Porn Studies, Vorratsdatenspeicherung & LSD-Therapie

Impostorsyndrom, Europarat will schwedisches Prostitutionsmodell, therapeutischer Nutzen von LSD, Porn Studies, gestrichene Deutschkurse für Migranten, Alltagsrassismus, Veränderung und Wandel, Bye-Bye Vorratsdatenspeicherung, Flüchtlingsdatenprojekt und Freedom’s just another word for nothing left to lose.

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Passiert nicht oft, aber den Spiegel kann man diese Woche wegen der Titelgeschichte ziemlich empfehlen.
Perfekt ist der Artikel nicht, aber er trägt zur Entspannung bei, besonders nach PorNo und vor allem der Edathy-Affäre. Schließlich ist es wünschenswert, daß ein Prüderiebacklash verhindert wird, bevor er zu große Ausmaße annimmt.
Lesenswert, diskutierenswert!


Screenshot aus d. aktuellen Onlineausgabe

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Antje Schrupp über cambiamento e trasformazione, „Veränderung“ und „Wandel“ :

Mir wurde bei dieser Unterscheidung klar, warum ich so vieles von dem, was medial gesendet wird, so unglaublich langweilig finde: Es wird so oft in höchster Aufgeregtheit über cambiamentos geplappert, während kaum jemand die Perspektive einnimmt, gegenwärtige trasformaziones informativ zu begleiten.

Auch was “revolutionäre” Politik betrifft, so ist diese Unterscheidung interessant. “Revolution machen” wurde bisher meist als strategische Herbeiführung von Veränderungen verstanden (Regierung absetzen, neue Regierung inthronieren) während meiner Ansicht nach zu wenig Aufmerksamkeit auf den Prozess der Transformation gelegt wurde (ich glaube, das war es auch, was hinter meiner Kritik an Žižek steht).

“Transformative” Politik, meint Annarosa, bedeutet nicht in erster Linie das Herbeiführen von Veränderungen (à la Frauenquote, Regierungswechsel, neues Gesetz für dieses und jenes), sondern die praktische_denkerische Begleitung eines Transformationsprozesses, den man weniger aktiv “herbeiführt” als vielmehr passiv “erleidet”, doch genau durch dieses sich Einlassen ergeben sich Handlungsoptionen, die dann dafür bedeutsam sind, in welche Richtung dieser Prozess geht, zum Besseren oder zum Schlechteren.

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Wichtig! Datenprojekt zu Flüchtlingsschicksalen:

Das Projekt „The Migrants‘ Files“, das eine Arbeitsgruppe europäischer Journalisten unter anderem von der Neuen Züricher Zeitung, El Confidencial und Le Monde diplomatique erarbeitet hat, ist genau deshalb so wichtig. Die Journalisten haben einen detaillierten Datensatz zu Todesfällen und Vermisstenmeldungen zusammengestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, inklusive Graphiken, Texten und vielen Hinweisen auf die Primärquellen. Auch hier geht es um Zahlen, doch sie erzählen die ganze grausame Geschichte.

Im Mittelpunkt steht die Zahl 23 000. So viele Menschen sind den „The Migrants‘ Files“ zufolge seit dem Jahr 2000 auf dem Weg nach Europa ums Leben gekommen oder als vermisst gemeldet worden, viel mehr als bisher angenommen. Es ist diese Zahl, die das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt und nicht nur ein Detail. Darüber hinaus widmeten sich die Journalisten aber auch den veränderten Migrationswegen, geben Einblick in die „Dynamik der Migration“.

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Neverending Alltagsrassismus
, weltweit:

“ I am willing to show #Asian community I care by introducing the Ching-Chong Ding-Dong Foundation for Sensitivity to Orientals or Whatever – „

Suey Park, eine Asian-American Twitter-Aktivistin und Autorin, nahm diesen Witz zum Anlass, das Hashtag #cancelColbert zu starten, um sich gegen Alltagsrassismus zu wehren. Schon in der Vergangenheit hatte sie mit #notyourasiansidekick zu einer Diskussion über Rassismus gegen AsiatInnen beigetragen. Grund genug für die Huffington Post mit ihr per Google Hangout über den Vorfall zu sprechen. Der Interviewer jedoch war wenig respektvoll – er nannte Parks Meinung „dumm“, was entscheidend zur Eskalation beitrug.

Sie brach das Interview ab und machte ihrem Ärger auf Twitter Luft. #CancelColbert gab das noch mehr Auftrieb. Was folgte, waren Androhungen von Mord und Vergewaltigung gegen Park, noch mehr Rassismus und ein veritabler Shitstorm. Ein lesenswerter Artikel zeigt einen möglichen Grund, warum die Reaktionen gegen Park so heftig waren: Die Medien seien laut werdende, mächtige Asiatinnen nicht gewohnt.

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An ein derart deutliches Zeichen hatte ich ja eigentlich schon nicht mehr geglaubt, aber ich irre mich hier gern: die EU kippt doch tatsächlich die Vorratsdatenspeicherung!

Wer nun weitermacht und immer noch die Vorratsdatenspeicherung fordert, so wie Innenminister Thomas de Maizière, hat die Richter missverstanden. Denn die haben Datensammlung zwar nicht vollständig verboten, aber nur als letzten Ausweg erlaubt, unter strengsten Vorgaben, wenn sie unbedingt notwendig ist.

Ist es wirklich notwendig, für alle Bürger detaillierte Profile anzulegen? Davon kann keine Rede sein. Beweise für die Notwendigkeit sind die Scharfmacher bisher schuldig geblieben. Studien legen sogar das Gegenteil nahe. Weil aber vernünftige Polizeiarbeit besser geeignet ist, Straftaten aufzuklären und öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, gilt: Die massenhafte Überwachung Unschuldiger ist unverhältnismäßig, der Generalverdacht eine Beleidigung für jeden Bürger.

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Natürlich könnte man die Kohle für aufwendige Überwachungsmaßnahmen auch anderweitig verwenden, zum Beispiel in Deutschkurse. So von wegen direkte Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, Integration, innenpolitisch friedliche Zustände, weniger Sozialleistung vonnöten… solch Zeugs eben… ahem.

Die TeilnehmerInnen lernen auch, Bewerbungen zu schreiben und können ein Praktikum machen, mit dem Ziel, die Chancen auf eine Ausbildung und Integration in den Arbeitsmarkt zu erhöhen. „Ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist ein Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt sehr schwierig“, sagt Anja Göldenitz vom Schweriner Netzwerk Arbeit für Flüchtlinge. „Das Streichen der Kurse bedeutet einen Rückschritt in der Migrationsförderung in Deutschland.“

Hintergrund für den Antrags-Stopp ist das Auslaufen der Förderperiode des Europäischen Sozialfonds Ende 2013. Für das Sprachkurs-Programm standen laut Bundesarbeitsministerium 230 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Nachfolgeprogramm startet erst 2015. Eigentlich sollte bis dahin noch Geld da sein: Noch im Januar wurden die Träger vom BAMF informiert, dass Kurse bis Ende September beginnen könnten. „Damit soll ein möglichst lückenloser Übergang zwischen den beiden Förderperioden sichergestellt werden“, hieß es in dem Schreiben.

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That’s the spirit!

Rock on

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In Solothurn wird an einer der wenigen Orte überhaupt am therapeutischen Nutzen von LSD geforscht:

Die Substanz selbst ist beim Therapieprozess nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. „LSD ist kein Angstlöser, es wirkt auf den ganzen Menschen. Es führt zu einer existenziellen Begegnung des Menschen mit sich selbst“, sagt Gasser. Die Therapie zielt deshalb auch darauf ab, den Patienten tiefe Einblicke in sich selbst zu geben. „Mit LSD gelangt man schnell an die entscheidenden Punkte“, sagt Gasser. Als Therapeut gibt er seinen Patienten nichts vor, weder eine Richtung noch ein Ziel. „Ich bin nur das Kabinenpersonal“, sagt Gasser, „Piloten sind die Substanz und der Patient.“

Wohin die Reise in den Rausch führt, weiß vorher niemand. Genauso wenig, ob die intensiven Erfahrungen der Patienten angenehm sind oder Schlechtes an die Oberfläche bringen. Beides sei Bestandteil des LSD-Trips, sagt Gasser, und lasse sich in der Nachbereitung auffangen.

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Der Europarat will einen gesetzlichen Umgang mit Prostitution nach schwedischem Modell. Nicht gut.

Der Europarat ermahnt die Regierungen in Europa zu mehr Engagement gegen Menschenhandel und Prostitution. Als Vorbild nannten die Abgeordneten Schweden, wo der Kauf von Sexleistungen verboten ist. Der Kunde wird bestraft, die Prostituierte aber bleibt straffrei. Der Menschenhandel mit Frauen sei in Schweden seither stark zurückgegangen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Ein generelles Verbot der Prostitution lehnte die Versammlung indes ab. Dies verschlimmere häufig die Situation der Opfer von Menschenhandel, hieß es in der Debatte.

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Die Femgeeks sprechen über das Impostor Syndom

Impostor Syndrome bezeichnet eine Situation in der sich eine Person wie ein_e Betrüger_in fühlt, da sie denkt, dass ihre Leistungen und Fähigkeiten bei weitem nicht so gut sind, wie die der Personen um sie herum. Für gewöhnlich sind ihre Leistungen aber (mindestens) genau so gut und die Person hat unrealistisch hohe Anforderungen an sich selbst, nicht aber an andere. Dies tritt besonders dann in Erscheinung, wenn die eigene Arbeit konstant von anderen begutachtet wird, zum Beispiel in der Open Source Entwicklung oder im akademischen Bereich.

Oftmals kommt diese Einschätzung der eigenen Fähigkeiten mit dem Gefühl, dass irgendwann alle herausfinden werden, wie unfähig man wirklich ist. Obwohl die damit verbundenen Gedanken und Gefühle prinzipiell jede_n das ein oder andere Mal überkommen können, kommt das Impostor Syndrome häufig bei Frauen vor. Es spielt vor allem in Bereichen wo Frauen eine Minderheit darstellen eine Rolle und ist daran beteiligt, dass sie sich weniger oft einbringen. Ich nehme an, dass dies auch für andere Minderheiten zutrifft. Wenn sich betroffene Personen einbringen, ist dies oft mit höherem Stress verbunden und im schlimmsten Fall können die Selbstzweifel in Kombination mit anderen Faktoren (z.B. Belästigung, Diskriminierung) Anlass dazu geben die Umgebung zu verlassen.

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