Schwaben, Gwar & Namensrecht

Schizophrenie, Bodylove, Bodyshaming, Norrie darf „Neutrum“ sein, Gwar-Sänger tot, 20 Jahre neues Namensrecht, Schwaben in Berlin, Sexismus in Belgien vllt. bald strafbar, verschiedene Sexismusformen, brasilianische Männer geben Kleidung schuld an sexuellen Übergriffen.

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Nach 43 Milliarden Jahren ist nun Oderus Urungus tot, möge er in Frieden ruhen.
Unvergessen der Gwar-Auftritt bei Jerry Springer (für Euch „vorgespult“, um Euch den bescheuerten „Rape-Rocker“ der Mentors zu ersparen, der am Anfang auftritt… im Übrigen derselbe Kerl, der später behauptet hat, Courtney Love habe in anheuern wollen, um Kurt Cobain zu töten… ahem).

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Beängstigende Zahlen aus Brasilien – während die Toleranz gegenüber (nicht sexualisierter) physischer Gewalt sinkt, halten immer noch über 60% der Männer „falsche Kleidung“ für die Ursache von sexuellen Übergriffen:

„Frauen mit körperbetonter Kleidung sind selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt werden“ – 65,1 Prozent der BrasilianerInnen stimmen dieser Aussage teilweise oder gänzlich zu. Das zeigt eine umfangreiche Studie, für die 3.810 Frauen und Männer befragt wurden und die gestern vom Institute of Applied Economic Research (IPEA) präsentiert wurde.
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58,5 Prozent der zwischen Mai und Juni letzten Jahres Befragten machen auch das Verhalten von Frauen verantwortlich: Mit „angemessenem Benehmen“ könnten Frauen Vergewaltigung verhindern. Auf der anderen Seite wird physische Gewalt von den Interviewten wenig toleriert: 91,4 Prozent wollen einen Mann, der seine Frau schlägt, im Gefängnis sehen.

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Via.

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Oft betreibt man Bodyshaming, ohne es zu merken; iVillage nennt zehn typische Beispiele:

While it’s fine for you to choose clothes any way you want, nobody else is required to adhere to your style.The person wearing that outfit is, in fact, pulling it off, even if you think she’s too flat chested, big chested, short, tall, fat or thin. And fat people don‘t have to confine themselves to dark colors and vertical stripes, no matter who prefers it. And spandex? It’s a right, not a privilege.

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Sozusagen als Gegenprogramm:


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Belgien plant, sexistische Äußerungen rechtlich zu bestrafen:

Kann man Sexismus verbieten? Ja, findet der Rechtsausschuss des belgischen Parlaments. Er hat vor zwei Wochen einen Gesetzentwurf der Innenministerin Joëlle Milquet abgesegnet, mit dem Äußerungen und Handlungen bestraft werden können, „welche Menschen gezielt auf Grund ihres Geschlechts als minderwertig diskriminieren, oder sie auf ihre Sexualität reduzieren und damit ihre Würde verletzen“. Durch bis zu 13 Monate Haft sowie Geldbußen für Übeltäter sollen vor allem Frauen stärker geschützt werden. Das ist absurd – und doch notwendig.

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Dazu paßt ein Interview über Sexismus mit der Sozialpsychologin Julia Becker:

Becker: Feindlicher Sexismus ist klarer zu erkennen, er taucht aber in unserer modernen Gesellschaft weniger auf. Der wohlwollende Sexismus hingegen kommt häufig vor, auch bei jungen Männern und er ist schwer zu fassen, weil er ja freundlich verpackt ist.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel, wenn eine Frau im Meeting mit gleichgestellten männlichen Kollegen protokollieren soll, weil sie angeblich eine schönere Schrift hat?

Becker: Genau. Oft sind es Verhaltensweisen in mehrdeutigen Situationen, die zuerst schwer zuzuordnen sind. Wohlwollender Sexismus führt dazu, dass Frauen sich weniger kompetent verhalten: Die Forschung hat gezeigt, dass Frauen Matheaufgaben schlechter lösen, wenn sie vorher auf Geschlechter-Klischees angesprochen wurden, als wenn sie die Rechenaufgabe unbedarft angehen.

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Norrie hat vor Gericht gewonnen, nun ist es amtlich: In Australien muß man sich nicht mehr ausschließlich entweder als „Mann“ oder „Frau“ registrieren lassen.

Das Gericht wies jedoch die Forderung von Norrie zurück, man müsse für eine neue juristische Form schaffen, etwa „Intersex“. Das Amt in Sydney wird nun den Antrag von Norrie neu prüfen müssen. Beobachtern zufolge wird der Richterspruch weitreichende Folgen in Bundesstaaten haben, in denen ähnliche Gesetze gelten. „Der Entscheid wird auch für sie bindend sein“, sagte Norrie’s Anwalt Scott McDonald nach dem Urteil.

Es ist durchaus möglich, dass das Urteil auch über die Landesgrenzen hinaus Konsequenzen haben wird. Sein/e Mandant/in sei von „unzähligen Menschen aus Australien und dem Rest der Welt kontaktiert worden, die sich ebenfalls nicht spezifisch identifizieren möchten“.

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Beeindruckender Einblick in das Leben einer an Schizophrenie Erkrankten und ihrer Mutter:

Und Lea, die gern schwieg, hörte nicht zu reden auf, ich wollte Ali besuchen, aber der machte nicht auf, heute sei nicht der Moment, sagte Ali, die Tür zu öffnen, seine Freundin sei bei ihm, ich war dann unterwegs und zog durch die Beizen und heilte viele Leute, legte ihnen meine Hände auf oder lächelte sie nur an. Und irgendwann kam mir jemand entgegen, der schlechte Strahlen hatte, ich rannte los, warf die Jacke weg, ich zog alle Ringe aus den Ohren, schmiss sie ins Gebüsch, auch die Uhr, die du mir geliehen hast, Mama, auch die Schuhe zog ich aus, weil die Metallkappen haben. Weil Metall die Energie fehlleitet.

Jeden Morgen briet sie Tofu, drei Schnitzel, aß sie heiß, dann fuhr Lea nach Luzern, kam abends wieder, reiste am Freitag nach Yverdon, war am Samstag um zehn, weil Ali nicht öffnete, wieder im Dorf, Lea trank Aceto Balsamico aus der Flasche, saugte Senf aus der Tube.

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Das deutsche Namensrecht wird 20, die Veränderungen gehen langsam vonstatten:

Im März 1991 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Regelung von 1958, nach der automatisch der Geburtsname des Mannes gemeinsamer Familienname wurde, falls sich die Ehepartner nicht einigen konnten, für verfassungswidrig. Seit dem 1. April 1994 können Verlobte frei entscheiden, ob sie nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen führen möchten. Andernfalls behält jeder seinen ursprünglichen Nachnamen. Allerdings räumt das deutsche Namensrecht die Möglichkeit ein, auch noch nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen zu bestimmen. Spätestens einen Monat nach der Geburt des ersten Kindes müssen die verheirateten Eltern zumindest festlegen, ob das Kind den Nachnamen des Vaters oder den der Mutter tragen soll. Diese Entscheidung ist dann auch für alle weiteren Kinder bindend.

Ehepaare, die auf einen gemeinsamen Familiennamen verzichten, sind längst keine Ausnahme mehr. In München haben sich beispielsweise im vergangenen Jahr etwa 23 Prozent der Paare für eine getrennte Namensführung entschieden, in Köln waren es 19 Prozent, in Nürnberg 18 Prozent.


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