Mindestlohn für Praktikant_innen, rasssistische Türsteherpolitik & Zwangsräumungen

1/3 der Hartz IV-Bezieher_innen kriegen psychische Probleme, Ende der Essenspakete in Bayern, Anoushka Shankar, körperliche Unversehrtheit von Intersexuellen, rassistische Türsteherpolitik, mehr als sex sells, Mindestlohn auch für Praktika?, UN-Kampagne Google/Sexismus, Vergewaltiger mit Rasenmähen „bestraft“ und Zunahme von Zwangsräumungen.

_____________

Interview mit Anoushka Shankar:

In dem Song “In Jyoti’s Name” geht es um sexuelle Gewalt – ein Thema, das in Indien auf der Tagesordnung steht, seit vor einem Jahr eine Studentin in Delhi nach einer brutalen Vergewaltigung ums Leben kam. Ist die Situation der Frauen in Indien tatsächlich noch schlechter als in vielen anderen Ländern?

Schwierige Frage. Gewalt gegen Frauen ist ein globales Problem, da bringt es wenig, einzelne Länder gegeneinander auszuspielen. Andererseits gibt es in Indien ohne Zweifel einige Besonderheiten, die dieses Problem nochmal verschärfen, und schon allein die extrem hohe Zahl von sexuellen Übergriffen ist erschreckend. Es ist gut, dass nun endlich darüber geredet wird, diese Diskussion fand bisher in Indien überhaupt nicht statt. Allerdings fällt mir auf, dass einige westliche Medien nun versuchen, das alles als indisches Problem darzustellen, weil man dadurch von Problemen ablenken kann, die im eigenen Land bestehen.

***************

Haben hoffentlich noch andere Strategien auf Lager als Sex sells – junge Werberäte:

Für Marion Gebhart von der Wiener Watchdoggruppe ist es Zeit sich vom Konzept „Sex sells“ zu lösen. „Man muss weg vom Plakativen, hin zum Reflektierten“. Auch damit sei es möglich, Aufmerksamkeit zu erzeugen. In Wien können Beschwerden bei der Watchgroup auch über eine Handy-App eingebracht werden. Generell wollen Werberat und die Watchdogs an einem Strang ziehen, vor allem auch was die Sensibilisierung für das Thema angelangt. Auch Alexandra Schmidt von der Watchgroup in Salzburg kündigt diesbezügliche Kampagnen an, so soll zum Beispiel in der Festspielzeit nach dem Motto „Jedermann will nicht ins Bordell“ gegen Erotikwerbung in Taxis vorgegangen werden.

***********

Klage gegen rassistische Türsteherpolitik in München:

Ein Mitglied des Ausländerbeirates der Stadt München hat sieben Nachtklubs auf Schmerzensgeld verklagt. Hamado Dipama aus Burkina Faso wirft den Klubbetreibern Rassismus vor. Im Mai hatte er gemeinsam mit anderen Mitstreitern aus dem Beirat eine Stichprobe in 25 Münchner Klubs durchgeführt. In 20 davon wurde der dunkelhäutige Mann von den Türstehern abgewiesen.

Der Test machte Schlagzeilen, denn Dipama geht davon aus, dass seine Hautfarbe der Grund war. Einer der Türsteher habe ihm das sogar gestanden.

************


Mindestlohn, auch für Praktikant_innen
? Zeit wär’s!

Praktikanten mit abgeschlossener Ausbildung sollen nach dem Willen von Union und SPD künftig ebenfalls von den Mindestlöhnen in ihren Branchen profitieren. Das teilte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Mittwochabend in Berlin nach einer zweiten Verhandlungsrunde der Koalitionsarbeitsgruppe Arbeit/Soziales mit.

Es müsse für solche Praktika außerhalb von Schule und Studium eine angemessene Vergütung geben. Da, wo ein Mindestlohn gelte, müsse dann auch einer für die Praktikanten gezahlt werden. Deren finanzielle Situation solle so verbessert werden.

**********

Über die UN-Kampagne gegen Sexismus auf Google:

Frauen können nicht Auto fahren, ist da zu lesen. Oder auch: Frauen sollten nicht wählen. Dafür schlägt die Autocomplete-Funktion vor, „Frauen sollten in der Küche bleiben“ und „Frauen sollten Sklaven sein“. Den Satzanfang „Frauen müssen …“ vollendet Google mit „diszipliniert werden“.

Seit einer Woche gibt es die Kampagne, noch ist das Medienecho eher verhalten und auch der zugehörige Hashtag #womenshould hat es bislang nicht geschafft, die gewünschte Debatte über Sexismus und Diskriminierung im Netz anzufachen. Dabei sind die Autocomplete-Ergebnisse den Initiatoren zufolge echt, sie seien bei Suchen am 9. März dieses Jahres generiert worden.

*********

Passiert immer öfter: Zwangsräumungen.

Erst im Mai dieses Jahres ist unter der schwarz-gelben Koalition ein neues Mietrecht in Kraft getreten. Das macht Zwangsräumungen noch einfacher: Damit darf eine Wohnung nun sogar zwangsgeräumt werden, noch bevor ein Gericht in einer Räumungsklage das Urteil gesprochen hat. Das beschleunigt und erleichtert das Verfahren und soll Vermieter vor sogenannten Mietnomaden schützen. Ob das jedoch dazu führt, dass seitdem mehr Wohnungen zwangsgeräumt werden, kann Thomas Specht von der BAWG noch nicht sagen.

***********

Nun hat das elendige Essenspaket-Austeilen an Flüchtlinge auch in Bayern ein Ende:

Die seit 1993 geltende Versorgung von Asylsuchenden mit Essenspaketen war Geschäft und Schikane zugleich. Doch das soll jetzt vorbei sein: „Ich will weg von den Essenspaketen in den Gemeinschaftsunterkünften und diese durch Geldleistungen ersetzen“, sagte die neue Sozialministerin Emilia Müller (CSU) am Mittwoch. Zudem wolle sie durchsetzen, dass Flüchtlinge schneller einen sogenannten „nachrangigen Arbeitsmarktzugang“ erhalten.

Derzeit gilt ein absolutes Arbeitsverbot von neun Monaten für Asylbewerber im laufenden Verfahren und von zwölf Monaten für Geduldete. „Aber die Menschen wollen in Arbeit. Deshalb werden wir uns bei den Koalitionsverhandlungen für eine Verkürzung der Wartezeit einsetzen.“ Dabei hatte die CSU erst kürzlich verhindert, dass das absolute Arbeitsverbot bundesweit auf sechs Monate beschränkt wird.

***********

Eigentlich schon überreif: die Forderung nach körperlicher Unversehrtheit intersexuell geborener Kinder. Und wer sich mal RICHTIG gruseln will, schaut in die Kommentarspalten, da wird’s total eklig…

Viele der heute erwachsenen Intersexuellen haben als Kind schmerzhafte und traumatische Behandlungen erlebt. Und immer noch sind umstrittene Eingriffe üblich. So wird Kindern, um sie zum Mädchen zu machen, eine Vaginalplastik angelegt – eine chirurgisch erzeugte Scheide. Damit diese nicht wieder zuwächst, müssen regelmäßig Fremdkörper eingeführt werden, bougieren lautet der Fachbegriff dafür.

„Ich habe von vielen gehört, die das wie einen regelmäßigen sexuellen Übergriff erlebten“, sagt Veith. Die so Operierten sollen vaginalen Geschlechtsverkehr mit einem Mann haben können. Ob sie aber überhaupt einem Geschlecht angepasst werden wollen und wenn ja welchem, sollten Betroffene selbst entscheiden, sagt Veith – wenn sie die sexuelle Reife haben. „Medizinisch nicht notwendige Eingriffe vor dem 16. Lebensjahr gehören verboten.“

***********

Nach einer Vergewaltigung werden die Täter bestraft – und mußten dafür lediglich den Rasen vor der Polizeistation mähen. Jetzt wird protestiert:

Erzürnt hat die Menschen der Fall der 16-jährigen Liz: Das Mädchen war nach Darstellung von Angehörigen im Juni im Westen Kenias von sechs Männern angegriffen, vergewaltigt und dann in einen Abwassergraben geworfen worden. Drei der mutmaßlichen Täter wurden später von Dorfbewohnern zur Polizei gebracht. „Die drei mussten nur den Rasen vor der Polizeistation mähen und wurden kurz darauf wieder freigelassen“, sagte die Mutter von Liz der Zeitung Daily Nation.

„Rasenmähen ist keine Strafe für Vergewaltigung“, stand auf einem Schild der Demonstranten in Nairobi. Die Täter müssten festgenommen werden und die Polizisten Disziplinarstrafen erhalten, forderte die Frauenaktivistin Nebila Abdulmelik, die die Unterschriftensammlung im Internet gestartet hatte. Die Polizisten hätten versagt, „und wir haben das Gefühl, dass dadurch andere Vergewaltiger ermutigt werden“, sagte Abdulmelik. „Wir nutzen den Fall von Liz, um all die anderen Fälle von Gewalt ans Licht zu bringen, die oft nicht den Medien und der Polizei gemeldet werden.“

**************

Kaum verwunderlich – 1/3 der Hartz IV-Bezieher_innen bekommen psychische Probleme:

Gefordert seien bei dem Thema aber auch Unternehmen. Sie sollten psychisch eingeschränkten Menschen eine Chance geben. „Denn viele von ihnen sind hochproduktiv, hochintelligent. Aber sie müssen in einem Rahmen arbeiten, der nicht zusätzlich belastet, sondern eher in einem Arbeitsumfeld, das zur Genesung beiträgt“, betonte Alt. Vorgesetzte und Kollegen müssten gut informiert sein über die psychischen Einschränkungen neuer Mitarbeiter. „Denn die Erfahrung zeigt: Eine zufriedenstellende Arbeit ist oftmals die beste Therapie.“


0 Antworten auf „Mindestlohn für Praktikant_innen, rasssistische Türsteherpolitik & Zwangsräumungen“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


eins × = acht