Energiearmut, Evolution & Bücher

Kontraproduktive Jobcenter, weibliche Lust, Nicht-Heterosexualität und Evolution, Sarrazin, Frauen und Älterwerden, Stromarmut, Flüchtlingsbewegungen und neue Pille danach evtl. rezeptfrei auch in Deutschland.

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Hach, der Thilo. Deutschlands Lieblings-Offline-Troll.
Man kommt ja eh nicht um ihn rum. Und da ich einfach mal davon ausgehe, daß Leser_innen dieses Blogs das Buch eh nicht kaufen, muß ich mir auch keine Sorgen machen, ob ich hier unfreiwillig Werbung für seine neuesten Ergüsse mache.
Kommentieren? Nä. Überflüssig.
Aber immerhin ein bißchen informiert sein ist auch nicht schlecht – sonst wird einem ja noch vorgeworfen, man beurteilt ein Buch, ohne es gelesen zu haben – nur wer mag sich das schon antun, ohne dafür bezahlt zu werden? Eben.
Deshalb Danke an all diese tapferen Redakteur_innen und auch an Spiegel Online für diese Fotostrecke mit einem Best of Sarrazin. Dann muß man sich die Bücher/Interviews nicht antun.
Stattdessen zurücklehnen, entspannt durchklicken und wahlweise Kopfschütteln oder Totlachen („Schlampfaktor“ wird mein neues Lieblingswort <3). Nicht, daß ich zu Drogen raten würde, aber evtl. hilft doch ein Gläschen Wein zum humoristischen Verdauen, ist doch manchmal recht schwere Kost für einen, der Sarrazins Texte sonst, naja, eher nicht liest, sag ich jetzt mal…
Mein persönlicher Liebling hier als Screenshot:
Zitat Sarrazin 1
Das hier erklärt auch so manches:
Zitat Sarrazin 2

Das ist auch das Schöne an der Meinungsfreiheit. Daß Herr Sarrazin in einem Land lebt, wo er diesen Kram veröffentlichen darf. Damit jeder ihn sich ansehen und erkennen kann: aha, sone Type also. Da weiß man doch gleich, woran man ist! Nicht rechts zu sein kann jeder behaupten – aber wenn ich’s schriftlich (heh) habe, wie er von „deutschem Volkscharakter“ usw. redet (ich will gar nicht wissen, was bei einer Googlesuche nach dem Begriff so alles erscheint… echt nicht), dann gilt im Zweifelsfall halt auch: Papier ist geduldig. Sagen kann man viel (nicht daß das NICHT registriert würde… siehe Horst Mahler lol).
Allerdings: noch so ein Buch und es ist eigentlich nicht mal mehr angebracht, sich über den armen Mann lustig zu machen.

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Immer wieder seltsam: Beziehungsratgeber. Bei Kleinerdrei wird das Buch „Die versteckte Lust der Frauen“ (natürlich von einem Mann erklärt) besprochen:

Was Bergner auf 256 Seiten ausführt, lässt sich recht knapp zusammenfassen: Frauen* seien über Jahrhunderte in die nun omnipräsente, ach so passive Haltung gedrängt und mit allen möglichen Mitteln (darunter krude Forschungsergebnisse) darin gehalten worden. Schon bei Versuchen mit Affen sei systematisch jahrelang die weibliche Sexualität einfach nicht über das “Männchen dringt in Weibchen ein”-Prinzip hinaus betrachtet worden. Grundsätzlich gehe es immer noch darum, wer die Kontrolle über deren Sexualität, aber damit die Frauen* insgesamt habe.

Frauen* seien in ihrer Natur genausowenig auf Monogamie ausgelegt wie Männer*. Frauen hätten manchmal nicht, aber manchmal doch Spaß am Sex.

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Immer mehr Menschen können ihren Strom nicht bezahlen:

Ein Ärgernis sind sie für jeden Kunden, für sozial Schwache können sich die ständig steigenden Strompreise jedoch zu einer Katastrophe auswachsen. „Wenn die Preise weiter steigen, wird es noch mehr Stromsperren geben“, befürchtet Christian Woltering vom Paritätischen Gesamtverband. Das heißt: Noch mehr Menschen als bisher könnte dann der Strom abgestellt werden.

Gut 312 000 Haushalten ist das im Jahr 2011 widerfahren, weiß die Bundesnetzagentur, neuere Zahlen hat die Behörde nicht. Damit rücken auch die Versorger und Netzbetreiber nicht heraus. Die Frage, wie oft sie Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen, blaue Briefe und letztlich die Kündigung schicken, ist den Stromlieferanten sichtlich unangenehm.

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Die Homophoben wollen über Evolution argumentieren? Nun gut, voilà:

Das Ergebnis ist notwendigerweise breit gestreut, damit die Art auf veränderte Bedingungen flexibel reagieren kann. Abweichungen von der Norm sind also kein Fehler der Evolution, sondern ihre Triebfeder.

Dabei führt natürlich vieles ins Nichts. Dass Homosexualität eine solche Sackgasse darstellt, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn wir kennen sie nicht nur von „irgendwelchen Pantoffeltierchen“, wie Matussek schreibt, sondern quer durch alle Klassen und Gattungen. Angesichts dieser Omnipräsenz kann man als sicher annehmen, dass homosexuelles Verhalten förderlich ist für die Gesundheit der Population, für das Überleben einer Art.

Warum das im Einzelfall so ist, dafür gibt es unterschiedlichste Erklärungsansätze, die von Art zu Art differieren: Stabilisierung der Sozialstrukturen, besserer Aufzuchterfolg homosexueller Paare (ja, Matussek, genau so!), Unterstützung der Nachwuchs aufziehenden Eltern – und oft wissen wir es einfach nicht.

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Info über Flüchtlingsbewegungen:

Anhand der drei Länder Mali, Sierra Leone und der Westsahara möchten wir zeigen, dass es paradoxerweise gerade der Reichtum an Rohstoffen ist, der Migrationsbewegungen innerhalb Afrikas und nach Europa hervorruft. Die drei Länder sind reich an Gold, Baumwolle, Diamanten und fruchtbaren Böden oder Fischbeständen. Die politische Verfasstheit dieser Länder, die Handelsinteressen der Industrienationen und der Konzerne führt jedoch dazu, dass die Bevölkerung kaum von dem Reichtum profitiert. Verschärfend wirken die Wirtschaftsabkommen, mit denen die Europäische Union (EU) die rohstoffreichen Länder zwingt, ihre Handelsbedingungen zu liberalisieren und Exportsteuern abzuschaffen.

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Noch ein Weg zur rezeptfreien Pille danach (ohne Zustimmung der Bundesregierung) könnte ein neues Präparat sein (natürlich noch nicht langzeitgetestet etc. … macht aber immerhin Druck!):

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erwägt die EU-weite Freigabe einer derzeit in Deutschland noch rezeptpflichtigen „Pille danach“ für den Apothekenverkauf, das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Bei „Ella-One“ handelt es sich um ein Folgepräparat des Notfallkontrazeptivums „Pidana“, für dessen Apothekenfreigabe sich die SPD seit Jahren ausspricht. Die CDU beharrt jedoch auf eine Verschreibungspflicht. Laut FAZ könnte diese Entscheidung den Streit zwischen CDU und SPD hinfällig werden lassen. „Wir können bestätigen, dass ein Antrag für die Entlassung von „Ella-One“ aus der Verschreibungspflicht vorliegt“, wird eine Sprecherin der EMA in dem Bericht zitiert.

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Antje Schrupp hat Bascha Mikas neues Buch über Frauen und Älterwerden gelesen. Es scheint, Mika ist da u.a. in die klassische weiße Mittelstandsfrauen – Falle gelaufen:

Aber dieses Buch ist, ich kann es nicht freundlicher ausdrücken, einfach unerträglich. Bis ungefähr zur Seite 100 (wo ich jetzt bin) geht es NUR um weiße, bürgerliche Frauen und NUR darum, dass sie sexuell keine Aufmerksamkeit mehr erregen, und zwar NUR darum, dass sie bei Männern keine sexuelle Aufmerksamkeit mehr erregen.

Ich habe ehrlich keine Ahnung, ob mir früher Bauarbeiter je hinterhergepfiffen haben (gibt es eigentlich ein abgegriffeneres Klischee?), aber wenn es jemals so gewesen sein sollte und jetzt nicht mehr so sein sollte, dann ist es mir total egal. Nein, ich habe auch keine Angst davor, dass mich mein Mann wegen einer zwanzig Jahre Jüngeren verlässt, und wenn es trotzdem so kommen sollte, müsste ich mir höchstens Gedanken über die Parameter meiner Partnerwahl machen. Denn offenbar war sie dann ein Griff ins Klo. Für einen Mann, der mit mir nichts mehr anfangen kann, weil eine Jüngere einen strafferen Busen hat, hätte ich nichts als Verachtung übrig. Tränen hinterherweinen oder von Selbstzweifeln überfallen werden würde ich jedenfalls nicht.

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Keine Überraschung, kann aber scheints nicht of genug wiederholt werden: die Jobcenter arbeiten schlichtweg kontraproduktiv. Interview mit Sozialpädagoge Dirk Kratz:

Ich habe keine fertige Lösung. Man könnte neue Modelle der öffentlichen Beschäftigung entwickeln – zum Beispiel in Kommunen, in denen dann Lokalpolitiker, Unternehmer und Vertreter der Arbeitslosen selbst mitentscheiden, wo es Bedarf für zusätzliche Arbeitskräfte gibt und wie man sie einsetzen könnte. Das ist nicht ganz einfach. Solche Jobs dürfen ja keine anderen Arbeitsplätze verdrängen, trotzdem sollen sie so nah am Markt wie möglich sein. Aber man könnte es versuchen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Betroffenen mit am Tisch sitzen und mitreden können – statt dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird, was mit ihnen geschieht, so wie bisher. Darüber hinaus bräuchten sie auch Mitbestimmungsmöglichkeiten auf der politischen Ebene. Das ist ein weiteres zentrales Ergebnis meiner Arbeit.


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