Archiv für Februar 2015

Nicht die Menschen scheitern. Die Gesellschaft scheitert.

Schon wieder hat eine Stadt, ein Viertel, ein „Drogenproblem“. Heißt es so schön. Oder eben ein Problem mit den Drogenkonsumenten, zumindest den sogenannten Schwerstabhängigen. Oder den Dealern, die zu offensichtlich dealen, oder zu „offensiv“, wie’s im Beamtendeutsch heißt.

Aber sind die wirklich das Problem? Es gibt sie in jeder Stadt, jedem Viertel, jedem Kuhkaff.
Zum „Problem“ werden sie erst, wenn sie sichtbar werden in der Öffentlichkeit.
Genau wie bei Prostitution, über die man wie eine gesonderte Parallelwelt spricht, obwohl sie sich quer durch alle Wohnviertel und Gegenden zieht, in der die Huren und Freier wohnen und präsent sind (aber bitte nicht zu öffentlich!) ist es auch bekloppt, von der Drogenszene zu sprechen, als wären manche drin und manche draußen.
Es ist aber vielmehr so, daß die Junkies (genau wie Huren und Freier) nicht außerhalb der Gesellschaft leben, sobndern Teil von ihr sind, von ihr produziert. Teil von uns.
Und wenn nun auf einmal viele Menschen mit Suchtproblem umziehen und fremde Dachböden belagern und man in jedem 2. Hauseingang morgens über jemanden drübersteigen muß, von dem man nicht sicher ist, ob er noch lebt, dann ist das mehr wie unschön, sondern eine Situation, über die man sich zurecht beschweren kann!
Nur: man beschwert sich über die Junkies, die sie für ihre eigene mißliche Lage verantwortlich machen. Für diese Situation können die Junkies aber keine Verantwortung übernehmen, denn sie haben sie nicht kreiert.
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