Roma in Frankfurt, Männer in Kitas & echte Arier

Hohe Strafe für homophobe Fußballfans, Plus Size Fashion, volles Wahlrecht für Behinderte!, Lady Pen, Roma in Frankfurt, Wählen als wohnungslose_r, Kinder „fett“ nennen erhöht Chancen, daß sie übergewichtig werden, May Ayim, Teeniejungs und Mädchenschuhe, Mo Asumang sucht „Die Arier“ und Sexismus in der Technoszene.

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Gleich zum Anfang die wunderbare Ellen de Generes, über die „Lady Pens“ von Bic ( ja genau, also Stifte extra für Frauen):

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Eine amerikanische Langzeitstudie kommt zu dem Schluß, daß genau die Kinder später übergewichtig wurden, denen man sagte, sie seien fett – und zwar unabhängig davon, ob sie als Kind wirklich dick waren:

Mädchen, die in frühen Jahren zu hören bekommen, sie seien übergewichtig, leiden mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als junge Frauen tatsächlich unter Fettleibigkeit. Für sie ist es 1,6 Mal wahrscheinlicher, dick zu werden. Das ist das Ergebnis der Studie, die in der Juniausgabe des Fachjournals Jama Pediatrics vorgestellt werden soll und bereits online einzusehen ist.

Besonders interessant: Der beobachtete Zusammenhang zwischen Hänseleien und dem, was die Waage später anzeigt, gilt unabhängig vom tatsächlichen Gewicht und weiteren Einflussfaktoren – etwa dem sozioökonomischen Status der Eltern oder dem Zeitpunkt der ersten Periode. Das bedeutet, dass sich die Mädchen ein „Du bist fett“ zu Herzen nehmen, ganz egal, ob sie tatsächlich etwas mollig sind oder normalgewichtig. In der Studie gehe es also nicht nur um schwerere Mädchen, die als fett bezeichnet würden und dann Jahre später immer noch dick seien, sagt Psychologin Tomiyama. „Allein die Zuschreibung ‚fett‘ erhöht die Wahrscheinlichkeit, später tatsächlich fett zu werden.“

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Kate Miller, Berliner Techno DJ, über Sexismus und Belästigung:

Wenn Kate auflegt, wird sie oft angemacht. „Irgendein Spruch kommt immer“, sagt sie. In einer Nacht vor drei Wochen war es anders, da kam mehr. Kate spielt im Chalet in Kreuzberg. Männer machen ihr Komplimente. Einer findet ihre Beine sexy, ein anderer fragt, wie sie als Frau so gut auflegen könne. Kate glaubt, die Männer trauen sich das, weil sie im Rampenlicht steht. Auf der Bühne sind die Regeln anders, die Grenzen verschwimmen. Als ihr Gig vorbei ist, bedrängt ein Mann sie. Er drückt sie gegen eine Wand, versucht immer wieder, sie zu küssen – und haut ab. So erinnert sich Kate an den Abend.

Sie entscheidet sich, die Sache öffentlich zu machen. Auf Facebook schreibt sie: „Ich will nicht mehr nett und höflich sein. Der Nächste, der mir sagt, dass ich schöne Beine habe, kriegt ein blaues Auge.“

Kate will ein Zeichen setzen gegen die Diskriminierung von weiblichen DJs. Sie bittet ihren Freund, ihr die Haare abzuschneiden. So kurz es geht. Mit einem Rasierer trimmt er Kates Haare auf wenige Millimeter. Danach sieht sie so aus wie er, nur kleiner.

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Wer darf eigentlich wählen, wer nicht und warum? Behinderte, die eine Vollbetreuung brauchen, sind ausgeschlossen:

Bislang sind all jene Menschen mit Behinderung ausgeschlossen, die gerichtlich komplett unter Betreuung gestellt wurden und in keinem einzigen Lebensbereich selbstständig entscheiden dürfen. Das seien rund 10.000 Betroffene, berichtet Zeitung unter Berufung auf den Verein Lebenshilfe.

Bentele sprach im Hinblick auf den Ausschluss Behinderter von der Wahl von Stigmatisierung, die nicht der Realität entspricht und verwies auf die Behindertenrechtskonvention. Diese schließe die politische Teilhabe an allgemeinen Wahlen ein und verlange, Behinderte ins politischen Gemeinwesen einzubeziehen.

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Hürden bezüglich des Wahlrechts haben auch Obdachlose; wählen gehen können sie prinzipiell dennoch:

Jeder Mensch geht mit dem Umstand, nicht mehr in einer Wohnung zu leben, anders um. Viele Obdachlose richten sich in ihrem Kiez ein. Andere sind mobil, halten sich heute in Kreuzberg auf, morgen in Charlottenburg. Als ich den o. g. Flyer gelesen habe, stieß ich auf den Stichtag. Bei der Wahl am 22. September wurde mir am Telefon von einer Mitarbeiterin des Landeswahlleiters der 18. August als Stichtag genannt. Nachgewiesen werden muss die Identität. Normalerweise wird der Personalausweis gezeigt, oder der Reisepass. Viele Menschen, die auf der Straße leben, haben weder Ausweis noch Pass. Niedrigschwellige Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe können Besuchern, die sie zum Teil seit Jahren kennen, Name und Aufenthalt bescheinigen. Beim Wahlamt ist dann zu erklären, dass sie nicht oder nicht durchgängig im Melderegister registriert sind und sich gewöhnlich in Deutschland aufhalten.

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Die Mädchenmannschaft stellt Alex vor, Modebloggerin und in der Ausbildung zur Modedesignerin. Ein Gespräch über Plus Size Fashion:

Am Anfang war es mir noch ziemlich unangenehm zu posen und überhaupt Ganz­körper­fotos von mir machen zu lassen. Aber ich wollte mir und der Welt beweisen, dass Dicke modisch sind, dass wir auch das Recht haben, uns selbst gut zu finden und uns nicht verstecken müssen. Ein Aspekt, der meiner Meinung nach häufig unterschätzt wird, ist der Effekt, die Kleidung, in der eins sich gut fühlt und die gefällt, auf eine_n haben kann. Gerade wenn ich etwas trage, dass mir gefällt, fühle ich mich besonders wohl und selbst­bewusst. Ich finde es so schade, wenn sich eine Person etwas nicht anzuziehen traut, weil es zu auffällig/bunt/kurz/eng/ärmellos/ausgefallen ist und ich hoffe, dass ich als Bloggerin da vielleicht meinen Teil dazu beitragen kann, solche von Gesellschaft und Medien ein­zementierten Vorstellungen etwas auf­zubrechen.

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Tim Rühlig empfiehlt den Dokumentarfilm „Roma in Frankfurt“:

Es sind bewegende Geschichten, beeindruckende Menschen und erschreckende Verhältnisse, die mit der öffentlichen Diskussion um Sozialschmarotzer, Arbeitsverweigerer und Kriminalität nichts zu tun haben. Einmal mehr merkt man: Nicht über Roma müssen wir sprechen, sondern mit ihnen.
Im Film fasst dies Ahmed Bourchada, Schüler einer Schule nahe Frankfurt, so zusammen: „Normalerweise hat jede Kultur ihre Vorurteile und man weiß eigentlich auch, dass diese Vorurteile nicht stimmen. Bei den Sinti und Roma kennt man nur die Vorurteile, wir kennen gar nicht die wahre Seite.“

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Bollocks & Bitches über verzweifelte Jungs und Mädchenstyling:

Styling ist für Mädchen wichtig. Sehr wichtig, wie wir wissen. Fast so wichtig wie Jungs zu gefallen. Damit wir das auch um Himmels Willen nicht vergessen, hat es sich die BravoGIRL zu Aufgabe gemacht, uns alle zwei Wochen an diese biologische Notwendigkeit des Hübsch-Seins zu erinnern.

Aber trotz der 30-seitigen Beautyspecials, den Fotostrecken, der Modetipps und der Aufklärung über die richtige Blowjob-Technik scheint es noch nicht zu allen Mädchen vorgedrungen zu sein: Es ist UNFASSBAR wichtig, Jungs zu gefallen. Melli hat diese Wichtigkeit nicht erkannt. deswegen hat sich ihr Freund, der Raffa, an die BravoGIRL gewandt. In einem Artikel voller manly tears beklagt er sich herzzerreißend über diesen Missstand. Ich kommentiere ihn hier auf meine gewohnt charmante Weise.

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Mo Asumang über ihren absolut sehenswerten und gelungenen Dokumentarfilm „Die Arier“, in dem sie unter anderem eine NPD-Demo oder den Ku Klux Klan besucht:

Ich spreche mit jedem Menschen auf dieselbe Art und Weise, auch wenn er Rassist ist. Ich stecke den nicht gleich in eine Schublade, so wie er es mit mir macht, sondern versuche meine Offenheit zu behalten. Das ist der größte Kampf. Den Rechtsextremen wünsche ich echtes Selbstbewusstsein. Dass sie nicht andere für ihre Probleme verantwortlich machen, sondern sie selbst in die Hand nehmen. Das ist purer Eigennutz: Wer selbstbewusst ist, feindet mich nicht an.

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Das Missy Magazine widmet sich der verstorbenen Dichterin und Aktivistin May Ayim:

Ermutigt von Lorde veröffentlicht May Ayim 1986 ihr erstes Buch „Farbe Bekennen“, damals noch unter dem Namen May Opitz. Der Sammelband wird ein Schlüsselmoment für die afrodeutsche Community. Das Sprungbrett. Oder vielleicht eher ein Stück Treibholz auf offener See, auf das man sich retten kann. „Wir haben zum ersten Mal einen Begriff für uns selbst entwickelt, um nicht den herkömmlichen Bezeichnungen ausgesetzt zu sein.“ Ayim und ihre MitstreiterInnen reißen diese Fremdzuschreibungen ab, errichten sich eine eigene Identität als Schwarze Deutsche und geben sich selbst einen Namen: afrodeutsch. May Ayim hatte diesen Namen ihrer Muttersprache mit Mühen abgerungen, das war ihre Spezialität. Sie kämpfte gerne um Freiräume in der deutschen Sprache „mit ihren rassistischen Elementen, die oft gegen mich selbst gerichtet sind“. Im selben Jahr gründen sie und andere den Verein „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“.

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Lisa Mayr schreibt im Standard über die Tagung „Männer in Kitas“:

Brandes und sein Team hatten das Verhalten der Männer in Kitas über mehrere Jahre qualitativ erforscht. Mit einem differenzierten Schluss: „Männer in Kinderbetreuungseinrichtungen sind weder Heilsbringer noch Katastrophe“, fasst Brandes zusammen – um den Blick auf die wichtige Frage der Ausbildungsqualität zu lenken. Wichtiger als das Geschlecht der Betreuungspersonen sei deren fachliche Qualifikation. So konnte Brandes feststellen, dass sowohl männliche als auch weibliche Betreuungspersonen mit Mädchen eher beziehungsorientiert-narrativ und mit Burschen eher sachlich-gegenstandsbezogen umgehen.

Das heißt konkret: Betreuungspersonen beiderlei Geschlechts malen mit Mädchen eher Bilder, teilen mit ihnen Geschichten und Emotionen. Mit Burschen wird dagegen eher mit groben Materialien gebastelt und in Wettbewerbssituationen getreten. Offenbar haben also sowohl Männer als auch Frauen sehr starke Annahmen davon, wie Buben und Mädchen „ticken“, und verfestigen bestimmte Verhaltensweisen durch ihren Umgang mit den Kindern. Die Reflexion über die eigene Rolle sei daher sowohl für Frauen als auch für Männer notwendig, so Brandes: „Die meisten agieren emotional engagiert, aber fachlich wenig reflektiert.“

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Wegen eines homophoben Plakats müssen vier Bayern-Fans eine hohe Geldstrafe zahlen sowie Sozialstunden leisten:

Die Eltern der vier jungen Südtiroler FC-Bayern-Fans, die am 11. März während des Champions-League-Achtelfinales gegen Arsenal London im Münchner Stadion ein als homophob kritisiertes Banner hochhielten, haben sich jetzt zur Begleichung einer Geldstrafe bereit erklärt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vereinbarten sie bei einem Treffen mit Vertretern des FC Bayern in München die Zahlung von je 2000 Euro.

Die Jugendlichen aus der Nähe von Meran hatten im April ein selbst gemaltes Banner mit einer Kanone, die unter dem Schriftzug „Gay Gunners“ auf das Hinterteil eines entblößten Spielers zielt, in die Kameras gehalten. Deshalb hatte der europäische Fußballverband (Uefa) den FC Bayern zu einer Strafe von 10.000 Euro verdonnert. Zudem musste im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester United von den Münchnern ein kompletter Zuschauerblock geschlossen bleiben – Hunderte Eintrittskarten konnten nicht verkauft werden.


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