Nachnamen, Polizeiaufgebot & Achselhaare

Nachnamensänderung nach Heirat, Hella von Sinnen bei Tagesschaum, Achselhaare, Polizeiaufgebot bei Spaziergang zum Daggerkomplex, Anpassung, Rassismus bei Prostitutionsgegnerin Schwarzer, Greenwalds Ehemann in London 9h festgehalten & Bloggershirt.

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Die Prostituiertenorganisation Dona Carmen kritisiert den Rassismus, mit dem Alice Schwarzer gegen Sexarbeit argumentiert:

Doch geht es Frau Schwarzer gar nicht ernsthaft um Zahlen, sondern nur um die daraus abgeleitete These vom strukturellen Machtgefälle zwischen Prostitutionskunden und (ausländischen) Frauen in der Prostitution.

Entscheidend bei Schwarzers Argumentation ist die von ihr vorgenommene Parallelisierung des Verhältnisses von pädophilen Erwachsenen gegenüber Kindern einerseits mit dem Verhältnis von Prostitutionskunden und Prostituierten andererseits.

Damit wird nicht nur das Verhalten von Prostitutionskunden mit strafrechtlich bewehrter Pädophilie auf eine Stufe gestellt und indirekt zu deren Kriminalisierung aufgerufen. Es werden die Frauen in der Prostitution zudem mit Kindern, also mit nicht geschäftsfähigen Minderjährigen, auf eine Stufe gestellt und damit von Schwarzer entwürdigt, entmündigt und gedemütigt, da sie ihrer Entscheidungs- und Verantwortungsfreiheit beraubt werden sollen. Frauen in der Prostitution stellen sich für die vermeintliche „Frauenrechtlerin“ Schwarzer ganz grundsätzlich als „Opfer“ dar – bar jeder Emperie.

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Jugendforscher Heinzlmann über Jugend, die sich dem wirtschaftlichen Erfolgsdruck anpaßt:

Frage: Sind die jungen Menschen wirklich so unkritisch? Ich habe den Eindruck, der Konsum selbst ist durchaus ein moralisches Geschäft geworden. Man achtet immer mehr auf die „grüne“ und sozial verträgliche Herkunft der gekauften Waren.

Heinzlmaier: Es wird viel moralisiert und wenig moralisch gehandelt. Überall entstehen Lehrstühle für Wirtschaftsethik. Aber wenn in Unternehmen von Ethik die Rede ist, geht es um moralisches Handeln zum Zweck der besseren Marktleistung. Ethik wird zum Faktor der Absatzsteigerung.

Frage: Der Wille der jungen Menschen, moralisch einwandfreie Waren zu kaufen, ist doch echt.

Heinzlmaier: Ja. Aber wir müssen sehen, wie groß die Gruppe ist, die das macht. Es sind vielleicht zehn bis fünfzehn Prozent der Jugendlichen, die man als Postmaterialisten definieren kann. Eine Minderheit, die aber sehr laut über ihre Prinzipien spricht. Der große Rest bleibt vom moralischen Konsum völlig unberührt.

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Unter dem Vorwand des Terrorverdachts wurde der Ehemann des Journalisten Glenn Greenwald bei einem Zwischenstop auf dem Londoner Flughafen 9 Stunden lang verhört:

Miranda wurde nach genau neun Stunden freigelassen, die Polizisten reizten also den gesamten zulässigen Zeitraum aus. Das ist nach Angaben des britischen Innenministeriums keineswegs normal: Mehr als 97 Prozent aller Befragungen dauern demnach höchstens eine Stunde. Mirandas Handy, den Laptop, die Kamera, Speicherkarten und DVDs behielten die Polizisten nach Angaben Greenwalds – ohne Angaben darüber, ob Miranda sie wieder zurückbekommen wird.

Greenwald äußert sich dazu sehr klar: „Das ist ein massiver Eingriff in die Pressefreiheit“. Seinen Partner festzuhalten, habe die offensichtliche Absicht, diejenigen einzuschüchtern, die über die NSA und den GCHQ berichtet haben.

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Bei einem der Spaziergänge zum Daggerkomplex wurde eine Drohne mitgebracht – die den Komplex aber nicht überflog. Reaktion darauf war ein mords Polizeiaufgebot, ein Hubschrauber und die möglicherweise rechtswidrige Beschlagnahmung der Drohne:

Die Polizei will nach eigenen Angaben nun herausfinden, ob der Drohnenflug der Protestierer legal war. Dazu werde auch die Technik getestet, teilte das Polizeipräsidium Südhessen mit. Es gehe unter anderem um die Möglichkeit, mit dem Gerät Bilder zu machen. Die Mini-Drohne hatte am Samstag einen größeren Polizeieinsatz mit einem Hubschrauber ausgelöst. Erst nach Ende der Prüfung soll über Ermittlungsverfahren gegen die Protestierer entschieden werden.

Mini-Drohnen sind frei verkäuflich. Nach Auskunft des hessischen Landeskriminalamts (LKA) gegenüber dpa unterliegt ihr Einsatz Regeln. Privatsphäre und Hausrecht dürften nicht verletzt werden. „Bilder von bestimmten Objekten sind nur mit Genehmigung erlaubt“, erläuterte LKA-Sprecher Udo Bühler. Deshalb sei das Ausspähen etwa über Nachbars Garten verboten. Zu Flugplätzen gelte ein Mindestabstand. Die Piraten allerdings finden den Polizeieinsatz wegen der Mini-Drohne über US-Geheimdienstgelände völlig unverhältnismäßig: „Der ganze Vorgang ist absurd. Auf dem Gelände werden rund um die Uhr die Bürgerrechte untergraben. Statt sich darum zu kümmern, findet ein völlig unverhältnismäßiger Material- und Personaleinsatz gegen besorgte Bürger statt, der in der Beschlagnahme eines frei erhältlichen Spielzeugs gipfelt. Deutlicher kann man nicht zeigen, dass eine korrigierende Kraft in Land- und Bundestag fehlt.“

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Der tagesschaum wurde heute eingeleitet von Hella von Sinnen mit herrlich zitierwürdigen Aussprüchen:

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Nettes T-Shirt – aber liebe männliche Fans, Ihr müßt dazu in die Frauenabteilung gehen, um Eurer Liebe zu mir Ausdruck zu verleihen:

Übrigens im C&A-Frauensortiment nicht auffindbar: ein Shirt mit der Aufschrift “I’m a blogger” oder meinetwegen “I’m in love with my blog”. Aber ich versteh das schon, Frauen bloggen eben kaum, und es ist natürlich auch wesentlich interessanter, in wen eine Frau verknallt ist als was sie selbst so macht – und außerdem, was, über das eine Frau bloggt, sollte wohl so spannend sein, dass sie damit auf einem Shirt hausieren gehen wollen würde? Das ist jetzt einfach eine Beobachtung, mit Sexismus hat das nichts zu tun .

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Chaos Pausen schreibt über ihr Achselhaar:

Jedes Mal, wenn ich in einem Top das Haus verließ konnte ich nur an meine Achseln denken: Wie viel Haar sieht man jetzt? Und wenn ich mir durch die Haare fahre? Oder nach was in meiner Tasche krame? Oder mir über den Mund streiche? Und jetzt? Und von hinten? Alle Armbewegungen wurden mir auf einmal so bewusst und kamen mir merkwürdig unnatürlich vor. Und jedes Mal, wenn ich hingegen einen langen Pullover doch nicht auszog, obwohl es total heiß war, kam ich mir vor, als hätte ich versagt. Als würde ich nicht zu mir stehen, nicht dazu wer und wie ich bin, als wäre ich nicht feministisch und stark genug. Denn mal ehrlich, was bringen Achselhaare, wenn ich sie nicht zeige?

Diese Gedanken werden weniger. Wie viel Achselhaare zu sehen sind, ist nicht mehr meine einzige Kategorie für Oberteile. Ich habe gelernt, dass es okay ist, nicht immer und allen meine Haare zu zeigen, wenn ich nicht will oder mich nicht stark genug fühle oder nicht mit noch nem cis-Typen über Feminismus reden will. Wenn Leute mich auf der Straße irritiert angucken, denke ich wieder zuerst: Oh, ist da ein Fleck auf meinem Shirt? Oder: Arghh, starr nicht auf meine Brüste! Und dann merke ich, dass der Blick aber auf meinen Achselhöhlen ruht. Oh.

Passend dazu ein Comic der totally awesome Erika Moen:

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80% der Frauen nehmen nach der Hochzeit den Namen ihres Partners an. Wieso eigentlich?

Ich sitze mit S. beim Nachtisch, als sie mich anschaut und sagt: “Ich kenne eigentlich keine Frau, die es nicht bereut hat, ihren Namen aufzugeben.” Aber sie sagt auch “Ich kenne einen einzigen Mann, der nach der Hochzeit den Namen seiner Frau angenommen hat. Sein Vater hat daraufhin wochenlang nicht mehr mit ihm gesprochen und im Job hielten ihn alle für verrückt.” Wir brauchen ein Klima, in dem Männer, die etwas tun, was Traditionen in Frage stellt, nicht als Schlappschwänze angesehen werden.

Es ginge dabei nicht darum, neue Ungleichheit und neue Ungerechtigkeit zu schaffen, indem man alle Männer zwingt, den Namen ihrer Frau anzunehmen. Es ginge darum, die Default-Lösung zu ändern, den Status Quo in Frage zu stellen und das zu verwirklichen – auch im Namen – was eine Ehe sein kann: Eine Verbindung von Gleichberechtigten.


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