21st Century Riot Grrrl, Dirndlcontest & Brief an Petra Kelly

Papst gegen Homophobie?, Alltag im Seniorenheim, sexistischer Dirndlwettbewerb, Erfinderinnen, 21st Century Riot Grrrl, taz (vs.) Norbert Gleis, Brief an Petra Kelly, Rezension zu „Reisen ins Reich“, neuer Missy-Gastblog und dunkelhäutige Filmkoparsen im 3. Reich.

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Theodor Michael spielte unter Goebbels zahlreiche „schwarze“ Statistenrollen:

Theodor Michael spielte den Diener, den „wilden“ Afrikaner, den „Exoten“. Und er war nur einer von vielen. Für die Dreharbeiten zu „Carl Peters“, einem Propagandafilm über die deutsche Kolonialgeschichte, wurden 1940 und 1941 Hunderte schwarze Komparsen angeheuert. Da die Statisten aus Deutschland nicht ausreichten, waren zusätzlich etwa 200 Kriegsgefangene, die aus den französischen Kolonien stammten, ans Set geholt worden. Wer nicht dunkel genug war, wurde nachgeschminkt. Rassistische Anfeindungen im Studio, sagt Michael, habe er damals, zumindest in den ersten Jahren beim Film, nicht erlebt.

Doch 1942, bei den Dreharbeiten zu „Münchhausen“, kippte Michaels Gefühl. Als er am Set mit den anderen schwarzen Statisten zusammen war, dachte er sich: „Jetzt hätte die nazistische Regierung die Möglichkeit, die ganze Gruppe einzukassieren.“ Zu einer Razzia kam es nicht. Michael wurde jedoch ein Jahr später zur Zwangsarbeit in einer Fabrik verpflichtet, wo er bis zur Befreiung durch die Russen ausharrte.
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„Man hat immer versucht, mir das Baströckchen hinterherzutragen.“

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Blick auf die „dunkle Seite der Macht“ – die taz interviewt Norbert Gleis von der CSU zu seinen nicht gerade homofreundlichen Ansichten:

Und den Kindern, die bei homosexuellen Paaren aufwachsen, geht es schlechter?

Das kann man so nicht sagen, aber der Gesetzgeber muss ja generalisieren, wenn er ein Gesetz machen will. Es ist nun mal Lebenserfahrung, Menschheitserfahrung, dass Kinder bei Vater und Mutter aufwachsen. Nur weil das ein paar Leute wollen, kann man das nicht in den Papierkorb werfen. Denen geht es nicht um die Kinder, sondern nur um sich selbst. Man sollte die Natur nicht außen vor lassen.

Fast schon wieder lustig.

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Julia Schramm
rezensiert „Reisen ins Reich“ von Oliver Lubrich:

Wie haben Ausländer, die das Dritte Reich bereisten, das System wahrgenommen und analysiert? Haben sie die Gefahr des Nationalsozialismus erkannt oder ließen sie sich zunächst auch von der Propaganda blenden? Und wie wurde das Regime beurteilt, als der Krieg bereits ausgebrochen war?

Oliver Lubrich hat sich dieser Fragen angenommen und unterschiedlichste Berichte von ausländischen Autoren zusammengestellt, die während der Nazizeit in Deutschland waren. Manche waren nur kurz auf Durchreise, manche lebten mehrere Jahre dort (in der Regel als Korrespondenten), einige kannten Deutschland schon zur Weimarer Zeit, andere lernten nur das Dritte Reich kennen.

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Neues Gastblog beim Missy:

Im Missy Gastblog möchte ich mit Euch meine Begeisterung für afrikanisch inspirierte Mode, Design und Kunst teilen. In den nächsten Wochen bekommt Ihr hier also Features zu neuen Kollektionen, Hinweise auf thematisch passende Bücher, Interviews mit Designer_innen, Künstler_innen und vieles mehr zu lesen.

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21st Century Riot Grrrl:

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In den kommenden Jahren stimmt die Schweiz über ein bedingungsloses Grundeinkommen ab; auch woanders macht man sich darüber Gedanken:

Gegner befürchten natürlich, dass die Wirtschaft zusammenbricht, weil ohne den Zwang zu arbeiten, (oder wie manche es ausdrücken: ohne Leistungsanreize) jeder nur noch die Füße hochlegen würde. Aber das bedingungslose Grundeinkommen ist keine abgehobene Idee von sozialreformerischen Basisgruppen wie Attac. Die unterstützen das Anliegen zwar auch, allerdings trommeln eher wirtschaftsliberal orientierte Unternehmer wie Hans Peter Haselsteiner oder der dm-Gründer Götz Werner schon weit länger für diese Idee.

Und es gibt einige Beispiele weltweit, dass ein Grundeinkommen funktionieren kann: In Südamerika und Afrika laufen schon seit einiger Zeit Pilotprojekte, in Brasilien steht das Recht auf ein Grundeinkommen sogar in der Verfassung, in Alaska werden die Gewinne aus der Ölförderung über einen Fonds gleichmäßig an die Bevölkerung ausgeschüttet – von einem Grundeinkommen kann man dort bei Beträgen von 850 bis 2.500 $ im Jahr zwar noch nicht sprechen, der Grundgedanke ist aber derselbe.

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Human Rights Watch fordert den Papst auf, gegen Homophobie in den eigenen Reihen vorzugehen:

In einem Brief an Franziskus verwies die Organisation nach eigenen Angaben unter anderen auf Erzbischof Samuel Kleda und andere Bischöfe in Kamerun.

Diese stellten sich hinter die Strafverfolgung bestimmter sexueller Minderheiten und versäumten es, auf Gewalt gegen diese Gruppen hinzuweisen. Vertreter der katholischen Kirche gäben „ihre stillschweigende oder ausdrückliche Unterstützung für diskriminierende Gesetze und Praktiken“ gegen Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender.

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Vorarlberger_innen protestieren gegen einen sexistischen „Dirndl-Wettbewerb“:

Die Wann&Wo ist eine Vorarlberger Gratiszeitung “für Junge” ist, die seit 1977 jeden Mittwoch und Sonntag an eine große Zahl von Haushalten in Vorarlberg verteilt wird. Laut ihren eigenen Statistiken (PDF-Link) (ja, wer’s glaubt, trotzdem) hat die Zeitung in Vorarlberg eine Reichweite von 82,5%. Selbst in Tirol ist sie zum Teil ein Begriff.

Vom Niveau sieht es allerdings seit einiger Zeit so aus, dass ein für ein Gewinnspiel zwar nicht explizit Fotos von Dekolletés in Dirndln gesucht wurden, aber die Beispielbilder unter “Sende uns dein Bild” suggerieren, dass bitte einzig die Brüste der Frauen fotografiert werden sollten. Der 1. Preis war ein Gutschein über 300 Euro für ein Dirndl, der 2. Preis eine Shoppingfahrt nach Mailand und der 3. Preis ein Gutschein über 100 Euro vom Messepark.

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Für mehr Feminismus an der TU Wien!

And now, at the beginning of the current semester, our professor in Statistics and Probability Theory thought it would be funny to say the following: “You see, women grow, statistically speaking, 7 years older than men. In Austria, they are allowed to retire 5 years earlier than men. And then THEY are asking for equal rights?”

Statistics: You’re doing it wrong. As a Statistics teacher. Oh my.

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Mother Jones präsentiert Erfindungen, die fälschlicherweise oft Männern zugeschrieben werden:

Ada Lovelace, computer programming: The daughter of Lord Byron, Lovelace was steered toward math by her mother, who feared her daughter would follow in her father’s „mad, bad, and dangerous“ literary footsteps. Luckily, she loved the subject, and remained devoted throughout her brief life—she died in 1852 at age 36, soon after an ambitious, proto-Moneyball attempt to beat the odds at horse racing by developing mathematical models to help place her bets.

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Fräulein Sonnenschein schreibt an Petra Kelly:

Ich hoffe sehr, dass du an deinem jetzigen Aufenthaltsort glücklich und zufrieden bist, weiß aber leider nicht, ob dir ein Blick auf die politische Entwicklung in unserem Land gestattet ist; daher möchte ich dir auf diesem Wege kurz mitteilen, was sich nach deinem Tod bei uns so alles ereignet hat: Also, zunächst konnten die Kapitalisten ihre Helfer noch weitere 6 Jahre auf den Regierungssesseln platzieren, aber 1998 hat`s dann doch geklappt. Deine GRÜNEN haben -zusammen mit der SPD- die absolute Mehrheit im Bundestag erlangt und wir alle waren überzeugt, nun würde eine neue,demokratischere, gerechtere Zeit beginnen -nach den 16 Jahren dieser miefigen schwarz-gelben Regierung von Helmut KaBunzler.

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Über den Alltag im Altersheim, aus drei Perspektiven:

Die Entscheidung, in ein Pflegeheim zu gehen, macht sich niemand leicht. Die Senioren kommen immer später, sie sind älter und kränker als früher. Einmal eingezogen, greift in deutschen Heimen das Prinzip: sicher, sauber, satt. Die alten Menschen werden gelagert und gefüttert, gewendet und gewindelt. Begleitet werden sie nicht. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung hat ausgerechnet, wie lange ein Heimpfleger für einzelne Betreuungsschritte brauchen darf.


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