Oury Jalloh, Constanze Kurz & Mean Mary

Kindergarten-Nazis, Klassenvielfalt im Klassenzimmer, Aufklärung im Fall Oury Jalloh, Menschenhandel, Spielzeugpräferenz nicht biologisch, Gewalt gegen Bahnsexurity, Constanze Kurz zu Überwachung, Transphobie, Mean Mary & her Banjo, Sexualisierte Gewalt bei der Ivy League, Cyberübergriffe und neue Frisurenordnung bei der US Army.

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Cyberstalking und zu sorgloser Internetumgang bei Portalen werden auch für Frauenhäuser immer mehr zum Problem:

Schleswig-Holsteins Chefdatenschützer Thilo Weichert betonte, dass Aufklärung und Medienkompetenz wichtig seien. Hier seien öffentliche Stellen wie Polizei, Datenschutzbeauftragte, Beratungsstellen gefragt. Er kritisierte Facebook, das gezielt um Kinder und Jugendliche werbe.

Opfer des Internets können auch die Frauenhäuser selbst werden: Internetdienste oder regionale Portale listen die Gebäude – die eigentlich streng darauf achten, ihre Anonymität zu wahren – mit voller Adresse auf oder zeigen den Standort in einer Karte an. „Es ist hochgradig schwierig, das löschen zu lassen“, so Anita Brüning vom Frauenhaus Norderstedt. Gerade die großen Anbieter wie Facebook oder Google reagierten selten auf diese Bitten. „Denen ist der Schutz völlig egal“, sagte Astrid Ackermann.

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Candytechno über Transphobie auf Sexparties:

Unfassbar dass direkt darunter steht dass mensch die sexpraktiken anderer nicht verurteilen sollte und bei missfallen wegsehen kann. (AUSSER BEI EINEM “PENIS”!!!!!!!! DA KANN ICH UNMÖGLICH WEGSEHEN!!!! AU!!!! EIN “PENIS”! AHHH!) Hier wird sicherlich (auch) auf BDSM angespielt. In dem fall ist es erst recht absurd: Eine BDSM szene kann triggern weil es sich um eine konsensuale handlung handeln kann die andere möglicherweise genauso selbst erlebt haben jedoch nicht-konsensual. Eine solche szene zu sehen kann die erinnerung an selbst erlebte situationen wecken und daher triggern. Die verantwortung dafür sich nicht triggern zu lassen wird hierbei den zuschauenden überlassen.

Beim thema genitalien wird übergriffig und transphob definiert wer “als männlich gelesene” genitalien besitze (und wer nicht) gleichzeitig wird die definition niemals deutlich ausgesprochen oder per bild oder gif dargestellt. Es wird davon ausgegangen dass alle wissen welche genitalien “als männlich gelesen” werden. Diese personen sollen sich und ihre genitalien verstecken. Ihnen wird die verantwortung für den cis sexismus den die anderen teilnehmenden evtl internalisiert haben in die schuhe geschoben. Der gedanke dass die genitalien der leute die sich verstecken sollen von anderen als erotisch und begehrenswert empfunden werden findet hier keinen platz. Gleichzeitig werden “alle körperlichkeiten” mit “respekt” überschüttet sodass wut oder empörung über diese formulierung verunmöglicht wird.

Vag*

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Mißbrauchsopfer in amerikanischen Eliteuniversitäten wehren sich gegen sexualisierte Gewalt – während die Unis das lieber unter den Tisch kehren würden:

Der jungen Studentin wurde gesagt, sie könne den Fall an der Uni zwar eröffnen, aber vermutlich würde er fallengelassen. Dieses Risiko war ihr zu groß, wie sie schreibt. Sie habe Angst gehabt, dass dem Täter offiziell Recht gegeben würde. Zuletzt hatte sie zumindest erreichen wollen, dass der junge Mann das Haus wechselt. Doch auch diesem Wunsch sei die Uni nicht nachgekommen.

Scott Berkowitz, Gründer der Organisation RAINN (Rape, Abuse and Incest National Network), sagte dem Fernsehsender ABCNews, dass derlei Vorgehen der Hochschulen typisch sei. Er könne nicht beurteilen, ob sich die Uni in diesem speziellen Fall falsch verhalten habe, aber die Vorwürfe der Harvard-Studentin würden vielen anderen gleichen.

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Mean Mary playin‘ Cripple Creek!

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Schöner Artikel im New Scientist, in dem ein für allemal klargestellt wird, warum Spielzeugpräferenzen von Kindern eben NICHT biologisch bedingt sind:

Newborn boys and girls, untouched by the forces of gender socialisation, supposedly show stereotypical preferences for looking at hanging mobiles versus faces, respectively. And, we are told, girls with congenital adrenal hyperplasia (CAH), who are exposed to unusually high levels of testosterone in the womb, prefer „boy toys“.

But these findings are far less compelling than they appear. For instance, if the preference of female rhesus monkeys for stuffed animals shows that love of dolls is „innate“ in girls, what do we make of the fact that the favourite toy of male vervet monkeys was a stuffed dog, which they played with more than a third longer than a toy car?

Recent experiments, more methodologically rigorous than the much-cited mobiles versus faces newborn study, found no sex differences in the preferences of babies for looking at objects versus faces. Both preferred the latter to an equal extent. And girls with CAH – born with atypical or masculinised genitalia, who undergo intensive medical and psychiatric intervention and have physical characteristics inconsistent with cultural ideals of feminine attractiveness – may be more willing to play with „boy toys“ because of unconsidered effects of the condition on their psychosexual development, rather than because their brains have been „wired for wheels“.

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Die neue Frisurenordnung der US-Armee stellt besoders für Afroamerikaner_innen ein Problem dar:

Feldwebel Jasmine Jacobs hat nun eine Petition an das Weiße Haus gestartet, um die strengen neuen Regeln zu kippen. Mehr als 10.000 Unterstützer hat sie schon. Jacobs trägt zwei am Kopf entlang geflochtene Zöpfe und erklärte der Zeitung „USA Today“, sie sei nun ratlos, was sie künftig mit ihrem Haar anfangen solle. „Meine Frisur entsprach den bisherigen Regeln. Sie hat mich beim Tragen eines Helms nie behindert.“

Laut „Washington Post“ kommt die neue Dienstvorschrift genau zu einer Zeit, in der immer mehr afroamerikanische Frauen zum natürlich krausen Look zurückkehren. Die Zahl derer, die ihre Haare künstlich glätten, sei auf 30 Prozent gesunken. Der Absatz von chemischen Glättungsmitteln habe in den vergangenen fünf Jahren um 26 Prozent nachgelassen.

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Menschenhandel – Interview mit Jes Richardson, direkt davon betroffen:

Der erste Schritt ist, eine Brücke der Verständigung, des Mitgefühls, der Liebe und Demut zu bauen. Wie können wir zwei Gruppen vereinen, ohne ein tiefes Verständnis der Erfahrungen und Meinungen der jeweils anderen zu haben? Anti-Menschenhandels-Organisationen und Einzelpersonen sind mit der Behauptung, dass die GESAMTE Prostitution Menschenhandel oder Sklaverei ist unglaublich verletzend gewesen und Sexarbeiter*innen entgegnen mit einer entsprechend starken Meinung. Wir alle müssen die Erlaubnis haben, zu wachsen und unsere Ansichten zu ändern, niemand von uns ist perfekt und es gibt keine Erfahrungen, die identisch sind; wir müssen voneinander lernen. Selbst meine eigene Sprache hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, weil ich immer mehr verstanden habe. Ich bin eine Expertin in meinen eigenen Erfahrungen und ich verstehe, dass andere Menschen zwar das gleiche Label haben, dass aber ihre Erfahrungen ganz anders sein könnten als meine eigenen. Beide Seiten müssen unvoreingenommen an einen hypothetischen Tisch kommen, aufrichtige Entschuldigungen müssen gegeben und angenommen werden und dann können wir uns als ein kollektives Ganzes voranbewegen.

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Wie umgehen mit Nazinachwuchs im Kindergarten?

Im Rahmen des Projektes „Eltern stärken“ bietet [Eva Prausner] seit vergangenem Jahr Seminare für Erzieher aus Berlin und Brandenburg an, weil es zunehmend Nachfragen aus Kindertagesstätten gibt. Den Erziehern waren bei Eltern umstrittene Symbole wie Runen-Tattoos oder Zahlencodes auf T-Shirts aufgefallen. Ein Kursteilnehmer erzählte ihr, dass ein rechtsextremes Elternpaar forderte, keine Fotos zu machen, auf denen das eigene Kind mit einem Kind anderer Herkunft zu sehen sei. „Es ist besonders wichtig, dass sich der Kindergarten ein Leitbild gibt. Also sich darauf festlegt, dass rechtsextreme Ideologie nichts in der Einrichtung zu suchen hat. Dies muss auch den Eltern kommuniziert werden“, sagt Prausner. Manche Kitas hätten sich sogar mittlerweile entsprechende Hausordnungen gegeben.

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Warum der Fall Oury Jalloh endlich gründlich und ohne Tabus untersucht werden muß:

Im Fall Oury Jalloh gehen dessen Freunde schon lange davon aus, dass er sich nicht selbst angezündet hat, sondern ermordet wurde. Für die Ermittler war dies bisher undenkbar, nun scheint sich das Tabu etwas zu lockern.

Doch auch wenn nun hoffentlich alle naheliegenden Fragen gestellt werden, dann gelten am Ende doch rechtsstaatliche Grundsätze. Nur weil die Selbsttötung Jallohs unwahrscheinlich war, ist ein Mord von Polizisten oder Dritten noch nicht bewiesen.

So könnte es zwar sein, dass Polizisten Jalloh misshandelt haben und dann durch einen Brand in der Arrestzelle die Spuren verwischen wollten. Naheliegend ist das aber keineswegs. Polizisten haben genug Erfahrung, Verletzungen auf der Polizeiwache zu erklären, gerade bei einem betrunkenen und aggressiven Mann. Es ist abwegig, dass sie deshalb einen Mord begehen, der soviele Fragen aufweist und sie erst recht verdächtig macht.

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Gewalt bei der Bahn – trifft auch die Bahn Security immer mehr:

Es ist einer der schwersten Vorfälle der vergangenen Monate, doch die Zahl der Übergriffe gegen Mitarbeiter der Bahn steigt seit Jahren stetig an. 2013 erreichte sie einen neuen Rekord: Ganze 1199-mal wurden Sicherheitsleute und Zugbegleiter Opfer von Körperverletzungen. Das geht aus dem Sicherheitsbericht hervor, den die Bahn an diesem Mittwoch vorstellen wird. Im Jahr zuvor waren es noch etwa 200 Vorfälle weniger gewesen. Es scheint ein gesamtgesellschaftliches Phänomen zu sein, auch Übergriffe gegen Polizisten nehmen zu. Bei der Bahn ist man dennoch alarmiert über den 20-prozentigen Anstieg. „Unsere Kollegen sind kein Freiwild“, sagt Gerd Becht, der im Konzernvorstand für das Thema Sicherheit zuständig ist. „Wir dulden keine Gewalt.“

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Über G8/9, Stadtteilschulen und Vielfalt im Klassenzimmer:

Für meine Kritik liefere ich jetzt noch ein paar Zahlen nach: Dem aktuellen Run auf die Gymnasien schadet es nämlich ganz offensichtlich nicht, dass das Abitur in acht Jahren den Kindern (zumindest nach Ansicht von uns Eltern) extremen Stress aufbürdet: Obwohl sich eine deutliche Mehrheit in einer Umfrage des Hamburger Abendblatt gegen G8 ausgesprochen hat, steigen die Zahlen der Anmeldungen, anstatt zu sinken. Die Angst vor dem Stress für die Kinder scheint immer noch kleiner zu sein als die Angst davor, dass das eigene Kind auf eine Schule geht, auf die jeder gehen kann.

Das wirklich Unangenehme an dieser Situation ist, dass sie für jeden Einzelnen unlösbar ist, während wir aber alle einzeln und allein sind. Denn als Eltern haben wir letztlich immer nur unsere eigenen Kinder im Blick, und so gehört sich das meiner Meinung nach auch. Ich bin sehr für die Lösung gesellschaftlicher Probleme, für Integration und Toleranz und alles mögliche andere, aber da, wo ich wohne, ist das ein Bekenntnis, das tatsächlich Folgen hat.

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Jakob Augstein interviewt Constanze Kurz
vom CCC:

Wieso sähen Politiker aus dem Osten, z.B. Merkel und Gauck, die die Einschränkungen der Freiheit erlebt hätten wie Constanze Kurz, die Bedrohungen nicht, die sich durch diese Entwicklungen für die Freiheit und die Menschenrechte auftun, sorgte sich Jakob Augstein. Constanze Kurz meinte dazu, die sähen das durchaus, aber die hätten eigentlich keine Wahl, denn sie hätten weniger Furcht vor dem „Abschnorcheln“ ihrer Daten als davor von wichtigen Daten abgeschnitten zu werden. Eine interessante Perspektive.

Allerdings sei es doch ziemlich „schräg“, wenn die deutsche Wirtschaft beginne, ihre „Überwachungssorgen“ .zu artikulieren, meinte Augstein, aber Constanze Kurz schränkte ein, dass die großen Wirtschaftsverbände eher USA-dominiert seien. Kontinentale Netze seien keine Lösung meinte Constanze Kurz. Wir alle nutzten die USA-Anbieter.


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