Polygamie, AfD & Neuroparasiten

Energiewende, Pille danach, Urheberrecht, AfD-Bashing, Friseurbesuch, Neuroparasiten, „bekehrte“ Homosexuelle, Geschlechterdifferenz und Polygynie in Kenia.

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Wie Neuroparasiten Tiere sozusagen zu ferngesteuerten Zombies machen und welche Horrorstories die Natur so auf Lager hat:

So wird die Amerikanische Großschabe von der Juwelwespe heimgesucht: Wenn die Wespe zum Angriff auf die gut dreimal so große Kakerlake übergeht, muss sie schnell sein. Sie injiziert ein Gift in einen Nervenknoten in der Brust, sodass die Schabe ihre Beine nicht mehr bewegen kann. Die Lähmung dauert wenige Minuten – genug Zeit für den zweiten Stich. Die Wespe führt ihren Stachel wie ein Endoskop in das Gehirn ihres Opfers ein. Mit chirurgischer Präzision spritzt sie ihr Gift ins Protocerebrum, eine Gehirnregion, die auch für die Fluchtreaktion zuständig ist. Die Kakerlake ist willenlos. Die Juwelwespe greift eine Antenne der Schabe und führt das Insekt zu ihrer Nisthöhle, als wäre sie ein Hund an der Leine. Dort klebt die Wespe ihre Eier an die Bauchunterseite ihres Opfers. Die Höhle verschließt sie mit Kieselsteinen. Die Schabe verharrt regungslos im Inneren. Nach drei Tagen schlüpfen die Wespenlarven und ernähren sich von den Körperflüssigkeiten ihres wehrlosen Wirts. Nach ein paar Tagen bohren sie sich in den Körper der Schabe und beginnen, sie von innen aufzufressen, bis sie genug haben und sich im Inneren ihres Wirtes verpuppen.

Das ist eigentlich schon ziemlich krasse Scheiße!

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Die Pille danach – doch kein Katastrophenbringer, ach Überraschung auch:

Im Streit um die „Pille danach“ gerät die Argumentation von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Rezeptpflicht beizubehalten, weil das Risiko der Nebenwirkung zu groß sei, zur Farce: Exakt zwei Fälle schwerwiegender Nebenwirkungen nach Einnahme des Notfall-Verhütungsmittels sind dem zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bekannt – zwei Fälle aus ganz Deutschland, und zwar im Zeitraum von 1998 bis heute. Das räumte die Bundesregierung gegenüber der Linksfraktion im Bundestag ein, die hierzu eine kleine Anfrage gestellt hatte.

Das Risiko, aufgrund der Einnahme der „Pille danach“ eine Thrombose zu entwickeln, liege somit bei 1 zu 5 Millionen, schreibt die Bundesregierung: „Diese Berichtsrate liegt deutlich unterhalb der Inzidenz für entsprechende Fälle in der Normalbevölkerung.“ Dort entwickelten von 100.000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 44 Jahren 5 bis 10 Frauen eine Thrombose – ohne „Pille danach“. Bei den beiden berichteten Fällen kommt hinzu: Ob überhaupt ein kausaler Zusammenhang der Erkrankung mit der Einnahme der Pille bestand, ist unklar; die Bundesregierung schätzt ihn „nicht als wahrscheinlich“ ein.

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Herrliche Polemik gegen die „Ich bin kein Feminist, weil“-Aktion der AfD – in your face und auf den Punkt:

Die Diskussionsrunde auf Facebook zu dem Rinderwahnsinns-Post mit diesen Zettelchen, die man eigentlich nur als Selbstanzeige lesen kann, ist dann auch wirklich voll vom klassischen Potential der getretenen rechten Männer, die ihre letzte Rettung in der AfD suchen.

Die Schablone “Ich bin kein Feminist” lässt aber auch bestenfalls die sozialverachtenden mir-geht’s-gut-die-anderen-sind-nur-zu-doof-für-sich-selbst-zu-sorgen Aussagen zu.

Deutschland! Erschütternd. Wir warnen also vorm reinlesen. Das tut weh.

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Antje erklärt ihre Trennlinie zwischen dem Sprechen über Geschlechterdifferenzen und Sexismus:

Ich wollte gerade eine andere Sicht auf die Macht vorschlagen, und ich wollte sie gerade auch Männern vorschlagen. Jörg Rupp zum Beispiel twitterte den Einwand, was ich beschreibe, sei ein veraltetes Männlichkeitsbild, und auch wenn ich im Gegensatz zu ihm befürchte, dass es derzeit leider noch nicht so veraltet ist, dass es sich bereits erledigt hätte, bin ich doch mit ihm ganz einig darin, dass das toll wäre.

Ich habe also überkommene Geschlechterbilder zur Diskussion gestellt in dem Bemühen, sie zu verändern. Sexistische Zuschreibungen stellen aber im Gegenteil Geschlechterbilder gerade nicht zur Diskussion, sondern versuchen, diese zu zementieren, zum Beispiel indem sie behaupten, der Machthunger läge den Männern in den Genen oder sei von der Evolution eben so hervorgebracht worden oder von Gott so gewollt. Also unveränderlich.

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Le Frisur
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Übers Kameraabkleben und allzu wißbegierige Apps:

Sebastian Barchnicki warnt: „Als Benutzer sollte man sich fragen, ob die Taschenlampen-App wirklich den Zugriff auf die Kontakte braucht, und nur die Apps installieren, denen man wirklich vertraut.“ Und er hat noch weitere Tipps: unbenutzte Apps am besten deinstallieren. Den Computer stets mit den neuesten Updates für Programme und Betriebssystem versorgen. Ein sicherer Browser wie Chrome oder Firefox erhöht das Schutzniveau – vermeiden sollte man das Surfen mit Administratorrechten.

Doch auch der beste Schutz nützt leider nichts, wenn der Nutzer seine Kamera bewusst zum Chat einschaltet und der Geheimdienst sich zuschaltet. Erst Ende Februar wurde das Programm des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) mit dem Code-Namen „Optic Nerve“ öffentlich. Es speicherte laut Guardian von 2008 bis 2010 Standbilder aus Yahoo-Camchats von insgesamt 1,8 Millionen Nutzern.

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Polygamie ist in Kenia weit verbreitet – zumindest die Polygynie – und diese soll nun auch per Gesetz erlaubt sein. Nur für Männer natürlich; Polyandrie bleibt weiterhin Tabu.
Was den kenianischen Frauen aber wirklich stinkt, ist, daß in Zukunft die Männer ohne Absprache mit der Frau weitere Ehen eingehen können sollen:

Die Kritik der Politikerinnen bezieht sich vielmehr auf die Änderungen, die ihre männlichen Kollegen dem Gesetz verpasst haben: Die Abgeordneten strichen nämlich das Vetorecht, das der Entwurf den Ehefrauen ursprünglich einräumte. Männer in Kenia können sich also die nächste Frau nehmen, ohne ihre bisherige Gattin um Zustimmung zu fragen.

Solch eine Entscheidung habe aber Auswirkungen auf die gesamte Familie, argumentieren die Gegnerinnen der Klausel. Eine zusätzliche Ehefrau verändere die finanzielle Situation für vorherige Partnerinnen und ihre Kinder erheblich. Es gehe aber auch um Eigentum und Erbschaft: Viele Frauen erben nach dem Tod eines polygam lebenden Mannes wenig oder nichts.

Dabei sollte das Gesetz dazu beitragen, Frauen und Kinder in Ehen besser zu schützen. Nicht nur mithilfe des Vetorechts: Wie die BBC berichtet, sollten Frauen mit dem Gesetz gleiche Eigentums- und Erbschaftsrechte erhalten wie Männer. Auch diese Klausel verwässerten die Parlamentsmitglieder. Nur 30 Prozent des ehelichen Eigentums steht verwitweten Frauen zu.

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Interview mit Monika Dommann über die Geschichte (und Zukunft) des Urheberrechts:

ZEIT ONLINE: Die Geschichte des Rechts und der Technik erzählen Sie auch an Apparaten entlang. Welche Rolle spielt dabei der Urheber?

Dommann: Die Idee des Urhebers verweist etymologisch auf Gott, den primären Schöpfer, den Erschaffer der Welt. Der Schöpfer wird zu einer Leitfigur der Moderne. Es ist eine Grundannahme der Moderne, dass etwas Neues nicht von Gott oder den Vorfahren übernommen und nicht in Gemeinschaften erzeugt, sondern von einem Individuum geschaffen werde.

ZEIT ONLINE: Und das stimmt nicht?

Dommann: Neue Ideen entstehen durch Austausch, Überlieferung und Imitation, oder in den Worten des Wissenschaftsforschers Ludwik Fleck: durch Denkverkehr. Der einzelne, isolierte schöpferische Autor ist wohl eine Fiktion. Aber verschiedenste Akteure berufen sich immer auf die Figur des schöpferischen Autors: Die Gema, die Lizenzgebühren eintreiben will, selbst die Künstler, die gegen die Rundfunkgebühr argumentieren, betonen, dass sie selbst etwas schaffen. Und gar die Piraten brauchen den Urheber für ihre Argumentation, und zwar als Gegenmodell. Diese Leitfigur Autor, die im 18. Jahrhundert entstand, ist also noch lange nicht tot.

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Endlich kümmert sich wer um die armen Homos und „heilt“ sie lol:

„Ich sag’s mal ganz ehrlich: Für mich war der Punkt, dass ich keine Kinder bekommen konnte“, gibt Katharina W. den Standpunkt viele ehemaliger Schwuler und Lesben wieder. „Meine damalige Freundin und ich hatten so oft Sex, aber es hat nie mit geklappt mit dem Schwanger-Werden. Als ich dann in der Zeitung lesen musste, dass wir Homos gar nicht schwanger werden können, hat es nur noch ein paar Wochen gedauert, bis wir beide eingesehen hatten, dass es so nicht weitergehen kann.“

Die Einsicht, dass homosexueller Sex praktisch niemals zur Zeugung von Kindern führt, war für die meisten ein schwerer Schlag ins Kontor. So des Sinns ihrer sexuellen Handlungen beraubt, stehen sie schnell vor dem Nichts ihres irregeleiteten Lebensweges.

„Wenn man erkennen muss, dass das Ausführen sexueller Handlungen sinnlos ist, hört man natürlich umgehend damit auf“, erklärt Joachim K. das Dilemma vieler der Ehemaligen. „Eine Weile haben mein damaliger Freund und ich es trotzdem noch probiert, aber es fühlte sich plötzlich unnatürlich und sinnlos an. Und dann? Was bleibt einem schon von seiner Homosexualität, wenn man keinen homosexuellen Geschlechtsverkehr mehr durchführt? Von meinem sogenannten Schwulsein war auf einmal weniger als ein Häufchen Asche übrig.“

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Wie die Regierung und die großen Stromkonzerne gerade die Energiewende komplett vermurkst:

Doch diese Erfolgsgeschichte der Öko-Revolution könnte bald ein abruptes Ende finden. Die Bundesregierung hat sich schon auf Eckpunkte zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verständigt. Sie lassen nichts Gutes erahnen. Anfang April will das Kabinett einen Gesetzentwurf beschließen, zum August sollen die Änderungen dann in Kraft treten.

Umweltschützer sind schon alarmiert, am 22. März wollen sie in sechs Landeshauptstädten gegen die Pläne auf die Straße gehen. Ihr Motto: „Energiewende retten!“ Auch die Ökostrom-anbieter EWS, Naturstrom und Greenpeace Energy warnen vor den Reformvorschlägen der Bundesregierung: „Die Bürger-Energiewende wird abgewürgt und der Markt den großen Konzernen überlassen.“

Der deutsche Strommarkt wird dominiert von einem Quasi-Oligopol aus vier Unternehmen: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Mit Kohle- und Atomkraftwerken scheffeln sie Milliardengewinne. Deswegen haben sie auch kein Interesse an einer schnellen Energiewende. Sie wollen an den bisherigen Strukturen festhalten, fürchten neue Konkurrenten. Ökonomisch betrachtet ist es überhaupt kein Wunder, dass die Energiewende zunächst von den Bürgern angeschoben wurde.


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