Wahlkommentar 2013. Das Land ist immer noch verrückt.

Also wieder Mutti…
als Schwabe war es immer nett, sich über die Last der Bayern mit Stoiber lustig zu machen. Dann bekamen wir Öttinger.
Das rächt sich jetzt so ähnlich… was haben wir alle fassungslos geguckt und die Amis für bekloppt gehalten, als die nochmal mit Bush jun. daherkamen! Der Ami aus unserem Wohnheim tat mir da echt leid. Der hat den bestimmt nicht gewählt, aber hui, mußte der in der Folgezeit häufig peinliche Fragen über sich ergehen lassen, der Arme!
Jetzt müssen wohl alle Deutschen im Ausland stellvertretend erklären, was wir uns dabei gedacht haben, uns einen zweiten Kohl ranzuzüchten. Und dann will’s wieder keiner gewesen sein. Wie beim Öttinger.
Andererseits war’s schon klar: die Deutschen sehen sich wohl wirklich lieber in der von Angie repräsentierten Gartenzwergidylle. Wer so ist wie Steinbrück… wenn der in den Garten kommt, müßte man womöglich die Dinger zur Sicherheit vorher wegräumen. Sonst macht der noch die Gartenzwerge kaputt.
Chefzwerg
Schon klar, wer gerade mehr gefragt ist: nicht der polternde Papa, der schreit „Scheiß Laden! Machwer jetzt anders!“ ist das, wonach man sich grad sehnt, eher die gurrende Mutti, die suggeriert, „Och guck, ist doch alles wieder gut!“ Grüß Gott, Herr Freud.
War Steinbrück als Papa Schlumpf mit dem Hauch Bart Simpson gegen Ende gar nicht unüberzeugend, aus seinem Schlumpfdorf ist grad die Luft raus.
Wird aber wohl ohne Peer mit Gargamel koalieren…
Kann auch daran liegen, daß die meisten Koalitionsforderungen der Linken (wegen denen die SPD es ablehnt, mit der Linken zu koalieren) einst selbst typische SPD-Forderungen waren.
Die Linke hat sich hingegen so schlecht nicht geschlagen, aber mit Regierung wird’s wohl nichts.
Pädovergangenheit, Steuer und Veggieday hat wohl die Grünen ruiniert. Andere Gründe fallen mir so spontan nicht ein.
Dafür, wie die Welt nach Snowden ihr Augenmerk auf die Spezialthemen der Piraten gelenkt hat, sind die echt abgesoffen. Schade irgendwie. In dem Bereich müßte zumindest etwas aufgemischt werden. Aber da die Welt sich oft langsamer dreht als der durchschnittliche Nerd – die Themen Daten, Macht, Abhörung werden wichtig bleiben und sie haben jetzt ein paar Jahre, um sich zusammenzureißen, aufzuholen und sich dann richtig reinzuhängen. Möglicherweise aber auch utopisch. Oder die Enthüllungen haben sie derart geschockt, daß sie jetzt die Hosen voll haben und sich nicht mehr trauen, „auf Ernst“ Poiltik zu machen? Derart enttäuscht will man ja nun aber auch nicht werden.
Daß die FDP abkackt, war klar. Aber krass – seit 1949 hocken die doch ununterbrochen in der Regierung – und jetzt sind die unter der 5%-Hürde. Das macht noch nicht mal mehr Spaß, die zu bashen. Aber nein, ich weine nicht. Es könnte sie retten, würden sie auf Daniel Bahr setzen. Da wär evetuell ein Rest Kompetenzshow und Charisma im Ärmel. Wenn nicht, isses aber eigentlich auch wurscht. Ich brauch die FDP jetzt nicht unbedingt.
Intuitiv will man das als positives Signal sehen, daß die Leute die wohl unsozialste Partei überhaupt regelrecht massakrieren.
Aber dann wählen die auch noch AfD. Vergessen wir das also mit dem positiven Signal.
Ja, ich war überrascht.
Ich hätte ehrlich nicht gedacht, daß es tatsächlich so viele Menschen gibt, die eine Partei wählen, die für mich unwählbar ist. Reality Check.
Nun gut.

Nach der Wahl bei Jauch: der AfD-Kandidat darf vom Publikum aus etwas mit in die Runde kläffen, auch als Jauch die AfD als rechts der CSU bezeichnete und Schäuble daraufhin zu Republikanern und NPD überleitete.
Lucke hält das für Diffamierungsversuche, um der AfD zu schaden. Sicher auch nicht ganz falsch, aber nochmal langsam…

Es ist schön, daß wir alle auswendig gelernt haben, daß „rechts“ böse ist. Der Meinung bin ich ja auch, aber wenn wir Begriffe wie „links“ oder „rechts“ oder meinetwegen auch „liberal“ rein deskriptiv und objektiv anschauen, könnte man wohl salopp sagen, „rechts“ bezeichnet die Nationalisten.
Nationalismus kann man jetzt finden, wie man will, für mich ist es nichts, aber per se hat das in Deutschland halt auch Gschmäckle, klingt halt fast so wie Nationalsozialismus. Das haben wir ja nun hoffentlich gründlich gelernt, daß das Pfuibäh war.
Nationalsozial ist die AfD sicher nicht. Da findet sich nicht viel mit sozial.
Keine echten Nazis schonmal, ist doch gut.
Aber national? Somit eben „rechts“ laut meiner Definition? Auf jeden Fall. Schließlich geht es ihnen ja ja speziell um Deutschland und Deutschlands Interessen, das sie über die europäischen Interessen stellen, also sich sehr national abzugrenzen, statt Deutschland als lebendes Gewächs innerhalb eines zusammenarbeitenden Europas zu begreifen.
So national ist nicht mal die CSU, brauch die auch nicht sein, hat den Freistaat eh sicher. Fazit: rechts der CSU ist keine Diffamierung. Ey, steht doch wenigstens dazu.
Wie gesagt: es ist echt schön, wie wir alle gelernt haben, daß „rechts“ pfui ist und als Schimpfwort zu verwenden. Wenn man aber nicht mehr weiß, daß man der Logik nach eben in der Richtung steht, in der auch andere schon mal standen, wäre es geraten, sich zumindest mal damit auseinanderzusetzen.

Ganz perfide wäre nun ja so langfristig eine Verbrüderung von AfD und FDP. So wie aus PDS und WASG einst recht erfolgreich die Linke gezeugt haben. Da wär halt nur die Euro-Sache, gell…
CDU & AfD wär natürlich Alptraum, geht so ja nu auch nicht, aber da halt ich den CDUlern auch zu Gute, daß sie die AfD irgendwie eigentlich immer noch nicht ernst nehmen können. Geht mir genauso, höflich schüttle ich einfach nur stetig den Kopf.

Ganz groß auch der Satz vom Schäuble „…heute ist nunmal Tag des Wählers und…“ – okay. Die Formulierung find ich jetzt schon bemerkenswert. Ich weiß noch nicht ganz, was ich damit anfang, aber irgendwie war da ein „Oha“. Klingt verdächtig nach „Tag des Baumes“. Nur… was hat der den Bäumen je groß gebracht?

Da wären ja dann nochmal die Grünen – wenn die mit der CDU? Grünes Pflänzchen in schwarzer Erde?
Schon ein Experiment, das schiefgehn kann. Die Gefahr, daß die Grünen noch mehr verspießern, ist immer gegeben. Aber es könnt auch was dabei rumkommen.

We‘ll see.


8 Antworten auf „Wahlkommentar 2013. Das Land ist immer noch verrückt.“


  1. 1 riotgrrrl 23. September 2013 um 12:57 Uhr

    Ungern hab ich das hier gelesen, denn „Mutti“-Bilder sind abwertend und sexistisch. Und auch wenn Merkel Kritik verdient ebenso wie der schwarz wählende deutsche Mob — mit Mutti hat das wenig zu tun, nur mit allerhand negativen so wie positiven aber einschränkenden Zuschreibungen zum Mutter-Dasein.

    Und ja, das Papa-Peer Bild ist auch nur geringfügig unproblematischer, birgt es ebenso implizite Rollennormen bzw. Klischees. Auch wenn die Mechanismen andere sind.

  2. 2 Administrator 23. September 2013 um 18:46 Uhr

    Kam vielleicht nicht raus, aber darum geht’s ja gerade. Daß deren Wahlkampf unsere sexistische Normwelt zu bedienen versucht.

  3. 3 Stiefmütterchen 23. September 2013 um 20:02 Uhr

    Stimmt schon, zumindest unbewusst wurde das ja genau so aufgenommen – die ersten Assoziationen und Presse Reaktionen auf den Mittelfinger waren ja gleich Merkelraute = mütterliche Vulva und Mittelfinger = ungestümer Phallus oder so ähnlich hieß es doch überall.
    Und die Psyche von Gartenzwergen funktioniert offensichtlich ja auch genau so, wenn man das Wahlergebnis anschaut.

  4. 4 nes 23. September 2013 um 20:05 Uhr

    Ich mag den „was ist rechts“-teil.

  5. 5 jüle 23. September 2013 um 21:56 Uhr

    Stimmt, irgendwie auch wieder geschlechterverarsche… genauso austauschbar wie sonst, sonst hätt man bei bedarf wohl auch gerne vergleiche genommen wie der alles versprechende papa und die mamma, die dem kind sagen muss, dass es das zimmer aufräumen soll oder so.
    und beide sind in einem alter, wo man gefälligst „vater und mutter“ sein muss, so wie man später für alle ein opa oder „eine oma“ wird, egal ob man je kinder oder enkel hatte.
    !
    nur hauptsache den geschlechterunterschied mit albewährten (sexistischen) mitteln für wahlkampf, päsentation und rezeption nutzen, blaaaah.

  6. 6 Chalandra 24. September 2013 um 21:50 Uhr

    Zu schwarz-grün sperrt sich ja jetzt Seehofer.
    Da ging mir zum ersten Mal auf, dass der in der neuen Parteienkonstellation nach der Wahl jetzt nochmal ne ganz andere Machtposition als vorher hat. Die CSU ist grad für de CDU wohl wichtiger als schon ganz lang nich mehr

  7. 7 riotgrrrl 26. September 2013 um 13:57 Uhr

    @adm_in:

    nein, tatsächlich kommt, das nicht bei mir raus.

    Mir ist noch nicht ganz klar wie mit dem Artikel, das kritisiert wird und warum dazu Mutti und Pappa-Vokabeln notwendig sind.
    Ich lese das wie einen kritischen Wahlkommentar, der sich mit Parteirichtungen, Deutscher-Mob-Bedürfnissen und Wahlversprechen mal zynisch mal kritisch auseinandersetzt. Ich weiß nur eben nicht was die Wörter Mutti und Pappa darin zu suchen haben und/oder kritisiere deren Funktion im Text, weil sie immer auch eine Zuschreibung/Rolle von und für Mütter oder Väter enthalten und ich eben nicht mit dem Text eine Kritik daran herauslese. Ich habe eine ungefähre Ahnung wo ich es reininterpretieren könnte aber ich finde das eben zu vage und dann in meinen Augen eher reproduzierend.

  8. 8 Administrator 27. September 2013 um 15:12 Uhr

    Also… eigentlich haben wir da ja die gleiche Meinung.

    Beim Schreiben (war ja direkt nach der Wahl) war mir halt grad auch sehr zynisch zumute.

    Und stimmt, dieses Muttigedöns überall (ist ja schlimmer als „Wir sind Papst!“) ist echt irritierend.
    Das wollte ich aus feministischer Perspektive aufgreifen, quasi als Seitenhieb („Ihr wollt Mutti? Ihr kriegt Mutti!!“). Und die Lächerlichkeit mitaufzeigen, indem ich den Spieß umdrehe und Steinbrück als Papa Schlumpf und polternden „Vati“ zu präsentieren. Nur eben nicht als treusorgend-konservativen Vater, wie es das Klischee wäre, sondern als einer, der erstmal motzt… ich spiel hier einfach mit Stereotypen rum. Weil ich sie nicht ernst nehmen kann.

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