Zwangsprostitution, Männeraufklärung & musikalische Lebensstationen

Die große Koalition arbeitet an Gesetzen gegen Zwangsprostitution, Plädoyer für eine Whistleblowerkultur, vielfältiger Feminismus, Starbesetzung in Sci-Fi-Doku, sexistische Juraklausuraufgaben, Illegalisierung von Arbeiter_innen, Männeraufklärung über Vergewaltigung, musikalische Lebensstationen und Luise Pusch über Gewalt an Frauen.

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Die Bayern kümmern sich nun darum, daß mit Geschlechterklischees in Jura-Klausuren aufgeräumt wird (was im Artikel der Süddeutschen fehlt: daß so bei Menschen, die letztendlich später viel (mit) über Recht und Unrecht entscheiden, die falschen Klischees schon im Studium ins Hirn gebrannt werden. Nicht gut. Zschäpe hat sich so auch jahrelang tarnen können, ganz stereotypengerecht, und wurde viel zu lange für das unschuldige Weibchen gehalten).

Schweigler beschreibt eine Verfestigung von Rollenklischees in Familienrechtsklausuren; in keinem einzigen Fall des Familienrechtslehrgangs sei eine eingetragene Lebenspartnerschaft vorgekommen. Immer wieder würden Frauen in Klausuren „unverhohlen lächerlich“ gemacht – zum Beispiel in dem Übungsfall, in dem ein Opfer häuslicher Gewalt nicht nur einen Antrag auf Scheidung und Unterhalt stellt, sondern ihren Ehemann auch wegen der Zerstörung ihrer Schuhe verklagt. Die Frau schildert in diesem Übungsfall zunächst, wie ihr Mann sie verprügelt habe, um dann sogleich auf „ein Paar braune Damenhalbschuhe und ein Paar Lederstiefel“ zu sprechen zu kommen, die der Ehemann „in seinem Wutanfall mit einer Schere zerschnitten und die Absätze mit einer Säge abgesägt habe“.

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Die Koalition beschäftigt sich mit einem neuen Prostitutionsgesetz:

Zudem sollen Zwangsprostituierte, die gegen ihre Freier aussagen, ein Aufenthaltsrecht bekommen. Die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), hatte Ende Jänner auch angekündigt, sich mit anderen Unionsfrauen dafür stark zu machen, das gesetzliche Mindestalter für Prostituierte von derzeit 18 auf 21 Jahre anzuheben. Es sei nicht verständlich, wenn im Strafrecht erst ab 21 nach Erwachsenenrecht geurteilt werde, bei Prostitution aber gesagt werde: „Mit 18 bist du volljährig“. Für ein Mindestalter von 21 Jahren für Prostituierte hatte sich jüngst auch die CSU-Landesgruppe im Bundestag ausgesprochen.

Lustig und treffend ein Kommentar dazu drunter im (mehrheitlich ja österreichisch besetzten) Forum:

Darf ich die Überschrift so verstehen,
dass Zwangsprostitution in Deutschland derzeit legal ist?

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Endlich hat zumindest die schottische Polizei nun auch entdeckt, daß man – gerade bei Vergewaltigungen – sich nicht nur um (potentielle) Opfer, sondern auch um (potentielle) Täter kümmern muß:

Police say one-in-six rapes takes place when the victim is asleep, and more than 90% are carried out by someone known to the victim.

Their campaign – featuring posters, adverts and social media activity – targets young men, both heterosexual and gay, to raise their awareness of what rape is.

The adverts feature a number of statements from men which support positive behaviour and knowledge that sex without consent is rape.

Ich möchte es nochmal hervorheben:

(…) sex without consent is rape.

So einfach. Und immer noch nicht haben’s alle kapiert. Und immer noch kann man’s nicht oft genug wiederholen. Und immer noch viel zu oft wird das gerade jungen Männern einfach nicht vermittelt, weder in Schule, Peer Group oder Elternhaus, dabei wär das doch sooooooooo einfach!
Es ist zum Heulen.

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Stevie Schmiedel über verschiedene Feminismen, Männer in denselbigen, Toleranz und Zusammenhalt:

Die unterschiedlichen Meinungen und Feminismen zeigen, dass Frauen nicht immer meinen Feminismus verkörpern. Manchmal ist Nils feministischer als ich, und manchmal möchte ich Nils mit einem „Das ist aber bei Frauen so!“ übertrumpfen und höre, dass Blanca oder Ingrid das ganz anders sehen. Trotzdem gibt es schon Hasslieder über uns im Netz von anderen Feminist*innen, die es unter anderem schlimm finden, dass Mann über Feminismus schreibt und dafür auch noch Raum bekommt. Ich folgere: Manche Feministinnen finden, dass Feminismus nur mit Frauen geht.

Darf ich dann Feministin sein, wenn ich die Zuschreibung an Frauen und Männer doof finde? Ich sehe, dass die Gruppe der Menschen, die als weiblich definiert wird nicht die gleichen Rechte wie Männer erfährt, und ich kämpfe für eine Welt, in der sie es tut. Ich glaube, dass das Ziel nur erreicht werden kann, in dem Männer weiblicher und Frauen männlicher werden dürfen, und wir irgendwann nicht nur die Angst vor diesen Vermischungen loslassen können, sondern die Kategorien selbst. Das ist kein Gleichmachen, sondern ein Vielmachen.

(imho: „Vielmachen“ klingt prima! „Nicht Gleichmach, VIELmachen“ wär auch ein super Spruch für ein Transpi; kann sogar bei verschiedensten Demos usw. eingesetzt werden)

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Luise Pusch über die EU-Studie zu Gewalt gegen Frauen:

Als aber die PISA-Studie das peinliche Ausmaß der deutschen Bildungsmisere bloßlegte, haben wir uns geschämt und große Anstrengungen unternommen, um so schnell wie möglich auf der Leistungsskala weiter oben zu landen, wie es sich gehört für das „Land der Dichter und Denker“. Und nun Europa, der frauenquälende Kontinent! Habe ich irgendwo was von Scham und Schande gelesen? Von Sühne und Wiedergutmachung und großen Anstrengungen für eine Besserung? Von großzügiger finanzieller Unterstützung der Frauennotrufe? Einführung einer Männersteuer zur Reparatur der schlimmsten Schäden, nach dem Verursacherprinzip? Nein, nur Erschütterung. Ziemlich billig, aber wir kennen das. Der Elefant im Raum, der männliche Täter, bleibt ausgespart und unbehelligt.

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Die Mädchenmannschaft berichtet von einer Tagung im November, auf der betroffene illegalisierte Arbeiter_innen zu Wort kamen:

Llanquiray Painemal, eine langjährige politische Aktivistin aus Berlin, ist eine der wichtigsten Aktivist_innen und Sprecher_innen der Gruppe Respect. Als einzige Moderatorin of Color, die selbst Erfahrungen als illegalisierte Arbeiterin gesammelt hat, ist Llanquiray eine wichtige Ressource für die Gruppe, besonders wenn es um das Erfüllen der konkreten Bedürfnisse von illegalisierten Frauen geht. Diese Position beinhaltet auch Herausforderungen und bedeutet, dass Machtdynamiken und Hierarchien immer wieder in der Gruppe ausgehandelt und angepasst werden müssen, ebenso wie zwischen Moderator_innen und Teilnehmer_innen. Llanquiray setzt sich für gesellschaftliche Veränderung ein, aber ist gleichzeitig nicht durch Idealismus verblendet. Ein Dilemma in ihrer Arbeit mit Respect zeigt die Widersprüche in solch einer politischen Arbeit. „Aus einer feministischen Perspektive, wäre es notwendig, bezahlte reproduktive Arbeit abzuschaffen, aber wenn wir pragmatisch denken, ist es in der gegebenen Situation unmöglich, weil diese Art der Arbeit eine der wenigen Optionen ist, die illegalisierten Frauen bleibt”, beklagt sie. „Wenn also eine Frau, die verzweifelt nach Arbeit sucht, zu mir kommt und mich fragt, ob ich eine Person kenne, die jemanden sucht, die ihr Haus reinigen könnte, bin ich in einer schwierigen Situation”, führt sie fort.

Auch eine Art „Sklavenarbeit“, die hauptsächlich Frauen betrifft – um die sich aber keiner, auch Alice Schwarzer, nicht kümmert. Dabei ist es ungemein dringend, dieses Problem mehr zu thematisieren!!
Hätte aber auch eine kleine Kritik anzubringen: und zwar die akademische Sprache (mag aber auch an der Übersetzung liegen). (Fach-) Begriffe wie „reproduktive Arbeit“ oder „Viktimisierung“ sind sicher nicht allen geläufig und hätte man auch ersetzen oder kurz erklären können, vllt. sogar mit Fußnote. Ich finde unnötige Fremdwörter oder Fachbegriffe gerade bei so einem Thema eher kontraproduktiv.

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Ein Blogpost, der mir aus der Seele spricht! Nicht nur, weil es interessant ist, selbst mal zu überlegen, welche Musik uns so im Leben begleitet hat – sondern auch, weil auch ich (und das ausgerechnet in meiner Elvis-Phase!) in frühen Jugendtagen mit Zuckowski gequält wurde, da meine damalige beste Freundin Hardcore-Fan war und sämtliche Kassetten besaß, die so zu haben waren. Besonders schrecklich waren die Weihnachtslieder. Brrrr, ich hab heute noch eine Allergie.

Ich bin in einem Dorf groß geworden. Das Dorf hieß für mich “Stadt”, denn das war es damals für mich. Das alles passierte zu einer Zeit, als London, Hamburg und Berlin noch weit weg und unvorstellbar groß waren, als ich meine Welt recht bequem ablaufen konnte und die Ausfallstraße unten am Fluss in Richtung Autobahnauffahrt wie eine immer etwas nebelverhangene Verheißung schien.

Dieser Text handelt von meinen Jahren nach Rolf Zuckowski und Benjamin Blümchen und vor meinen Punk Rock-Zeiten. Es war die Zeit meiner ersten Schuljahre bis zu dem Zeitpunkt, als ich mit Lautsprechern aufrüstete für den akustischen Großangriff auf die Gehörgänge meiner Eltern.

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Tante Jay über die Notwendigkeit eines Whistleblower-Schutzgesetzes . Sie plädiert dafür, den Mund aufzumachen, bzw. in die Tastatur zu hauen:

Whistleblower benötigen auch eine gesellschaftliche Anerkennung. Derzeit sieht es zwar so aus, dass wir die Snowden-Infos gerne annehmen, aber der Mann selber wird von vielen entweder auf ein Piedestal gehoben oder aber als Verräter mit gerümpfter Nase betrachtet. Von Glenn Greenwald reden wir hier noch nicht mal.

Wer Informationen veröffentlicht, die geeignet sind, ein Projekt in einem völlig anderen Licht dastehen zu lassen, der sollte Wertschätzung erfahren und nicht als Verräter angespuckt. Wir sind hier nicht auf dem Schulhof, wo man Petzen nicht mag. Whistleblowing ist keine Petzerei, Whistleblowing ist einer Schutzanker der Bevölkerung vor Korruption, Vetternwirtschaft und Diktatur.

Und was können wir tun? Außer uns aufregen? Wir sind doch hilflos?

Sind wir das?

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Und zum Schluß: aufregende Trekkie News!! Eine BBC-Sci-Fi-Doku, bei der viele Star Trek Leute mitmachen!

BBC America has just announced an awesome four-part docu-series called The Real History of Science Fiction to premiere on April 19th (the same night as Orphan Black Season 2 kicks off!) And it’s going to be narrated by none other than Mark Gatiss. “From Star Wars to 2001: A Space Odyssey, and from Jurassic Park to Doctor Who, each program is packed with contributors behind these creations and traces the developments of Robots, Space, Invasion and Time.,” says the press release, “the series determines why science fiction is not merely a genre… for its audience it’s a portal to a multi-verse – one that is all too easy to get lost in.


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