Skyler White, Lady Bitch Ray & Burkaverbot

Mary Ochers neues Album „Eden“, Natur & Gebären, Rebel Grrrls Con, Jage 2 Tiger, Porträt Beate Schücking, Lady Bitch Ray, Mangel an Frauenhäuserplätzen, Burkaverbot im Tessin?, Forschungsprojekt zur Wahl, antikes Rom underground, „Freiheit statt Angst“-Demo, Her mit den positiven Mädchenbildern!, Kritik an Barbie-Projekt, Skyler White & „Viele Grüße aus dem schönsten Land der Welt“.

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Monique Schwitter über Lady Bitch Rays Verständnis von Feminismus:

Es läuft ein Song vom Band mit dem eingängigen Text „Steht auf, wenn ihr Fotzen seid! Licky licky hey!“, dann wird das dritte Outfit, ein Bikini – war der nun rot? Jedenfalls blieb auch er in Häkeloptik in Erinnerung – präsentiert und die vier Songs gesungen, die im Repertoire noch vorhanden sind. Das ist ganz lustig, die Bar ist auch geöffnet, und die drei jungen Damen, die neben Lady Bitch Ray auf der Bühne herumtanzen, sind einfach herzerfrischend. „Ich hasse dich“, heiße der nächste Song, kündet Lady Bitch Ray an, er handle von „Terrorweibern“. Sie bezeichnet darin drei bekannte Damen aus der deutschen Musikbranche als Schlampe, Nutte, Hure, die es „in den Arsch besorgt braucht, richtig grob“, als dämliche Friseuse, Pisaopfer mit Hauptschulabschluss und, besonders interessant: als Drecksbitch und Töle, womit bekanntlich eine Hündin, also eine Bitch im ursprünglichen Wortsinn, gemeint ist.

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Wir brauchen mehr empowernde Botschaften für Mädchen!

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Ninia LaGrande verlost die Anthologie „Viele Grüße aus dem schönsten Land der Welt“:

Druckfrisch flatterte heute die neue Anthologie „Viele Grüße aus dem schönsten Land der Welt“, herausgegeben von Supertyp Dominik Bartels, in meine Wohnung. Eine Textsammlung von lauter guten Menschen aus der Poetry Slam- und Lesebühnenszene. Inhaltlich gibt es viel Politisches, Kritisch-Gesellschaftliches und Wütendes. Von mir ist auch ein Text dabei. Deshalb kommen jetzt auch die üblichen „Müsst ihr natürlich kaufen“– und „Ist ein super Geschenk“-Hinweise. Klar.

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Die taz bespricht das neue Buch von Helene Hegemann, „Jage zwei Tiger“:

Hegemann projiziert ihren alles Eitle, Verlogene und Etablierte witternden und vernichte n wollenden Blick auf die drei Jugendlichen, und so verschieden Samantha, Cecile und Kai durch Geschlecht, Herkunft und Biografie auch scheinen, sie bleiben alle WiedergängerInnen der kleinen Mifti aus „Axolotl Roadkill“. Egal ob ihnen ein Eltern- oder Körperteil abhanden gekommen ist oder ihre Mütter und Väter nur restlos mit sich selbst beschäftigt sind (und sie ihnen das bewundernswert großmütig verzeihen): Diese umfassend verwaisten Kinder leiten aus ihren Verlusten und Leerstellen eine maximale und maximal artifizielle Lebensgier ab – bei gleichzeitiger Radikalverachtung all dessen, was als gesund und normal gilt.

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Porträt über Beate Schückin
g, Rektorin der Uni Leipzig:

Beate Schücking sagt, es gebe zwei rote Fäden, die sich durch ihr Leben zögen. In den letzten Wochen hat sich einer davon zu einem Wollknäuel verklumpt. Es fing damit an, dass sich einige Mitglieder des erweiterten Senats der Universität Leipzig an den ausschließlich männlichen Bezeichnungen in der Grundordnung der Uni störten, also suchte man Alternativen. Die Schrägstrichvariante „Professor/innen“ war zwar geschlechtergerecht, aber zu umständlich. Also entschied man sich für das sogenannte generische Femininum: Fortan sollte in der Grundordnung der Uni durchgängig von Professorinnen die Rede sein, und eine Fußnote sollte klarstellen, dass damit auch Männer gemeint sind. Von da an wurde es kompliziert.

Im April beschloss der Senat die Änderung, im Mai nickte Beate Schücking als Rektorin sie ab, im Juni bekamen Medien Wind davon. In Zeitungen und auf Webseiten wurde behauptet, in Leipzig müssten Professoren jetzt immer und überall mit „Herr Professorin“ angeredet werden. Das stimmt zwar nicht, aber die Geschichte war in der Welt. Journalisten schrieben hämische Kommentare, Leser Hass-Mails.

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Anna Gunn, Darstellerin von Skyler White in Breaking Bad, über Frauenfeindlichkeit im TV:

Anna Gunn setzt sich mit dem Hass auseinander, der ihrer Figur entgegenschlägt und der zum Teil sogar auf sie als Person übertragen wird. Skyler White ist eine der umstrittensten und unbeliebtesten Charaktere in „Breaking Bad“, wenn nicht sogar der unbeliebteste Serien-Charakter überhaupt. Mehr als 9.000 Menschen haben die Facebook-Seite „I hate Skyler White“ geliked, fast 29.000 die Seite „Fuck Skyler White“. Ihre Feinde bezeichnen sie als „kreischende, heuchlerische Hyäne“, sie sei nervig, ein Hausdrachen, eine Spielverderberin. Und ihre Darstellerin Anna Gunn fragt sich: Woher kommt all der Hass?

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Nicht genug Plätze
in Frauenhäusern (die Kommentarspalte besser nicht lesen):

Sie schickt ihren Sohn mit den blauen Flecken und Verletzungen in den Kindergarten. „Es war ein Hilfeschrei von hinten durch die Brust ins Auge“, sagt sie heute, viele Monate später. Ihr Plan geht auf, die Maschinerie läuft an: Noch am selben Tag zieht Susanne mit ihren Kindern ins Frauenhaus. Sie ist eine von durchschnittlich 2000 Frauen im Jahr, die in Bayern vor häuslicher Gewalt in eine solche Einrichtung flüchten.

Und sie hatte Glück. Glück, dass in dem Haus gerade ein Platz frei war. „Wir mussten im vergangenen Jahr 55 Frauen abweisen“, sagt die Leiterin des Frauenhauses in Schweinfurt, Gertrud Schätzlein. 58 von Gewalt bedrohte Frauen und ihre Kinder wohnten 2012 insgesamt in dem Haus, 46 von ihnen wurden in dieser Zeit neu aufgenommen. Die Bewohnerinnen des Frauenhauses entsprechen keinem einheitlichen Bild: „Gewalt kommt in allen Schichten vor“, sagt Monika Meier-Pojda, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege für den Bereich Frauen. Statistisch leidet jede dritte Frau unter häuslicher Gewalt.

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aufZehenspitzen macht sich Urlaubsgedanken über Natur und Gebären:

Das Natürliche meines Körpers ist mir mitunter ebenso suspekt. Die intensiven Körpererfahrungen von Schwangerschaft, Geburt und Stillen haben mich zuweilen eingeschüchtert. Die Heimat meines Ichs und die Kontrolle darüber waren mir teils entglitten – ähnlich wie sich der Wald von mir nicht kontrollieren lässt, während ich in ihm schlafe, konnte ich plötzlich meinen Körper nicht mehr kontrollieren.

Die Schwangerschaft war der (anhaltende) Moment in meinem Leben, an dem ich plötzlich zu meinem Körper wurde. Ich sollte plötzlich Teil “der” Natur sein – oder zumindest jetzt Teil von ihr werden. Die Geburt, keine Angst, so versicherten mir viele, sei das Natürlichste der Welt und Frauen seien dazu gemacht, diese zu “schaffen”. Sehr positiv bestärkend. Sehr flauschig. Sehr entlastend.

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Im Tessin wird am 22. 09. über ein Burkaverbot abgestimmt:

Die nunmehrige kantonale Initiative zum Burka-Verbot wurde im Jahr 2011 gestartet und von 12.000 BürgerInnen unterstützt. Träger ist der politische Einzelkämpfer und Journalist Giorgio Ghiringhelli, dessen Bewegung den programmatischen Titel „Spielverderber“ („Il guastafeste“) trägt.

Die Kantonsregierung präsentierte einen Gegenvorschlag, wonach lediglich das Gesetz über die öffentliche Ordnung geändert werden soll. Eine Verfassungsänderung in dieser Frage sei „überdimensioniert“. Außerdem fehlt im Gegenvorschlag des explizite Verbot, jemanden aufgrund seines Geschlechts zwingen zu können, sich zu verhüllen. Dafür werden eine Reihe von Ausnahmen aufgeführt, bei denen das Gesetz nicht zur Anwendung kommt, darunter Schutzbekleidungen, lokale Trachten und Kostüme.

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Auf Heise wird nochmal darauf hingewiesen,weshalb uns der Datenskandal alle angeht:

Dabei betreffen die Enthüllungen jeden einzelnen Bürger. Ich möchte in drei Artikeln den derzeitigen (Nicht-)Kenntnisstand über die Affäre kurz zusammenfassen, demonstrieren, dass die gesammelten Daten Informationen über jedermann enthalten dürften, und zeigen, dass die aus dem Ruder gelaufenen Geheimdienste gefährlich für den Rechtsstaat sind.

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Die Missy reviewt „Eden“, das neue Album von Mary Ocher:

In ihren Texten verarbeitet sie Erfahrenes, übt Kritik, stößt an. Dennoch bleiben die Texte bilderreich und suggestiv, öffnen Bedeutungsebenen, anstatt sie zu schließen. Auf die Frage, ob sie mit ihrer Kunst etwas verändern will, gibt es also keine eindeutige Antwort. „Ich hab keine Lust, auf Leute zuzugehen und zu sagen: ‚So und so sollt ihr Leben.’ Das ist nur eine weitere Form von Gewalt.“ Berühren und verändern kann Mary Ocher wohl vor allem im Dialog mit dem Publikum. Dabei spielt für sie häufig keine Rolle, wie die Reaktionen ausfallen, Hauptsache sie sind intensiv. „Früher habe ich viel auf der Straße gespielt. Da gab es oft heftige Reaktionen, negativ wie positiv.“ erzählt sie, „Ich mag das, das Konfrontative. Ich mag die Kraft dahinter, den unmittelbaren Austausch.“

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Spreeblick ruft nochmals zur Teilnahme an der „Freiheit statt Angst“-Demo am 7.9. auf und weist auf einen veränderten Ausgangspunkt hin:

Der Zuspruch zur diesjährigen Ausgabe der “Freiheit statt Angst”-Demo ist jetzt schon so enorm, dass die Demo verlegt werden musste. Der neue Start- und Kundgebungsplatz ist nun der Alexanderplatz.

Seid dabei. Und bringt noch jemanden mit. Wenn sie uns sehen wollen, sollen sie uns zu sehen bekommen.

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Die Opalkatze fordert auf, bei einem Forschungsprojekt zur Bundestagswahl mitzumachen:

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist zurzeit auf der Suche nach Personen, die nach 1963 geboren sind und sich an einer Studie zur Bundestagswahl beteiligen möchten. Sie interessiert vor allem, wie die Bürger das Meinungsklima zu Themen und Kandidaten einschätzen. Diese Studie umfasst verschiedene kleinere Befragungen in einem neuntägigen Zeitraum Anfang/Mitte September.

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Differentneeds interviewt die Macher_innen hinter der Rebel Grrrls Convention:

Es geht darum, einen Raum zu schaffen, wo FLT*I, die Musik machen, und/oder Texte performen, und dies in irgendeiner Art politisch interpretieren, sich treffen können, sich austauschen können, Netzwerke gründen und Banden bilden!
Wir werden uns kennenlernen, gucken wen es alles gibt, teilen unsere Skills, jammen miteinander, tauschen uns aus! Am Freitag, so die Planung, kommen alle an, wir lernen uns kennen, und planen den nächsten Tag. Je nach Interessen und Kapazitäten gibt’s am nächsten Tag dann Workshops. Ein paar Angebote stehen schonauf der Website, es können auch noch mehr und andere Sachen angeboten werden. Es müssen aber auch nicht alle stattfinden, je nachdem, worauf die FLT*I Bock haben. Vielleicht haben sie auch nur Lust zu quatschen oder miteinander zu jammen! Abends gibt’s nach dem Essen eine Open Stage: Alle, die Bock haben, zeigen ihr Oeuvre den anderen Convention Teilnehmer*innen. Das AZ Mülheim ist von Freitag Nachmittag bis Sonntag abend für FLT*I reserviert, also keine Cis-Männer!

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The Miss Chief startet das Bloggen mit einer Kritik über Nickolay Lamms Barbie-Projekt:

Moment mal. Was?!?! Genau. Was Lamm damit bewirkt, ist, dass ein überzeichnetes Körperideal durch ein vermeintlich realistisch erreichbares ersetzt wird. Die Kunstpuppe Lamms konstruiert ein neues Schönheitsideal, das sich an einem existierenden Zustand orientiert und diesen zur Norm erhöht. Wer nicht diesem Ideal entspricht ist nicht schön, ist nicht normal. Und dieses Ideal ist natürlich wieder: dünn und weiß. Und dass es diese “Durchschnittsfrau” gibt macht das Ausmaß des Problems nur größer. Es hebt die Barbie von ihrer Symbolposition auf die realistische Ebene der Zeitschriftenmodels und Hollywoodstars: wenn du nur hart genug an dir arbeitest kannst du so aussehen, es liegt an dir, andere schaffen es ja auch.

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Nicht für alle alten Römer bestand das Leben aus Orgien und Rotkehlchenzungen-Snacks – die Tunnel unter der Hadriansvilla beleuchtet das Leben der Bediensteten und Sklaven:

Hach, immer diese Sklaven! Wo sie ihre Arbeit auch verrichten, machen sie Lärm. Sie klappern mit Geschirr, ächzen beim Tragen von Wassereimern. Und das ständige Scharren ihrer Füße über den Marmorfußboden stört die zum Lesen nötige Stille. So ähnlich muss der römische Kaiser Hadrian (76 bis 138 nach Christus) gedacht haben. Doch für dieses Problem hatte er eine Lösung parat.

Er ließ seine Villa in Tivoli, rund 30 Kilometer nordöstlich von Rom, untertunneln. Unter seinen Füßen mochten die Sklaven lärmen so viel sie wollten – solange nur kein Laut, kein Zeichen ihrer Existenz zu ihm herauf drang.


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