Haasenburg, Marusha & Diffamierung von Inge Hannemann

Bundesagentur für Arbeit diffamiert Inge Hannemann, die problematische Haltung von Jungs zu sexueller Belästigung, Marusha als Merkel-Groupie, unsägliche Zustände in den „Haasenburg“-Jugendheimen, Sexismus passiert, #waagnis, türkische Debattenkultur und Social Media und Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Klaus zu „Pro Quote“.

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Eine Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit diffamiert Inge Hannemann – und Frau Hannemann reagiert und stellt klar:

Bei allen Interviews, sei es Print, Radio oder TV oder auch auf dem Blog „altonabloggt“ hat Frau Hannemann sich klar und deutlich dazu geäußert, dass ihr sehr viele empathische, menschliche Kollegen persönlich bekannt seien und sie deren Arbeit unterstütze und schätze. Dabei habe sie alle Funktionen innerhalb der Jobcenter berücksichtigt. Zum Teil habe sie auch erwähnt, dass es ganze Jobcenter in Deutschland gäbe, die menschlich agieren und insbesondere diese herausgestellt.

Somit kann nicht einerseits von einer Herabwürdigung, Beleidung oder gar Gefahr gesprochen werden.

Eine Petition fordert die Rücknahme dieser abenteuerlichen Behauptungen.

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Interview mit der Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Klaus zu „Pro Quote“:

Natürlich, JournalistInnen haben das Recht, ihre Interessen als ArbeitnehmerInnen und BürgerInnen zu vertreten. In diesem Fall kann man sogar sagen, dass die Journalistinnen aufgrund ihrer Wächterfunktion in der Demokratie die besondere Verantwortung haben, darauf hinzuweisen, dass Gleichberechtigung in der Gesellschaft zwar eingefordert wird, im Gegensatz dazu aber immer noch die wenigsten Chefposten mit Frauen besetzt sind.

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Schon lange im Fokus der taz: die Haasenburg, ein Kinderheim mit mehr als zweifelhaften Methoden, die einen unweigerlich an „Clockwork Orange“ erinnern (Triggerwarnung für Leute mit schlechter Heimerfahrung!):

Bei der „körperlichen Begrenzung“ der Kinder, werden in der Regel drei bis vier Mitarbeiter per Walkie-Talkie hinzugeholt und halten die Jugendlichen fest. Einer überkreuzt die Beine und drückt sie auf den Po, ein weiterer übernimmt jeweils einen Arm und wendet, wenn es nötig scheint, eine Handklemme an, bei der die Handgelenke geknickt werden, ein weiterer hält den Kopf zur Seite, um einen Zungenbiss zu vermeiden. So beschreibt es ein ehemaliger Mitarbeiter, der selbst diese Griffe ausgeführt hat.

Auch der Jugendheimforscher Christian Sachse findet die Zustände dort unzumutbar und vergleicht sie mit den Jugendheimen in der DDR:

Ein Großteil der Betroffenen ist schwer traumatisiert aus diesen Anstalten herausgekommen. Die Brechung des Willens ist zwar gelungen, aber nicht der Aufbau einer neuen Persönlichkeit. Das haben wir fast als Standardbild, wenn wir mit den Geschädigten sprechen.

Wie äußert sich das?

Die haben schwere Depressionen, Nichtigkeitsgefühle, ihr eigene Selbstwertschätzung ist auf null – und zwar dauerhaft. Ähnliche Folgen würde ich in diesem Heim der Haasenburg GmbH befürchten. Auch dort wird der Wille gebrochen. Es wird zu schweren Depressionen kommen und zur Unfähigkeit, mit normalen Lebenssvollzügen zurechtzukommen. Auch Beziehungsunfähigkeit muss befürchtet werden.

Und auch hier gibt es eine Petition.

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Lob und Kritik an #Waagnis vom Mädchenblog:

Nur halte ich es bei einer Aktion, bei der man eigentlich aus diesem Normierungs- und Meßkorsett Schema F des Diät- und „Schönheits“wahns ausbrechen will, für unerlässlich, daß man dann auch darauf achtet, dieses Schema wenigstens nicht gerade bei dieser Gelegenheit immer wieder zu reproduzieren!
Wenn ich drauf scheiß (oder es zumindest vorhabe), wie viel ich bei welcher Körpergröße wiege, wiegen werde oder gewogen habe – wieso muß ich der Welt dann genau das bitte auch noch bei einer Anti-Waagen-Aktion detailliert mitteilen?

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Wendelherz stellt nochmal fest: Diskriminierung passiert und ist nicht zu leugnen.

Wir haben jetzt. Menschen werden diskriminiert, weil sie die falschen Geschlechtsteile haben. In Situationen, in denen das überhaupt keine Rolle spielt. Menschen werden blöd angemacht, schlecht behandelt, sexuell belästigt, oder gar vergewaltigt oder misshandelt, nur weil diese Menschen Frauen sind.

Ich habe das alles erlebt. Ich bin jetzt 24.
Ich wurde anders behandelt, weil ich ein Mädchen war. Ich durfte vieles nicht, weil ich ein Mädchen war. Ich wurde ausgelacht, weil ich unkonventionelle Berufswünsche hatte. Ich wurde in Praktika zum Papieresortieren verdonnert, weil das das einzige sei, was Mädchen in Beruf X können. Ich wurde zum Scheisse wegputzen verdonnert, nachdem der Chef ordentlich kacken war, weil ich die weibliche Azubi war, war die unterste Putze, weil die besseren Azubiaufgaben “nur die Männer könnten”. Ich wurde geschlagen, getreten, bespuckt, beschimpft, ausgelacht, gegen meinen Willen angefasst, geküsst, missbraucht und vergewaltigt.

Und nicht nur ich. Jede Frau, die ich kenne, hat irgendwas davon schon erlebt. Oder mehrere dieser Dinge.

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Sascha Lobo kritisiert Marushas Lobeshymne auf Merkel in ihrem unfaßbar albernen Interview mit der „Welt“:

Die Welt: Aufgewachsen sind Sie in Griechenland. Fühlen sie sich als Griechin?

Marusha: Ich bin Deutscheuropäerin. In Griechenland bin ich niemandem begegnet, der Steuern gezahlt hätte. Die Töpfe fürs Gemeinwesen waren immer leer.

Die Wortschöpfung “Deutscheuropäer/in” ist aufschlussreich. Im Netz wird sie vor allem von Leuten verwendet, die sich nicht trauen, offen nationalistisch aufzutreten. Es folgt dann auch Chauvinismus der billigsten Sorte, niemand in Griechenland würde Steuern bezahlen. Allgemeingültigkeit, gewonnen aus dem eigenen Erleben als Kind vor dreißig Jahren, das ist nicht mehr nur Selbstgerechtigkeit, das ist schon Selbstgerechtigkeitswahn. So begründet ist sogar völlig egal, ob faktisch in Griechenland weniger Steuern gezahlt werden oder nicht (was ich nicht beurteilen kann). Denn das Problem ist, dass Marusha eine “selbst-schuld”-Konstruktion daraus bastelt, und zwar für die Durchschnittsgriechen, wenn sie von den Leuten spricht, denen sie begegnet ist. Dass Griechenland eine Art Erbkleptokratie war über lange Jahre, die Folgen einer Militärdiktatur, das blendet sie entspannt aus. Die Töpfe fürs Gemeinwesen übrigens – die sind immer überall leer. Deutschland hat seine letzten 235 Sozialreformen damit begründet, ebenso die Sparmaßnahmen, eigentlich die gesamte Politik. Töpfe fürs Gemeinwesen existieren nur leer. Oder noch schlimmer: man muss ständig Milliarden hineinpumpen, damit sie bloß leer bleiben und sich nicht mit finanzieller Antimaterie füllen.

Trotzdem cool:

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Kübra Gümüşay
über Social Media in der türkischen Debattenkultur:

Twitter und Facebook sind mittlerweile ein fester Bestandteil der türkischen Debattenkultur. Fast die Hälfte der türkischen Bevölkerung war im vergangenen Jahr online, mehr als 7,2 Millionen nutzen Twitter und mit über 30 Millionen Facebook-Nutzern gehört die Türkei zu den zehn am stärksten dort vertretenen Ländern weltweit – gleichauf mit Großbritannien.

Was auf Twitter passiert, wird meistens auch im Fernsehen und in der Zeitung Thema. In Nachrichten- und Unterhaltungssendungen werden Hashtags eingeblendet, über die sich Zuschauer austauschen und die Sendung kommentieren können. Immer wieder beginnen Kolumnisten ihre Texte mit den Worten “Letztens auf Twitter…”.

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Die Lehrerin Kate Ledger berichtet von besorgniserregenden Einstellungen von Jungs, was sexuelle Belästigung angeht – und wie man darauf reagieren kann:

Last week, I had two very nervous 12-year-old girls come to see me in my office. I thought it was going to be the usual ’so and so has been calling us names‘. No – this time, it was to tell me about how they had basically been molested in class by some of their male classmates, as part of a game called ‚Nervous‘. Now, I have since heard that this game has been around for a while; people in their twenties that I have shared this story with said that they suffered this when they were at school.

For those of you still blissfully unaware, the ‚game‘ is as follows: the boy sits next to or as near to the girl or girls as possible. He then trails his fingers up the girl’s leg whilst she is sitting, aiming to get as far up towards/under the skirt as possible. The moment the girl flinches, or speaks up, is her ‚Nervous‘ point. The boy who gets the highest is the ‚winner‘. So far, so disgusting.


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