Mengele-Überlebende, Role Model Update & T.a.t.u. in Sotchi

Matussek: homophob und stolz drauf, Mengele-Überlebende auf Reddit, warum man den Sexworkern zuhören sollte, Aus für freiberufliche Hebammen, Spiegel Online und Wagenknecht, Frau Dingens über #wiesmarties, ChefINNEN werden eher entlassen, T.a.t.u. in Sotchi, Role Model Update, soziale Elternschaft und Mädchenmannschaft Troll/Gif-parade.

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In der „Welt“ hat sich der unsägliche Matthias Matussek praktisch als homophob geoutet (nein, DARAUF verlinke ich jetzt nicht! Sogar Aristoteles hat er in dem Text mißbraucht). Hier eine Gegenrede, in der aufgezeigt wird, daß Mattussek „katholischer als der Papst sein“ will:

Denn seine Ablehnung homosexueller Lebensweisen beschränkt sich nicht auf homosexuelle Handlungen, sondern allgemein auf „schwule Liebe“, womit das gesamte Spektrum emotionaler Verbundenheit angesprochen ist. Dieses Ressentiment zielt nicht mehr nur auf ein Verhalten, was man tun oder lassen kann, sondern postuliert die Unmöglichkeit homosexueller Liebe insgesamt; eine Vorstellung, die dem katholischen Katechismus fremd ist.

Nicht einmal Papst Benedikt XVI. vertritt in seiner Enzyklika „Deus Caritas est“ diesen Standpunkt, wiewohl auch dort die Verbindung von Mann und Frau als Ideal der Schöpfung beschrieben wird. Im Gegenteil, Benedikt warnt ausdrücklich davor, den Begriff der „Liebe“ auf Sex zu reduzieren, und propagiert stattdessen einen Begriff von der Liebe als tätiger Nächstenliebe, an der man alle Christen erkennen müsse.

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Bald wird Hebammen die Möglichkeit genommen, Geburten weiterhin auch freiberuflich zu begleiten – während die Pille danach immer noch nicht rezeptfrei ist:

Während die Politik in den letzten Jahren in der Wirtschaft viel dereguliert hat, staatliche Konzerne privatisierte und Märkte öffnete, um Wahlfreiheit zu schaffen, bleibt die Reproduktionspolitik rigide oder verschärft aufgrund ihrer Untätigkeit die Situation. Dass dies Menschen in Deutschland betrifft – Männer, Frauen und Intersexuelle, Erwachsene und Neugeborene – und ihnen das Leben schwer macht, ist wohl scheißegal.

Mehr dazu auch bei Fuckermothers.

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Bei Massenentlassungen werden eher Chefinnen als Chefs entlassen – der Fehler liegt im System:

Auch Rechtswissenschaftler sehen die Situation hierzulande aus ähnlichen Gründen kritisch: Vor allem die Sozialauswahl halten sie für ein Einfallstor für die Diskriminierung von Frauen. Dabei muss der Arbeitgeber vier Kriterien berücksichtigen: Lebensalter des Mitarbeiters, Unterhaltspflichten, Schwerbehinderung und Dauer der Betriebszugehörigkeit, also auch jenen Faktor, den Kalev als Hauptübel identifiziert hatte.

Bettina Graue, eine Rechtswissenschaftlerin der Universität Oldenburg, hat sich in einem Buchbeitrag mit der Frage beschäftigt, inwieweit betriebsbedingte Kündigungen anfällig sind für Diskriminierung. Die Expertin hält neben der Dauer der Betriebszugehörigkeit den Faktor „Unterhaltspflicht“ bei der Sozialauswahl für problematisch. Denn die können sich viel häufiger die Männer auf die Fahnen schreiben. „Üblicherweise wird Personalabbau nach dem Motto ‚hinter jedem Familienvater steht auch eine Familie‘ betrachtet und betrieben,“ fasst Graue zusammen.

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Frau Dingens vs. Rezeptpflicht, auf Youtube:

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Eine Überlebende von Mengeles Naziexperimenten auf Reddit:

Kors Botschaft ist: Vergebung. Im Januar 1995, 50 Jahre nach der Befreiung, ging Kor nach Auschwitz. Mit sich brachte sie Dr. Hans Münch, einen ehemaligen SS-Arzt aus Auschwitz, den sie zwei Jahre zuvor getroffen hatte und der vor Ort eine eidesstattliche Erklärung unterzeichnete, in der er bekundete, was er gesehen und getan hat. An diesem Tag vergab Eva Kor öffentlich allen Nazis. Für diesen Schritt kritisierten sie Überlebende des Holocaust. Ein anderes Zwillingskind, das unter den Experimenten gelitten hatte, nannte ihre Geste „unanständig“.

Frage: Was bedeutet das Konzept der „Vergebung“ für Sie? Ich frage, weil viele hier so tun, als ob Vergebung diese eine einfache Sache wäre und jeder sofort verstehe, was gemeint ist.

Kor: Vergebung heißt nicht Vergessen. Vergebung ist ein Weg, sich selbst von Schmerz, Trauma und Tragödie zu heilen. Es ist ein Weg, sich selbst zu befreien. Das Konzept der Vergebung hat nichts mit den Tätern zu tun. Es dreht sich ausschließlich um das Bedürfnis der Opfer, frei zu sein von dem Schmerz, der über sie gebracht wurde.

(Hervorhebungen von mir, weil ich das für enorm starke Worte halte).

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Die Mädchenmannschaft läßt zu unserem Amüsement mal wieder die Trolle zu gifs tanzen

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Jens Berger kritisiert den journalistischen Umgang von Spiegel Online mit Sahra Wagenknecht:

Gedankenspiele über ein mögliches Währungssystem nach dem Euro sind jedoch keine Forderung nach einer Abschaffung des Euro. Eine derartige Forderung stellt Sahra Wagenknecht im ZEIT-Interview an keiner Stelle auf. Das interessiert SPIEGEL Online jedoch nicht. Offenbar ist dem SPIEGEL eine knackige Überschrift wichtiger als deren Wahrheitsgehalt … vor allem dann, wenn man damit gegen die Linke mobilisieren kann. Ein klarer Fall für die Rubrik „Manipulation des Monats“.

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Seltsam, wie die Dinge sich ändern – ich erinnere mich daran, wie damals meine Freundin sich beschwerte, wie supergenervt sie davon wäre, daß ihre kleine Schwester so einen schlechten (und vor allem: lauten!) Musikgeschmack hätte und sie in den Genuß von einer Endlosschleife „All the things she said“ von T.a.t.u. käme, die täglich durchs Haus schallte.
Und jetzt, über 10 Jahre später? Hat das Fake-Lesben-Duo aus Russland eine Performance in Sotchi. Und wirft damit Fragen auf, die man sich damals nicht oder in ganz anderem Kontext stellte:

Perhaps as a nod to their famous school uniformed past, Lena Kativa and Yulia Volkova can be seen in shirts, ties and long tartan skirts. One of them is even wearing a trilby to compliment her tie, a classic and timeless lesbian combination which normally I‘d be happy to see getting some airtime but in this case I am affronted by because these are not real lesbians wearing their outfit with pride, love or even a hint of irony. Real lesbians are busy being persecuted, beaten, tortured and chased out of their own homes by vigilante groups with the full support of the police and Putin’s cronies i.e. the Russian government. The spotlight on the games this year by the media has been frequently focused on Russia’s human rights atrocities towards LGBT persons and has highlighted the extent to which gay people are forced to live in fear for their lives because of who they love; this is sadly not hyperbole or exaggeration as many people who were ‚out‘ are going back ‚in‘ as a matter of urgency.

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Das Väterblog weist auf die interessante Handhabung sozialer Elternschaft bei den Baatombu hin:

Wenn bei den Baatombu ein Kind von dessen leiblichen Eltern in Pflege gegeben wird, wechselt in der Vorstellung aller Beteiligten die soziale Zugehörigkeit des Kindes. Es gehört nun zu einer erwachsenen Person, die in der Regel drei Kriterien erfüllt: Sie hat das gleiche Geschlecht wie das Kind; sie ist mit dem Kind und seinen Eltern verwandt; dabei ist sie in der verwandtschaftlichen Hierarchie den Eltern des Kindes übergeordnet.

Vor allem drei Gründe veranlassen die leiblichen Eltern zur räumlichen Trennung von ihren Kindern: Zunächst soll der generationenübergreifende Zusammenhalt innerhalb eines Familienverbandes gestärkt werden. Darüber hinaus ist bei den Baatombu die Vorstellung verbreitet, dass die soziale Elternschaft und die damit verbundene Distanz von der leiblichen Mutter den Reifungsprozess der Kinder fördern. Hinzu kommt die Auffassung, dass Kinder keinen angemessenen Respekt gegenüber den Hierarchien innerhalb des Familienverbandes entwickeln, wenn sie in einer zu engen Beziehung zu ihren leiblichen Eltern leben.

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Warum die Frauenbewegung den Prostituierten zuhören sollte (via):

The characterization of sex workers fighting for their human rights as “prostituted women” engaged in futile attempts to “organize the enslaved” is perplexing. For five years my students and I have worked with and been inspired by sex workers successfully organizing from the margins of society. Sex workers in India who fight against police abuse, work as safe sex peer educators, and run afterschool programs for their children. Sex workers in South Africa who are leading a national campaign to decriminalize sex work. Sex workers in Malawi who had the courage to sue the government and challenge the constitutionality of forced HIV testing of sex workers without informed consent. And there are countless more examples of sex workers organizing in Africa, Asia, Europe, Latin America and the Caribbean, and North America. To label and disregard these advocates as “victims” who cannot comprehend their true “enslavement” is condescending, disempowering, and untrue.

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Bei kleinerdrei wird für ein Role Model Update plädiert; Susanne stellt dazu ein prima Projekt vor:

Wenn die anderen (Medien) nicht dafür sorgen, dass mehr und vor allem auch verschiedene Frauen* in der Öffentlichkeit auftauchen, dann mach ich das eben selbst. Ich mache nicht nur ein Porträt über eine Sportlerin, sondern viele, über ganz verschiedenen Frauen*. Und ich schaffe damit Zweierlei. Ich verschaffe Frauen*, die spannend und interessant sind mehr Öffentlichkeit und ich biete allen anderen, aber vor allem jungen Frauen* und Mädchen*, mehr potentielle Vorbilder, aus denen sie sich welche aussuchen können. Das Ganze packe ich in das Format einer Webserie bei Youtube, denn dort sind heute eh alle jungen Menschen, die was mit Video konsumieren wollen und die Zugangsbarrieren zu den Vorbildern sind gleichzeitig minimiert.

Und das ist sie, die fertige Idee: Eine Webserie über weibliche Vorbilder aus IT, Technik, Sport, Kunst und Unternehmerinnentum mit dem Namen roleUP! – lvl up your role models.


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