Archiv für März 2014

Steinigung, Oranienplatz & #Aufkotz

SPD und (Nicht-)Bezahlung ihrer Praktikant_innen, Underdog Fanzine interviewt E*Vibes, Zwischenstand Oranienplatz, Ladyifest Kiel, Lesbe fordert Steinigung, #aufkotz, Schwarzer vs. Zeit, Mars vs. Venus und „Riot, don‘t diet!“

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Der Zwischenstand bei den Flüchtlingen vom Oranienplatz:

Die vor knapp einer Woche vom Senat präsentierte Einigung mit den Flüchtlingen vom Oranienplatz wird von diesen mehrheitlich abgelehnt. Das Schriftstück sieht vor, dass die 467 Flüchtlinge den Oranienplatz räumen und aus der besetzten Schule ausziehen. Dafür wird ihnen „umfassende Einzelfallprüfung“ zugestanden. Der Sprecher der zuständigen Senatorin Dilek Kolat (SPD) hatte der taz erklärt, dies sei der „rechtliche Rahmen, über den wir nicht hinaus können“. Laut Mauer ist das jedoch nur das, worauf ohnehin jeder Anspruch hat. Nur die Zusage, ein Unterstützungsteam einzurichten, das die Flüchtlinge in ihren Einzelfallverfahren begleitet, sei ein echtes, positives Angebot.

Zudem sieht der Flüchtlingsrat viele nicht genutzte Möglichkeiten. „Ein Bleiberecht wäre möglich über Paragraf 23, Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes. Der besagt, dass die oberste Landesbehörde aus humanitären Gründen einer bestimmten Gruppe von Ausländern Aufenthalt geben kann“, erklärt Mauer. Auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hält in einem Gutachten für die Linke-Abgeordnete Halina Wawzyniak fest, dass die Landesbehörden mit diesem Paragrafen eine weiten politischen Spielraum haben, zur „Wahrung der politischen Interessen“ Aufenthalt zu gewähren.

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Das Underdog-Fanzine hat e*vibes interviewt:

Diskriminierung und die Verletzung persönlicher Grenzen sind alltägliche Praxis in unserer Gesellschaft. Was muss sich ändern und mit welchen Methoden soll das erreicht werden?
Malte: Ich würde da vor allem Sensibilisierung und theoretisches Verstehen verknüpft mit dem praktischen Bewusstmachen und Reflektieren von Herrschaftsmechanismen nennen. Das Wahrnehmen, Formulieren und Reagieren auf die Grenzen anderer sowie der eigenen Grenzen. Und dann natürlich Bildung beziehungsweise Weiterbildung und das nicht nur im Sinne von ganz viele Texte gelesen haben und wiedergeben können.
Gloria: Obwohl ich da immer mit anhängen würde, dass es dann trotzdem bei einem Auffangen oder Stillstand bleibt. An sich soll es darum gehen, Machtverhältnisse zu ändern, beziehungsweise Herrschaft zu überwinden und nicht nur dafür zu sensibilisieren, nur: mit welchen Methoden soll das erreicht werden?
Malte: Das geht natürlich auch nur über individuelle Reflexion und Verhaltensänderungen. Es kann nicht alles auf einen imaginären „Tag der großen Revolution, den wir sowieso nicht mehr erleben werden“ verschoben werden. Als ob an diesem „Tag“ dann auch jegliche Diskriminierung wie vom Erdboden verschluckt wäre.
Gloria: Und trotzdem reicht das individuelle Sensibelsein nicht. Das Leid der Betroffenen muss dazu noch kraftvoll öffentlich gemacht werden, damit sich Veränderungen auch in Institutionen und Strukturen niederschlagen!

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Schwarzer vs. ZEIT:

In der Tat schreibt Schwarzer auch über ökonomische Themen. Richtig ist aber auch, dass die größeren Kampagnen Schwarzers oft mit Körperpolitik zu tun haben – Pornografie, Prostitution oder auch die Körperpolitik im Islam. Kampagnen für gleichen Lohn oder gegen Minijobs dagegen fehlen.

Wo Niejahr allerdings falsch liegt: Die Frauenbewegung in Deutschland ist etwas anderes als Alice Schwarzer und Emma. Und diese Bewegung kümmert sich seit Jahren um ökonomische Themen. Hilfe ist also in Sicht: Elisabeth Niejahr könnte sich ihr leichten Herzens anschließen. Doch eines verbindet die Journalistin in dieser Sache mit ihrer Gegnerin: Einfache Attacken sichern einfach mehr Aufmerksamkeit.

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Mars vs. Venus:

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„Riot, don‘t diet!“
Und wie empowernd das sein kann:

Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich die Kraft, die ich ins Dieting investierte, auch einfach für den Ausdruck meiner [politischen] Wut verwenden könnte. Oder für andere Dinge, die mir gut tun. Durch Kleidergröße 36 würde ich dem System alles andere als den Mittelfinger zeigen, dabei war mir doch genau danach. Dieser Moment machte mir Mut, die Norm als schmerzhaft und unterdrückend zu erkennen und ihr nicht mehr entsprechen zu wollen. Mut für Subversion. Mut für: Mein Körper ist fett, ich habe keine Lust mehr, mich klein und unsichtbar zu machen, gewöhnt euch einfach an meine Speckrollen, ich schulde euch keinen flachen Bauch!

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Es gibt ja immer noch Leute, die meinen, Homosexuelle gehörten gesteinigt. Was passiert, wenn man sie mal direkt dazu auffordert:

The church then later replaced the sign with one that read „Jesus would stone homos,“ along with „Stoning is still the law“ and Bible verses Matthew 5:17-19, Deuteronomy 17:5-7, Leviticus 20:13 and John 8:1-11.
In response, Lopez knocked on the church’s front door this week and informed the man who answered that she was there for her stoning. „I saw your sign and I‘m here for my stoning, I‘m a lesbian,“ Lopez informs the man in the video below, which Lopez posted on her Facebook.

The man, who seems a bit unsure as to what he should say, ultimately tells Lopez that he doesn‘t have any stones but she should come back the next day.

Was ein bißchen doof ist: man braucht anscheinend einen FB-Account, um das Video sehen zu können :(

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Die SPD streitet zwar offiziell für gerechte Entlohnung von Praktikant_innen – erteilt selbst aber lieber Absagen, statt anständig zu vergüten:

Politikstudent Tim Schlüter war empört. In einer offiziellen Mail wandte sich der Juso an seinen Vorsitzenden Sigmar Gabriel und an Andrea Nahles, der Ton des Schreibens ist eindeutig: Als „langjähriges Mitglied der SPD“ will sich Schlüter über das „nicht nachvollziehbare Verhalten der parlamentarischen Staatssekretärin Brigitte Zypries“ beschweren. Bei ihr hatte sich der 27-Jährige einige Wochen zuvor für ein Pflichtpraktikum beworben, das er für sein Masterstudium in Marburg brauchte. Einige Tage darauf, am 15. November 2013, erhielt Schlüter die Zusage. Vom 3. Februar bis zum 28. März sollte er im Abgeordnetenbüro der früheren Justizministerin hospitieren.

Ein paar kurze, freundliche Mails gingen hin und her. Dann jedoch hatte Schlüter noch eine Frage, die „eventuelle Vergütung des Praktikums“ betreffend. Von dem Zeitpunkt an werden die E-Mails länger – und weniger freundlich. Denn im Büro von Brigitte Zypries erhalten Praktikanten im Normalfall kein Entgelt. Das teilte ihr Mitarbeiter Schlüter am 21. November mit, schlug ihm aber vor, sein Praktikum auf die Bundestagsfraktion zu verlegen, wo er „pro Woche eine Aufwandsentschädigung von 80 Euro“ bekommen würde.

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Good news für Nordlichter verkündet die Mädchenmannschaft: Kiel bekommt ein Ladyfest!!

Mit dabei sind u.a. Sharon Dodua Otoo, die aus ihrem Buch “die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle” liest; Petra Benz vom Feministischen Frauen­gesundheitszentrum; Julia Lemmle mit einem Workshop zu “Macht und Kommunikation”; Sonja Eismann vom Missy Magazine und ein “Fat Empowerment”-Workshop mit mir.

Hingehen! Mitmachen!

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Die Muschimieze fragt sich, was vom #aufschrei blieb. Ein #aufkotz:

Natürlich wurde postwendend kritisiert und verhöhnt. Eindeutig sexistische und nicht selten traumatisierende Erlebnisse wurden analysiert, entwertet und für ungültig erklärt. Dabei drängt sich mehr und mehr die Frage auf, weshalb man sich eigentlich das Recht herausnimmt, belastende persönliche Erlebnisse (die ganz offensichtlich kein Einzelfall, sondern der Alltag einer bestimmten Bevölkerungsgruppe widerspiegeln – den der Frauen) auf einer Skala einzuordnen und für unangemessen zu deklarieren. Welche Motivation steht dahinter, die Äusserung einer anderen Person von Unrechterleben einfach nicht anzuerkennen? Fühlt „Mann“ sich, möglicherweise rückblickend auf zahlreiche Ereignisse in der eigenen Vergangenheit, angesprochen und diffamiert? Dann ist es natürlich einfacher, die Empörung zu entwerten, als ihr Berechtigung einzuräumen und sein eigenes Verhalten damit als unangemessen anzuerkennen. Oder fühlen sie sich möglicherweise aussen vor gelassen, da nur von Sexismus die Rede ist, die Frauen benachteiligt? Da man wohl kaum von Frauen, die ihre intimen und subjektiven Erfahrungen Preis geben, eine repräsentative Funktion für alle möglichen Opfer-Täter-Modelle in einer Gesellschaft erwarten kann, würde ich in diesem Fall eine ergänzende Tweet-Bewegung vorschlagen, anstatt der Vergegenwärtigung weiblicher Benachteiligung so vehement entgegen zu wirken – aber so viel „Opfer“ will dann natürlich auch wieder keiner sein. Fakt ist, dass sich seit #Aufschrei die Zahl der Frauen, die sich an die Antidiskriminierungsstelle gewendet haben, um ein Drittel gestiegen ist. Fakt ist auch, dass heute kaum noch ein Tweet oder Post der so getaggt wird, noch irgendwas mit der Ursprungsthematik zu tun hat. Und Fakt ist, dass man menschliches Miteinander nicht normieren kann.

Polygamie, AfD & Neuroparasiten

Energiewende, Pille danach, Urheberrecht, AfD-Bashing, Friseurbesuch, Neuroparasiten, „bekehrte“ Homosexuelle, Geschlechterdifferenz und Polygynie in Kenia.

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Wie Neuroparasiten Tiere sozusagen zu ferngesteuerten Zombies machen und welche Horrorstories die Natur so auf Lager hat:

So wird die Amerikanische Großschabe von der Juwelwespe heimgesucht: Wenn die Wespe zum Angriff auf die gut dreimal so große Kakerlake übergeht, muss sie schnell sein. Sie injiziert ein Gift in einen Nervenknoten in der Brust, sodass die Schabe ihre Beine nicht mehr bewegen kann. Die Lähmung dauert wenige Minuten – genug Zeit für den zweiten Stich. Die Wespe führt ihren Stachel wie ein Endoskop in das Gehirn ihres Opfers ein. Mit chirurgischer Präzision spritzt sie ihr Gift ins Protocerebrum, eine Gehirnregion, die auch für die Fluchtreaktion zuständig ist. Die Kakerlake ist willenlos. Die Juwelwespe greift eine Antenne der Schabe und führt das Insekt zu ihrer Nisthöhle, als wäre sie ein Hund an der Leine. Dort klebt die Wespe ihre Eier an die Bauchunterseite ihres Opfers. Die Höhle verschließt sie mit Kieselsteinen. Die Schabe verharrt regungslos im Inneren. Nach drei Tagen schlüpfen die Wespenlarven und ernähren sich von den Körperflüssigkeiten ihres wehrlosen Wirts. Nach ein paar Tagen bohren sie sich in den Körper der Schabe und beginnen, sie von innen aufzufressen, bis sie genug haben und sich im Inneren ihres Wirtes verpuppen.

Das ist eigentlich schon ziemlich krasse Scheiße!

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Die Pille danach – doch kein Katastrophenbringer, ach Überraschung auch:

Im Streit um die „Pille danach“ gerät die Argumentation von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Rezeptpflicht beizubehalten, weil das Risiko der Nebenwirkung zu groß sei, zur Farce: Exakt zwei Fälle schwerwiegender Nebenwirkungen nach Einnahme des Notfall-Verhütungsmittels sind dem zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bekannt – zwei Fälle aus ganz Deutschland, und zwar im Zeitraum von 1998 bis heute. Das räumte die Bundesregierung gegenüber der Linksfraktion im Bundestag ein, die hierzu eine kleine Anfrage gestellt hatte.

Das Risiko, aufgrund der Einnahme der „Pille danach“ eine Thrombose zu entwickeln, liege somit bei 1 zu 5 Millionen, schreibt die Bundesregierung: „Diese Berichtsrate liegt deutlich unterhalb der Inzidenz für entsprechende Fälle in der Normalbevölkerung.“ Dort entwickelten von 100.000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 44 Jahren 5 bis 10 Frauen eine Thrombose – ohne „Pille danach“. Bei den beiden berichteten Fällen kommt hinzu: Ob überhaupt ein kausaler Zusammenhang der Erkrankung mit der Einnahme der Pille bestand, ist unklar; die Bundesregierung schätzt ihn „nicht als wahrscheinlich“ ein.

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Herrliche Polemik gegen die „Ich bin kein Feminist, weil“-Aktion der AfD – in your face und auf den Punkt:

Die Diskussionsrunde auf Facebook zu dem Rinderwahnsinns-Post mit diesen Zettelchen, die man eigentlich nur als Selbstanzeige lesen kann, ist dann auch wirklich voll vom klassischen Potential der getretenen rechten Männer, die ihre letzte Rettung in der AfD suchen.

Die Schablone “Ich bin kein Feminist” lässt aber auch bestenfalls die sozialverachtenden mir-geht’s-gut-die-anderen-sind-nur-zu-doof-für-sich-selbst-zu-sorgen Aussagen zu.

Deutschland! Erschütternd. Wir warnen also vorm reinlesen. Das tut weh.

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Antje erklärt ihre Trennlinie zwischen dem Sprechen über Geschlechterdifferenzen und Sexismus:

Ich wollte gerade eine andere Sicht auf die Macht vorschlagen, und ich wollte sie gerade auch Männern vorschlagen. Jörg Rupp zum Beispiel twitterte den Einwand, was ich beschreibe, sei ein veraltetes Männlichkeitsbild, und auch wenn ich im Gegensatz zu ihm befürchte, dass es derzeit leider noch nicht so veraltet ist, dass es sich bereits erledigt hätte, bin ich doch mit ihm ganz einig darin, dass das toll wäre.

Ich habe also überkommene Geschlechterbilder zur Diskussion gestellt in dem Bemühen, sie zu verändern. Sexistische Zuschreibungen stellen aber im Gegenteil Geschlechterbilder gerade nicht zur Diskussion, sondern versuchen, diese zu zementieren, zum Beispiel indem sie behaupten, der Machthunger läge den Männern in den Genen oder sei von der Evolution eben so hervorgebracht worden oder von Gott so gewollt. Also unveränderlich.

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Le Frisur
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Übers Kameraabkleben und allzu wißbegierige Apps:

Sebastian Barchnicki warnt: „Als Benutzer sollte man sich fragen, ob die Taschenlampen-App wirklich den Zugriff auf die Kontakte braucht, und nur die Apps installieren, denen man wirklich vertraut.“ Und er hat noch weitere Tipps: unbenutzte Apps am besten deinstallieren. Den Computer stets mit den neuesten Updates für Programme und Betriebssystem versorgen. Ein sicherer Browser wie Chrome oder Firefox erhöht das Schutzniveau – vermeiden sollte man das Surfen mit Administratorrechten.

Doch auch der beste Schutz nützt leider nichts, wenn der Nutzer seine Kamera bewusst zum Chat einschaltet und der Geheimdienst sich zuschaltet. Erst Ende Februar wurde das Programm des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) mit dem Code-Namen „Optic Nerve“ öffentlich. Es speicherte laut Guardian von 2008 bis 2010 Standbilder aus Yahoo-Camchats von insgesamt 1,8 Millionen Nutzern.

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Polygamie ist in Kenia weit verbreitet – zumindest die Polygynie – und diese soll nun auch per Gesetz erlaubt sein. Nur für Männer natürlich; Polyandrie bleibt weiterhin Tabu.
Was den kenianischen Frauen aber wirklich stinkt, ist, daß in Zukunft die Männer ohne Absprache mit der Frau weitere Ehen eingehen können sollen:

Die Kritik der Politikerinnen bezieht sich vielmehr auf die Änderungen, die ihre männlichen Kollegen dem Gesetz verpasst haben: Die Abgeordneten strichen nämlich das Vetorecht, das der Entwurf den Ehefrauen ursprünglich einräumte. Männer in Kenia können sich also die nächste Frau nehmen, ohne ihre bisherige Gattin um Zustimmung zu fragen.

Solch eine Entscheidung habe aber Auswirkungen auf die gesamte Familie, argumentieren die Gegnerinnen der Klausel. Eine zusätzliche Ehefrau verändere die finanzielle Situation für vorherige Partnerinnen und ihre Kinder erheblich. Es gehe aber auch um Eigentum und Erbschaft: Viele Frauen erben nach dem Tod eines polygam lebenden Mannes wenig oder nichts.

Dabei sollte das Gesetz dazu beitragen, Frauen und Kinder in Ehen besser zu schützen. Nicht nur mithilfe des Vetorechts: Wie die BBC berichtet, sollten Frauen mit dem Gesetz gleiche Eigentums- und Erbschaftsrechte erhalten wie Männer. Auch diese Klausel verwässerten die Parlamentsmitglieder. Nur 30 Prozent des ehelichen Eigentums steht verwitweten Frauen zu.

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Interview mit Monika Dommann über die Geschichte (und Zukunft) des Urheberrechts:

ZEIT ONLINE: Die Geschichte des Rechts und der Technik erzählen Sie auch an Apparaten entlang. Welche Rolle spielt dabei der Urheber?

Dommann: Die Idee des Urhebers verweist etymologisch auf Gott, den primären Schöpfer, den Erschaffer der Welt. Der Schöpfer wird zu einer Leitfigur der Moderne. Es ist eine Grundannahme der Moderne, dass etwas Neues nicht von Gott oder den Vorfahren übernommen und nicht in Gemeinschaften erzeugt, sondern von einem Individuum geschaffen werde.

ZEIT ONLINE: Und das stimmt nicht?

Dommann: Neue Ideen entstehen durch Austausch, Überlieferung und Imitation, oder in den Worten des Wissenschaftsforschers Ludwik Fleck: durch Denkverkehr. Der einzelne, isolierte schöpferische Autor ist wohl eine Fiktion. Aber verschiedenste Akteure berufen sich immer auf die Figur des schöpferischen Autors: Die Gema, die Lizenzgebühren eintreiben will, selbst die Künstler, die gegen die Rundfunkgebühr argumentieren, betonen, dass sie selbst etwas schaffen. Und gar die Piraten brauchen den Urheber für ihre Argumentation, und zwar als Gegenmodell. Diese Leitfigur Autor, die im 18. Jahrhundert entstand, ist also noch lange nicht tot.

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Endlich kümmert sich wer um die armen Homos und „heilt“ sie lol:

„Ich sag’s mal ganz ehrlich: Für mich war der Punkt, dass ich keine Kinder bekommen konnte“, gibt Katharina W. den Standpunkt viele ehemaliger Schwuler und Lesben wieder. „Meine damalige Freundin und ich hatten so oft Sex, aber es hat nie mit geklappt mit dem Schwanger-Werden. Als ich dann in der Zeitung lesen musste, dass wir Homos gar nicht schwanger werden können, hat es nur noch ein paar Wochen gedauert, bis wir beide eingesehen hatten, dass es so nicht weitergehen kann.“

Die Einsicht, dass homosexueller Sex praktisch niemals zur Zeugung von Kindern führt, war für die meisten ein schwerer Schlag ins Kontor. So des Sinns ihrer sexuellen Handlungen beraubt, stehen sie schnell vor dem Nichts ihres irregeleiteten Lebensweges.

„Wenn man erkennen muss, dass das Ausführen sexueller Handlungen sinnlos ist, hört man natürlich umgehend damit auf“, erklärt Joachim K. das Dilemma vieler der Ehemaligen. „Eine Weile haben mein damaliger Freund und ich es trotzdem noch probiert, aber es fühlte sich plötzlich unnatürlich und sinnlos an. Und dann? Was bleibt einem schon von seiner Homosexualität, wenn man keinen homosexuellen Geschlechtsverkehr mehr durchführt? Von meinem sogenannten Schwulsein war auf einmal weniger als ein Häufchen Asche übrig.“

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Wie die Regierung und die großen Stromkonzerne gerade die Energiewende komplett vermurkst:

Doch diese Erfolgsgeschichte der Öko-Revolution könnte bald ein abruptes Ende finden. Die Bundesregierung hat sich schon auf Eckpunkte zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verständigt. Sie lassen nichts Gutes erahnen. Anfang April will das Kabinett einen Gesetzentwurf beschließen, zum August sollen die Änderungen dann in Kraft treten.

Umweltschützer sind schon alarmiert, am 22. März wollen sie in sechs Landeshauptstädten gegen die Pläne auf die Straße gehen. Ihr Motto: „Energiewende retten!“ Auch die Ökostrom-anbieter EWS, Naturstrom und Greenpeace Energy warnen vor den Reformvorschlägen der Bundesregierung: „Die Bürger-Energiewende wird abgewürgt und der Markt den großen Konzernen überlassen.“

Der deutsche Strommarkt wird dominiert von einem Quasi-Oligopol aus vier Unternehmen: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Mit Kohle- und Atomkraftwerken scheffeln sie Milliardengewinne. Deswegen haben sie auch kein Interesse an einer schnellen Energiewende. Sie wollen an den bisherigen Strukturen festhalten, fürchten neue Konkurrenten. Ökonomisch betrachtet ist es überhaupt kein Wunder, dass die Energiewende zunächst von den Bürgern angeschoben wurde.

-prostitution- Maria spricht

Das Warten hat ein Ende: jetzt der dritte Teil über Prostitution; nach Anjas Protokoll kommt hier nun Maria1 zu Wort.
Sie erzählt von wesentlich weniger privilegierten Umständen – und möchte hauptsächlich, daß ihr keine Steine in den Weg gelegt werden.

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Im von Lady Frieda Harris gemalten Crowley-Tarot prangt auf der Karte „Lust“ die „Hure Babylon“.

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Protokoll Maria, Feb./März 2014

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Seit fast 20 Jahren arbeite ich nun immer wieder auf dem Strich. Aber nicht immer, nicht die ganze Zeit. Aber es ist mein Beruf. Was ich am meisten tue, wo mein Geld eigentlich herkommt.
Ich hatte nicht so viel Glück wie Anja, so eigenständig zu arbeiten, nicht von Anfang an. Ganz typisch ist, daß ich aus Polen stamme und wegen der Prostitution nach Deutschland gekommen bin.

Ich wußte schon in Polen, um was es ging. So dumm bin ich nicht! Das wissen die meisten Frauen, die sind auch nicht blöd. Manche sind naiv, das gibt es, aber wer als Haushaltshilfe oder so nach Deutschland will, hat da andere Netzwerke und Bekannte. Diese sind bekannt und besser organisiert, das ist ja üblich, daß polnische Frauen in Deutschland alles mögliche arbeiten.

So war das bei mir zumindest, ich weiß nicht, ob das überall so ist. Und bestimmt gibt es darunter auch Betrüger!! Laut sagen tut man es nicht, keine der Frauen redet über Sex!
Meinen Eltern erzählte ich auch, ich sei Kindermädchen. Sie hätten mich sonst wohl gesteinigt, auch wenn meine Mutter selbst nur mit meinem Vater schlief, weil er für ein Dach über dem Kopf sorgte. Ganz zu schweigen von anderen Problemen: wenn es rauskommt, beschimpft man die Eltern und hilft ihnen nicht mehr. Als Kind hatten wir Nachbarn, die lieber bitterarm lebten als das Geld ihrer Tochter anzunehmen, die nach Russland ging. Weil es hieß, sie sei Hure. Ob es so war, weiß ich nicht, aber die Frauen schweigen deshalb, auch voreinander. Das ist im Blut irgendwann.2

Auch bei der Polizei, dort sowieso. Wird man doch mal erwischt, dann ist man immer offiziell unter Zwang, sonst behandeln die einen umso schlimmer und es hilft einem dann auch keiner.
Und ist es nicht egal? So oft, wie wir übers Ohr gehauen werden, von Anfang an (versucht wird es ja immer), und da sind immer Zwänge, die man nicht mag und die wirklich schlimmer sind, aber nichts mit Sex zu tun haben und für die die Polizei kein Verständnis hat.
Aber die wissen doch auch, daß die Frauen den Mund halten, sie brauchen ihre Sexkunden, die müssen wiederkommen und das tun sie nicht, wenn man was verrät. Den Mund halten, das können die Frauen und müssen sie, sonst geht das alles nicht. Die Kunden können sehr nett sein, aber die Polizei hilft einem eigentich nie weiter. Da ist doch klar, daß man mit denen nicht zusammenarbeitet, wenn das nur Nachteile hat!

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Sailor Moon Biker Gang, Heilpflanze Cannabis & Was wollen die Männer?

Sex & Käsekuchen, aktiv gegen Überwachung, was wollen die Männer?, Mobbing, Shell Shock, Sony World Photography Awards, Gewalt gegen Männer/Frauen, Sailor Moon Biker Gang, Echo, Telefon-Metadaten, sexistische Werbung, Heilpflanze Cannabis undMythos Pillenknick.

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Bildstrecke bei der Süddeutschen von den Amateurarbeiten der Sony World Photography Awards!!
Besonders cool finde ich dieses hier (ist nur ein Ausschnitt, Link dahinter):

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Die Juristin Berit Völzmann im Interview mit der Mädchenmannschaft zu sexistischer Werbung:

Die juristische Forschung zu sexistischer Werbung ist überschaubar. Sie ist fast ausschließlich auf das UWG bezogen. Es gibt nicht Wenige, die die Möglichkeit einer juristischen Regulierung ablehnen – meist mit dem Hinweis darauf, dass Recht und Moral zu trennen sind. In diesem Rahmen wird häufig auch darauf verwiesen, dass Nacktheit heute nicht mehr anzüglich sei und nur die Prüden und Ewig-Gestrigen ein Problem mit „diskriminierender Werbung“ hätten. Das reduziert sexistische Werbung zum einen auf einen sehr kleinen Ausschnitt und es verkennt, dass Sexismus und Sexualität nicht kongruent sind und Nacktheit an sich nicht das Problem ist. Überwiegend wird der grundgesetzliche Bezug zu Art. 3 Abs. 2 GG nicht erkannt.

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Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Männer – die Soziologin Carol Hagemann-White im Interview:

Wenn man schaut, was dieses Drittel erlebt hat, dann wird am häufigsten „schubsen und stoßen“ genannt. Ist das nicht etwas, was beiden Geschlechtern widerfährt?

Wenn man das Schubsen weglässt, sind es immer noch 25 Prozent, die Gewalt erfahren haben. Vor allem treten die leichteren Formen häufig zusammen mit den schwereren auf – und die üben Frauen nicht so häufig aus.

Aber ist es nicht an der Zeit, dass man auch Männer nach ihren Gewalterlebnissen befragt? So suggeriert man, Frauen würden nie Gewalt anwenden.

Im Prinzip haben Sie recht. Wir diskutierten zwei Jahre im Beirat des Familienministeriums, wie man eine Studie zu Gewalterfahrungen von Männern anlegen könnte. Das Problem ist: Soll man ihnen die gleichen Fragen stellen wie Frauen? Eine Pilotstudie hat gezeigt, dass Männer anders Gewalt erfahren, es geht öfter um Waffen oder auch um Militärerfahrungen.

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Interessanter Artikel über die aus dem 1. WK heimkehrenden Soldaten – und wie die Nervenärzte mit deren Trauma umgingen (Triggerwarnung):

Myers deutete diese Symptome schnell als psychosomatisch und bezeichnete sie mit dem Terminus „Shell Schock“, weil es einen Zusammenhang mit der Explosion von Granaten zu stehen schien, die in der Nähe der Soldaten eingeschlagen waren.

Bereits nach sechs Monaten Krieg litt eine so große Anzahl von Soldaten unter der Erkrankung, dass die Armeeführungen sich gezwungen sahen, irgendwie damit umzugehen. Allerdings fiel es den Militärs schwer, die seelischen Verletzungen als echte Wunden anzuerkennen. Solche Traumata liefen dem Gedanken zuwider, dass Soldaten gelernt haben, Kämpfe auszuhalten. Und Sigmund Freud hatte 1895 in den „Studien zur Hysterie“ körperliche Reaktionen auf nicht sichtbare oder unterdrückte Traumata als weibliche Neurose beschrieben.

Der „Shell Shock“ erschien den Militärs als Verweichlichung, als „männliche Hysterie“, die mit allen Mitteln ausgetrieben werden musste.

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Mobbing und der Blick auf die Opfer:

Geärgert habe ich mich, dass Luca, der doch das Opfer des Bullying ist, als psychisch krank (zu ängstlich, wehrt sich nicht) abgestempelt wird, anstatt dass die Verantwortung bei den Bullies und bei den Kindergärtnerinnen, die nicht einschreiten, gesucht wird. Und das sind doch Wissenschaftler, die die Fachliteratur zum Thema Bullying kennen sollten.

Dann dachte ich: vielleicht überreagiere ich. Vielleicht ist einfach nur gemeint, dass ExpertInnen und KindergärtnerInnen aufmerksam wahrnehmen, was da los ist, und dafür sorgen, dass das Bullying endet. Im Moment denke ich wieder: Das Problem wird doch bei Luca und nicht bei den Bullies gesucht. Warum wird kein Beispiel gebracht von einem aggressiven Kind, das schon im Kindergartenalter dadurch auffällt, dass es immer der Anführer sein will und zwar nicht durch gute Ideen, sondern indem es andere Kinder einschüchtert? Warum werden die Bullies nicht als Kinder gesehen, die Unterstützung brauchen, um anderes Verhalten zu lernen, gerade im Kindergarten?

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Frei.Wild und der Echo versuchen’s wieder miteinander. Dazu im Interview Florian Drücke, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Musikindustrie, mit der ZEIT. An und für sich kein sonderlich interessantes Thema, der Echo, aber das Interview hat doch einige Stellen, die sehr interessant sind.

ZEIT ONLINE: Frei.Wild sind mittlerweile zum Symbol für einen grassierenden Rechtsrock geworden. Dennoch hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien eine Indizierung mehrmals im Sinn der Kunstfreiheit abgelehnt. Der Berliner Senat stuft Frei.Wild nicht als politische Band ein. Sie schließen sich der institutionellen Meinung an und widersprechen den vielen Kritikern aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Bereich. Braucht man wirklich eine neue Kommission, um zum selben Urteil zu kommen? Das ist doch Makulatur.

Drücke: Ich glaube nicht, dass man es sich so leicht machen sollte. Dieser Echo-Beirat hat sich in einer sehr intensiven Diskussion mit dem Gesamtkontext und den Texten von Frei.Wild auseinandergesetzt. Und er hat sich darin bestätigt gefunden, dass auch die Bundesprüfstelle die Band nicht indiziert hat.

ZEIT ONLINE: Wenn man eine solche Kommission einsetzt, könnte man ihr moralische Grundsätze an die Hand geben. Zum Beispiel, ein mögliches Urteil auf der Folie aktueller politischer Ereignisse zu überprüfen: Wie wirkt die Nominierung von Frei.Wild, während in Hellersdorf, Lichtenhagen und Barsinghausen gegen Asylbewerberheime protestiert wird?

Drücke: Das läuft vielleicht in der Berichterstattung irgendwann zusammen. Aber das hat nichts mit der Frage einer Nominierung zum Echo zu tun. Der Beirat ist unabhängig von tagesaktuellen Ereignissen berufen.

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Sailor Moon Biker Gang
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Sailor Moon Biker Gang

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Der sogenannte „Pillenknick“? Offenbar ein Mythos!

Obwohl es die Pille seit 1961 gab, stieg die Geburtenrate noch fünf Jahre lang weiter (ihren Höchststand erreichte sie 1966 mit 2,54 Kindern pro Frau). Der Zenit des Babybooms lag auf beiden Seiten des Atlantiks also um ein Jahrzehnt auseinander, obwohl die Antibabypille fast gleichzeitig auf den Markt kam.

Als die Geburtenraten in den Sechzigern und Siebzigern purzelten, war die Pille außerdem gar nicht weit genug verbreitet, um einen so großen Effekt zu haben.

Super informativ auch die total verschiedenen Rezeptionen der Pille/Verhütung weltweit:

Dass der Geburtenrückgang nach dem Babyboom ganz andere Gründe haben könnte als die Pille, sieht man nirgendwo besser als in Japan: Dort knickten die Geburtenraten schon in den Fünfzigern massiv ein. Und das ganz ohne Pille.
Die Pille war und ist dort immer schon ein Tabu. Nur etwa ein Prozent der Japanerinnen nehmen sie. Wesentlich radikaler als Verhütungsmittel beeinflusste dort übrigens der Aberglaube die Geburtenrate: Weil Frauen, die in den „Feuerpferd-Jahren“ des chinesischen Kalenders geboren werden, angeblich Unheil über die Familie bringen, kam es im Feuerpferd-Jahr 1966 zu deutlich mehr Abtreibungen und Kindstötungen.

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Forscher aus Stanford wollten testen, was sich mit Telefon-Metadaten alles rausfinden läßt – offenbar eine ganze Menge:

Nur anhand der Metadaten konnten sie auf Geschlechtskrankheiten, außereheliche Affären, Waffenbesitz, Drogenhandel schließen. In ihren Datenbeständen offenbarten sich in harten Fakten die schlimmsten Befürchtungen der Bürgerrechtler. Da war etwa ein Studienteilnehmer, der im Verlauf von drei Wochen erst bei einem Baumarkt, dann bei einem Gartencenter und zum Schluss noch bei einem Laden für Cannabiszubehör anrief. Ein anderer telefonierte erst mit einem Waffengeschäft, das auf das halb automatische Sturmgewehr AR-15 spezialisiert ist, und dann in ausufernden Gesprächen mit dem Kundendienst des Herstellers der Waffe.

Andere Anrufe gingen an Familienplanungsorganisationen, Scheidungsanwälte, an die Anonymen Alkoholiker, Gewerkschaften, Strip-Clubs, Parteizentralen oder Abtreibungskliniken. In manchen Fällen schienen die offenbarten Verbindungen und die dahinterliegenden menschlichen Schicksale derart intim zu sein, dass das Forscherteam ihnen nicht weiter nachgehen wollte und davon absah, die Teilnehmer für eine Bestätigung ihrer Vermutungen zu kontaktieren.

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Noch eine gute Antwort
auf Mariam Laus „feminismuskritischen“ Text:

Was will das Weib? Mit dieser Frage endet der Artikel meiner Kollegin. Es ist ein Zitat: Sigmund Freud stellte diese Frage seiner Patientin und Freundin Marie Bonaparte, denn er selbst kenne auch nach 30-jährigem Studium darauf keine Antwort. Allerdings ist das fast 100 Jahre her. Es war also zu einem Zeitpunkt, als Frauen nur in Ausnahmfällen das Wort ergriffen, weshalb man auf sie blickte, wie man auf den Stamm Eingeborener blickte, deren Sprache man nicht verstand.

Die letzten Jahrzehnte aber hat die Frau sich die Finger wund geschrieben darüber, was sie will und was sie nicht will: kein Frauenthema, zu dem es noch kein Buch gibt. Es wäre also an der Zeit, die Gegenfrage zu stellen: Was will denn der Mann? Will er reden oder machen? Will er Geld oder Glück? Will er Treue oder Abenteuer? Will er Liebe oder Macht? Am 29. Mai ist der sogenannte Herrentag. Ein schöner Anlass, statt Bier zu trinken und den Bollerwagen durch die Gegend zu ziehen, ein paar Antworten zu geben.

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Teil 2 der Sexkolumne auf kleinderdrei; dieses Mal mit Käsekuchen :)

Wirklich gestellt habe ich mir zuletzt die Frage, wie Sex eigentlich ist, bevor ich das erste Mal welchen hatte. Was Sex für mich beinhalten kann (aber nicht muss), habe ich nach und nach herausgefunden und irgendwann nicht mehr darüber nachgedacht. Das, was ich so mit der Zeit herausgefunden hatte, ist zwar im Moment so ein bisschen vergraben. Aber je mehr ich in den letzten Tagen überlegte, umso klarer wurde mir, dass ich im Prinzip schon sehr gut weiß, was Sex für mich “gut” macht und was ich will: Menschen welchen Geschlechts_welcher Geschlechter ich attraktiv finde, und zwar so attraktiv, dass ich mit ihnen ins Bett oder sonstwo hin will; was mich anmacht; was ich nicht möchte; auf welche Praktiken ich stehe; wie ich zu safer sex stehe; wie ich mit meinen Sexpartner_innen umgehe und was ich mir von ihnen wünsche. Im Vergleich zu damals, vor meinem ersten Sex, bin ich also eigentlich schon ein ganzes Stück weiter, und dass ich weiß, was ich will, ist auf dem Weg zu schönem Sex doch schon einmal kein ganz schlechter Anfang. Jetzt muss ich eigentlich nur noch Menschen finden, die ähnliche Sachen mögen wie ich und ein bisschen Käsekuchen Sex mit mir haben.

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Noch ein Teil 2, und zwar einer Doku von Dr. Sanjai Gupta über Cannabis als Heilpflanze :

Warum Patienten in den USA, deren erster Drogenzar Harry Anslinger die Cannabis-Prohibtion mit grotesken Gefahrszenarien zuerst zu Hause durchsetzte und dann als Drogenbeauftrager der neu gegründete UNO weltweit in die Strafegsetze hievte, es sehr viel besser haben als in Deutschland hat auch mit den Mainstream-Medien zu tun, die sich in Sachen Cannabis zunehmend einer objektiven, rationalen Bericherstattung zuwenden und auf das propagandistsiche Nachplappern von Drogenkriegsparolen verzichten. Ein Beispiel dafür lieferte der medizinische Chefreproter des TV-Senders CNN, Dr. med. Sanjay Gupta, der im vergangenen Jahr in einer Dokumentation ( “Weed” ) seine Konversion vom Marihuanagegner zum Legalisierungsbefürworter schilderte und über die erstaunlichen und universellen medizinischen Eigenschaften der Hanfpflanze berichtete. Jetzt hat er einige der im 1. Teil vorgestellten Patienten erneut besucht – darunter an schwerer Epilepsie leidende Kinder, deren Zustand sich durch die simple und nebenwirkungsfreie Gabe von Cannabis auf wunderbare Weise verbesserte.

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Anne hat beschlossen, was gegen die ausufernde Überwachung zu unternehmen und sucht Mitstreiter_innen:

Ich habe mir vor ein paar Wochen mit einigen Leuten überlegt, dass wir nicht gut damit weiterleben, das einfach so hingenommen zu haben. Es wird auch schwierig werden, es unseren Kindern zu erklären.

Wir wollen uns gemeinsam mit vielen anderen überlegen, was wir tun können. Das kann viel sein: Demonstrationen, direkte Aktionen, mehr Briefe (naja), ein Bündnis der Gruppen und Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen und das gemeinsam lauter ist. Eine Plakatserie, ein Slogan, eine Kampagne für den nächsten Wahlkampf. Und das sind bloß die Sachen, die mir in ein paar Minuten einfallen. Um gemeinsam zu überlegen und dann gemeinsam zu planen, gibt es am 5. April ein Barcamp in Berlin. Kein Gezeter, kein Bullshit, keine Flügelkämpfe. Was tun.

Und wir wollen, dass Ihr kommt.

AfD, AKWs & 10.000 Abschiebungen

Greenpeace besetzen AKW – und Japan will das gefährlichste wieder hochfahren, Goa Gil!, McConnelling, AfD-Jugend gegen Feminismus, Kampf gegen die eigene Pädophilie, Gedanken- und Seifenblasen, 2013 10.000+ Abschiebungen aus D, Women painting Women und Gender Pay Gap.

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Von der Fukushima-Katastrophe gänzlich unbeeindruckt, plant Tokio, das als gefährlichstes der Welt geltende AKW wieder ans Netz gehen zu lassen:

Die Mehrheit der Japaner ist gegen Kernenergie. Nachdem am vergangenen Wochenende mehrere Anti-AKW-Demos stattfanden, bestätigte Abe – ausgerechnet am Vorabend des Jahrestages der Tsunami- und Nuklearkatastrophe – im Parlament, er werde „sichere Meiler“ möglichst bald wieder ans Netz lassen. Zuvor werde man Anwohnern deren Sicherheit und Notwendigkeit erklären. Unterdessen wehren sich die Betreiberfirmen derzeit noch vehement gegen neue Sicherheitsauflagen: In einigen Fällen bestreiten sie sogar die Existenz von nachgewiesenen Erdbebenbruchlinien. Andere schummeln einfach. „Strenge Regeln alleine nützen nichts“, sagt der Chef der neuen Atomaufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka. „Die Betreiberfirmen brauchen eine fundamental andere Sicherheitskultur.“
(…)
Der Besucherpavillon von Hamaoka ist einem Reaktor nachempfunden, hier wirbt der Betreiber um Vertrauen in seine Technik. Gerade hat man mit dem Bau eines gigantischen Tsunami-Schutzwalls begonnen, 1,6 Kilometer lang, 22 Meter hoch. 40 000 Tonnen Stahl werden verbaut. Sollten die Fluten den Wall überwinden, schalten sich energieautonome Pumpsysteme ein. Bis vor drei Jahren war es tabu, von Notfallmaßnahmen in Atomkraftwerken überhaupt zu reden – meist gab es gar keine –, jetzt macht der Besucherpavillon Schüler-, Rentner- und Beamtengruppen mit jedem ihrer Details vertraut. Im Pavillon funktionieren sie reibungslos.

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Auf Zehenspitzen macht Seifenblasen-Beobachtungen:

Frauentag war auch. Ich habe Stadträtinnen und Gemeinderätinnen und Ehrenbürgerinnen gezählt, obwohl ich ihre Abwesenheit auch so schon wusste. Ich muss mir erklären lassen, dass das Thema Kaiserschnitt die Leser (sic!) nicht interessiert und das Binnen-I den Blick auf wichtigere Themen der Gleichberechtigung verstellt.

Ich suche ein Bild für diesen Beitrag und scheitere beinahe daran, auf den Kunstblogs, die ich immer wieder durchstöbere, Werke von Frauen zu finden.

Und dann sitzt mir die alte Dame beim Interview gegenüber und erzählt von ihren beiden Hüftoperationen, die sie ihren fünf Kindern zu verdanken hat – jahrelange Hausarbeit mit einem Baby auf der Hüfte haben ihr Tribut gefordert. Sie erzählt mir von auslaugenden Stilljahren und davon, dass sie sich die Haare färbt, weil ihr Mann das so will.

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Trauriger Anstieg bei Abschiebungen aus Deutschland:

Damit mussten 2013 so viele Menschen zwangsweise das Land verlassen wie seit 2006 nicht mehr. Damals wurden fast 14 000 Migranten abgeschoben. Laut Innenministerium mussten vor allem Serben und Mazedonier in ihr Heimatland zurück, gefolgt von Kosovaren, Türken und Russen. Eine Abschiebung wird vor allem gegen abgelehnte Asylbewerber angeordnet, die nicht freiwillig ausreisen, sie kann aber auch andere Personengruppen treffen: Migranten mit abgelaufenem Visum oder abgelaufener Aufenthaltserlaubnis etwa oder auch Ausgewiesene.

Die Zahlen lassen einen Zusammenhang mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern vermuten. Serben und Mazedonier zählen zu den Hauptherkunftsländern von Asylbewerbern, häufig handelt es sich um verarmte Roma, die jedoch in der Regel nicht als politisch verfolgt anerkannt werden. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden zudem viele Russen aus Tschetschenien registriert, die in Deutschland Asyl beantragt haben – ebenfalls mit einer geringen Erfolgsquote.

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Schönes Blog: Women painting women.

The website arose out of online discussions about how contemporary women artists are handling women as subjects.

Inspired by these discussions but failing to find any single, comprehensive online resource cataloguing contemporary women artists painting the female figure, artists Alia El-Bermani, Diane Feissel and Sadie Valeri established the site in March of 2009; since then the site has featured the work of hundreds of women painters from around the globe. Out of the overwhelming positive response to the website grew a desire to create opportunities for women artists from diverse locations to gather and share inspiration and technique, and to promote and exhibit their work

Eins meiner absoluten Favoriten:

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Nachfolgeartikel über den Pädophilen, dessen Kampf gegen seine Neigung in der ZEIT vor einem Jahr schon erzählt wurde:

Salvacyl entzieht den Knochen Kalzium und erhöht so womöglich das Osteoporoserisiko. Alle paar Wochen fuhr Jonas deshalb weiterhin zur Kontrolle in die Charité. Manchmal trafen wir uns danach, sprachen über Berufliches, über die neue Nähe zu seiner Schwester und seinen Eltern. Die Missbrauchsbilder waren kein Thema mehr.

Im Mai 2013, fast ein Jahr nach Abschluss der Therapie, erzählte Jonas mir, dass er das Medikament aus gesundheitlichen Gründen wohl würde absetzen müssen.

Was soll man darauf sagen?

Es gibt keine bessere Therapie, es gibt kein stärkeres Medikament, die einzige Alternative, Androcur, hatte bei Jonas kaum gewirkt.

Gut finde ich auch den Kommentar #25:

Ich begrüße so sachliche Artikel über ein so aufgeladenes Thema wie sexuelle Gewalt gegen Babies, Kinder und Jugendliche.

Aber ich würde mir als Stiefmutter eines inzwischen volljährigen jungen Mannes und Mutter eines 8 Monate alten Jungen wünschen, dass mein Nachbar offen zu mir kommt und z.B. sagt: „Könnten Sie Ihrem Sohn im Planschbecken bitte eine Badehose anziehen, ich habe pädophile Neigungen.“

Besser, als wenn ich den Mann unnötig in sexuelle Erregung versetze und mein Kind (oder andere) gefährde. Dann schicke ich den Kleinen auch nicht rüber, mal ein Paket abholen, oder was man unter Nachbarn so macht. Trotzdem, oder grade für die Offenheit, respektiere ich den Mann, der sich das trauen würde.

Leider ist aber der Fackeln tragenden Mob die Regel und genau der verhindert dann das, was er zu tun vorgibt: den Schutz unserer Kinder. Im Gegenteil, er verhindert den Schutz, denn pädophile Männer outen sich nicht, der soziale Rückhalt fehlt, der psychische Stress steigt und damit die Gefahr, Gewalt gegen Kinder auszuüben oder anzusehen/unterstützen.

Word.

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Eigentlich war’s ja Zeit und paßt gut in die Igittbäh-Politik der AfD:

*würg*

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Greenpeace besetzt AKW Fessenheim:

Vor acht Uhr waren nach Angaben des Innenministeriums zwanzig Demonstranten von der Polizei festgenommen worden. 15 weitere befanden sich dagegen noch auf dem Reaktordach. Mit ihrer spektakulären Aktion wollten die Greenpeace-Aktivisten, die 14 verschiedenen Nationalitäten angehören, im Vorfeld eines EU-Energiegipfels gegen die Atomkraft demonstrieren.

In einem Communiqué fordert Greenpeace den französischen Staatspräsidenten François Hollande und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel auf, in ihren Staaten und der übrigen EU, „gestützt auf die erneuerbaren Energien, (eine) wahre Wende ohne atomare Risiken“ einzuleiten.

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Immer noch: Gender Pay Gap.

Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind auch im Jahr 2013 nicht kleiner geworden. Frauen verdienen insgesamt 22 Prozent weniger als Männer, das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Die Differenz bleibt damit das vierte Jahr in Folge unverändert.

Frauen verdienen den Angaben zufolge im Schnitt 15,56 Euro brutto pro Stunde, Männer kommen auf 19,84 Euro. Vor allem im Westen verdienen Frauen weniger als Männer. Dort ist die Lücke mit 24 Prozent dreimal so hoch wie im Osten. In den neuen Bundesländern verdienen Frauen rund acht Prozent weniger.

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Endlich mal ein Netztrend, den ich lustig finde – McConnelling:

Nun ist es zwar nicht so, dass sich McConnell und das Internet diametral entgehenstehen. Mitch McConnell hat 134.000 Anhänger bei Facebook und einen durchaus gut gepflegten Youtube-Auftritt. Aber das alleine macht aus einem ergrauten US-Republikaner noch kein Netzphänomen. Dafür reichte ein Youtube-Clip aus, in dem McConnells Wahlkampfteam einige Video-Fetzen ihres Chefs zusammenmontierte. Das Filmchen sollte in der parteiinternen Vorwahl zeigen, wie hart der Senator für seine Bürger arbeitet. „McConnell Working for Kentuckians“ heißt das Video, in dem der Politiker knapp zweieinhalb Minuten lang nichts sagt – und dafür viel lächelt.
Der Clip war nicht lange online, da geschah etwas Überraschendes: Das Netz war verzaubert von einem Mann und seinem Lächeln und die Kreativen im Internet bemerkten: Mitch McConnell wäre der perfekte Protagonist für so ziemlich jedes Intro einer TV-Serie.

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Regina Frey fragt sich: Was will die ZEIT?

Diese Zeitung beteiligt sich inzwischen ohne jegliche Recherche und Information über den aktuellen Stand geschlechterpolitischer Debatten am allgemeinen „Feminismus-Bashing“. Undifferenziert verbreitet die Autorin Mariam Lau Un- und Halbwahrheiten über „den Feminismus“ und seine vermeintliche Schuld an den derzeitigen Geschlechterbeziehungen. So seien an der Kriminalisierung von Prostitution „die“ Feministinnen schuld, es gebe in Europa inzwischen einen Staatsfeminismus und das Schlimme am Feminismus sei, dass er Misstrauen zwischen den Geschlechtern schaffe. Er verhindere die Suche nach Glück, trage dazu bei, dass Akademikerinnen keine Männer und Kinder mehr bekämen, die Ehen nicht hielten und die Zahl Alleinerziehender hoch sei. Auch die Aufdeckung von Kindesmissbrauch durch Väter und Bademeister in Krimiserien wie dem Tatort schüre das Misstrauen. „Wer sich in Beziehung begibt, kommt darin um“, so ein Fazit der Autorin. Klar, in anderen Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien oder dem Iran, so Lau weiter, sei das Thema wichtig, da dort ja ein blutiger Kampf um die „Verfügung über den weiblichen Körper“ geführt werde. Aber bei uns in Westeuropa stünden „Feministinnen längst auf der historischen Bühne“, wüssten nicht mehr, was zu tun sei und außerdem zeige „sich immer wieder – viele Feministinnen kennen die Frauen eigentlich nicht besonders gut“.
Diese Aussagen werden weder belegt, noch wird ihnen eine andere Meinung gegenübergestellt.