Archiv für November 2013

Kinderlose deutsche Frauen, feministische Unterstützung & Bechdeltest in schwedischen Kinos

NSU & Verfassungsschutz, drittes Geschlecht in Bangladesch anerkannt, Brüste & Femininität, Bechdeltest in schwedischen Kinos, Demographie & Homophobie, immer mehr deutsche Frauen bleiben kinderlos, feministischer Support, Nina Hagen, taz und queer.de von Rechtspopulistenkongress ausgeschlossen, Qualitätsserien und Selbstfürsorge.

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Deutsche Frauen ziehen es immer mehr vor, kinderlos zu bleiben:

Der Trend zur späteren Familiengründung setzt sich fort. Im bundesdeutschen Durchschnitt waren 2012 die Mütter beim ersten Kind 29 Jahre alt. Der Anteil der Frauen, die noch vor ihrem 30. Geburtstag das erste Kind bekommen, wird immer kleiner. Dadurch verringert sich auch die Anzahl der potentiellen Mütter mit drei oder mehr Kindern. Zum Vergleich: Anfang der siebziger Jahre waren Frauen im früheren Bundesgebiet bei der ersten Geburt durchschnittlich gut 24 Jahre alt. Im Jahr 2012 waren sie mit 29 fünf Jahre älter. Ostdeutsche Frauen bekamen ihr erstes Kind durchschnittlich im Alter von 28 Jahren – also fünf Jahre später als noch im Jahr 1989.

Dazu Nina Hagen:


Warum soll ich meine Pflicht als Frau erfüllen?
Für wen? Für die? Für dich? Für mich?
Ich hab‘ keine Lust meine Pflicht zu erfüllen!
Für dich nicht, für mich nicht,
Ich hab‘ keine Pflicht! „

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Über „Qualitätsserien“ und ein in Lob auf Buffy!

Dass Whedon es wie kein Zweiter versteht, sein Publikum in 45 Minuten mit Erzählungen über unsere innere und äußere Welt zu fesseln, hat er mittlerweile gleich mehrfach bewiesen: Mit dem „Buffy“-Ableger „Angel“ und schließlich mit der viel zu früh abgesetzten Space-Western-Serie „Firefly“ und dem Zukunftsthriller „Dollhouse“. Einem breiten Kinopublikum wurde er im vergangenen Jahr mit der Verfilmung der Comic-Serie „The Avengers“ bekannt. Der Sog, den seine Debütserie „Buffy“ entfaltet, ist gar so groß, dass die impulsive und selbstgerechte Studienabbrecherin auch nach ihrem TV-Ende noch weiterlebt, in von Whedon und „Buffy“-Autoren geschriebenen Comics.

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Antje Schrupp analysiert das Scheitern von Frauen an der Parteipolitik:

Wie sehr es tabuisiert ist, auszusprechen, dass die Krise der Parteipolitik auch Ausdruck eines Konfliktes zwischen Frauen und Männern über die Frage ist, wie Politik sein sollte, wurde an den geradezu panischen Reaktionen auf Gaschkes Rücktrittsbegründung deutlich. Die Tagesthemen nannten sie eine aggressive Abrechnung, der Focus schrieb von einer Krawallrede, landauf landab war man sich einig, dass das unmöglich war. Ich fand es eigentlich eine ganz normale Rede, wie gesagt, ähnliche Erfahrungen und Bewertungen habe ich schon von zig parteipolitisch aktiven Frauen gehört. Das Neue daran war nur, dass es diesmal eine Oberbürgermeisterin war, die es in einer öffentlichen Rede so deutlich formuliert hat.

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Auf Zehenspitzen fragt sich, wie echte feministische Unterstützung aussehen könnte:

Ich kann die Anrufungen nicht mehr hören: Lean in! Mädchen in die Technik! Girl Power! Verteidige dich! Immer und immer wieder. Nicht, dass ich nicht für Ermutigung wäre. Im Gegenteil! Aber Ermutigungen, die sich nicht an eine einzelne Person, sondern an eine Personengruppe richten, erlauben den Rückschluss, dass die der Gruppe gemeinsame Markierung in Zusammenhang mit den Ursachen für die Ermutigungsnotwendigkeit steht – also, etwas weniger kompliziert ausgedrückt: Mädchen ist ihr Mädchen-Sein in ihrer Entwicklung hinderlich, Frauen ihr Frau-Sein.

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In Bangladesch gibt es nun offiziell ein „drittes Geschlecht“:

Bangladesch erkennt ein drittes Geschlecht neben männlich und weiblich an. Die Regierung verabschiedete am Montag ein entsprechendes Gesetz, das die Kategorie „Hijra“ im Pass und anderen Ausweisen einführt.

Als Hijra werden in Südasien Menschen bezeichnet, die sich entweder einer Kastration unterziehen, beide Geschlechtsmerkmale aufweisen oder sich als Intersexuelle dieser Gemeinschaft anschließen.

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Anne beschäftigt sich auf Kleinerdrei mit Selbstfürsorge:

Sich kümmern oder nicht kümmern, ist hier also gar nicht die Frage. Diese lautet eher, wie sehr es schon drängt, dass du in dich reinhorchst und notwendige Konsequenzen ziehst. Im besten Fall werden eh Taktiken entwickelt, um ein Ausbrennen schon vorher zu vermeiden und sich stattdessen kontinuierlich engagieren zu können.

Nicht, dass ich diesen Traumzustand schon erreicht hätte, aber ich befinde mich mit meinen Bemühungen zumindest auf einem ganz guten Weg (#famouslastwords). Nun ist das, was für mich funktioniert natürlich nicht allgemeingültig und in vielen Fällen sicher auch nicht neu, aber vielleicht ja ein Anstoß für euch, um überhaupt mal über das Thema nachzudenken oder auch Ergänzungen zu euren eigenen Methoden zu finden. Ansonsten freue ich mich selbstverständlich genauso über eure Vorschläge und Ideen, was Self care angeht.

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Vier schwedische Kinos wenden den Bechdeltest bei ihren Filmen an, um auf Sexismus aufmerksam zu machen:

The movie theaters started using the test last month to highlight the sexism of movies (largely from Hollywood) that foreground men’s stories. Ellen Tejle, the director of an art-house movie theater in Stockholm called Bio Rio, told the AP that most of the audiences have reacted positively and added that „for some people it has been an eye-opener.“

The state-run Swedish Film Institute supports the initiative and it’s starting to catch on. The Scandinavian cable TV channel Viasat Film is going to start using ratings in its film reviews and on November 17, it plans a marathon of films that earn an „A“: „The Hunger Games,“ ‚‘The Iron Lady“ and „Savages.“

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Bei Rumbaumeln gibt’s Gedanken zu Brüsten und Femininität:

Die Dysphoria die ich hatte, also das Gefühl im falschen Körper zu sein, war für mich schon immer sehr eng verbunden mit der Abwertung die weiblich zugewiesene Körperteile erfahren. Brüste waren nicht mehr wert als das, was ihnen von Typen zugesprochen wurde. Was heißt: Brüste brachten mir Sexualisierung und ansonsten waren sie mit Fett gefüllte Hautfalten, die störten. Sie hatten keinen _Sinn_. Das dabei nicht die Brüste dran schuld waren, sondern eben die Sexualisierung, änderte meine Lage ja nicht. Aber es hätte mir geholfen, mich mit meinem Körper zu versöhnen, wenn ich gewusst hätte, dass das alles System hat.

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taz und queer.de kriegen keine Akkreditierung für den Kongress „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit. Geburtenabsturz. Sexuelle Umerziehung.“ mit Sarrazin, Eva Herman und Scholl-Latour – und wie nett, auch die AfD mischt hier mit :

Ein Schwerpunkt des Kongresses ist die Ablehnung von Homo-Ehe und Gender-Mainstreaming. Im Aufruf heißt es: „Nur aus der Verbindung von Mann und Frau kann neues Leben hervorgehen, nur diese Verbindung gewährleistet die biologische Fortexistenz der europäischen Völker.“

Und weiter: „Nur wenn die ’sexuelle Umerziehung‘ gestoppt wird, werden Jungen und Mädchen stabile Charaktere und stabile Liebesbeziehungen bilden können.“ Dauere der „Geburtenabsturz“ an, könnte „die demographische Lücke nur noch durch Menschenzucht im Labor oder forcierte Einwanderung geschlossen“ werden.

Auch Béatrice Bourges, einer der führenden Köpfe des französischen Widerstands gegen die Homo-Ehe, soll in Leipzig auftreten. Frauke Petry, Sprecherin der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland, wird über Familienpolitik reden.

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Der Vater von Uwe Mundlos macht den Verfassungsschutz für die gute Vernetzung der Naziszene in Thüringen verantwortlich:

Der 66-Jährige geht auch auf eine Kontaktliste seines Sohnes ein, die Ermittler bei einer Razzia 1998 gefunden hatten. Auf der Liste hatte Uwe Mundlos die Namen und Telefonnummern etlicher brauner Kameraden notiert. Der Vater verwies darauf, dass auf dieser Liste auch mehrere Neonazis standen, die als Spitzel für die Behörden tätig waren, wie man mittlerweile wisse: „Das ist kein NSU-Netz, das ist ein Verfassungsschutz-Netz“, sagt Siegfried Mundlos.

Die Untersuchungsausschüsse des Bundestags und der Landtage haben bisher keinen Beleg dafür gefunden, dass jemand aus dem Trio Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt eine V-Person gewesen ist. Auch von den Behörden wird dies vehement dementiert. Dennoch ist diese These weiter im Umlauf, und sie tauchte auch schon kurz nach dem Untertauchen des Trios auf.

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Lang, aber absolut lesenswert – über das „Demographieproblem“ und Homophobie:

The population panic and the argument that demography-is-destiny aren’t new. We’ve seen them before — not least as a large component of Fascist ideologies in the ’20s and ’30s. Again these anxieties are stirring in a time of economic misery, social unrest, and fear. Again they have a Great Power propagandizing for them. And again they’ve collected a motley crew of fellow travellers, not in brown shirts but in black cassocks or suits and ties. It’s a dangerous time: not because humanity is dying out, as the woman-hating doomsayers claim, but because human values of diversity, cooperation, and understanding are yet again under threat.

Time to fight back.

Personenstandsrecht, Netzüberwachung & behindernde Sprache

Transphobe Polizeigewalt, Gamerinnen, when dogs rule the world…, Tips gegen Netzüberwachung, Personenstandsrecht, Lesung über behindernde Sprache, SPD-Austritt und Intervew mit Rolf Gössner.

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Interview mit dem jahrelang vom Verfassungsschutz beobachteten Juristen Rolf Gössner:

Die Idee einer „wehrhaften Demokratie“ gilt als Reaktion auf die Wehrlosigkeit der Weimarer Republik …

Will heißen: Hätte es damals einen VS gegeben, wäre die Geschichte anders verlaufen? Kaum zu glauben, denn der wäre so rechts gewesen, wie Justiz oder Polizei, die durchsetzt waren von Erzkonservativen und den Nazis den Weg bereiteten. Die Weimarer Republik scheiterte nicht an extremen Rändern der Gesellschaft, sondern an ihrer Mitte. Auch heute gilt: Der Rassismus in der Mitte der Gesellschaft wird vom VS ignoriert.

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6 Tips gegen Netzüberwachung
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Bruce Schneier rät, kommerziellen Produkten grundsätzlich mit Argwohn zu begegnen. Einig sind sich Experten darin, dass nur Open-Source-Produkten zu trauen ist, also Software, deren Quellcode öffentlich einsehbar ist. Denn so kann jeder Kenner den Code auf Sicherheitslücken und Hintertüren überprüfen – und die Nutzer müssen nicht blind einem Einzelunternehmen vertrauen. PGP-Erfinder Phil Zimmermann sagte SPIEGEL ONLINE: „Ich würde mich nicht wohl damit fühlen, Verschlüsselungssoftware zu nutzen, bei der man den Source Code nicht einsehen kann.“

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An.Schläge-Schreiberin Bettina Enzenhofer kommentiert die Gesetzesänderung im Personenstandsrecht:

Und anstatt die dringendsten Forderungen intersexueller Menschen zu diskutieren – etwa dass unter Wahrung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit nicht-lebensnotwendige, traumatisierende Operationen ohne Einwilligung der Betroffenen verboten werden müssen –, finden wir uns in einer Debatte wieder, die allein auf der Ebene von geschlechtlichen Identitäten stattfinde, so die Kritik. Durch die neue Sondervorschrift würden erneut Ausschlüsse produziert, äußert sich die Internationale Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen in einer Pressemitteilung: „Die Lebenssituation der allermeisten intergeschlechtlichen Menschen wird sich dadurch nicht verbessern.“

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Frau Dingens tritt aus der SPD aus und erklärt, weshalb:

Ich trat einst in die Partei ein, weil ich Ideale hatte, und glaubte, dass diese der SPD entsprächen. Ich trete jetzt aus, weil ich dieselben Ideale hoch halte und nicht zulassen kann, dass diese Parteistruktur mein Wertesystem zerstört und mich emotional ausbrennt. Ich würde gerne irgendwann in die Partei zurück kommen, wenn es denn Hoffnung auf wahren Einfluss gäbe und darauf, dass sich irgendetwas ändern würde. Nicht mit diesem Parteivorsitzenden, das ist klar. Von daher nehme ich, traurig aber bestimmt, vorerst Abschied von der Partei. Ich möchte keine Karteileiche sein, das kann ich nicht. Entweder ganz oder gar nicht. Momentan dann gar nicht.

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Martina erzählt von ihrer Geschichte als Gamer:

Mit 17 bekam ich dann meinen ersten Computer und es ging weiter mit großartigen Adventures wie Day of the Tentacle, Monkey Island, Loom oder Zack Mc Cracken. Bei Adventures und Rollenspielen blieb es dann auch eine ganze Weile. Auch auf meiner ersten Konsole, der Playstation, hab ich fast ausschließlich Spiele dieser Genres gespielt. Um Ego-Shooter wie Quake, Half Life oder Counter Strike habe ich sehr lange einen großen Bogen gemacht. Vor allem hielten mich Aussagen wie „Shooter sind nur etwas für Jungs.“ ab, welche nicht immer explizit getroffen wurden aber doch oft bei dem Thema impliziert werden.

Aber warum wird es Jungs und Männern eher zugeschrieben, Shooter spielen zu wollen und auch besser zu sein als Mädchen_Frauen?

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Bei Ninia gibts die Audiodateien der Lesung „Ein Streifzug durch die behindernde Sprache:

Vor wenigen Tagen war ich in Berlin, um im Deutschen Institut für Menschenrechte Texte vorzulesen – von anderen Menschen und mir. Die Lesung war übervoll, was mich sehr gefreut hat! Nun könnt Ihr Euch die Lesung im Audiomitschnitt anhören. Für die, die gerne selbst noch einmal auf die Texte schauen wollen, folgende haben wir (in dieser Reihenfolge) gelesen

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Unglaublich übergriffige Polizeigewalt an einer schwarzen Trans* (Triggerwarnung):

Laut anderen uns berichteten Diskriminierungsfällen, ist die versuchte erzwungene Genitaluntersuchung von Trans-Personen durch Polizist_innen unter dem Vorwand der Feststellung der Geschlechtsidentität kein Einzelfall, sondern institutionalisierte semi-legale Gewalt. Sie liegt im individuellen Ermessenspielraum der Polizist_innen, wenn Name und/oder Geschlecht in Ausweisdokumenten ihrer Einschätzung nach nicht zu dem Aussehen bzw. der selbstbestimmten Geschlechtsidentität passen. Auch dieser Maßnahme liegt transphobe strukturelle Gewalt zugrunde. Auf die Forderung, dass unser Mitarbeiter nur von einer Polizeibeamtin oder einem_einer Trans*Polizisten_in die körperliche Untersuchung gewähren würde, erwiderten die Polizeibeamt_innen in einem zynischen Tonfall, dass es keine Trans* Personen bei der Polizei gäbe. Dies ist eindeutig falsch und transdiskriminierend.

Mindestlohn für Praktikant_innen, rasssistische Türsteherpolitik & Zwangsräumungen

1/3 der Hartz IV-Bezieher_innen kriegen psychische Probleme, Ende der Essenspakete in Bayern, Anoushka Shankar, körperliche Unversehrtheit von Intersexuellen, rassistische Türsteherpolitik, mehr als sex sells, Mindestlohn auch für Praktika?, UN-Kampagne Google/Sexismus, Vergewaltiger mit Rasenmähen „bestraft“ und Zunahme von Zwangsräumungen.

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Interview mit Anoushka Shankar:

In dem Song “In Jyoti’s Name” geht es um sexuelle Gewalt – ein Thema, das in Indien auf der Tagesordnung steht, seit vor einem Jahr eine Studentin in Delhi nach einer brutalen Vergewaltigung ums Leben kam. Ist die Situation der Frauen in Indien tatsächlich noch schlechter als in vielen anderen Ländern?

Schwierige Frage. Gewalt gegen Frauen ist ein globales Problem, da bringt es wenig, einzelne Länder gegeneinander auszuspielen. Andererseits gibt es in Indien ohne Zweifel einige Besonderheiten, die dieses Problem nochmal verschärfen, und schon allein die extrem hohe Zahl von sexuellen Übergriffen ist erschreckend. Es ist gut, dass nun endlich darüber geredet wird, diese Diskussion fand bisher in Indien überhaupt nicht statt. Allerdings fällt mir auf, dass einige westliche Medien nun versuchen, das alles als indisches Problem darzustellen, weil man dadurch von Problemen ablenken kann, die im eigenen Land bestehen.

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Haben hoffentlich noch andere Strategien auf Lager als Sex sells – junge Werberäte:

Für Marion Gebhart von der Wiener Watchdoggruppe ist es Zeit sich vom Konzept „Sex sells“ zu lösen. „Man muss weg vom Plakativen, hin zum Reflektierten“. Auch damit sei es möglich, Aufmerksamkeit zu erzeugen. In Wien können Beschwerden bei der Watchgroup auch über eine Handy-App eingebracht werden. Generell wollen Werberat und die Watchdogs an einem Strang ziehen, vor allem auch was die Sensibilisierung für das Thema angelangt. Auch Alexandra Schmidt von der Watchgroup in Salzburg kündigt diesbezügliche Kampagnen an, so soll zum Beispiel in der Festspielzeit nach dem Motto „Jedermann will nicht ins Bordell“ gegen Erotikwerbung in Taxis vorgegangen werden.

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Klage gegen rassistische Türsteherpolitik in München:

Ein Mitglied des Ausländerbeirates der Stadt München hat sieben Nachtklubs auf Schmerzensgeld verklagt. Hamado Dipama aus Burkina Faso wirft den Klubbetreibern Rassismus vor. Im Mai hatte er gemeinsam mit anderen Mitstreitern aus dem Beirat eine Stichprobe in 25 Münchner Klubs durchgeführt. In 20 davon wurde der dunkelhäutige Mann von den Türstehern abgewiesen.

Der Test machte Schlagzeilen, denn Dipama geht davon aus, dass seine Hautfarbe der Grund war. Einer der Türsteher habe ihm das sogar gestanden.

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Mindestlohn, auch für Praktikant_innen
? Zeit wär’s!

Praktikanten mit abgeschlossener Ausbildung sollen nach dem Willen von Union und SPD künftig ebenfalls von den Mindestlöhnen in ihren Branchen profitieren. Das teilte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Mittwochabend in Berlin nach einer zweiten Verhandlungsrunde der Koalitionsarbeitsgruppe Arbeit/Soziales mit.

Es müsse für solche Praktika außerhalb von Schule und Studium eine angemessene Vergütung geben. Da, wo ein Mindestlohn gelte, müsse dann auch einer für die Praktikanten gezahlt werden. Deren finanzielle Situation solle so verbessert werden.

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Über die UN-Kampagne gegen Sexismus auf Google:

Frauen können nicht Auto fahren, ist da zu lesen. Oder auch: Frauen sollten nicht wählen. Dafür schlägt die Autocomplete-Funktion vor, „Frauen sollten in der Küche bleiben“ und „Frauen sollten Sklaven sein“. Den Satzanfang „Frauen müssen …“ vollendet Google mit „diszipliniert werden“.

Seit einer Woche gibt es die Kampagne, noch ist das Medienecho eher verhalten und auch der zugehörige Hashtag #womenshould hat es bislang nicht geschafft, die gewünschte Debatte über Sexismus und Diskriminierung im Netz anzufachen. Dabei sind die Autocomplete-Ergebnisse den Initiatoren zufolge echt, sie seien bei Suchen am 9. März dieses Jahres generiert worden.

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Passiert immer öfter: Zwangsräumungen.

Erst im Mai dieses Jahres ist unter der schwarz-gelben Koalition ein neues Mietrecht in Kraft getreten. Das macht Zwangsräumungen noch einfacher: Damit darf eine Wohnung nun sogar zwangsgeräumt werden, noch bevor ein Gericht in einer Räumungsklage das Urteil gesprochen hat. Das beschleunigt und erleichtert das Verfahren und soll Vermieter vor sogenannten Mietnomaden schützen. Ob das jedoch dazu führt, dass seitdem mehr Wohnungen zwangsgeräumt werden, kann Thomas Specht von der BAWG noch nicht sagen.

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Nun hat das elendige Essenspaket-Austeilen an Flüchtlinge auch in Bayern ein Ende:

Die seit 1993 geltende Versorgung von Asylsuchenden mit Essenspaketen war Geschäft und Schikane zugleich. Doch das soll jetzt vorbei sein: „Ich will weg von den Essenspaketen in den Gemeinschaftsunterkünften und diese durch Geldleistungen ersetzen“, sagte die neue Sozialministerin Emilia Müller (CSU) am Mittwoch. Zudem wolle sie durchsetzen, dass Flüchtlinge schneller einen sogenannten „nachrangigen Arbeitsmarktzugang“ erhalten.

Derzeit gilt ein absolutes Arbeitsverbot von neun Monaten für Asylbewerber im laufenden Verfahren und von zwölf Monaten für Geduldete. „Aber die Menschen wollen in Arbeit. Deshalb werden wir uns bei den Koalitionsverhandlungen für eine Verkürzung der Wartezeit einsetzen.“ Dabei hatte die CSU erst kürzlich verhindert, dass das absolute Arbeitsverbot bundesweit auf sechs Monate beschränkt wird.

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Eigentlich schon überreif: die Forderung nach körperlicher Unversehrtheit intersexuell geborener Kinder. Und wer sich mal RICHTIG gruseln will, schaut in die Kommentarspalten, da wird’s total eklig…

Viele der heute erwachsenen Intersexuellen haben als Kind schmerzhafte und traumatische Behandlungen erlebt. Und immer noch sind umstrittene Eingriffe üblich. So wird Kindern, um sie zum Mädchen zu machen, eine Vaginalplastik angelegt – eine chirurgisch erzeugte Scheide. Damit diese nicht wieder zuwächst, müssen regelmäßig Fremdkörper eingeführt werden, bougieren lautet der Fachbegriff dafür.

„Ich habe von vielen gehört, die das wie einen regelmäßigen sexuellen Übergriff erlebten“, sagt Veith. Die so Operierten sollen vaginalen Geschlechtsverkehr mit einem Mann haben können. Ob sie aber überhaupt einem Geschlecht angepasst werden wollen und wenn ja welchem, sollten Betroffene selbst entscheiden, sagt Veith – wenn sie die sexuelle Reife haben. „Medizinisch nicht notwendige Eingriffe vor dem 16. Lebensjahr gehören verboten.“

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Nach einer Vergewaltigung werden die Täter bestraft – und mußten dafür lediglich den Rasen vor der Polizeistation mähen. Jetzt wird protestiert:

Erzürnt hat die Menschen der Fall der 16-jährigen Liz: Das Mädchen war nach Darstellung von Angehörigen im Juni im Westen Kenias von sechs Männern angegriffen, vergewaltigt und dann in einen Abwassergraben geworfen worden. Drei der mutmaßlichen Täter wurden später von Dorfbewohnern zur Polizei gebracht. „Die drei mussten nur den Rasen vor der Polizeistation mähen und wurden kurz darauf wieder freigelassen“, sagte die Mutter von Liz der Zeitung Daily Nation.

„Rasenmähen ist keine Strafe für Vergewaltigung“, stand auf einem Schild der Demonstranten in Nairobi. Die Täter müssten festgenommen werden und die Polizisten Disziplinarstrafen erhalten, forderte die Frauenaktivistin Nebila Abdulmelik, die die Unterschriftensammlung im Internet gestartet hatte. Die Polizisten hätten versagt, „und wir haben das Gefühl, dass dadurch andere Vergewaltiger ermutigt werden“, sagte Abdulmelik. „Wir nutzen den Fall von Liz, um all die anderen Fälle von Gewalt ans Licht zu bringen, die oft nicht den Medien und der Polizei gemeldet werden.“

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Kaum verwunderlich – 1/3 der Hartz IV-Bezieher_innen bekommen psychische Probleme:

Gefordert seien bei dem Thema aber auch Unternehmen. Sie sollten psychisch eingeschränkten Menschen eine Chance geben. „Denn viele von ihnen sind hochproduktiv, hochintelligent. Aber sie müssen in einem Rahmen arbeiten, der nicht zusätzlich belastet, sondern eher in einem Arbeitsumfeld, das zur Genesung beiträgt“, betonte Alt. Vorgesetzte und Kollegen müssten gut informiert sein über die psychischen Einschränkungen neuer Mitarbeiter. „Denn die Erfahrung zeigt: Eine zufriedenstellende Arbeit ist oftmals die beste Therapie.“