Archiv für Dezember 2013

Schamhaare, Creepy Ronald & Prostitution

Doña Carmen vs. Schwarzer, Horrorfilmexpertin im Interview, junge Moslems, Nachwuchsband sucht Mitstreiterinnen, Prostitutionsgesetze, Schamhaarentfernung, feministische Kunst aus Russland, der gruslige Original-Ronald McDonald & das Körperselbstbild der Salzburgerinnen.

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Interessante Analyse und Kommentar über den Trend zur Schamhaarentfernung:

Eine komplett enthaarte weibliche Scham ist dem Augenschein nach ein Kindergenital. Sind also all die jungen John Ruskins verkappte Kinderschänder? Natürlich ist das Quatsch. Aglaja Stirn aber gibt zu bedenken: »Frauen, die sich enthaaren, entfernen gewissermaßen ihre sekundären Geschlechtsmerkmale. Sie verwandeln sich rein optisch in präpubertäre Körper. Damit signalisieren sie vor allem eines: Reinheit und Ungefährlichkeit. Das hat heute eine große Anziehungskraft.«

So paradox es scheint: Zum einen verweist der Trend auf so »schmutzige« Dinge wie Pornografie, auf Oralsex und ein aktives Sexualleben. Und doch kann er, so Stirn, als »Sexualabwehr« interpretiert werden: »Die Sexualität soll vom Triebhaften gereinigt werden. Mit Haaren assoziiert man Tierisches: Schmutz, Geruch, Unreinheit.«

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Für einen absoluten Bauch-Fan wie mich eine irritierende Nachricht – die Salzburgerinnen mögen ihre Bäuche nicht:

Gegenüber einem Körperteil sind Frauen besonders kritisch: „Der Bauch ist Hassobjekt Nummer eins“, erläutert Aline Halhuber-Ahlmann von ISIS. Ganze 52 Prozent der Befragten sind mit ihrer Körpermitte unzufrieden, gefolgt von Beine (36,6 Prozent), Po (33,6 Prozent) und Hüften (32,8 Prozent).

Um etwas gegen ihre Unzufriedenheit zu tun, sind die Frauen sehr streng gegenüber sich selbst und setzten rigide Mittel wie Diäten, viel Sport und gesunde Ernährung ein, um gegen ihr Problemzonen zu kämpfen. Doch: „Umso unzufriedener die Frauen sind, desto restriktiver wird ihr Essverhalten, und desto mehr Heißhungerattacken haben sie“, sagt Halhuber-Ahlmann.

Riot, don't diet!

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„Feministitskij Karandasch“ -Feministisch-politische Kunst aus Russland:

Im heutigen Russland ist die Gleichberechtigung von Frau und Mann bei weitem nicht selbstverständlich, ganz zu schweigen von der Vorstellung, sich außerhalb des Geschlechtlichen zu befinden, wie «keine Angabe» oder «anderes» im Formularfeld «Geschlecht» ankreuzen zu können.
(…)
In diesem Kontext ist die Durchführung einer Ausstellung junger Künstlerinnen, die eine feministische Herangehensweise zu Anderssein und Schwächersein anwenden, ein herausragendes Ereignis, das eine große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

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Awesomeness! Die an.schläge interviewen die Horrorfilmexpertin Julie Miess:

Das Final Girl erfüllt sicher auch die interessante Funktion, dass sich ein Teenie-Junge mit diesem Mädchen identifiziert. Aber wie ist denn das Final Girl? Sie muss immer crafty sein, kann unter Umständen auch ein Auto kurzschließen – was ja eigentlich toll ist –, aber sie ist meistens auch asexuell. Meistens gibt’s das ja auch bei den Slashern: Die Kids, die Sex haben, müssen zuerst dran glauben. Das Final Girl ist meistens die brave, die das nicht macht. Ich fände es interessanter, wenn sich ein Junge mit einer sexuellen, aggressiven, unvernünftigen Frau identifizieren würde. Deswegen finde ich das Final Girl nicht das interessanteste, aber auf jeden Fall ein interessantes Phänomen.

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Kommentar zur Prostitutionsdebatte:

Vielleicht war es aber auch die Einsicht, dass Armutsprostitution nicht durch Totalverbot zu bekämpfen ist. Das Beispiel Schweden zeigt, wohin es führt, wenn Frauen in den Untergrund getrieben werden: Dort sind sie ihren Freiern weit mehr ausgeliefert und von Gewaltverbrechen bedroht. Wenn man schon die Bedingungen in den Herkunftsländern nicht kurzfristig ändern kann, wäre es hierzulande zumindest möglich, das Arbeitsverbot für Flüchtlinge aufzuheben. Damit hätten die betroffenen Frauen eine Erwerbsalternative.

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Auch Doña Carmen hat mit Moralaposteln zu kämpfen:

Alice Schwarzer – so das Gericht – verletze mit nachweislich unwahren Behauptungen zwar in einem „die Grenze der Unerheblichkeit übersteigenden Maß“ das Persönlichkeitsrecht der Antragsteller (Doña Carmen e.V.). Doch könne das Gericht in „Abwägung der hier maßgeblichen Umstände“ keine „besonders schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung“ erkennen. Denn Schwarzers „Unzulässigkeiten“ beschränken sich „nur auf einen kleinen Teil des Druckwerks“. Letzteres stimmt in der Tat: Schwarzer ist nur auf drei Seiten ihres Skandal-Buchs über Doña Carmen hergezogen. Das war offensichtlich zu wenig. Doña Carmen muss daher die Veröffentlichung und Verbreitung der dort behaupteten Unwahrheiten ertragen!

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I want every girl to pick up a guitar and start screaming!

- Courtney Love

Und in diesem Sinne:

Das ist die richtige Einstellung! :D

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Richtig guter Text über (fehlende) Anerkennung junger Moslems:

Es ist wirklich nicht so, dass ich nicht versucht hätte, zu verstehen. Aber es gibt immer wieder diese blinde Voreingenommenheit, die jede Kommunikation von der ersten Sekunde an verhindert. Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass ich Muslimin bin, wurde ich in meiner Heimatstadt mit einem „Herzlich willkommen in Deutschland!“ begrüßt. Kaum auszuhalten, dass mir das jemand in der Stadt, in der ich geboren wurde, mit erschreckender Selbstverständlichkeit ins Gesicht sagte, vermutlich sogar in dem Glauben, das sei nun eine Art von Freundlichkeit.

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Creepy!! Ehrlich, gegen den Original- Ronald McDonald ist „Es“ fast schon ein schlechter Witz! :o

Made long before a new health-conscious generation prompted the sale of salads and juice beneath the golden arches, the commercial shows off the clown’s prolific hamburger-eating ability.

He sports a special belt which magically produces three hamburgers in a row, and at the end of the clip happily skips off to a McDonald’s restaurant.

Happy Edition: Klopapierstricken & Fett gegen das Patriarchat!

Happy Edition! – Weil man manchmal einfach gehäuft eher gute Nachrichten braucht:
Baden-Württemberg befragt seine Queers, die eigene Kneipe eröffnen, Twittern gegen Dateguru, Fat Up!, Trans-Hochzeitsglückwünsche, Kopapierstricken, Mindestlohn und musikalischer Adventskalender bei differentneeds.

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Fabelhafter Twittersturm trifft „Date-Guru“:

And Lookadoo wasn’t ready for the after-show Q&A. From local station WFAA:

Students circled around the speaker and hurled questions about his philosophies.

“Why did you tell girls to get out of abusive relationships instead of telling guys not to be abusive in the first place?” one student asked.

“I’ve done about 4,000 programs. That’s never happened,” Lookadoo confessed.

#lookadouche became a trending topic. News and media outlets picked up the story and are still running with it. Nate Beer, newsman, had to take a Twitter break because he was overwhelmed by the response (not all of it positive, I’m sure). And of course Twitter-at-large took up the cry, which is how the story came to my attention today.

I’m a bit embarrassed to admit that for a moment, when I heard about the speaker’s message, I was worried for these students; afraid that they’d actually buy into this bullshit and internalize it. And perhaps some did. But one thing is certain: Justin Lookadoo, misogynist “motivational speaker,” did motivate RHS students. Just not the way he intended.

Go, Richardson High School. You give me hope.

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Fun:

Das Problem daran, wenn man eine Kneipe eröffnet, ist: Jeder glaubt, sich auszukennen. Das ist etwas anderes, als wenn man beispielsweise eine Firma zum Vertrieb von Mikrosystemchips gründet. Wenn das abends jemand auf einer Party erzählt, dann lächeln die Leute freundlich und sagen: „Aha, Mikrosystemchips, interessant, ja wofür braucht man die denn?“

Sie fragen dann vielleicht noch so etwas wie: „An welche Firmen verkaufst du denn diese Chips?“, der Befragte gibt irgendeine Antwort, und danach hat er auch schon wieder seine Ruhe. Erwidert man hingegen auf die Frage „Was machst du denn so?“: „Ich habe eine Kneipe“, ist das ein ganz anderer Film. Weil: „Kneipe? Echt? Mensch, toll! Was ist das denn für eine und wo, und was gibt’s da so?“ Meist dauert es dann nur noch wenige Sekunden, und schon kommen die Experten zum Vorschein.

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Rückt näher: Mindestlohn auch für Praktikant_innen und Azubis:

Selbst im Entwurf zum Koalitionsvertrag vom Dienstag ist die Ausnahmeklausel noch enthalten: Der Mindestlohn gilt nicht für Auszubildende, für Praktikanten, die ihr Praktikum im Rahmen einer Schul- oder Studienordnung absolvieren, sowie für Schüler bis zum Ende der Schulpflicht, heißt es in dem Papier. Doch im Abschlusstext ist alles anders. Kein Satz zu Praktikanten, kein Satz zum Mindestlohn für Auszubildende mehr. Stattdessen lediglich eine wachsweiche Formulierung, derzufolge Probleme bei der Umsetzung des Mindestlohns „im Dialog mit Arbeitnehmern und -gebern“ berücksichtigt werden sollen.

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Immerhin – kein schelchter Anfang: Baden-Württemberg befragt seine queeren Bürger_innen.

Die Onlineumfrage wird vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren verantwortet. Ziel sei es, die bisher völlig ungenügende statistische Datenlage zur Lebenssituation queerer Menschen in Baden-Württemberg zu verbessern.

Neben Fragen zur sexuellen und geschlechtlichen Identität werden beispielsweise Erfahrungen als Jugendlicher oder als Teil einer Regenbogenfamilie, in der Schule, bei der Arbeit und mit der Polizei erfasst. Der zeitliche Umfang der Onlinebefragung beträgt ungefähr 30 Minuten. Die Ergebnisse der Befragung sollen in die Erstellung des Aktionsplans „Für Akzeptanz und gleiche Rechte“ einfließen. Die FamilienForschung Baden-Württemberg übernimmt die Auswertung und sichert die Anonymität sowie den Schutz der Daten zu.

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Das möglicherweise erste Paar Transsexueller, die ohne Geschlechts-OP Hochzeit feiert – und Nachwuchs kriegt. Glückwunsch!!!

In Argentinien hat erstmals ein Bräutigam hochschwanger den Bund der Ehe geschlossen. Alexis Taborda wurde zwar als Frau geboren und hat sich auch keiner Geschlechtsumwandlung unterzogen, wird von den Behörden aber auf eigenen Wunsch als Mann geführt.

Seine Braut Karen Bruselario wiederum kam nicht mit ihrer jetzigen Identität als Frau zur Welt, sondern als Junge. Das Paar, das sich durch das Engagement für die Rechte Transsexueller kennengelernt hatte, heiratete am Freitag in Victoria im Nordosten des Landes standesamtlich.

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Fat UP
! Fette Fotos gegen das Patriarchat! :)
Fat Up!

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Fröhliches Klopapierstricken auf kleinerdrei:

Wenn ihr länger auf dem Klo festsitzt, euer Smartphoneakku leer und euch langweilig ist könntet ihr ja mal … Klopapier stricken.

Die Anleitung (von Anna Hrachovec) ist easy-peasy; man kann sie als Mindless Knitting auch an Wartestellen runterstricken. Kuschelklopapier bricht das Eis an frostigen Tagen und eignet sich als Scherz auf einem Klorollenhalter eurer Wahl. (Aber nur, wenn ihr richtiges Klopapier in der Nähe lasst oder damit leben könnt, euer Strickwerk benutzt zu sehen.)

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Musik-Adventskalender
bei differentneeds:

In diesem Jahr soll es nicht (nur) um coole Pop-Ikonen gehen, sondern vor allem um Popsongs. Ab dem ersten Dezember werde ich hier jeden Tag einen Song vorstellen. Und zwar einen Song, dessen Titel ein Frauenname ist. Ich nenne die Reihe #SayMyName. (Ja, den Destiny’s Child-Ohrwurm habe ich jetzt auch.)