Archiv für Februar 2014

Energiearmut, Evolution & Bücher

Kontraproduktive Jobcenter, weibliche Lust, Nicht-Heterosexualität und Evolution, Sarrazin, Frauen und Älterwerden, Stromarmut, Flüchtlingsbewegungen und neue Pille danach evtl. rezeptfrei auch in Deutschland.

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Hach, der Thilo. Deutschlands Lieblings-Offline-Troll.
Man kommt ja eh nicht um ihn rum. Und da ich einfach mal davon ausgehe, daß Leser_innen dieses Blogs das Buch eh nicht kaufen, muß ich mir auch keine Sorgen machen, ob ich hier unfreiwillig Werbung für seine neuesten Ergüsse mache.
Kommentieren? Nä. Überflüssig.
Aber immerhin ein bißchen informiert sein ist auch nicht schlecht – sonst wird einem ja noch vorgeworfen, man beurteilt ein Buch, ohne es gelesen zu haben – nur wer mag sich das schon antun, ohne dafür bezahlt zu werden? Eben.
Deshalb Danke an all diese tapferen Redakteur_innen und auch an Spiegel Online für diese Fotostrecke mit einem Best of Sarrazin. Dann muß man sich die Bücher/Interviews nicht antun.
Stattdessen zurücklehnen, entspannt durchklicken und wahlweise Kopfschütteln oder Totlachen („Schlampfaktor“ wird mein neues Lieblingswort <3). Nicht, daß ich zu Drogen raten würde, aber evtl. hilft doch ein Gläschen Wein zum humoristischen Verdauen, ist doch manchmal recht schwere Kost für einen, der Sarrazins Texte sonst, naja, eher nicht liest, sag ich jetzt mal…
Mein persönlicher Liebling hier als Screenshot:
Zitat Sarrazin 1
Das hier erklärt auch so manches:
Zitat Sarrazin 2

Das ist auch das Schöne an der Meinungsfreiheit. Daß Herr Sarrazin in einem Land lebt, wo er diesen Kram veröffentlichen darf. Damit jeder ihn sich ansehen und erkennen kann: aha, sone Type also. Da weiß man doch gleich, woran man ist! Nicht rechts zu sein kann jeder behaupten – aber wenn ich’s schriftlich (heh) habe, wie er von „deutschem Volkscharakter“ usw. redet (ich will gar nicht wissen, was bei einer Googlesuche nach dem Begriff so alles erscheint… echt nicht), dann gilt im Zweifelsfall halt auch: Papier ist geduldig. Sagen kann man viel (nicht daß das NICHT registriert würde… siehe Horst Mahler lol).
Allerdings: noch so ein Buch und es ist eigentlich nicht mal mehr angebracht, sich über den armen Mann lustig zu machen.

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Immer wieder seltsam: Beziehungsratgeber. Bei Kleinerdrei wird das Buch „Die versteckte Lust der Frauen“ (natürlich von einem Mann erklärt) besprochen:

Was Bergner auf 256 Seiten ausführt, lässt sich recht knapp zusammenfassen: Frauen* seien über Jahrhunderte in die nun omnipräsente, ach so passive Haltung gedrängt und mit allen möglichen Mitteln (darunter krude Forschungsergebnisse) darin gehalten worden. Schon bei Versuchen mit Affen sei systematisch jahrelang die weibliche Sexualität einfach nicht über das “Männchen dringt in Weibchen ein”-Prinzip hinaus betrachtet worden. Grundsätzlich gehe es immer noch darum, wer die Kontrolle über deren Sexualität, aber damit die Frauen* insgesamt habe.

Frauen* seien in ihrer Natur genausowenig auf Monogamie ausgelegt wie Männer*. Frauen hätten manchmal nicht, aber manchmal doch Spaß am Sex.

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Immer mehr Menschen können ihren Strom nicht bezahlen:

Ein Ärgernis sind sie für jeden Kunden, für sozial Schwache können sich die ständig steigenden Strompreise jedoch zu einer Katastrophe auswachsen. „Wenn die Preise weiter steigen, wird es noch mehr Stromsperren geben“, befürchtet Christian Woltering vom Paritätischen Gesamtverband. Das heißt: Noch mehr Menschen als bisher könnte dann der Strom abgestellt werden.

Gut 312 000 Haushalten ist das im Jahr 2011 widerfahren, weiß die Bundesnetzagentur, neuere Zahlen hat die Behörde nicht. Damit rücken auch die Versorger und Netzbetreiber nicht heraus. Die Frage, wie oft sie Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen, blaue Briefe und letztlich die Kündigung schicken, ist den Stromlieferanten sichtlich unangenehm.

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Die Homophoben wollen über Evolution argumentieren? Nun gut, voilà:

Das Ergebnis ist notwendigerweise breit gestreut, damit die Art auf veränderte Bedingungen flexibel reagieren kann. Abweichungen von der Norm sind also kein Fehler der Evolution, sondern ihre Triebfeder.

Dabei führt natürlich vieles ins Nichts. Dass Homosexualität eine solche Sackgasse darstellt, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn wir kennen sie nicht nur von „irgendwelchen Pantoffeltierchen“, wie Matussek schreibt, sondern quer durch alle Klassen und Gattungen. Angesichts dieser Omnipräsenz kann man als sicher annehmen, dass homosexuelles Verhalten förderlich ist für die Gesundheit der Population, für das Überleben einer Art.

Warum das im Einzelfall so ist, dafür gibt es unterschiedlichste Erklärungsansätze, die von Art zu Art differieren: Stabilisierung der Sozialstrukturen, besserer Aufzuchterfolg homosexueller Paare (ja, Matussek, genau so!), Unterstützung der Nachwuchs aufziehenden Eltern – und oft wissen wir es einfach nicht.

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Info über Flüchtlingsbewegungen:

Anhand der drei Länder Mali, Sierra Leone und der Westsahara möchten wir zeigen, dass es paradoxerweise gerade der Reichtum an Rohstoffen ist, der Migrationsbewegungen innerhalb Afrikas und nach Europa hervorruft. Die drei Länder sind reich an Gold, Baumwolle, Diamanten und fruchtbaren Böden oder Fischbeständen. Die politische Verfasstheit dieser Länder, die Handelsinteressen der Industrienationen und der Konzerne führt jedoch dazu, dass die Bevölkerung kaum von dem Reichtum profitiert. Verschärfend wirken die Wirtschaftsabkommen, mit denen die Europäische Union (EU) die rohstoffreichen Länder zwingt, ihre Handelsbedingungen zu liberalisieren und Exportsteuern abzuschaffen.

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Noch ein Weg zur rezeptfreien Pille danach (ohne Zustimmung der Bundesregierung) könnte ein neues Präparat sein (natürlich noch nicht langzeitgetestet etc. … macht aber immerhin Druck!):

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) erwägt die EU-weite Freigabe einer derzeit in Deutschland noch rezeptpflichtigen „Pille danach“ für den Apothekenverkauf, das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Bei „Ella-One“ handelt es sich um ein Folgepräparat des Notfallkontrazeptivums „Pidana“, für dessen Apothekenfreigabe sich die SPD seit Jahren ausspricht. Die CDU beharrt jedoch auf eine Verschreibungspflicht. Laut FAZ könnte diese Entscheidung den Streit zwischen CDU und SPD hinfällig werden lassen. „Wir können bestätigen, dass ein Antrag für die Entlassung von „Ella-One“ aus der Verschreibungspflicht vorliegt“, wird eine Sprecherin der EMA in dem Bericht zitiert.

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Antje Schrupp hat Bascha Mikas neues Buch über Frauen und Älterwerden gelesen. Es scheint, Mika ist da u.a. in die klassische weiße Mittelstandsfrauen – Falle gelaufen:

Aber dieses Buch ist, ich kann es nicht freundlicher ausdrücken, einfach unerträglich. Bis ungefähr zur Seite 100 (wo ich jetzt bin) geht es NUR um weiße, bürgerliche Frauen und NUR darum, dass sie sexuell keine Aufmerksamkeit mehr erregen, und zwar NUR darum, dass sie bei Männern keine sexuelle Aufmerksamkeit mehr erregen.

Ich habe ehrlich keine Ahnung, ob mir früher Bauarbeiter je hinterhergepfiffen haben (gibt es eigentlich ein abgegriffeneres Klischee?), aber wenn es jemals so gewesen sein sollte und jetzt nicht mehr so sein sollte, dann ist es mir total egal. Nein, ich habe auch keine Angst davor, dass mich mein Mann wegen einer zwanzig Jahre Jüngeren verlässt, und wenn es trotzdem so kommen sollte, müsste ich mir höchstens Gedanken über die Parameter meiner Partnerwahl machen. Denn offenbar war sie dann ein Griff ins Klo. Für einen Mann, der mit mir nichts mehr anfangen kann, weil eine Jüngere einen strafferen Busen hat, hätte ich nichts als Verachtung übrig. Tränen hinterherweinen oder von Selbstzweifeln überfallen werden würde ich jedenfalls nicht.

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Keine Überraschung, kann aber scheints nicht of genug wiederholt werden: die Jobcenter arbeiten schlichtweg kontraproduktiv. Interview mit Sozialpädagoge Dirk Kratz:

Ich habe keine fertige Lösung. Man könnte neue Modelle der öffentlichen Beschäftigung entwickeln – zum Beispiel in Kommunen, in denen dann Lokalpolitiker, Unternehmer und Vertreter der Arbeitslosen selbst mitentscheiden, wo es Bedarf für zusätzliche Arbeitskräfte gibt und wie man sie einsetzen könnte. Das ist nicht ganz einfach. Solche Jobs dürfen ja keine anderen Arbeitsplätze verdrängen, trotzdem sollen sie so nah am Markt wie möglich sein. Aber man könnte es versuchen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Betroffenen mit am Tisch sitzen und mitreden können – statt dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird, was mit ihnen geschieht, so wie bisher. Darüber hinaus bräuchten sie auch Mitbestimmungsmöglichkeiten auf der politischen Ebene. Das ist ein weiteres zentrales Ergebnis meiner Arbeit.

Pädophilie, Homophobie & obdachlose Eltern

Homosexualität in Uganda noch stärker bestraft, Pussy Riot in Sotchi, Homophobie global, Pädophilie, Weisband vs. Matussek, Sexarbeit u. Interview mit Laurie Penny darüber, Mädchensport und obdachlose Eltern.

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Nachdem wegen Herrn Edathy mit dem Begriff „Pädophilie“ mal wieder sehr ahem, „ungenau“ umgegangen wird, ein wichtiger Artikel in der Zeit:

Sind alle Menschen, die Kinder sexuell missbrauchen, pädophil?

Nein. Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch etwa unterscheidet sechs Typen, die sich sexuell an Kindern vergehen. Darunter auch der Nachbar, der in gestörten sozialen Verhältnissen lebt und sich – oft alkoholisiert – an Kindern vergeht, der Sextourist, der sich Sex mit Kindern kauft, weil er alle Bedürfnisse für „käuflich“ hält, oder auch der Perverse, der seinen Drang, andere zu quälen, an Kindern auslebt. Eine Studie der Uni Regensburg aus dem Jahr 2010 kam zu dem Schluss, dass 60 Prozent der wegen sexueller Übergriffe auf Kinder Inhaftierter keine Pädophilie aufwiesen.

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Bei dem Versuch, in Sotchi ein Video aufzunehmen, sind Pussy Riot brutal von Kosaken angegriffen worden – die damit die passenden Bilder fürs neue Viideo lieferten:

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Allgemein Sotchi-News für Sportuninteressierte bei queer.de, zum Beispiel:

20.02, 16:10h Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat den russischen Präsidenten Wladimit Putin und das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ in einem Interview mit CNN verteidigt. „[Putin] hat nicht gesagt, dass er [mit Homosexualität] ein Problem hat. Er sagte nur, dass er diese Dinge nicht gegenüber einem Publikum unter dem Alter von 18 Jahren veröffentlicht haben möchte“, so der 83-jährige Brite. „Mit dieser Ansicht stimme ich komplett überein, und wenn sie eine weltweite Befragung durchführen würden, würden sie herausfinden, dass 90 Prozent der Welt damit übereinstimmt.“

Welch Weltbild…

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Bei all der berechtigten Aufregung um Putin sollte man aber nicht vergessen, daß es anderswo auch beschissen ist, Nicht-Hetero zu sein:

In 31 Ländern Afrikas südlich der Sahara ist gleichgeschlechtlicher Sex verboten. Die Strafen reichen von Gefängnishaft bis zur Todesstrafe in Mauretanien, Sudan und nach islamischem Recht in den nördlichen Bundesstaaten Nigerias. In Südafrika sind die Rechte von Schwulen und Lesben in der Verfassung verankert. Mosambik und Botswana haben jede Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verboten.

In Nigeria hingegen ist Anfang dieses Jahres das Anti-Homosexuellen-Gesetz verschärft worden. Jetzt gilt es sogar als Straftat, Schwulen Dienstleistungen anzubieten – man darf ihnen kein Haus vermieten, und sogar die Ausstellung eines Rezepts für einen schwulen Mann kann strafbar sein.

In Kamerun, wo homosexuelle Männer regelmäßig im Gefängnis verschwinden, starb ein Schwuler kurz nach seiner Entlassung: Er war in der Haft erkrankt und hatte keinerlei medizinische Hilfe bekommen. Sein Verbrechen hatte darin bestanden, einem anderen Mann per SMS seine Liebe zu erklären.

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Besonders aktuell ist die Verschärfung der Gesetzeslage in Uganda:

Auf heftige weltweite Kritik ist die Entscheidung von Ugandas Präsident Yoweri Museveni gestoßen, ein umstrittenes Gesetz zur Kriminalisierung von Homosexualität doch noch zu unterzeichnen. Nach jahrelangem Hin und Her setzte Museveni am Montagmittag seine Unterschrift unter das Gesetz, das die bestehende und nur selten durchgesetzte Strafbarkeit gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehrs in Uganda auf alles erweitert, was als Förderung, Vorbereitung oder Gutheißen homosexueller Handlungen interpretiert werden kann, und das mit lebenslanger Haft bestraft. Wer solches Verhalten mitbekommt und nicht anzeigt, muss mit sieben Jahren rechnen.

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Auch die Diskussion um Sexarbeit geht weiter:

Die Abgeordneten rufen die Kommission auf, Maßnahmen „zur Reduktion von Prostitution“ zu ergreifen. Konkret fordern sie die europaweite Kriminalisierung von Freiern, Bewusstseinskampagnen und Präventionsstrategien speziell für sozial-ausgeschlossene, arme Menschen.
(…)
Auf den Vorstoß des Ausschusses reagierte das Internationale Komitee für die Rechte der Sexarbeiter_innen in Europa (ICRSE) mit einem offenen Brief. Darin wird die geforderte Freierbestrafung scharf verurteilt. Das Kommittee ist der Ansicht, dass das schwedische Modell nicht das geeignete Mittel sei, um Menschenhandel einzudämmen

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„Mädchensport“ – was das sein soll? Laut britischer Sportministerin angeblich Sportarten, bei denen man sich „schön weiblich“ bewegt. Aha.

So löblich das Ansinnen Helen Grants auch sein mag, mehr Frauen zur Bewegung zu motivieren – eine Sportministerin sollte keine Klischees reproduzieren. Wer vielleicht noch unsicher ist, welcher Sport der richtige ist, könnten durch unbedachte Bemerkungen sogar abgeschreckt werden. Eine Frau, die sich gerne mal am Boxsack versuchen würde, wird vielleicht zögern, wenn alle ihre Freunde behaupten, das sei nur was für Männer.

Vielen fällt es schwer, sich völlig frei von gesellschaftlichen Normen zu machen, weiß auch Sportpsychologin Staufenbiel. Sie hat beispielsweise sowohl in Deutschland, als auch in den USA Fußball gespielt und sich dabei in den Vereinigten Staaten wohler gefühlt. Sie glaubt, dass das auch daran lag, dass Fußball in Amerika kein klassischer Männersport sei. „Generell ist der Sport dort viel positiver besetzt und es wird nicht zwischen Männer und Frauenfußball verglichen – wie es hier häufig vorkommt und wobei Frauen immer schlecht abschneiden“, sagt die Sportpsychologin.

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Und: gute Nachrichten! Homophobie ist heilbar!

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie oft Heterosexualität zur Schau gestellt wird? Paare, die händchenhaltend flanieren; Kolleginnen, die auf der Arbeit von ihrem Freund erzählen; Politiker, die auf Wahlplakaten mit Frau und Kindern posieren; Tanten, die ihren Neffen fragen, ob er schon eine Freundin hat. Wenn Thomas Hitzlsperger aber nicht länger verheimlichen möchte, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt; wenn lesbische, schwule, trans- und intergeschlechtliche Personen in der Schule berücksichtigt werden wollen, dann fühlen sich viele belästigt oder bedroht. In Leserkommentaren ist von „Modeerscheinung“ die Rede, von „permanentem Outing“. Menschen, denen die Allgegenwärtigkeit von Heterosexualität gar nicht auffällt, wird es zu intim, selbst wenn es gar nicht um Sex geht.

Warum ist das so, woher kommt diese Abneigung? Vor allem drei Faktoren beeinflussen die Entstehung von Homophobie: rigide Geschlechternormen, eine fundamentalistische Religiosität und Unkenntnis.

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Interview mit Laurie Penny über Sexarbeit:

Das war in der gesamten Geschichte der Prostitution so: Es gibt Frauen mit Würde und Frauen ohne Würde. Das ist verletzend, nicht nur für Prostituierte, sondern für alle Frauen. Frauen, die mit mehreren Männern schlafen, werden abgewertet. Hier spielt das Patriarchat mit dem Staat zusammen: Die Sexarbeiterin wird aus der Gesellschaft ausgeschlossen, weil die promiske Frau ausgeschlossen werden muss. Denn sie stellt das Patriarchat infrage. Emotionale Arbeit der Frauen ist in unserer Gesellschaft nur dann gut, wenn sie unbezahlt ist: Männer und Kinder lieben und all diese Liebesdienste an ihnen verrichten.

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Sybille Berg ärgert sich darüber
, daß Matussek ernst genommen wird – aber die Berichte von Marina Weisband aus Kiew abqualifiziert werden:

Nach dem Aufenthalt der diplomierten Psychologin, Politikerin, in der Ukraine geborenen, mehrsprachigen und erst 26-jährigen Marina Weisband in Kiew und ihrer Berichte darüber überkam den gemeinen Internetnutzer, Twitter-User und SPIEGEL-ONLINE-Foristen mal wieder das bange Elend. Der Kommentar eines natürlich anonymen Menschen, der sich EGAL nennt, fasst den Großteil der Lesermeinungen recht gut zusammen:

Schnuckelig
egal, 20.2., 06:40 Uhr
Sieht sie ja aus, aber ich denke, die Rolle die sie hier zu spielen gedenkt, ist ihr 4 Nummern zu groß.

Ich sehe in dem zugehörigen Interview mit Frau Weisband kaum Anhaltspunkte, die irgendeine Empörung rechtfertigen. Außer einigen offensichtlichen Systemfehlern. Frau Weisband ist jung, sieht gut aus (das erwähne ich nur, weil es einigen Kommentatoren sehr wichtig zu sein scheint), ist clever und unerschrocken. Das kann einen schon mal an den Rand der Verzweiflung treiben, als behaglich zu Hause sitzender Leser. Vielleicht handelt es sich auch um Leserinnen; aufmerksame Konsumenten meiner Aufsätze hier wissen, dass ich fernab jeder Form von geschlechtsbezogener Diskriminierung agiere (kleiner Scherz, schmunzel, schenkelklopf, Sie verstehen, was ich meine).

Ich habe den bösen, unbestätigten, undifferenzierten Verdacht, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Also eine Frau, aus Kiew? Und die will uns was erzählen? Aber vielleicht irre ich mich. Schwamm drüber, lassen Sie uns nicht streiten. Sie haben alle recht. Wie auch Matthias Matussek, der letzte Woche einen Artikel veröffentlichen durfte, den er mit der Zeile „Ich bin wohl homophob und das ist auch gut so“ überschrieb. Der Rest war auch nicht besser.

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Kinderschutz schreiben sich alle gern auf die Fahnen – aber wenn die Kinder arme, gar obdachlose Eltern haben, setzt sich so schnell dann doch keiner für sie ein:

Schon im Herbst hatten wir die Sozialbehörde aufgefordert, Familienunterkünfte einzurichten, natürlich auch für EU-Bürger. Aus gutem Grund: Unter der Kennedybrücke lebte damals eine bulgarische Familie mit zwei Kindern. Das Jugendamt untersuchte den Fall, kam aber zu dem Schluss, dass keine Kindeswohlgefährdung vorliege. Das sahen wir anders: Nicht durch die Eltern lag eine Gefährdung vor, diese gehen sehr liebevoll mit ihren Kindern um. Sehr wohl aber durch die Umstände: Es kann schließlich nicht angehen, dass Kinder auf der Straße leben. Deshalb brachten wir die Familie auf eigene Kosten in einer Kirchenkate unter. Damals führten wir auch Gespräche über das Thema mit der Behörde und forderten, spätestens zum Winter Unterkünfte für Familien und Geld für ihre Versorgung bereitzustellen. Das wurde als nicht notwendig erachtet. Stattdessen sollte es individuelle Lösungen geben – und die sind dann eben Glückssache. Ergebnis: In den Notunterkünften wird nicht darauf geachtet, ob eine Frau schwanger ist oder nicht. Laut Behörde ist nicht mal bekannt, wie viele Kinder ihren Eltern aus Armutsgründen entzogen wurden.

Bodycheck, Femen & Homophobie Nouvelle

Pille danach, Nazifrauen, Frauen-Eishockey-Regelwerk, Under Pressure Banjo Cover, Homophobie Nouvelle, Baggerphrasen, Ex-Femen klagt über totalitären Umgang, Schlangenpriester stirbt an Schlangenbiß, Nymphomaniac-Darstellerin Stacy Martin, Oppressed Majority und die Entlohnung Kreativer.

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Nollendorfblog über Matusseks „Homophobie Nouvelle“:

Es ist das das Manifest einer ”Homophobie Nouvelle”. Ja, wäre man er selbst (wäre man also befähigt zu intellektuellem Pathos) könnte man sagen, dass dort nicht weniger als der Entwurf eines neuen Gesellschaftsvertrages geschrieben steht: Homo-Hass mit menschlichem Antlitz!

Doch Handlungsaufforderungen in historisch bedeutenden Manifesten haben oft ein Problem: Sie drohen unter der Last der dort formulierten gewichtigen Ideen und Gedanken erdrückt zu werden. Die Rethorik des matussekschen Homophobismus bedarf also einer allgemeinverständlichen Handreichung. Die gute Nachricht: Während die BILD-Zeitung noch daran arbeitet, sind wir schon so weit!

Haben auch Sie es satt, immer nur am Stammtisch rumzupöbeln? Kein Problem! Werden auch Sie ein “Homphob Nouvel”, ein Homo-Feind mit Matussek!

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Streß bei Femen – ein ehemaliges Mitglied beschwert sich über die totalitären Methoden der Gruppe:

„Du existierst nicht als Individuum, du denkst nicht mehr selbst, sondern durch die Gruppe, du schluckst, was dir eingetrichtert wird“, schildert die ehemalige Mitstreiterin. Wer an den spektakulären Kommandooperationen teilnehme, werde von oben bestimmt – aufgrund von unhaltbaren physischen Kriterien. Viele Frauen hätten deshalb Femen den Rücken gekehrt, behauptet die Dissidentin; die Zahl jener Mitglieder, die effektiv in Aktion träten, sei von vierzig auf fünfzehn gesunken. Femen-Leaderin Inna Schevtschenko reagierte sehr impulsiv, ohne die Zahlen infrage zu stellen. In einem Beitrag für die Huffington Post schrieb die Ukrainerin: „Femen ist eine militante Gruppe. Die Atmosphäre ist kriegerisch. Wir treffen uns nicht, um im Ausgang ein Glas zu trinken, sondern um zu kämpfen. Ja, wir haben eine ausgeprägte Hierarchie; sie ist nötig für komplexe Operationen.“

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Jede_r liebt das „Oppressed Majority“-Video. Fast.

Das Vertauschen der Geschlechter soll also gerade Männer besonders ansprechen. Und sie fühlen sich angesprochen und sagen: Oh, das ist ja wirklich schlimm! Aber betrifft es diese Männer in ihrem Alltag? Männer, die sich dieses Video anschauen, sind Guardian-, Zeit Online- oder taz-Leser. Das aufgeklärte Bürgertum also, dessen Sexismus sich nicht durch Pöbeleien auf der Straße zeigt, sondern durch anzügliche Handbewegungen am Rande, die ja nur nett gemeint sind, durch Lohnungleichheit, durch Bevorzugung attraktiver Frauen bei der Mitarbeiterinnensuche, um genau diese dann im Arbeitsalltag nicht ernst zu nehmen, eben weil sie so attraktiv sind und damit nicht sonderlich schlau sein können.

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Ninia LaGrande stellt fest, daß man als kreativ arbeitender Mensch zwar geschätzt wird – aber nur, so lange es nix kostet:

Wir brauchen einen qualitativen Artikel zum Thema ‚papperlapapp‘ und sind dabei auf Sie gestoßen. Wir würden auch Ihren Namen erwähnen, wenn Sie bloß ein, zwei Seiten schreiben. Geht auch bis morgen, oder?
Wir sind ein umsatzstarkes Unternehmen und würden gerne ein paar Produkte auf ihrem Blog platzieren. Den Text dazu schreiben Sie bitte selbst, aber nicht unter 1.200 Zeichen und vergessen Sie die Links nicht. Dafür schenken wir Ihnen auch einen Gutschein für unser Unternehmen. Das ist doch ein super Angebot, oder?

NEIN.

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Saublöde Anmachsprüche, die jede Frau kennt – das könnte eine Reihe werden… die Muschimieze fängt schon mal an:

Eine Party wie jede andere. Ein Gespräch, das gewöhnlicher nicht sein könnte. Gerade kennengelernt und konstruiert lachend ein paar Eckdaten ausgetauscht, die weder ihn noch mich wirklich interessieren. Und ohne dass man sich versieht ist er wieder da: der Smalltalk-Klassiker und mein persönlicher Konversations-Alptraum. “Warum hat so ein Mädchen wie du eigentlich noch gar keinen Freund? Du bist doch so hübsch!”. Meine Mimik erstarrt. Betretenes Schweigen. Ich nippe an dem längst abgestandenen Bier in meiner Hand, das ungefähr so faul schmeckt, wie der Nachhall seiner Worte. Was soll ich auf so eine unmögliche Frage antworten, die meinen fremden Gesprächspartner unwissentlich nicht ohnehin schon für sämtliche mittel- und langfristige Zwecke disqualifiziert hat?

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Die taz über die Bedeutung der Frauen in der rechtsradikalen Szene:

Längst gehört es zur Strategie der NPD, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Frauen als eher sozial, friedfertig und politisch unstrategisch für sich zu nutzen. Es gibt rechtsextreme Erzieherinnen, NPD-Mitglieder in Elternbeiräten, NPD-Kinderfeste, wo Frauen Kuchen und Kaffee verteilen. Frauen sind Sympathieträgerinnen, ihnen wird anscheinend eine Art generalisiertes Vertrauen entgegengebracht.

Frauen sind für die NPD aus zwei Gründen von Interesse. Zum einen, weil sie der vermeintlichen sozialen Ausrichtung der Partei Glaubwürdigkeit verleihen – soziale Belange gelten als Frauenthemen.

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„Kopfweh? Übelkeit? Ne, also bei solchen Nebenwirkungen werd ich dann doch lieber schwanger!“ – Berechtigter Anschiß für Spahn:

Letztendlich bleibt aber das stärkste Argument, dass es in sehr, sehr vielen europäischen Ländern die rezeptfreie Pille danach gibt und das zu guten Ergebnissen geführt hat. Nicht nur sinken die Abtreibungsraten tendenziell, sondern es gibt auch keinen der befürchteten ‘Missbräuche’.

Ich frage Sie also, Herr Gröhe (und auch Sie Herr Spahn): warum haben Sie so ein Problem mit der rezeptfreien Pille danach? Es gibt weder empirische, noch rationalen Gründe, die Pille danach nicht rezeptfrei werden zu lassen. Sind es also nicht emotionale Bedenken, die Sie zurückhalten? Ich gebe Ihnen einen Tipp: emotionale Debatten führen zu nichts, das endet nur mit Schaum vorm Mund. Hören Sie also bitte auf Ihren Verstand. Deutschlands Frauen* werden es Ihnen danken!

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Ein US-Priester, der beim Gottesdienst Schlangen für ein Ritual verwendete, ist an einem Schlangenbiß gestorben. Gab es da nicht mal eine entsprechende Akte X-Folge?? Die machen sowas anscheinend wirklich!

„Snake Handling“ – so heißt ein Ritual, das in den Gottesdiensten bestimmter US-Gemeinden gepflegt wird. Im Vertrauen auf göttlichen Schutz hantieren dabei christliche Fundamentalisten mit Giftschlangen, um die Unerschütterlichkeit ihres Glaubens zu demonstrieren. Im Zusammenhang mit diesem Brauch hat es jetzt im US-Bundesstaat Kentucky einen Todesfall gegeben: Prediger Jamie Coots starb offenbar an einem Schlangenbiss. Zuvor hatte er sich von herbeigerufenen Rettungskräften nicht behandeln lassen wollen.

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Weshalb es Blödsinn ist, im Frauen-Eishockey weiterhin Bodychecks zu verbieten:

Männer und Frauen haben ein gemeinsames Regelwerk, doch die Nummer 541 im IIHF-Regelbuch ist nur für Wettkämpfe mit weiblichen Spielern gültig. Der Bodycheck, der harte Körpereinsatz gegen andere Spielerinnen, ist verboten und kann mit bis zu fünf Minuten Strafzeit und automatischer Spieldauer-Disziplinarstrafe vom Schiedsrichter geahndet werden.

Sexismus im Regelwerk – die Befürworter verteidigen ihn mit absurden Werten wie dem Erhalt der sanfteren Anmutung des Spieles, welches mehr auf Taktik und Technik baue. Oder der Angst der Eltern um den weiblichen Eishockeynachwuchs. Die Frau im Eishockey ein zu schützendes Objekt – Bedenken, die es bei den Jungs und Männern nicht gibt.

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„Nymphomaniac“-Darstellerin Stacy Martin über ihre Erfahrungen am Set und den Film:

Ich kann schon verstehen, dass der Sex immer ein Thema ist, wenn man von ,Nymphomaniac’ spricht, aber ich finde die Aufregung auch etwas verlogen. Ja, klar, der Film handelt von einer Nymphomanin. Ja, es gibt Sexszenen. Und ja, es gibt auch echten Sex, weil die Pornodoubles echten Sex hatten. Aber es ist eben auch sehr viel mehr! Es ist die Geschichte eines Lebens, und es ist eine Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft, unseren Konventionen, unseren Werten. Lars hat da ein massives Werk geschaffen. Darüber wurde auch bei den Dreharbeiten oft gesprochen: Warum ist es ein Tabu, Sex einfach so zu zeigen, wie er ist oder sein kann? Man kann ihn auf eine romantische Art und Weise zeigen. Man kann Vergewaltigungen zeigen. Aber wenn man einen Mann und eine Frau beim Sex zeigt – ungefiltert, ungeschönt, ohne romantischen Hintergrund, reden alle von einem Skandalfilm. Warum denn?“

Mengele-Überlebende, Role Model Update & T.a.t.u. in Sotchi

Matussek: homophob und stolz drauf, Mengele-Überlebende auf Reddit, warum man den Sexworkern zuhören sollte, Aus für freiberufliche Hebammen, Spiegel Online und Wagenknecht, Frau Dingens über #wiesmarties, ChefINNEN werden eher entlassen, T.a.t.u. in Sotchi, Role Model Update, soziale Elternschaft und Mädchenmannschaft Troll/Gif-parade.

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In der „Welt“ hat sich der unsägliche Matthias Matussek praktisch als homophob geoutet (nein, DARAUF verlinke ich jetzt nicht! Sogar Aristoteles hat er in dem Text mißbraucht). Hier eine Gegenrede, in der aufgezeigt wird, daß Mattussek „katholischer als der Papst sein“ will:

Denn seine Ablehnung homosexueller Lebensweisen beschränkt sich nicht auf homosexuelle Handlungen, sondern allgemein auf „schwule Liebe“, womit das gesamte Spektrum emotionaler Verbundenheit angesprochen ist. Dieses Ressentiment zielt nicht mehr nur auf ein Verhalten, was man tun oder lassen kann, sondern postuliert die Unmöglichkeit homosexueller Liebe insgesamt; eine Vorstellung, die dem katholischen Katechismus fremd ist.

Nicht einmal Papst Benedikt XVI. vertritt in seiner Enzyklika „Deus Caritas est“ diesen Standpunkt, wiewohl auch dort die Verbindung von Mann und Frau als Ideal der Schöpfung beschrieben wird. Im Gegenteil, Benedikt warnt ausdrücklich davor, den Begriff der „Liebe“ auf Sex zu reduzieren, und propagiert stattdessen einen Begriff von der Liebe als tätiger Nächstenliebe, an der man alle Christen erkennen müsse.

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Bald wird Hebammen die Möglichkeit genommen, Geburten weiterhin auch freiberuflich zu begleiten – während die Pille danach immer noch nicht rezeptfrei ist:

Während die Politik in den letzten Jahren in der Wirtschaft viel dereguliert hat, staatliche Konzerne privatisierte und Märkte öffnete, um Wahlfreiheit zu schaffen, bleibt die Reproduktionspolitik rigide oder verschärft aufgrund ihrer Untätigkeit die Situation. Dass dies Menschen in Deutschland betrifft – Männer, Frauen und Intersexuelle, Erwachsene und Neugeborene – und ihnen das Leben schwer macht, ist wohl scheißegal.

Mehr dazu auch bei Fuckermothers.

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Bei Massenentlassungen werden eher Chefinnen als Chefs entlassen – der Fehler liegt im System:

Auch Rechtswissenschaftler sehen die Situation hierzulande aus ähnlichen Gründen kritisch: Vor allem die Sozialauswahl halten sie für ein Einfallstor für die Diskriminierung von Frauen. Dabei muss der Arbeitgeber vier Kriterien berücksichtigen: Lebensalter des Mitarbeiters, Unterhaltspflichten, Schwerbehinderung und Dauer der Betriebszugehörigkeit, also auch jenen Faktor, den Kalev als Hauptübel identifiziert hatte.

Bettina Graue, eine Rechtswissenschaftlerin der Universität Oldenburg, hat sich in einem Buchbeitrag mit der Frage beschäftigt, inwieweit betriebsbedingte Kündigungen anfällig sind für Diskriminierung. Die Expertin hält neben der Dauer der Betriebszugehörigkeit den Faktor „Unterhaltspflicht“ bei der Sozialauswahl für problematisch. Denn die können sich viel häufiger die Männer auf die Fahnen schreiben. „Üblicherweise wird Personalabbau nach dem Motto ‚hinter jedem Familienvater steht auch eine Familie‘ betrachtet und betrieben,“ fasst Graue zusammen.

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Frau Dingens vs. Rezeptpflicht, auf Youtube:

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Eine Überlebende von Mengeles Naziexperimenten auf Reddit:

Kors Botschaft ist: Vergebung. Im Januar 1995, 50 Jahre nach der Befreiung, ging Kor nach Auschwitz. Mit sich brachte sie Dr. Hans Münch, einen ehemaligen SS-Arzt aus Auschwitz, den sie zwei Jahre zuvor getroffen hatte und der vor Ort eine eidesstattliche Erklärung unterzeichnete, in der er bekundete, was er gesehen und getan hat. An diesem Tag vergab Eva Kor öffentlich allen Nazis. Für diesen Schritt kritisierten sie Überlebende des Holocaust. Ein anderes Zwillingskind, das unter den Experimenten gelitten hatte, nannte ihre Geste „unanständig“.

Frage: Was bedeutet das Konzept der „Vergebung“ für Sie? Ich frage, weil viele hier so tun, als ob Vergebung diese eine einfache Sache wäre und jeder sofort verstehe, was gemeint ist.

Kor: Vergebung heißt nicht Vergessen. Vergebung ist ein Weg, sich selbst von Schmerz, Trauma und Tragödie zu heilen. Es ist ein Weg, sich selbst zu befreien. Das Konzept der Vergebung hat nichts mit den Tätern zu tun. Es dreht sich ausschließlich um das Bedürfnis der Opfer, frei zu sein von dem Schmerz, der über sie gebracht wurde.

(Hervorhebungen von mir, weil ich das für enorm starke Worte halte).

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Die Mädchenmannschaft läßt zu unserem Amüsement mal wieder die Trolle zu gifs tanzen

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Jens Berger kritisiert den journalistischen Umgang von Spiegel Online mit Sahra Wagenknecht:

Gedankenspiele über ein mögliches Währungssystem nach dem Euro sind jedoch keine Forderung nach einer Abschaffung des Euro. Eine derartige Forderung stellt Sahra Wagenknecht im ZEIT-Interview an keiner Stelle auf. Das interessiert SPIEGEL Online jedoch nicht. Offenbar ist dem SPIEGEL eine knackige Überschrift wichtiger als deren Wahrheitsgehalt … vor allem dann, wenn man damit gegen die Linke mobilisieren kann. Ein klarer Fall für die Rubrik „Manipulation des Monats“.

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Seltsam, wie die Dinge sich ändern – ich erinnere mich daran, wie damals meine Freundin sich beschwerte, wie supergenervt sie davon wäre, daß ihre kleine Schwester so einen schlechten (und vor allem: lauten!) Musikgeschmack hätte und sie in den Genuß von einer Endlosschleife „All the things she said“ von T.a.t.u. käme, die täglich durchs Haus schallte.
Und jetzt, über 10 Jahre später? Hat das Fake-Lesben-Duo aus Russland eine Performance in Sotchi. Und wirft damit Fragen auf, die man sich damals nicht oder in ganz anderem Kontext stellte:

Perhaps as a nod to their famous school uniformed past, Lena Kativa and Yulia Volkova can be seen in shirts, ties and long tartan skirts. One of them is even wearing a trilby to compliment her tie, a classic and timeless lesbian combination which normally I‘d be happy to see getting some airtime but in this case I am affronted by because these are not real lesbians wearing their outfit with pride, love or even a hint of irony. Real lesbians are busy being persecuted, beaten, tortured and chased out of their own homes by vigilante groups with the full support of the police and Putin’s cronies i.e. the Russian government. The spotlight on the games this year by the media has been frequently focused on Russia’s human rights atrocities towards LGBT persons and has highlighted the extent to which gay people are forced to live in fear for their lives because of who they love; this is sadly not hyperbole or exaggeration as many people who were ‚out‘ are going back ‚in‘ as a matter of urgency.

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Das Väterblog weist auf die interessante Handhabung sozialer Elternschaft bei den Baatombu hin:

Wenn bei den Baatombu ein Kind von dessen leiblichen Eltern in Pflege gegeben wird, wechselt in der Vorstellung aller Beteiligten die soziale Zugehörigkeit des Kindes. Es gehört nun zu einer erwachsenen Person, die in der Regel drei Kriterien erfüllt: Sie hat das gleiche Geschlecht wie das Kind; sie ist mit dem Kind und seinen Eltern verwandt; dabei ist sie in der verwandtschaftlichen Hierarchie den Eltern des Kindes übergeordnet.

Vor allem drei Gründe veranlassen die leiblichen Eltern zur räumlichen Trennung von ihren Kindern: Zunächst soll der generationenübergreifende Zusammenhalt innerhalb eines Familienverbandes gestärkt werden. Darüber hinaus ist bei den Baatombu die Vorstellung verbreitet, dass die soziale Elternschaft und die damit verbundene Distanz von der leiblichen Mutter den Reifungsprozess der Kinder fördern. Hinzu kommt die Auffassung, dass Kinder keinen angemessenen Respekt gegenüber den Hierarchien innerhalb des Familienverbandes entwickeln, wenn sie in einer zu engen Beziehung zu ihren leiblichen Eltern leben.

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Warum die Frauenbewegung den Prostituierten zuhören sollte (via):

The characterization of sex workers fighting for their human rights as “prostituted women” engaged in futile attempts to “organize the enslaved” is perplexing. For five years my students and I have worked with and been inspired by sex workers successfully organizing from the margins of society. Sex workers in India who fight against police abuse, work as safe sex peer educators, and run afterschool programs for their children. Sex workers in South Africa who are leading a national campaign to decriminalize sex work. Sex workers in Malawi who had the courage to sue the government and challenge the constitutionality of forced HIV testing of sex workers without informed consent. And there are countless more examples of sex workers organizing in Africa, Asia, Europe, Latin America and the Caribbean, and North America. To label and disregard these advocates as “victims” who cannot comprehend their true “enslavement” is condescending, disempowering, and untrue.

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Bei kleinerdrei wird für ein Role Model Update plädiert; Susanne stellt dazu ein prima Projekt vor:

Wenn die anderen (Medien) nicht dafür sorgen, dass mehr und vor allem auch verschiedene Frauen* in der Öffentlichkeit auftauchen, dann mach ich das eben selbst. Ich mache nicht nur ein Porträt über eine Sportlerin, sondern viele, über ganz verschiedenen Frauen*. Und ich schaffe damit Zweierlei. Ich verschaffe Frauen*, die spannend und interessant sind mehr Öffentlichkeit und ich biete allen anderen, aber vor allem jungen Frauen* und Mädchen*, mehr potentielle Vorbilder, aus denen sie sich welche aussuchen können. Das Ganze packe ich in das Format einer Webserie bei Youtube, denn dort sind heute eh alle jungen Menschen, die was mit Video konsumieren wollen und die Zugangsbarrieren zu den Vorbildern sind gleichzeitig minimiert.

Und das ist sie, die fertige Idee: Eine Webserie über weibliche Vorbilder aus IT, Technik, Sport, Kunst und Unternehmerinnentum mit dem Namen roleUP! – lvl up your role models.