Lydia Lunch, Star Wars Porn & die Google-Matrix

Klimaskeptiker AfD, hetero oder vielleicht doch nicht, Rassismus in Deutschland, die Google-Matrix, die politische Lage der Frauen in Ägypten, Lydia Lunch, E*Vibes gibt’s jetzt auch auf englisch & sucht Übersertzer_innen, Star Wars Porn und Kommunist_innen nach der Bundestagswahl.

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Das Frauen* Internationalismus-Archiv Dortmund beleuchtet die politische Situation der Frauen in Ägypten:

Da sich während der Verfassungsberatungen 2012 die Delegierten nicht einigen konnten, wurde aus der Verfassung damals ein Artikel über die Gleichstellung der Frau wieder herausgenommen. „Im neuen Entwurf ist ein entsprechender Artikel vorgesehen“, berichtet die Frankfurter Rundschau. „Er verpflichtet den Staat, der Frau bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in Familie und Gesellschaft zu helfen und garantiert ihr gleiche Rechte wie dem Mann, es sei denn, so der entscheidende Einschub: ‚Dies widerspricht den Prinzipien der Scharia’. Frauenrechtlerinnen sehen darin einen Rückschritt im Vergleich zur vorherigen Verfassung.“2 Dieser neue Artikel ist offenbar der alte, der schon damals zu Protesten führte.

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Long live Lydia Lunch!

Ich habe gerade in Frankreich ein Stück für Virginie Despentes (Regisseurin von „Baise-moi“, Anm. J. Z.) geschrieben, sie hat eine Anthologie über Dominik Strauss-Kahn zusammengestellt. Nachdem ich das Stück in Los Angeles gelesen habe, hat der Hustler – Larry Flints Männermagazin – es gekauft. Sie drucken es nächsten Monat. Das könnte doch ein Hinweis für Veränderung sein! Mir kommt das zwar bizarr vor, aber immerhin. Und jetzt will Larry Flint, dass ich politische Kolumnen für den Hustler verfasse – ich schlug ihnen dafür den Titel „Cuntzilla vs the Cockocracy“ vor. Sie wollen, dass ich über die NSA und Edward Snowden schreibe. Dass ein Pornograf wie Flint so etwas gut findet, bedeutet ja nur, dass es im Ganzen nicht um Sex oder Pornografie geht. Sondern um Macht. Denn der Hustler war immer schon interessiert daran, politische Heuchelei aufzudecken.

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Die Wahlergebnisse aus tieflinker Sicht bei Kombinat Fortschritt:

Der in den aktuellen Analysen mit am höchsten gehandelte Aspekt, weshalb 41,5 % der abgegebenen Stimmen an die CDU/CSU gegangen sind, ist der Wunsch nach Stabilität. Angela Merkel hat es mit ihrer ganz spezifischen Herrschaftstechnik nicht nur geschafft so ziemlich jede Innovation in der parlamentarischen Parteiendemokratie der letzten Jahre aufzusaugen, bevor daraus ein Wahlkampfschwerpunkt der Opposition werden konnte (die Stichworte reichen von Atomausstieg bis Mindestlohn). Wann immer ein Thema das Potential hatte der CDU in Zukunft gefährlich werden zu können, hat Merkels CDU sich diesen Standpunkt einfach selbst zu eigen gemacht. Merkel hat es aber auch geschafft – und dies erscheint in vielen Analysen ein zentraler Punkt zu sein – den Eindruck von relativer Ruhe, Sicherheit und Stabilität zu vermitteln.

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Einen der besten Texte zu Rassismus in Deutschland gibt’s auf der Mädchenmannschaft:

Der Rassismusvorwerfer, nicht der Rassist zwingt uns dazu die Debatte erneut führen zu müssen. Die erste Reaktion auf diese Meldungen ist deshalb nicht „Oh nein! Schon wieder ein rassistischer Vorfall!“ sondern, „Mhm. Schon wieder so ein Rassismusvorwurf“ Fakt ist aber: Rassismus hätte nicht zum Gesprächsthema werden müssen, hätte es den rassistischen Aspekt in der Inszenierung nicht gegeben.

So wie die meisten Diskussionen um Rassismus aus der Mitte verlaufen, scheint es, als wäre nicht etwa die rassistische Herabwürdigung, sondern der Rassismusvorwurf die schwerstwiegende Beleidigung, die man machen kann.

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Und gleich nochmal Mädchenmannschaft (Ihr legt gerade richtig schön los): Viruletta knabbert an der Heteromatrix und in den Kommentaren wird zuhauf die eigene „stramme Heterosexualität“ aufgeweicht. Mission erfüllt, würd ich sagen!

Jahrelang habe ich mich selbst als heterosexuell bezeichnet und betrachtet, trotz meinen immer wiederkehrenden Liebesgefühlen Frauen* gegenüber. Erst als ich angefangen habe, mich in einem Umfeld zu bewegen, in dem Heterosexualität zumindest nicht immer die Norm darstellt, habe ich begonnen, diese Gefühle in einem anderen Kontext zu sehen, ihnen einen anderen Stellenwert zuzuschreiben. Und ich bekomme erst langsam ein Gefühl dafür, was es bedeutet, zu sagen, dass Heterosexualität und Heteronormativität mächtige, gesellschaftliche Konstrukte sind. Es ist weder Zufall noch etwas Natürliches™, dass ein Großteil unserer Gesellschaft sich selbst als heterosexuell wahrnimmt. Unser Begehren wird jahrelang geformt, manipuliert und beständig überwacht. Wir werden sanktioniert, positiv wie negativ. Uns wird vermittelt, dass es für uns Vorteile birgt, die heterosexuelle Matrix [s.u.] nicht zu verlassen. Und viele tuen es (deshalb) auch ihr Leben lang nicht.

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Die taz nimmt den Energieausschuß der AfD unter die Lupe und, da schau her, lauter Klimawandel-Leugner:

Darunter ist etwa Michael Limburg, Vizepräsident des Europäischen Instituts für Klima und Energie EIKE, die wichtigste Stimme der deutschen Klimaleugner. Im Internetdiskussionsforum des Instituts ist ein großer Teil der AfD-Arbeitsgruppe aktiv und wirbt dort teilweise für die Mitarbeit in der Partei.

Klar positioniert hat sich auch Günter Keil, der zunächst als Sprecher der Gruppe agierte. Er unterschrieb – ebenso wie zwei weitere der heutigen AfD-Energieexperten – 2009 einen offenen Brief, in dem Kanzlerin Angela Merkel aufgefordert wird, sich von der „Pseudoreligion“ des Klimawandels zu distanzieren, weil es „keine CO2-kausal begründbare globale Erwärmung“ gebe. Ähnlich argumentierte Keil in einem Aufsatz für das Magazin NovoArgumente.

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E*Vibes wird anglisiert und braucht noch Übersetzer_innen.

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Yay! Selber T-Shirts bedrucken! Das Frauen*Lesben*Trans-Café in Göttingen bietet am 3. November einen Workshop dazu an:

Ihr braucht kein Vorwissen oder kreatives Know-How, wir sind da und geben euch Tips und Unterstützung wo ihr sie braucht. Material, Vorlagen, einzelne Stencils zum direkt losdrucken und Stoffreste für Patches sind da. Das Einzige was ihr gerne zusätzlich mitbringen könnt sind eigene Motive und Kleidung, die ihr aufhübschen wollt! Im Umsonstladen gibt’s natürlich auch immer noch mehr Kleidung und Stoffe, vielleicht findet ihr ja was?

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Ja, Google. Von Scientology kommt man wahrscheinlich leichter weg:

Google hat immer betont, dass die Suchmaschine selbst sich passiv verhält, dass sie nur unsere Schwarmintelligenz, also unseren Herdentrieb abbildet. Das stimmt. Und es stimmt auch nicht. Denn Google verstärkt die Trampelpfade der Massen, indem es mit großen „Hier entlang!“-Pfeilen immer nur genau auf diese Pfade hinweist. Dabei entsteht ein sich selbst verstärkender Mainstream aus Faktenfetzen, Neuigkeiten und Gerüchten, der in Sonntagsreden gerne als „transparente Wissensgesellschaft“ gelobt wird.

15 Jahre Google: Wir denken anders, wir schreiben anders, wir forschen anders, wir bilden uns unsere Meinungen über Mitmenschen anders, seit die Suchmaschine sich einen festen Platz im Alltag erobert hat.

Und, das wird gerne übersehen: Google tut alles, um diese Entwicklung voranzutreiben. Um unserer Bequemlichkeit mit immer neuen Innovationen entgegenzukommen, könnte man wohlwollend sagen. Um uns in immer größere intellektuelle Abhängigkeit und Unmündigkeit zu stürzen, würde der Kulturpessimist erwidern.

Kann ich bestätigen. Ich komm zum Teil auf ganz andere Seiten, seit ich die Suchmaschine gewechselt habe. Mir ist auch aufgefallen, daß es gar nicht so einfach ist, sich das Verb „googeln“ abzugwöhnen, ist fast schon peinlich…

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Gefunden:

Star Wars Porn


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