Diätblocker, Alltagsrassismus & Geburtsorgasmen

Solidarität statt Rassismus, Pornokonsum & Sexismus, Steuerzahler finanzieren Werbung für die Waffenindustrie, NSA schnüffelt Smartphones & Co. aus, Orgasmen beim Gebären, Björk, #schauhin bei Alltagsrassismus, Diätwerbung blocken, Cultural Appropriation, Chelsea Manning, Femina Politica, „afrikanische“ Literatur und Miley Cyrus bei Stefan Raab.

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Querelle rezensiert auf dem Mädchenblog die feministisch-politische Zeitschrift „Femina Politica“:

Die Femina Politica ist auch im 22. Jahrgang eine wichtige Lektüre, in der Debatten eine wissenschaftliche Konsolidierung erfahren, bei gleichzeitiger inhaltlicher Weiterentwicklung. Zudem finden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen Eingang.

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Die wundervolle Björk wird vom Guardian interviewt:

Björk Guðmundsdóttir, 47, was born in Iceland. She began singing professionally at the age of 11, releasing her first album in 1977. After her band the Sugarcubes broke up in 1992, she moved to London, where she released her solo albums Debut and Post. In 2000 she won Best Actress at Cannes for her role in Lars von Trier’s film Dancer In The Dark. Since 2010 she has been working on Biophilia, which encompasses an album, a live show and an educational programme. On 3 September she brings Biophilia to London’s Alexandra Palace. She has two children and lives in Iceland.

Björk

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Nach #aufschei jetzt #schauhin; Kübra Gümüsay dokumentiert den dringend nötigen Aufschrei gegen Alltagsrassismus – also Augen auf und mitmachen:

Das einzig Neue an #SchauHin ist der Hashtag, das Etikett, also die Sammlung dieser Erlebnisse. Mit nur einem Klick, das ist das Ziel, soll man/frau eine ungefähre Ahnung davon bekommen, wie sich der Alltagsrassismus in Deutschland anfühlen kann. #Aufschrei hat vorgemacht, wie ein Alltag, den Millionen Menschen in Deutschland teilen, aber kaum in der Öffentlichkeit wiederfinden, Gegenstand einer Debatte werden kann. Vor wenigen Tagen, auf dem #Abbloggen-Podium der FES, war das Thema: Sexismus & Rassismus ab_bloggen. Dort entstand die Idee, heute beendeten wir die Suche nach einem Hashtag und ich legte mit ein paar Tweets los.

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Der Freitag dokumentiert die Forderungen kritischer Wissenschaftler, die im aktuellen Migrationsdiskurs Solidarität statt Rassismus fordern:

Anstatt die immer weiter verwässerten Reformdebatten über den Verfassungsschutz und die sonstige „Sicherheitsarchitektur“ voran zu treiben, sollte die Konsequenz aus der Befassung mit dem „NSU-Komplex“ die Veränderung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse sein, die das Morden unterstützt haben. Dafür ist das Bekämpfen jener rassistischen, in erster Linie gegen Migrant_innen und Geflüchtete gerichteten Bedrohungsszenarien in der gesellschaftlichen Debatte, an die rechte Propaganda bestens anknüpfen kann, ein wichtiger, wenn auch nur ein kleiner Schritt.

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Wer Steuern zahlt, finanziert Werbung für die Waffebndustrie:

Nicht jedes Unternehmen muss für seine Reklame selbst bezahlen. Der deutsch-europäische Rüstungskonzern EADS/Cassidian lässt sich die Werbung zum Beispiel von der Bundesrepublik Deutschland bezuschussen.

Dies geht aus der Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Demnach hat der Staat in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt fast 20 Millionen Euro für die Kampagne gezahlt, mit der die Hersteller des Kampfjets Eurofighter ihren Flieger in Indien verkaufen wollten. EADS/Cassidian aus dem bayerischen Manching ist maßgeblich am Eurofighter-Konsortium beteiligt.

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Linksammlung zu Cultural Appropriation auf dem Mädchenblog:

Vorsichtig ausgedrückt: da ist massiver Diskussionsbedarf. Und es ist gut und wichtig, daß dieses Problem thematisiert wird. Es scheint eine recht kontroverse Diskussion zu sein – aber auch das ist wichtig, es ist dringend erfordelich, daß diskutiert wird. Im Prinzip ist dies der Versuch, zu klären, wie man mit dieser kulturellen Aneignung umgeht, wie wir es schaffen, uns gegenseitig repektvoll zu behandeln. Ein sehr grundsätzliches Thema, bei dem sich vom Prinzip her alle einig sind: bringt den kulturellen Symbolen von people of colour Respekt entgegen, entwertet sie nicht aus egoistisch-ästhetischen (oder gar kommerziellen) Gründen.

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NSA und Konsorten schnüffeln, wo’s nur geht -und da sie Zugriff auf Smartphones & Co. haben, schrumpft die Privatsphäre immer weiter:

Die NSA habe bereits 2009 geschrieben, dass sie den SMS-Verkehr von Blackberry-Geräten habe „sehen und lesen“ können. Allerdings sei der Zugang 2009 zeitweise blockiert gewesen, nachdem das kanadische Unternehmen eine Firma übernommen und mit deren Hilfe die Datenkomprimierung geändert hatte. Im März 2010 vermeldete die zuständige Abteilung laut Spiegel-Bericht schließlich, man habe den Zugang wiederherstellen können und jubelte: „Champagner!“

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Kein Bock auf Diätwerbung? Die Femgeeks zeigen, wie man dem entkommt:

Mir reicht es ohnehin schon, wie mir die Medien alltäglich vermitteln, wie ich als Frau* auszusehen habe und wie mit solchen Kampagnen laufend Fatshaming1 propagiert wird. Facebook steht damit also nicht alleine da. Aber warum nicht wenigstens auf Facebook darauf verzichten? Wie das funktioniert, möchte ich euch heute in diesem Artikel vorstellen.

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Ein schöner Verriß von Birgit Kelles Buch “Dann mach doch die Bluse zu. Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn” bei Auf Zehenspitzen:

In einem Interview erklärt Birgit Kelle, dass sie wütend ist und warum: “Frauen, die freiwillig und gerne für ihre Kinder ein paar Jahre aus dem Beruf aussteigen, haben in Deutschland keine Lobby.” Dass sie dabei tatsächlich nur Frauen meint, weil Kinderhüten eine rein weibliche Angelegenheit sei, macht diese Aussage höchst problematisch. Diese Sichtweise wiederholt Kelle auch gebetsmühlenartig, etwa auf Twitter, wenn sie betont: “Das Problem ist nicht der Unterschied zwischen Mann und Frau, sondern die Unfähigkeit, diesen zu akzeptieren”, oder in den vielen Interviews, die sie anlässlich ihrer Bucherscheinung gibt: “Wir erleben ja gerade, dass im Sinne von Gender Mainstreaming, das naturgegebene Geschlecht der Menschen aus dem Weg geräumt werden soll, weil es angeblich gerade uns Frauen so sehr in unserer Rolle festnagelt.”

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Versaut der Pornokonsum das Frauenbild von Jugendlichen? Forscher haben das gründlich untersucht und kommen zu recht differenzierten Ergebnissen:

Bei den ersten Tests zeigte sich, dass junge Frauen, die etwas mehr Pornos konsumiert hatten, keinerlei sexistische Haltungen aufwiesen; männliche Probanden mit „Porno-Vergangenheit“ hingegen hatten tendenziell eher negative Haltungen gegenüber Frauen und hingen negativen Vorurteilen an.

Für den zweiten Teil der Untersuchung, die im „Journal of Communication“ (Bd. 63, Nr. 4) veröffentlicht wurde, mussten die Versuchspersonen im Labor Pornografie konsumieren. Nun wurde ein recht eindeutiger und nicht ganz überraschender Zusammenhang offensichtlich: Bei Personen mit niedriger (sozialer) Verträglichkeit verstärkte der Pornokonsum sexistische Haltungen – und zwar umso mehr, je erregender die Darstellungen waren.

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Ninia Lagrande kotzt sich über den Auftritt von Miley Cyrus bei Stefan Raab aus:

Wir haben das Jahr 2013 und im Fernsehen tritt eine US-amerikanische Sängerin in Begleitung einer Band aus kleinwüchsigen Menschen auf, die auch noch nur so tun dürfen, als musizierten sie wirklich. Sie sind niedlich zurecht gemacht, sitzen an ihren klitzekleinen Zwergeninstrumenten oder tanzen in silbrig-glänzender Leggins vor der riesenhaft erscheinenden Miley herum. Und ich sitze vorm Fernseher und bin fucking sprachlos. Was, zur Hölle, soll das?

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Der weibliche Körper ist für die Herren der Schöpfung immer noch ein Schocker – fast schon niedlich, für wie unfassbar sie es halten, daß viele Frauen bei der Geburt einen Orgasmus kriegen:

Orgasmus bei der Geburt – Mythos oder seltenes Phänomen?

Unerträgliche Schmerzen, stundenlanges Leiden. So stellt sich jede werdende Mutter die Geburt vor. Und diejenigen, die schon eine hinter sich haben, bestätigen es. Lust? Hat da nichts zu suchen. Gar ein Orgasmus? Das erscheint so abwegig, dass es schnell als Hirngespenst abgetan wird. Eine Legende. Die sich allerdings hartnäckig hält: Immer wieder berichten einzelne Mütter und Hebammen davon, bei der Geburt einen Orgasmus erlebt und beobachtet zu haben. Tatsächlich hat die zunächst absurd anmutende Vorstellung bei genauerer Betrachtung beinahe etwas Elegantes: Warum sollte im größten Leid nicht in seltenen Fällen auch das größte Glück verborgen sein?

(…)

Ist das überhaupt möglich? „Die extreme Ausdehnung und der gleichzeitig hohe Druck auf den Geburtskanal könnten verschiedene erogene Zonen anregen“, spekuliert etwa Studienautor Postel.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die hormonellen Körperreaktionen während der Geburt in vielerlei Hinsicht denen des sexuellen Orgasmus ähneln – und so das Gehirn, insbesondere das sogenannte limbische System, während der Geburt sich gewissermaßen auf einen Orgasmus einstellt. Die Theorie hat allerdings einen Haken: Das in dem Zusammenhang wichtigste Hormon Oxytocin wird beim Sex im Körper der Frau erst nach dem Orgasmus vermehrt ausgeschüttet – beim Geburtsvorgang steigt der Spiegel des Bindugshormons schon zuvor an und leitet die Geburt ein.

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Auf dem Interntionalen Literaturfestival in Berlin kritisiert Tayle Selasi, daß Afrika ständig als einheitliches „Land“ bezeichnet wird und wie kacke es ist, aufgrund der Hautfarbe automatisch als „afrikanische Literatur“ eingeordnet zu werden und wie die afrikanische Vielfalt ignoriert wird:

An kontinentalen Einteilungen festzuhalten, sei „ein Verrat an der Komplexität der afrikanischen Kulturen und an der Kreativität afrikanischer Autoren“. Der Kontinent bestehe „aus 55 Staaten, die von den Vereinten Nationen anerkannt werden. Über 2000 Sprachen werden auf dem Kontinent gesprochen, allein in Nigeria mehr als 400, und Südafrika hat elf offizielle Sprachen.“

Selasi bezieht sich auf den Begriff der „Weltliteratur“ auf die universalistischen Literaturbegriffe Edward Saids und Charles Simics, sie berichtet von ihren Erlebnissen auf den Panels und Identity-Kongressen dieser Welt, Wohlmeinende Veranstalter in Hamburg, hatten für ihren Auftritt einen mit ostafrikanischer Kunst ausgestatteten Safariraum im Tierpark Hagenbeck gewählt, sie wies sie darauf hin, dass ostafrikanische Kunst mit ihren westafrikanischen Wurzeln nicht das geringste zu tun hat. In Ghana gibt es keine Safari.

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Bradley Manning ist jetzt Chealsea Manning – damit kommen offensichtlich einige Wikipedianer nicht klar und es tobt eine Art Formulierungskrieg auf Chelseas Wikipediaseite – beispielsweise wird man von „Chealsea Manning“ zur Seite „Bradley Manning weitergeleitet
Kleinerdrei pflückt das Gestreite auseinander (Triggerwarnung wg. transfeindlichen Zitaten):

Wirklich schockiert hat mich jedoch der Blick auf die Diskussionsseite der deutschen Wikipedia. Während einige engagierte Wikipedianer_innen sich bereits kurz nach Veröffentlichung des Statements daran gemacht hatten, den Artikel umzubenennen und umzuschreiben, rollte der Backlash heran und erging sich in Beschimpfungen auf die Änderungen und diejenigen, die sie vornahmen. Es folgten allerlei Begründungen, warum Name und Pronomen auf keinen Fall schon geändert werden dürfen, einige davon auf haarsträubendem Niveau: die Forschung über Transgender sei “Esoterik” und “Pseudowissenschaft”, man könne ja auch nicht einfach sagen, man sei jetzt Pilot, eine Schildkröte etc. Ich versuche in meinen Blogposts in der Regel, nicht zu emotional und ausfallend zu werden, aber was es dort zum Teil zu lesen gab und gibt, war einfach von widerlicher Ignoranz.


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