Werbungsfallen, Musikmythen & Ruby Cups für Kenia

Praktikum im Tantrastudio, Google Naps, Frauenhaß weltweit, keine_r kennt Naturwissenschaftlerinnen, mobile Werbungsfallen, Teenager werden sexuell toleranter, Ruby Cups und Schulbildung, Shocking Music Myths, fehlende Vulven in Nymphomaniac und Bechdeltest gut für Filmerfolge.

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Menstruation als Grund, nicht in die Schule zu können? Es gibt Gegenden, wo das durchaus der Fall ist. Das Missy Mag berichtet, wie Ruby Cups helfen – und wie Ihr bei dem Projekt helfen könnt:

Da vielen Mädchen in dritte Welt Ländern keine Pads, Tampons oder Binden zur Verfügung stehen und die Angst besteht, öffentlich Flecken auf der Kleidung zu tragen, bleiben viele von ihnen zuhause. Jeden Monat eine Woche zu fehlen, macht insgesamt ungefähr 20% der gesamten Schulzeit in einem Jahr aus. Ein großer Teil der Bildung wird von vielen Mädchen deswegen nie erlangt und hat oft als Konsequenz, dass Mädchen die Schule letztendlich abbrechen.

Hier kommen die Ruby Cups ins Spiel. Aufgrund dieser Erkenntnis, das die Periode manche Mädchen von der schulischen Bildung fernhält, wurde die Organisation mit demselben Namen („Ruby Cup“) von Veronica D’Souza, Julie Weigaard Kjær and Maxie Matthiessen in 2011 gegründet. Ihre Erfindung, der Ruby Cup, ist eine hygienische, gesunde und zugleich umweltfreundliche Alternative zu Binden und Tampons, die aus Silikon der medizinischen Güteklasse besteht und von Mädchen auf der ganzen Welt bis zu 10 Jahre wiederverwendet werden kann.

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Über Frauensexualität ohne Vulva im Film kann man in der neuen Ausgabe der an.schläge lesen:

Die Vulva, Vagina, Muschi, Möse oder wie wir sie auch nennen wollen ist das primäre weibliche Geschlechtsorgan. Hier befindet sich die Klitoris, die auch hinsichtlich ihrer Größe einen mit dem Penis vergleichbaren Schwellkörper darstellt. Die Vorzeigemuschi jedoch, wie sie in Mainstream-Pornos zu sehen ist und wie Schönheitschirurgen sie aktuell auf der ganzen Welt als Idealbild etablieren wollen, versteckt dieses Potenzial: Schamlippen sind pfui, der sensible Kitzler idealer Weise ebenfalls unsichtbar. Am besten Mann sieht nichts außer eine Brötchen-ähnlichen Schlitz – ein Bild, das zugleich kindlich wie auch auf paradoxe Weise asexuell wirkt. Die Vagina wird also selbst dann versteckt, wenn sie gezeigt wird, bzw. ihre Darstellung dient der ästhetischen Befriedigung des männlichen Auges, nicht aber der Sichtbarmachung der weiblichen Sexualität. Claudia Richarz und Ulrike Zimmermann gehen in ihrem Dokumentarfilm „Vulva 3.0“ gar so weit anzudeuten, der Unterschied zwischen einer Labioplastik und der auch als Genitalverstümmelung bekannten genitalen Beschneidung der Frau sei nur ein definitorischer. Diese Dokumentation ist wie die US-amerikanische Satire „Teeth“ hilfreich bei der Analyse der vaginalen Lücke, die in von Triers Film klafft. Bissige Muschi. In „Teeth“ steht die konservativ erzogene Protagonistin ihrer sexuellen Entwicklung weitgehend ratlos gegenüber, zumal sich ihre Muschi als äußerst bissig erweist. Die Vagina Dentata ist hier eine Metapher für die als Bedrohung empfundene Sexualität der Frau.

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Frauenhaß weltweit – gute Analyse bei Zeit online:

In Russland sterben Schätzungen zufolge jährlich mehr als 14.000 Frauen, weil ihre Männer sie prügeln. Im Iran wurden in diesem Jahr an zahlreichen Universitäten Studentinnen von mehr als 70 Studiengängen ausgeschlossen, weil diese sich angeblich nicht für die weibliche Natur eignen. In Asien werden Millionen weibliche Föten abgetrieben, denn die Nachricht, ein Mädchen zu bekommen, bedeutet für die Eltern meist kein Glück, sondern eine Tragödie wegen der späteren Mitgift, die die Familie womöglich ruinieren wird. In Ägypten wiederum hat sich seit dem Sturz Mubaraks die Situation der Frauen verschlechtert. Die junge Bloggerin Aliaa Elmahdy musste ins Ausland fliehen, nachdem sie aus Protest Nacktfotos von sich veröffentlicht hatte; zudem berichten Aktivistinnen davon, dass die Misshandlungen von Frauen massiv zugenommen haben – und die Polizei nichts dagegen unternimmt. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen, und sie würde auch Europa nicht auslassen. All diese Taten haben einen gemeinsamen Nenner: den Hass auf Frauen und die Dämonisierung ihrer Weiblichkeit.

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Gegen die Langeweile: Top 10 most shocking Music Myths!

Und hier Teil 2:

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Es geht in die richtige Richtung; Jugendliche werden in sexuellen Dingen toleranter:

Toleranz und Reflektiertheit sind enorm gestiegen. So können sich 62 Prozent der Jungen vorstellen, mit einem Homosexuellen befreundet zu sein. 1990 waren das noch 27 Prozent. Bei den Mädchen stieg der Anteil von 62 auf 91 Prozent. Wobei die Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt bildungsabhängig ist.
(..)
Weniger gebildete männliche Jugendliche erleben eine brüchigere Männlichkeit. Aufgrund ihrer vielfach schwierigen Lebenslage und der sozialen Benachteiligung haben sie Männlichkeitsdefizite, die sie unter anderem über Schwulenfeindlichkeit kompensieren und abwehren.

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Praktikum im Tantrastudio
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Außerdem musste ich irgendwie meiner Uni vermitteln, was ich mir als Praktikumsstätte ausgesucht hatte. Das ging leichter als erwartet: Ein Anruf, ein offensichtlich schwer verwirrter Praktikumsbeauftragter, ein bisschen gutes Zureden – und schon hatte ich die Erlaubnis. Nur beim Praktikumsbericht stieß ich an meine Grenzen. Gelten erotische Massagen als soziologische Kernkompetenz? Anscheinend schon.

Ich meine, ich habe ja nicht nur fremde Penisse bewundert. Meistens jedenfalls. So konnte ich unter „berufsbezogenen Fähigkeiten“ auch voller Stolz Flyergestaltung, Online-Werbung und überragende Kaffeekochkünste vermerken. Bei einem normalen Nebenjob als Studentin wäre das ja auch nicht so schlimm gewesen, aber für das Praktikum musste ich nachweisen, etwas zu können. Was ja sowie nicht gerade meine größte Stärke ist. Aber letztendlich wurde mein Praktikum im Tantrastudio von der Uni anerkannt und alle waren glücklich. Besonders ich.

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Weibliche Naturwissenschaftler
haben sich immer noch nicht etablieren können, zumindest nicht in den Köpfen:

Isambard Kingdon Brunel. 19th century mechanical and civil engineer. Pioneer of public transportation. British. And the name that 12% of people gave when asked to name a famous female scientist, despite the fact that he’s a dude.

The poll of close to 3,000 everyday Joes and Janes in the UK was conducted by market research firm YouGov and advocacy organization ScienceGrrl and coincides with the latter’s Through Both Eyes report, which focuses on the hurdles women face when it comes to entering STEM (science, technology, engineering, math) fields. One of those hurdles: A lack of female role models.

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Immer beliebteres „Geschäftsmodell“ scheint es zu sein, Kinder mit mobiler Werbung in Zahlfallen zu locken:

Dort unten links in der Ecke – genau dort also, wo man sich hinter dem i-Button nähere Informationen erhofft, findet man einen kaum lesbaren Hinweis darauf, was tatsächlich passiert, wenn man auf das Banner klickt bzw. tappt: Der Betrag von € 6,99 wird abgebucht. Und zwar nicht nur einmal, sondern in jeder der folgenden Wochen neu.

Eine Art, wie das technisch funktioniert, hatte ich in diesem Artikel vor zwei Jahren beschrieben, geändert hat sich ganz offenbar seitdem nichts. Wenn der betroffene Mobilfunkvertrag nicht durch die explizite Sperrung des “Inkassos für Drittanbieter” abgesichert wurde oder der jeweilige Provider diese Abbuchung durch Dritte gar nicht erst zulässt, wird die Summe regelmäßig abgebucht. Und zwar so lange, bis der Betroffene die Abbuchungen bemerkt hat und dann auch noch herausgefunden hat, wie er das Abo stoppen und kündigen kann. Denn selbst, wenn der Mobilfunkbetreiber seinem Kunden mitteilt, wer von dessen Konto abbucht, ist das sicher nicht die Firma “Arschlochwerbung AG” mit Telefon und Sitz in Mannheim, sondern wohl eher nur der Startpunkt eines Unternehmensgeflechts, dass sich ganz dem Bereich der mobilen Abzocke verschrieben hat.

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Offensichtlich sind Filme, die den Bechdeltest bestehen, alles andere als finanziell riskant:

Im US-amerikanischen Online-Medium „Five Thirty Eight“ hat Walt Hickey nun eine Studie zum Bechdel Test durchgeführt und Bestehen oder Nicht-Bestehen dem wirtschaftlichen Erfolg gegenüber gestellt. Analysiert wurden 1615 Filme, die zwischen 1990 und 2013 veröffentlicht wurden. Filme, die den Bechdel-Test bestanden, hatten im Mittel ein niedrigeres Budget.

Jedoch widersprach der Test einem in Hollywood vebreiteten Mythos: Dem nämlich, dass Frauen in der Hauptrolle „Kassengift“ seien. Tatsächlich ergab die Studie sogar das Gegenteil: Filme, in denen echte Interaktion zwischen Frauen stattfindet, erwiesen sich als finanziell erfolgreicher.

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Die Idee find ich klasse: eine Weltkarte für Nickerchen!

Wo lässt sich in fremden Städten am besten ein Nickerchen machen? Die klar zweckorientierte Weltkarte Google Naps sammelt Ausflugstipps für die Mittagspause, von der Wiese bis zur Parkbank. Wer will, kann auch selbst Empfehlungen beisteuern.

Vor einigen Tagen gestartet, bietet Naps mittlerweile eine beachtliche Zahl Empfehlungen. In Deutschland allerdings ist das Angebot noch überschaubar. Empfohlen werden zum Beispiel eine Bank im Hamburger Park Planten un Blomen und die Wiese vor der Alten Pinakothek in München – beides keine Geheimtipps, aber zumindest Plätze, die den Anforderungen für einen Mittagschlaf gerecht werden.


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