Coffeeshops, Stalker & Ascheregen

Innovativ wählen, Änderung im Personenstandsregister, Internetverhalten in der Post-Snowden-Ära, Tips gegen Stalker, braucht Deutschland Coffeeshops?, Ascheregen, Pogromstimmung in Berlin und Duisburg, K.O.-Tropfen-Opfer, UK scheißt auf Pressefreiheit, Fimger weg von Windows 8, Wohlstand & Teilen und natürliche Familienplanung.

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In Deutschland intersexuell geborene Kinder müssen ab 1. November nicht mehr als „männlich“ oder „weiblich“ ins Personenstandsregister eingetragen werden:

Männlich, weiblich – von allem etwas? Eltern, die sich nach der Geburt ihres Babys diese Frage stellen, müssen ihr Kind in der Geburtsurkunde künftig nicht mehr einer der beiden Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ unterwerfen. Möglich macht dies eine Novelle des Personenstandsgesetzes, die mit 1. November in Kraft tritt.
Intersexuell: Eindeutige Zuordnung nicht möglich

Intersexuelle Babys können biologisch nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zugeordnet werden. Sie haben sichtbare, etwa genitale, oder auch unsichtbare, wie hormonelle und/oder chromosomale Merkmale beider Geschlechter. Oftmals werden Babys mit sichtbaren Merkmalen noch im Säuglingsalter einer geschlechtsanpassenden Operation unterzogen, um sie in die zweigeschlechtliche Dualität zu pressen. Gerade diese Zwangsoperationen, die ohne Zustimmung der Betroffenen meist irreversible „Tatsachen“ bei den Genitalien schaffen, haben Intersexuellen-Vertreter_innen immer wieder kritisiert.

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Wie sich das Verhalten nach den Veröffentlichungen von Snowden ändert, beschreibt Anne:

Jedesmal, wenn ich bei einer Google-Suche kurz zögere, jedesmal, wenn ich einen Link nicht klicke, weil es laut Überschrift um Brandanschläge in Berlin geht, oder Durchsuchungen, oder Linksextremismus, dann ist das so, weil ich fürchte, dass das registriert und womöglich später irgendwie gegen mich verwendet wird. Weil ich schon Akten gelesen habe, in denen minutiös aufgeführt war, dass sich der Beschuldigte offenbar intensiv mit den Themen X und Y beschäftigt. Und mich frage, ob ich den Artikel jetzt wirklich so dringend lesen muss, und in der Regel zu faul bin, deswegen Tor zu benutzen oder andere Möglichkeiten, die es ja durchaus gibt, um das eigene Verhalten im Netz weniger einfach verfolgbar zu machen.

Jetzt haben wahrscheinlich die meisten kein Problem damit, Artikel über Brandanschläge anzuklicken – weil sie nicht schonmal deswegen überwacht wurden. Aber jetzt gibt es den NSA, und den BND, und dass über deren Zusammenarbeit gelogen wird, dass sich die Balken biegen, ist sonnenklar.

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Im Sonntaz-Streit wird diskutiert, ob Deutschland Coffeeeshops braucht:

Das Parlament in Uruguay stimmte der Legalisierung von Marihuana am 1. August diesen Jahres zu. Auch in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington wurde das Kiffen im vergangenen Jahr per Volksentscheid zur legalen Praxis gewählt.

Für viele Bürger waren die Steuereinnahmen, die der Staat durch den Verkauf von Cannabis macht, ein Argument, um für die Legalisierung zu stimmen: „Wir finden es toll, dass das Geld in die Schulen gesteckt wird. Aber es ist schon ein bisschen bizarr, wenn es heißt, dass wir Drogen legalisieren, damit die Schulen bezahlt werden können”, sagt Erika Russel, Mutter einer Tochter.

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Großbritannien nimmt die Snowden-Affäre zum Anlaß, auf eine freie Presse zu scheißen:

Vor gut einem Monat habe er einen Anruf der Regierung erhalten, in dem geheißen habe: „Ihr hattet Euren Spaß: Jetzt wollen wir das Zeug zurückhaben.“ Bei weiteren Treffen sei die Forderung die selbe geblieben. „Und so kam es letztlich zu einem der bizarrsten Momente in der langen Geschichte des Guardian.“ Unter Aufsicht von zwei Experten des britischen Geheimdienstes seien im Keller des Zeitungsgebäudes Festplatten und sogar ein komplettes MacBook Pro zerstört worden.

Rusbridger kündigte aber an, trotz der Gängelei über die Internet-Überwachung zu schreiben. „Wir werden weiterhin akribisch berichten, nur nicht mehr von London aus.“ Die Zerstörung einzelner Datenträger wertete er als „sinnlose Symbolik, die eine große Unkenntnis des digitalen Zeitalters offenbart“. Er spielte damit wohl darauf an, dass der Guardian vermutlich alle Informationen der nun zerstörten Datenträger bereits vervielfältigt hat.

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Superwichtiges Thema – die Mädchenmannschaft berichtet über Pogromstimmung in Berlin und Duisburg:

In Duisburg spitzen sich derweil die Gewaltandrohungen und tatsächlichen Übergriffe auf die Bewohner_innen zweier Wohnblöcke (In den Peschen 3 und 5) zu. Die Anwohner_innen sind zu einem großen Teil Roma. Auch hier wird Facebook zum gemeinsamen Hetzen genutzt. Dort wird immer wieder zum Anzünden der Häuser aufgerufen (TW für den Link). Aber auch die Mainstreampresse wie die WAZ oder der WDR unterstützt die Stimmungsmache mit rassistischen_antiromanistischen Artikeln und Beiträgen, in denen vor allem den GegnerInnen mit ihren rassistischen Annahmen Raum gegeben wird (und ergänzt wird, dass es natürlich wirklich Probleme mit Roma in Duisburg gäbe).

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Der „Weiße Ring“ gibt Tips, wie man sich gegen Stalker wehren kann:

Da beim Stalking die Beweislast beim Opfer liegt, sollte man zudem das Verhalten des Täters so genau wie möglich dokumentieren, empfiehlt Theobald weiter. Denn jede archivierte SMS oder E-Mail, jeder aufgezeichnete Anruf verbessert die Beweislage für ein Strafverfahren und hilft zudem, die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Da die Stalker in 90 Prozent der Fälle aus dem erweiterten Bekanntenkreis stammen – Rund die Hälfte der Täter sind ehemalige Partner – sollte man sich zudem möglichst schnell Vertraute suchen. „Die Täter versuchen häufig das Umfeld des Opfers zu beeinflussen, indem sie Gerüchte verbreiten oder sich selbst als Opfer inszenieren“, erklärt Theobald. „Der Stalker will Macht über sein Opfer ausüben und ihm das Gefühl vermitteln, dass es außer ihm niemanden gibt.“ Wer Arbeitskollegen und Bekannte frühzeitig über die Situation aufklärt, schützt sich nicht nur vor Verleumdung, sondern macht dem Stalker auch deutlich klar, dass man keineswegs alleine ist.

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Übergriffe mithilfe von K.O.-Tropfen
werden zu einem immer größeren Problem – Verurteilungen gibt es erschreckend wenige (Triggerwarnung!):

Am Mittag nach der Tat ruft Tamara einen Freund an. „Der ist etwas spöttisch. Er fragte mich nur, wann ich nach Hause gekommen bin. Das war irgendwann nach Mitternacht, das sagte ich ihm, und dass wir in einer Kneipe waren. Sonst nichts. Und er meinte nur, ’Ja, dann hast du ja einen schönen Abend gehabt.‘ Dabei hätt ich mich fast bekotzt.“

Roth kennt dieses Problem von den Frauen, die bei LARA anrufen: Vielen fehlt die Unterstützung im sozialen Umfeld. „Du bist doch selbst schuld, du hast doch getrunken“, sei nicht selten die Reaktion von Freunden. Hinzu kommen eigene Schuldzuweisungen und Schamgefühl, die es schwierig machen, offen darüber zu reden oder Hilfe zu suchen.
(…)
Als sie bei der Polizei eine Aussage machen will, behauptet sie noch, der Täter habe sich im Auto neben ihr befriedigt. Später wird sie den Polizeibericht lesen und sich darin nicht wiedererkennen. „Er war in Kindersprache geschrieben – das ist nicht mein Stil.“ Von allen Seiten fühlt sie sich betrogen, unverstanden, ungerecht behandelt. Weil bei der Polizei niemand Erfahrung mit traumatisierten Personen hat, wird ihr aufgrund ihres Zustands Drogenmissbrauch unterstellt. „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus.“ Tamara kann es nicht fassen.

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Trennt Euch von Windows 8!
Sogar die Bundesregierung empfiehlt das:

Microsoft könnte damit theoretisch bestimmen, dass kein Textverarbeitungsprogramm außer Microsoft Word unter Windows 8 funktioniert. Das kann wettbewerbsrechtlich problematisch sein. Es hat aber auch sicherheitsrelevante Folgen, eben weil der Nutzer keinen Einfluss auf das hat, was Microsoft erlaubt und was nicht. Drei Punkte sind dafür entscheidend: Erstens ist das TPM im Gegensatz zum bisherigen Standard künftig schon beim ersten Einschalten des Computers aktiviert. Wer den Computer in Betrieb nimmt, kann also nicht mehr selbst entscheiden, ob er die Trusted-Computing-Funktionen nutzen will (Opt-in). Zweitens ist künftig kein nachträgliches, vollständiges Deaktivieren des TPM mehr möglich (Opt-out). Drittens übernimmt das Betriebssystem die Oberhoheit über das TPM, im Fall eines Windows-Rechners also letztlich Microsoft.

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Manu kotzt sich über die „SCHEISS Wohlstands-Wir-Teilen-Nicht-Mentalität“ aus:

Wir haben einen Anlass zu feiern. Die Kinder sind eigentlich schon durch und durch müde, aber manchmal ist das eben so. Wir wählen ein Kurzziel, Prenzlauer Berg, Helmholtz-Kiez, Spielplatz an Restaurants. Gesucht, gefunden. Bei einem mexikanischen Restaurant ist ein Ecktisch draußen frei. Der einzige, Zufall, die anderen Tische sind reserviert, wir haben wohl wirklich Glück gehabt. Super also, wir freuen uns. Sitzen, wählen aus. Ein Musiker kommt vorbei, stellt sich nahebei auf, spielt Gitarre. Musikalische Untermalung der Essensbestellung an in der Umgebung vielfältig geparkten Teuerfahrrädern und Niegelnagelneuwagen mit und ohne Verdecks, zwischen Leuten, die ihren Restauranttisch unbekümmert lachend ebenso voll bestellt haben wie wir. Unsere Kinder wollen zum Spielplatz, legen auf dem Weg noch etwas Geld in den Hut des Gitarristen. Er nickt kurz, spielt weiter. Alles schön.

Als der Musiker irgendwann geht, verabschiedet er sich persönlich. Nur von uns. Ich bin irritiert. Irgendwann begreife ich: Wir sind offenkundig die einzigen, die ihm etwas gegeben haben.

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Neuland statt SPD; Zeit, innovativ zu wählen – die Piraten?:

Der Punkt ist nämlich der: ich muss die Piraten wählen. Nicht, weil mir das eine Stimme aus einem brennenden Dornbusch erzählt hat, oder weil mein Gewissen mir das vorschriebe, sondern weil ich mir von einem brauchbaren Stimmenanteil für die Piraten eine – und sei es auch noch so begrenzte – disziplinierende Wirkung auf die etablierten Parteien verspreche.

Ich weiß natürlich nicht, ob Ursula von der Leyens Bemühungen um ein harmonischeres Internet – angeblich stand der Kampf gegen Kinderpornografie dabei im Vordergrund, oder ein andermal auch der Schutz minderjähriger Internetnutzer –, verfassungsrechtlich eine echte Chance hatten. Ich weiß aber, dass ich als Internetnutzer nicht nur der Kanzlerin, sondern auch jeder Partei den Buckel runterrutschen kann, wenn es um meine Opposition gegen Ausspähung und Profiling meiner Online-Aktivitäten durch aus- oder inländische Organisationen geht.

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Artikel auf Spiegel Online zu NFP:

Die Statistiken sprechen durchaus für die Natürliche Familienplanung. Mit Hilfe des etablierten Verfahrens Sensiplan (richtige Anwendung vorausgesetzt) werden innerhalb eines Jahres nur 0.4 von 100 Frauen schwanger, bei der Anti-Baby-Pille liegen die Werte zwischen 0.1 und 0.9 pro Jahr und hundert Frauen. „In 89 Prozent der Fälle lässt sich über diese Methode der Eisprung auf plus minus einen Tag genau festlegen“, sagt Petra Frank-Herrmann, die am Zentrum für Natürliche Familienplanung der Universität Heidelberg arbeitet.

Auf die natürliche Familienplanung könnten die Frauen selbst dann setzen, wenn sie einen unregelmäßigen Zyklus haben, sagt Frank-Herrmann. „Aus der aktuellen Zyklusbeobachtung können die Frauen beurteilen, ob sie fruchtbar sind oder nicht.“ Das Verfahren will allerdings gelernt sein: Wie, wo und wie lange muss man die Temperatur messen? Wie wirken sich Störfaktoren wie zu wenig Schlaf, Schichtdienst oder ein Wechsel der Zeitzonen aus? Kurse und Bücher können dabei helfen, die nötigen Informationen zu erhalten.


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