„Männerkrise“, kitzliger Pinguin & Kohle fürs Bloggen

Morgen ist Demotag!, kitzliger Pinguin, Kohle fürs Bloggen?, Pille & verminderte Libido, die herbeigeschworene „Männerkrise“, „Nice Guys“, kriegt den Arsch hoch!, Kafka auf „Kurdisch“, Diskriminierungen des ZDF, koloniale Straßennamen, Zwangsprostitution von Jüdinnen in Südamerika, Diversität in feministischen Gruppen, belästigende Profs und eine Antwort auf „Frauen, hört auf zu jammern“.

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Tacheles von Alexandra Weiss – das Beschwören der „Krise der Männlichkeit“ drängt Männer in die Opferrolle:

Zum einen haben Männer als Opfer Neuigkeitswert, zum anderen können Ressentiments gegen emanzipatorische Geschlechterpolitik damit offen artikuliert werden. Problematisch ist dabei nicht, die Opfererfahrungen und Verunsicherungen von Männern zur Sprache zu bringen, sondern wie dies geschieht: in Konfrontation und Abgrenzung zum Feminismus, dem die „Schuld“ für die Misere monokausal zugeschrieben wird.

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Die Opalkatze weist auf Veranstaltungen zum morgigen Demotag hin.

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Antje Schrupp befaßt sich mit der Diversität der Mitinitiator_Innen ihres „Denkumenta“-Kongresses:

Ich schreibe das hier auf, weil es mir schon länger im Kopf herum geht, und weil ich mit der Frage: “Wie erreichen wir die anderen?” sehr oft konfrontiert bin. Meistens fragen Leute: “Wie erreichen wir die Frauen?” – Oft wird auch gefragt: “Wie erreichen wir die Jüngeren?”. Mein Rat ist: Vergesst es, ihr “erreicht” sie nicht. Euer Vorhaben, das eigene Angebot für “andere” attraktiv zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Weil schon die dahinter stehende Denkweise falsch ist.

Die “anderen” – und das gilt, so behaupte ich, generell und ist auf alle möglichen Situationen anwendbar – sind keine “Zielgruppe”, die “erreicht” werden muss, sondern sie sind ein Gegenüber. Wer mit ihnen den Austausch sucht, darf nicht versuchen, sie irgendwie “anzulocken”, sondern muss hingehen. Also nicht fragen: “Wie kann ich es erreichen, dass sie sich für mich interessieren?” sondern fragen: “Interessiere ich mich denn überhaupt für sie? Und wenn ja: Warum gehe ich dann nicht zu ihren Veranstaltungen?”

Feminist Diversity!

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Im Standard wird die Pille auf ihre eventuell libidosenkende Wirkung hin untersucht:

„Der Libidoverlust ist eine individuelle Nebenwirkung, die aber durchaus bei mehreren Frauen auftritt“, bestätigt Bibiana Kalmar. „Man muss sich nicht vorkommen wie ein Alien“, ergänzt die Fachärztin für Gynäkologie und Hormonexpertin. Andererseits würden nicht mehr als maximal zehn Prozent aller Frauen, die die Pille einnehmen, an Lustlosigkeit leiden.

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Spannende Diskussion über sog. „Nice Guys“ im Mädchenblog:

Wenn es Dir stinkt, daß Du wegen beschissenen patriarchalischen Männlichkeitsnormen Ablehnung erfährst, dann kannst Du jammern und erwarten, daß andere (Feminist_innen) die Situation für Dich ändern, klar… aber Du kannst Dich auch wie ein Erwachsener verhalten und stattdessen selbst was tun, daß sich die Situation ändert und Dich eben gegen diese scheiß Männlichkeits- und Weiblichkeitsnormen engagieren!
Abgelehnt werden, weil man nicht muskulös/groß/whatev ist? Klar, ist total scheiße. Also: machen wir uns alle auf, das zu ändern. Engagier Dich!
(…) Es wird aber Zet, daß Du das selbst erledigst, aktiv wirst, einen Protest suchst, der individuell zu Dir paßt (ey, und was Dir Empowerment gibt, mußt Du halt selbst rausfinden, das kann Dir keiner abnehmen, weil eben nur Du weißt, was Dich mitreißt) selbst was änderst, statt (metaphorisch gesprochen) zu erwarten, daß „Mama Deine Dreckwäsche sauber macht“.

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„Gestern, Morgen und Heute“ antwortet auf den unsäglichen Spiegel-Artikel „Frauen, hört auf zu jammern“:

Wie unmündig und dämlich ist eine Frau in den Augen der Autorinnen? Traut sie diesen keine gut durchdachte und mit Leidenschaft getroffene Berufswahl zu? Ist es wirklich so, daß das Gros der Arbeitnehmerinnen ihren Lohnerwerb nur aus pragmatischen und bequemen Gründen gewählt hat? Ist es nicht vorstellbar, daß Frau sich sehr bewußt und überdacht für eine Profession entschieden hat?

Frauen sind, wie die Autorinnen richtig feststellen, heute qualifiziert wie nie, haben Möglichkeiten die vor Jahren noch unvorstellbar waren, und entscheiden sich unter diesen Umständen für einen Beruf weil Papi den gemacht hat?

Diese These ist kaum haltbar, erklärt aber in den Augen der Autorinnen wieso Frauen sich (animiert vom Nestbautrieb?) lieber in die Dekorations und Handarbeitswelt zurück ziehen? Ich glaube es hackt.

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Fürs Bloggen bezahlt werden? Hui, das wär schön!

Aber um hier überhaupt nennenswerte Summen einzuspielen, muss nicht nur die Qualität der Artikel top (und leider auch ausreichend populär) sein. Es ist in der Aufmerksamkeitsökonomie des Internets entscheidend, dass die Blogs bzw. die Artikel überhaupt wahrgenommen werden. Hier kommt der nichtmonetäre Teil ins Spiel, wie ein/e Leser/in die Lieblingsblogs unterstützen kann. Und zwar ganz unkompliziert – man muss sich nur der Mechanismen bewusst sein. Für die Blogbetreiber/innen ist es enorm wichtig, dass ihre Artikel angeklickt, geliked und geshared werden. All das hilft, den Blog bekannter zu machen und das Interesse aufrecht zu erhalten.

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Drop the thought hat mal die diskriminierenden „Ausrutscher“ des ZDF gesammelt. Kleine Auswahl:

März 2013, ZDFinfo
Lesben sind als Thema für die 140 Sekunden „unpassend“.
5. Juli 2013, ZDF
Die Impro-Show Durchgedreht hat zwar keine Untertitel, macht sich aber über Gebärdensprache lustig. Tihi.
Juli 2013, ZDF
Für die Übertragungen der Frauenfußball EM 2013 wirbt das ZDF mit kopflosen Menschen, die Hausarbeit machen. Grundlage sind vermutlich die lustigen, tihi, sexistischen Sprüche von 1970, kurz vor der Aufhebung des Verbots von Frauenfußball.
17. Juli 2013, ZDF
In der Nachrichtensendung heute „sorgt“ sich das ZDF um die Beinkleidung von jungen Mädchen, die heute rumlaufen, wie Männer 1961 Fußball spielten. Damals durften die Frauen das ja zum Glück noch nicht.

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Eine Initiative will Münchner Straßennamen, die an Vergehen aus der Kolonialzeit erinnern, umbenennen. Der Stadtrat hat aber keinen Bock auf die Diskussion. Stadtrat Hans Podiuk zeigt dabei ganz deutlich seinen Rassismus – die dummen, ungebildeten Afrikanischstämmigen blickten das mit den Schildern eh nicht:

CSU-Stadtrat Hans Podiuk ist vehementer Gegner von Umbenennungen und findet, dass man es mit dem „friedenstiftenden Kompromiss“ von 2009, der die Erläuterungen an den Schildern brachte, gut sein lassen solle. Würde man überall die heutigen Maßstäbe anlegen, müsste man jede fünfte Münchner Straße umbenennen. „Das kann schon sein, dass sich die betroffen fühlen“, sagt er zum Argument Dipamas, dass man in der afrikanischen Community die Schilder als verletzend empfinde. Er, Podiuk, sei aber sicher, dass der Ausländerbeirat in seinem Engagement von außen beeinflusst sei. Er glaube nicht, dass Afrikaner so gut Bescheid wüssten über die deutsche Kolonialgeschichte: „Die dürfte da nicht so bekannt sein.“

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Eine neue Studie zeigt, wie sehr es schon Normalität ist, daß Studentinnen von ihren Professoren belästigt werden:

Bei einer europaweiten Online-Befragung von Studentinnen im Rahmen des EU-Projekts gendercrime.eu gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, während ihres Studiums sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Auch der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist das Thema vertraut. Die Fälle reichen von Anzüglichkeiten und unerwünschten Einladungen bis zu Übergriffen und Vergewaltigungsdrohungen von Professoren. Sexuelle Belästigung findet sich an jedem Arbeitsplatz. Vor allem aber dort, wo das Machtgefälle zwischen den Statusebenen besonders groß ist und die Chefs männlich sind. Das ergab eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Und es trifft auch auf die Uni zu: Sie ist ein sehr hierarchisch strukturierter Raum – und ein männlich dominierter.

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Awesome: in Diyarbakir verlegt Lal Laleş als Erster Shakespeare, Kafka und Faulkner auf Kurmanci, also kurdischer Sprache:

Lal Laleş hat eine Vision. Dass kurdisch sprechende Menschen in der Türkei in Buchhandlungen und Bibliotheken gehen können und Literatur aus aller Welt lesen können. Auf Kurmanci.
(…) Laleş Vision war aber nicht nur, dass jeder kurdische Autor neben den traditionellen kurdischen Werken auch die Architektur der Weltliteratur kennen soll, um sein Werk darauf aufzubauen. Vielleicht rührt seine Leidenschaft zum Literaturkanon daher, dass sein Vater ihm alle kurdischen Klassiker aufsagen konnte. Natürlich auswendig, denn das Geschichtenerzählen hat eine orale Tradition.

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Informativer Artikel über Zwangsprostitution jüdischer Frauen in Südamerika:

Es ist ein verdrängtes Kapitel jüdischer Geschichte: Zwischen 1860 und 1930 wurden Tausende junger Jüdinnen, die Armut und Antisemitismus entkommen wollten, mit falschen Versprechungen nach Südamerika gelockt. Dort wurden sie zur Prostitution gezwungen – nicht selten von jüdischen Zuhältern.

Empfehlenswert zu lesen wegen dem Informationsgehalt – allerdings in sehr unsensibler Sprache. Allein schon

Jüdische Prostitution in Südamerika

als Überschrift – was da mt den Frauen gemacht wurde, war KEINE Prostitution, sondern Vergewaltigung. Hätten sie sich freiwillig prostituiert, wär das doch kein Problem, HABEN sie aber nicht. Nicht die Prostitution ist hier der Skandal, sondern der Zwang, die Vergewaltigungen. Das einfach mal als „Prostitution“ zu bezeichnen, finde ich verharmlosend. Auch die andere Überschrift,

Leidensweg der „weißen Sklavinnen“

empfinde ich rassistisch. Es transportiert den Eindruck, Skalven seien immer schwarz und der eigentliche Skandal sei, daß das diesmal weißen Frauen passiert ist.

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Spreeblick präsentiert einen Pinguin, der gekitzelt wird – und mehr!

Los, verlinken!

Hier ist der Deal: Ihr verlinkt diesen Artikel in Mails, Tweets, Facebook-Updates usw. mit den Worten “Guck’ mal, voll süßer Pinguin, der gekitzelt wird!” (oder so ähnlich, ich verlasse mich da auf eure Kreativität). Alle eure Freundinnen und Freunde und Kolleginnen und Kollegen klicken da drauf, freuen sich über den Pinguin und – ZACK! – lesen quasi zufällig:

Samstag, 27.7.2013: Bundesweite Demos gegen den Überwachungsstaat, weitersagen!


2 Antworten auf „„Männerkrise“, kitzliger Pinguin & Kohle fürs Bloggen“


  1. 1 vfor 31. Juli 2013 um 1:25 Uhr

    Vielen Dank für dieses Blog!

  2. 2 Administrator 01. August 2013 um 15:06 Uhr

    Mille grazie!
    Kritik/Ideen immer willkommen!

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