A hard day’s Night, Jessie Deluxe & London Calling

Rena Tangens im Interview, Entstehung von „London Calling“, Opfer sein (müssen), sexistische Werbung, Slutshaming, Großdemos, Open Mind Konferenz, Frauen & Gaming, Jessie Deluxe und Rape Culture.

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A hard day’s night
hatte die Schirmherrin vom Mädchenblog – und ganz bestimmt ist sie da nicht die einzige:

„Ich bin kein Opfer!“, denke ich während ich meinen Schlüssel als Waffe in der Hand halte.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich mich auf dem Heimweg ständig umdrehe.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich dem Gegenüber immer wieder erkläre, warum ich meine Nummer nicht gebe.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn mir die Tränen in den Augen stehen.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich mich mit Händen und Füßen wehren muss.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich davon laufe.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich dunkle Gegenden und Straßen vermeide.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich den Blick senke, weil mir jemand entgegenkommt.
„Ich bin kein Opfer!“, wenn ich immer wieder „Nein“ sage und sagen muss.

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Slutshaming at its „best“: Antje Joel von der taz ist fassungslos über die Reaktionen auf die Bilder eines Mädchens, die (unter durchaus zweifelhaften Umständen) zwei verschiedenen Idioten einen geblasen hat, und die irgendein Arschloch ins Netz gestellt hat (Triggerwarnung!!):

Bei jedem der beiden, offenbar nicht unmittelbar aufeinanderfolgenden Blowjobs war einer mit Kamera zur Stelle. Auch später dann, als der eine Kerl, hinter dem Mädchen stehend, ihren Kopf zu sich biegt und seine Lippen auf ihre drückt. Und ein viertes Mal, als der mit dem Hut und dem Grinsen ihr zwischen die Beine greift. Ist das Zufall? War es Absicht? Welche Rechtfertigung hatte der Fotograf, das zu dokumentieren und die Bilder ins Netz zu stellen? Kann es überhaupt eine geben? Das Mädchen, das jemandens Tochter ist, heißt jetzt „Slane Girl“. Und „Slane Slut“. Die Schlampe von Slane.

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Frau Dingens berichtet kritisch von der Open Mind Konferenz in Kassel:

Am Samstag war die Openmind Konferenz, kurz #om13, in Kassel. Teilnehmer_innen verschiedener Parteien diskutierten über Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst… und das alles sehr konstruktiv, freundlich und tolerant. Jasna Strick hat einen Vortrag über Hate Speech gehalten, in dem sie Screenshots von Erniedrigungen, Bedrohungen und Beleidigungen zeigte, die feministische Aktivist_innen im Laufe der letzten Monate bekamen. Teils ist das harter Stoff, wenn da z.B. eine Schwangere bedroht wird. Der Vortrag verlief sehr ruhig, und über große Teile lässt Jasna die Kommentare einfach für sich sprechen. Ansehen kann man das ganze hier.

Was im Nachgang passierte ist ein Lehrstück für sich. Lehrsam, weil es viel über anti-feministische und frauenverachtende Strukturen offen legt, lehrsam, weil es zeigt, wie durch bestimmte Narrative manipuliert wird. Ich versuche im Folgenden die Mechanismen auseinander zu dividieren.

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Bei Femgeeks wird darüber geschrieben, was es heißt sich in der Gaming-Community als Frau zu outen:

Ich finde, es sollte egal sein, ob mann oder frau spielt. Ich will keine Extras, ich will keine Aufmerksamkeit, nur weil ich eine Frau bin und ich will keine Stalker. Ich will eine gute Zeit und dass es egal ist, wer ich bin.

In einem Gespräch hat ein Freund mal gesagt “Na, die Lösung ist doch ganz einfach, bleib doch einfach in deiner Komfortbubble und spiel’ nur mit deinen Freunden.”.

Nur, weil ich dem Problem aus dem Weg gehe, heißt das ja nicht, dass es nicht mehr da ist. Und ich möchte mich auch nicht einschränken müssen, nur weil ich damit rechnen muss, dass mich jemand blöd anmacht aufgrund meines Geschlechts!

Und dieses berühmte “Jungs_Männer sind eben so” und “Die machen es dir eben erst einmal schwer, damit du dich beweisen musst” ist großer Bullshit. Erstens ist das echt unfair gegenüber den Jungs und Männern im allgemeinen und zweitens glaube ich kaum, dass sie sich untereinander mit (im Extremfall) sexualisierter Gewalt drohen, nur, weil sie männlich sind. Und das ist es ja leider, was vielen Mädchen und Frauen passiert.

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Ein absoluter Liebling: Jessie Deluxe!

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Datenschutzaktivistin Rena Tangens im Interview mit dem Freitag:

Frau Tangens, seit Wochen wird über die Internetüberwachung diskutiert, Sie empfehlen die Verschlüsselung von E-Mails. Es gibt aber viele Leute, die behaupten von sich: Ich habe nichts zu verbergen. Was sagen Sie denen?

Rena Tangens: Das ist naiv, unsolidarisch und wenig vorausschauend. Naiv, weil jeder etwas zu verbergen hat. Das sind ganz intime Dinge, die wir brauchen, um unsere Identität zu finden, bevor wir uns anderen öffnen. Unsolidarisch, weil die Aussage über mich auch eine Aufforderung an andere ist: Wenn du nichts Kriminelles getan hast, dann leg du doch auch alles offen wie ich. Und wenig vorausschauend, weil ich mit der Aussage verspreche, dass ich auch in Zukunft nichts zu verbergen habe. Eventuell bekommen wir eine andere Regierung oder eine andere Regierungsform, etwa eine Diktatur. Vielleicht habe ich dann durchaus etwas zu verbergen.

Es geht doch um heutige Überwachung.

Die Erkenntnisse von heute stehen einer Regierung von morgen zur Verfügung. Das kann tödliche Folgen haben. Werfen wir einen Blick auf die Geschichte: In Norwegen gab es seit 1866 ein Judenregister, in dem die Religionszugehörigkeit festgehalten war. In Dänemark gab es kein solches Register. Beide Länder wurden im Zweiten Weltkrieg von Nazi-Deutschland erobert – da wurde die Religionszugehörigkeit plötzlich zu einem gefährlichen Merkmal. Im Jahr 1942 waren in Dänemark 1 Prozent der dort lebenden Juden ermordet, in Norwegen dagegen mehr als 50 Prozent.

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Was Nadia von Shehadistan an Großdemos kritisiert:

Ich (persönlich/subjektiv/etc./pp.) habe in all den Jahren für mich gelernt, dass die Zusammenarbeit mit dem großen Flow Abstriche mit sich bringt, die ich nicht mehr machen möchte. Und ich betone: Ich möchte persönlich-individuell diese Abstriche nicht mehr machen, und es ist jeder und jedem freigestellt, es anders zu machen, und vielleicht sind es für einige keine Abstriche, sondern Vorteile, und dann: Go for it.

Ich möchte nicht gezwungen werden, Beifall zu spenden. Ich möchte auch nicht mit tausendmal “Danke!” gepudert werden für meine Einstellung, die (und das weiß ich) halt den meisten zu radikal ist. Ich kann mich zum Beispiel mit dem Pinkstinks-Programm in vielerlei Hinsicht nicht identifizieren. Pinkstinks z.B. hat für mich teils sehr starke klassistische Einfärbungen, die insbesondere auch bei dem Burmester-Support-Text im SPON letztens stark durchflimmerten. Aber: Das heißt natürlich nicht, dass ich sexistische Werbung feiere.

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Ein Vergewaltiger in Montana wird zu einer geradezu lächerlichen Strafe verurteilt – mit einem höchst bekloppten Richterspruch:

Der Richter begründete sein Urteil folgendermaßen: Das Mädchen habe älter gewirkt als es gewesen sei und habe die Situation „genauso unter Kontrolle gehabt“ wie der Lehrer. Der heute 54 Jahre alte Verurteilte hatte vor Gericht den Sex mit der Minderjährigen eingestanden. Das Opfer nahm sich drei Jahre nach der Tat das Leben – nach Überzeugung der Mutter als Folge der Vergewaltigung.

Nach seinen Aussagen wurde der Richter in einer Online-Petition zum Rücktritt aufgefordert. Die AktivistInnen werfen Baugh „Opferbeschämung“ („victim-shaming“) vor, indem er das Verhalten des Angeklagten entschuldigt habe. Bisher unterzeichneten über 37.000 Menschen die Petition.

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Auch FM4 berichtet von der Anti-Sexismus-Demo bzw. Sexismus:

Diese Argumentationslinie ist altbekannt: Frauen, die sich durch Sexismus beleidigt fühlen, haben einfach keinen Humor, sie verstehen die feine Ironie, das berühmte „Augenzwinkern“ nicht! Die Spiegelkolumnistin Silke Burmester regte deshalb an, dass alle Frauen, die sich über solche Werbung ärgern, doch mal das Seminar „Ironie für Fortgeschrittene Teil I“ besuchen sollen.

Was der „Redaktion“ der NNZ und vielen anderen entgeht: Sexistische Werbung ist nicht nur entwürdigend und frauenfeindlich, sondern letztendlich auch männerfeindlich, weil sie männliche Konsumenten zum Neandertaler degradiert, ihnen durchweg Stumpfheit und Gefallen an sexistischen Bildern und Texten unterstellt.

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Ausgerechnet im Wall Street Journal (wtf?) geben die noch übrig gebliebenen Mitglieder von The Clash einen Einblick über die Entstehung von London Calling:

The line about phony Beatlemania biting the dust was aimed at all the touristy sound-alike rock bands in London in the late ’70s. We were fans of the Beatles, the Who and the Kinks—but we wanted to remake all of that. We wanted „London Calling“ to reclaim the raw, natural culture. We looked back to earlier rock music with great pleasure, but many of the issues people were facing were new and frightening. Our message was more urgent—that things were going to pieces.


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