Bodycheck, Femen & Homophobie Nouvelle

Pille danach, Nazifrauen, Frauen-Eishockey-Regelwerk, Under Pressure Banjo Cover, Homophobie Nouvelle, Baggerphrasen, Ex-Femen klagt über totalitären Umgang, Schlangenpriester stirbt an Schlangenbiß, Nymphomaniac-Darstellerin Stacy Martin, Oppressed Majority und die Entlohnung Kreativer.

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Nollendorfblog über Matusseks „Homophobie Nouvelle“:

Es ist das das Manifest einer ”Homophobie Nouvelle”. Ja, wäre man er selbst (wäre man also befähigt zu intellektuellem Pathos) könnte man sagen, dass dort nicht weniger als der Entwurf eines neuen Gesellschaftsvertrages geschrieben steht: Homo-Hass mit menschlichem Antlitz!

Doch Handlungsaufforderungen in historisch bedeutenden Manifesten haben oft ein Problem: Sie drohen unter der Last der dort formulierten gewichtigen Ideen und Gedanken erdrückt zu werden. Die Rethorik des matussekschen Homophobismus bedarf also einer allgemeinverständlichen Handreichung. Die gute Nachricht: Während die BILD-Zeitung noch daran arbeitet, sind wir schon so weit!

Haben auch Sie es satt, immer nur am Stammtisch rumzupöbeln? Kein Problem! Werden auch Sie ein “Homphob Nouvel”, ein Homo-Feind mit Matussek!

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Streß bei Femen – ein ehemaliges Mitglied beschwert sich über die totalitären Methoden der Gruppe:

„Du existierst nicht als Individuum, du denkst nicht mehr selbst, sondern durch die Gruppe, du schluckst, was dir eingetrichtert wird“, schildert die ehemalige Mitstreiterin. Wer an den spektakulären Kommandooperationen teilnehme, werde von oben bestimmt – aufgrund von unhaltbaren physischen Kriterien. Viele Frauen hätten deshalb Femen den Rücken gekehrt, behauptet die Dissidentin; die Zahl jener Mitglieder, die effektiv in Aktion träten, sei von vierzig auf fünfzehn gesunken. Femen-Leaderin Inna Schevtschenko reagierte sehr impulsiv, ohne die Zahlen infrage zu stellen. In einem Beitrag für die Huffington Post schrieb die Ukrainerin: „Femen ist eine militante Gruppe. Die Atmosphäre ist kriegerisch. Wir treffen uns nicht, um im Ausgang ein Glas zu trinken, sondern um zu kämpfen. Ja, wir haben eine ausgeprägte Hierarchie; sie ist nötig für komplexe Operationen.“

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Jede_r liebt das „Oppressed Majority“-Video. Fast.

Das Vertauschen der Geschlechter soll also gerade Männer besonders ansprechen. Und sie fühlen sich angesprochen und sagen: Oh, das ist ja wirklich schlimm! Aber betrifft es diese Männer in ihrem Alltag? Männer, die sich dieses Video anschauen, sind Guardian-, Zeit Online- oder taz-Leser. Das aufgeklärte Bürgertum also, dessen Sexismus sich nicht durch Pöbeleien auf der Straße zeigt, sondern durch anzügliche Handbewegungen am Rande, die ja nur nett gemeint sind, durch Lohnungleichheit, durch Bevorzugung attraktiver Frauen bei der Mitarbeiterinnensuche, um genau diese dann im Arbeitsalltag nicht ernst zu nehmen, eben weil sie so attraktiv sind und damit nicht sonderlich schlau sein können.

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Ninia LaGrande stellt fest, daß man als kreativ arbeitender Mensch zwar geschätzt wird – aber nur, so lange es nix kostet:

Wir brauchen einen qualitativen Artikel zum Thema ‚papperlapapp‘ und sind dabei auf Sie gestoßen. Wir würden auch Ihren Namen erwähnen, wenn Sie bloß ein, zwei Seiten schreiben. Geht auch bis morgen, oder?
Wir sind ein umsatzstarkes Unternehmen und würden gerne ein paar Produkte auf ihrem Blog platzieren. Den Text dazu schreiben Sie bitte selbst, aber nicht unter 1.200 Zeichen und vergessen Sie die Links nicht. Dafür schenken wir Ihnen auch einen Gutschein für unser Unternehmen. Das ist doch ein super Angebot, oder?

NEIN.

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Saublöde Anmachsprüche, die jede Frau kennt – das könnte eine Reihe werden… die Muschimieze fängt schon mal an:

Eine Party wie jede andere. Ein Gespräch, das gewöhnlicher nicht sein könnte. Gerade kennengelernt und konstruiert lachend ein paar Eckdaten ausgetauscht, die weder ihn noch mich wirklich interessieren. Und ohne dass man sich versieht ist er wieder da: der Smalltalk-Klassiker und mein persönlicher Konversations-Alptraum. “Warum hat so ein Mädchen wie du eigentlich noch gar keinen Freund? Du bist doch so hübsch!”. Meine Mimik erstarrt. Betretenes Schweigen. Ich nippe an dem längst abgestandenen Bier in meiner Hand, das ungefähr so faul schmeckt, wie der Nachhall seiner Worte. Was soll ich auf so eine unmögliche Frage antworten, die meinen fremden Gesprächspartner unwissentlich nicht ohnehin schon für sämtliche mittel- und langfristige Zwecke disqualifiziert hat?

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Die taz über die Bedeutung der Frauen in der rechtsradikalen Szene:

Längst gehört es zur Strategie der NPD, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Frauen als eher sozial, friedfertig und politisch unstrategisch für sich zu nutzen. Es gibt rechtsextreme Erzieherinnen, NPD-Mitglieder in Elternbeiräten, NPD-Kinderfeste, wo Frauen Kuchen und Kaffee verteilen. Frauen sind Sympathieträgerinnen, ihnen wird anscheinend eine Art generalisiertes Vertrauen entgegengebracht.

Frauen sind für die NPD aus zwei Gründen von Interesse. Zum einen, weil sie der vermeintlichen sozialen Ausrichtung der Partei Glaubwürdigkeit verleihen – soziale Belange gelten als Frauenthemen.

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„Kopfweh? Übelkeit? Ne, also bei solchen Nebenwirkungen werd ich dann doch lieber schwanger!“ – Berechtigter Anschiß für Spahn:

Letztendlich bleibt aber das stärkste Argument, dass es in sehr, sehr vielen europäischen Ländern die rezeptfreie Pille danach gibt und das zu guten Ergebnissen geführt hat. Nicht nur sinken die Abtreibungsraten tendenziell, sondern es gibt auch keinen der befürchteten ‘Missbräuche’.

Ich frage Sie also, Herr Gröhe (und auch Sie Herr Spahn): warum haben Sie so ein Problem mit der rezeptfreien Pille danach? Es gibt weder empirische, noch rationalen Gründe, die Pille danach nicht rezeptfrei werden zu lassen. Sind es also nicht emotionale Bedenken, die Sie zurückhalten? Ich gebe Ihnen einen Tipp: emotionale Debatten führen zu nichts, das endet nur mit Schaum vorm Mund. Hören Sie also bitte auf Ihren Verstand. Deutschlands Frauen* werden es Ihnen danken!

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Ein US-Priester, der beim Gottesdienst Schlangen für ein Ritual verwendete, ist an einem Schlangenbiß gestorben. Gab es da nicht mal eine entsprechende Akte X-Folge?? Die machen sowas anscheinend wirklich!

„Snake Handling“ – so heißt ein Ritual, das in den Gottesdiensten bestimmter US-Gemeinden gepflegt wird. Im Vertrauen auf göttlichen Schutz hantieren dabei christliche Fundamentalisten mit Giftschlangen, um die Unerschütterlichkeit ihres Glaubens zu demonstrieren. Im Zusammenhang mit diesem Brauch hat es jetzt im US-Bundesstaat Kentucky einen Todesfall gegeben: Prediger Jamie Coots starb offenbar an einem Schlangenbiss. Zuvor hatte er sich von herbeigerufenen Rettungskräften nicht behandeln lassen wollen.

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Weshalb es Blödsinn ist, im Frauen-Eishockey weiterhin Bodychecks zu verbieten:

Männer und Frauen haben ein gemeinsames Regelwerk, doch die Nummer 541 im IIHF-Regelbuch ist nur für Wettkämpfe mit weiblichen Spielern gültig. Der Bodycheck, der harte Körpereinsatz gegen andere Spielerinnen, ist verboten und kann mit bis zu fünf Minuten Strafzeit und automatischer Spieldauer-Disziplinarstrafe vom Schiedsrichter geahndet werden.

Sexismus im Regelwerk – die Befürworter verteidigen ihn mit absurden Werten wie dem Erhalt der sanfteren Anmutung des Spieles, welches mehr auf Taktik und Technik baue. Oder der Angst der Eltern um den weiblichen Eishockeynachwuchs. Die Frau im Eishockey ein zu schützendes Objekt – Bedenken, die es bei den Jungs und Männern nicht gibt.

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„Nymphomaniac“-Darstellerin Stacy Martin über ihre Erfahrungen am Set und den Film:

Ich kann schon verstehen, dass der Sex immer ein Thema ist, wenn man von ,Nymphomaniac’ spricht, aber ich finde die Aufregung auch etwas verlogen. Ja, klar, der Film handelt von einer Nymphomanin. Ja, es gibt Sexszenen. Und ja, es gibt auch echten Sex, weil die Pornodoubles echten Sex hatten. Aber es ist eben auch sehr viel mehr! Es ist die Geschichte eines Lebens, und es ist eine Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft, unseren Konventionen, unseren Werten. Lars hat da ein massives Werk geschaffen. Darüber wurde auch bei den Dreharbeiten oft gesprochen: Warum ist es ein Tabu, Sex einfach so zu zeigen, wie er ist oder sein kann? Man kann ihn auf eine romantische Art und Weise zeigen. Man kann Vergewaltigungen zeigen. Aber wenn man einen Mann und eine Frau beim Sex zeigt – ungefiltert, ungeschönt, ohne romantischen Hintergrund, reden alle von einem Skandalfilm. Warum denn?“


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