Rinderzucht, Grundgesetz und Sextips

Generation Babyboom und Politik, Pam Anderson über Mißbrauch, alternative Rinderzucht ohne Qual, Oranienplatz-Flüchtlinge suchen Kirchenasyl, Film „Fattitude“, Photoshop bei Gemäldeschönheiten, Kermanis Rede zum Jubiläum des Grundgesetzes, Sextip von Les Petits Plaisirs, MONAliesA braucht Support, Paulchen Panther-Melodie auf Nazidemos erlaubt, Saudis sanktionieren Holländer und Kleinerdrei für Grimme Online Award nominiert.

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Ein Balinger Rinderzüchter hat sich das Recht erstritten, seine Tiere auf schonende Weise auf der Weide selbst zu schlachten – Probleme bekommt er nun, weil er sich immer noch weigert, den Kälbern Marken ins Ohr zu stanzen:

Im Ohrmarkenstreit ist Maier auch deshalb so stur, weil sein ganzes Konzept gefährdet ist. „Wenn man verlorene Ohrmarken bei erwachsenen Tieren neu einstanzen muss, ist das ein Affentheater“, sagt er. Der Landrat, der ihm die Ausnahmegenehmigung erteilt hat, sieht sogar Lebensgefahr für Maier, wenn der seinen „verwilderten Tieren“ Ohrenmarken einziehen müsste. Maier sagt: „Durch das Einstanzen der Ohrmarken wird das Vertrauen zwischen Mensch und Tier schon in den ersten Lebenstagen nachhaltig gestört.“ Wenn sie ihm nicht mehr vertrauen würden, käme er nicht mehr so nah an die Tiere heran, wie es zum Schießen notwendig ist. Und anders will er seine Tiere nicht schlachten.

Europa schreibt die Ohrmarken bei Schlachttieren vor, weil Tiere auch nach dem Verkauf zweifelsfrei erkannt werden müssen. Doch Maiers kaufen und verkaufen keine lebenden Tiere.

Maiers Rinder haben Namen. Amber zum Beispiel. Oder Schneeflocke. Er sagt, er erkenne sie zweifelsfrei. Jeder andere kann sie mit einem Lesegerät, das aussieht wie eine große Lupe, identifizieren. Maier setzt den Tieren einen reiskorngroßen Transponder an der Schwanzwurzel ein. Pferde werden so markiert. Und Kampfstiere. Das ist für Maier der Gipfel: „Stierkämpfe sind die größte Sauerei, die auf unserem Kontinent passieren. Und dort darf man die Marken weglassen?“

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Pamela Anderson spricht über ihren in der Vergangenheit erlebten sexuellen Mißbrauch:

„Ich habe Menschen sehr lange nicht getraut“, sagte Anderson am Wochenende in einer Rede in Cannes, aus der unter anderem der „Guardian“ zitiert. „Meine Eltern haben zwar versucht, mich zu beschützen. Aber die Welt war für mich kein sicherer Ort.“ Schon als Kind sei sie von einer Bekannten der Familie sexuell belästigt worden, sagte Anderson.

Später, als Zwölfjährige, sei sie dann von einem 25-Jährigen vergewaltigt worden – „mein erstes sexuelles Erlebnis“, sagte Anderson laut „Daily Mail“ vor 200 Gästen. In der Schule habe ihr Freund dann beschlossen „dass es lustig wäre, mich mit sechs seiner Freunde zu vergewaltigen. Ich wollte nicht mehr auf dieser Erde sein.“

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Was, wenn die Schönheiten auf berühmten Gemälden durch Photoshop heutigen Schönheitsstandards angepaßt würden? Kann man auf takepart sehen:
Goyaphotoshop

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Bei einer Nazidemo das Paulchen Panther-Lied spielen? Die Staatsanwaltschaft München hat kein Problem damit:

Mit der Erkennungsmelodie der Zeichentrickserie Der rosarote Panther war ein Video unterlegt, in dem der NSU seine Opfer verhöhnte. Die Staatsanwaltschaft sah in dem Abspielen des Liedes bei einer Demonstration am 21. Januar 2012 wegen der zeitlichen Nähe zur Festnahme Zschäpes eine Billigung der NSU-Mordtaten.

Der OLG-Senat folgte aber der Vorinstanz und befand, die Melodie dürfe nicht isoliert betrachtet werden. In der Gesamtschau mit der Rede Bordins stelle das Abspielen „aus unserer Sicht eine Billigung von Straftaten nicht dar“ sagte der Vorsitzende Richter. Bordin hatte sich in seiner Rede von den zehn Morden des NSU distanziert.

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Die Unionspolitiker_innen stören sich an Kermanis kritischer Rede zum Grundgesetz-Jubiläum:

„Wir können das Grundgesetz nicht feiern, ohne an die Verstümmelungen zu erinnern, die ihm hier und dort zugefügt worden sind“, sagte der Schriftsteller mit iranischen Wurzeln. Nur wenige Eingriffe hätten dem Text gutgetan. Besonders scharf kritisiert er die „Entstellung des Artikels 16a“, in dem es in Absatz 1 heißt: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“. Ausgerechnet das Grundgesetz, „in dem Deutschland seine Offenheit auf ewig festgeschrieben zu haben schien“, sperre inzwischen diejenigen aus, die auf diese Offenheit am dringlichsten angewiesen seien. Der „wundervoll bündige Satz“ des ersten Absatzes sei 1993 zu einer monströsen Verordnung aus 275 Wörtern geworden, um eines zu verbergen: „Dass Deutschland das Asyl als ein Grundrecht praktisch abgeschafft hat.“ Dem Recht auf Asyl sei der Inhalt, dem Artikel 16a seine Würde genommen worden. „Möge das Grundgesetz spätestens bis zum 70. Jahrestag seiner Verkündung von diesem hässlichen, herzlosen Fleck gereinigt sein“, sagte er.

Der komplette Wortlaut hier. Lohnt sich.

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Realsatire
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Der niederländische Abgeordnete [Geert Wilders] hatte bereits vor etwa fünf Monaten grüne Aufkleber drucken lassen, die der saudischen Flagge ähneln. Anstelle des Satzes „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet“, der auf der saudischen Flagge steht, ließ Wilders auf seine Aufkleber in arabischer Sprache drucken: „Der Islam ist eine Lüge, Mohammed ist ein Verbechrer, der Koran ist Gift.“

Obwohl sich die Regierung in Den Haag von der Aktion des Parlamentariers distanziert hatte, sollen niederländische Firmen ab sofort nicht mehr bei Ausschreibungen in Saudi-Arabien berücksichtigt werden.

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Die Flüchtlinge vom Oranienplatz suchen nun Kirchenasyl:

Doch was soll eine Gemeinde tun, wenn Flüchtlinge ihr Nein zum Kirchenasyl nicht akzeptieren? Aus seiner Ratlosigkeit macht Pastor Martin Germer keinen Hehl. Am Wochenende durften die ungebetenen Gäste vorübergehend in die Kapelle ziehen, weil auf dem Breitscheidplatz davor Tausende Fußballfans das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Borussia Dortmund feierten. Dann suchte die Kirche nach Räumen, die besser für eine Unterbringung der Afrikaner geeignet waren als ein Gotteshaus, in dem täglich Hunderte Touristen ein- und ausgehen.

Zunächst schien es, als bliebe ihr gar nichts anderes übrig, denn vertreiben konnte sie die Männer nicht, auch wenn es ihr Bürgersteig ist, auf dem sie kampierten. Die Afrikaner hatten ihre Aktion als Demonstration angemeldet. „Alles ganz legal“, hieß es bei der Polizei.

Am Dienstag aber nahm die Polizei die Männer dann doch fest. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte es so verfügt, im Alleingang, ohne Rücksprache mit dem Senat.

Plötzlich standen 120 Polizisten vor der Kirche. Sie kontrollierten die Papiere der Flüchtlinge, nahmen sie mit zur Wache – und schickten sie dorthin zurück, wo ihr Asylverfahren läuft: nach Sachsen-Anhalt. Ein Akt, der Stärke demonstrieren sollte.

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Mithelfen, damit MONAliesA wieder durchstarten kann:

Die Frauenbibliothek MONAliesA entstand in den Wendejahren in Leipzig. Seit 1990 ist sie Ort der Bildung und des Austauschs von Frauen und Mädchen verschiedener Generationen – als Bibliothek, als Treffpunkt und Veranstaltungsraum. Sie wurde somit zum unverzichtbaren Ort der feministischen Auseinandersetzung in Leipzig.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste die MONAliesA Ende letzten Jahres den Bibliotheksbetrieb einstellen. Damit ist auch ein großer Teil der personellen und finanziellen Infrastruktur weggefallen. Die Schließung der MONAliesA? Das darf kein Dauerzustand sein!

Wir möchten diese einzigartige Sammlung nicht Geschichte werden lassen. Mit einem neuen Trägerverein wollen wir die MONAliesA wiedereröffnen und dabei mit neuen Ideen auf Altem aufbauen. Das geht jedoch nicht ohne Geld. Die MONAliesA braucht dringend Spenden.

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Kleinerdrei ist nominiert für den Grimme-Online-Preis:

Heute Vormittag wurden in Köln aus über 1.300 Vorschlägen die 23 nominierten Online-Angebote bekanntgegeben und vorgestellt. Die Awards werden in den vier Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung und Spezial verliehen. Neben Kleinerdrei sind unter anderem auch nominiert: Demenz für Anfänger, Make Love und die Reportage “Pop aufm Dorf” über das Haldern-Pop-Festival. Nicole und Daniel vom kleinerdrei-Team sind gerade noch vor Ort und beantworten Fragen zu dem, was wir hier so machen.

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Die Babyboomer werden 50; was hat das politisch für Konsequenzen?

Aber was macht das eigentlich mit einem Land, wenn die größte deutsche Alterskohorte 50 wird? Einerseits nichts, andererseits sehr viel. Denn die Spitzenjahrgänge der frühen sechziger Jahre torpedieren jene natürliche Generationenfolge, die mal für Phasen der Konsolidierung, mal für dialektische Erneuerung sorgt. Diese Masse von Menschen wird im nun gerade beginnenden sechsten Lebensjahrzehnt nicht kürzer treten, wie noch deren Eltern und Großeltern es taten, sondern politisch relevant bleiben wollen. Plötzlich stehen nicht mehr die Jungen gegen die Alten, sondern die Alten gegen die Jungen. Das wird eine spannende Auseinandersetzung, denn die Babyboomer sind eine im Kern unpolitische, vor allem auf Sicherheit und Wohlstand bedachte Kohorte, die für die Anspruchsgesellschaft längst vergangener Zeiten steht. Reformen? Nein, danke! Umbau von Sozialsystemen? Bloß nicht! Generationengerechtigkeit für die Jüngeren und ganz Jungen? Mit uns auf keinen Fall!

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Das Missy Mag berichtet über den Film „Fattitude“ und interviewt die Filmemacherin:

Um Gesetze durchzubringen, muss man erst mal der Öffentlichkeit klar machen, warum es überhaupt neue Gesetze braucht. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen ihre Verachtung gegenüber dicken Körpern im Moment berechtigt und legitim finden. Die erkennen das nicht als Vorurteil, sondern sehen es als moralische Überlegenheit. Und sie neigen dazu, ihre Vorurteile mit einer Gesundheitsideologie zu begründen: Dicksein ist ungesund, deswegen ist es okay für mich, dicke Körper zu verachten. Wir müssen das ganze Klima ändern, die Art, wie im Moment über dicke Menschen gesprochen und gedacht wird.

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Und last but not least gibt es auf Les petits plaisirs den ultimativen Sextip:

Präsenz bedeutet für mich sich seiner Selbst (was auch immer das nun heißen mag), bewusst zu sein, in der Situation. Es heißt, bei sich zu sein. Als Mensch in die sexuelle Interaktion einzutreten, als der, der man ist. Ich zumindest ziehe die Freude aus sexueller Interaktion daraus, das Gefühl zu haben, gemeint zu sein. Dass die Person gerade mit mir Sex haben will, weil sie MICH interessant findet. Es ist ein schönes Gefühl, sich gemeint zu fühlen. Ich will nicht einfach nur irgendjemand sein. Und mein sexueller Gegenüber ist auch nie irgendjemand.
Präsenz ist somit eine Einstellung mir selbst gegenüber. Sie kann nicht von außen, vom anderen hervorgelockt werden, sondern ich bringe sie mit ein.
Sie heißt auch zu versuchen, im Jetzt zu sein. In der Situation, bei sich und beim anderen. Also sich nicht in eine Ebene der Sorgen und Gedanken um das was passiert zu begeben. Das ist vielleicht das schwierige. Sich nicht Gedanken zu machen, über die körperliche Verfassung, darüber wie man wohl ankommt, sondern zu relaxen.

Präsenz im Bett heißt nicht, das Geschehen steuern zu müssen oder nicht auch passiv sein zu können. Es heißt viel eher sich mit Haut und Haaren, mit all der Möglichkeiten zur sinnlichen Erfahrbarkeit ins Geschehen einzulassen, hinein zu stürzen in die Empfindsamkeit. Was können wir nicht alles wahrnehmen. Und das heißt erfahren. Wir sind Menschen voller Sinne die nur danach lechzen gereizt zu werden.


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