verhalten. Später darauf angesprochen verteidigten sie sich mit „Wie dachten eben, du könntest alle Motivation gebrauchen!“. Meine Kindheit war jedenfalls versaut. Und wenn ich hier lese, wie anmaßend und selbstgerecht Erwachsene meinen, das kleine Mädchen hätte abzunehmen, dann würde sich das mit dem Mobbing schon geben, bekomme ich Gewaltphantasien.

***************

„Captain! Der Worpreaktor explodiert!“ – „Ach was… na, vielleicht kommwer nächste Woche mal dazu, das Ding zu reparieren…“

Millionen Menschen vertrauen dem Bezahldienst PayPal ihr Geld an und verschicken darüber mehr als 40 Milliarden Dollar im Quartal. PayPals Website ist der Zugang zu ihren Konten. Die Sicherheit dieser Website sollte für das Unternehmen daher an erster Stelle stehen. Dass selbst so große und so verletzliche Netzdienste bei der Technik Fehler machen, haben dem Unternehmen gerade zwei junge Männer gezeigt.
(…)
In dem Ordner standen keine Passwörter, aber an dieser Stelle hörten sie auf und informierten PayPal. „Wir hätten mehr herunterladen können“, sagt Schäfers. „Das waren die Root-Server, da läuft alles drüber. Wir hätten den gesamten Quellcode von PayPal auslesen können.“ Doch sie sind white hats – gute Hacker. Sie wollen nichts kaputt machen, sondern nur zeigen, dass es theoretisch möglich ist. Was es nicht leichter macht, die Betroffenen zu überzeugen, dass sie ein Problem haben.
(…)
Nach einigem Hin und Her änderte das Unternehmen doch etwas an seiner Website; genau genommen nach drei Monaten. Mit dem Ergebnis, dass Neef und Schäfers ihren Augen wieder nicht trauten. Sie konnten die neuen Einstellungen umgehen, alles war wie zuvor. Wieder meldeten sie sich bei den Technikern der Firma. Erst dann wurde die Lücke geschlossen. Da waren erneut ein paar Wochen vergangen.

****************

Man wünscht der Regierung in Deutschland die Einsicht eines Iron Man – Syrien hat für seinen Chemiebaukasten in Deutschland eingekauft:

Der Rüstungsexperte der Linkspartei, Jan van Aken, erhob schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der rot-grünen sowie der schwarz-roten Regierung zwischen 2002 und 2006. „Es kann und darf nicht sein, dass diese Chemikalien ausgerechnet nach Syrien geliefert wurden, von dem man damals schon wusste, dass es ein riesiges Chemiewaffenprogramm unterhält“, sagte van Aken. Allen Beteiligten müsse klar gewesen sein, dass sie für die Produktion von Sarin eingesetzt werden könnten.

Gregor Gysi, Bundestagsspitzenkandidat der Linken, nahm auf seinem facebook-Profil ebenfalls Stellung: „Deutschland ist offenkundig mitschuldig an dem Tod von über 1.400 Kindern, Frauen und Männern durch den nun festgestellten Chemiewaffenanschlag vom 21. August bei Damaskus.“

Bei einem Angriff mit Sarin waren am 21. August im Raum Damaskus 1.400 Menschen getötet worden. Westliche Regierungen machen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad dafür verantwortlich.

*****************

auf Zehenspitzen macht sich Gedanken übers „Muttibloggen“:

Mütter im Internet geben viel Diskussionsstoff – meistens, weil abfällig oder negativ über ihr Tun kommentiert wird. Zusammenfassend lauten Feuilleton-und Mainstream-Tenor und Alphablogger_innen-Sicht: Muttiblogs sind der Wäh-Pfui-Pink-Bereich im Netz. Triviale Problemchen werden dort zerredet und das eintönige Heimchen-am-Herd-Privatleben instagram-isiert. Außerdem: Mommy Wars hoch drei. Manche schaffen den Sprung zur mehr oder weniger anerkannten Fashion-Lifestyle-Bloggerin. Und alle so: Yeah! Immerhin.

Ich selber spähe mit gemischten Gefühlen aus der feministischen (Mütter)-Bloggerinnen-Ecke auf Mamabloggerinnen. Ich rate jeder ab, Rat auf Elternfragen in einem parents.at-Forum zu suchen und bin in meiner Spätschwangerschaft an den Blogs verzweifelt, in denen Mütter ihre Mühen und Nöte humorvoll verpackt – immer einen nachsichtigen Seitenhieb auf den in Babysachen überforderten und in Haushaltsangelegenheiten zaudernden Kindsvater parat – als Anekdoten preisgeben. Diese “Humor ist, wenn man trotzdem lacht”-Mentalität machte mir Gänsehaut. Das tut sie nach wie vor. Denn sie sagt auch, “So ist das Leben” und “Finde dich damit ab”.

********************

„Emanzipiert sind wir selber“? Frauenpolitik brauchen wir nicht mehr? Die neuen Allensbachzahlen:

Die Gretchenfrage lautet: für wen spricht die Ministerin? Für eine schweigende Mehrheit der Frauen in diesem Land, die Feministinnen schon immer unsympathisch fanden und Quoten geradezu kontraproduktiv? Oder doch eher für eine bestimmte Gruppe konservativer Frauen, die dem medial verkündeten Zeitgeist folgen. Denn das darf man nicht vergessen, die Mehrheit der Medien findet Geschlechterpolitik bestenfalls lächerlich, schlechteren falls erklären sie sie für gefährlich – weil sie angeblich „den neuen Menschen“ heranzüchten soll und die „Identität von Jungen und Männern zerstören“ wolle. Ja, das sind Originalzitate aus Spiegel und Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung.
(…)
Über die Hälfte der befragten Frauen sehen einen zunehmenden Mangel an Gleichberechtigung, mehr als in den Jahren zuvor. Zwei Drittel aller repräsentativ befragten Frauen finden, dass in der Gleichstellungspolitik noch viel zu tun ist. Nur ein Viertel der Befragten meinte, dass sie die gleichen Karrierechancen haben wie Männer. Und sogar die Männer, die dazu neigen, die Geschlechterverhältnisse als prima anzusehen, waren zu 41 Prozent der Ansicht, dass für die Gleichberechtigung noch viel getan werden muss. Ja man könnte sagen, dass Männer mehr Gleichstellungspolitik wollen als unsere Frauenministerin.

Mit anderen Worten: ja, wir sind ein geschlechterpolitisch konservatives Land, aber im Gegensatz zu Kristina Schröder und einigen Herren in der Qualitätspresse hat doch eine Mehrheit der repräsentativ befragten Menschen den Eindruck, dass wir daran etwas ändern sollten.

************

Zita Bereuters Nachruf auf Marcel Reich-Ranicki:

Der Kritikerpapst ist tot. Lange lebe der Kritikerpapst!

„Man soll die Kritiker nicht für Mörder halten. Sie stellen nur den Totenschein aus“, erklärte Marcel Reich-Ranicki 1996 im Rahmen des Cicero-Preises.

**************

Ninia LaGrande, fünf Tage vor der Wahl:

Am Vorabend sitzt ein Kanzlerkandidat bei zwei sich selbst sehr liebenden Fernsehfuzzis. Er verrät, dass er mit einem der Moderatoren ein Bier trank (das soll ihn cool wirken lassen, weil Angie nur Kirschschnaps trinkt) und stellt klar, dass einer mit Sicherheit nicht schuld sei, sollte er nicht gewinnen: Er selbst.
In einem anderen Studio sitzen fünf alte, weiße Männer mit einem alten, weißen Moderator und diskutieren über die Zukunft. Es sind die gleichen Menschen, die auch schon vor zwanzig Jahren über Zukünfte diskutiert haben und es hat sich kaum etwas geändert. Ein bisschen runzliger sind sie geworden, aber das sind Äußerlichkeiten. In der Politik beschäftigen wir uns doch mit Inhalten. Oder?

*****************

Auch Nele Tabler ist gedanklich bei der Bundestagswahl:

Sehen, hören und beißen zu können, gehört für mich zu den Menschenrechten. Ich halte es für einen Skandal sondergleichen, dass in einem reichen Land wie unserem Brillen, Hörgeräte und Gebisse zum reinen Privatvergnügen geworden sind. Unvergessen die arrogante Empfehlung der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Wenn Sie kein Geld für eine Brille haben, nehmen Sie einen Kredit auf!“

Werde ich mir Zukunft eine Brille leisten können oder nicht, beantwortet mir aber kein Wahlprogramm der Parteien und ist somit als Wahlkriterium ungeeignet. Ähnliches gilt für Rente oder Pflege.

******************

Kübra empfiehlt die Dokumentation „Blue Eyed“:

An diesem Tag behandelte sie alle ihre blau-äugigen Schüler wie Weiße, privilegiert und überlegen gegenüber den nicht-blau-äugigen Schülern, die sie so behandelte wie schwarze Kinder in den USA behandelt wurden, so als seien sie weniger intelligent, weniger fleißig und fähig. Schon bald übernahmen die Kinder diesen Umgang, die “Überlegeneren” verhielten sich arrogant und überheblich gegenüber ihren Klassenkameraden. Ihre Leistungen verbesserten sich, sie wurden selbstbewusster. Auch die “Unterlegeneren” veränderten sich; selbst jene, die vorher dominant und durch ihre guten Leistungen hervorstachen, nahmen sich zurück, ihre Leistungen wurden schlechter.

Seit jeher setzt Elliott diese Experimente fort. In der Dokumentation “Blue Eyed” wird man Zeuge dieses Experiments bei Erwachsenen. Erwachsene, die in Tränen ausbrechen, weil sie für wenige Stunden lediglich im Rahmen eines Experiments wie Schwarze behandelt werden.

**********************

Google +
– willkommen in der Matrix:

if you create a Gmail account, you‘ll automatically get a Google+ account. Even if you don‘t ever do anything with it, the Google+ account will track you wherever you‘re signed in to your Google account.

If you‘re not signed in when you visit it, Google’s front page has a „SIGN IN“ button in red and white in the top right: prime colouring and location to grab your attention.

Maps? If you want to save locations, Google+ is pushed at you (for sharing too, though you can avoid it). You have to sign into your Google+ account to edit anything with its Mapmaker facility. (You have to have an account to edit OpenStreetMap too, though there are lots of accounts you can use – an OSM one, or Google, Yahoo, Wordpress, AOL.)

YouTube? You can use it without signing in (you‘ll get a „Sign in“ label in the top) but of course you can‘t participate by, say, commenting. Drive? Shopping? Wallet? The soon-to-come paid music service? Google+ demands that you log in, so it can sees it all, and log it.

The reason why it doesn‘t seem like much of a social network is that the „friending“ and „following“ are just an accidental outgrowth of what it really does – being an invisible overlay between you and the web, which watches what you‘re doing and logs it and stores that away for future reference.

********************

Antje Schrupp hat über das bedingungslose Grundeinkommen geschrieben; das Kapitel nennt dabei einen zentralen Punkt, „Erkennen, was notwendig ist“; dazu gibt’s Links zu den ersten Feedbacks:

Ina Praetorius hat das Buch schon gelesen und hier ein bisschen was darüber geschrieben. Lustig fand ich auch diesen Verriss in der NZZ, in dem ich mit der Aussage zitiert werde, zur Ökonomie gehöre nicht nur das Tauschen, sondern auch, Dinge ohne Gegenleistung zu bekommen. Was man dort offenbar völlig absurd findet. Wahrscheinlich sind die Redakteure der NZZ niemals Kinder gewesen, sondern von irgendwoher voll funktionstüchtig auf die Erde geplumpst, sodass sie jederzeit für sich selber sorgen konnten.


Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− zwei = sechs