Street Harassment, Kosmetiklügen und die Farbe Pink

Tradition afrikanischer Nacktproteste, Reflexionen über die Farbe Pink, „Ich bin keine Feministin, aber…“, Aktion & Animation gegen Street Harassment, Trauerdemo für Rosemarie F. und Irreführung der Kosmetikindustrie.

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Heute fahren Jörg Braun und Maike Hank von kleinerdrei im Rahmen der Anti Street Harassment Week das Berliner U-Bahn-Netz ab und beobachten, wie die Fahrgäste miteinander umgehen; dabei werden die Beobachtungen live getwittert. In der Süddeutschen gibt’s ein kleines Interview dazu mit den beiden:

Maike Hank: Über die Angst, als Frau U-Bahn zu fahren, habe ich Anfang Februar gebloggt. Unter anderem aus diesem Post ist dann die #Aufschrei-Debatte entstanden. Über Twitter kamen in diesem Zusammenhang dann viele Berichte darüber, wie Menschen im Öffentlichen Nahverkehr belästigt werden. Gemeinsam haben wir so das Projekt entwickelt.

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Nacktproteste haben die Femen nicht erfunden, im Gegenteil – bei afrikanischen Frauen hat das schon lange Tradition:

Einer der wichtigsten Nacktproteste im vergangenen Jahrhundert fand 1929 während des Women´s War statt, schreibt Kazeem. Mit diesen Protesten wären deutliche Zeichen gegen Kolonisierung und auch gegen ein westlich geprägtes Bild von Nacktheit gesetzt worden. Sowohl in West, Ost- wie auch Südafrika hätten sich schwarze Frauen dagegen nackt zur Wehr gesetzt. Erst im Dezember letzten Jahres protestierten in Ogun (Nigeria) Frauen oben ohne gegen Multinationale Ölfirmen, Korruption und Gewalt – dem Protest wurde allerdings kaum Aufmerksamkeit geschenkt, kritisiert Kazeem.

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Tiefe Betroffenheit und vor allem auch Fassungslosigkeit beim Trauermarsch für Rosemarie F.:

Rund 350 Menschen versammeln sich am frühen Freitagabend spontan hier, vor ihrem früheren Wohnhaus. Die Jalousie am Fenster ihrer alten Wohnung ist halb geschlossen, die Blumen von Rosemarie F. stehen noch hinter den Scheiben. Und der Abend zeigt: Die Situation vor ihrem Haus überfordert auch diejenigen, die seit Monaten – eigentlich lautstark – einen Kampf gegen steigende Mieten in der Hauptstadt führen.

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Die EU nimmt sich trügerischer Werbung der Kosmetikindustrie an:

Können Wimpern mit ein bisschen Farbe „um 60 Prozent verlängert“ werden? Kann eine Hautcreme die „Zellen erneuern“? Kann eine andere einen „Ultra-Straff-Effekt“ bewirken? Wie es aussieht, wird sich die eine oder andere Werbung bald ein bisschen gedämpfter anhören müssen. Brüssel will dem Einfallsreichtum der Industrie Grenzen setzen.

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Gedanken zur umstrittenen Farbe Pink bei der Mädchenmannschaft und im Mädchenblog:

Was mir daran gefiel, war die Ironie. In die eher männlich konzipierte Alternativszene was aggressiv weibliches reinzuschmuggeln. Und das „Frauen/Mädchenbild“ etwas durcheinanderbringen: statt den „männlichen“ Kodex (verranzte Jeans, weite Band-T-Shirts, Flanellhemd) nachzuahmen und dabei alles, was „weiblich“ (=uncool) war möglichst weit weg zu halten, gefiel es mir, gerade diese weiblich konnotierten Dinge provozierend miteinzubeziehen. Zu Zeigen, daß hinter rosa Püppchen mehr steckt, als das, was ihm gemeinhin zustand!!

Und in der Art und Weise, wie derzeitig eine rein pinke Welt für Mädchen geschaffen wird, ist ein Sichtbarmachen von anderen Möglichkeiten wichtig. Das Aufmachen von Optionen ist auch entscheidend, um eine zwanghafte Zweigenderung, wie sie auch mit den bisher genannten Zuschreibungen einhergeht, aufzubrechen. Diese Debatte sollte aber auch nicht allein an Kinderspielzeugen und Werbungen, die Kinder sehen könnten, ausgerichtet sein.

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„Ich bin keine Feministin, aber…“ – diese berühmt-berüchtigte Satzeinleitung ist alles andere als neu, wird aber dennoch ständig gebraucht. Milenskaya will wissen, wie man dieses Paradoxon aufbrechen kann:

„Ich bin keine Emanze, aber …“ begann letztens eine Kommilitonin in der Vorlesung und führte dann ein Haufen feministischer Argumente an, die ich so unterschrieben hätte. Sie ist wahrlich keine Emanze, sie ist ein hübsches, stylisches Mädchen, was ein bisschen was Kluges von sich gab und nicht dem klassischen, stereotypischen Bild einer Emanze entspricht, was wir so haben. Statt Emanze hätte sie auch genauso gut Feministin sagen können. Von der Art ihrer Betonung merkt man, dass es für sie die gleiche Art von Unmensch ist. Keinesfalls möchte sie in diese Schublade gesteckt werden. Doch was ist so schlimm daran? Warum sind die wenigsten bereit ihr stereotypisches Bild über Bord zu werfen? In welchen Medien wird überhaupt dieses Bild erstellt, was wir so gerne übernehmen?

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Großartige Animation von Chara Bui, die geduldig und eindrucksvoll nochmal klarmacht, warum Street Harassment ein gesellschaftliches Kernproblem ist:


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