Steinigung, Oranienplatz & #Aufkotz

SPD und (Nicht-)Bezahlung ihrer Praktikant_innen, Underdog Fanzine interviewt E*Vibes, Zwischenstand Oranienplatz, Ladyifest Kiel, Lesbe fordert Steinigung, #aufkotz, Schwarzer vs. Zeit, Mars vs. Venus und „Riot, don‘t diet!“

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Der Zwischenstand bei den Flüchtlingen vom Oranienplatz:

Die vor knapp einer Woche vom Senat präsentierte Einigung mit den Flüchtlingen vom Oranienplatz wird von diesen mehrheitlich abgelehnt. Das Schriftstück sieht vor, dass die 467 Flüchtlinge den Oranienplatz räumen und aus der besetzten Schule ausziehen. Dafür wird ihnen „umfassende Einzelfallprüfung“ zugestanden. Der Sprecher der zuständigen Senatorin Dilek Kolat (SPD) hatte der taz erklärt, dies sei der „rechtliche Rahmen, über den wir nicht hinaus können“. Laut Mauer ist das jedoch nur das, worauf ohnehin jeder Anspruch hat. Nur die Zusage, ein Unterstützungsteam einzurichten, das die Flüchtlinge in ihren Einzelfallverfahren begleitet, sei ein echtes, positives Angebot.

Zudem sieht der Flüchtlingsrat viele nicht genutzte Möglichkeiten. „Ein Bleiberecht wäre möglich über Paragraf 23, Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes. Der besagt, dass die oberste Landesbehörde aus humanitären Gründen einer bestimmten Gruppe von Ausländern Aufenthalt geben kann“, erklärt Mauer. Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hält in einem Gutachten für die Linke-Abgeordnete Halina Wawzyniak fest, dass die Landesbehörden mit diesem Paragrafen eine weiten politischen Spielraum haben, zur „Wahrung der politischen Interessen“ Aufenthalt zu gewähren.

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Das Underdog-Fanzine hat e*vibes interviewt:

Diskriminierung und die Verletzung persönlicher Grenzen sind alltägliche Praxis in unserer Gesellschaft. Was muss sich ändern und mit welchen Methoden soll das erreicht werden?
Malte: Ich würde da vor allem Sensibilisierung und theoretisches Verstehen verknüpft mit dem praktischen Bewusstmachen und Reflektieren von Herrschaftsmechanismen nennen. Das Wahrnehmen, Formulieren und Reagieren auf die Grenzen anderer sowie der eigenen Grenzen. Und dann natürlich Bildung beziehungsweise Weiterbildung und das nicht nur im Sinne von ganz viele Texte gelesen haben und wiedergeben können.
Gloria: Obwohl ich da immer mit anhängen würde, dass es dann trotzdem bei einem Auffangen oder Stillstand bleibt. An sich soll es darum gehen, Machtverhältnisse zu ändern, beziehungsweise Herrschaft zu überwinden und nicht nur dafür zu sensibilisieren, nur: mit welchen Methoden soll das erreicht werden?
Malte: Das geht natürlich auch nur über individuelle Reflexion und Verhaltensänderungen. Es kann nicht alles auf einen imaginären „Tag der großen Revolution, den wir sowieso nicht mehr erleben werden“ verschoben werden. Als ob an diesem „Tag“ dann auch jegliche Diskriminierung wie vom Erdboden verschluckt wäre.
Gloria: Und trotzdem reicht das individuelle Sensibelsein nicht. Das Leid der Betroffenen muss dazu noch kraftvoll öffentlich gemacht werden, damit sich Veränderungen auch in Institutionen und Strukturen niederschlagen!

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Schwarzer vs. ZEIT:

In der Tat schreibt Schwarzer auch über ökonomische Themen. Richtig ist aber auch, dass die größeren Kampagnen Schwarzers oft mit Körperpolitik zu tun haben – Pornografie, Prostitution oder auch die Körperpolitik im Islam. Kampagnen für gleichen Lohn oder gegen Minijobs dagegen fehlen.

Wo Niejahr allerdings falsch liegt: Die Frauenbewegung in Deutschland ist etwas anderes als Alice Schwarzer und Emma. Und diese Bewegung kümmert sich seit Jahren um ökonomische Themen. Hilfe ist also in Sicht: Elisabeth Niejahr könnte sich ihr leichten Herzens anschließen. Doch eines verbindet die Journalistin in dieser Sache mit ihrer Gegnerin: Einfache Attacken sichern einfach mehr Aufmerksamkeit.

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Mars vs. Venus:

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„Riot, don‘t diet!“
Und wie empowernd das sein kann:

Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich die Kraft, die ich ins Dieting investierte, auch einfach für den Ausdruck meiner [politischen] Wut verwenden könnte. Oder für andere Dinge, die mir gut tun. Durch Kleidergröße 36 würde ich dem System alles andere als den Mittelfinger zeigen, dabei war mir doch genau danach. Dieser Moment machte mir Mut, die Norm als schmerzhaft und unterdrückend zu erkennen und ihr nicht mehr entsprechen zu wollen. Mut für Subversion. Mut für: Mein Körper ist fett, ich habe keine Lust mehr, mich klein und unsichtbar zu machen, gewöhnt euch einfach an meine Speckrollen, ich schulde euch keinen flachen Bauch!

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Es gibt ja immer noch Leute, die meinen, Homosexuelle gehörten gesteinigt. Was passiert, wenn man sie mal direkt dazu auffordert:

The church then later replaced the sign with one that read „Jesus would stone homos,“ along with „Stoning is still the law“ and Bible verses Matthew 5:17-19, Deuteronomy 17:5-7, Leviticus 20:13 and John 8:1-11.
In response, Lopez knocked on the church’s front door this week and informed the man who answered that she was there for her stoning. „I saw your sign and I‘m here for my stoning, I‘m a lesbian,“ Lopez informs the man in the video below, which Lopez posted on her Facebook.

The man, who seems a bit unsure as to what he should say, ultimately tells Lopez that he doesn‘t have any stones but she should come back the next day.

Was ein bißchen doof ist: man braucht anscheinend einen FB-Account, um das Video sehen zu können :(

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Die SPD streitet zwar offiziell für gerechte Entlohnung von Praktikant_innen – erteilt selbst aber lieber Absagen, statt anständig zu vergüten:

Politikstudent Tim Schlüter war empört. In einer offiziellen Mail wandte sich der Juso an seinen Vorsitzenden Sigmar Gabriel und an Andrea Nahles, der Ton des Schreibens ist eindeutig: Als „langjähriges Mitglied der SPD“ will sich Schlüter über das „nicht nachvollziehbare Verhalten der parlamentarischen Staatssekretärin Brigitte Zypries“ beschweren. Bei ihr hatte sich der 27-Jährige einige Wochen zuvor für ein Pflichtpraktikum beworben, das er für sein Masterstudium in Marburg brauchte. Einige Tage darauf, am 15. November 2013, erhielt Schlüter die Zusage. Vom 3. Februar bis zum 28. März sollte er im Abgeordnetenbüro der früheren Justizministerin hospitieren.

Ein paar kurze, freundliche Mails gingen hin und her. Dann jedoch hatte Schlüter noch eine Frage, die „eventuelle Vergütung des Praktikums“ betreffend. Von dem Zeitpunkt an werden die E-Mails länger – und weniger freundlich. Denn im Büro von Brigitte Zypries erhalten Praktikanten im Normalfall kein Entgelt. Das teilte ihr Mitarbeiter Schlüter am 21. November mit, schlug ihm aber vor, sein Praktikum auf die Bundestagsfraktion zu verlegen, wo er „pro Woche eine Aufwandsentschädigung von 80 Euro“ bekommen würde.

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Good news für Nordlichter verkündet die Mädchenmannschaft: Kiel bekommt ein Ladyfest!!

Mit dabei sind u.a. Sharon Dodua Otoo, die aus ihrem Buch “die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle” liest; Petra Benz vom Feministischen Frauen­gesundheitszentrum; Julia Lemmle mit einem Workshop zu “Macht und Kommunikation”; Sonja Eismann vom Missy Magazine und ein “Fat Empowerment”-Workshop mit mir.

Hingehen! Mitmachen!

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Die Muschimieze fragt sich, was vom #aufschrei blieb. Ein #aufkotz:

Natürlich wurde postwendend kritisiert und verhöhnt. Eindeutig sexistische und nicht selten traumatisierende Erlebnisse wurden analysiert, entwertet und für ungültig erklärt. Dabei drängt sich mehr und mehr die Frage auf, weshalb man sich eigentlich das Recht herausnimmt, belastende persönliche Erlebnisse (die ganz offensichtlich kein Einzelfall, sondern der Alltag einer bestimmten Bevölkerungsgruppe widerspiegeln – den der Frauen) auf einer Skala einzuordnen und für unangemessen zu deklarieren. Welche Motivation steht dahinter, die Äusserung einer anderen Person von Unrechterleben einfach nicht anzuerkennen? Fühlt „Mann“ sich, möglicherweise rückblickend auf zahlreiche Ereignisse in der eigenen Vergangenheit, angesprochen und diffamiert? Dann ist es natürlich einfacher, die Empörung zu entwerten, als ihr Berechtigung einzuräumen und sein eigenes Verhalten damit als unangemessen anzuerkennen. Oder fühlen sie sich möglicherweise aussen vor gelassen, da nur von Sexismus die Rede ist, die Frauen benachteiligt? Da man wohl kaum von Frauen, die ihre intimen und subjektiven Erfahrungen Preis geben, eine repräsentative Funktion für alle möglichen Opfer-Täter-Modelle in einer Gesellschaft erwarten kann, würde ich in diesem Fall eine ergänzende Tweet-Bewegung vorschlagen, anstatt der Vergegenwärtigung weiblicher Benachteiligung so vehement entgegen zu wirken – aber so viel „Opfer“ will dann natürlich auch wieder keiner sein. Fakt ist, dass sich seit #Aufschrei die Zahl der Frauen, die sich an die Antidiskriminierungsstelle gewendet haben, um ein Drittel gestiegen ist. Fakt ist auch, dass heute kaum noch ein Tweet oder Post der so getaggt wird, noch irgendwas mit der Ursprungsthematik zu tun hat. Und Fakt ist, dass man menschliches Miteinander nicht normieren kann.


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