Flüchtlingsproteste, Mandela & Femen

Tod nach Zwangsheirat, Rausschmiß aus der SPD, Flüchtlingsproteste, Merkel & Syrien, Ani DiFranco, Mandelas Traum von Menschlichkeit, Nazis beim Bund und Inna Schevchenko über den Femen-Patriarch.

___________________

Rechtsextremismus bei der Bundeswehr, oft ohne Konsequenzen:

67 „besondere Vorkommnisse“ mit mutmaßlich rechtsextremistischem Hintergrund hat die Bundeswehr allein im vergangenen Jahr in ihren eigenen Reihen gezählt. 70 Soldaten waren daran beteiligt. So steht es in einer Antwort der Bundesregierung an die Linksfraktion im Bundestag. Deren innenpolitische Sprecherin Ulla Jelpke ist entsetzt. „Es ist nicht zu bestreiten, dass die Bundeswehr für junge Männer aus rechtsextremen Milieus besonders attraktiv ist“, sagte Jelpke dem SPIEGEL. „Umso stärker ist die Bundeswehr gefordert, keine Toleranz gegenüber offen rechtsextremistischen Gesinnungen walten zu lassen.“

*******************

Die Flüchtlingsproteste in Deutschland werden häufiger, lauter, kreativer – nur wird damit nicht viel erreicht:

Der Hungerstreik im Juni hat in einigen Heimen dazu geführt, dass die Bewohner neue Möbel bekommen haben. Die Landesregierung hat außerdem einen Passus aus der Asyldurchführungsverordnung gestrichen, der bestimmte, dass Flüchtlinge in Bayern so unterzubringen seien, dass sie schnellstmöglich in ihre Heimatländer zurückkehren wollen. Residenzpflicht, Lagerunterbringung und Essenspakete sind den Flüchtlingen jedoch geblieben.

*****************

In Jemen starb die 8jährige, zwangsverheiratete Rawan , nachdem ihr Bräutigam sie in der Hochzeitsnacht vergewaltigte:

Der Tod einer acht Jahre alten Kindsbraut schockiert viele Menschen auf der Arabischen Halbinsel. Die kleine Rawan war laut Medienberichten vom Montag am vergangenen Samstag während ihrer „Hochzeitsnacht“ in einem Hotel der jemenitischen Stadt Hardh gestorben. Ihre Gebärmutter riss durch den Geschlechtsverkehr mit dem erwachsenen „Bräutigam“.

*********************

Achille Mbembe schreibt über Nelson Mandelas Traum von Menschlichkeit - etwas länger, aber absolut lesenswert, nehmt Euch die Zeit!

In Mandelas Denken stehen Versöhnung und Wiedergutmachung im Zentrum bei der Schaffung eines gemeinsamen Bewusstseins der Welt, das heißt, der Vollendung einer globalen Gerechtigkeit. Seine Gefängniserfahrung hat ihn gelehrt, dass es eine dem Menschen innewohnende Menschlichkeit gibt, die jeder Einzelne in sich trägt. Darin sind wir, bei allen Unterschieden, einander gleich. Die Ethik der Versöhnung und der Wiedergutmachung bedarf demzufolge auch der Anerkennung dessen, was man den Anteil des Anderen nennen könnte, der nicht der meine ist und für den ich dennoch bürge, ob ich will oder nicht. Die Vorstellung vom Ich, von Gerechtigkeit und Recht, von der Menschheit und von universeller Gültigkeit von Rechten ist ohne die Annahme dieses Anderen nicht denkbar.

Unter diesen Umständen nützt es nichts, Grenzen zu errichten, Mauern und Zäune zu bauen, einzuteilen, zu klassifizieren, zu hierarchisieren, zu versuchen, diejenigen auszugrenzen, die man erniedrigt, die man verachtet, die uns nicht ähneln oder von denen wir denken, dass wir uns nie mit ihnen verstehen werden. Es gibt nur eine einzige Welt, und wir sind alle gemeinsam ihre Erben, auch wenn die Art, wie wir sie bewohnen, nicht für alle gleich ist – daher rührt die Pluralität der Kulturen und Lebensweisen. Damit soll die Brutalität und den Zynismus, die die Begegnungen der Völker und Nationen noch immer prägen nicht geleugnet werden. Aber es ist eine unmittelbare, unerbittliche Tatsache, deren Ursprung in den Anfängen der Neuzeit liegt: dass der Prozess der Vermischung und Durchdringung der Kulturen, Völker und Nationen unumkehrbar ist.

**********************

Ani DiFranco, YESSS!

*************************

Inna Schevchenko von Femen äußert sich
zur Rolle des „Femen-Patriarchen“ Victor Svyatski:

Inna Shevchenko hat nun eine Femen-Darstellung im Guardian veröffentlicht. Darin stellt sie die Enthüllungen in dem Film nicht in Abrede. Laut ihrer Darstellung war Svyatski Teil der Femen-Bewegung, aber weder der Gründer der Bewegung noch der Erfinder des Oben-Ohne-Protests. Vielmehr hätte er sich nach und nach als starke Hand der Truppe hervorgetan. „In der besten Tradition einer patriarchalen Gesellschaft“, wie sie die Ukraine darstelle, hätten die Femen-Frauen es erlaubt, dass ein Mann Kontrolle über sie erlangte.

Yes, Svyatski was part of the Femen movement. He is not a founder of Femen, nor a creator of our topless strategy and ideology. But he did lead the movement some time ago. This story is not so much about how the movement was born. It is rather the story of how the struggle began
Femen was founded by group of young female students in a culture in which men talk and women listen. In which men decide and women accept their decisions. In which men dominate and women accept that domination. And this explains why Svyatski could become Femen’s leader. After Femen became a known movement in Ukraine, Svyatski, a supporter, took control of Femen’s team. Why and how could he do this? Because he was a man. The story described in the film – by Svyatski himself – amounts to nothing other than patriarchy. He is sexism, male domination, and oppression against women personified.

*******************

Wolfgang Lieb kritisiert Angela Merkels Vorgehen beim Syrienkonflikt:

Immerhin, so könnte manche sagen, lehnt Merkel eine Beteiligung an einem Militäreinsatz gegen Syrien ab. Aber haben die USA jemals Deutschland um eine militärische Beteiligung für ihre geplanten Raketenbombardements gebeten?

Das ist eine Absage, auf die (jedenfalls bisher) nie eine Zusage erwartet wurde. Die Frage, ob die seit langem im östlichen Mittelmeer kreuzenden deutschen Spionageschiffe, ob das Patriot-Flugabwehrsystem der Bundeswehr in der Türkei, ob die fliegenden deutschen Radarsysteme AWACS nicht schon längst an den amerikanischen Vorbereitungen für einen Militärschlag „beteiligt“ sind und beteiligt bleiben werden, bleibt außen vor. Ehrlich wäre, wenn Merkel antworten würde, dass auch diese Unterstützung nicht in Frage kommt. Aber auch dieses Hintertürchen lässt Merkel offen. Schließlich muss sie alles versuchen, sich bis zum Wahltag um eine Entscheidung herumzudrücken, die in der Bevölkerung auf mehrheitliche Ablehnung stieße.

*****************

Die SPD-Fraktion will Martin Korol wegen unsäglicher Aussagen über Roma und Frauen ausschließen:

Der 68-jährige Parlamentsnachrücker hatte vor der Mandatsübernahme einen Text über Roma-Zuwanderer aus Südosteuropa auf seine Homepage gestellt. Darin behauptete er, Roma und Sinti lebten „sozial und intellektuell noch im Mittelalter“; ihre Männer hätten keine Hemmungen, „die Kinder zum Anschaffen statt zur Schule zu schicken, ihren Frauen die Zähne auszuschlagen und sich selber Stahlzähne zu gönnen“.
(…)
Neben den Roma-feindlichen Texten hatte der verheiratete dreifache Vater vor seinem Parlamentseinzug auch Artikel geschrieben, in denen er den „Massenmord der Abtreibungen“, den „Wahn der sog. Selbstverwirklichung der Frau“ und den Niedergang des Patriarchats beklagte.


0 Antworten auf „Flüchtlingsproteste, Mandela & Femen“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× sechs = vierundzwanzig