Archiv für April 2014

Racial Profiling, Feminist Bore-Out & „Bettlerbanden“

Diskriminierung von Frauen im Jurastudium, Sookee-Interview, UNO gegen Kriminalisierung von Drogenkonsumenten, Feminist Bore-Out, Prozeß um unterlassene Hilfeleistung bei einem schwerkranken Flüchtlingskind, München will härter gegen „Bettelbanden“ vorgehen, Künstler_innenkollektiv „COVEN“, soziale Putzfirma in St. Georg, Racial Profiling, heutzutage Musiker_in sein, Lebenspartnerschaften und gute Chancen für Frauen in „männlichen“ Ausbildungsberufen.

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Weibliche Lehrlinge in „Männerberufen“ werden anscheinend immer mehr geschätzt:

„Längst hat auf Arbeitgeberseite ein Umdenken eingesetzt. Frauen haben bei Bewerbungen gute Karten“, sagt Hans Voss. Er leitet bei der Maler- und Lackiererinnung Düsseldorf das Berufsbildungs- und Technologiezentrum. Ein Grund sind die guten Erfahrungen, die Handwerksmeister mit Frauen als Azubis und Gesellinnen machen. „Sie überzeugen oft durch herausragende Leistungen“, erklärt Voss. Er kennt inzwischen Fachbetriebe, die auf einen ausgeglichenen Mitarbeitermix achten. Bei praktischen Arbeiten fallen Mitarbeiterinnen vor allem bei filigraneren Tätigkeiten häufig positiv auf.

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Antje Schrupp über Lebenspartnerschaften:

Der Wunsch nach rechtlicher Anerkennung geht häufig mit einer besonders großen “Normalitätsbekundung” einher: Menschen, die homosexuell monogam leben, sind nicht unbedingt die enthusiastischsten Unterstützerinnen von Polyamorie, denn sie sind bemüht, zu beweisen, dass sie abgesehen vom Schwul- oder Lesbischsein ganz “normal” sind.

Das ist keine Anschuldigung, es liegt vielmehr in der Natur der Sache, dass der Wunsch nach Anerkennung die Tendenz zum Konformismus nach sich zieht. Und das muss auch so sein, denn ohne Zustimmung einer Mehrheit in der Bevölkerung bekommt man keine staatliche Anerkennung.

Deshalb wollte ich an dieser Stelle einfach mal wieder in Erinnerung rufen (denn neu ist der Gedanke ja nicht), dass es im Verhältnis von Lebens- und Liebesformen im Kern gerade nicht um den Wunsch nach Anerkennung seitens des Staates geht, sondern im Gegenteil: um die Freiheit von staatlicher Bevormundung.

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Mehmet Simsit, Wirt des Hansa-Treff, hatte die gute Idee, eine Putzfirma zu gründen, die sich eben auch um die „schmutzigen Ecken“ von St. Georg kümmert und so manchem eine neue Perspektive bietet – denn bei dem Projekt geht es nicht nur ums Putzen:

Er tut, was er kann: Übersetzungen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, dolmetschen. „Für mich sind das vielleicht Kleinigkeiten, aber für die Menschen, die das brauchen, ist es etwas Großes.“ Auch Zwangsprostituierten, die ihren Zuhältern entkommen wollen, unterstützt er: „Wer aussteigen möchte und um Hilfe bittet, bekommt von mir Hilfe.“ Schon mehrfach seien Frauen mit blauen Flecken im Gesicht in den Hansatreff gekommen. Wenn das passiert, wird der Kneipier zornig: „Da habe ich keine Gnade. Zum Glück haben wir auch einen guten Kontakt zur Polizei.“

Im letzten Jahr hat Simsit sogar einen Deutschkurs für Prostituierte aus Osteuropa auf die Beine gestellt, die hier ankommen. Die Hamburger Universität schickte für ein Vierteljahr auf eigene Kosten einen Dozenten, das Stadtteilbüro stellte kostenlos einen Raum zur Verfügung. „Das Wichtigste ist, dass die Leute sich verständigen können“, sagt er. Inzwischen musste er den Kurs aber wieder einstellen, denn die bewilligten Fördergelder darf er nur für Lehrmaterialien ausgeben, nicht aber für Personal.

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In München nimmt die Zahl der Bettler_innen gerade enorm zu. Die Stadt und die Polizei stecken jetzt praktischerweise alle Bettler_innen in die „böse Bettlerbande“-Schublade, gegen die man natürlich jetzt drastisch vorgehen will:

Damit liegt der Polizeibeamte auf der Linie des noch amtierenden Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), der einmal auf seiner Homepage über Bettler in München schrieb: „Bitte seien Sie kaltherzig.“ So weit will KVR-Chef Blume-Beyerle nicht gehen. Doch die steigende Zahl der Bettler in München bereitet ihm Sorgen. „Sehenden Auges“ diese Entwicklung hinzunehmen, hält er für „keine gute Alternative“. Er will nun die Zusammenarbeit mit der Polizei weiter intensivieren, um die organisierten Bettler aufzuspüren. Wilde Camps am Stadtrand oder Autowracks, die im Sommer als Schlafplätze benutzt werden, sollen jetzt sofort beseitigt werden. „Natürlich tun mir die Menschen alle leid“, sagt Blume-Beyerle. Aber als KVR-Chef muss er andere Prioritäten setzen.
Odyseen durch viele Länder

Das hilft den Menschen nicht, die am Ende, ganz unten sind. Selbst in Rumänien können sie nicht von 60 Euro Sozialhilfe pro Monat leben. Also schließen sich viele zu lockeren Verbünden zusammen und reisen nach Norden. Dort, wo es noch Geld gibt. „Die meisten bleiben drei bis vier Wochen, dann ziehen sie weiter“, sagt der Bettler-Polizist Röske. Wenn es dunkel wird, ziehen sie sich von den Straßen zurück. Die Fußgängerzone und der Viktualienmarkt sind als Schlafplatz tabu. Die einen gehen zur Isar, die anderen in die nahe der Altstadt gelegenen Parks.

Aus meinem persönlichen „Nähkästchen“ geplaudert:
Meinereiner strandete einst nach einem Italienurlaub auf dem Münchner Hauptbahnhof. Im Zug hatte man uns den Inhalt unserer Handtaschen ausgeräumt , während wir schliefen… also: keine Kohle, nüscht. Da blieb halt nix anderes, als Geld für ein Bayernticket zu schnorren.
Und die Münchner waren da sehr nett (am süßesten war eine Frau, die gerne was geben wollte, aber kein Kleingeld hatte, uns aber irgendwie helfen wollte – und hat uns dann eine Packung O.B.s geschenkt. :) ) – die Polizei weniger. Mords Aufstand mit Personenüberprüfung, das volle Programm. Außerdem so hilfreiche Fragen wie “ Sie sehen so fertig aus und haben gerötete Augen – sie sind doch auf Drogen!“, woraufhin ich dem Freund und Helfer erklären durfte, daß man eben auch fertig aussieht, wenn man die Nacht über ausgeraubt wurde, kaum geschlafen hat, entsprechend müde/genervt ist, man auch noch Geld zusammenschnorren muß und man eigentlich nur heim will.
Nachdem wir eine halbe Stunde überprüft wurden, ließ man uns wieder gehen, aber wir sollten keine Leute mehr ansprechen etc.
Der ganze Aufstand, der bei der Kontrolle betrieben wurde, bot auch den Umstehenden eine gute Show. Woraufhin uns eine ältere Dame, die das Ganze mitgekriegt hatte, dann den fehlenden Betrag fürs Bayernticket spendierte.
Gut, das ist jetzt ca. 8 Jahre her, ich weiß nicht ob die Vorgehensweise der bayrischen Polzei sich geändert hat oder nicht…
Aber wenn ich an die Situation in München denke, und dann diesen Artikel lese, habe ich das leise Gefühl, daß die Stadt München es sich mit diesen Plänen zu einfach macht. Verwaltungstechnisch ist das ja auch praktisch! Eine Sündenbockstrategie funktioniert immer irgendwie. Oberflächlich gesehn zumindest. Man muß sich nicht mehr um die individuelle Situation kümmern, man kann die einfach eine Schublade stecken.
Effektiv ist das aber nicht.
Sicher, man überlegt schon, ob es jetzt eine gute Idee ist, einem Bettler Geld zu geben, wenn es offensichtlich ist, daß er einer von denen ist, die ihr Geld dann abends dem Chef abliefern müssen… mein momentaner Kompromiß (normalerweise geb ich eingentlich allen was) ist, stattdessen eine Zigarette zu spendieren. Kommt irgendwie auch gut an bisher.

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Feminist Bore-Out
; genialer Begriff – trifft er doch genau das Gefühl, das einen immer wieder überfällt:

Mit halbem Auge verfolgte ich dabei das Treiben in den diversen sozialen Netzwerken, und so stach mir irgendwann ein Hinweis auf ein neues Opus Magnus des Laber-Rhabarbers ins Auge: Ein Buch namens “Tussikratie” sei nun erschienen, geschrieben von den zwei Journalismus-Tussneldas Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling, und das Brigitte-Magazin fragte dazu ganz aufgekratzt: “Übertreiben wir es mit dem Feminismus?” Hui, wie aufregend! Nicht.

Ich konnte besagten Artikel nur 20 Sekunden lang überfliegen, und dann entschied ich mich, dass ich mich anstatt auf den ewiggestrigen Null-Acht-Fuffzehn-Content zu “Tussikratie” (O-Ton: Gelaber über Geschlecht-Gedöns verursacht noch mehr Probleme. Männer sind auch arm dran. Frauen haben mehr Möglichkeiten (zum Beispiel in der Mode, bunte Kleider und so). Männer sind auch arm dran, weil sie keine Männerbewegung haben. Und überhaupt, es gibt ja auch noch den armen Hausmann. Über den lachen ja auch alle, wenn er mal Kuchen in den Kindergarten trägt. Schnarchschnarchschnarch.) doch eher lieber wieder auf die mittlerweile Tauben fütternde Polly Flint konzentrieren wollte. Klick und weg. Ich schaffte es, noch bevor mir mein Arm eingeschlafen war. Juchheissassa!

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Keine große Überraschung, aber dennoch zum Kotzen – der Altherrenclub in juristischen Fakultäten benotet scheinbar gern nach Geschlecht und Herkunft:

Gemeinsam mit zwei Kollegen vom Max-Planck-Institut und der Uni Göttingen hat er Tausende Datensätze von Jura-Studenten aus Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Erschienen ist ihre Analyse „Zur Benotung in der Examensvorbereitung und im ersten Examen“ in der „Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft“ (Studie als PDF). Sie fragten sich unter anderem: Was beeinflusst die Examensnote? Unterscheiden sich die Ergebnisse von Männern und Frauen? Von Studenten mit deutschem und nicht-deutschem Namen?

Das Resultat erschreckt: Frauen schneiden im Examen knapp zehn Prozent schlechter ab – bei gleichen Leistungen und Voraussetzungen. Ähnliches gilt für Studenten mit ausländischem Namen. Traxler sagt: „Wer sich ein Bildungssystem wünscht, das hinsichtlich Geschlecht und Herkunft neutral wirkt, dem sollte dieses Ergebnis Bauchschmerzen bereiten.“

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Die Mädchenmannschaft interviewt das Berliner Künstler_innenkollektiv „COVEN“:

COVEN Berlin wurde in der Küche der Gründerinnen Lo Pecado und Judy Mièl ins Leben gerufen. Nach monatelangem Reden, Lästern, Lachen und Philosophieren über das Erwachsenwerden als queere Frauen in einer patriarchalen, hetero-normativen Gesellschaft wollten wir unsere Erfahrungen teilen, den Küchentisch verlassen und uns in die öffentliche Sphäre wagen. Was zunächst als Blog begann, entwickelte sich zu einem Online-Magazin, einem Kollektiv aus Menschen mit verschiedenen Herkünften, Hintergründen und Fachkenntnissen. Zum einen kamen diese aus unseren Freund_innenkreisen, zum anderen hatten wir online zur Kooperation mit COVEN Berlin aufgerufen. Wir wurden überrascht wie viele interessante und motivierte Leute sich tatsächlich gemeldet hatten. Als wir am Anfang noch zu zweit waren, hatten wir mit Lo den theoretischen, journalistischen und inhaltlichen Teil und mit Judy den kreativen, visuellen Teil kombiniert, jedoch aufgrund des zeitlichen Aufwands eines Online-Magazins lange nicht abgedeckt. Jetzt sind wir ein multi-mediales Kollektiv, eine Gruppe von ‘Feminist Conqueerors’.


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(Lamgsames) Umdenken bei der UNO in Sachen Drogen:

„Heute hat eine Arbeitsgruppe des UNO-Büros zur Drogen und Verbrechensbekämpfung angekündigt, grundlegend neue Empfehlungen auszusprechen, welche die Strafverfolgung für Drogengebrauch in Frage stellt. Die wissenschaftliche Beratergruppe zu Drogenpolitik, Gesundheit und Menschenrechte der UNODC – unter anderem Nora Volkow, Vorsitzende des Nationalen Instituts gegen Drogenmissbrauch (NIDA) der USA – werden ihre Empfehlungen auf dem High Level Meeting der 57. Internationalen Suchtstoffkonferenz vorstellen. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe sagen “strafrechtliche Verfolgung ist nicht hilfreich” und sprechen damit den Drogengebrauch und -missbrauch an.“

Die DPA war sehr Glücklich dies zu Hören: „Es gibt einfach keine wissenschaftliche Basis in der Wissenschaft, Gesundheit oder Ethik um jemanden bloß wegen Drogenbesitzes in das Justizsystem zu verfrachten.“ so DPA Sprecher Ethan Nadelmann. „Hoffentlich helfen die Empfehlungen der UNO, den globalen Trend hin zu einem Ende der Kriminalisierung des Drogenkonsums und -besitzes. Dies würde in den Vereinigten Staaten einen enormen Unterschied ausmachen.“

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Bei Kleinerdrei wird die wunderbare Sookee zu ihrem neuen Album interviewt:

kleinerdrei: Ich könnte mir vorstellen, dass es innerhalb der linken Szene krasser ist mit der Kritik. Stimmt das?

Sookee: Ja, klar. Aber um das zu sagen: Ich halte mich immer auf dem Laufenden, lese viele, viele Blogs, schaue, was gerade thematisiert und diskutiert wird, um nicht hinter der Zeit zu sein. Ich schaue, was es für sprachpolitische Erkenntnisse gibt. Aber trotzdem habe ich auch hier keine Lust, die Maßstäbe von anderen zu erfüllen. Es müssen einfach mehr politisch motivierte Rapper*innen her und gut ist.

kleinerdrei: Das ist die Lösung?

Sookee: Ja (lacht), ganz einfach. Ich mache Workshops für Frauen/Lesben/Trans*, ich versuche, mein Wissen zu teilen und da zu unterstützen, dass Leute nachwachsen und Bock haben, sich auf die Bühne zu stellen. Ich fand’ es ja schon in der Rapszene unangenehm, eine von wenigen Frauen zu sein. Das hier ist ja die gleiche Situation und auch hier finde ich es unangenehm. Ich fände es cool, wenn es hier so wäre wie in Großbritannien.

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Mohamed Amjahid berichteg von seinen Erfahrungen mit „Racial Profiling“ und fordert: entweder wir jede_r kontrolliert oder keine_r.

Das Bundesinnenministerium möchte trotz massiver Kritik von Migrantenverbänden und Parteien an dieser Praxis festhalten. Sie erhöhe „das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden spürbar“, heißt es in einem internen Bericht des Ministeriums. Andere EU-Staaten gehen mit ihrer Gesetzgebung und Kontrollpraxis noch weiter. Als ich bei einer anlasslosen Kontrolle am Nordbahnhof von Brüssel meinen Reisepass nicht vorzeigen konnte – weil ich meinen Reisepass selbstverständlich nicht immer dabeihabe –, drohten die Polizeibeamten, wenn ich mich nicht an Ort und Stelle ausweisen könne, müsse ich 500 Euro Strafe zahlen. Nur eine lange Diskussion und mein Presseausweis brachten mich aus dieser misslichen Lage.

In bayerischen Zügen liegt meine persönliche Kontrolliert-werden-Quote bei 100 Prozent. In einem Regionalzug nach Kempten im Allgäu saßen neulich zwei weiße Amerikaner mit überdimensionierten Reiserucksäcken und deutsche Kurgäste, die sich auf ihren Aufenthalt auf der Alm freuten. Von der Bundespolizei kontrolliert wurden nur drei Passagiere: ein junger Schwarzer, ein Mädchen mit Kopftuch und ich. Bekannte erzählen mir immer wieder von Situationen, in denen sie gewaltsam festgehalten und abgeführt wurden. Viele von ihnen meiden unnötige Aufenthalte auf Bahnhöfen.

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Dem Flüchtlingskind Leonardo wurde medizinische Hilfe unterlassen, als er in einer Notlage war – und nur knpp überebte, mit einem Zehen und einem Finger weniger. Jetzt beginnt die Verhandlung:

Auch als der Junge große schwarze Flecken im Gesicht, an Armen und Beinen hatte, wollte man an der Pforte des Aufnahmelagers keinen Krankenwagen rufen. Schließlich schickte man die Familie bei winterlichen Temperaturen zu Fuß ins zwei Kilometer entfernte Dorf. Dort erbarmte sich ein Autofahrer, die Flüchtlingsfamilie zu einer Kinderärztin zu fahren, die ebenfalls in Fürth vor Gericht aussagte.

Die Kinderärztin ließ das Kind sofort in die Klinik bringen, wo das Leben des kleinen Leonardo nur knapp gerettet werden konnte. Er war an einer Meningokokkeninfektion erkrankt und blieb zwei Wochen im künstlichen Koma. Außerdem musste sich das Kind umfangreichen Hauttransplantationen unterziehen und verlor einen Zeh und einen Finger.

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Johnny Haeusler stellt fest: es ist großartig, heutzutage Musiker zu sein.

Das Netz hat mit Download- und Streaming-Plattformen nicht dafür gesorgt, dass Menschen plötzlich mehr Zeit zum Musikhören haben. Es hat aber Musik präsenter denn je gemacht und den Zugang zu ihr sehr stark vereinfacht. Und es bietet jungen Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb und beim Marketing, von denen man noch vor zehn Jahren nur träumen konnte.

Verdienstmöglichkeiten bleiben zwar eine Herausforderung, Dienstleister teuer und die Chancen auf spürbare Gewinne klein. Doch mit bewusst agierenden Unterstützern und Konsumenten, die das Shirt oder die CD direkt bei der Band kaufen und auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Vereine wie die GEMA zwar stark reformbedürftig sind, aber immer noch mehr im Sinne der Urheber agieren als Google und daher im Moment noch für Komponisten und Texter wichtig sein können, überwiegen die Vorteile beim Musikerdasein im digitalen Zeitalter.

Snowden, Heidi Klum & Flirtanleitung

Bewegt der Papst auch Frauen?, Dr. Sommer wird gekündigt, Snowden nach Deutschland, Sternenflottenkapitäninnen, Reverse Graffity, vietnamesisch-südkoreanische Heiratsvermittlungen, Bundesverfassungsschutz verletzt Urheberrechte, Napuli Langa, sexuelle und andere Vielfalt, Post-#aufschrei -Flirtanleitung, Heidi Klum und Cultural Appropriation, erzwungener Wohnungswechsel wegen 1,78€, Frauenleben in Indien, geplantes Prostitutionsgesetz und Flüchtlinge als politisches Wahlkampfkalkül.

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Die Heiratsvermittlung zwischen perspektivlosen, armen Frauen aus Vietnam und südkoreanischen Männern boomt, denn bei letzteren scheinen gebärwillige Ehefrauen Mangelware zu sein:

Die Koreaner importieren aus Vietnam nicht mehr nur Textilien und Handyteile, sondern auch junge Frauen. Die südkoreanische Regierung bietet den Vietnamesinnen kostenlose Sprachkurse und Berufsausbildungen an, zum Beispiel zur Friseurin oder Kosmetikerin. Sie verschenkt Flugtickets, damit die Frauen regelmäßig ihre Familien in Vietnam besuchen können.

Inzwischen leben bereits 50.000 vietnamesische Heiratsmigrantinnen in Südkorea. Jedes Jahr kommen Tausende hinzu. Für vietnamesische Frauen ist es eine Karriere, einen Koreaner zu heiraten.

Vietnam ist ein junges Land. Das Durchschnittsalter liegt bei 28,7 Jahren, auf den Straßen sind viele Kinder und Jugendliche zu sehen. Vietnamesische Frauen haben kein Problem damit, mehr als nur ein Kind zu bekommen.

Interessant und vor allem auch entlarvend sind die Kommentare im Forum darunter, die erstaunlich viel über die Welt/Frauen/Menschensicht der Verfasser_innen erzählt…

…und mit diesen Kommentaren im Hinterkopf zu einer ähnlich verfahrenen Situation nach Indien schaut, wo horrende Mitgiften Frauenmangel verursachen – und auch hier beginnt ein Trend, sich Ehefrauen aus den ärmeren Regionen „zu kaufen“.

Moderne Ultraschallgeräte sind heute nur noch so groß wie Smartphones. Solche Modelle werden im großen Stil aus China nach Indien geschmuggelt. 42 solcher Apparate hat die Polizei in Haryana allein im Februar beschlagnahmt, drei Abtreibungsärzte wurden verhaftet. „Der Flut von billigen Geräten wird man nicht Herr werden“, sagt Garg, der sich Sorgen wegen der langfristigen sozialen Folgen des Mädchenmangels in Indien macht. „In einigen Jahren wird der Mangel an Bräuten richtig spürbar werden.“ Schon jetzt sei der Verkauf von Bräuten von ärmeren in reichere Regionen Indiens ein ernstes Problem.

Garg hat einen Vorschlag, wie man der Abtreibung der weiblichen Föten beikommen kann. „Anstatt die Geschlechtsbestimmung von Föten zu verbieten, muss man sie in ganz Indien obligatorisch machen“, sagt er. Die meisten Schwangeren seien über das nationale Gesundheitssystem registriert. Wenn sie Rechenschaft darüber ablegen müssten, was aus ihren im Uterus heranreifenden Töchtern geworden ist, könnte das die Schwangerschaftsabbrüche stoppen. „Letztlich wird aber nur ein Umdenken und ein Bruch mit der Tradition Abhilfe schaffen“, sagt Garg.

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In der Prostitution sollen zukünftig Flatrate-Angebote gestrichen werden und alle Huren sich anmelden müssen (was gerade Zwangsprostituierten mit illegalisiertem Migrationshintergrund gaaaanz arg helfen dürfte…):

Männer können demnächst die Frau, die sie für Sex bezahlen, nach der Anmeldekarte fragen. Kann sie die vorweisen, dürfte es sich kaum um eine Zwangsprostituierte handeln.

Darüber hinaus sollen Prostitutionsstätten – Bordelle und Privatwohnungen – nach dem Willen von CDU und CSU einer „ordnungsbehördlichen Erlaubnispflicht“ unterliegen. Oder anders ausgedrückt: Ohne Schein kein Sexverkauf.

Vorgesehen ist ebenso, dass die Polizei und andere Behörden „verdachtsunabhängig“ Prostitutionsstätten betreten dürfen. Razzien sollen künftig also jederzeit und ohne Ankündigung möglich sein. Außerdem sollen sich Prostituierte regelmäßig gesundheitlich untersuchen lassen, Flatrate-Sex soll verboten werden. Auch soll eine Altersgrenze für SexarbeiterInnen eingeführt werden, sie dürfen künfitg nicht jünger als 21 Jahre sein.

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Die Sexarbeiter_innen sind, wie zu erwarten war, nicht so begeistert von diesen Ideen:

„Die Forderung der Union nach Gesundheitsuntersuchungen für Prostituierte“, sagt Gesine Agena, frauenpolitische Sprecherin der Grünen, „klingen eher nach Repression und Datensammlung, statt das Wohl der Frauen in den Mittelpunkt zu stellen.“

Auch die SexarbeiterInnen selbst befürchten weitere Repression und Kontrolle. „Die Kondompflicht in Bayern ist eine Katastrophe“, sagt Undine de Rivière, Sprecherin des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen. Die Polizei käme mit Dietrich in den laufenden Betrieb und hole die Frauen zur Kontrolle raus. „Das sind menschenunwürdige Umstände.“

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Georg Diez hat genug vom Eiertanz um die NSA
und will endlich Snowden einfliegen lassen:

Noch mal zur Erinnerung: Edward Snowden und Edward Snowden allein ist es zu verdanken, dass die Welt von den Überwachungsaktivitäten der NSA erfahren hat, seine Enthüllungen haben ihn die Freiheit gekostet und der Öffentlichkeit klargemacht, wie sehr die Freiheit generell bedroht ist.

Es ist logisch, dass man mit ihm, dem Whistleblower, dem Helden, der zentralen Figur in dieser Affäre spricht – es sei denn, man ist Abgeordneter einer der beiden großen Demokratieverhinderungsparteien.

Dann spricht man lieber von der Profilierungssucht einzelner Ausschussmitglieder, weil das eben der eitle, kleine Horizont ist, den man für die Welt hält. Dann tritt man als Ausschussvorsitzender gleich zu Beginn des Ausschussverfahrens zurück, weil man nicht will, dass Snowden, der Grund, warum es diesen Ausschuss überhaupt gibt, als Zeuge gehört wird.

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Sein Kolumnen-Kollege Jakob Augstein hat nichts weniger wichtiges zu sagen, wenn er darauf hinweist, wie rechte Politiker_innen die Flüchtlingssituation in der EU zu Wahlkampfzwecken mißbrauchen:

Jetzt beginnt man zu ahnen, dass es viele waren, die im Meer ertranken. Der neue SPIEGEL berichtet, dass die Italiener seit Jahresbeginn 18.000 Menschen von ihren Seelenverkäufern holten – tausend waren es nur ein Jahr zuvor. Bei den Flüchtenden verbreitet sich das Gerücht, dass die Chancen auf Überfahrt bei lebendigem Leib steigen. Das lässt die Zahlen noch weiter steigen. Es sollen 300.000, vielleicht 600.000 Menschen allein an den Küsten Libyens warten und nach Norden blicken.

Die Flüchtlingsfrage provoziert die Extreme

Und dahinter warten noch viel mehr. Was machen wir mit all diesen Menschen? Die Frage provoziert die Extreme. Auf der einen Seite steht Bernd Lucke von der rechtspopulistischen AfD, der die Flüchtlinge am liebsten irgendwo in Afrika – sagen wir – konzentrieren will (Lucke: „Nein, keine Lager.“) Lucke möchte ein paar Afrikaner dafür bezahlen, auf viele andere Afrikaner aufzupassen. Historisch wäre dies ein Gegenstück zur Strategie der Weißen in der Bucht von Benin, die es den schwarzen Sklavenhändlern seinerzeit überließen, die Beute aus dem Inland heranzuschaffen.

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Auch, wenn der neue Papst gerade bei Frauen viel Hoffnung auf Reformen weckte, darf man nicht vergessen, daß katholische Mühlen laaaaangsam mahlen. Aber dennoch, es bewegt sich etwas – wenn auch nicht so, wie vermutet; sind es doch gerade die Schäfchen, die dem Oberhirten eine neue Idee von Kirche vermitteln:

In dem Interview sprach [Papst Franziskus] sich auch für eine starke Rolle der Frau in der Kirche aus. „Die Räume für eine entscheidende weibliche Präsenz in der Kirche müssen weiter werden“, sagte Franziskus. Allerdings fürchte er sich vor einer „Männlichkeit im Rock“, Frauen hätten „eine andere Struktur“ als Männer. Die Kirche stehe vor der Herausforderung, über den spezifischen Platz der Frau nachzudenken, und zwar „gerade auch dort, wo in den verschiedenen Bereichen der Kirche Autorität ausgeübt wird“.

Just eine Österreicherin stellte ihn dann öffentlich auf die Probe. Bei der Vollversammlung des Dachverbandes der Oberinnen der Frauenorden wagte Martha Zechmeister den Aufstand. Die Ordensschwester der „Congregation Jesu“ und Professorin für Fundamentaltheologie an der Universität Passau stellte die These auf, im Dienst an den Armen seien Schwestern nur Gott gegenüber zu Gehorsam verpflichtet, nicht aber gegenüber der Kirche.

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Ruth Hopkins, bisher Heidi Klum-Fan, kritisiert scharf ein Fotoshooting, in dem Frauen als „Indianer“ gestylt wurden – das klassische Cultural Appropriation-Ding:

What’s particularly disconcerting about this act of appropriation is Heidi Klum should know better. For that reason I can only deduce that this act is not due to ignorance. It’s a blatant attempt to profit from white privilege. Like the GAP, Victoria’s Secret, Chanel and Ralph Lauren, Heidi is taking the low road and using Native appropriation to get attention, and she doesn’t care who she hurts in the process.

As a Native woman, I’m tired of being bombarded with negative, false imagery of who society thinks I am. For once I’d like to enjoy a fashion show, a music video, a football game or a photo spread without being singled out because of my race. It’s not just offensive, it’s discriminatory and just plain rude.

Normally this is where I ask Ms. Klum for an apology, but because this act of appropriation is so willful, any apology would ring hollow. Like many Natives, I’m tired of lip service.

Auf wiedersehen, Heidi. This is where I get off. Shame on you.

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Nicht mal der Bundesverfassungsschutz hält sich noch ans Urheberrecht:

Gut anderthalb Seiten widmet man Feine Sahne Fischfilet, das ist ungefähr so viel Platz, wie im Bericht alle Nazi-Bands des Bundeslandes zusammen einnehmen. Man kann das fast lustig finden, geschadet hat es der Reputation der bekennenden linken Band jedenfalls nicht, den Verkäufen von Platten und Konzerttickets schon gar nicht.

Nicht lustig findet das allerdings Sebastian Pohle. Er ist der Fotograf des offiziellen Pressebildes, mit dem der Verfassungsschutz seine – man kann sicher sagen: etwas unverhältnismäßige – Berichterstattung illustriert hat. Ob es als „Illustration“ dient, und wie lax der Verfassungsschutz Quellenangaben gestalten kann, darüber entschied nun das Landgericht Berlin.

Der Paragraf 45 sei für Fahndungsfotos von Axtmördern gedacht, argumentierte Pohles Anwalt. Der Verfassungsschutzbericht sei kein Instrument zur konkreten Gefahrenabwehr, das Bandfoto diene nur der Verschönerung des Berichts. Nicht jedoch, um – das gab die Verteidigung allen Ernstes zum Besten – Eltern zu ermöglichen, die Jugendzimmer-Poster ihrer Sprösslinge auf Verfassungskonformität zu prüfen.

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Von der „Bravo“ kann man ja halten, was man will – aber zumindest Dr. Sommer konnte etwas Sinnvolles zu dem Blättchen beitragen. Genau dieser Teil wird nun gestrichen:

Gekürzt wird damit ausgerechnet in dem Ressort, das immer wichtiger wird. Sicher, wer nackte Menschen sehen will, muss als Teenie heute nicht mehr auf die Fotostrecken in der „Bravo“ warten. Er holt sie sich mit zwei, drei Klicks auf den Bildschirm. Doch die Fragen, was „normal“ ist und was nicht, was man mitmachen muss und wo man „nein“ sagen darf, werden gerade in Zeiten von YouPorn und Sexting nur noch größer. Hinzu kommt: Dr. Sommer, 1969 von dem Psychotherapeuten Martin Goldstein als Pseudonym erfunden, ist das einzige Alleinstellungsmerkmal, das der „Bravo“ überhaupt noch geblieben ist.

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Baden-Württemberg findet einen Kompromiß
bezüglich sexueller – und nun auch anderer Vielfalt:

Das ist wirklich viel wert als Fortschritt – denn bislang galt Heterosexuelles als Ziel aller schulischen Pädagogik: Das Brett konnte ziemlich kräftig gebohrt werden. Denn offenbar ist sehr vielen sexuell andersgeschlechtlich orientierten Menschen die Idee nicht auszutreiben, dass sie eigentlicher, besser, naturnaher, jesusverwandter sind als Menschen, die das eigene Geschlecht sexuell bevorzugen, jedenfalls nicht in die Fahrwasser des klassischen Mutti-Vati-Musters geraten wollen.

Was man aber vermissen darf, aller leisen, sachten Bretterbearbeitung zum Trotz: Dass man sich über diese Christen erzürnt. Dass man ihnen auch laut sagt, dass ihre Fantasie vom Christentum gottlos ist und fern aller Nachfolge Jesu Christi. Weshalb ist selbst der Bischof nicht voller Zorn eingeschritten wider die Pharisäer, die, im Sinne der biblischen Logik, Gotteslästerliches tun?

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Beim Jobcenter Segeberg braucht es scheints keine 2€ Miete zu viel, damit man die Wohnung wechseln muß:

Wenn es nicht so traurig wäre, man müsste lachen: Eine Umzugsaufforderung wegen 1,78 €. Genau für Fälle wie diesen hat der Gesetzgeber in weiser Voraussicht in das Gesetz geschrieben: “Eine Absenkung der nach Satz 1 unangemessenen Aufwendungen muss nicht gefordert werden, wenn diese unter Berücksichtigung der bei einem Wohnungswechsel [Anm.: vom Jobcenter und damit dem Steuerzahler] zu erbringenden Leistungen unwirtschaftlich wäre” (§ 22 Abs. 1 Satz 4 SGB II). Was aber kann unwirtschaftlicher sein als ein Umzug wegen einer Ersparnis von 1,78 € im Monat?

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Für die armen Männer, die nach #aufschrei nicht mehr wissen, wie oder ob man noch flirten darf, gibt’s hier Hilfe:

Eine wichtige Nachricht für alle, die sich mit der Unterscheidung von Flirt und sexueller Belästigung bisher schwer taten, bringt der „Guardian“ in seiner Online-Ausgabe: Flirten ist nicht gleich Belästigen. Für jene, die sich mit der Trennung der beiden Sphären bisweilen schwer tun, hat Autorin Laura Bates einen Leitfaden verfasst.

So heißt eine Frage in ihrer Checklist: „Könnte die Art und Weise, in der ich mich anzunähern versuche, die Person verängstigen oder erschrecken?“. Weitere Punkte sind: „Hat die Person mit bereits klar gemacht, dass sie an meinen Annäherungen kein Interesse hat?“, „Macht die Geschwindigkeit, in der mein Fahrzeug sich bewegt, jede Antwort unmöglich?“, „Ist diese ‚Annäherung‘ in Wahrheit nur eine gebrüllte und ungebetene Bewertung von Attraktivität/Körper/Genitalien dieser Person?“, „Macht der Kontext dieser Situation (z.B. ein Bewerbungsgespräch) direkte Annäherung beleidigend oder unangemessen?“ und schließlich: „Bin ich, angesichts aller dieser Punkte, einfach nur ‚a bit of a dick‘“?

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Napuli Langa
ist nun von der Platane heruntergekommen:

Monatelang hatte Integrationssenatorin Kolat zwischen Flüchtlingen und Senat vermittelt und eine Vereinbarung ausgehandelt. Die Stadt versprach Unterkunft und Einzelfallprüfung – im Gegenzug sollten die Flüchtlinge das Protestcamp freiwillig räumen. Nicht alle stimmten dieser Vereinbarung zu. Darunter Napuli Langa. Während andere Flüchtlinge mithalfen, das Camp niederzureißen, kletterte sie mit ein paar anderen auf einen Baum. Schon bald war sie dort allein.

„Napuli ist eine zentrale Figur des Protestes“, sagt Aslı Özarslan. Die Filmemacherin hat die Aktivistin vier Monate lang begleitet, in zwei Wochen kommt ihre Doku Insel 36 in die Kinos. Alle Flüchtlinge im Camp seien mit ihren Problemen zu Napuli Langa gekommen, sagt Özarslan. An diesem Samstagabend ist Özarslan zum Oranienplatz gekommen, um zu sehen, wie es der Protagonistin ihres Films geht. Sie muss feststellen – nicht gut.

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Die Stadt Köln sieht in Reverse Graffity (d.h. in verdreckte Flächen Dinge „einputzen“) ein anzeigenswertes Problem – darauf ein offener Brief der Grünen Jugend:

wie wir aus Medienberichten erfahren haben, gibt es den Plan, sogennte “Reversegraffiti” zur Anzeige zu bringen, da durch das gezielte Reinigen von öffentlichen Flächen Kosten enstehen, weil der Rest der Fläche hinterher ebenfalls gereinigt werden muss. Dazu stellen wir uns einige Fragen, um deren Beantwortung wir bitten:

1. Ist das private Säubern von Flächen Ihrer Meinung strafbar? Wann werden Einwohner*innen der Stadt Köln darüber informiert, dass sie ihre eigenen Wohnungen nicht mehr säubern dürfen?

2. Wann möchte die Verwaltung endlich Rußpartikel und deren Erzeuger*innen sanktionieren?

3. Ist die Verwaltung der Meinung, dass städtische Straßenreinigung durch ihre Maßnahmen zur städtischen Sauberkeit Kosten entstehen lässt, da die anderen Flächen hinterher dann ebenfalls sauber gemacht werden müssen?

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Und last but not less cool: eine visuelle Auflistung aller weiblichen Sternenflottenkapitänen, bishin zu unser aller liebsten:
Cpt. Favourite
<3

3-/4-/5-gliedrige Inklusion! Für alle!

Anfangs gleich ein Outing: ich bin Fan des dreigliedrigen Schulsystems. So, jetzt haut mich.

Damit meine ich allerdings nicht „3 getrennte Schulen“ mit verschiedenen Gebäuden, verschiedenen Klassen, verschiedenem Ansehen, verschiedener Förderung.
Sondern die zugrundeliegende Idee, die inzwischen längst verkümmert ist, bevor sie wachsen konnte: grob gesagt, die Aufteilung in handwerklich/verwaltungstechnisch/akademisch orientierter Bildung. Die Kinder in ebenjenem Talentbereich fördern, der dem jeweiligen Individuum angemessen ist, bzw. wo Interesse und Begeisterung vorhanden ist.

„Dreigliedriges Schulsystem“ – das ist sowieso Heuchelei pur, mal ehrlich.
Gymnasium, Realschule, Hauptschule. Drei. Ach ja, und dann noch die Unaussprechlichen, die nicht zählen, mal wieder wer, der „mitgemeint“ ist. Die kommen dann in die Sonderschule. Halt, moment – Förderschule sagt man jetzt. Das alte Wort klang doch zu sehr nach „aussondern“ (Nachtigall, Dein Trapsen war zu laut). „Förderschule“ klingt in der Tat wesentlich besser (das Vögelchen trampelt jetzt leiser).

Aber auch das impliziert, daß nur eine bestimmte Gruppe so schwach/behindert/behindernd/wtf/whatev ist, daß sie getrennt gefördert werden muß (und: es vermittelt den vermeintlich Stärkeren auch, daß sie evtl. nicht/weniger gefördert werden, sondern das selber wuppen müssen, notfalls Privatnachhilfe. Man sieht ja, was mit Leuten geschieht, die nicht ins System passen, da wirste dann aus dem Klassenverband aussortiert. Wertevermittlung deluxe also, und pädagogisch bestimmt wertvoll für eine unbeschwerte Kindheit und so…) Und auch ob, bzw. inwiefern die Änderung der Bezeichnung sowieso nur Deko fürs PC-Gewissen ist. Worte sind wichtig, aber unsere Lebenswelt besteht nunmal aus mehr. Lippenbekenntnisse allein haben noch in den allerseltensten Fällen was verändert, also ich tät mich ja nicht darauf allein verlassen.
(mehr…)

Oury Jalloh, Constanze Kurz & Mean Mary

Kindergarten-Nazis, Klassenvielfalt im Klassenzimmer, Aufklärung im Fall Oury Jalloh, Menschenhandel, Spielzeugpräferenz nicht biologisch, Gewalt gegen Bahnsexurity, Constanze Kurz zu Überwachung, Transphobie, Mean Mary & her Banjo, Sexualisierte Gewalt bei der Ivy League, Cyberübergriffe und neue Frisurenordnung bei der US Army.

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Cyberstalking und zu sorgloser Internetumgang bei Portalen werden auch für Frauenhäuser immer mehr zum Problem:

Schleswig-Holsteins Chefdatenschützer Thilo Weichert betonte, dass Aufklärung und Medienkompetenz wichtig seien. Hier seien öffentliche Stellen wie Polizei, Datenschutzbeauftragte, Beratungsstellen gefragt. Er kritisierte Facebook, das gezielt um Kinder und Jugendliche werbe.

Opfer des Internets können auch die Frauenhäuser selbst werden: Internetdienste oder regionale Portale listen die Gebäude – die eigentlich streng darauf achten, ihre Anonymität zu wahren – mit voller Adresse auf oder zeigen den Standort in einer Karte an. „Es ist hochgradig schwierig, das löschen zu lassen“, so Anita Brüning vom Frauenhaus Norderstedt. Gerade die großen Anbieter wie Facebook oder Google reagierten selten auf diese Bitten. „Denen ist der Schutz völlig egal“, sagte Astrid Ackermann.

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Candytechno über Transphobie auf Sexparties:

Unfassbar dass direkt darunter steht dass mensch die sexpraktiken anderer nicht verurteilen sollte und bei missfallen wegsehen kann. (AUSSER BEI EINEM “PENIS”!!!!!!!! DA KANN ICH UNMÖGLICH WEGSEHEN!!!! AU!!!! EIN “PENIS”! AHHH!) Hier wird sicherlich (auch) auf BDSM angespielt. In dem fall ist es erst recht absurd: Eine BDSM szene kann triggern weil es sich um eine konsensuale handlung handeln kann die andere möglicherweise genauso selbst erlebt haben jedoch nicht-konsensual. Eine solche szene zu sehen kann die erinnerung an selbst erlebte situationen wecken und daher triggern. Die verantwortung dafür sich nicht triggern zu lassen wird hierbei den zuschauenden überlassen.

Beim thema genitalien wird übergriffig und transphob definiert wer “als männlich gelesene” genitalien besitze (und wer nicht) gleichzeitig wird die definition niemals deutlich ausgesprochen oder per bild oder gif dargestellt. Es wird davon ausgegangen dass alle wissen welche genitalien “als männlich gelesen” werden. Diese personen sollen sich und ihre genitalien verstecken. Ihnen wird die verantwortung für den cis sexismus den die anderen teilnehmenden evtl internalisiert haben in die schuhe geschoben. Der gedanke dass die genitalien der leute die sich verstecken sollen von anderen als erotisch und begehrenswert empfunden werden findet hier keinen platz. Gleichzeitig werden “alle körperlichkeiten” mit “respekt” überschüttet sodass wut oder empörung über diese formulierung verunmöglicht wird.

Vag*

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Mißbrauchsopfer in amerikanischen Eliteuniversitäten wehren sich gegen sexualisierte Gewalt – während die Unis das lieber unter den Tisch kehren würden:

Der jungen Studentin wurde gesagt, sie könne den Fall an der Uni zwar eröffnen, aber vermutlich würde er fallengelassen. Dieses Risiko war ihr zu groß, wie sie schreibt. Sie habe Angst gehabt, dass dem Täter offiziell Recht gegeben würde. Zuletzt hatte sie zumindest erreichen wollen, dass der junge Mann das Haus wechselt. Doch auch diesem Wunsch sei die Uni nicht nachgekommen.

Scott Berkowitz, Gründer der Organisation RAINN (Rape, Abuse and Incest National Network), sagte dem Fernsehsender ABCNews, dass derlei Vorgehen der Hochschulen typisch sei. Er könne nicht beurteilen, ob sich die Uni in diesem speziellen Fall falsch verhalten habe, aber die Vorwürfe der Harvard-Studentin würden vielen anderen gleichen.

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Mean Mary playin‘ Cripple Creek!

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Schöner Artikel im New Scientist, in dem ein für allemal klargestellt wird, warum Spielzeugpräferenzen von Kindern eben NICHT biologisch bedingt sind:

Newborn boys and girls, untouched by the forces of gender socialisation, supposedly show stereotypical preferences for looking at hanging mobiles versus faces, respectively. And, we are told, girls with congenital adrenal hyperplasia (CAH), who are exposed to unusually high levels of testosterone in the womb, prefer „boy toys“.

But these findings are far less compelling than they appear. For instance, if the preference of female rhesus monkeys for stuffed animals shows that love of dolls is „innate“ in girls, what do we make of the fact that the favourite toy of male vervet monkeys was a stuffed dog, which they played with more than a third longer than a toy car?

Recent experiments, more methodologically rigorous than the much-cited mobiles versus faces newborn study, found no sex differences in the preferences of babies for looking at objects versus faces. Both preferred the latter to an equal extent. And girls with CAH – born with atypical or masculinised genitalia, who undergo intensive medical and psychiatric intervention and have physical characteristics inconsistent with cultural ideals of feminine attractiveness – may be more willing to play with „boy toys“ because of unconsidered effects of the condition on their psychosexual development, rather than because their brains have been „wired for wheels“.

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Die neue Frisurenordnung der US-Armee stellt besoders für Afroamerikaner_innen ein Problem dar:

Feldwebel Jasmine Jacobs hat nun eine Petition an das Weiße Haus gestartet, um die strengen neuen Regeln zu kippen. Mehr als 10.000 Unterstützer hat sie schon. Jacobs trägt zwei am Kopf entlang geflochtene Zöpfe und erklärte der Zeitung „USA Today“, sie sei nun ratlos, was sie künftig mit ihrem Haar anfangen solle. „Meine Frisur entsprach den bisherigen Regeln. Sie hat mich beim Tragen eines Helms nie behindert.“

Laut „Washington Post“ kommt die neue Dienstvorschrift genau zu einer Zeit, in der immer mehr afroamerikanische Frauen zum natürlich krausen Look zurückkehren. Die Zahl derer, die ihre Haare künstlich glätten, sei auf 30 Prozent gesunken. Der Absatz von chemischen Glättungsmitteln habe in den vergangenen fünf Jahren um 26 Prozent nachgelassen.

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Menschenhandel – Interview mit Jes Richardson, direkt davon betroffen:

Der erste Schritt ist, eine Brücke der Verständigung, des Mitgefühls, der Liebe und Demut zu bauen. Wie können wir zwei Gruppen vereinen, ohne ein tiefes Verständnis der Erfahrungen und Meinungen der jeweils anderen zu haben? Anti-Menschenhandels-Organisationen und Einzelpersonen sind mit der Behauptung, dass die GESAMTE Prostitution Menschenhandel oder Sklaverei ist unglaublich verletzend gewesen und Sexarbeiter*innen entgegnen mit einer entsprechend starken Meinung. Wir alle müssen die Erlaubnis haben, zu wachsen und unsere Ansichten zu ändern, niemand von uns ist perfekt und es gibt keine Erfahrungen, die identisch sind; wir müssen voneinander lernen. Selbst meine eigene Sprache hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, weil ich immer mehr verstanden habe. Ich bin eine Expertin in meinen eigenen Erfahrungen und ich verstehe, dass andere Menschen zwar das gleiche Label haben, dass aber ihre Erfahrungen ganz anders sein könnten als meine eigenen. Beide Seiten müssen unvoreingenommen an einen hypothetischen Tisch kommen, aufrichtige Entschuldigungen müssen gegeben und angenommen werden und dann können wir uns als ein kollektives Ganzes voranbewegen.

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Wie umgehen mit Nazinachwuchs im Kindergarten?

Im Rahmen des Projektes „Eltern stärken“ bietet [Eva Prausner] seit vergangenem Jahr Seminare für Erzieher aus Berlin und Brandenburg an, weil es zunehmend Nachfragen aus Kindertagesstätten gibt. Den Erziehern waren bei Eltern umstrittene Symbole wie Runen-Tattoos oder Zahlencodes auf T-Shirts aufgefallen. Ein Kursteilnehmer erzählte ihr, dass ein rechtsextremes Elternpaar forderte, keine Fotos zu machen, auf denen das eigene Kind mit einem Kind anderer Herkunft zu sehen sei. „Es ist besonders wichtig, dass sich der Kindergarten ein Leitbild gibt. Also sich darauf festlegt, dass rechtsextreme Ideologie nichts in der Einrichtung zu suchen hat. Dies muss auch den Eltern kommuniziert werden“, sagt Prausner. Manche Kitas hätten sich sogar mittlerweile entsprechende Hausordnungen gegeben.

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Warum der Fall Oury Jalloh endlich gründlich und ohne Tabus untersucht werden muß:

Im Fall Oury Jalloh gehen dessen Freunde schon lange davon aus, dass er sich nicht selbst angezündet hat, sondern ermordet wurde. Für die Ermittler war dies bisher undenkbar, nun scheint sich das Tabu etwas zu lockern.

Doch auch wenn nun hoffentlich alle naheliegenden Fragen gestellt werden, dann gelten am Ende doch rechtsstaatliche Grundsätze. Nur weil die Selbsttötung Jallohs unwahrscheinlich war, ist ein Mord von Polizisten oder Dritten noch nicht bewiesen.

So könnte es zwar sein, dass Polizisten Jalloh misshandelt haben und dann durch einen Brand in der Arrestzelle die Spuren verwischen wollten. Naheliegend ist das aber keineswegs. Polizisten haben genug Erfahrung, Verletzungen auf der Polizeiwache zu erklären, gerade bei einem betrunkenen und aggressiven Mann. Es ist abwegig, dass sie deshalb einen Mord begehen, der soviele Fragen aufweist und sie erst recht verdächtig macht.

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Gewalt bei der Bahn – trifft auch die Bahn Security immer mehr:

Es ist einer der schwersten Vorfälle der vergangenen Monate, doch die Zahl der Übergriffe gegen Mitarbeiter der Bahn steigt seit Jahren stetig an. 2013 erreichte sie einen neuen Rekord: Ganze 1199-mal wurden Sicherheitsleute und Zugbegleiter Opfer von Körperverletzungen. Das geht aus dem Sicherheitsbericht hervor, den die Bahn an diesem Mittwoch vorstellen wird. Im Jahr zuvor waren es noch etwa 200 Vorfälle weniger gewesen. Es scheint ein gesamtgesellschaftliches Phänomen zu sein, auch Übergriffe gegen Polizisten nehmen zu. Bei der Bahn ist man dennoch alarmiert über den 20-prozentigen Anstieg. „Unsere Kollegen sind kein Freiwild“, sagt Gerd Becht, der im Konzernvorstand für das Thema Sicherheit zuständig ist. „Wir dulden keine Gewalt.“

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Über G8/9, Stadtteilschulen und Vielfalt im Klassenzimmer:

Für meine Kritik liefere ich jetzt noch ein paar Zahlen nach: Dem aktuellen Run auf die Gymnasien schadet es nämlich ganz offensichtlich nicht, dass das Abitur in acht Jahren den Kindern (zumindest nach Ansicht von uns Eltern) extremen Stress aufbürdet: Obwohl sich eine deutliche Mehrheit in einer Umfrage des Hamburger Abendblatt gegen G8 ausgesprochen hat, steigen die Zahlen der Anmeldungen, anstatt zu sinken. Die Angst vor dem Stress für die Kinder scheint immer noch kleiner zu sein als die Angst davor, dass das eigene Kind auf eine Schule geht, auf die jeder gehen kann.

Das wirklich Unangenehme an dieser Situation ist, dass sie für jeden Einzelnen unlösbar ist, während wir aber alle einzeln und allein sind. Denn als Eltern haben wir letztlich immer nur unsere eigenen Kinder im Blick, und so gehört sich das meiner Meinung nach auch. Ich bin sehr für die Lösung gesellschaftlicher Probleme, für Integration und Toleranz und alles mögliche andere, aber da, wo ich wohne, ist das ein Bekenntnis, das tatsächlich Folgen hat.

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Jakob Augstein interviewt Constanze Kurz
vom CCC:

Wieso sähen Politiker aus dem Osten, z.B. Merkel und Gauck, die die Einschränkungen der Freiheit erlebt hätten wie Constanze Kurz, die Bedrohungen nicht, die sich durch diese Entwicklungen für die Freiheit und die Menschenrechte auftun, sorgte sich Jakob Augstein. Constanze Kurz meinte dazu, die sähen das durchaus, aber die hätten eigentlich keine Wahl, denn sie hätten weniger Furcht vor dem „Abschnorcheln“ ihrer Daten als davor von wichtigen Daten abgeschnitten zu werden. Eine interessante Perspektive.

Allerdings sei es doch ziemlich „schräg“, wenn die deutsche Wirtschaft beginne, ihre „Überwachungssorgen“ .zu artikulieren, meinte Augstein, aber Constanze Kurz schränkte ein, dass die großen Wirtschaftsverbände eher USA-dominiert seien. Kontinentale Netze seien keine Lösung meinte Constanze Kurz. Wir alle nutzten die USA-Anbieter.

Porn Studies, Vorratsdatenspeicherung & LSD-Therapie

Impostorsyndrom, Europarat will schwedisches Prostitutionsmodell, therapeutischer Nutzen von LSD, Porn Studies, gestrichene Deutschkurse für Migranten, Alltagsrassismus, Veränderung und Wandel, Bye-Bye Vorratsdatenspeicherung, Flüchtlingsdatenprojekt und Freedom’s just another word for nothing left to lose.

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Passiert nicht oft, aber den Spiegel kann man diese Woche wegen der Titelgeschichte ziemlich empfehlen.
Perfekt ist der Artikel nicht, aber er trägt zur Entspannung bei, besonders nach PorNo und vor allem der Edathy-Affäre. Schließlich ist es wünschenswert, daß ein Prüderiebacklash verhindert wird, bevor er zu große Ausmaße annimmt.
Lesenswert, diskutierenswert!


Screenshot aus d. aktuellen Onlineausgabe

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Antje Schrupp über cambiamento e trasformazione, „Veränderung“ und „Wandel“ :

Mir wurde bei dieser Unterscheidung klar, warum ich so vieles von dem, was medial gesendet wird, so unglaublich langweilig finde: Es wird so oft in höchster Aufgeregtheit über cambiamentos geplappert, während kaum jemand die Perspektive einnimmt, gegenwärtige trasformaziones informativ zu begleiten.

Auch was “revolutionäre” Politik betrifft, so ist diese Unterscheidung interessant. “Revolution machen” wurde bisher meist als strategische Herbeiführung von Veränderungen verstanden (Regierung absetzen, neue Regierung inthronieren) während meiner Ansicht nach zu wenig Aufmerksamkeit auf den Prozess der Transformation gelegt wurde (ich glaube, das war es auch, was hinter meiner Kritik an Žižek steht).

“Transformative” Politik, meint Annarosa, bedeutet nicht in erster Linie das Herbeiführen von Veränderungen (à la Frauenquote, Regierungswechsel, neues Gesetz für dieses und jenes), sondern die praktische_denkerische Begleitung eines Transformationsprozesses, den man weniger aktiv “herbeiführt” als vielmehr passiv “erleidet”, doch genau durch dieses sich Einlassen ergeben sich Handlungsoptionen, die dann dafür bedeutsam sind, in welche Richtung dieser Prozess geht, zum Besseren oder zum Schlechteren.

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Wichtig! Datenprojekt zu Flüchtlingsschicksalen:

Das Projekt „The Migrants‘ Files“, das eine Arbeitsgruppe europäischer Journalisten unter anderem von der Neuen Züricher Zeitung, El Confidencial und Le Monde diplomatique erarbeitet hat, ist genau deshalb so wichtig. Die Journalisten haben einen detaillierten Datensatz zu Todesfällen und Vermisstenmeldungen zusammengestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, inklusive Graphiken, Texten und vielen Hinweisen auf die Primärquellen. Auch hier geht es um Zahlen, doch sie erzählen die ganze grausame Geschichte.

Im Mittelpunkt steht die Zahl 23 000. So viele Menschen sind den „The Migrants‘ Files“ zufolge seit dem Jahr 2000 auf dem Weg nach Europa ums Leben gekommen oder als vermisst gemeldet worden, viel mehr als bisher angenommen. Es ist diese Zahl, die das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt und nicht nur ein Detail. Darüber hinaus widmeten sich die Journalisten aber auch den veränderten Migrationswegen, geben Einblick in die „Dynamik der Migration“.

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Neverending Alltagsrassismus
, weltweit:

“ I am willing to show #Asian community I care by introducing the Ching-Chong Ding-Dong Foundation for Sensitivity to Orientals or Whatever – „

Suey Park, eine Asian-American Twitter-Aktivistin und Autorin, nahm diesen Witz zum Anlass, das Hashtag #cancelColbert zu starten, um sich gegen Alltagsrassismus zu wehren. Schon in der Vergangenheit hatte sie mit #notyourasiansidekick zu einer Diskussion über Rassismus gegen AsiatInnen beigetragen. Grund genug für die Huffington Post mit ihr per Google Hangout über den Vorfall zu sprechen. Der Interviewer jedoch war wenig respektvoll – er nannte Parks Meinung „dumm“, was entscheidend zur Eskalation beitrug.

Sie brach das Interview ab und machte ihrem Ärger auf Twitter Luft. #CancelColbert gab das noch mehr Auftrieb. Was folgte, waren Androhungen von Mord und Vergewaltigung gegen Park, noch mehr Rassismus und ein veritabler Shitstorm. Ein lesenswerter Artikel zeigt einen möglichen Grund, warum die Reaktionen gegen Park so heftig waren: Die Medien seien laut werdende, mächtige Asiatinnen nicht gewohnt.

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An ein derart deutliches Zeichen hatte ich ja eigentlich schon nicht mehr geglaubt, aber ich irre mich hier gern: die EU kippt doch tatsächlich die Vorratsdatenspeicherung!

Wer nun weitermacht und immer noch die Vorratsdatenspeicherung fordert, so wie Innenminister Thomas de Maizière, hat die Richter missverstanden. Denn die haben Datensammlung zwar nicht vollständig verboten, aber nur als letzten Ausweg erlaubt, unter strengsten Vorgaben, wenn sie unbedingt notwendig ist.

Ist es wirklich notwendig, für alle Bürger detaillierte Profile anzulegen? Davon kann keine Rede sein. Beweise für die Notwendigkeit sind die Scharfmacher bisher schuldig geblieben. Studien legen sogar das Gegenteil nahe. Weil aber vernünftige Polizeiarbeit besser geeignet ist, Straftaten aufzuklären und öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, gilt: Die massenhafte Überwachung Unschuldiger ist unverhältnismäßig, der Generalverdacht eine Beleidigung für jeden Bürger.

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Natürlich könnte man die Kohle für aufwendige Überwachungsmaßnahmen auch anderweitig verwenden, zum Beispiel in Deutschkurse. So von wegen direkte Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, Integration, innenpolitisch friedliche Zustände, weniger Sozialleistung vonnöten… solch Zeugs eben… ahem.

Die TeilnehmerInnen lernen auch, Bewerbungen zu schreiben und können ein Praktikum machen, mit dem Ziel, die Chancen auf eine Ausbildung und Integration in den Arbeitsmarkt zu erhöhen. „Ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist ein Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt sehr schwierig“, sagt Anja Göldenitz vom Schweriner Netzwerk Arbeit für Flüchtlinge. „Das Streichen der Kurse bedeutet einen Rückschritt in der Migrationsförderung in Deutschland.“

Hintergrund für den Antrags-Stopp ist das Auslaufen der Förderperiode des Europäischen Sozialfonds Ende 2013. Für das Sprachkurs-Programm standen laut Bundesarbeitsministerium 230 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Nachfolgeprogramm startet erst 2015. Eigentlich sollte bis dahin noch Geld da sein: Noch im Januar wurden die Träger vom BAMF informiert, dass Kurse bis Ende September beginnen könnten. „Damit soll ein möglichst lückenloser Übergang zwischen den beiden Förderperioden sichergestellt werden“, hieß es in dem Schreiben.

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That’s the spirit!

Rock on

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In Solothurn wird an einer der wenigen Orte überhaupt am therapeutischen Nutzen von LSD geforscht:

Die Substanz selbst ist beim Therapieprozess nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. „LSD ist kein Angstlöser, es wirkt auf den ganzen Menschen. Es führt zu einer existenziellen Begegnung des Menschen mit sich selbst“, sagt Gasser. Die Therapie zielt deshalb auch darauf ab, den Patienten tiefe Einblicke in sich selbst zu geben. „Mit LSD gelangt man schnell an die entscheidenden Punkte“, sagt Gasser. Als Therapeut gibt er seinen Patienten nichts vor, weder eine Richtung noch ein Ziel. „Ich bin nur das Kabinenpersonal“, sagt Gasser, „Piloten sind die Substanz und der Patient.“

Wohin die Reise in den Rausch führt, weiß vorher niemand. Genauso wenig, ob die intensiven Erfahrungen der Patienten angenehm sind oder Schlechtes an die Oberfläche bringen. Beides sei Bestandteil des LSD-Trips, sagt Gasser, und lasse sich in der Nachbereitung auffangen.

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Der Europarat will einen gesetzlichen Umgang mit Prostitution nach schwedischem Modell. Nicht gut.

Der Europarat ermahnt die Regierungen in Europa zu mehr Engagement gegen Menschenhandel und Prostitution. Als Vorbild nannten die Abgeordneten Schweden, wo der Kauf von Sexleistungen verboten ist. Der Kunde wird bestraft, die Prostituierte aber bleibt straffrei. Der Menschenhandel mit Frauen sei in Schweden seither stark zurückgegangen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Ein generelles Verbot der Prostitution lehnte die Versammlung indes ab. Dies verschlimmere häufig die Situation der Opfer von Menschenhandel, hieß es in der Debatte.

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Die Femgeeks sprechen über das Impostor Syndom

Impostor Syndrome bezeichnet eine Situation in der sich eine Person wie ein_e Betrüger_in fühlt, da sie denkt, dass ihre Leistungen und Fähigkeiten bei weitem nicht so gut sind, wie die der Personen um sie herum. Für gewöhnlich sind ihre Leistungen aber (mindestens) genau so gut und die Person hat unrealistisch hohe Anforderungen an sich selbst, nicht aber an andere. Dies tritt besonders dann in Erscheinung, wenn die eigene Arbeit konstant von anderen begutachtet wird, zum Beispiel in der Open Source Entwicklung oder im akademischen Bereich.

Oftmals kommt diese Einschätzung der eigenen Fähigkeiten mit dem Gefühl, dass irgendwann alle herausfinden werden, wie unfähig man wirklich ist. Obwohl die damit verbundenen Gedanken und Gefühle prinzipiell jede_n das ein oder andere Mal überkommen können, kommt das Impostor Syndrome häufig bei Frauen vor. Es spielt vor allem in Bereichen wo Frauen eine Minderheit darstellen eine Rolle und ist daran beteiligt, dass sie sich weniger oft einbringen. Ich nehme an, dass dies auch für andere Minderheiten zutrifft. Wenn sich betroffene Personen einbringen, ist dies oft mit höherem Stress verbunden und im schlimmsten Fall können die Selbstzweifel in Kombination mit anderen Faktoren (z.B. Belästigung, Diskriminierung) Anlass dazu geben die Umgebung zu verlassen.

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