Coming-Out, #Aufschrei & Tschüs Extremismusklausel

Arbeitsmigration, Extremismusklausel, keine Immunität mehr für Pastörs, Angela Davis, Frauenfußball, Coming-Out, #aufschrei-Rückblick und Herrin der Ringe.

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Der Ladtag Schwerin hebt die Immunität von Udo Pastörs auf. Ätsch!

Es ist ein weiterer Rückschlag für NDP-Chef Udo Pastörs: Erst wählten die Kameraden nicht ihn, sondern seinen Rivalen Udo Voigt als Spitzenkandidaten für die Europawahl – nun hat der Schweriner Landtag die Immunität des 61-Jährigen aufgehoben. Damit kann jetzt ein Urteil gegen ihn vollstreckt werden.

Pastörs war 2012 wegen Verleumdung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener vom Amtsgericht Schwerin zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten und einer Zahlung von 6000 Euro verurteilt worden. In einer Landtagssitzung zum Holocaustgedenktag hatte der Fraktionsvorsitzende der SPD, Norbert Nieszery, in seiner Rede die „Vernichtung des jüdischen Bolschewismus“ als eines von Hitlers Zielen genannt. „Eine gute Idee“, rief Pastörs dazwischen.

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Frauenfußball,
Sexismus und Homosexualität:

„20elf von seiner schönsten Seite“ lautete das Motto der WM 2011, und ganz Fußball-Deutschland bekam „seine Mädchen“ halb nackt im Playboy zu sehen.

„Der Frauenfußball hat in den vergangenen Jahren eine gesellschaftliche Aufwertung erfahren. Diese Popularisierung ist aber mit der Verschärfung von Weiblichkeitszwängen verbunden“, sagt die Soziologin Degele. Werbeverträge im Tausch gegen knappe Höschen. „Es ist eine doppeldeutige Anerkennung, um nicht zu sagen, es ist eine Verarsche“, stellt Degele fest.

Nicht jede Spielerin muss damit ein Problem haben. Vermarktung ist Teil des Geschäfts. Doch Coming-outs im Profibereich können dadurch schwerer werden und Sponsoren vergraulen. Die Branche will Frauen, die sich verhalten und aussehen wie „echte Frauen“. So, wie Männer sie sich vorstellen. Die Männer, die glauben, Fußball sei nichts für Frauen.

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Candy Techno als Herrin der Ringe:

ORK was wird es denn überhaupt

FRODO weiß nicht

ORK wollten sie es denn überhaupt nicht wissen?

FRODO doch, sicher

ORK aber du nicht? Achso. Ja. Weißt du wirklich nicht, was es wird?

FRODO nein und es interessiert mich auch nicht

ORK ja das hätte ich mir. Mir ist das ja eigentlich auch. Nicht so wichtig. Also. Man kann ja kinder auch ohne rosa blau huschipusch. Ich denke die werden das sicher nicht so mit rosa und allem. Das baby. Mir ist das ja egal, was es wird.

FRODO hm

ORK naja gut da hab ich mir jetzt selbst wiedersprochen. Manchmal sagt man etwas und meint innerlich was ganz anderes. Also man redet über etwas, das einen gar nicht. Obwohl man ganz anders fühlt. Ich meine das ganz anders

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Mit ukrainische Arbeitsmigrantinnen
beschäftigt sich eine Studie von Bettina Haidinger:

Die Gründe, warum die Frauen das Land zumindest zeitweilig verlassen müssen, macht sie in ihrem Vortrag mit schlichten, in ihrer Tristesse aber sehr einprägsamen Bildern klar. Spartanisch eingerichtete Spielplätze, verlassene Räume, ein heruntergekommenes Kino. „Was sagt uns das? Dass wenig in die soziale Infrastruktur investiert wird.“ Die Ukraine ist kein Sozialstaat, vieles wurde privatisiert. Dazu kommt ein Bevölkerungsrückgang, den Haidinger mit einem fast satirisch anmutenden Plakat illustriert: „Wir müssen 52 Millionen werden. Lieben wir uns!“ „Die Leute in der Ukraine“, sagt eine Frau namens Maria in den Interviews, „denken nicht an das Leben, sondern ans Überleben.“ Dabei wären die Frauen durchaus gut qualifiziert, betont Haidinger. Sie würden in Österreich dequalifiziert arbeiten, um ihren Kindern dasselbe bieten zu können, was sie einst selbst genossen hätten: eine Ausbildung, ein Studium.

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Interview mit Angela Davis in der Jungle World:

In Deutschland wurde Christy Schwundeck 2011 in einem Jobcenter in Frankfurt am Main von der Polizei erschossen. Oury Jalloh ist 2005 in Dessau in Polizeihaft, gefesselt an Händen und Füßen, unter bislang ungeklärten Umständen verbrannt. Die Kontinuitäten lassen sich auch über die Genealogien der Kämpfe gegen Versklavung und kolonial-rassistische Unterdrückung verstehen, in denen sich die aktuellen Initiativen in Deutschland verorten.

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Ein Coming-Out hat weniger mit Sexpraktiken zu tun als mit Sichtbarkeit vs. Ignoranz:

Zwei Jahre später kamen wir zusammen. Nach außen hin blieben wir beste Freundinnen. Wir haben nie auf der Straße Händchen gehalten. Wir haben uns nie in der Öffentlichkeit geküsst. Wir lernten, aus den Augenwinkeln zu kontrollieren, ob alle Türen und Fenster geschlossen waren.

Uns blieben unsere Gefühle lange fremd. Es gab weder Vorbilder noch Worte, um unsere Beziehung zu definieren. Homosexualität fand damals vor allem in nachmittäglichen Talk-Shows statt, in denen alles „Unnormale“ in einen Topf geworfen wurde. Schräge Vögel schrien einander an. Eine einzige Freak-Show. Uns betraf das nicht, zumindest redeten wir uns das ein. Wir lebten von Tag zu Tag und nutzten jede Chance, um zusammen zu sein. Wir begannen uns von anderen abzuschotten, um die gemeinsame Zeit auszudehnen. Nach außen hin galten wir als Spätentwickler, weil wir uns nicht für Jungs interessierten. In diese Nische flüchteten wir uns. Die Tage wurden zu Jahren und wir wuchsen zusammen. Was blieb, war die Angst. Angst davor, aufzufliegen. Angst, die Nischen zu verlieren, die wir uns geschaffen hatten. Diese Angst hat sich tief in uns eingefressen.

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Rückblick auf den #aufschrei
; Interview u.a. mit Christiane Hoffmann und Anne Wizorek:

Hoffmann: Warum hat Frau Himmelreich sich nicht gewehrt? Sie hätte ja sagen können: „Sagen Sie mal, ticken Sie noch richtig?“

Wizorek: Wenn Sie sich die Aufschrei-Tweets ganz genau durchlesen, sehen Sie, dass Frauen sich wehren und dass das noch mehr Gewalt, auch physische, nach sich zieht. Es geht nicht so: Man tut dir was an, du wehrst dich, und dann ist alles gut. Weil wir in einer sexistischen Gesellschaft leben, ist der Täter am Ende immer geschützt. Was er macht, ist normal, die Frau ist die Querulantin. Viele Frauen schämen sich auch und lassen so etwas daher über sich ergehen.

Agena: Das war genau die Funktion von „Aufschrei“: Zeigen, dass man sich nicht mehr schämt, weil man Opfer wurde, sondern diese Rolle zurückweist. „Aufschrei“ war die geballte Kraft von Frauen, die sagen: Das machen wir nicht mehr mit.

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Und: Tschüs Extremismusklausel!

Gruppen, die sich ehrenamtlich gegen Rechtsextremisten engagieren, müssen künftig nicht mehr die umstrittene Extremismusklausel unterscheiben. Das bestätigten das Bundesfamilienministerium von Manuela Schwesig (SPD) und das Bundesinnenministerium von Thomas de Maizière (CDU) in einer gemeinsamen Erklärung.

Bei der Vergabe öffentlicher Mittel sollen die örtlichen Ämter die Empfänger künftig darauf hinweisen, dass staatliche Gelder für politische Bildung nur im Sinne der Verfassung ausgegeben werden dürfen. Damit wird auf eine frühere Regelung zurückgegriffen. Ex-Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte 2011 diese Praxis verschärft, was viele Organisationen als Misstrauensbekundung verstanden hatten.


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